{"id":65377,"date":"2015-12-02T09:51:02","date_gmt":"2015-12-02T07:51:02","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65377"},"modified":"2015-12-02T09:51:02","modified_gmt":"2015-12-02T07:51:02","slug":"vi-r-9-15-kindergeld-konsekutives-masterstudium-als-teil-der-erstausbildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-9-15-kindergeld-konsekutives-masterstudium-als-teil-der-erstausbildung\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;9\/15 &#8211; Kindergeld: Konsekutives Masterstudium als Teil der Erstausbildung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 3.9.2015, VI R 9\/15<\/p>\n<p class=\"titel\">Kindergeld: Konsekutives Masterstudium als Teil der Erstausbildung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Ein Masterstudium ist jedenfalls dann Teil einer einheitlichen Erstausbildung, wenn es zeitlich und inhaltlich auf den vorangegangenen Bachelorstudiengang abgestimmt ist und das &#8211;von den Eltern und dem Kind&#8211; bestimmte Berufsziel erst dar&uuml;ber erreicht werden kann (entgegen BMF-Schreiben vom 7. Dezember 2011 IV C 4-S 2282\/07\/0001-01, BStBl I 2011, 1243).<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision der Kl&auml;gerin werden das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 2. September 2014&nbsp;&nbsp;15 K 15011\/14 und der Bescheid der Beklagten vom 25. Oktober 2013 &uuml;ber die Aufhebung der Kindergeldfestsetzung f&uuml;r das Kind C ab Mai 2013 in der Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 13. Januar 2014 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat die Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist die Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Aufhebung einer Festsetzung von Kindergeld ab Mai 2013.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) ist Mutter ihres im August 1988 geborenen Sohnes C, f&uuml;r den sie Kindergeld erhielt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>C beendete im April 2013 den Studiengang Wirtschaftsmathematik an der Universit&auml;t D mit dem Bachelor-Abschluss. Seit dem Wintersemester 2012\/2013 war er bereits f&uuml;r den Masterstudiengang ebenfalls im Bereich Wirtschaftsmathematik eingeschrieben und f&uuml;hrte diesen Studiengang nach Erlangung des Bachelor-Abschlusses fort. Im Jahr 2013 war C als studentische Hilfskraft mit einer monatlichen Besch&auml;ftigungszeit von 80&nbsp;Stunden besch&auml;ftigt. Daneben war er 1,5&nbsp;Stunden w&ouml;chentlich als Nachhilfelehrer t&auml;tig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Bescheid vom 25.&nbsp;Oktober 2013 hob die Beklagte und Revisionsbeklagte (Familienkasse) die Festsetzung des Kindergeldes f&uuml;r C ab Mai 2013 auf. C absolviere ab Mai 2013 eine Zweitausbildung (Masterstudium), f&uuml;r die Kindergeld nicht gew&auml;hrt werden k&ouml;nne, weil er einer Wochenarbeitszeit von mehr als 20&nbsp;Stunden nachgehe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhobene Klage wies das Finanzgericht (FG) ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt die Kl&auml;gerin die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sie beantragt,<br \/>das Urteil des FG Berlin-Brandenburg vom 2.&nbsp;September 2014&nbsp;&nbsp;15&nbsp;K&nbsp;15011\/14 sowie die Einspruchsentscheidung vom 13.&nbsp;Januar 2014 und den Bescheid vom 25.&nbsp;Oktober 2013 aufzuheben und Kindergeld f&uuml;r das Kind C f&uuml;r den Zeitraum Mai bis August 2013 zu zahlen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision der Kl&auml;gerin ist begr&uuml;ndet. Das angefochtene Urteil ist aufzuheben und der Klage stattzugeben (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Vorentscheidung ist aufzuheben, weil sie &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) verletzt. C hatte im Streitzeitraum eine erstmalige Berufsausbildung noch nicht abgeschlossen. Damit kommt es auf die Frage der Erwerbst&auml;tigkeit nicht an. F&uuml;r Kindergeldzwecke ist C als Kind nach &sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 i.V.m. &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a EStG zu ber&uuml;cksichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Kl&auml;gerin hat nach &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a EStG im Streitzeitraum einen Anspruch auf Kindergeld f&uuml;r ihren Sohn C. Die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 i.V.m. &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a EStG liegen im Streitfall &#8211;wie auch von der Familienkasse einger&auml;umt&#8211; vor. Danach ist ein &uuml;ber 18&nbsp;Jahre altes Kind, das das 25.&nbsp;Lebensjahr noch nicht vollendet hat, zu ber&uuml;cksichtigen, wenn es &#8211;wie vorliegend C im Streitzeitraum&#8211; f&uuml;r einen Beruf ausgebildet wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Anspruch auf Kindergeld ist wegen der Erwerbst&auml;tigkeit von C im Streitzeitraum nicht ausgeschlossen. Er hatte in diesem Zeitraum noch keine erstmalige Berufsausbildung i.S. des &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 EStG abgeschlossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG i.V.m. &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 EStG in der f&uuml;r den Streitzeitraum geltenden Fassung des Amtshilferichtlinie-Umsetzungsgesetzes vom 26.&nbsp;Juni 2013 (BGBl I 2013, 1809, BStBl I 2013, 802) wird ein Kind nach Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung oder eines Erststudiums in den F&auml;llen des &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG nur ber&uuml;cksichtigt, wenn es keiner Erwerbst&auml;tigkeit nachgeht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die Voraussetzung &quot;Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung&quot; i.S. der Vorschrift liegt erst dann vor, wenn das Kind bef&auml;higt ist, einen von ihm angestrebten Beruf auszu&uuml;ben. Dies hat zur Folge, dass auch erst dann der Verbrauch der Erstausbildung i.S. des &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 EStG eintreten kann (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 15.&nbsp;April 2015 V&nbsp;R&nbsp;27\/14, BFHE 249, 500).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da es im Rahmen des &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 EStG auf das angestrebte Berufsziel des Kindes ankommt, muss der Tatbestand &quot;Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung&quot; nicht bereits mit dem ersten (objektiv) berufsqualifizierenden Abschluss (z.B. in einem &ouml;ffentlich-rechtlich geordneten Ausbildungsgang) erf&uuml;llt sein (BFH-Urteil vom 3.&nbsp;Juli 2014 III&nbsp;R&nbsp;52\/13, BFHE 246, 427, BStBl II 2015, 152, Rz&nbsp;25&nbsp;ff.). Dies folgt u.a. aus einer gegen&uuml;ber &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a EStG (Kind, das &quot;f&uuml;r einen Beruf ausgebildet wird&quot;) engeren Auslegung des Berufsausbildungsbegriffs (BFH-Urteile in BFHE 246, 427, BStBl II 2015, 152, Rz&nbsp;22, und in BFHE 249, 500). Der erkennende Senat schlie&szlig;t sich dieser Auffassung aus den im BFH-Urteil in BFHE 246, 427, BStBl II 2015, 152, Rz&nbsp;22&nbsp;ff. genannten Gr&uuml;nden an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Ob bereits der erste (objektiv) berufsqualifizierende Abschluss in einem &ouml;ffentlich-rechtlich geordneten Ausbildungsgang zum Verbrauch der Erstausbildung f&uuml;hrt oder ob bei einer mehraktigen Ausbildung auch ein nachfolgender Abschluss Teil der Erstausbildung sein kann, richtet sich danach, ob sich der erste Abschluss als integrativer Bestandteil eines einheitlichen Ausbildungsgangs darstellt (BFH-Urteile in BFHE 246, 427, BStBl II 2015, 152, Rz&nbsp;25, und in BFHE 249, 500).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mehraktige Ausbildungsma&szlig;nahmen sind dann als Teil einer einheitlichen Erstausbildung zu qualifizieren, wenn sie zeitlich und inhaltlich so aufeinander abgestimmt sind, dass die Ausbildung nach Erreichen des ersten Abschlusses fortgesetzt werden soll und das &#8211;von den Eltern und dem Kind&#8211; bestimmte Berufsziel erst &uuml;ber den weiterf&uuml;hrenden Abschluss erreicht werden kann (BFH-Urteile in BFHE 246, 427, BStBl II 2015, 152, Rz&nbsp;27 und&nbsp;30, und in BFHE 249, 500). Ist aufgrund objektiver Beweisanzeichen erkennbar, dass das Kind die f&uuml;r sein angestrebtes Berufsziel erforderliche Ausbildung nicht bereits mit dem ersten erlangten Abschluss beendet hat, kann auch eine weiterf&uuml;hrende Ausbildung noch als Teil der Erstausbildung zu qualifizieren sein (BFH-Urteile in BFHE 246, 427, BStBl II 2015, 152, Rz&nbsp;30, und in BFHE 249, 500). Davon ist jedenfalls dann auszugehen, wenn die Ausbildungsabschnitte in einem engen sachlichen Zusammenhang zueinander stehen (z.B. dieselbe Berufssparte, derselbe fachliche Bereich) und im engen zeitlichen Zusammenhang durchgef&uuml;hrt werden (BFH-Urteile in BFHE 246, 427, BStBl II 2015, 152, Rz&nbsp;30&nbsp;a.E., und in BFHE 249, 500). Diese Pr&uuml;fung obliegt grunds&auml;tzlich dem FG als Tatsacheninstanz.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das angefochtene Urteil ist von anderen Ma&szlig;st&auml;ben ausgegangen und daher aufzuheben. Der erste berufsqualifizierende Abschluss von C, die Erlangung des Bachelorgrades im April 2013, hat noch nicht zu einem &quot;Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung&quot; gef&uuml;hrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Das von C angestrebte Berufsziel konnte im Streitfall nur &uuml;ber einen weiteren Abschluss &#8211;also eine weiterf&uuml;hrende Ausbildungsma&szlig;nahme im Rahmen einer mehraktigen Ausbildung&#8211; erreicht werden. Das bereits im Wintersemester 2012\/2013 und damit vor Abschluss des Bachelorstudiengangs in Wirtschaftsmathematik im April 2013 begonnene Masterstudium im n&auml;mlichen Studiengang l&auml;sst erkennen, dass C sein angestrebtes Berufsziel mit der Erlangung des Bachelorgrades noch nicht erreicht hatte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Entgegen der Auffassung des FG und der Familienkasse ist das Masterstudium von C Bestandteil eines einheitlichen Ausbildungsgangs (anderer Ansicht Bl&uuml;mich\/Selder, &sect;&nbsp;32 EStG Rz&nbsp;81). Es steht in einem engen sachlichen und zeitlichen Zusammenhang zum vorangegangenen Bachelorstudiengang (entgegen Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen &#8211;BMF&#8211; vom 7.&nbsp;Dezember 2011 IV&nbsp;C&nbsp;4-S&nbsp;2282\/07\/0001-01, BStBl I 2011, 1243, Tz&nbsp;19).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Bei der Pr&uuml;fung des sachlichen Zusammenhangs ist darauf abzustellen, ob die Ausbildungsabschnitte hinsichtlich der Berufssparte oder des fachlichen Bereichs im Zusammenhang stehen (BFH-Urteile in BFHE 246, 427, BStBl II 2015, 152, und in BFHE 249, 500). Im Streitfall ergibt sich ein solcher Zusammenhang allein schon aus dem Umstand, dass der Masterstudiengang auf dem vorherigen Bachelorstudium aufbaut (sog. konsekutives Masterstudium i.S. von &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;4 des Hochschulrahmengesetzes &#8211;HRG&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Die Ausbildungsg&auml;nge standen auch in einem engen zeitlichen Zusammenhang. Ein solcher erfordert, dass das Kind nach Abschluss eines ersten &#8211;objektiv berufsqualifizierenden&#8211; Abschlusses den weiteren Ausbildungsabschnitt mit der gebotenen Zielstrebigkeit aufnimmt. Nur wenn im Anschluss an einen solchen Abschluss der weitere Ausbildungsabschnitt nicht aufgenommen wird, obwohl damit begonnen werden k&ouml;nnte, und der Entschluss zur Fortsetzung auch sonst nicht erkennbar wird, wird der Zusammenhang und damit die Einheitlichkeit des Ausbildungsgangs aufgehoben (BFH-Urteil in BFHE 249, 500; Wendl, Finanz-Rundschau 2014, 167, 169, unter 3.b&nbsp;aa). Danach war der enge zeitliche Zusammenhang im Streitfall gegeben. Denn C hatte das Masterstudium bereits vor dem Abschluss des Bachelorstudiengangs begonnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Mangels Abschlusses einer erstmaligen Berufsausbildung i.S. des &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 EStG, kommt es auf die Erwerbst&auml;tigkeit des C im Streitzeitraum nicht an. Damit entf&auml;llt eine Pr&uuml;fung des &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;3 EStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) C ist als Kind auch dann zu ber&uuml;cksichtigen, wenn er aufgrund seiner Erwerbst&auml;tigkeit m&ouml;glicherweise gegen&uuml;ber seinen Eltern &#8211;mangels Bed&uuml;rftigkeit&#8211; keinen Unterhaltsanspruch hatte. Zwar setzte nach fr&uuml;herer Rechtsprechung des BFH der Kindergeldanspruch f&uuml;r &uuml;ber 18&nbsp;Jahre alte Kinder eine typische Unterhaltssituation seitens der Eltern voraus (vgl. dazu z.B. BFH-Urteile vom 2.&nbsp;M&auml;rz 2000 VI&nbsp;R&nbsp;13\/99, BFHE 191, 69, BStBl II 2000, 522, unter 2.a, und vom 19.&nbsp;April 2007 III&nbsp;R&nbsp;65\/06, BFHE 218, 70, BStBl II 2008, 756, unter II.1.). Diese Rechtsprechung wurde jedoch inzwischen aufgegeben (BFH-Urteil vom 17.&nbsp;Juni 2010 III&nbsp;R&nbsp;34\/09, BFHE 230, 61, BStBl II 2010, 982, Rz&nbsp;11&nbsp;ff.). Das Erfordernis einer typischen Unterhaltssituation f&uuml;r den Kindergeldanspruch bei vollj&auml;hrigen Kindern ist seither vollst&auml;ndig entfallen (vgl. BFH-Urteile vom 17.&nbsp;Oktober 2013 III&nbsp;R&nbsp;22\/13, BFHE 243, 246, BStBl II 2014, 257, Rz&nbsp;15; vom 5.&nbsp;M&auml;rz 2014 XI&nbsp;R&nbsp;32\/13, BFH\/NV 2014, 1031, Rz&nbsp;21, und in BFHE 249, 500). Der erkennende Senat schlie&szlig;t sich dieser Auffassung an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 3.9.2015, VI R 9\/15 Kindergeld: Konsekutives Masterstudium als Teil der Erstausbildung Leits&auml;tze Ein Masterstudium ist jedenfalls dann Teil einer einheitlichen Erstausbildung, wenn es zeitlich und inhaltlich auf den vorangegangenen Bachelorstudiengang abgestimmt ist und das &#8211;von den Eltern und dem Kind&#8211; bestimmte Berufsziel erst dar&uuml;ber erreicht werden kann (entgegen BMF-Schreiben vom 7. 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