{"id":6504,"date":"2012-11-30T16:11:06","date_gmt":"2012-11-30T14:11:06","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=6504"},"modified":"2012-11-30T16:11:06","modified_gmt":"2012-11-30T14:11:06","slug":"iii-r-50-08-keine-rechtsgrundlage-fuer-zusammenfassung-von-kinderfreibetraegen-bei-vergleichsrechnung-nach-par-31-estg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-50-08-keine-rechtsgrundlage-fuer-zusammenfassung-von-kinderfreibetraegen-bei-vergleichsrechnung-nach-par-31-estg\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;50\/08 &#8211; Keine Rechtsgrundlage f&uuml;r Zusammenfassung von Kinderfreibetr&auml;gen bei Vergleichsrechnung nach &sect; 31 EStG"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 19.4.2012, III R 50\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Keine Rechtsgrundlage f&uuml;r Zusammenfassung von Kinderfreibetr&auml;gen bei Vergleichsrechnung nach &sect; 31 EStG<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;ger und Revisionsbeklagten (Kl&auml;ger) wurden im Jahr 2003 (Streitjahr) zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Sie bezogen f&uuml;r ihre beiden minderj&auml;hrigen Kinder f&uuml;r das gesamte Streitjahr Kindergeld. Der Kl&auml;ger erzielte u.a. gewerbliche Eink&uuml;nfte aus Beteiligungen in H&ouml;he von .\/.&nbsp;27.666&nbsp;EUR und aus einem tarifbeg&uuml;nstigten &#8211;nach &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes in der f&uuml;r das Streitjahr ma&szlig;geblichen Fassung (EStG) erm&auml;&szlig;igt zu besteuernden&#8211; Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn in H&ouml;he von 25.091&nbsp;EUR. Das zu versteuernde Einkommen der Kl&auml;ger belief sich auf 49.030&nbsp;EUR. Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ber&uuml;cksichtigte in der Einkommensteuerfestsetzung f&uuml;r 2003 f&uuml;r die beiden Kinder keine Freibetr&auml;ge nach &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 EStG, weil die gebotene steuerliche Freistellung des Existenzminimums der Kinder &uuml;ber das ausgezahlte Kindergeld bewirkt worden sei. Die Einkommensteuer wurde auf 8.508&nbsp;EUR festgesetzt<em>.<\/em> Bei der Festsetzung des Solidarit&auml;tszuschlags f&uuml;r 2003 wurden die genannten Freibetr&auml;ge abgezogen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit dem gegen die Einkommensteuerfestsetzung f&uuml;r 2003 eingelegten Einspruch begehrten die Kl&auml;ger den Abzug der Freibetr&auml;ge nach &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 EStG, weil sich hierdurch &#8211;nach Hinzurechnung des ausbezahlten Kindergeldes&#8211; lediglich eine festzusetzende Einkommensteuer in H&ouml;he von 6.747&nbsp;EUR ergebe. Der Einspruch blieb erfolglos.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die von den Kl&auml;gern gegen die Festsetzung der Einkommensteuer und des Solidarit&auml;tszuschlags f&uuml;r 2003 erhobene Klage war hinsichtlich der Einkommensteuer, nicht aber hinsichtlich des Solidarit&auml;tszuschlags erfolgreich. Das Finanzgericht (FG) &auml;nderte die Einkommensteuerfestsetzung f&uuml;r 2003 mit der Ma&szlig;gabe, dass die Freibetr&auml;ge gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 EStG in H&ouml;he von 11.616&nbsp;EUR vom Einkommen abgezogen und das ausgezahlte Kindergeld in H&ouml;he von 3.696&nbsp;EUR der tariflichen Einkommensteuer hinzugerechnet wurden (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2008, 1460). Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte es im Wesentlichen aus, dass sich die von der Finanzverwaltung (R&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 der Einkommensteuer-Richtlinien &#8211;EStR&#8211; 2003) praktizierte G&uuml;nstigerpr&uuml;fung, wonach bei mehreren Kindern die Vergleichsrechnung f&uuml;r jedes Kind einzeln durchzuf&uuml;hren sei, nur bei ausschlie&szlig;licher Anwendung des Grund- oder Splittingtarifs als richtig erweise. Etwas anderes k&ouml;nne sich bei Hinzutreten der Tarifverg&uuml;nstigung nach &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 EStG ergeben. Dementsprechend sei im Streitfall die kumulative Gew&auml;hrung der Freibetr&auml;ge nach &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 EStG unter Hinzurechnung des ausgezahlten Kindergeldes f&uuml;r die Kl&auml;ger vorteilhafter als die Einzelbetrachtung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Begr&uuml;ndung der auf die Einkommensteuer f&uuml;r 2003 beschr&auml;nkten Revision tr&auml;gt das FA vor, die vom FG bef&uuml;rwortete Gesamtbetrachtung k&ouml;nne &#8211;wie die beigef&uuml;gte Beispielsberechnung zeige&#8211; in bestimmten F&auml;llen trotz ausschlie&szlig;licher Anwendung des Grund- oder Splittingtarifs gegen&uuml;ber der Einzelbetrachtung nachteilig sein. Schon deshalb sei die Vergleichsrechnung f&uuml;r jedes Kind einzeln durchzuf&uuml;hren. Diese Berechnungsmethode sei aber auch im Falle des Zusammentreffens laufender Eink&uuml;nfte mit solchen nach &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 EStG anzuwenden, weil die eintretenden &quot;&Uuml;bereffekte&quot; eine ausschlie&szlig;liche Folge des &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 EStG seien. Die Auslegung des FG lasse sich auch nicht unter dem Aspekt einer verfassungskonformen Auslegung aufrechterhalten, da sie lediglich der Optimierung eines rechnerischen Effekts in einer konkret bestimmbaren Gruppe von Sonderf&auml;llen diene.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>W&auml;hrend des Revisionsverfahrens ergingen infolge zweier ge&auml;nderter Gewinnfeststellungsbescheide (Grundlagenbescheide) zwei Einkommensteuer-&Auml;nderungsbescheide f&uuml;r 2003, die jeweils zu einer Korrektur der beim Kl&auml;ger angesetzten gewerblichen Eink&uuml;nfte aus Beteiligungen f&uuml;hrten. In dem ersten &Auml;nderungsbescheid f&uuml;r 2003 vom 25.&nbsp;Oktober 2010 wurden die von den Kl&auml;gern begehrten Freibetr&auml;ge nach &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 EStG abgezogen. Daraufhin ordnete der Senat mit Beschluss vom 2.&nbsp;Mai 2011 das Ruhen des Verfahrens an, weil der die Korrektur ausl&ouml;sende Gewinnfeststellungsbescheid angefochten worden war. Der zweite &Auml;nderungsbescheid vom 3.&nbsp;Januar 2012, dem nunmehr der in Bestandskraft erwachsene Gewinnfeststellungsbescheid zugrunde lag, ber&uuml;cksichtigte hingegen keine Freibetr&auml;ge nach &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 EStG mehr, weil &#8211;wie im urspr&uuml;nglich angegriffenen Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2003 vom 14.&nbsp;April 2005&#8211; die gebotene steuerliche Freistellung des Existenzminimums der Kinder &uuml;ber das ausgezahlte Kindergeld bewirkt worden sei. Der zweite &Auml;nderungsbescheid unterschied sich von dem Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2003 vom 14.&nbsp;April 2005 allein darin, dass der Verlust des Kl&auml;gers aus den gewerblichen Beteiligungseink&uuml;nften um 65&nbsp;EUR erh&ouml;ht wurde. Danach belief sich das zu versteuernde Einkommen der Kl&auml;ger nunmehr auf 48.965&nbsp;EUR. Das FA setzte die Einkommensteuer auf 8.490&nbsp;EUR fest. Der Senat hat das Verfahren zwischenzeitlich wieder fortgesetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt sinngem&auml;&szlig;, das Urteil des FG hinsichtlich der Einkommensteuer f&uuml;r 2003 aufzuheben und die Klage auch insoweit abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beteiligten sind mit einer Entscheidung ohne m&uuml;ndliche Verhandlung einverstanden (&sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt hinsichtlich der angegriffenen Einkommensteuerfestsetzung 2003 zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Abweisung der Klage auch insoweit (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das Urteil des FG ist bereits aus verfahrensrechtlichen Gr&uuml;nden aufzuheben. Da w&auml;hrend des Revisionsverfahrens &Auml;nderungsbescheide ergangen sind, ist das Urteil gegenstandslos geworden (z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 10.&nbsp;November 2004 XI&nbsp;R&nbsp;30\/04, BFHE 208, 194, BStBl II 2005, 274, m.w.N.). Einer Zur&uuml;ckverweisung an das FG nach &sect;&nbsp;127 FGO bedarf es jedoch nicht, weil sich im Ergebnis durch die &Auml;nderungen nach &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Abgabenordnung der bisherige Streitstoff nicht ver&auml;ndert hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Senat entscheidet &uuml;ber den gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;68 Satz&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;121 Satz&nbsp;1 FGO zum Gegenstand des Revisionsverfahrens gewordenen Einkommensteuerbescheid vom 3.&nbsp;Januar 2012.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Revision ist auch in der Sache begr&uuml;ndet. Zu Unrecht hat das FG bei der Vergleichsrechnung nach &sect;&nbsp;31 EStG die f&uuml;r zwei Kinder der Kl&auml;ger zu ber&uuml;cksichtigenden Freibetr&auml;ge nach &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 EStG zusammengefasst und keine Einzelberechnung vorgenommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;31 Satz&nbsp;1 EStG wird die steuerliche Freistellung eines Einkommensbetrags in H&ouml;he des Existenzminimums eines Kindes einschlie&szlig;lich der Bedarfe f&uuml;r Betreuung und Erziehung oder Ausbildung entweder durch die Freibetr&auml;ge nach &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 EStG oder durch das Kindergeld nach dem X.&nbsp;Abschnitt des EStG bewirkt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Welche der beiden Alternativen des &sect;&nbsp;31 Satz&nbsp;1 EStG im Einzelfall zutrifft, bestimmt sich nach &sect;&nbsp;31 Satz&nbsp;4 EStG. Hiernach sind die Freibetr&auml;ge nach &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 EStG abzuziehen, wenn das Kindergeld die gebotene steuerliche Freistellung nicht in vollem Umfang bewirkt; in diesem Fall wird das gezahlte Kindergeld der Einkommensteuer hinzugerechnet (&sect;&nbsp;36 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG). Die gebotene steuerliche Freistellung wird nicht in vollem Umfang bewirkt, wenn das Kindergeld geringer ist als die Entlastung, die bei Abzug der Freibetr&auml;ge nach &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 EStG eintritt. Die Systematik des Gesetzes erfordert daher eine Vergleichsrechnung. Bei mehreren zu ber&uuml;cksichtigenden Kindern stellt sich die Frage, ob die Vergleichsrechnung f&uuml;r jedes Kind einzeln (Einzelbetrachtung) oder f&uuml;r alle Kinder gemeinsam unter Zusammenfassung aller Freibetr&auml;ge und Hinzurechnung des gesamten Kindergeldes (Gesamtbetrachtung) durchzuf&uuml;hren ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Senat hat in seinem Urteil vom 28.&nbsp;April 2010 III&nbsp;R&nbsp;86\/07 (BFHE 230, 294, BStBl II 2011, 259) die im Regelfall f&uuml;r den Steuerpflichtigen g&uuml;nstigere Einzelbetrachtung als die gesetzlich vorgegebene Berechnungsmethode qualifiziert. Diese Auffassung wird auch nahezu einhellig in der Literatur (vgl. Schmidt\/Loschelder, EStG, 31.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;31 Rz&nbsp;13; Bl&uuml;mich\/Selder, &sect;&nbsp;31 EStG Rz&nbsp;43; Pust in Littmann\/Bitz\/Pust, Das Einkommensteuerrecht, Kommentar, &sect;&nbsp;31 EStG Rz&nbsp;242; Jachmann, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;31 Rz&nbsp;B&nbsp;28; Seiler in Kirchhof, EStG, 11.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;31 Rz&nbsp;8; D&uuml;rr in Frotscher, EStG, Freiburg 2011, &sect;&nbsp;31 Rz&nbsp;46; Stache in Bordewin\/Brandt, &sect;&nbsp;31 EStG Rz&nbsp;33a; i.E. ebenso Helmke in Helmke\/Bauer, Familienleistungsausgleich, Kommentar, Fach&nbsp;A, I.&nbsp;Kommentierung, &sect;&nbsp;31 Rz&nbsp;23; Plenker, Der Betrieb &#8211;DB&#8211; 1996, 2095; Leichtle, DB 1997, 1149; Kanzler in Herrmann\/ Heuer\/Raupach, &sect;&nbsp;31 EStG Rz&nbsp;33; a.A. FG des Landes Sachsen-Anhalt, Urteil vom 14.&nbsp;Oktober 2002&nbsp;&nbsp;1&nbsp;K&nbsp;925\/98, EFG 2003, 169) und von der Finanzverwaltung (Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 18.&nbsp;Dezember 1995 IV&nbsp;B&nbsp;5 -S&nbsp;2282a- 438\/95&nbsp;II, BStBl I 1995, 805 Rz&nbsp;7; R&nbsp;31 Abs.&nbsp;1 EStR 2008) vertreten. Zugleich hat sich der Senat in seinem Urteil in BFHE 230, 294, BStBl II 2011, 259 gegen ein Wahlrecht entschieden, die f&uuml;r mehrere Kinder zu gew&auml;hrenden Freibetr&auml;ge zusammenzufassen, wenn dies bei Anwendung der sog. F&uuml;nftelregelung nach &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 EStG g&uuml;nstiger sein sollte. Wegen der Einzelheiten wird auf das genannte Senatsurteil verwiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Hieran h&auml;lt der Senat fest. Die Vergleichsrechnung ist auch dann f&uuml;r jedes Kind einzeln durchzuf&uuml;hren, wenn bei Anwendung des &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 EStG die zusammengefasste Gew&auml;hrung der Freibetr&auml;ge nach &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 EStG vorteilhafter sein sollte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Abweichendes ergibt sich nicht aus dem von dem FG und den Kl&auml;gern hervorgehobenen Gesichtspunkt, die Beschr&auml;nkung der G&uuml;nstigerpr&uuml;fung nach &sect;&nbsp;31 Satz&nbsp;4 EStG auf die Einzelbetrachtung bed&uuml;rfe bei Anwendung des &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 EStG einer gesetzlichen Regelung<em>.<\/em> Vielmehr ergibt sich aus &sect;&nbsp;31 Satz&nbsp;1 EStG und &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 EStG, dass die Vergleichsrechnung f&uuml;r jedes Kind einzeln durchzuf&uuml;hren ist. Daher bed&uuml;rfte umgekehrt das vom FG im Ergebnis bejahte &#8211;von der gesetzlich normierten Berechnungsmethode abweichende&#8211; (Wahl)Recht einer St&uuml;tze im Gesetz. Hierf&uuml;r finden sich aber keine Anhaltspunkte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Das vom FG angenommene Wahlrecht l&auml;sst sich auch nicht mittels einer verfassungskonformen Auslegung des &sect;&nbsp;31 S&auml;tze&nbsp;1 und 4 EStG sowie des &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 EStG rechtfertigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine verfassungskonforme Auslegung kommt in Betracht, wenn die Rechtsnorm nach den herk&ouml;mmlichen Auslegungsregeln mehrere Interpretationen zul&auml;sst, von denen eine mit der Verfassung &uuml;bereinstimmt, wohingegen andere zu einem verfassungswidrigen Ergebnis f&uuml;hren (z.B. Senatsurteil vom 12.&nbsp;Dezember 2002 III&nbsp;R&nbsp;33\/01, BFHE 201, 379, BStBl II 2003, 322).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ein hierauf gest&uuml;tztes Wahlrecht scheitert aber schon daran, dass &sect;&nbsp;31 EStG hinsichtlich der Frage, nach welcher Methode die Vergleichsrechnung durchzuf&uuml;hren ist, nicht mehrere Vorgehensweisen zul&auml;sst. Vielmehr geben die ma&szlig;geblichen gesetzlichen Vorschriften (&sect;&nbsp;31 S&auml;tze&nbsp;1 und 4, &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 EStG) die Einzelbetrachtung vor. Die verfassungskonforme Auslegung ist kein Mittel, ein in einzelnen F&auml;llen als unbefriedigend erachtetes &#8211;ggf. als verfassungswidrig anzusehendes&#8211; Gesetz zu optimieren (vgl. dazu Dr&uuml;en in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;4 AO Rz&nbsp;239b).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Schlie&szlig;lich hat der Senat bereits in seinem Urteil in BFHE 230, 294, BStBl II 2011, 259 unter Hinweis auf die Rechtsprechung des BFH dargelegt, dass die Einzelbetrachtung bei Anwendung des &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 EStG zu keiner verfassungswidrigen Besteuerung f&uuml;hrt. Die hieran in der Literatur ge&auml;u&szlig;erte Kritik (vgl. Siegel, Deutsche Steuer-Zeitung 2010, 859, 865&nbsp;f.) enth&auml;lt keine neuen rechtlichen Gesichtspunkte, die der Senat bei seiner Entscheidung noch nicht gepr&uuml;ft hat. Er h&auml;lt daher auch an der Auffassung fest, dass der durch &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 EStG ausgel&ouml;ste Anstieg der Steuerprogression weder gegen den Gleichheitssatz (Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes &#8211;GG&#8211;) noch gegen das Verbot konfiskatorischer Besteuerung (Art.&nbsp;14 Abs.&nbsp;1 GG) verst&ouml;&szlig;t.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 19.4.2012, III R 50\/08 Keine Rechtsgrundlage f&uuml;r Zusammenfassung von Kinderfreibetr&auml;gen bei Vergleichsrechnung nach &sect; 31 EStG Tatbestand 1&nbsp; I. 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