{"id":6511,"date":"2012-11-30T16:09:32","date_gmt":"2012-11-30T14:09:32","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=6511"},"modified":"2012-11-30T16:09:32","modified_gmt":"2012-11-30T14:09:32","slug":"vii-r-23-10-vermittler-eines-schmuggelgeschaefts-als-zollschuldner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-23-10-vermittler-eines-schmuggelgeschaefts-als-zollschuldner\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;23\/10 &#8211; Vermittler eines Schmuggelgesch&auml;fts als Zollschuldner"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 28.2.2012, VII R 23\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Vermittler eines Schmuggelgesch&auml;fts als Zollschuldner<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) wird vom Beklagten und Revisionsbeklagten (Hauptzollamt &#8211;HZA&#8211;) auf Zoll von rd. 10.000&nbsp;EUR und Einfuhrumsatzsteuer von rd. 21.000&nbsp;EUR in Anspruch genommen. Er sei daran beteiligt gewesen, rd.&nbsp;800&nbsp;Bekleidungsgegenst&auml;nde und zahlreiche andere Waren aus China vorschriftswidrig in das Zollgebiet der Union zu verbringen oder er habe sogar diese Waren in Besitz gehabt und habe dabei wissen m&uuml;ssen, dass sie vorschriftswidrig verbracht worden sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diesen Vorw&uuml;rfen liegt zugrunde, dass der Kl&auml;ger &uuml;ber die Internetplattform eBay, auf der er zwei&nbsp;Shops unter seinem Namen unterhalten hat, die betreffenden Waren in Auktionen eingestellt, nach einem Vertragsabschluss das Entgelt vereinnahmt und mit der Bestellung an den chinesischen H&auml;ndler, wie mit diesem vereinbart, weitergeleitet hat. Diesem oblag die Preisgestaltung, die Beschaffung der Waren und deren Versand in die Union.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) hat die gegen den Abgabenbescheid erhobene Klage abgewiesen. Der Kl&auml;ger sei nach Art.&nbsp;202 Abs.&nbsp;3 Anstrich&nbsp;2 bzw. 3 des Zollkodex (ZK) i.V.m. &sect;&nbsp;21 Abs.&nbsp;2 des Umsatzsteuergesetzes Zoll- und Steuerschuldner geworden. Das FG war dabei zu der &Uuml;berzeugung gekommen, der Kl&auml;ger, soweit er Waren in Besitz hatte, h&auml;tte vern&uuml;nftigerweise wissen m&uuml;ssen, dass die Waren vorschriftswidrig in das Zollgebiet der Gemeinschaft verbracht worden waren. Soweit er lediglich an dem vorschriftswidrigen Verbringen der Waren beteiligt gewesen sei, habe er aus den gleichen Gr&uuml;nden vern&uuml;nftigerweise wissen m&uuml;ssen, dass er damit vorschriftswidrig handelte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger hat gegen dieses Urteil die von dem erkennenden Senat zugelassene Revision eingelegt, aufgrund derer der Senat eine Vorabentscheidung des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union (EuGH) zu der Frage eingeholt hat, ob wegen &quot;Beteiligung&quot; am vorschriftswidrigen Verbringen einer Ware in das Zollgebiet der Europ&auml;ischen Union gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;202 Abs.&nbsp;3 Anstrich&nbsp;2 ZK Zollschuldner wird, wer, ohne an dem Verbringen unmittelbar mitzuwirken, den Abschluss der Kaufvertr&auml;ge &uuml;ber die betreffenden Waren vermittelt und dabei in Betracht zieht, dass der Verk&auml;ufer die Waren oder einen Teil der Waren m&ouml;glicherweise unter Hinterziehung der Einfuhrabgaben liefern werde. &Uuml;ber dieses Ersuchen hat der EuGH durch Urteil vom 17.&nbsp;November 2011 C-454\/10 (Zeitschrift f&uuml;r Z&ouml;lle und Verbrauchsteuern 2012, 47) wie folgt entschieden:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<blockquote>\n<blockquote><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table style=\"margin-left:36\"pt>\n<tr>\n<td>&quot;Art.&nbsp;202 Abs.&nbsp;3 zweiter Gedankenstrich der Verordnung (EWG) Nr.&nbsp;2913\/92 des Rates vom 12.&nbsp;Oktober 1992 zur Festlegung des Zollkodex der Gemeinschaften ist in dem Sinne auszulegen, dass eine Person als Schuldner der aufgrund des vorschriftswidrigen Verbringens von Waren in das Zollgebiet der Europ&auml;ischen Union entstandenen Zollschuld anzusehen ist, wenn sie, ohne an diesem Verbringen unmittelbar mitzuwirken, daran als Vermittlerin beim Abschluss der Kaufvertr&auml;ge f&uuml;r die betreffenden Waren beteiligt war, sofern diese Person wusste oder vern&uuml;nftigerweise h&auml;tte wissen m&uuml;ssen, dass dieses Verbringen vorschriftswidrig sein w&uuml;rde, was vom vorlegenden Gericht zu beurteilen ist.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger h&auml;lt nach Ergehen dieser Entscheidung an seiner Revision fest. Er meint, die Argumentation des EuGH sei nicht logisch. Art.&nbsp;202 Abs.&nbsp;3 ZK biete keine Grundlage daf&uuml;r, ihn als Zollschuldner heranzuziehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt, das Urteil des FG und den Steuerbescheid des HZA vom 16.&nbsp;Juli 2008 in der Fassung der Einspruchsentscheidung vom 12.&nbsp;September 2008 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das HZA beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und daher nach &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur&uuml;ckzuweisen. Das Urteil des FG entspricht im Ergebnis dem Bundesrecht (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach der Vorabentscheidung des EuGH, deren rechtliche Beurteilung der erkennende Senat in diesem Verfahren zugrunde zu legen hat, und den tats&auml;chlichen Feststellungen des FG, an die der Senat gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO gebunden und deren Richtigkeit aber auch im Wesentlichen nicht streitig ist, hat der Kl&auml;ger die vom EuGH aufgef&uuml;hrten objektiven Voraussetzungen f&uuml;r seine Inanspruchnahme als Zollschuldner erf&uuml;llt, weil er, ohne allerdings am vorschriftswidrigen Verbringen der betreffenden Waren in das Zollgebiet der Union unmittelbar mitzuwirken, den Abschluss der Kaufvertr&auml;ge &uuml;ber die betreffenden Waren vermittelt hat. Er ist dadurch als Beteiligter des vorschriftswidrigen Verbringens Zollschuldner geworden, sofern er auch die subjektiven Voraussetzungen, die in Art.&nbsp;202 Abs.&nbsp;3 ZK aufgestellt sind, erf&uuml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hinsichtlich der subjektiven Voraussetzung hatte der erkennende Senat den EuGH befragt, ob es ausreichend sei, dass der Zollschuldner eine Hinterziehung der Einfuhrabgaben (durch den Lieferanten oder die Gesteller) f&uuml;r denkbar halte, oder ob er nur dann Zollschuldner werde, wenn er fest damit rechne, eine Hinterziehung der Einfuhrabgaben werde geschehen. Diese Frage hat der EuGH zwar nicht ausdr&uuml;cklich beantwortet. Er hat jedoch darauf hingewiesen, die Anforderung des ZK, die als am Verbringen beteiligt in Anspruch genommene Person wusste oder h&auml;tte vern&uuml;nftigerweise wissen m&uuml;ssen, dass dieses Verbringen vorschriftswidrig war, impliziere, dass sie Kenntnis vom Vorliegen einer oder mehrerer Unregelm&auml;&szlig;igkeiten hatte oder vern&uuml;nftigerweise h&auml;tte haben m&uuml;ssen. Hiervon ist im Streitfall auszugehen. Die diesbez&uuml;glichen Ausf&uuml;hrungen im Urteil des FG beschr&auml;nken sich zwar weitgehend auf eine Schilderung der unstreitigen objektiven Umst&auml;nde und eine Wiedergabe der Einlassung des Kl&auml;gers gegen&uuml;ber dem Zollfahndungsamt bei seiner Vernehmung als Beschuldigter. Der erkennende Senat entnimmt dem Urteil jedoch zusammenfassend die ihn bindende Feststellung dahin, dass der Kl&auml;ger wusste oder zumindest h&auml;tte wissen m&uuml;ssen, dass die von seinem chinesischen Partner gelieferten Waren nicht vorschriftsgem&auml;&szlig; in das Zollgebiet verbracht w&uuml;rden. Diese Annahme stellt eine zwar nicht zwingende, aber doch m&ouml;gliche Schlussfolgerung aus den vorgenannten Umst&auml;nden dar und ist mithin eine den erkennenden Senat nach &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO bindende Feststellung. Zul&auml;ssige und begr&uuml;ndete Revisionsr&uuml;gen sind dagegen nicht erhoben worden; der Hinweis der Revision, der Kl&auml;ger habe in eBay ausdr&uuml;cklich darauf hingewiesen, dass die K&auml;ufer Zoll zahlen m&uuml;ssten und das FG habe diesen Hinweis angeblich nicht beachtet, gen&uuml;gt den Anforderungen an eine Verfahrensr&uuml;ge nach &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;3 FGO nicht. Gleiches gilt f&uuml;r die Behauptung einer &quot;Au&szlig;erachtlassung eines wesentlichen unstreitigen Sachverhalts&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 28.2.2012, VII R 23\/10 Vermittler eines Schmuggelgesch&auml;fts als Zollschuldner Tatbestand 1&nbsp; I. Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) wird vom Beklagten und Revisionsbeklagten (Hauptzollamt &#8211;HZA&#8211;) auf Zoll von rd. 10.000&nbsp;EUR und Einfuhrumsatzsteuer von rd. 21.000&nbsp;EUR in Anspruch genommen. 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