{"id":65172,"date":"2015-11-06T17:22:17","date_gmt":"2015-11-06T15:22:17","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65172"},"modified":"2015-11-06T17:22:17","modified_gmt":"2015-11-06T15:22:17","slug":"v-b-26-15-offenbare-unrichtigkeit-is-des-par-107-fgo-setzt-versehen-voraus-berichtigung-des-tenors-bei-erkennbarem-widerspruch-der-urteilsformel-zum-erklaerungswillen-des-fg-unterscheidung-zwischen-kl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-26-15-offenbare-unrichtigkeit-is-des-par-107-fgo-setzt-versehen-voraus-berichtigung-des-tenors-bei-erkennbarem-widerspruch-der-urteilsformel-zum-erklaerungswillen-des-fg-unterscheidung-zwischen-kl\/","title":{"rendered":"V&nbsp;B&nbsp;26\/15 &#8211; &quot;Offenbare Unrichtigkeit&quot; i.S. des &sect; 107 FGO setzt Versehen voraus &#8211; Berichtigung des Tenors bei erkennbarem Widerspruch der Urteilsformel zum Erkl&auml;rungswillen des FG &#8211; Unterscheidung zwischen Klagebegehren und Klageantrag"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 19.8.2015, V B 26\/15<\/p>\n<p class=\"titel\">&quot;Offenbare Unrichtigkeit&quot; i.S. des &sect; 107 FGO setzt Versehen voraus &#8211; Berichtigung des Tenors bei erkennbarem Widerspruch der Urteilsformel zum Erkl&auml;rungswillen des FG &#8211; Unterscheidung zwischen Klagebegehren und Klageantrag<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde des Kl&auml;gers gegen den Beschluss des Th&uuml;ringer Finanzgerichts vom 20. Februar 2015&nbsp;&nbsp;3 K 1025\/11 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Beteiligten streiten dar&uuml;ber, ob ein Urteil des Finanzgerichts (FG) nach &sect;&nbsp;107 Abs.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) berichtigt werden durfte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) reichte im Jahr 2009 eine Umsatzsteuer-Jahreserkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr 2007 beim Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ein, aus der sich eine Steuer von 0&nbsp;EUR ergab. Abweichend davon setzte das FA im ge&auml;nderten Umsatzsteuerbescheid f&uuml;r 2007 vom 26.&nbsp;Oktober 2009 Umsatzsteuer in H&ouml;he von 1.486,92&nbsp;EUR fest. Dieser Festsetzung lagen &#8211;gesch&auml;tzte&#8211; (Honorar-)Ums&auml;tze von 6.768&nbsp;EUR (Umsatzsteuer 1.285,92&nbsp;EUR) und ein Vorsteuerberichtigungsbetrag nach &sect;&nbsp;15a des Umsatzsteuergesetzes (UStG) von 201&nbsp;EUR zu Grunde. In der Einspruchsentscheidung vom 15.&nbsp;November 2011 erh&ouml;hte das FA den Vorsteuerberichtigungsbetrag auf 403&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der dagegen erhobenen Klage beantragte der Kl&auml;ger u.a. &quot;<em>[den] <\/em>Umsatzsteuerbescheid vom 26.10.2009 f&uuml;r <em>[das]<\/em> Jahr 2007 <em>[&#8230;]<\/em> in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 15.11.2011 aufzuheben.&quot; Im Klageschriftsatz &#8211;vom 9.&nbsp;Januar 2011, Seite&nbsp;2&#8211; f&uuml;hrte er u.a. aus, es sei unstreitig, dass er u.a. im Streitjahr unternehmerisch t&auml;tig gewesen sei und er (Honorar-)Ums&auml;tze get&auml;tigt habe, die den Vorsteuerabzug nicht ausschlie&szlig;en. Im Weiteren wendete er sich ausschlie&szlig;lich gegen die Vorsteuerberichtigung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG gab der Klage &#8211;ausweislich der Urteilsformel im Urteil vom 12.&nbsp;Februar 2014&#8211; in vollem Umfang statt und tenorierte entsprechend des kl&auml;gerischen Antrags: &quot;<em>[Der] <\/em>Umsatzsteuerbescheid vom 26.10.2009 f&uuml;r <em>[das]<\/em> Jahr 2007 <em>[&#8230;]<\/em> in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 15.11.2011 <em>[wird]<\/em> aufgehoben.&quot; In den Entscheidungsgr&uuml;nden setzte sich das FG ausschlie&szlig;lich mit der M&ouml;glichkeit einer Vorsteuerberichtigung nach &sect;&nbsp;15a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 UStG auseinander. Zu der &#8211;nicht streitigen&#8211; Hinzusch&auml;tzung der nicht erkl&auml;rten Honorarums&auml;tze verh&auml;lt sich das Urteil nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf einen entsprechenden Antrag des FA vom 6.&nbsp;August 2014 berichtigte das FG den Tenor seines Urteils mit Beschluss vom 20.&nbsp;Februar 2015 wie folgt: &quot;Der Umsatzsteuerbescheid vom 26.10.2009 f&uuml;r das Jahr 2007 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 15.11.2011 wird dahingehend ge&auml;ndert, dass die Umsatzsteuer auf 1.285,92&nbsp;EUR festgesetzt wird.&quot; Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte es insbesondere aus, ihm sei eine offenbare Unrichtigkeit i.S. des &sect;&nbsp;107 Abs.&nbsp;1 FGO unterlaufen, indem es den Umsatzsteuerbescheid f&uuml;r 2007 insgesamt aufgehoben habe, obwohl weder die Unternehmereigenschaft des Kl&auml;gers noch die Steuerpflichtigkeit der (Honorar-)Ums&auml;tze von 6.768&nbsp;EUR &#8211;sondern ausschlie&szlig;lich die Vorsteuerberichtigung nach &sect;&nbsp;15a UStG&#8211; in Streit standen. &Uuml;ber die Honorarums&auml;tze, die weder Gegenstand der Schrifts&auml;tze noch der m&uuml;ndlichen Verhandlung gewesen seien, habe es nicht entscheiden wollen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die &#8211;vom FG nicht abgeholfene&#8211; fristgerecht eingelegte Beschwerde des Kl&auml;gers. Er macht geltend, der urspr&uuml;ngliche Tenor &#8211;Aufhebung der Umsatzsteuerfestsetzung f&uuml;r 2007&#8211; habe seinem Antrag entsprochen, mit dem er &#8211;entsprechend der abgegebenen Umsatzsteuer-Jahreserkl&auml;rung&#8211; eine Umsatzsteuerfestsetzung von 0&nbsp;EUR begehrte. Das FG habe von Amts wegen, ohne dass dies einer Begr&uuml;ndung in den Klageschrifts&auml;tzen bedurft h&auml;tte, erkennen m&uuml;ssen, dass die get&auml;tigten Honorarums&auml;tze umsatzsteuerfrei seien. Durch die urspr&uuml;ngliche Tenorierung sei die Steuerfestsetzung, die sich aus der abgegebenen nicht zustimmungsbed&uuml;rftigen Umsatzsteuer-Jahreserkl&auml;rung f&uuml;r 2007 &uuml;ber 0&nbsp;EUR ergab, richtigerweise wieder hergestellt worden. Infolgedessen komme eine Tenorberichtigung wegen einer vermeintlich offenbaren Unrichtigkeit nicht in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>den Berichtigungsbeschluss vom 20.&nbsp;Februar 2015 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Beschwerde zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es schlie&szlig;t sich den Ausf&uuml;hrungen des FG an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die nach &sect;&nbsp;128 Abs.&nbsp;1 FGO zul&auml;ssige Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet und daher durch Beschluss zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;132 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat die Urteilsformel des Klageverfahrens 3&nbsp;K&nbsp;1025\/11 wegen einer &auml;hnlichen offenbaren Unrichtigkeit zu Recht berichtigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;107 Abs.&nbsp;1 FGO sind Schreibfehler, Rechenfehler und &auml;hnliche offenbare Unrichtigkeiten im Urteil jederzeit zu berichtigen. Die zu berichtigende Unrichtigkeit kann alle Bestandteile des Urteils i.S. des &sect;&nbsp;105 Abs.&nbsp;2 FGO betreffen, so auch &#8211;wie im Streitfall&#8211; die Urteilsformel (Beschl&uuml;sse des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 15.&nbsp;Mai 2006 VII&nbsp;B&nbsp;70\/06, BFH\/NV 2006, 1678, Rz&nbsp;7, und vom 9.&nbsp;Juli 1997 V&nbsp;B&nbsp;6\/97, BFH\/NV 1998, 46, Rz&nbsp;8, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Berichtigung darf nur dazu dienen, das vom Gericht erkennbar Gewollte zu verwirklichen, nicht aber, die gewollte Entscheidung inhaltlich zu korrigieren. Eine &auml;hnliche offenbare Unrichtigkeit i.S. von &sect;&nbsp;107 Abs.&nbsp;1 FGO ist nur dann gegeben, wenn es sich um ein &quot;mechanisches&quot; Versehen handelt, aufgrund dessen &#8211;wie bei einem Schreib- oder Rechenfehler&#8211; das wirklich Gewollte nicht zum Ausdruck gelangt. Bereits die M&ouml;glichkeit eines Rechtsirrtums, Denkfehlers oder unvollst&auml;ndiger Sachverhaltsermittlung schlie&szlig;t die Berichtigung wegen offenbarer Unrichtigkeit aus (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Beschluss vom 31.&nbsp;August 2012 IX&nbsp;B&nbsp;86\/12, BFH\/NV 2012, 1994, Rz&nbsp;3, m.w.N., und vom 28.&nbsp;November 2011 III&nbsp;B&nbsp;96\/09, BFH\/NV 2012, 742, Rz&nbsp;6, m.w.N.). Solche Unrichtigkeiten eines finanzgerichtlichen Urteils k&ouml;nnen nicht durch Beschwerde, sondern nur durch Revision gegen das Urteil geltend gemacht werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben hat das FG die Urteilsformel zu Recht berichtigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Im Streitfall steht die Urteilsformel im Widerspruch zu den Entscheidungsgr&uuml;nden. Die Entscheidungsgr&uuml;nde enthalten ausschlie&szlig;lich Erw&auml;gungen zur Vorsteuerberichtigung und stimmen insoweit mit dem Sachvortrag des Kl&auml;gers in dessen Schrifts&auml;tzen &uuml;berein. Dar&uuml;ber hinaus geht das FG im unstreitigen Tatbestand &#8211;wie auch im Klageschriftsatz vorgetragen&#8211; davon aus, dass der Kl&auml;ger u.a. im Streitjahr umsatzsteuerpflichtige Ums&auml;tze get&auml;tigt habe und f&uuml;hrt insoweit aus: &quot;Der Kl&auml;ger erzielt u.a. in den Jahren 2002, 2006 und 2007 aus der T&auml;tigkeit als Maler sowie als Honorardozent umsatzsteuerpflichtige Eink&uuml;nfte aus selbst&auml;ndiger Arbeit.&quot; Tatbestand und Entscheidungsgr&uuml;nde bringen hinreichend zum Ausdruck, dass f&uuml;r das Streitjahr Umsatzsteuer festgesetzt werden sollte. Die Urteilsformel weicht hiervon ab und steht damit erkennbar im Widerspruch zum Erkl&auml;rungswillen des FG. Die von ihm vorgenommene Berichtigung f&uuml;hrt zu einer &Uuml;bereinstimmung des erkennbar gewollten Tenors mit den abgefassten Urteilsgr&uuml;nden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Ob die unrichtige Urteilsformel darauf zur&uuml;ckzuf&uuml;hren ist, dass der Kl&auml;ger im Wege der objektiven Klageh&auml;ufung &#8211;neben der Umsatzsteuerfestsetzung f&uuml;r das Streitjahr&#8211; auch die Umsatzsteuerfestsetzungen f&uuml;r 2003 bis 2006 mit dem Antrag, diese insgesamt aufzuheben, angegriffen hat und das FG diesen Antr&auml;gen umfassend nachgekommen ist, bedarf indes keiner Aufkl&auml;rung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Das Klagebegehren &#8211;das im Streitfall nicht mit dem Antrag des Kl&auml;gers &uuml;bereingestimmt hat&#8211; ist allein auf Beseitigung der Vorsteuerberichtigung gerichtet gewesen. Deshalb hat das FG die Klage im Berichtigungsbeschluss zu Recht nicht teilweise (&quot;im &Uuml;brigen&quot;) abgewiesen und auch die Kostengrundentscheidung unver&auml;ndert gelassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 FGO darf das Gericht &uuml;ber das Klagebegehren nicht hinausgehen, ist aber an die Fassung der Antr&auml;ge nicht gebunden. Wie sich der Vorschrift entnehmen l&auml;sst, ist zwischen Klagebegehren und Klageantrag zu unterscheiden. Das Gericht hat das wirkliche Klagebegehren anhand des gesamten Beteiligtenvorbringens einschlie&szlig;lich des Klageantrags zu ermitteln (BFH-Urteil vom 4.&nbsp;September 2008 IV&nbsp;R&nbsp;1\/07, BFHE 222, 220, BStBl II 2009, 335, unter II.3.a), denn ma&szlig;gebend ist das materielle Ziel der Klage und nicht dessen Formalisierung durch einen Antrag (BFH-Beschluss vom 7.&nbsp;November 2007 I&nbsp;B&nbsp;104\/07, BFH\/NV 2008, 799, unter II.1.a). Das Gericht verst&ouml;&szlig;t gegen &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 FGO, wenn es die w&ouml;rtliche Fassung des Klageantrags als ma&szlig;geblich ansieht, obwohl diese dem erkennbaren Klageziel nicht entspricht (BFH-Beschluss vom 8.&nbsp;Juni 2006 IX&nbsp;B&nbsp;30\/06, BFH\/NV 2006, 1689).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Danach hat das FG die Klage im Berichtigungsbeschluss zu Recht nicht teilweise abgewiesen. Das Klagebegehren war auf eine betragsm&auml;&szlig;ige &Auml;nderung der Umsatzsteuerfestsetzung f&uuml;r 2007 gerichtet. Zwar trifft es zu, dass der Kl&auml;ger &#8211;ausdr&uuml;cklich&#8211; die Aufhebung des Umsatzsteuerbescheids f&uuml;r 2007 beantragt hat. Darauf kommt es jedoch dann nicht an, wenn die Klagebegr&uuml;ndung &#8211;wie im Streitfall&#8211; dazu im Widerspruch steht und der erkennbare Wille des Kl&auml;gers &#8211;hier: ausschlie&szlig;lich Einwand gegen die Vorsteuerberichtigung&#8211; aus dieser Begr&uuml;ndung hervorgeht. Das FG konnte und musste daher &#8211;auch noch im Berichtigungsverfahren&#8211; die gewollte Prozesserkl&auml;rung und das wahre Klagebegehren durch Auslegung unter Ber&uuml;cksichtigung des Inhalts der Schrifts&auml;tze ermitteln. Die Ausf&uuml;hrungen des Kl&auml;gers im Einspruchs- und Klageverfahren richteten sich ausschlie&szlig;lich gegen die Vorsteuerberichtigung. Unter Ber&uuml;cksichtigung des kl&auml;gerischen Vortrags im Streitjahr steuerpflichtige Ums&auml;tze get&auml;tigt zu haben, k&ouml;nnen seine Ausf&uuml;hrungen nur dahingehend verstanden werden, dass er eine &Auml;nderung &#8211;nicht aber die Aufhebung&#8211; der Umsatzsteuerfestsetzung begehrt hat. Andernfalls h&auml;tte das FG die Klage kostenpflichtig &quot;im &Uuml;brigen abweisen&quot; m&uuml;ssen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ohne Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, dass das FA Aussetzung der Vollziehung f&uuml;r die gesamte Umsatzsteuerfestsetzung f&uuml;r 2007 gew&auml;hrt haben soll. Zur Bestimmung des Klagebegehrens sind insbesondere der angefochtene Verwaltungsakt, der Antrag sowie der gesamte Inhalt der Klageschrifts&auml;tze heranzuziehen (Gr&auml;ber\/Stapperfend, Finanzgerichtsordnung, 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;96 Rz&nbsp;5), nicht hingegen Handlungen des FA in anderen Verfahren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Nachdem die Klage &#8211;aufgrund der Auslegung der Prozesserkl&auml;rung&#8211; nicht teilweise abzuweisen war, bedurfte es auch keiner Berichtigung der Kostengrundentscheidung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO. Anders als f&uuml;r das zur jeweiligen Instanz geh&ouml;rende Berichtigungsverfahren selbst besteht f&uuml;r das Beschwerdeverfahren keine Kostenfreiheit (z.B. BFH-Beschluss vom 11.&nbsp;Mai 2010 IX&nbsp;B&nbsp;209\/09, BFH\/NV 2010, 1478, Rz&nbsp;6, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 19.8.2015, V B 26\/15 &quot;Offenbare Unrichtigkeit&quot; i.S. des &sect; 107 FGO setzt Versehen voraus &#8211; Berichtigung des Tenors bei erkennbarem Widerspruch der Urteilsformel zum Erkl&auml;rungswillen des FG &#8211; Unterscheidung zwischen Klagebegehren und Klageantrag Tenor Die Beschwerde des Kl&auml;gers gegen den Beschluss des Th&uuml;ringer Finanzgerichts vom 20. 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