{"id":65368,"date":"2015-12-02T09:50:57","date_gmt":"2015-12-02T07:50:57","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65368"},"modified":"2015-12-02T09:50:57","modified_gmt":"2015-12-02T07:50:57","slug":"i-r-63-13-unternehmer-is-von-art-15-abs-3-dba-zypern-1974-unveraenderte-auslegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-63-13-unternehmer-is-von-art-15-abs-3-dba-zypern-1974-unveraenderte-auslegung\/","title":{"rendered":"I&nbsp;R&nbsp;63\/13 &#8211; Unternehmer i.S. von Art. 15 Abs. 3 DBA-Zypern 1974: Unver&auml;nderte Auslegung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 21.8.2015, I R 63\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Unternehmer i.S. von Art. 15 Abs. 3 DBA-Zypern 1974: Unver&auml;nderte Auslegung<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Kl&auml;gers gegen das Urteil des Finanzgerichts Hamburg vom 12. August 2013&nbsp;&nbsp;6 K 279\/12 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der in den Streitjahren (2006 bis 2009) im Inland ans&auml;ssige Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) war in jenen Jahren als Kapit&auml;n auf verschiedenen Kreuzfahrtschiffen nichtselbst&auml;ndig t&auml;tig. Er war aufgrund eines &quot;Seaman&#8217;s Employment Contract&quot; bei der D-Ltd. mit Sitz in Zypern angestellt. Die D-Ltd. stellte als sog. Crewing-Ausr&uuml;ster der jeweiligen Schiffseigent&uuml;merin, der F-1 Ltd., die Besatzung der Schiffe, auf denen der Kl&auml;ger t&auml;tig war. Von der Schiffseigent&uuml;merin wurden die Schiffe an die inl&auml;ndische F-2 AG verchartert, die dann ihrerseits die Schiffe an die F-3 GmbH mit Sitz in G weitervercharterte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger erkl&auml;rte f&uuml;r die Streitjahre aus seiner T&auml;tigkeit als Kapit&auml;n steuerfreie Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) unterwarf diese Eink&uuml;nfte dagegen der Besteuerung und setzte Einkommensteuer f&uuml;r die Streitjahre fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem die Einspr&uuml;che gegen die entsprechenden Steuerbescheide erfolglos geblieben waren, machte der Kl&auml;ger mit seiner dagegen gerichteten Klage im Wesentlichen geltend, dass nach Art.&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 des Abkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Zypern zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Verm&ouml;gen vom 9.&nbsp;Mai 1974 (BGBl II 1977, 489, BStBl I 1977, 341) &#8211;DBA-Zypern 1974&#8211; das Besteuerungsrecht f&uuml;r seine Eink&uuml;nfte als Seemann der Republik Zypern zustehe. Der Kl&auml;ger leitet aus dem am 16.&nbsp;Dezember 2011 mit Geltung ab dem 1.&nbsp;Januar 2012 in Kraft getretenen (BGBl II 2012, 117, BStBl I 2012, 235) neuen Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Zypern zur Vermeidung der Doppelbesteuerung und zur Verhinderung der Steuerverk&uuml;rzung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom Verm&ouml;gen vom 18.&nbsp;Februar 2011 (BGBl II 2011, 1069, BStBl I 2012, 223) &#8211;DBA-Zypern 2011&#8211; ab, dass die bisherige Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs keinen Bestand haben k&ouml;nne, wonach &quot;Unternehmen&quot; i.S. des Art.&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 DBA-Zypern 1974 nur ein Unternehmen i.S. von Art.&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 DBA-Zypern 1974 sein k&ouml;nne, das selbst internationalen See- und Luftverkehr betreibe, und dass dieses Unternehmen zugleich wirtschaftlicher Arbeitgeber des Besatzungsmitglieds im Sinne des Abkommensrechts sein m&uuml;sse.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) Hamburg wies die Klage mit in Entscheidungen der Finanzgerichte 2013, 1929 ver&ouml;ffentlichtem Urteil vom 12.&nbsp;August 2013&nbsp;&nbsp;6&nbsp;K&nbsp;279\/12 ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger r&uuml;gt mit seiner &#8211;vom FG zugelassenen&#8211; Revision eine Verletzung materiellen Rechts. Er beantragt sinngem&auml;&szlig;, das Urteil des FG aufzuheben sowie die angefochtenen Steuerbescheide dahingehend abzu&auml;ndern, dass die Einkommensteuer auf jeweils 0&nbsp;EUR festgesetzt wird. Er beantragt zudem, &quot;die Hinzuziehung des Kl&auml;gers und Revisionskl&auml;gers f&uuml;r das Vorverfahren f&uuml;r notwendig zu erkl&auml;ren&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Entscheidung ergeht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;126a der Finanzgerichtsordnung (FGO). Der Senat h&auml;lt einstimmig die Revision f&uuml;r unbegr&uuml;ndet und eine m&uuml;ndliche Verhandlung nicht f&uuml;r erforderlich. Die Beteiligten sind davon unterrichtet worden und hatten Gelegenheit zur Stellungnahme.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG ist zu Recht davon ausgegangen, dass die vom Kl&auml;ger als Kapit&auml;n auf verschiedenen Kreuzfahrtschiffen erzielten Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit in der Bundesrepublik Deutschland (Deutschland) der Besteuerung unterliegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der in Deutschland wohnende Kl&auml;ger ist hier mit allen von ihm erzielten Eink&uuml;nften unbeschr&auml;nkt einkommensteuerpflichtig (&sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes &#8211;EStG 2002\/2009&#8211;); dies schlie&szlig;t eine Besteuerung von Eink&uuml;nften aus ausl&auml;ndischen Quellen (hier Zahlungen der zypriotischen D-Ltd.) ein (&sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 EStG 2002\/2009, vgl. z.B. Senatsurteil vom 29.&nbsp;Januar 1986 I&nbsp;R&nbsp;109\/85, BFHE 146, 141, BStBl II 1986, 442). Der Kl&auml;ger erzielt aus seiner T&auml;tigkeit als Schiffskapit&auml;n Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit i.S. des &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG 2002\/2009.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der steuerlichen Erfassung dieser Eink&uuml;nfte im Inland steht das DBA-Zypern 1974 nicht entgegen. Die Eink&uuml;nfte des Kl&auml;gers aus der nichtselbst&auml;ndigen T&auml;tigkeit sind nicht nach Ma&szlig;gabe von Art.&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;1 DBA-Zypern 1974 von der Bemessungsgrundlage der deutschen Steuer auszunehmen. Denn Art.&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 DBA-Zypern 1974 schlie&szlig;t das Besteuerungsrecht Deutschlands nicht aus; die zypriotische D-Ltd. ist nicht als &quot;Unternehmen&quot; i.S. des Art.&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 DBA-Zypern 1974 anzusehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a Satz 1 DBA-Zypern 1974 werden bei einer in Deutschland ans&auml;ssigen Person u.a. die Eink&uuml;nfte aus Zypern von der Bemessungsgrundlage der deutschen Steuer ausgenommen, die dort nach dem Abkommen besteuert werden k&ouml;nnen. Die Frage, ob die Eink&uuml;nfte des Kl&auml;gers in Zypern besteuert werden k&ouml;nnen, beantwortet sich im Streitfall nach Art.&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 DBA-Zypern 1974; Art.&nbsp;15 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 DBA-Zypern 1974 ist nicht einschl&auml;gig, da der Kl&auml;ger seine T&auml;tigkeit nicht in Zypern ausge&uuml;bt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach Art.&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 DBA-Zypern 1974 k&ouml;nnen Verg&uuml;tungen f&uuml;r unselbst&auml;ndige Arbeit, die von einem Mitglied der Besatzung an Bord eines Seeschiffes im internationalen Verkehr ausge&uuml;bt wird, in dem Staat besteuert werden, in dem sich der Ort der tats&auml;chlichen Gesch&auml;ftsleitung des Unternehmens befindet. Der erkennende Senat hat wiederholt entschieden, dass &quot;Unternehmen&quot; i.S. des Art.&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 DBA-Zypern 1974 nur ein Unternehmen i.S. von Art.&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 DBA-Zypern 1974 sein kann, das selbst internationalen See- und Luftverkehr betreibt, und dass dieses Unternehmen zugleich wirtschaftlicher Arbeitgeber des Besatzungsmitglieds im Sinne des Abkommensrechts sein muss (vgl. Senatsurteile vom 10.&nbsp;November 1993 I&nbsp;R&nbsp;53\/91, BFHE 173, 53, BStBl II 1994, 218; vom 5.&nbsp;September 2001 I&nbsp;R&nbsp;55\/00, BFH\/NV 2002, 478; s.a. Senatsbeschl&uuml;sse vom 26.&nbsp;April 2005 I&nbsp;B&nbsp;86\/04, nicht ver&ouml;ffentlicht &#8211;n.v.&#8211;; vom 18.&nbsp;Mai 2010 I&nbsp;B&nbsp;204\/09, BFH\/NV 2010, 1636; zu anderen &#8211;aber insoweit inhaltsgleichen&#8211; Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung s. Senatsurteile vom 11.&nbsp;Februar 1997 I&nbsp;R&nbsp;36\/96, BFHE 182, 565, BStBl II 1997, 432, und vom 8.&nbsp;Februar 1995 I&nbsp;R&nbsp;42\/94, BFHE 177, 83, BStBl II 1995, 405). Diese Voraussetzungen sind f&uuml;r die D-Ltd. &#8211;was zwischen den Beteiligten unstreitig ist&#8211; nicht erf&uuml;llt und der Senat h&auml;lt an dieser Rechtsprechung fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die von der Revision gegen diese Rechtsprechung im Hinblick auf die Ver&auml;nderung der tats&auml;chlichen Verh&auml;ltnisse im internationalen Seeverkehr erhobenen Bedenken teilt der Senat nicht. In seinem Urteil in BFHE 173, 53, BStBl II 1994, 218 geht der Senat bei der Auslegung des Begriffs des &quot;Unternehmens&quot; i.S. von Art.&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 DBA-Zypern 1974 ma&szlig;gebend von dem Wortlaut der Vorschrift aus. Danach wird ausdr&uuml;cklich der Begriff des &quot;Unternehmens&quot; und nicht der des &quot;Arbeitgebers&quot; verwendet; mit &quot;Unternehmen&quot; ist daher nicht (allein) der Arbeitgeber gemeint. Dieses am Wortlaut orientierte Auslegungsergebnis sieht der Senat weiter aufgrund des Sinnzusammenhangs mit Art.&nbsp;8 DBA-Zypern 1974 und dem Sinn und Zweck der Norm best&auml;tigt. Er beruft sich dabei u.a. auf den Kommentar der Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) zu der &uuml;bernommenen Vorschrift des Art.&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 des Musterabkommens zur Vermeidung der Doppelbesteuerung des Einkommens und des Verm&ouml;gens (OECD-MustAbk) von 1963\/1977. Letzteres &#8211;die Orientierung an der bei Vertragsschluss gegenw&auml;rtigen Musterkommentierung&#8211; entspricht der st&auml;ndigen Spruchpraxis des Senats, einer sp&auml;teren (Weiter-)Entwicklung einschl&auml;giger OECD-Verlautbarungen keine entscheidende Bedeutung f&uuml;r die Auslegung eines bereits zuvor verhandelten Abkommens zur Vermeidung der Doppelbesteuerung beizumessen; es gilt insofern ein sog. statischer, kein sog. dynamischer Auslegungsmodus (z.B. Senatsurteile vom 9.&nbsp;Februar 2011 I&nbsp;R&nbsp;54,&nbsp;55\/10, BFHE 232, 476, BStBl II 2012, 106; vom 25.&nbsp;Mai 2011 I&nbsp;R&nbsp;95\/10, BFHE 234, 63, BStBl II 2014, 760; vom 23.&nbsp;September 2008 I&nbsp;R&nbsp;57\/07, BFH\/NV 2009, 390; Senatsbeschl&uuml;sse vom 8.&nbsp;Dezember 2010 I&nbsp;R&nbsp;92\/09, BFHE 232, 137, BStBl II 2011, 488; vom 19.&nbsp;Mai 2010 I&nbsp;B&nbsp;191\/09, BFHE 229, 322, BStBl II 2011, 156; Senatsurteil vom 16.&nbsp;Januar 2014 I&nbsp;R&nbsp;30\/12, BFHE 244, 354, BStBl II 2014, 721, jeweils m.w.N.). Dementsprechend hat der Senat in der Vergangenheit wiederholt betont, dass es ihm auch im Hinblick auf die Ver&auml;nderung der tats&auml;chlichen Verh&auml;ltnisse im internationalen Seeverkehr verwehrt sei, entgegen Wortlaut, Vorschriftenzusammenhang und Zweck eines Abkommens zur Vermeidung der Doppelbesteuerung aus tats&auml;chlichen Erw&auml;gungen heraus Abhilfe zu schaffen; dies sei vielmehr den Vertragsstaaten vorbehalten (vgl. Senatsbeschl&uuml;sse vom 26.&nbsp;April 2005 I&nbsp;B&nbsp;86\/04, n.v., und in BFH\/NV 2010, 1636). Auch hieran h&auml;lt der Senat fest. Der Hinweis der Revision auf die grundlegenden Ver&auml;nderungen der (Anstellungs-)Verh&auml;ltnisse der Vergangenheit &uuml;ber einen Zeitraum von 50&nbsp;Jahren wiederholt lediglich die Argumentation der vorangegangenen Verfahren und enth&auml;lt keine neuen Erkenntnisse. Die Revision l&auml;sst dabei zudem unber&uuml;cksichtigt, dass die Auslegung des Senats sich in erster Linie am Wortlaut der Norm orientiert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Eine andere Auslegung des Begriffs des &quot;Unternehmens&quot; i.S. von Art.&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 DBA-Zypern 1974 l&auml;sst sich auch nicht aus dem DBA-Zypern 2011 ableiten; dieses gilt erst f&uuml;r Veranlagungszeitr&auml;ume ab dem 1.&nbsp;Januar 2012.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Art.&nbsp;14 Abs.&nbsp;4 DBA-Zypern 2011 ist zun&auml;chst im Wesentlichen wortgleich mit Art.&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 DBA-Zypern 1974. Die Vertragsstaaten haben sich aber ausweislich des Protokolls zum Abkommen (BGBl II 2011, 1086, BStBl I 2012, 233) in Nummer&nbsp;4 zu Art.&nbsp;14 DBA-Zypern 2011 weiter darauf geeinigt, dass die Verg&uuml;tung von Besatzungsmitgliedern Absatz&nbsp;4 dieses Artikels unterliegt, und der Ausdruck &quot;Unternehmen&quot; in diesem Absatz das Unternehmen des Arbeitgebers der Besatzungsmitglieder bedeutet. Damit weicht diese Auslegung des Begriffs &quot;Unternehmen&quot; im Protokoll zum DBA-Zypern 2011 von der Rechtsprechung des Senats ab, wonach mit &quot;Unternehmen&quot; nicht (allein) der Arbeitgeber gemeint ist, sondern ein Unternehmen i.S. von Art.&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 DBA-Zypern 1974, das selbst internationalen See- und Luftverkehr betreibt, und zugleich wirtschaftlicher Arbeitgeber des Besatzungsmitglieds im Sinne des Abkommensrechts ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf diese abweichende Auslegung durch das Protokoll kann sich der Kl&auml;ger jedoch im Streitfall nicht unmittelbar berufen. Denn gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;29 DBA-Zypern 2011 ist das angef&uuml;gte Protokoll Bestandteil des Abkommens und findet damit ebenfalls erst ab dem 1.&nbsp;Januar 2012 Anwendung (Art.&nbsp;30 Abs.&nbsp;2 DBA-Zypern 2011).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Die Auslegung des Begriffs des &quot;Unternehmens&quot; im Protokoll zum Abkommen in Nummer 4 zu Art.&nbsp;14 DBA-Zypern 2011 findet trotz des (nahezu) unver&auml;ndert gebliebenen Wortlauts von Art.&nbsp;14 Abs.&nbsp;4 DBA-Zypern 2011 auch keine r&uuml;ckwirkende Anwendung auf den Begriff des &quot;Unternehmens&quot; i.S. von Art.&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 DBA-Zypern 1974. Soweit der Kl&auml;ger sich insbesondere darauf beruft, dass die neue Auslegung des Begriffs des Unternehmens die &quot;richtige Auslegung einer unver&auml;ndert &uuml;bernommenen Bestimmung&quot; festschreibt und deshalb r&uuml;ckwirkend auch f&uuml;r den (gleichen) Begriff des Unternehmens i.S. von Art.&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 DBA-Zypern 1974 gelten muss, folgt der Senat dem nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Protokoll in Nummer 4 zu Art.&nbsp;14 DBA-Zypern 2011 sieht keine ausdr&uuml;ckliche Anwendung der neuen Auslegung des Begriffs des &quot;Unternehmens&quot; auf Art.&nbsp;15 Abs.&nbsp;3 DBA-Zypern 1974 vor. Die Anwendungsbestimmung in Art.&nbsp;30 DBA-Zypern 2011 ist eindeutig. Sollten die Vertragsstaaten den Willen gehabt haben, die Regelung im Protokoll in Nummer 4 zu Art.&nbsp;14 DBA-Zypern 2011 r&uuml;ckwirkend auch f&uuml;r das alte DBA-Zypern 1974 zur Anwendung zu bringen, w&auml;re die Umsetzung eines solchen Willens im Abkommenstext nicht gelungen. Dass ausweislich der Denkschrift zum Gesetzentwurf (BTDrucks 17\/6259, S.&nbsp;28) die Erweiterung des Begriffs des &quot;Unternehmens&quot; i.S. von Art.&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 DBA-Zypern 2011 im Protokoll zum Abkommen in Nummer&nbsp;3 zu Artikel&nbsp;8 nicht r&uuml;ckwirkend anzuwenden ist, &auml;ndert daran nichts. Denn daraus kann nicht im Umkehrschluss gefolgert werden, die Regelung des Protokolls zum Abkommen in Nummer&nbsp;4 zu Art.&nbsp;14 DBA-Zypern 2011 m&uuml;sse r&uuml;ckwirkend zur Anwendung kommen. Das verbietet sich bereits deshalb, weil die Denkschrift zur Erweiterung des Begriffs des &quot;Unternehmens&quot; i.S. von Art.&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 DBA-Zypern 2011 lediglich die ausdr&uuml;ckliche Anwendungsbestimmung in Art.&nbsp;30 DBA-Zypern 2011 wiederholt und sich ihr deshalb kein erweiterter Erkl&auml;rungsgehalt beimessen l&auml;sst.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Schlie&szlig;lich kann ein anderes Auslegungsergebnis auch nicht aus dem Wiener &Uuml;bereinkommen &uuml;ber das Recht der Vertr&auml;ge vom 23.&nbsp;Mai 1969 &#8211;W&Uuml;RV&#8211; (BGBl II 1985, 927) abgeleitet werden. Nach Art.&nbsp;31 Abs.&nbsp;3 Buchst.&nbsp;a W&Uuml;RV ist zwar bei der Auslegung eines v&ouml;lkerrechtlichen Vertrags jede sp&auml;tere &Uuml;bereinkunft zwischen den Vertragsparteien &uuml;ber die Auslegung des Vertrags oder die Anwendung der Bestimmungen zu ber&uuml;cksichtigen, eine sp&auml;tere &Uuml;bereinkunft der Vertragsparteien muss sich allerdings immer auf die urspr&uuml;ngliche Fassung des Abkommens beziehen. Sobald das urspr&uuml;ngliche Abkommen (hier das DBA-Zypern 1974) inhaltliche &Auml;nderungen erfahren hat, kann sich die sp&auml;tere &Uuml;bereinkunft (hier das DBA-Zypern 2011) nicht mehr auf die urspr&uuml;ngliche Fassung des Abkommens beziehen. Da die materielle &Auml;nderung in Art.&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 DBA-Zypern 2011 korrespondierend auf die Regelung in Art.&nbsp;14 Abs.&nbsp;4 DBA-Zypern 2011 durchschl&auml;gt, bezieht sich die sp&auml;tere &Uuml;bereinkunft der Vertragsparteien im Protokoll zum neuen DBA-Zypern 2011 nur auf den ver&auml;nderten Regelungsinhalt in Art.&nbsp;14 DBA-Zypern 2011.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Der Antrag, &quot;die Hinzuziehung des Kl&auml;gers und Revisionskl&auml;gers f&uuml;r das Vorverfahren f&uuml;r notwendig zu erkl&auml;ren&quot;, wird als Antrag auf Zuziehung des Bevollm&auml;chtigten ausgelegt; dieser ist im Revisionsverfahren jedoch unzul&auml;ssig. Ein diesbez&uuml;glicher Antrag (&sect;&nbsp;139 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO) kann nur beim FG gestellt werden (z.B. Senatsbeschluss vom 28.&nbsp;Juni 2005 I&nbsp;R&nbsp;35\/03, BFH\/NV 2005, 1847; Gr&auml;ber\/Stapperfend, Finanzgerichtsordnung, 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;139 Rz&nbsp;122, jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 21.8.2015, I R 63\/13 Unternehmer i.S. von Art. 15 Abs. 3 DBA-Zypern 1974: Unver&auml;nderte Auslegung Tenor Die Revision des Kl&auml;gers gegen das Urteil des Finanzgerichts Hamburg vom 12. August 2013&nbsp;&nbsp;6 K 279\/12 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen. Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen. Tatbestand 1&nbsp; I. Der in den Streitjahren &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-63-13-unternehmer-is-von-art-15-abs-3-dba-zypern-1974-unveraenderte-auslegung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">I&nbsp;R&nbsp;63\/13 &#8211; Unternehmer i.S. von Art. 15 Abs. 3 DBA-Zypern 1974: Unver&auml;nderte Auslegung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-65368","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65368","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65368"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65368\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65368"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65368"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65368"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}