{"id":65161,"date":"2015-11-06T17:08:01","date_gmt":"2015-11-06T15:08:01","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65161"},"modified":"2015-11-06T17:08:01","modified_gmt":"2015-11-06T15:08:01","slug":"v-r-2-15-verspaetungszuschlag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-2-15-verspaetungszuschlag\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;2\/15 &#8211; Versp&auml;tungszuschlag"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 18.8.2015, V R 2\/15<\/p>\n<p class=\"titel\">Versp&auml;tungszuschlag<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Kl&auml;gers wird das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 9. Dezember 2014&nbsp;&nbsp;8 K 8083\/12 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht Berlin-Brandenburg zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist die Rechtm&auml;&szlig;igkeit eines Versp&auml;tungszuschlages zur Umsatzsteuer 2010 in H&ouml;he von 1.500&nbsp;EUR bei geringf&uuml;giger Nachzahlung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) ist eine Steuerberatungsgesellschaft in der Rechtsform einer GmbH. Nachdem sie die Umsatzsteuererkl&auml;rung 2007 mit dreieinhalbmonatiger Versp&auml;tung und die Erkl&auml;rung f&uuml;r 2009 mit 7&nbsp;Tagen Versp&auml;tung eingereicht hatte, forderte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) die Umsatzsteuererkl&auml;rung 2010 vorzeitig zum 30.&nbsp;September 2011 an. Nachdem auch diese Erkl&auml;rung nicht fristgerecht eingegangen war, erlie&szlig; das FA am 20.&nbsp;Oktober 2011 einen Sch&auml;tzungsbescheid, verbunden mit der Festsetzung eines Versp&auml;tungszuschlages von 480&nbsp;EUR, gegen die die Kl&auml;gerin Einspruch erhob. Nach Eingang der Steuererkl&auml;rung am 17.&nbsp;November 2011 setzte das FA den Sch&auml;tzungsbescheid auf 156.196&nbsp;EUR herab, sodass eine Nachzahlung von noch 200,46&nbsp;EUR verblieb. Den Versp&auml;tungszuschlag minderte es von 480&nbsp;EUR auf 100&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen legte die Kl&auml;gerin Einspruch ein mit der Begr&uuml;ndung, sie habe die Anforderung der Steuererkl&auml;rung &uuml;bersehen und sei nicht an die vorzeitige Abgabe erinnert worden. Mit Schreiben vom 27.&nbsp;Januar 2012 wies das FA darauf hin, dass es beabsichtige, in Bezug auf den Versp&auml;tungszuschlag zu verb&ouml;sern, da auch in den Vorjahren die Steuererkl&auml;rungen versp&auml;tet abgegeben worden seien (2006: 7&nbsp;Tage, 2007: 3,5&nbsp;Monate, 2010: 1,5&nbsp;Monate). Im Hinblick auf die nur geringf&uuml;gige Nachzahlung von 200,46&nbsp;EUR in 2010 halte das FA einen Versp&auml;tungszuschlag von 0,967&nbsp;% der festgesetzten Steuer (=&nbsp;1.500&nbsp;EUR) f&uuml;r ermessensgerecht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem die Kl&auml;gerin den Einspruch nicht zur&uuml;ckgenommen hatte, erlie&szlig; das FA am 29.&nbsp;M&auml;rz 2012 eine Einspruchsentscheidung, in der sie den Versp&auml;tungszuschlag &#8211;wie angek&uuml;ndigt&#8211; auf 1.500&nbsp;EUR erh&ouml;hte. Die Finanzbeh&ouml;rde habe gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;367 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) die Sache in vollem Umfang neu zu pr&uuml;fen. Die Kl&auml;gerin habe den Ablauf der Veranlagungst&auml;tigkeit erheblich gest&ouml;rt, weil sie die vorzeitig angeforderte Steuererkl&auml;rung erst nach Sch&auml;tzung der Besteuerungsgrundlagen eingereicht habe. Angesichts der Dauer der &Uuml;berschreitung von 6&nbsp;Wochen und dem verz&ouml;gerten Abgabeverhalten in den Vorjahren sowie der geringen Nachzahlung im Verh&auml;ltnis zur festgesetzten Umsatzsteuer halte es &quot;betragsm&auml;&szlig;ig als auch prozentual&quot; den Versp&auml;tungszuschlag von 1.500&nbsp;EUR f&uuml;r angemessen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen erhob die Kl&auml;gerin Klage vor dem Finanzgericht (FG) mit der Begr&uuml;ndung, das FA d&uuml;rfe sein Ermessen nur einmal aus&uuml;ben. Eine Verb&ouml;serung im Einspruchsverfahren setze voraus, dass sich der zugrunde gelegte Sachverhalt im Verlauf des Einspruchsverfahrens wesentlich ge&auml;ndert habe, woran es fehle. Die Verb&ouml;serung dokumentiere eine unsachliche Entscheidung zu Lasten eines wegen zahlreicher Streitigkeiten &quot;offenkundig nicht geliebten&quot; Steuerpflichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG wies die Klage ab. Das FA habe auch im Hinblick auf die Verb&ouml;serung ermessensfehlerfrei entschieden. Das FG folge nicht der Entscheidung des FG Rheinland-Pfalz vom 20.&nbsp;M&auml;rz 1998&nbsp;&nbsp;3&nbsp;K&nbsp;2262\/96 (juris), wonach eine Verb&ouml;serung im Einspruchsverfahren nur bei &Auml;nderung der Ermessenskriterien zul&auml;ssig sei. Angesichts des bisherigen Abgabeverhaltens seien sachfremde Erw&auml;gungen wie ein Versto&szlig; gegen das &Uuml;berma&szlig;verbot nicht zu erkennen. Aus den Ausf&uuml;hrungen des FA ergebe sich, dass nach dessen Auffassung der urspr&uuml;nglich festgesetzte Zuschlag von nur 100&nbsp;EUR nicht im angemessenen Verh&auml;ltnis zur festgesetzten Steuer stehe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich die Kl&auml;gerin mit der Revision. Eine Verb&ouml;serung im Einspruchsverfahren sei bei Ermessensentscheidungen nur bei gravierender Ver&auml;nderung der Situation, des Verhaltens, der Betr&auml;ge oder sonstiger Kriterien die zu neuen Ergebnissen f&uuml;hren m&ouml;glich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das Urteil des FG sowie den &Auml;nderungsbescheid &uuml;ber den Versp&auml;tungszuschlag aufzuheben und der Klage stattzugeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA habe auch bei einer Ermessensentscheidung im Einspruchsverfahren die Sache in vollem Umfang zu &uuml;berpr&uuml;fen und ggf. eine erneute Ermessensentscheidung zu treffen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet und f&uuml;hrt zur Aufhebung und Zur&uuml;ckverweisung an das FG (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FA war zwar zur Festsetzung eines Versp&auml;tungszuschlages berechtigt und hat auch die Voraussetzungen f&uuml;r eine Verb&ouml;serung im Rahmen einer Einspruchsentscheidung beachtet. Ein Versp&auml;tungszuschlag in der H&ouml;he von 1.500&nbsp;EUR bei geringf&uuml;giger Abschlusszahlung ist jedoch ermessensfehlerhaft (&sect;&nbsp;102 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;152 AO kann das FA gegen denjenigen, der seiner Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererkl&auml;rung nicht oder nicht fristgerecht nachkommt, einen Versp&auml;tungszuschlag festsetzen, wenn das Vers&auml;umnis nicht entschuldbar erscheint. Die H&ouml;he des Versp&auml;tungszuschlages darf 10&nbsp;% der festgesetzten Steuer und den Betrag von 25.000&nbsp;EUR nicht &uuml;berschreiten. Der Sinn und Zweck des Versp&auml;tungszuschlages besteht als Druckmittel eigener Art in einem zugleich repressiven und pr&auml;ventiven (erzieherischen) Charakter (BFH-Urteil vom 18.&nbsp;November 1986 VIII&nbsp;R&nbsp;183\/84, BFH\/NV 1987, 416, Rz&nbsp;16). Es soll die St&ouml;rung der Veranlagungsarbeit durch den verz&ouml;gerten oder unterbliebenen Eingang der Steuererkl&auml;rung sanktioniert werden und der Steuerpflichtige f&uuml;r die Zukunft zur p&uuml;nktlichen Abgabe der Steuererkl&auml;rung angehalten werden. Diesem Zweck entsprechend sind bei der Bemessung der H&ouml;he des Versp&auml;tungszuschlages neben seinem Zweck, den Steuerpflichtigen zur rechtzeitigen Erkl&auml;rungsabgabe zu veranlassen, die Dauer der Frist&uuml;berschreitung, die H&ouml;he des sich aus der Steuerfestsetzung ergebenden Zahlungsanspruchs, die aus der versp&auml;teten Abgabe gezogenen Vorteile sowie das Verschulden und die wirtschaftliche Leistungsf&auml;higkeit zu ber&uuml;cksichtigen. Bei der Gewichtung dieser Kriterien handelt es sich um eine Ermessensentscheidung des FA, die gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;102 FGO gerichtlich lediglich auf Ermessensfehler zu &uuml;berpr&uuml;fen ist (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 29.&nbsp;M&auml;rz 2007 IX&nbsp;R&nbsp;9\/05, BFH\/NV 2007, 1617).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben ist die Festsetzung eines Versp&auml;tungszuschlages zwar dem Grunde nach &#8211;auch im Rahmen einer Verb&ouml;serung (s. unten 3.)&#8211; gerechtfertigt, weil die Kl&auml;gerin die Umsatzsteuererkl&auml;rung 2010 trotz vorzeitiger Anforderung schuldhaft erst mit einer Versp&auml;tung von 6&nbsp;Wochen eingereicht hatte, in ihrer H&ouml;he aber ermessensfehlerhaft (s. unter 4.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Verb&ouml;serung des zun&auml;chst auf nur 100&nbsp;EUR festgesetzten Versp&auml;tungszuschlages im Einspruchsverfahren ist grunds&auml;tzlich zul&auml;ssig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;367 Abs.&nbsp;2 AO hat die Finanzbeh&ouml;rde im Einspruchsverfahren den Verwaltungsakt &quot;in vollem Umfang erneut&quot; zu pr&uuml;fen. Sie kann den Verwaltungsakt auch zum Nachteil des Einspruchsf&uuml;hrers &auml;ndern, wenn der Einspruchsf&uuml;hrer zuvor auf die M&ouml;glichkeit einer verb&ouml;sernden Entscheidung unter Angabe von Gr&uuml;nden hingewiesen und ihm Gelegenheit gegeben worden ist, sich zu &auml;u&szlig;ern. F&uuml;r Einspruchsentscheidungen hinsichtlich einer Ermessensentscheidung gilt nichts anderes: Die Rechtsbehelfsstelle hat eine eigenst&auml;ndige Ermessensentscheidung nach der sich im Zeitpunkt der Bekanntgabe der Einspruchsentscheidung bestehenden Sach- und Rechtslage zu treffen (BFH-Beschluss vom 19.&nbsp;November 2007 VIII&nbsp;B&nbsp;30\/07, BFH\/NV 2008, 335; Birkenfeld in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;365 AO Rz&nbsp;114; a.A. FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 20.&nbsp;M&auml;rz 1998&nbsp;&nbsp;3&nbsp;K&nbsp;2262\/96, juris). Dies ergibt sich aus dem unterschiedlichen Pr&uuml;fungsma&szlig;stab einer Ermessensentscheidung f&uuml;r Gerichte in &sect;&nbsp;102 FGO (eingeschr&auml;nkte Pr&uuml;fung nur auf Ermessensfehler) und der Rechtsbehelfsstelle des FA im Einspruchsverfahren nach &sect;&nbsp;367 Abs.&nbsp;2 AO (&Uuml;berpr&uuml;fung &quot;im vollen Umfang&quot;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Kl&auml;ger beruft sich zu Unrecht auf den BFH-Beschluss in BFH\/NV 2008, 335, der im Rahmen einer Nichtzulassungsbeschwerde zur Ablehnung einer Divergenz zu den Rechtsausf&uuml;hrungen der Vorinstanz ausgef&uuml;hrt hat, dass im dortigen Streitfall nach der erstmaligen Festsetzung des Versp&auml;tungszuschlages in der weiterhin nicht erfolgten Abgabe der Steuererkl&auml;rung eine Intensivierung des Versp&auml;tungszeitraums gelegen habe, die auch nach den Ma&szlig;st&auml;ben der Vorinstanz zu einer &Auml;nderung der Sachlage f&uuml;hren w&uuml;rde. Die Rechtsauffassung des BFH, wonach auch bei Ermessensentscheidungen eine Pr&uuml;fung in vollem Umfang erfolgen muss, ergibt sich aus Leitsatz&nbsp;1 der Entscheidung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Entgegen der Darstellung der Kl&auml;gerin hat das FA auch die weitere Voraussetzung erf&uuml;llt, wonach gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;367 Abs.&nbsp;2 AO der Rechtsbehelfsf&uuml;hrer vor der Verb&ouml;serung unter Angabe von Gr&uuml;nden hierauf hingewiesen wurde. Wie das FG zutreffend ausf&uuml;hrt, hat das FA in seinem Hinweis im Schreiben vom 27.&nbsp;Januar 2012 die Verb&ouml;serung des Versp&auml;tungszuschlages von 100&nbsp;EUR damit begr&uuml;ndet, dass das FA nunmehr auch die Versp&auml;tungen in den Vorjahren mit einbezogen habe. Eine mehrfache Versp&auml;tung in den Vorjahren kann auch dann zu Lasten des Steuerpflichtigen ber&uuml;cksichtigt werden, wenn in den Vorjahren noch kein Versp&auml;tungszuschlag festgesetzt worden sein sollte (BFH-Urteil in BFH\/NV 2007, 1617).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Das FG hat jedoch nicht ber&uuml;cksichtigt, dass nach der Rechtsprechung des BFH neben der Anzahl und Dauer der Versp&auml;tung der H&ouml;he der Abschlusszahlung ein erhebliches Gewicht beizumessen ist. Nach den BFH-Urteilen vom 15.&nbsp;M&auml;rz 2007 VI&nbsp;R&nbsp;29\/05 (BFH\/NV 2007, 1076) und vom 8.&nbsp;Dezember 1988 V&nbsp;R&nbsp;169\/83 (BFHE 155, 46, BStBl II 1989, 231) stellt die H&ouml;he der Abschlusszahlung die Richtschnur f&uuml;r die Bemessung der H&ouml;he des Zuschlages dar. Zwar kann ein Versp&auml;tungszuschlag aus erzieherischen Gr&uuml;nden auch dann festgesetzt werden, wenn die geschuldete Steuer &#8211;wie im Streitfall&#8211; aufgrund der Voranmeldungen fast oder insgesamt bereits gezahlt worden war (hier 200,46&nbsp;EUR Nachzahlung von im Verh&auml;ltnis zur Steuer von 156.196&nbsp;EUR). In diesen F&auml;llen ist unter den Gesichtspunkten der Vorteilsziehung und des Verschuldens nachvollziehbar abzuw&auml;gen, welches Gewicht der versp&auml;teten Abgabe der Steuererkl&auml;rung noch zukommt, nachdem die geschuldete Steuer fast vollst&auml;ndig entrichtet worden ist. Zuschl&auml;ge, die den Charakter steuerlicher Sanktionen haben, d&uuml;rfen nicht au&szlig;er Verh&auml;ltnis zur Schwere des Versto&szlig;es des Steuerpflichtigen gegen seine Pflichten stehen (Urteil des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union Salomie und Oltean vom 9.&nbsp;Juli 2015 C-183\/14, EU:C:2015:454, Rz&nbsp;51). Demgem&auml;&szlig; kann nach der Rechtsprechung des Senats ein die Abschlusszahlung &uuml;bersteigender Versp&auml;tungszuschlag nur bei besonderer Schwere der Umst&auml;nde des Einzelfalls festgesetzt werden (BFH-Beschluss vom 14.&nbsp;April 2011 V&nbsp;B&nbsp;100\/10, BFH\/NV 2011, 1288).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die Sache ist nicht spruchreif. Das FG wird in einem erneuten Verfahren unter Ber&uuml;cksichtigung dieser Ermessensrichtlinien erneut &uuml;ber die H&ouml;he des Versp&auml;tungszuschlages entscheiden und hierbei dem FA gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;102 Satz&nbsp;2 FGO Gelegenheit geben, ggf. seine Ermessenserw&auml;gungen zu erg&auml;nzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Die &Uuml;bertragung der Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 18.8.2015, V R 2\/15 Versp&auml;tungszuschlag Tenor Auf die Revision des Kl&auml;gers wird das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 9. Dezember 2014&nbsp;&nbsp;8 K 8083\/12 aufgehoben. Die Sache wird an das Finanzgericht Berlin-Brandenburg zur&uuml;ckverwiesen. Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen. Tatbestand 1&nbsp; I. 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