{"id":65082,"date":"2015-11-06T17:04:10","date_gmt":"2015-11-06T15:04:10","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65082"},"modified":"2015-11-06T17:04:10","modified_gmt":"2015-11-06T15:04:10","slug":"iii-r-26-12-anschaffungszeitpunkt-im-zulagenrecht-insolvenzfeststellung-im-revisionsverfahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-26-12-anschaffungszeitpunkt-im-zulagenrecht-insolvenzfeststellung-im-revisionsverfahren\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;26\/12 &#8211; Anschaffungszeitpunkt im Zulagenrecht &#8211; Insolvenzfeststellung im Revisionsverfahren"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 23.6.2015, III R 26\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Anschaffungszeitpunkt im Zulagenrecht &#8211; Insolvenzfeststellung im Revisionsverfahren<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Finanzamts &#8230; gegen das Urteil des S&auml;chsischen Finanzgerichts vom 28. November 2011&nbsp;&nbsp;5 K 509\/11 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Feststellungsklage des Finanzamts &#8230; wird abgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens einschlie&szlig;lich des Feststellungsverfahrens hat das Finanzamt &#8230; zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) ist eine GmbH, die sich in Insolvenz befindet und die zuvor im F&ouml;rdergebiet eine Druckerei betrieben hatte. Sie erwarb im Jahr 2005 aufgrund eines Kaufvertrags vom 6.&nbsp;September 2005 eine Offset-Druckmaschine zum Preis von 2.850.000 EUR (netto). Die Maschine wurde am 22.&nbsp;Dezember 2005 geliefert und bis zum Jahresende aufgebaut. In der Zeit vom 2. bis zum 7.&nbsp;Januar 2006 wurde sie von drei Monteuren endg&uuml;ltig installiert und danach in Betrieb genommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragte unter dem 20.&nbsp;Februar 2006 f&uuml;r die Anschaffung der Druckmaschine und weiterer Wirtschaftsg&uuml;ter die Gew&auml;hrung einer Investitionszulage nach &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 des Investitionszulagengesetzes 2005 (InvZulG 2005) mit einem Zulagensatz von 27,5&nbsp;% nach &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;7 Satz 1 Nr.&nbsp;2 InvZulG 2005. Der Beklagte zu 1, Revisionskl&auml;ger und Kl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) gew&auml;hrte die Zulage durch Bescheid vom 10.&nbsp;Mai 2006 zun&auml;chst antragsgem&auml;&szlig; in H&ouml;he von 995.964&nbsp;EUR. Der Bescheid stand unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung (&sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;1 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sp&auml;ter war das FA der Auffassung, die Druckmaschine sei im Jahr 2005 noch nicht betriebsbereit und damit nicht zulagenbeg&uuml;nstigt gewesen. Es &auml;nderte deshalb durch Bescheid vom 3.&nbsp;Mai 2010 den vorhergehenden Festsetzungsbescheid. Es minderte die Zulage um 783.750 EUR, den Betrag, der auf die Maschine entfiel und setzte die Zulage nunmehr auf 212.214 EUR herab. Au&szlig;erdem setzte es nach &sect;&nbsp;6 InvZulG 2005 Zinsen von 188.100 EUR f&uuml;r den R&uuml;ckforderungsbetrag fest. Dagegen wandte sich die Kl&auml;gerin mit Einspruch, der ohne Erfolg blieb (Einspruchsentscheidung vom 2.&nbsp;M&auml;rz 2011). Allerdings minderte das FA durch Bescheid vom selben Tage die Zinsen aus Billigkeitsgr&uuml;nden auf 58.781&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA gew&auml;hrte die Zulage f&uuml;r die Druckmaschine f&uuml;r das Folgejahr 2006. Den R&uuml;ckforderungsanspruch, der sich aus der &Auml;nderung des Zulagenbescheids f&uuml;r das Jahr 2005 ergab, verrechnete es mit dem Anspruch auf Investitionszulage f&uuml;r das Jahr 2006.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Klage gegen den ge&auml;nderten Zulagenbescheid f&uuml;r das Jahr 2005 und gegen die Festsetzung der Zinsen hatte Erfolg. Das Finanzgericht (FG) hob den &Auml;nderungsbescheid sowie den ge&auml;nderten Zinsbescheid auf. Es war der Ansicht, ertragsteuerlich liege ein Anschaffungsvorgang vor. Ma&szlig;gebend sei der Zeitpunkt der Lieferung. Nach den vertraglichen Bedingungen zwischen der Kl&auml;gerin und der Lieferfirma habe die Kl&auml;gerin am 22.&nbsp;Dezember 2005 die wirtschaftliche Verf&uuml;gungsmacht &uuml;ber die Druckmaschine erlangt. Zus&auml;tzlich zur Verf&uuml;gungsmacht komme es nach bisheriger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) auch auf die Betriebsbereitschaft des angeschafften Wirtschaftsguts an. Im Streitfall sei die Montage der Maschine Ende 2005 abgeschlossen gewesen, auch wenn weitere sechs Arbeitstage notwendig gewesen seien, bis die Maschine ordnungsgem&auml;&szlig; in Gebrauch habe genommen werden k&ouml;nnen. Es sei unsch&auml;dlich, wenn nur noch unwesentliche Ma&szlig;nahmen zur Herstellung der Betriebsbereitschaft eines Wirtschaftsguts ausst&uuml;nden. Angesichts der Gr&ouml;&szlig;e und Komplexit&auml;t der Druckmaschine erscheine ein Aufwand von sechs Arbeitstagen als unwesentlich. Auch seien von der Maschine noch im Jahr 2005 Umsatz- und Besch&auml;ftigungsimpulse ausgegangen, wie die bereits in den Monaten November und Dezember 2005 erteilten Druckauftr&auml;ge zeigten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen das Urteil wendet sich das FA mit der Revision. W&auml;hrend des Revisionsverfahrens ist im Februar 2013 das Insolvenzverfahren &uuml;ber das Verm&ouml;gen der Kl&auml;gerin er&ouml;ffnet worden. Der Beklagte zu 2 wurde zun&auml;chst als Sachwalter und durch Beschluss des Amtsgerichts vom &#8230;&nbsp;Dezember 2013 als Insolvenzverwalter eingesetzt. Das FA meldete den Zinsanspruch von 58.781 EUR zur Insolvenztabelle an. Der Beklagte zu 2 bestritt die Forderung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf Anfrage des Gerichts teilte der Beklagte zu 2 mit, dass er das Verfahren nicht aufnehme. Die Kl&auml;gerin &auml;u&szlig;erte sich auf eine entsprechende Anfrage nicht. Das FA hat den Rechtsstreit aufgenommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unter dem 14.&nbsp;M&auml;rz 2013 erlie&szlig; das FA einen ge&auml;nderten Bescheid f&uuml;r das Jahr 2005, durch welchen die Investitionszulage herab- und die Zinsen heraufgesetzt werden sollten. Die &Auml;nderung betraf nicht die Druckmaschine, sondern andere Wirtschaftsg&uuml;ter, f&uuml;r welche das FA Investitionszulage gew&auml;hrt hatte. Nachdem das FA die Unwirksamkeit des Bescheids erkannt hatte, meldete es die Differenzbetr&auml;ge, die sich im Vergleich zur vorherigen Festsetzung der Zulage und der Zinsen ergaben, zur Insolvenztabelle an. Nach einem Widerspruch des Beklagten zu 2 erlie&szlig; das FA einen Feststellungsbescheid nach &sect;&nbsp;251 Abs.&nbsp;3 AO, gegen den sich der Beklagte zu 2 zun&auml;chst mit Einspruch wandte, den er jedoch sp&auml;ter hinsichtlich der beiden Positionen wieder zur&uuml;cknahm.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Begr&uuml;ndung der Revision tr&auml;gt das FA vor, durch die Rechtsprechung des BFH sei gekl&auml;rt, dass ein Wirtschaftsgut im Sinne des Investitionszulagenrechts dann angeschafft sei, wenn der Erwerber dar&uuml;ber wirtschaftlich verf&uuml;gen k&ouml;nne und es betriebsbereit sei. Im Jahr 2005 sei die Druckmaschine noch nicht betriebsbereit gewesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, das angefochtene Urteil aufzuheben und dar&uuml;ber hinaus festzustellen, dass der Widerspruch des Beklagten zu 2 gegen die angemeldete Zinsforderung von 58.781&nbsp;EUR unbegr&uuml;ndet ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte zu 2 hat keinen Antrag gestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Das durch Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens &uuml;ber das Verm&ouml;gen der Kl&auml;gerin zun&auml;chst gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;155 der Finanzgerichtsordnung (FGO) i.V.m. &sect;&nbsp;240 der Zivilprozessordnung unterbrochene Revisionsverfahren wurde durch die Erkl&auml;rung des FA aufgenommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Anspruch des FA auf R&uuml;ckzahlung der f&uuml;r das Jahr 2005 gew&auml;hrten Investitionszulage, der sich aufgrund des &Auml;nderungsbescheids vom 3.&nbsp;Mai 2010 ergab, wurde durch die Verrechnung mit der f&uuml;r das Jahr 2006 festgesetzten Investitionszulage erf&uuml;llt. Der Klageantrag der Kl&auml;gerin, mit dem der &Auml;nderungsbescheid beseitigt werden soll, ist somit auf eine Vermehrung der zur Verteilung zur Verf&uuml;gung stehenden Masse gerichtet, so dass es sich insoweit um einen Aktivprozess handelt (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 7.&nbsp;M&auml;rz 2006 VII&nbsp;R&nbsp;11\/05, BFHE 212, 11, BStBl II 2006, 573, und vom 27.&nbsp;Oktober 2011 III&nbsp;R&nbsp;60\/09, BFH\/NV 2012, 576). Das FA war deshalb nach &sect;&nbsp;85 Abs.&nbsp;2 der Insolvenzordnung befugt, den Rechtstreit aufzunehmen (vgl. z.B. Gr&auml;ber\/ Koch, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., &sect;&nbsp;74 FGO Rz&nbsp;36; Loose in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;251 FGO Rz&nbsp;52).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da der als Insolvenzverwalter eingesetzte Beklagte zu 2 das Verfahren nicht aufgenommen hat, ist er an ihm nicht beteiligt, soweit es um den Anspruch auf Gew&auml;hrung von Investitionszulage f&uuml;r das Jahr 2005 geht (Aktivprozess). Insoweit ist die Kl&auml;gerin neben dem FA verfahrensbeteiligt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Insoweit, als sich das FA gegen die Entscheidung des FG &uuml;ber die Festsetzung der Zinsen richtet, handelt es sich um einen Passivprozess, da bei einer Verpflichtung der Kl&auml;gerin zur Zahlung der Zinsen die Insolvenzmasse geschm&auml;lert w&uuml;rde. Auch insoweit konnte das FA den Rechtsstreit aufnehmen (&sect;&nbsp;179 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;180 Abs.&nbsp;2 InsO). Nach der Aufnahme wandelte sich das Anfechtungsverfahren kraft Gesetzes in ein Insolvenzfeststellungsverfahren um, mit dem das FA gegen&uuml;ber dem Insolvenzverwalter die Feststellung der Forderung zur Insolvenztabelle betreibt (BFH-Urteil vom 13.&nbsp;November 2007 VII&nbsp;R&nbsp;61\/06, BFHE 220, 289, BStBl II 2008, 790). Dies gilt auch dann, wenn die Insolvenz &#8211;wie hier&#8211; im Verlauf eines Revisionsverfahrens eingetreten ist (BFH-Beschluss vom 5.&nbsp;November 2013 IV&nbsp;B&nbsp;108\/13, BFH\/NV 2014, 379). Das FA hat der ver&auml;nderten Prozesssituation durch Umstellung seines Antrags Rechnung getragen. Die Kl&auml;gerin, die als Insolvenzschuldnerin keine Befugnis zur Aufnahme dieses Passivprozesses hat, ist insoweit nicht am Verfahren beteiligt; verfahrensbeteiligt neben dem FA ist vielmehr der Beklagte zu 2.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<blockquote>\n<blockquote>\n<blockquote>\n<blockquote>\n<blockquote>\n<table style=\"margin-left:90\"pt>\n<tr>\n<td>III.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision einschlie&szlig;lich des Feststellungsantrags ist unbegr&uuml;ndet und wird daher zur&uuml;ckgewiesen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 FGO). Im Ergebnis zutreffend hat das FG entschieden, dass der Kl&auml;gerin bereits f&uuml;r das Streitjahr 2005 die Investitionszulage f&uuml;r die Druckmaschine zusteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Kl&auml;gerin hat die Druckmaschine, f&uuml;r welche sie die Investitionszulage beantragt hat, noch im Jahr 2005 angeschafft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 Satz 1 InvZulG 2005 sind die Anschaffung und die Herstellung von neuen abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsg&uuml;tern des Anlageverm&ouml;gens durch Investitionszulage beg&uuml;nstigt, sofern weitere &#8211;hier nicht streitige&#8211; gesetzliche Voraussetzungen erf&uuml;llt sind. Bemessungsgrundlage f&uuml;r die Investitionszulage ist die Summe der Anschaffungs- und Herstellungskosten der im Wirtschaftsjahr oder Kalenderjahr abgeschlossenen beg&uuml;nstigten Investitionen (&sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 InvZulG 2005). Investitionen sind nach &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;4 Satz 5 InvZulG 2005 in dem Zeitpunkt abgeschlossen, in dem die Wirtschaftsg&uuml;ter angeschafft oder hergestellt worden sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Jahr der Anschaffung ist im Ertragsteuerrecht das Jahr der Lieferung (&sect;&nbsp;9a der Einkommensteuer-Durchf&uuml;hrungsverordnung &#8211;EStDV&#8211;). Ein Wirtschaftsgut ist in dem Zeitpunkt angeschafft, in dem der Erwerber nach dem Willen der Vertragsparteien dar&uuml;ber wirtschaftlich verf&uuml;gen kann (Senatsurteil vom 17.&nbsp;Dezember 2009 III&nbsp;R&nbsp;92\/08, BFHE 228, 559, BStBl II 2014, 190 Rz&nbsp;12, m.w.N.; Bl&uuml;mich\/Ehmcke, &sect;&nbsp;6 EStG Rz&nbsp;100).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die Auslegung der im Investitionszulagenrecht verwendeten Begriffe richtet sich grunds&auml;tzlich nach dem Ertragsteuerrecht (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. Senatsurteil vom 25.&nbsp;Januar 1985 III&nbsp;R&nbsp;130\/80, BFHE 143, 192, BStBl II 1985, 309). Der Zweck des InvZulG kann jedoch ausnahmsweise eine abweichende Auslegung rechtfertigen (Senatsurteile vom 19.&nbsp;Januar 1990 III&nbsp;R&nbsp;115\/84, BFHE 160, 352, BStBl II 1993, 136, und vom 26.&nbsp;Januar 2006 III&nbsp;R&nbsp;5\/04, BFHE 212, 381, BStBl II 2006, 771, m.w.N.). Eine solche Abweichung ist nach bisheriger Senatsrechtsprechung dann angezeigt, wenn ein Wirtschaftsgut, &uuml;ber das der Erwerber bereits wirtschaftlich verf&uuml;gen kann, noch nicht betriebsbereit ist. In einem solchen Fall wird der Zeitpunkt der Anschaffung bis zum Zeitpunkt der Betriebsbereitschaft hinausgeschoben. Unwesentliche Montagen (Bagatellmontagen) f&uuml;hren allerdings nicht zu einem Hinausschieben des Anschaffungszeitpunkts (Senatsurteil vom 25.&nbsp;September 1996 III&nbsp;R&nbsp;112\/95, BFHE 182, 226, BStBl II 1998, 70).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Die Betriebsbereitschaft hat der Senat erstmals im Urteil vom 2.&nbsp;September 1988 III&nbsp;R&nbsp;53\/84 (BFHE 154, 413, BStBl II 1988, 1009) in einem Fall gefordert, der &#8211;wie der Streitfall&#8211; die Lieferung und anschlie&szlig;ende Montage einer Maschine betraf. Der Senat war der Ansicht, die Verwendung des Begriffs &quot;geliefert&quot; in &sect;&nbsp;4b Abs.&nbsp;2 Satz 2 InvZulG 1975 zwinge nicht dazu, seine Bedeutung in jeder Beziehung aus dem ertragsteuerlichen Begriff der &quot;Lieferung&quot; i.S. von &sect;&nbsp;9a EStDV abzuleiten. Der mit der Einf&uuml;hrung des &sect;&nbsp;4b InvZulG 1975 verfolgte gesetzespolitische Zweck lege vielmehr die Auslegung nahe, auf das Ende der Lieferung (des Anschaffungsvorganges) abzustellen und dieses erst mit der Betriebsbereitschaft des angeschafften Wirtschaftsguts anzunehmen. Nach Ansicht des Senats war ausschlaggebend, dass Impulse f&uuml;r eine vermehrte wirtschaftliche T&auml;tigkeit im Betrieb des Investors nicht von solchen Wirtschaftsg&uuml;tern ausgehen k&ouml;nnten, die (noch) nicht in einem betriebsbereiten Zustand sind. In der Folgezeit hat der Senat diese Rechtsprechung fortentwickelt (BFH-Urteile in BFHE 182, 226, BStBl II 1998, 70; vom 19.&nbsp;Juni 1997 III&nbsp;R&nbsp;111\/95, BFHE 183, 317, BStBl II 1998, 72; vom 23.&nbsp;M&auml;rz 1999 III&nbsp;R&nbsp;85\/97, BFHE 188, 471, BStBl II 1999, 613; vom 7.&nbsp;November 2000 III&nbsp;R&nbsp;19\/98, BFHE 193, 229, BStBl II 2001, 256). Zuletzt hat er es im Urteil vom 28.&nbsp;November 2006 III&nbsp;R&nbsp;17\/05 (BFH\/NV 2007, 975) offen gelassen, ob an der Rechtsprechung zur Betriebsbereitschaft in Anschaffungsf&auml;llen festzuhalten sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Im Streitfall wurde die Druckmaschine noch vor Ablauf des Jahres 2005 geliefert; allerdings war sie noch nicht betriebsbereit. Angesichts des Umstands, dass drei Personen an sechs Tagen damit besch&auml;ftigt waren, die mit dem Stromanschluss und der Inbetriebnahme der Maschine zusammenh&auml;ngenden Arbeiten durchzuf&uuml;hren, kann nicht davon gesprochen werden, dass zum Jahresende 2005 nur noch Bagatellmontagen erforderlich gewesen seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>f) Der Senat h&auml;lt es f&uuml;r gerechtfertigt, in teilweiser Abkehr von seiner bisherigen Rechtsprechung die Lieferung eines Wirtschaftsguts i.S. von &sect;&nbsp;9a EStDV trotz fehlender Betriebsbereitschaft jedenfalls dann als Zeitpunkt der Anschaffung i.S. des Investitionszulagenrechts anzusehen, wenn von dem Wirtschaftsgut bereits die Impulse ausgehen, die durch die F&ouml;rderung mit Investitionszulage ausgel&ouml;st werden sollen. Ein Grund, in solchen F&auml;llen die Investitionszulage zu versagen, besteht nicht, weil der mit der Gew&auml;hrung von Investitionszulage verfolgte F&ouml;rderzweck trotz der noch fehlenden Betriebsbereitschaft zum Zeitpunkt der Lieferung bereits erreicht ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>g) Im Streitfall waren nach den Feststellungen des FG, an die der Senat nach &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO gebunden ist, schon in den Monaten November und Dezember 2005 Druckauftr&auml;ge im Hinblick auf die neu anzuschaffende Druckmaschine erteilt worden. Dies rechtfertigt es, die Anschaffung der Druckmaschine auch zulagenrechtlich noch dem Jahr 2005 zuzuordnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 23.6.2015, III R 26\/12 Anschaffungszeitpunkt im Zulagenrecht &#8211; Insolvenzfeststellung im Revisionsverfahren Tenor Die Revision des Finanzamts &#8230; gegen das Urteil des S&auml;chsischen Finanzgerichts vom 28. November 2011&nbsp;&nbsp;5 K 509\/11 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen. Die Feststellungsklage des Finanzamts &#8230; wird abgewiesen. Die Kosten des Revisionsverfahrens einschlie&szlig;lich des Feststellungsverfahrens hat das Finanzamt &#8230; zu &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-26-12-anschaffungszeitpunkt-im-zulagenrecht-insolvenzfeststellung-im-revisionsverfahren\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">III&nbsp;R&nbsp;26\/12 &#8211; Anschaffungszeitpunkt im Zulagenrecht &#8211; Insolvenzfeststellung im Revisionsverfahren<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-65082","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65082","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65082"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65082\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65082"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65082"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65082"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}