{"id":6493,"date":"2012-11-30T21:30:40","date_gmt":"2012-11-30T19:30:40","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=6493"},"modified":"2012-11-30T21:30:40","modified_gmt":"2012-11-30T19:30:40","slug":"xi-b-49-11-kein-erlass-von-aussetzungszinsen-nach-par-237-ao-auch-wenn-die-aussetzung-der-umsatzsteuer-auf-meinungsverschiedenheiten-der-steuerbehoerden-im-reverse-charge-verfahren-beruht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/xi-b-49-11-kein-erlass-von-aussetzungszinsen-nach-par-237-ao-auch-wenn-die-aussetzung-der-umsatzsteuer-auf-meinungsverschiedenheiten-der-steuerbehoerden-im-reverse-charge-verfahren-beruht\/","title":{"rendered":"XI&nbsp;B&nbsp;49\/11 &#8211; Kein Erlass von Aussetzungszinsen nach &sect; 237 AO, auch wenn die Aussetzung der Umsatzsteuer auf Meinungsverschiedenheiten der Steuerbeh&ouml;rden im Reverse-Charge-Verfahren beruht"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 11.4.2012, XI B 49\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Kein Erlass von Aussetzungszinsen nach &sect; 237 AO, auch wenn die Aussetzung der Umsatzsteuer auf Meinungsverschiedenheiten der Steuerbeh&ouml;rden im Reverse-Charge-Verfahren beruht<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) &#8211;eine zur X-Unternehmensgruppe geh&ouml;rende GmbH mit Sitz in Y&#8211; verkaufte u.a. Klingelt&ouml;ne f&uuml;r Mobilfunktelefone an (&uuml;berwiegend private) Kunden im &uuml;brigen Gemeinschaftsgebiet (A). Der Vertrieb erfolgte weitgehend &uuml;ber eine in A ans&auml;ssige Gesch&auml;ftspartnerin (P), die u.a. die Klingelt&ouml;ne &uuml;ber verschiedene Mobilfunknetzbetreiber in A an die Endkunden weiterleitete.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dies f&uuml;hrte zu folgenden Abrechnungsvorg&auml;ngen: Der Kunde erhielt von seinem Mobilfunkanbieter eine Rechnung, in der dieser ihm einen Betrag belastete, in dem die Umsatzsteuer A enthalten war. Diese Umsatzsteuer f&uuml;hrte der jeweilige Mobilfunkanbieter an die Steuerbeh&ouml;rden in A ab. Gleichzeitig &uuml;bersandte er P eine monatliche Aufstellung und &uuml;berwies ihr den ihr zustehenden Betrag zuz&uuml;glich Umsatzsteuer A. Diesen von den Mobilfunkanbietern als Vorsteuer geltend gemachten Umsatzsteuerbetrag f&uuml;hrte P an die Steuerbeh&ouml;rde in A ab. Au&szlig;erdem &uuml;bersandte P der Kl&auml;gerin monatlich eine Eigenrechnung und &uuml;berwies ihr &#8211;ohne gesonderten Umsatzsteuerausweis&#8211; den vereinbarten Anteil f&uuml;r jede von den Kunden erworbene Leistung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Finanzbeh&ouml;rden in A gingen von einer Dienstleistungskommission und davon aus, dass die Kl&auml;gerin ihre Leistungen in A an die P erbracht habe und P nach dem Reverse-Charge-Verfahren in Anspruch zu nehmen sei. Dementsprechend &uuml;berwies P an die Kl&auml;gerin jeweils nur einen Betrag in H&ouml;he des Nettoentgelts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Demgegen&uuml;ber vertrat das deutsche Finanzamt (FA), der Beklagte und Beschwerdegegner, die Auffassung, die Kl&auml;gerin leiste unmittelbar an die Endkunden in A; P sowie die Mobilfunkanbieter leisteten nur technische &Uuml;bermittlungsleistungen. Da der Leistungsort danach im Inland liege, setzte das FA Umsatzsteuer-Vorauszahlungen f&uuml;r die Monate Januar und Februar 2005 gegen die Kl&auml;gerin fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf den Einspruch der Kl&auml;gerin hin setzte das FA die Umsatzsteuer-Vorauszahlungen im M&auml;rz 2006 antragsgem&auml;&szlig; aus. Auf Rechtsmittel der P und anderer Unternehmen folgte die Steuerbeh&ouml;rde in A der deutschen Auffassung und erstattete der P die gezahlte Umsatzsteuer ohne Zinsen. P zahlte daraufhin im April 2007 die Betr&auml;ge an die Kl&auml;gerin, die sie an ihr FA abf&uuml;hrte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Bescheid vom 9.&nbsp;Mai 2007 setzte das FA Aussetzungszinsen in H&ouml;he von 24.467&nbsp;EUR fest. Den Erlassantrag der Kl&auml;gerin lehnte das FA mit Bescheid vom 21.&nbsp;Mai 2007 ab. Einspruch und Klage hatten keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt die Zulassung der Revision wegen der grunds&auml;tzlichen Bedeutung der Rechtssache gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist jedenfalls unbegr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Wird die Beschwerde &#8211;wie im Streitfall&#8211; mit der grunds&auml;tzlichen Bedeutung der Rechtssache begr&uuml;ndet, so muss in der Beschwerdebegr&uuml;ndung eine bestimmte &#8211;abstrakte&#8211; kl&auml;rungsbed&uuml;rftige und in dem angestrebten Revisionsverfahren auch kl&auml;rbare Rechtsfrage herausgestellt und &#8211;unter Ber&uuml;cksichtigung von Rechtsprechung und Literatur&#8211; deren Bedeutung f&uuml;r die Allgemeinheit substantiiert dargetan werden; kein Kl&auml;rungsbedarf besteht im Allgemeinen mehr, wenn eine Rechtsfrage bereits vom Bundesfinanzhof (BFH) gekl&auml;rt worden ist (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 18.&nbsp;August 2008 XI&nbsp;B&nbsp;192\/07, BFH\/NV 2008, 2065; Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;115 Rz&nbsp;28, &sect;&nbsp;116 Rz&nbsp;26, 32; Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;115 FGO Rz&nbsp;50, &sect;&nbsp;116 Rz&nbsp;43&nbsp;f.; Lange in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;115 FGO Rz&nbsp;107, &sect;&nbsp;116 FGO Rz&nbsp;179; jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kl&auml;gerin macht geltend, es sei die Rechtsfrage zu kl&auml;ren, &quot;ob ein (Teil-)Erlass von Aussetzungszinsen nach &sect;&nbsp;237 der Abgabenordnung f&uuml;r ausgesetzte Umsatzsteuer wegen Ermessensreduktion auf Null zu gew&auml;hren ist, wenn die Aussetzung der Vollziehung und die damit verbundene vorl&auml;ufige Nichtzahlung der Umsatzsteuer darauf beruht, dass sowohl die Bundesrepublik Deutschland wie auch ein anderer EU-Mitgliedstaat denselben Umsatz jeweils in ihrem Staat als umsatzsteuerbar und umsatzsteuerpflichtig erachten und die Umsatzsteuer daher zun&auml;chst (nur) in dem anderen Staat entrichtet und nach Einigung der Steuerbeh&ouml;rden &uuml;ber das ausschlie&szlig;lich inl&auml;ndische Besteuerungsrecht von diesem erstattet und sodann vom Steuerpflichtigen unverz&uuml;glich an den deutschen Fiskus abgef&uuml;hrt wird.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die dargestellte Rechtsfrage bedarf keiner Kl&auml;rung durch den BFH, weil sie sich auf der Grundlage der bereits ergangenen Rechtsprechung ohne weiteres im Sinne der Entscheidung des Finanzgerichts beantworten l&auml;sst. Allein das Fehlen einer Entscheidung des BFH zu der konkreten Fallgestaltung begr&uuml;ndet weder einen Kl&auml;rungsbedarf noch das erforderliche Allgemeininteresse (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 15.&nbsp;Januar 2008 VIII&nbsp;B&nbsp;222\/06, BFH\/NV 2008, 753, unter 1.a).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Voraussetzungen, unter denen auf die Festsetzung von Aussetzungszinsen verzichtet werden kann, decken sich mit den Voraussetzungen f&uuml;r Billigkeitsma&szlig;nahmen nach den &sect;&sect;&nbsp;163 und 227 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211; (vgl. BFH-Urteil vom 20.&nbsp;November 1987 VI&nbsp;R&nbsp;140\/84, BFHE 152, 310, BStBl II 1988, 402). In der Rechtsprechung sind die generellen Ma&szlig;st&auml;be f&uuml;r den (Teil-)Erlass von Nachzahlungszinsen bzw. von Aussetzungszinsen aus sachlichen Billigkeitsgr&uuml;nden gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;227 bzw. gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;237 Abs.&nbsp;4 i.V.m. &sect;&nbsp;234 Abs.&nbsp;2 AO gekl&auml;rt (vgl. BFH-Beschluss vom 29.&nbsp;September 2010 XI&nbsp;B&nbsp;74\/09, BFH\/NV 2011, 194, unter 3.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Mit der Erhebung von Aussetzungszinsen sollen der Zinsnachteil des Steuergl&auml;ubigers, der den Abgabenbetrag nicht schon bei F&auml;lligkeit, sondern erst nach Beendigung der Aussetzung der Vollziehung (AdV) erh&auml;lt, und der Zinsvorteil des Steuerpflichtigen ausgeglichen werden (vgl. BFH-Urteil vom 21.&nbsp;Februar 1991 V&nbsp;R&nbsp;105\/84, BFHE 163, 313, BStBl II 1991, 498).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Nach der Rechtsprechung beh&auml;lt der durch die Verzinsung vom Gesetzgeber bezweckte Vorteilsausgleich grunds&auml;tzlich auch dann seinen Sinn, wenn staatliche Stellen f&uuml;r deren Entstehung und H&ouml;he (mit-)verantwortlich sind (vgl. BFH-Urteil vom 20.&nbsp;Januar 1997 V&nbsp;R&nbsp;28\/95, BFHE 183, 353, BStBl II 1997, 716) und beispielsweise ohne Hinzutun des Steuerpflichtigen die angemessene Verfahrensdauer &uuml;berschritten wird, und zwar auch f&uuml;r die Zeitspanne zwischen dem zeitlich angemessenen und dem tats&auml;chlichen, sp&auml;teren Prozessende (BFH-Urteil in BFHE 163, 313, BStBl II 1991, 498). Ob die m&ouml;glichen Zinsvorteile tats&auml;chlich gezogen worden sind, ist grunds&auml;tzlich unbeachtlich (vgl. BFH-Urteil vom 23.&nbsp;Oktober 2003 V&nbsp;R&nbsp;2\/02, BFHE 203, 410, BStBl II 2004, 39).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Umstand, dass die Aussetzung der von der Kl&auml;gerin geschuldeten Umsatzsteuer darauf beruht, dass &uuml;ber das Besteuerungsrecht an dem von der Kl&auml;gerin ausgef&uuml;hrten Umsatz zwischen der deutschen und den ausl&auml;ndischen Steuerbeh&ouml;rden Meinungsverschiedenheiten bestanden, rechtfertigt einen Erlass demnach nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Der Senat teilt nicht die Auffassung der Kl&auml;gerin, die vorgenannten Grunds&auml;tze der BFH-Rechtsprechung k&ouml;nnten angesichts der Harmonisierungsbem&uuml;hungen im Rahmen der Umsatzbesteuerung bei unterschiedlichen Rechtsauffassungen von EU-Mitgliedstaaten keine Anwendung finden. Denn die Kl&auml;gerin wird nicht schlechter gestellt, als sie st&uuml;nde, wenn die Aussetzung darauf beruhen w&uuml;rde, dass im Rahmen des &sect;&nbsp;13b des Umsatzsteuergesetzes das inl&auml;ndische FA des Leistenden eine Leistung umsatzsteuerrechtlich abweichend von dem FA des Leistungsempf&auml;ngers beurteilt. Auch dann ist der ausgesetzte Steuerbetrag zu verzinsen, wenn die ausgesetzte Steuer am Ende tats&auml;chlich geschuldet ist (vgl. BFH-Beschluss in BFH\/NV 2011, 194).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Entscheidend bei der Pr&uuml;fung eines (Teil-)Erlasses von Aussetzungszinsen aus sachlichen Billigkeitsgr&uuml;nden ist nach der Rechtsprechung, ob der Steuerschuldner aufgrund der erst sp&auml;teren Steuernachforderung Liquidit&auml;tsvorteile gehabt hat, weil er von der Zahlung dieser geschuldeten Steuer vorerst &quot;freigestellt&quot; gewesen ist (BFH-Beschl&uuml;sse in BFH\/NV 2008, 753, und vom 2.&nbsp;November 2006 V&nbsp;B&nbsp;24\/05, BFH\/NV 2007, 208).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Die Kl&auml;gerin ist aufgrund der AdV der Umsatzsteuer-Voranmeldungen, in denen f&uuml;r die in den Monaten Januar und Februar 2005 ausgef&uuml;hrten fraglichen Leistungen Umsatzsteuer festgesetzt worden war, zun&auml;chst von der Zahlung der dem Aussetzungsbetrag entsprechenden &#8211;und wie sich herausgestellt hat zu Recht geschuldeten&#8211; Steuer &quot;freigestellt&quot; gewesen (vgl. BFH-Urteil vom 30.&nbsp;M&auml;rz 2006 V&nbsp;R&nbsp;60\/04, BFH\/NV 2006, 1434, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung 2006, 857). Ohne die betreffende AdV der Bescheide h&auml;tte sie den jeweiligen Steuerbetrag an das FA &uuml;berweisen m&uuml;ssen; sie h&auml;tte &uuml;ber entsprechend weniger Liquidit&auml;t verf&uuml;gt bzw. h&auml;tte im Falle einer Fremdfinanzierung Zinsen an den Kreditgeber zahlen m&uuml;ssen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Entgegen der Ansicht der Kl&auml;gerin spricht f&uuml;r die Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit der von ihr aufgeworfenen Rechtsfrage nicht das &#8211;mittlerweile durch Urteil vom 24.&nbsp;August 2011 abgeschlossene&#8211; Revisionsverfahren I&nbsp;R&nbsp;87\/10 (BFH\/NV 2012, 161).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Denn diesem Verfahren liegt weder ein vergleichbarer Sachverhalt zugrunde, noch sind die Rechtsfragen vergleichbar. In dem Verfahren I&nbsp;R&nbsp;87\/10 ging es um die Frage, ob die unzutreffende Auskunft einer nicht mit der Steuerfestsetzung befassten Beh&ouml;rde, die deutsche Staatsangeh&ouml;rigkeit gehe durch die Heirat mit einem italienischen Staatsangeh&ouml;rigen automatisch verloren, eine Bindung der Finanzbeh&ouml;rden nach Treu und Glauben bewirkt und im Verfahren wegen abweichender Steuerfestsetzung aus Billigkeitsgr&uuml;nden zu einer Ermessensreduzierung auf Null f&uuml;hren kann (vgl. BFH\/NV 2012, 161).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hier geht es dagegen im Kern um die Frage, ob die Kl&auml;gerin einen Liquidit&auml;tsvorteil erlangt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Von einer weiteren Begr&uuml;ndung des Beschlusses wird gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 FGO abgesehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 11.4.2012, XI B 49\/11 Kein Erlass von Aussetzungszinsen nach &sect; 237 AO, auch wenn die Aussetzung der Umsatzsteuer auf Meinungsverschiedenheiten der Steuerbeh&ouml;rden im Reverse-Charge-Verfahren beruht Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) &#8211;eine zur X-Unternehmensgruppe geh&ouml;rende GmbH mit Sitz in Y&#8211; verkaufte u.a. Klingelt&ouml;ne f&uuml;r Mobilfunktelefone an (&uuml;berwiegend private) Kunden im &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/xi-b-49-11-kein-erlass-von-aussetzungszinsen-nach-par-237-ao-auch-wenn-die-aussetzung-der-umsatzsteuer-auf-meinungsverschiedenheiten-der-steuerbehoerden-im-reverse-charge-verfahren-beruht\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">XI&nbsp;B&nbsp;49\/11 &#8211; Kein Erlass von Aussetzungszinsen nach &sect; 237 AO, auch wenn die Aussetzung der Umsatzsteuer auf Meinungsverschiedenheiten der Steuerbeh&ouml;rden im Reverse-Charge-Verfahren beruht<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-6493","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6493","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6493"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6493\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6493"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6493"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6493"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}