{"id":6519,"date":"2012-11-30T16:11:07","date_gmt":"2012-11-30T14:11:07","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=6519"},"modified":"2012-11-30T16:11:07","modified_gmt":"2012-11-30T14:11:07","slug":"ix-r-11-11-kein-anspruch-auf-einen-bestimmten-rechtmaessigen-inhalt-einer-verbindlichen-auskunft-verbindliche-auskunft-als-verwaltungsakt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-11-11-kein-anspruch-auf-einen-bestimmten-rechtmaessigen-inhalt-einer-verbindlichen-auskunft-verbindliche-auskunft-als-verwaltungsakt\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;11\/11 &#8211; Kein Anspruch auf einen bestimmten rechtm&auml;&szlig;igen Inhalt einer verbindlichen Auskunft &#8211; verbindliche Auskunft als Verwaltungsakt"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 29.2.2012, IX R 11\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Kein Anspruch auf einen bestimmten rechtm&auml;&szlig;igen Inhalt einer verbindlichen Auskunft &#8211; verbindliche Auskunft als Verwaltungsakt<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Das FG pr&uuml;ft den Inhalt einer erteilten verbindlichen Auskunft nur darauf, ob die gegenw&auml;rtige rechtliche Einordnung des &#8211;zutreffend erfassten&#8211; zur Pr&uuml;fung gestellten Sachverhalts in sich schl&uuml;ssig und nicht evident rechtsfehlerhaft ist.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) entnahm im Wirtschaftsjahr 2006\/2007 aus seinem landwirtschaftlichen Betriebsverm&ouml;gen zwei Grundst&uuml;cke. Im Juli 2009 beantragte er eine verbindliche Auskunft beim Beklagten und Revisionsbeklagten (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) zu folgender Rechtsfrage:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Stellt die Bestellung des Erbbaurechts an den beiden genannten Grundst&uuml;cken eine Ver&auml;u&szlig;erung i.S. des &sect; 23 Abs. 1 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) dar, wobei das Kaufangebot vom Kl&auml;ger erst nach Ablauf der Zehnjahresfrist angenommen wird?<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Unterliegt der Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn nach Annahme des Kaufangebots nach Ablauf der Zehnjahresfrist des &sect; 23 Abs. 1 Satz 1 EStG beim Kl&auml;ger als Ver&auml;u&szlig;erer nicht der Einkommensteuer?<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hierzu trug der Kl&auml;ger folgenden geplanten Sachverhalt vor: Er beabsichtige, je eine Teilfl&auml;che aus den beiden Grundst&uuml;cken zu Gunsten eines Dritten, einer gewerblichen Grundst&uuml;cksentwicklungs GmbH, mit einem Erbbaurecht zu belasten. Der j&auml;hrliche Erbbauzins solle 2,50 EUR\/qm betragen. Der Erbbauberechtigte solle berechtigt sein, auf diesen Fl&auml;chen einen Kreisverkehr zur Erschlie&szlig;ung des geplanten Gewerbegebiets zu errichten. Das Erbbaurecht solle mit der Eintragung im Grundbuch beginnen und bis zum 31. Dezember 2017 befristet sein. Der Erbbaurechtsvertrag solle nicht sofort zustande kommen, vielmehr wolle der Kl&auml;ger dem Dritten gegen&uuml;ber vorerst nur ein notariell beurkundetes Angebot auf Abschluss eines Erbbaurechtsvertrages abgeben. Voraussetzung f&uuml;r die Annahme des Angebots solle sein, dass der Kreisverkehrsplatz rechts- und bestandskr&auml;ftig genehmigt worden sei. Gleichzeitig solle der Dritte ein notariell beurkundetes Kaufangebot gegen&uuml;ber dem Kl&auml;ger f&uuml;r die Grundst&uuml;cke, f&uuml;r die das Erbbaurecht bestellt werde, abgeben. Au&szlig;erdem solle sich das Kaufangebot auch auf die Restfl&auml;che eines Grundst&uuml;cks erstrecken. Der Kl&auml;ger solle das Kaufangebot nur annehmen k&ouml;nnen, wenn vorher der Erbbaurechtsvertrag mit dem Dritten zustande gekommen sei. Das Kaufangebot k&ouml;nne fr&uuml;hestens am 1. Juli 2017 und sp&auml;testens bis zum 31. Dezember 2017 angenommen werden. W&uuml;rde das Kaufangebot nicht bis zum 31. Dezember 2017 angenommen, solle es erl&ouml;schen. Das Erbbaurecht w&uuml;rde sich aber um weitere 50 Jahre verl&auml;ngern, wobei der Erbbauzins ab 1. Januar 2018 entsprechend der Ver&auml;nderung des Verbraucherindexes anzupassen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach der Rechtsauffassung des Kl&auml;gers sollte die Bestellung des Erbbaurechts noch keine Ver&auml;u&szlig;erung i.S. des &sect; 23 Abs. 1 Satz 1 EStG darstellen, das wirtschaftliche Eigentum an dem Grundst&uuml;ck mit der Bestellung des Erbbaurechts noch nicht auf den Erbbauberechtigten &uuml;bergehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA stimmte dem nicht zu. Einspruch und Klage waren erfolglos.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) entschied mit seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2011, 1034 ver&ouml;ffentlichten Urteil, der Kl&auml;ger habe keinen Rechtsanspruch auf Erteilung des spezifischen Inhalts der von ihm begehrten verbindlichen Auskunft. Insoweit habe das FA sein Auswahlermessen zutreffend ausge&uuml;bt. Ermessensfehlerhaft handele es nur dann, wenn es (1) den vorgetragenen, k&uuml;nftigen Sachverhalt falsch interpretiere oder (2) ohne Begr&uuml;ndung oder mit erkennbaren M&auml;ngeln dem Rechtsstandpunkt des Kl&auml;gers nicht folge oder zu folgen bereit sei oder (3) wenn sich die Finanzbeh&ouml;rde sehenden Auges gegen eine h&ouml;chstrichterliche Rechtsprechung wende. Die Eckpunkte f&uuml;r das Handeln im Rahmen des pflichtgem&auml;&szlig;en Ermessens verpflichteten eine Finanzbeh&ouml;rde nicht, in Zweifelsfragen f&uuml;r den Steuerpflichtigen zu entscheiden. W&uuml;rde aber ohne ausreichende Begr&uuml;ndung von einer herrschenden Auffassung oder der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) abgewichen, liege ein Ermessensfehler vor. Im Streitfall habe das FA den geschilderten Sachverhalt zutreffend interpretiert und hierauf die Rechtsprechung des BFH in vertretbarer Weise angewandt (vgl. Urteil vom 18. August 1977 VIII R 7\/74, BFHE 123, 176, BStBl II 1977, 796). Insbesondere werde mit der Genehmigung von Stra&szlig;e und Kreisverkehr sowie der anschlie&szlig;enden Bebauung das Grundst&uuml;ck derart ver&auml;ndert, dass dem Kl&auml;ger keinerlei eigene &#8211;andere&#8211; Nutzungsm&ouml;glichkeit mehr verbleibe. Die Einsch&auml;tzung des FA, dass die R&uuml;ck&uuml;bertragung der Herrschaftsgewalt hinsichtlich dieser beiden Grundst&uuml;cke praktisch auf nicht absehbare Zeit als ausgeschlossen angesehen werden m&uuml;sse, erscheine akzeptabel. Dem Kl&auml;ger verbleibe die M&ouml;glichkeit, f&uuml;r seine Rechtsauffassung im Veranlagungszeitraum der Besteuerung des Sachverhalts ggf. mit Rechtsbehelfen gegen den Einkommensteuerbescheid zu streiten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die Revision des Kl&auml;gers, mit der dieser die Verletzung materiellen Rechts r&uuml;gt. Die erteilte Auskunft sei inhaltlich voll auf ihre Richtigkeit &uuml;berpr&uuml;fbar und in der Sache falsch. Die Widmung zum Gemeingebrauch f&uuml;hre nicht dazu, dass der Grundst&uuml;ckseigent&uuml;mer das wirtschaftliche Eigentum am Grundst&uuml;ck verliere. Dadurch werde nicht f&uuml;r immer eine anderweitige Nutzung f&uuml;r den Grundst&uuml;ckseigent&uuml;mer ausgeschlossen. Der Kl&auml;ger k&ouml;nne v&ouml;llig frei dar&uuml;ber entscheiden, ob er das Kaufangebot annehme oder nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>das angefochtene Urteil des FG und den Bescheid des FA vom 24. November 2009 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 20. Juli 2010 aufzuheben sowie das FA zu verpflichten, dem Kl&auml;ger eine verbindliche Auskunft dahingehend zu erteilen, dass die Bestellung des Erbbaurechts an den beiden streitbefangenen Grundst&uuml;cken keine Ver&auml;u&szlig;erung i.S. des &sect; 23 Abs. 1 Satz 1 EStG darstellt, wenn das Kaufangebot vom Kl&auml;ger erst nach Ablauf der Zehnjahresfrist angenommen wird, und dass der Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn nach Annahme des Kaufangebots nach Ablauf der Zehnjahresfrist des &sect; 23 Abs. 1 Satz 1 EStG beim Kl&auml;ger als Ver&auml;u&szlig;erer nicht der Einkommensteuer unterliegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und deshalb zur&uuml;ckzuweisen (&sect; 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung). Im Ergebnis zutreffend hat das FG einen Anspruch des Kl&auml;gers auf eine verbindliche Auskunft mit dem von ihm begehrten Inhalt abgelehnt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. a) Gem&auml;&szlig; &sect; 89 Abs. 2 der Abgabenordnung (AO) kann der Steuerpflichtige aus Gr&uuml;nden der Planungs- und Entscheidungssicherheit eine verbindliche Auskunft (Zusage) dar&uuml;ber verlangen, wie ein in der Zukunft liegender Besteuerungstatbestand steuerlich zu beurteilen ist. Dabei handelt es sich um einen Verwaltungsakt nach &sect; 118 Satz 1 AO (dazu eingehend BFH-Urteil vom 30. April 2009 VI R 54\/07, BFHE 225, 50, BStBl II 2010, 996, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Daraus, dass auch die sog. Negativauskunft die Zusicherung einer bestimmten k&uuml;nftigen steuerlichen Behandlung enth&auml;lt und es sich damit um einen Verwaltungsakt handelt, folgt zun&auml;chst nach allgemeinen prozessualen Grunds&auml;tzen die Statthaftigkeit von Anfechtungs- bzw. Verpflichtungsklage (BFH-Urteil in BFHE 225, 50, BStBl II 2010, 996, unter II.2., 3.a; Schmitz in Schwarz, AO, &sect; 89 Rz 78; Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect; 89 AO Rz 59; Ax\/Gro&szlig;e\/Melchior\/Lotz\/ Ziegler, Finanz und Steuern Band 4, Abgabenordnung und Finanzgerichtsordnung, 20. Aufl., Rz 1008a; Roser in Beermann\/Gosch, AO &sect; 89 Rz 75; a.A. &#8211;fehlende Beschwer bzw. Klagebefugnis&#8211; S&ouml;hn in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect; 89 AO Rz 304, 309; Wagner in: K&uuml;hn\/v.Wedelst&auml;dt, 20. Aufl., AO, &sect; 89 Rz 16).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die gerichtliche Kontrolldichte h&auml;ngt jedoch prim&auml;r von der Regelungsaussage dieses Verwaltungsakts ab (dies verkennend Krumm, Deutsches Steuerrecht &#8211;DStR&#8211; 2011, 2429, 2434). Gegenstand der gerichtlichen Kontrolle einer verbindlichen Auskunft ist nur ihre Regelung (f&uuml;r eine Qualit&auml;tskontrolle der Auskunft mit Verweis auf deren Geb&uuml;hrenpflicht etwa Seer in Tipke\/Kruse, a.a.O.; a.A. &#8211;keinerlei Inhaltskontrolle&#8211; Schmitz in Schwarz, a.a.O., &sect; 89 Rz 77). Entsprechend der Funktion der verbindlichen Auskunft im Besteuerungsverfahren, dem Steuerpflichtigen Planungs- und Entscheidungssicherheit, d.h. Rechtssicherheit hinsichtlich der Einsch&auml;tzung eines geplanten Sachverhalts bzw. Vertragsmodells durch die Finanzbeh&ouml;rde zu verschaffen (BFH-Urteil in BFHE 225, 50, BStBl II 2010, 996, unter II.3.), regelt die verbindliche Auskunft lediglich, wie die Finanzbeh&ouml;rde eine ihr zur Pr&uuml;fung gestellte hypothetische Gestaltung gegenw&auml;rtig beurteilt, nicht aber trifft sie die &#8211;dem Steuerbescheid vorbehaltene&#8211; endg&uuml;ltige Aussage &uuml;ber die materielle Rechtm&auml;&szlig;igkeit einer Steuerfestsetzung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die Frage nach der Art der finanzgerichtlichen Rechtm&auml;&szlig;igkeitskontrolle einer Negativauskunft stellt sich damit als Frage nach den materiell-rechtlichen Anforderungen dar, die das FA bei der Auskunftserteilung zu wahren hat. Diese ergeben sich wiederum aus deren Zwecksetzung &#8211; der Wortlaut von &sect; 89 Abs. 2 AO ist insoweit unergiebig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) W&auml;hrend die beh&ouml;rdliche Rechtm&auml;&szlig;igkeitspr&uuml;fung im Steuerfestsetzungsverfahren rechtswidrige Steuereingriffe vermeiden soll, stellt die verbindliche Auskunft eine Leistung f&uuml;r den Steuerpflichtigen dar, um ihn bei der Planung zuk&uuml;nftiger Gestaltungen zu unterst&uuml;tzen, insbesondere ihm eine Risikoabsch&auml;tzung im Vorfeld eines etwaigen Besteuerungsverfahrens zu erleichtern. Insbesondere kann er aus einer verbindlichen Auskunft schlussfolgern, inwieweit er im Besteuerungsverfahren, will er eine bestimmte Gestaltung steuerg&uuml;nstig umsetzen, den Rechtsweg zu beschreiten haben wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Andererseits hat eine erteilte verbindliche Auskunft den Anforderungen eines fairen rechtsstaatlichen Verwaltungsverfahrens zu gen&uuml;gen. Das FA hat den allgemeinen rechtsstaatlichen Anforderungen an jegliches beh&ouml;rdliches Handeln sowie den aus &sect; 89 Abs. 2 AO i.V.m. &sect;&sect; 1, 2 der Steuer-Auskunftsverordnung (StAuskV) folgenden Vorgaben gerecht zu werden. Es hat zun&auml;chst den zur Pr&uuml;fung gestellten Sachverhalt zutreffend zu erfassen. Die Funktion der verbindlichen Auskunft, dem Steuerpflichtigen Planungssicherheit zu verschaffen, bedingt weiter, dass die Beh&ouml;rde keine Auskunft erteilen darf, deren Best&auml;ndigkeit im Festsetzungsverfahren von vornherein in Frage steht. Dies bedeutet, dass die rechtliche Einordnung des zu beurteilenden Sachverhalts in sich schl&uuml;ssig sein muss und nicht evident rechtsfehlerhaft sein darf. Anhand dieses Ma&szlig;stabes hat das FG die sachliche Richtigkeit einer erteilten Auskunft zu pr&uuml;fen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Unzutreffend geht das FG im Zusammenhang mit der reduzierten finanzgerichtlichen Inhaltskontrolle freilich von Auswahlermessen aus (vgl. auch Krumm, DStR 2011, 2429, 2430 f.). Das FA hat keine Wahl zwischen mehreren Auskunftsalternativen. Inhalt der Auskunft muss die seiner Auffassung nach richtige Beurteilung des zur Pr&uuml;fung gestellten geplanten Sachverhalts sein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Art. 19 Abs. 4 des Grundgesetzes (GG) verlangt keine strenge Rechtm&auml;&szlig;igkeitsbindung der eine verbindliche Auskunft erteilenden Beh&ouml;rde und entsprechend keine umfassende gerichtliche Rechtm&auml;&szlig;igkeitskontrolle im Vorfeld der Steuerfestsetzung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die verbindliche Auskunft entfaltet keine Bindungswirkung f&uuml;r die Steuerfestsetzung, wenn sie zu Ungunsten des Steuerpflichtigen rechtswidrig ist (&sect; 2 Abs. 1 Satz 2 StAuskV). Um dies &uuml;berpr&uuml;fen zu lassen, steht dem Steuerpflichtigen der Rechtsweg gegen den Steuerbescheid offen. Dies gen&uuml;gt den Anforderungen effektiven Rechtsschutzes (i.S. von Art. 19 Abs. 4 GG). Die materielle Richtigkeit der Auskunft wird im Besteuerungsverfahren ggf. im Rahmen der Anfechtung des Steuerbescheids vom FG umfassend gepr&uuml;ft. Zwar dient die verbindliche Auskunft der Planungssicherheit des Steuerpflichtigen, dies aber nur insoweit, als er die Rechtsauffassung der Finanzbeh&ouml;rde zur Grundlage seiner Entscheidung machen und ggf. absehen kann, inwieweit er die gew&uuml;nschte steuerliche Behandlung im Wege gerichtlichen Rechtsschutzes durchsetzen will. Nicht aber soll das Institut der verbindlichen Auskunft einen Prozess im Besteuerungsverfahren vermeiden und insoweit den Steuerpflichtigen das Prozessrisiko abnehmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>f) Auch die Bindung der Verwaltung an das Gesetz (Art. 20 Abs. 3 GG) und der damit korrespondierende Untersuchungsgrundsatz (&sect; 88 AO) erfordern keine vollinhaltliche Rechtm&auml;&szlig;igkeitskontrolle einer verbindlichen Auskunft. Denn die Beh&ouml;rde trifft mit der verbindlichen Auskunft nur eine Aussage &uuml;ber ihre gegenw&auml;rtige Einsch&auml;tzung zur steuerlichen Behandlung eines geplanten Sachverhalts im Vorfeld einer etwaigen Besteuerung dieses Sachverhalts. Sie kann diese Einsch&auml;tzung, sofern sich ihre Rechtswidrigkeit herausstellt, im Besteuerungsverfahren ex nunc aufheben oder &auml;ndern (&sect; 2 Abs. 3 StAuskV; dazu BFH-Urteil vom 2. September 2009 I R 20\/09, BFH\/NV 2010, 391). Vertrauensschutz in die materielle Richtigkeit einer erteilten verbindlichen Auskunft genie&szlig;t der Steuerpflichtige danach grunds&auml;tzlich nur vorbehaltlich der beh&ouml;rdlichen Erkenntnis der Rechtswidrigkeit einer Auskunft, w&auml;hrend die Korrekturvorschriften der Abgabenordnung (&sect;&sect; 172 ff. AO) f&uuml;r die Beseitigung der Bestandskraft von Steuerbescheiden weit engere Grenzen vorsehen. Parallel hierzu ist auch die Kontrolldichte der gerichtlichen &Uuml;berpr&uuml;fung einer verbindlichen Auskunft gegen&uuml;ber der eines Steuerbescheids geringer.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>g) Daraus, dass &sect; 42e EStG einem Arbeitgeber einen Rechtsanspruch auf eine inhaltlich richtige Anrufungsauskunft gibt (BFH-Urteil in BFHE 225, 50, BStBl II 2010, 996), folgt nichts anderes. Denn die ma&szlig;gebliche Rechtfertigung f&uuml;r diesen dem Lohnsteuerverfahren vorgelagerten Rechtsschutz erw&auml;chst daraus, dass die Anrufungsauskunft den Arbeitgeber gerade in der Wahrnehmung seiner Funktion der Steuererhebung f&uuml;r den Staat unterst&uuml;tzt und es vor diesem besonderen Hintergrund mit den Grunds&auml;tzen eines fairen Verfahrens schwerlich vereinbar w&auml;re, dem vom Fiskus in die Pflicht genommenen Arbeitgeber, der mit dem Inhalt einer Anrufungsauskunft nicht einverstanden ist, anheim zu stellen, die Lohnsteuer zun&auml;chst (rechtswidrig) einzubehalten und abzuf&uuml;hren, den einschl&auml;gigen Rechtsschutz jedoch erst sp&auml;ter durch Anfechtung entsprechender Lohnsteuer- bzw. Haftungsbescheide zu suchen (BFH-Urteil in BFHE 225, 50, BStBl II 2010, 996, unter II.4.a.E.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach diesen Grunds&auml;tzen hat das FG im Ergebnis zutreffend die streitbefangene Auskunft des FA nicht beanstandet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die vom FA zu der von ihm zutreffend erfassten geplanten Gestaltung vertretene Rechtsauffassung, dass der Erbbauberechtigte bereits zum Zeitpunkt des Abschlusses des Erbbaurechtsvertrages wirtschaftlicher Eigent&uuml;mer werde, realistischerweise nicht von einer R&uuml;ck&uuml;bertragung des Grundst&uuml;cks auszugehen sei und der Kl&auml;ger hinsichtlich der Annahme des Kaufangebots nicht v&ouml;llig frei sei, ist in sich schl&uuml;ssig und nicht evident rechtsfehlerhaft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 29.2.2012, IX R 11\/11 Kein Anspruch auf einen bestimmten rechtm&auml;&szlig;igen Inhalt einer verbindlichen Auskunft &#8211; verbindliche Auskunft als Verwaltungsakt Leits&auml;tze Das FG pr&uuml;ft den Inhalt einer erteilten verbindlichen Auskunft nur darauf, ob die gegenw&auml;rtige rechtliche Einordnung des &#8211;zutreffend erfassten&#8211; zur Pr&uuml;fung gestellten Sachverhalts in sich schl&uuml;ssig und nicht evident rechtsfehlerhaft ist. Tatbestand &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-11-11-kein-anspruch-auf-einen-bestimmten-rechtmaessigen-inhalt-einer-verbindlichen-auskunft-verbindliche-auskunft-als-verwaltungsakt\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;11\/11 &#8211; Kein Anspruch auf einen bestimmten rechtm&auml;&szlig;igen Inhalt einer verbindlichen Auskunft &#8211; verbindliche Auskunft als Verwaltungsakt<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-6519","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6519","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6519"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6519\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6519"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6519"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6519"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}