{"id":65135,"date":"2015-11-06T17:06:51","date_gmt":"2015-11-06T15:06:51","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65135"},"modified":"2015-11-06T17:06:51","modified_gmt":"2015-11-06T15:06:51","slug":"v-r-50-14-zwischenurteil-zurueckweisung-eines-bevollmaechtigten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-50-14-zwischenurteil-zurueckweisung-eines-bevollmaechtigten\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;50\/14 &#8211; Zwischenurteil &#8211; Zur&uuml;ckweisung eines Bevollm&auml;chtigten"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 22.7.2015, V R 50\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Zwischenurteil &#8211; Zur&uuml;ckweisung eines Bevollm&auml;chtigten<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 20. Juni 2013&nbsp;&nbsp;5 K 148\/12 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist die Zul&auml;ssigkeit einer von der R-Ltd. im Namen der Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagten (Kl&auml;gerin) erhobenen Klage wegen Umsatzsteuer 2010 (Streitjahr).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem die Kl&auml;gerin (C-Ltd.) die Umsatzsteuererkl&auml;rung des Streitjahres nicht abgegeben hatte, sch&auml;tzte der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) die Umsatzsteuer mit dem unter Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung ergangenen Bescheid vom 29.&nbsp;September 2011. Den dagegen eingelegten Einspruch des Prozessbevollm&auml;chtigten wies das FA am 10.&nbsp;Februar 2012 zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 22.&nbsp;Februar 2012 reichte die Kl&auml;gerin die Umsatzsteuererkl&auml;rung des Streitjahres nach. Dabei gab sie auf Seite&nbsp;1 des amtlichen Formulars an, bei der Erstellung dieser Steuererkl&auml;rung habe die R-Ltd. aus A in den Niederlanden mitgewirkt. Das FA sah in der Abgabe der Umsatzsteuererkl&auml;rung einen Antrag auf &Auml;nderung der Vorbehaltsfestsetzung nach &sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) und bat um Erl&auml;uterung sowie um Vorlage verschiedener Nachweise.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Au&szlig;erdem wies das FA mit einem am 12.&nbsp;M&auml;rz 2012 zur Post gegebenen Schreiben die R-Ltd. f&uuml;r das Umsatzsteuer-Festsetzungsverfahren des Kalenderjahres 2010 als Bevollm&auml;chtigte der Kl&auml;gerin zur&uuml;ck und teilte dies der Kl&auml;gerin im Schreiben vom gleichen Tag mit. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte das FA aus, dass die R-Ltd. durch ihr Mitwirken bei der Erstellung der Steuererkl&auml;rung gesch&auml;ftsm&auml;&szlig;ig Hilfe in Steuersachen geleistet habe, ohne dazu befugt zu sein. Alle Verfahrenshandlungen, die die R-Ltd. k&uuml;nftig f&uuml;r ihre Auftraggeberin in den o.g. Verfahren vornehme, blieben damit ohne steuerliche Wirkung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit einem am 13.&nbsp;M&auml;rz 2012 beim Finanzgericht (FG) eingegangenen Fax erhob die R-Ltd. im Namen der Kl&auml;gerin Klage und beantragte die &Auml;nderung des Umsatzsteuerbescheids 2010 entsprechend der eingereichten Umsatzsteuererkl&auml;rung. Das FA beantragte, die Prozessbevollm&auml;chtigte in diesem Verfahren zur&uuml;ckzuweisen, da sie gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;3a des Steuerberatungsgesetzes (StBerG) zur gesch&auml;ftsm&auml;&szlig;igen Hilfe in Steuersachen nicht befugt sei. Am 4.&nbsp;Februar 2013 entsprach das FG dem Antrag des FA und wies die R-Ltd. als Bevollm&auml;chtigte nach &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach &Uuml;bertragung des Rechtsstreits auf den Einzelrichter entschied dieser aufgrund m&uuml;ndlicher Verhandlung vom 20.&nbsp;Juni 2013 durch Zwischenurteil, dass die Klage zul&auml;ssig sei. Zur Begr&uuml;ndung verwies das FG auf die Entscheidungsgr&uuml;nde des Zwischenurteils in dem Parallelverfahren 5&nbsp;K&nbsp;95\/12. Danach f&uuml;hrt eine vom FA ausgesprochene Zur&uuml;ckweisung nicht zum Ausschluss f&uuml;r das Klageverfahren. Wie der 6.&nbsp;Senat des FG zu Recht bereits mit Urteil vom 26.&nbsp;November 2009&nbsp;&nbsp;6&nbsp;K&nbsp;530\/08 (Entscheidungen der Finanzgerichte 2010, 541) entschieden habe, wirke die Zur&uuml;ckweisung eines Bevollm&auml;chtigten nur f&uuml;r das jeweilige Verfahren und nur f&uuml;r den jeweiligen Verfahrensabschnitt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dagegen richtet sich die Revision des FA. Entgegen dem Urteil des FG lasse sich aus der systematischen Stellung des &sect;&nbsp;80 AO im 3.&nbsp;Teil der AO keine Einschr&auml;nkung der Wirkung einer Zur&uuml;ckweisungsverf&uuml;gung auf das Verwaltungsverfahren entnehmen. Die Auffassung des FG, wonach unter &quot;Verfahren&quot; nur jeweils kleine Verwaltungsschritte zu verstehen seien, nehme der Vorschrift jede sinnvolle Funktionalit&auml;t. Eine Einschr&auml;nkung der Wirkung eines Zur&uuml;ckweisungsbescheids k&ouml;nne auch nicht damit begr&uuml;ndet werden, dass der Finanzverwaltung mit einem Untersagungsbescheid nach &sect;&nbsp;7 Abs.&nbsp;1 StBerG ein wirksames Mittel zur Unterbindung der unbefugten Hilfeleistung zur Verf&uuml;gung stehe, da es sich hierbei um ein von &sect;&nbsp;80 Abs.&nbsp;5 AO unabh&auml;ngiges und v&ouml;llig eigenst&auml;ndiges Verfahren handle.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>das angefochtene Zwischenurteil des Nieders&auml;chsischen FG vom 20.&nbsp;Juni 2013&nbsp;&nbsp;5&nbsp;K&nbsp;148\/12 aufzuheben und die Klage abzuweisen,<br \/>hilfsweise,<br \/>unter Aufhebung des Urteils die Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur&uuml;ckzuverweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die R-Ltd. sei vom FA im Verwaltungsverfahren zu Unrecht zur&uuml;ckgewiesen worden, da sie im Zeitpunkt ihrer Zur&uuml;ckweisung die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;3a StBerG erf&uuml;llt habe; dies werde derzeit u.a. in dem Revisionsverfahren II&nbsp;R&nbsp;6\/14 &uuml;berpr&uuml;ft. Gerade im Falle einer materiell-rechtlich unzutreffenden Zur&uuml;ckweisung d&uuml;rften das FG und der Bundesfinanzhof (BFH) nicht an die Zur&uuml;ckweisung der Verwaltungsbeh&ouml;rde gebunden sein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Abgesehen davon regele &sect;&nbsp;80 AO die Bevollm&auml;chtigung ausschlie&szlig;lich im Verwaltungsverfahren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des FA ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 und Abs.&nbsp;4 FGO). Das FG hat im Ergebnis zu Recht entschieden, dass die Klage zul&auml;ssig ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FG war zum Erlass eines Zwischenurteils berechtigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;97 FGO kann &uuml;ber die Zul&auml;ssigkeit einer Klage durch Zwischenurteil vorab entschieden werden. Der Begriff &quot;Zul&auml;ssigkeit einer Klage&quot; ist weit auszulegen; er bezieht sich auf alle f&uuml;r das Klageverfahren erheblichen Sachurteilsvoraussetzungen (vgl. BFH-Urteil vom 14.&nbsp;M&auml;rz 1985 IV&nbsp;R&nbsp;1\/81, BFHE 143, 223, BStBl II 1985, 368) und bedeutet nicht, dass ein Zwischenurteil nur ergehen darf, wenn s&auml;mtliche Zul&auml;ssigkeitsvoraussetzungen f&uuml;r die betreffende Klage gepr&uuml;ft und bejaht worden sind (BFH-Urteil in BFHE 143, 223, BStBl II 1985, 368).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Berechtigung eines Prozessbevollm&auml;chtigten zur Klageerhebung ist Sachurteilsvoraussetzung (vgl. BFH-Urteil vom 30.&nbsp;November 1988 I&nbsp;R&nbsp;168\/84, BFHE 156, 1, BStBl II 1989, 514) und betrifft damit die Zul&auml;ssigkeit der Klage.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die von der R-Ltd. im Namen der Kl&auml;gerin erhobene Klage ist zul&auml;ssig. Die Kl&auml;gerin hat sich bei der Klageerhebung wirksam durch die R-Ltd. als Prozessbevollm&auml;chtigte vertreten lassen (&sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 FGO). Dem steht weder die Zur&uuml;ckweisung der R-Ltd. durch das FG noch die dem vorausgehende Zur&uuml;ckweisung der R-Ltd. durch das FA entgegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Mit unanfechtbarem Beschluss vom 4.&nbsp;Februar 2013 hat das FG die Prozessbevollm&auml;chtigte (R-Ltd.) als Bevollm&auml;chtigte zur&uuml;ckgewiesen (&sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;3 FGO). Die Zur&uuml;ckweisung wurde mit ihrer Bekanntgabe durch den am 6.&nbsp;Februar 2013 zur Post gegebenen Brief wirksam.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach der ausdr&uuml;cklichen gesetzlichen Anordnung in &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 FGO wirkt der Zur&uuml;ckweisungsbeschluss ex nunc. Prozesshandlungen eines nicht vertretungsbefugten Bevollm&auml;chtigten sind und bleiben daher bis zur Bekanntgabe seiner Zur&uuml;ckweisung wirksam. Da die Klageerhebung bereits mit Schriftsatz vom 13.&nbsp;M&auml;rz 2012 und damit mehr als ein Jahr vor der Bekanntgabe des Zur&uuml;ckweisungsbeschlusses erfolgte, steht die Zur&uuml;ckweisung durch das FG einer wirksamen Klageerhebung nicht entgegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Eine wirksame Klageerhebung durch die R-Ltd. konnte auch die Zur&uuml;ckweisungsverf&uuml;gung des FA im Verwaltungsverfahren nicht verhindern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Mit Bescheid vom 12.&nbsp;M&auml;rz 2012 hat das FA die R-Ltd. f&uuml;r das &quot;Umsatzsteuer-Festsetzungsverfahren des Kalenderjahrs 2010&quot; als Bevollm&auml;chtigte der C-Ltd. gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;80 Abs.&nbsp;3 AO zur&uuml;ckgewiesen und erg&auml;nzend ausgef&uuml;hrt, dass alle Verfahrenshandlungen, die die R-Ltd. trotz dieser Zur&uuml;ckweisung k&uuml;nftig f&uuml;r ihre Auftraggeberin in den o.g. Verfahren vornimmt, ohne steuerliche Wirkung blieben. Dar&uuml;ber hinaus hat das FA der Kl&auml;gerin mit Schreiben vom 12.&nbsp;M&auml;rz 2012 mitgeteilt, dass es die R-Ltd. f&uuml;r das Umsatzsteuer-Festsetzungsverfahren des Kalenderjahres 2010 als Bevollm&auml;chtigte zur&uuml;ckgewiesen habe und etwaige von der R-Ltd. in diesem Verfahren eingereichte Erkl&auml;rungen, Eingaben oder Antr&auml;ge als steuerlich unwirksam nicht mehr entgegengenommen bzw. zur&uuml;ckgesandt w&uuml;rden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Verfahrenshandlungen des zur&uuml;ckgewiesenen Bevollm&auml;chtigten, die dieser nach der Zur&uuml;ckweisung vornimmt, sind nach &sect;&nbsp;80 Abs.&nbsp;8 Satz&nbsp;2 AO unwirksam. Diese Rechtsfolge setzt eine wirksame Bekanntgabe der Zur&uuml;ckweisung voraus (&sect;&nbsp;124 Abs.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;1 AO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei der Zur&uuml;ckweisung eines Bevollm&auml;chtigten handelt es sich um einen Verwaltungsakt mit Doppelwirkung (vgl. R&uuml;sken in Beermann\/Gosch, AO &sect;&nbsp;80 Rz&nbsp;177, m.w.N.), sodass fraglich und umstritten ist, ob ihre Wirksamkeit lediglich die Bekanntgabe an den Bevollm&auml;chtigten (R&uuml;sken in Beermann, AO &sect;&nbsp;80 Rz&nbsp;178) oder ob dar&uuml;ber hinaus auch die Mitteilung bzw. Bekanntgabe an den Vertretenen erfordert (Dr&uuml;en in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;80 AO Rz&nbsp;97; W&uuml;nsch in Pahlke\/ K&ouml;nig, Abgabenordnung, &sect;&nbsp;80 Rz&nbsp;106; Schwarz, AO, &sect;&nbsp;80 Rz&nbsp;65).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beantwortung dieser Streitfrage kann vorliegend jedoch offenbleiben, da jedenfalls die Bekanntgabe an die Bevollm&auml;chtigte (R-Ltd.) erst <em>nach<\/em> der Klageerhebung erfolgte. Denn der Zur&uuml;ckweisungsbescheid an die in den Niederlanden ans&auml;ssige R-Ltd. wurde erst am 12.&nbsp;M&auml;rz 2012 zur Post gegeben. Bei der &Uuml;bermittlung eines Verwaltungsaktes im Ausland gilt der Verwaltungsakt einen Monat nach Aufgabe zur Post als bekannt gegeben, au&szlig;er, wenn er nicht oder zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt zugegangen ist; im Zweifel hat die Beh&ouml;rde den Zugang des Verwaltungsaktes und den Zeitpunkt des Zugangs nachzuweisen (&sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 AO). Da die Aufgabe zur Post am 12.&nbsp;M&auml;rz 2012 stattfand, wurde die Zur&uuml;ckweisungsverf&uuml;gung am 12.&nbsp;April 2012 bekannt gegeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da die im Namen der Kl&auml;gerin von der R-Ltd. erhobene Klage bereits am 13.&nbsp;M&auml;rz 2012 per Fax eingereicht wurde, konnte die am 12.&nbsp;April 2012 wirksam gewordene Zur&uuml;ckweisung der R-Ltd. einer Zul&auml;ssigkeit der Klage nicht entgegenstehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Fehlt es im Zeitpunkt der Klageerhebung an einer bekannt gegebenen und damit wirksamen Zur&uuml;ckweisungsverf&uuml;gung des FA, bestehen keinerlei Zweifel an einer Bevollm&auml;chtigung der R-Ltd. durch die Kl&auml;gerin. Auf die zwischen den Beteiligten umstrittene Frage, ob eine im Verwaltungsverfahren erlassene Zur&uuml;ckweisungsverf&uuml;gung des FA &uuml;berhaupt Wirkungen f&uuml;r das Klageverfahren haben kann, kommt es daher nicht an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Revision ist auch insoweit unbegr&uuml;ndet, als das FA hilfsweise die Aufhebung des Urteils und die Zur&uuml;ckverweisung an das FG beantragt. Denn die Frage einer Zur&uuml;ckverweisung stellt sich nur bei einer &#8211;im Streitfall nicht gegebenen&#8211; rechtsfehlerhaften Vorentscheidung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect; 135 Abs. 2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 22.7.2015, V R 50\/14 Zwischenurteil &#8211; Zur&uuml;ckweisung eines Bevollm&auml;chtigten Tenor Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 20. Juni 2013&nbsp;&nbsp;5 K 148\/12 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen. Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen. Tatbestand 1&nbsp; I. 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