{"id":6520,"date":"2012-11-30T21:53:01","date_gmt":"2012-11-30T19:53:01","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=6520"},"modified":"2012-11-30T21:53:01","modified_gmt":"2012-11-30T19:53:01","slug":"vi-r-23-10-werbungskosten-durch-aufwendungen-fuer-arbeitsgerichtlichen-vergleich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-23-10-werbungskosten-durch-aufwendungen-fuer-arbeitsgerichtlichen-vergleich\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;23\/10 &#8211; Werbungskosten durch Aufwendungen f&uuml;r arbeitsgerichtlichen Vergleich"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.2.2012, VI R 23\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Werbungskosten durch Aufwendungen f&uuml;r arbeitsgerichtlichen Vergleich<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Es spricht regelm&auml;&szlig;ig eine Vermutung daf&uuml;r, dass Aufwendungen f&uuml;r aus dem Arbeitsverh&auml;ltnis folgende zivil- und arbeitsgerichtliche Streitigkeiten einen den Werbungskostenabzug rechtfertigenden hinreichend konkreten Veranlassungszusammenhang zu den Lohneink&uuml;nften aufweisen. Dies gilt grunds&auml;tzlich auch, wenn sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer &uuml;ber solche streitigen Anspr&uuml;che im Rahmen eines arbeitsgerichtlichen Vergleichs einigen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist, ob aufgrund eines arbeitsgerichtlichen Vergleichs von einem Arbeitnehmer an seinen fr&uuml;heren Arbeitgeber erbrachte Zahlungen Werbungskosten sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger), Eheleute, wurden im Streitjahr (2007) zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Der Kl&auml;ger war seit 1996 alleiniger Gesellschafter und Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der in W ans&auml;ssigen Firma X GmbH (GmbH). Weiter war der Kl&auml;ger ab 1. Juli 1996 f&uuml;r die Firma Y GmbH (Y) als angestellter Gebietsverkaufsleiter mit einem monatlichen Festgehalt von 15.000 DM zzgl. einer monatlichen Garantieprovision von 2.000 DM und einer weiteren umsatzabh&auml;ngigen Verkaufsprovision t&auml;tig. Der Kl&auml;ger sollte f&uuml;r die Y &quot;alle vertrieblichen Interessen&quot; in dem ihm zugeteilten Verkaufsgebiet (u.a. Skandinavien) wahrnehmen und die Vertriebsorganisation weiter aufbauen. Er unterlag unter Bewehrung mit einer Vertragsstrafe und unter Vorbehalt von Schadenersatz einer im Einzelnen im Arbeitsvertrag geregelten Schweigepflicht und einem Nebent&auml;tigkeitsverbot. Die Fortf&uuml;hrung seiner bisherigen GmbH war ihm allerdings in beschr&auml;nktem Umfang gestattet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem zum 30. September 2003 das Arbeitsverh&auml;ltnis zwischen dem Kl&auml;ger und der Y beendet worden war, erhob die Y im Oktober 2005 vor dem Arbeitsgericht Klage auf Schadenersatz in H&ouml;he von 929.648 EUR. Der fr&uuml;here Arbeitgeber des Kl&auml;gers f&uuml;hrte zur Begr&uuml;ndung an, der Kl&auml;ger habe gegen Entgelt konkrete Gesch&auml;ftschancen an Konkurrenten verraten und daher gegen die arbeitsvertraglich vereinbarte Schweigepflicht versto&szlig;en. Der Kl&auml;ger habe im Jahre 2003 einer anderen Firma geheime Angebotsdaten und Zeichnungen der Y mitgeteilt, so dass nicht der Y, sondern der anderen Firma der Auftrag erteilt worden sei. Das arbeitsgerichtliche Verfahren wurde im Streitjahr mit einem Vergleich beendet, der alle Anspr&uuml;che jeglicher Art zwischen der Y und dem Kl&auml;ger erledigte. Danach verzichtete zum einen die GmbH auf bereits anh&auml;ngig gemachte und verglichene Anspr&uuml;che gegen die Y in H&ouml;he von 60.000 EUR. Zum anderen verpflichtete sich der Kl&auml;ger, weitere 60.000 EUR an die Y zu zahlen. Diese Zahlung leistete der Kl&auml;ger im Streitjahr.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger machten im Rahmen ihrer Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr bei den Lohneink&uuml;nften des Kl&auml;gers die Schadenersatzzahlung von 60.000 EUR sowie den von der Rechtsschutzversicherung der GmbH einbehaltenen Selbstbehalt von 127,80 EUR als nachtr&auml;gliche Werbungskosten geltend. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) lie&szlig; diese Aufwendungen dagegen unber&uuml;cksichtigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach erfolglosem Einspruchsverfahren hat das Finanzgericht (FG) die Klage mit den in Entscheidungen der Finanzgerichte 2010, 1308 ver&ouml;ffentlichten Gr&uuml;nden abgewiesen. Schadenersatzanspr&uuml;che gegen einen fr&uuml;heren Arbeitnehmer, die darauf gest&uuml;tzt seien, dass dieser Betriebsgeheimnisse gegen Entgelt weitergegeben habe, gingen letztlich auf eine Handlung zur&uuml;ck, die au&szlig;erhalb der beruflichen Aufgabenerf&uuml;llung liege. Dabei sei es f&uuml;r die Abzugsf&auml;higkeit der Aufwendungen unerheblich, ob der Kl&auml;ger das behauptete Fehlverhalten tats&auml;chlich begangen habe. Entscheidend sei vielmehr, dass der Klageanspruch darauf gr&uuml;ndete und der Kl&auml;ger letztlich die hier streitbefangenen Zahlungen &#8211;wenn auch im Vergleichsweg&#8211; in Teilerf&uuml;llung dieses Klageanspruchs geleistet habe und diese daher au&szlig;erhalb der konkreten beruflichen Aufgabensph&auml;re des Kl&auml;gers bei der Y l&auml;gen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger wenden sich gegen die finanzgerichtliche Entscheidung mit der Revision und r&uuml;gen die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>das Urteil des FG Rheinland-Pfalz vom 9. September 2009 aufzuheben und den streitigen Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2007 in der Fassung vom 2. Februar 2009 dahingehend zu &auml;ndern, dass bei den Eink&uuml;nften des Kl&auml;gers aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit weitere Werbungskosten in H&ouml;he von 59.334 EUR ber&uuml;cksichtigt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision der Kl&auml;ger ist begr&uuml;ndet; sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Werbungskosten sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen (&sect; 9 Abs. 1 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes &#8211;EStG&#8211;) und liegen nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) vor, wenn zwischen den Aufwendungen und den Einnahmen ein objektiver Zusammenhang besteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Ob Aufwendungen der beruflichen Sph&auml;re oder der Lebensf&uuml;hrung i.S. von &sect; 12 Nr. 1 Satz 2 EStG zuzurechnen sind, entscheidet sich dabei unter W&uuml;rdigung aller Umst&auml;nde des Einzelfalls, ohne dass dabei allerdings schon ein abstrakter Kausalzusammenhang im Sinne einer conditio sine qua non die einkommensteuerliche Zuordnung der Aufwendungen zur Erwerbssph&auml;re rechtfertigt. Aufwendungen sind vielmehr nur dann als durch eine Einkunftsart veranlasst anzusehen, wenn sie hierzu in einem steuerrechtlich anzuerkennenden wirtschaftlichen Zusammenhang stehen. Ma&szlig;gebend daf&uuml;r, ob ein solcher Zusammenhang besteht, ist zum einen die wertende Beurteilung des die betreffenden Aufwendungen ausl&ouml;senden Moments, zum anderen die Zuweisung dieses ma&szlig;gebenden Besteuerungsgrundes zur einkommensteuerrechtlich relevanten Erwerbssph&auml;re (st&auml;ndige Rechtsprechung, zuletzt z.B. BFH-Urteile vom 6. Mai 2010 VI R 25\/09, BFHE 229, 297, BStBl II 2010, 851; vom 17. September 2009 VI R 24\/08, BFHE 226, 321, BStBl II 2010, 198). Danach k&ouml;nnen Kosten einer Rechtsverfolgung (Beratungs-, Vertretungs- und Prozesskosten) Werbungskosten sein, wenn der Gegenstand des Prozesses mit der Einkunftsart zusammenh&auml;ngt, in deren Rahmen die Aufwendungen geltend gemacht werden. Der Zusammenhang mit der Einkunftsart richtet sich dabei nach objektiven Gesichtspunkten, nicht nach den Vorstellungen des Steuerpflichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Dementsprechend hat die Rechtsprechung auch Strafverteidigungskosten nicht vom Betriebsausgaben- oder Werbungskostenabzug ausgeschlossen, sofern der strafrechtliche Vorwurf, gegen den sich der Steuerpflichtige zur Wehr setzt, durch sein berufliches Verhalten veranlasst gewesen ist (BFH-Beschluss vom 17. August 2011 VI R 75\/10, BFH\/NV 2011, 2040; BFH-Urteil vom 18. Oktober 2007 VI R 42\/04, BFHE 219, 197, BStBl II 2008, 223; Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 21. November 1983 GrS 2\/82, BFHE 140, 50, BStBl II 1984, 160). Eine solche berufliche Veranlassung ist gegeben, wenn die dem Steuerpflichtigen zur Last gelegte Tat in Aus&uuml;bung der beruflichen T&auml;tigkeit begangen worden ist (BFH-Urteil vom 13. Dezember 1994 VIII R 34\/93, BFHE 176, 564, BStBl II 1995, 457, m.w.N.). Die dem Steuerpflichtigen vorgeworfene Tat muss ausschlie&szlig;lich und unmittelbar aus seiner betrieblichen oder beruflichen T&auml;tigkeit heraus erkl&auml;rbar sein (BFH-Urteil vom 12. Juni 2002 XI R 35\/01, BFH\/NV 2002, 1441, m.w.N.). Dann begr&uuml;nden selbst strafbare, aber in Zusammenhang mit einer beruflichen T&auml;tigkeit stehende Handlungen einen einkommensteuerrechtlich erheblichen Erwerbsaufwand, so dass daraus sich ergebende Schadenersatzzahlungen Werbungskosten sind (BFH-Urteil vom 9. Dezember 2003 VI R 35\/96, BFHE 205, 56, BStBl II 2004, 641).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Ein solcher objektiver steuerrechtlich anzuerkennender wirtschaftlicher Zusammenhang zwischen Aufwendungen des Steuerpflichtigen und dessen einkommensteuerrechtlich relevanter Erwerbssph&auml;re besteht erst recht bei b&uuml;rgerlich-rechtlichen oder arbeitsrechtlichen Streitigkeiten, die das Arbeitsverh&auml;ltnis betreffen und deshalb der Einkunftsart der nichtselbst&auml;ndigen Arbeit zuzurechnen sind (BFH-Urteil vom 6. Dezember 1983 VIII R 102\/79, BFHE 140, 219, BStBl II 1984, 314). Sind dem Steuerpflichtigen entsprechende Aufwendungen dadurch entstanden, dass allein Zivil- und Arbeitsgerichte mit den streitigen Anspr&uuml;chen und Forderungen aus dem Arbeitsverh&auml;ltnis befasst worden waren, spricht deshalb regelm&auml;&szlig;ig eine Vermutung daf&uuml;r, dass diese Aufwendungen in einem hinreichend konkreten, den Werbungskostenabzug rechtfertigenden Veranlassungszusammenhang zu der Berufst&auml;tigkeit des Steuerpflichtigen stehen. Kam es nicht nur zu keinem strafgerichtlichen Verfahren, sondern hat noch nicht einmal die Staatsanwaltschaft als zust&auml;ndige Strafverfolgungsbeh&ouml;rde strafrechtliche Ermittlungen durchgef&uuml;hrt, kann ohne hinreichend konkreter gegenteiliger Anhaltspunkte nicht davon ausgegangen werden, dass diese Aufwendungen der Lebensf&uuml;hrung i.S. des &sect; 12 Nr. 1 Satz 2 EStG zuzurechnen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach Ma&szlig;gabe der vorgenannten Rechtsgrunds&auml;tze tragen die bisherigen Feststellungen des FG nicht dessen W&uuml;rdigung, dass die streitbefangenen Aufwendungen f&uuml;r den arbeitsgerichtlichen Vergleich nicht als Werbungskosten zu ber&uuml;cksichtigen sind. Entgegen der Auffassung des FG schlie&szlig;t nicht allein schon der subjektive Handlungsvorwurf des Arbeitgebers, demzufolge der Kl&auml;ger gegen seine Schweigepflicht versto&szlig;en und Betriebsgeheimnisse verraten habe, den objektiven Zusammenhang zwischen den Aufwendungen des Kl&auml;gers und dessen Berufst&auml;tigkeit aus. Dies gilt sowohl f&uuml;r die Kosten der Rechtsverteidigung selbst als auch f&uuml;r die Vergleichszahlung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Aufwendungen f&uuml;r die Rechtsverteidigung des Kl&auml;gers stehen insbesondere auch dann in einem objektiven Zusammenhang mit dessen Berufst&auml;tigkeit, wenn er sich gegen unberechtigte Anschuldigungen und Vorw&uuml;rfe seines Arbeitgebers zur Wehr setzt, dessen vermeintliche Schadenersatzanspr&uuml;che bestreitet und dem Kl&auml;ger dadurch entsprechende Aufwendungen entstehen. Wenn die zur Begr&uuml;ndung des Schadenersatzanspruchs vorgebrachten tats&auml;chlichen Vorw&uuml;rfe, die einen beruflichen Veranlassungszusammenhang ausschlie&szlig;en k&ouml;nnten, nicht positiv festgestellt sind, fehlt es an hinreichend objektiven Anhaltspunkten, dass der Kl&auml;ger aus privaten, nicht der Erwerbssph&auml;re zuzurechnenden Motiven gehandelt hatte. Dann greift zu Gunsten des Kl&auml;gers die Vermutung, dass die Aufwendungen in einem hinreichend konkreten, den Werbungskostenabzug rechtfertigenden Veranlassungszusammenhang stehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Entsprechendes gilt f&uuml;r die auf den Vergleich hin durch den Kl&auml;ger geleisteten Zahlungen. Der zwischen dem Kl&auml;ger und seinem fr&uuml;heren Arbeitgeber abgeschlossene Vergleich gr&uuml;ndet letztlich auch in der Ungewissheit dar&uuml;ber, was der Gesetzeslage entspricht, und f&uuml;hrte zu dem grunds&auml;tzlich jedem Vergleich immanenten gegenseitigen Nachgeben (&sect; 779 Abs. 1 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs, vgl. Urteil des Bundesgerichtshofs vom 22. September 2011 IX ZR 1\/11, Neue Juristische Wochenschrift 2012, 61, m.w.N.). Deshalb greift auch insoweit zu Gunsten des Kl&auml;gers die Vermutung, dass dessen Inanspruchnahme vor dem Arbeitsgericht auf Grundlage arbeitsvertraglicher Schadenersatzforderungen einen erwerbsbezogenen Veranlassungszusammenhang zwischen der Vergleichszahlung an dessen fr&uuml;heren Arbeitgeber und der Erwerbst&auml;tigkeit des Kl&auml;gers aufweist. Eine solche erwerbsbezogene Veranlassung kann zwar auch hier ausgeschlossen sein, wenn der Vergleich au&szlig;erhalb des Arbeitsverh&auml;ltnisses liegende Rechtsbeziehungen regelte. Solches ist indessen gerade nicht festgestellt. Und entgegen der Auffassung des FG l&auml;sst sich die Vergleichszahlung angesichts der von beiden Prozessbeteiligten mit dem Vergleich gleichsam einger&auml;umten Ungewissheit &uuml;ber das arbeitsrechtliche Rechtsverh&auml;ltnis oder die Verwirklichung des Anspruchs nicht als ein den Handlungsvorwurf einr&auml;umendes (Zu-)Gest&auml;ndnis begreifen. Denn ungeachtet der Frage, ob mit einem solchen Zugest&auml;ndnis der berufliche Veranlassungszusammenhang &uuml;berhaupt ausgeschlossen w&auml;re, bliebe damit jedenfalls unber&uuml;cksichtigt, dass weder ein Strafverfahren durchgef&uuml;hrt worden ist, noch &uuml;berhaupt strafrechtlich erhebliche Ermittlungen und Feststellungen getroffen worden waren. Wenn schon eine Einstellung des Strafverfahrens nach &sect; 153a der Strafprozessordnung nicht die Schlussfolgerung gerechtfertigt, dass die zur Last gelegte Straftat ver&uuml;bt worden war (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2011, 2040), gilt dies erst recht f&uuml;r eine vergleichsweise Erledigung eines rein zivilrechtlichen, n&auml;mlich arbeitsgerichtlichen Verfahrens.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Das FG wird im zweiten Rechtsgang unter Beachtung der vorgenannten Rechtsgrunds&auml;tze zu pr&uuml;fen haben, ob sich f&uuml;r die streitigen Zahlungen des Kl&auml;gers tats&auml;chlich private Gr&uuml;nde feststellen lassen, die einen hier zun&auml;chst zu vermutenden erwerbsbezogenen Veranlassungszusammenhang g&auml;nzlich ausschlie&szlig;en. Insoweit liegt die Feststellungslast beim FA. Lassen sich solche Gr&uuml;nde nicht mit hinreichender Sicherheit feststellen, sind die vom Kl&auml;ger getragenen Aufwendungen dem Grunde nach als Werbungskosten aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit zu ber&uuml;cksichtigen. Insoweit ist allerdings zu beachten, dass Werbungskosten nur insoweit in Betracht kommen, wie der Kl&auml;ger tats&auml;chlich mit entsprechenden Kosten belastet war. Das FG wird deshalb auch zu pr&uuml;fen haben, inwieweit der Kl&auml;ger eigene Aufwendungen hat, wenn die Rechtsschutzversicherung der GmbH einen Selbstbehalt vorsieht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.2.2012, VI R 23\/10 Werbungskosten durch Aufwendungen f&uuml;r arbeitsgerichtlichen Vergleich Leits&auml;tze Es spricht regelm&auml;&szlig;ig eine Vermutung daf&uuml;r, dass Aufwendungen f&uuml;r aus dem Arbeitsverh&auml;ltnis folgende zivil- und arbeitsgerichtliche Streitigkeiten einen den Werbungskostenabzug rechtfertigenden hinreichend konkreten Veranlassungszusammenhang zu den Lohneink&uuml;nften aufweisen. 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