{"id":65173,"date":"2015-11-06T17:07:41","date_gmt":"2015-11-06T15:07:41","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65173"},"modified":"2015-11-06T17:07:41","modified_gmt":"2015-11-06T15:07:41","slug":"iii-b-46-15-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand-anforderungen-an-die-sorgfaltspflichten-des-prozessbevollmaechtigten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-46-15-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand-anforderungen-an-die-sorgfaltspflichten-des-prozessbevollmaechtigten\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;46\/15 &#8211; Wiedereinsetzung in den vorigen Stand; Anforderungen an die Sorgfaltspflichten des Prozessbevollm&auml;chtigten"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 6.8.2015, III B 46\/15<\/p>\n<p class=\"titel\">Wiedereinsetzung in den vorigen Stand; Anforderungen an die Sorgfaltspflichten des Prozessbevollm&auml;chtigten<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Hessischen Finanzgerichts vom 19. Februar 2015&nbsp;&nbsp;3 K 2310\/13 wird als unzul&auml;ssig verworfen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) ist die Mutter ihrer im Mai 1990 geborenen Tochter. Mangels Nachweises der Anspruchsvoraussetzungen hob die Beklagte und Beschwerdegegnerin (Familienkasse) mit Bescheid vom 31.&nbsp;Mai 2012 die Kindergeldfestsetzung ab September 2009 auf und forderte das f&uuml;r die Monate September 2009 bis Dezember 2009, Januar 2010 bis Januar 2011 sowie April 2011 bis M&auml;rz 2012 bereits ausbezahlte Kindergeld von der Kl&auml;gerin zur&uuml;ck. Mangels R&uuml;ckzahlung leitete die Familienkasse Vollstreckungsma&szlig;nahmen ein. Am 4.&nbsp;Juni 2013 teilte die Familienkasse dem Prozessbevollm&auml;chtigten der Kl&auml;gerin mit, dass die Forderung aufgrund der Angabe der Kl&auml;gerin, den Bescheid vom 31.&nbsp;Mai 2012 nicht erhalten zu haben, storniert worden und die Vollstreckungsma&szlig;nahmen aufgehoben worden seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Bescheid vom 9.&nbsp;September 2013 hob die Familienkasse die Kindergeldfestsetzung erneut f&uuml;r die Monate September 2009 bis Januar 2011 und ab April 2011 auf und forderte das &uuml;berzahlte Kindergeld zur&uuml;ck. Den hiergegen gerichteten Einspruch wies sie mit Einspruchsentscheidung vom 7.&nbsp;Oktober 2013 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die dagegen gerichtete Klage blieb ohne Erfolg. Das Urteil wurde dem Prozessbevollm&auml;chtigten der Kl&auml;gerin am 17.&nbsp;M&auml;rz 2015 zugestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit beim Bundesfinanzhof (BFH) am 20.&nbsp;April 2015 eingegangenem Telefax vom selben Tag legte der Prozessbevollm&auml;chtigte Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision ein und beantragte Wiedereinsetzung in die vers&auml;umte Beschwerdefrist. Zur Begr&uuml;ndung des Wiedereinsetzungsantrags f&uuml;hrte er aus, dass er am 17.&nbsp;April 2015 wegen der Vorbereitung auf eine f&uuml;r diesen Tag anberaumte Veranstaltung einer Juristischen Vereinigung die Nichtzulassungsbeschwerde nicht habe vorbereiten k&ouml;nnen. Auf der Veranstaltung, die f&uuml;r 16:30&nbsp;Uhr bis 18:30&nbsp;Uhr angesetzt gewesen sei, habe er sich zunehmend gesundheitlich unwohl gef&uuml;hlt. Sein Blutdruck sei gesunken und es habe sich eine allgemeine &Uuml;belkeit eingestellt (Kopfschmerzen, Anzeichen von Erbrechen\/W&uuml;rgereiz u.&Auml;.). Er habe dann bis ca. kurz nach 19&nbsp;Uhr auf der Veranstaltung ausgeharrt und sei dann nicht &#8211;wie geplant&#8211; zur&uuml;ck in die Kanzlei, sondern nach Hause gefahren. Wegen der pl&ouml;tzlichen und unvorhergesehen Erkrankung, die noch am 18.&nbsp;April 2015 angedauert habe, habe er weder jemand kurzfristig mit der Einlegung der Nichtzulassungsbeschwerde betrauen noch die Frist f&uuml;r die Einlegung der Beschwerde einhalten k&ouml;nnen. Seine Angaben versicherte der Prozessbevollm&auml;chtigte anwaltlich und an Eides Statt. Ferner legte er die eidesstattliche Versicherung eines Berufskollegen vor, in dessen Kanzlei die Veranstaltung stattgefunden hatte. Dieser best&auml;tigte, dass die Veranstaltung bis ca. 19&nbsp;Uhr gedauert und ihm der Prozessbevollm&auml;chtigte mitgeteilt habe, dass ihm sehr &uuml;bel sei und er direkt nach Hause fahre.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Begr&uuml;ndung ihrer Beschwerde beruft sich die Kl&auml;gerin auf die grunds&auml;tzliche Bedeutung der Rechtssache (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) und eine Erforderlichkeit der Rechtsfortbildung (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unzul&auml;ssig und durch Beschluss zu verwerfen (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Beschwerdefrist wurde vers&auml;umt. Wiedereinsetzung in die vers&auml;umte Beschwerdefrist ist nicht zu gew&auml;hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;1 FGO kann die Nichtzulassung der Revision durch Beschwerde angefochten werden. Die Beschwerde ist innerhalb eines Monats nach Zustellung des vollst&auml;ndigen Urteils beim BFH einzulegen (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 FGO). Hierauf wurde die Kl&auml;gerin durch die der angefochtenen Vorentscheidung beigef&uuml;gte Rechtsmittelbelehrung hingewiesen. Das Urteil wurde dem Prozessbevollm&auml;chtigten der Kl&auml;gerin am 17.&nbsp;M&auml;rz 2015 zugestellt. Die einmonatige Beschwerdefrist endete daher gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;54 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;222 Abs.&nbsp;1 der Zivilprozessordnung (ZPO) sowie &sect;&sect;&nbsp;187 Abs.&nbsp;1, 188 Abs.&nbsp;2 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs mit Ablauf des 17.&nbsp;April 2015 (Freitag). Die erst am 20.&nbsp;April 2015 beim BFH eingegangene Beschwerde war somit versp&auml;tet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Wiedereinsetzung in den vorigen Stand (&sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;1 FGO) ist nicht zu gew&auml;hren, da der Prozessbevollm&auml;chtigte, dessen Verhalten sich die Kl&auml;gerin zurechnen lassen muss (&sect;&nbsp;155 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;85 Abs.&nbsp;2 ZPO), nicht ohne Verschulden gehindert war, die Frist zur Einlegung der Nichtzulassungsbeschwerde einzuhalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Ein Verschulden i.S. des &sect;&nbsp;56 FGO ist, jedenfalls wenn es sich um die Fristvers&auml;umnis eines Steuerberaters oder Rechtsanwalts handelt, nur dann zu verneinen, wenn dieser die &auml;u&szlig;erste, den Umst&auml;nden des Falles angemessene und vern&uuml;nftigerweise zu erwartende Sorgfalt angewendet hat (vgl. Senatsbeschluss vom 7.&nbsp;Februar 2002 III&nbsp;R&nbsp;12\/01, BFH\/NV 2002, 794, m.w.N.; BFH-Beschluss vom 16.&nbsp;M&auml;rz 2005 X&nbsp;R&nbsp;8\/04, BFH\/NV 2005, 1341). Der Prozessbevollm&auml;chtigte einer Partei muss daher alles ihm Zumutbare tun, damit die Frist zur Einlegung oder Begr&uuml;ndung eines Rechtsmittels gewahrt wird. Dementsprechend hat er die nach den jeweiligen Umst&auml;nden gebotene Vorsorge f&uuml;r den Fall zu treffen, dass er unvorhergesehen an der Wahrnehmung seiner Aufgaben, insbesondere an der Wahrung gesetzlicher Pflichten, gehindert wird. Daraus folgt, dass auch ein allein und ohne Personal t&auml;tiger Prozessbevollm&auml;chtigter sicherstellen muss, dass im Krankheitsfall ein Vertreter f&uuml;r ihn vorhanden ist oder dass zumindest eine Vertrauensperson sich an einen solchen wenden kann (Senatsbeschluss in BFH\/NV 2002, 794, m.w.N.; BFH-Beschluss in BFH\/NV 2005, 1341, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Demgem&auml;&szlig; ist es f&uuml;r die schl&uuml;ssige Begr&uuml;ndung eines Wiedereinsetzungsantrags nicht ausreichend, allein den Umstand der Erkrankung darzulegen; erforderlich sind vielmehr substantiierte Ausf&uuml;hrungen dazu, welche Vorkehrungen (B&uuml;roorganisation, Bestellung eines Vertreters) der Prozessbevollm&auml;chtigte getroffen hat, um eine Fristvers&auml;umnis zu vermeiden, oder aus welchen Gr&uuml;nden (z.B. pl&ouml;tzlicher Ausbruch der Krankheit) der Prozessvertreter Ma&szlig;nahmen dieser Art nicht hat ergreifen k&ouml;nnen (Senatsbeschluss vom 30.&nbsp;August 2005 III&nbsp;R&nbsp;15\/05, BFH\/NV 2006, 89; BFH-Beschluss in BFH\/NV 2005, 1341, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Das Fehlen einer geeigneten Vorsorgema&szlig;nahme wirkt sich auf die Vers&auml;umung der Rechtsmittelfrist nur dann nicht aus, wenn der Prozessbevollm&auml;chtigte pl&ouml;tzlich in einer Weise erkrankt, die es ihm &#8211;auch wenn er sich allgemein um einen Vertreter gek&uuml;mmert hat&#8211; unverschuldet unm&ouml;glich gemacht h&auml;tte, diesen Vertreter rechtzeitig ausreichend zu informieren (Senatsbeschluss in BFH\/NV 2002, 794, m.w.N.; BFH-Beschluss in BFH\/NV 2005, 1341, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>dd) Im Streitfall hat der Prozessbevollm&auml;chtigte zwar die n&auml;heren Umst&auml;nde seiner Erkrankung erl&auml;utert. Er hat indessen nicht hinreichend dargelegt, dass er alles ihm Zumutbare getan hat, um die Frist f&uuml;r die Beschwerdeeinlegung zu wahren. Insbesondere kann dem Vortrag des Prozessbevollm&auml;chtigten nicht entnommen werden, dass er die nach den jeweiligen Umst&auml;nden gebotenen Vorsorgema&szlig;nahmen getroffen hat, um im Fall einer unvorhergesehenen Erkrankung eine rechtzeitige Bearbeitung von Fristsachen zu gew&auml;hrleisten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Prozessbevollm&auml;chtigte tr&auml;gt zu seinen Vorsorgema&szlig;nahmen vor, er arbeite in B&uuml;rogemeinschaft mit mehreren anderen Rechtsanw&auml;lten, die sich im Notfall alle kollegialit&auml;r h&uuml;lfen; freitags sei aber ab 18&nbsp;Uhr niemand mehr im B&uuml;ro anwesend. Hieraus ergeben sich keine den jeweiligen Umst&auml;nden angepassten Vorsorgema&szlig;nahmen. Denn die individuelle Arbeitsweise des Prozessbevollm&auml;chtigten, Fristsachen erst am letzten Tag der Frist nach 19&nbsp;Uhr zu bearbeiten, h&auml;tte verlangt, dass er auch an Freitagen nach 18&nbsp;Uhr f&uuml;r eine geeignete Vertretungsm&ouml;glichkeit sorgt. Es l&auml;ge in einem solchen Fall beispielsweise nicht au&szlig;erhalb des Bereichs des Zumutbaren, die Erreichbarkeit eines f&uuml;r die Vertretung in Betracht kommenden Kollegen nicht nur &uuml;ber die Telefonverbindung im B&uuml;ro, sondern auch &uuml;ber eine mobile Rufnummer sicherzustellen. &Uuml;berdies w&auml;re unter den gegebenen Umst&auml;nden zumindest darauf einzugehen gewesen, warum der Prozessbevollm&auml;chtigte nicht dem Berufskollegen, mit dem die Veranstaltung der Juristischen Vereinigung durchgef&uuml;hrt wurde, Untervollmacht erteilt hat. Dies h&auml;tte nahegelegen, nachdem mit dem Berufskollegen ohnehin die Erkrankung besprochen wurde und dieser sich noch in seiner Kanzlei befand. Anders als der Prozessbevollm&auml;chtigte meint, l&auml;sst sich eine Unzumutbarkeit der kurzfristigen Einschaltung eines Vertreters auch nicht daraus ableiten, dass niemand mehr sich kurzfristig in die Akten h&auml;tte einarbeiten und die Begr&uuml;ndung kurzfristig binnen weniger Stunden h&auml;tte einreichen k&ouml;nnen. Denn nach eigenem Vortrag des Prozessbevollm&auml;chtigten hatte dieser bereits am Vormittag des 17.&nbsp;April 2015 nach R&uuml;cksprache mit der Mandantschaft entschieden, dass Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt wird. Diese Information h&auml;tte einem Vertreter f&uuml;r eine fristwahrende Beschwerdeeinlegung gen&uuml;gt. Eine weitergehende Einarbeitung in den Prozessstoff zur Begr&uuml;ndung der Nichtzulassungsbeschwerde war zu diesem Zeitpunkt noch nicht erforderlich, da die Begr&uuml;ndung erst innerhalb der Frist des &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 FGO h&auml;tte erfolgen m&uuml;ssen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Im &Uuml;brigen ist die Beschwerde auch deswegen unzul&auml;ssig, weil die Kl&auml;gerin Zulassungsgr&uuml;nde nicht in der durch &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO geforderten Weise dargelegt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Soweit die Kl&auml;gerin eine Zulassung der Revision wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung der Rechtssache begehrt, fehlt es bereits an der Herausstellung einer bestimmten f&uuml;r die Entscheidung des Streitfalls erheblichen abstrakten Rechtsfrage. Auch wird in der Beschwerdebegr&uuml;ndung nicht schl&uuml;ssig und substantiiert unter Auseinandersetzung mit den zur aufgeworfenen Rechtsfrage in Rechtsprechung und Schrifttum vertretenen Auffassungen dargetan, weshalb die f&uuml;r bedeutsam gehaltene Rechtsfrage im Allgemeininteresse kl&auml;rungsbed&uuml;rftig und im Streitfall kl&auml;rbar ist. Die Kl&auml;gerin geht insbesondere auch nicht darauf ein, in welchem Umfang, von welcher Seite und aus welchen Gr&uuml;nden die Beantwortung der Frage zweifelhaft und streitig ist (vgl. zu den vorgenannten Darlegungserfordernissen z.B. Senatsbeschluss vom 2.&nbsp;Juni 2014 III&nbsp;B&nbsp;101\/13, BFH\/NV 2014, 1374, m.w.N.). Ausf&uuml;hrungen, aus denen sich ergibt, der BFH habe &uuml;ber eine bestimmte, dem Streitfall entsprechende Sachverhaltskonstellation noch nicht entschieden, gen&uuml;gen den Anforderungen an die Darlegung der grunds&auml;tzlichen Bedeutung ebenso wenig wie das Vorbringen, die Vorentscheidung leide an einem materiell-rechtlichen Mangel.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Ebenso unzul&auml;ssig ist die Beschwerde, soweit die Kl&auml;gerin die Erforderlichkeit einer Entscheidung des BFH zur Fortbildung des Rechts geltend macht. Dieser Zulassungsgrund ist ein Unterfall des Zulassungsgrundes der grunds&auml;tzlichen Bedeutung (vgl. z.B. Senatsbeschluss vom 5.&nbsp;Mai 2014 III&nbsp;B&nbsp;85\/13, BFH\/NV 2014, 1186), der hier &#8211;wie ausgef&uuml;hrt&#8211; nicht in einer den Anforderungen nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO gen&uuml;genden Weise dargelegt wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Von einer weiteren Begr&uuml;ndung sieht der Senat ab (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 6.8.2015, III B 46\/15 Wiedereinsetzung in den vorigen Stand; Anforderungen an die Sorgfaltspflichten des Prozessbevollm&auml;chtigten Tenor Die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Hessischen Finanzgerichts vom 19. Februar 2015&nbsp;&nbsp;3 K 2310\/13 wird als unzul&auml;ssig verworfen. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen. Tatbestand 1&nbsp; I. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-46-15-wiedereinsetzung-in-den-vorigen-stand-anforderungen-an-die-sorgfaltspflichten-des-prozessbevollmaechtigten\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">III&nbsp;B&nbsp;46\/15 &#8211; Wiedereinsetzung in den vorigen Stand; Anforderungen an die Sorgfaltspflichten des Prozessbevollm&auml;chtigten<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-65173","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65173","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65173"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65173\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65173"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65173"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65173"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}