{"id":6538,"date":"2012-11-30T16:08:01","date_gmt":"2012-11-30T14:08:01","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=6538"},"modified":"2012-11-30T16:08:01","modified_gmt":"2012-11-30T14:08:01","slug":"vii-r-77-10-einfuhrumsatzsteuerfreiheit-bei-innergemeinschaftlicher-weiterlieferung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-77-10-einfuhrumsatzsteuerfreiheit-bei-innergemeinschaftlicher-weiterlieferung\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;77\/10 &#8211; Einfuhrumsatzsteuerfreiheit bei innergemeinschaftlicher Weiterlieferung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 26.1.2012, VII R 77\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Einfuhrumsatzsteuerfreiheit bei innergemeinschaftlicher Weiterlieferung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) wendet sich gegen einen Bescheid des Beklagten und Revisionsbeklagten (Hauptzollamt &#8211;HZA&#8211;), mit dem &#8211;neben dem hier nicht streitigen Zoll&#8211; Einfuhrumsatzsteuer in H&ouml;he von rd. &#8230; EUR nacherhoben worden ist. Der Kl&auml;ger hatte mittels ATLAS am 2.&nbsp;Mai 2006 eine Zollanmeldung mit dem Verfahrenscode 4200 zur &Uuml;berf&uuml;hrung von Waren in den freien Verkehr unter Befreiung von der Einfuhrumsatzsteuer gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) abgegeben. Er ist dabei durch die X GmbH (im Folgenden: Spedition) vertreten worden. Als Verk&auml;ufer der Ware war in der Zollanmeldung eine Firma in den USA (im Folgenden: Verk&auml;ufer) und als K&auml;uferin eine Firma in Luxemburg benannt. Der Kl&auml;ger ist in der Schweiz ans&auml;ssig und hat bei der Zollanmeldung seine Umsatzsteueridentifikationsnummer (USt-IdNr.) angegeben. Beim Grenz&uuml;bertritt der Ware wurden dar&uuml;ber hinaus Kopien der auf Englisch abgefassten Rechnungen des Verk&auml;ufers vorgelegt, in denen zur Zahlung an eine auf den niederl&auml;ndischen Antillen ans&auml;ssige Firma (im Folgenden: Zahlungsempf&auml;ngerin) aufgefordert wurde. Au&szlig;erdem enthielten die Rechnungen den Vermerk, es handele sich um eine innergemeinschaftliche Lieferung nach Art.&nbsp;6a UStG, sowie den Hinweis auf eine in Deutschland ans&auml;ssige Firma als Fiskalvertreterin, deren USt-IdNr. ebenfalls benannt war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das betreffende Zollamt nahm die Anmeldung an und erhob zun&auml;chst keine Einfuhrumsatzsteuer. Diese wurde jedoch nach einer sp&auml;teren &Uuml;berpr&uuml;fung des Vorgangs vom HZA nacherhoben, weil dieses der Auffassung ist, dass die Voraussetzungen f&uuml;r eine Befreiung von der Einfuhrumsatzsteuer nicht vorliegen. Der Kl&auml;ger habe mangels Verf&uuml;gungsgewalt &uuml;ber die Ware keine innergemeinschaftliche Lieferung bewirken k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen die Umsatzsteuerfestsetzung in diesem Nacherhebungsbescheid hat der Kl&auml;ger nach erfolglosem Einspruchsverfahren Klage erhoben, die das Finanzgericht (FG) abgewiesen hat. Es urteilte, die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 UStG l&auml;gen nicht vor. Da der Kl&auml;ger als Zollanmelder selbst keine innergemeinschaftliche Lieferung durchgef&uuml;hrt habe, k&auml;me eine Steuerbefreiung nur in Betracht, wenn au&szlig;er ihm derjenige, der die innergemeinschaftliche Lieferung durchgef&uuml;hrt habe, Zollanmelder geworden sei. Aus der Zollanmeldung ergebe sich jedoch nicht, dass diese in indirekter Vertretung f&uuml;r einen Dritten abgegeben worden sei. Der Kl&auml;ger bzw. die f&uuml;r ihn in direkter Vertretung handelnde Spedition h&auml;tten nicht in indirekter Vertretung gehandelt. Ihre Erkl&auml;rung sei, wie dies bei einer Zollanmeldung im Datenverarbeitungssystem ATLAS nicht anders sein k&ouml;nne, eindeutig und einer Auslegung nicht zug&auml;nglich. Insbesondere ergebe sich die M&ouml;glichkeit einer Auslegung nicht aus der Wahl des Verfahrenscodes 4200, der allerdings f&uuml;r eine &Uuml;berf&uuml;hrung von Waren unter Umsatzsteuerbefreiung nach &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 UStG stehe. Aus der Unanwendbarkeit dieser Vorschrift im Streitfall ergebe sich jedoch nicht die M&ouml;glichkeit einer Auslegung der Zollanmeldung. Die Zollbeh&ouml;rde m&uuml;sse n&auml;mlich nicht pr&uuml;fen, ob an sich eindeutige Erkl&auml;rungen des Zollbeteiligten auch inhaltlich so gemeint sein k&ouml;nnen. Selbst wenn man aber eine Auslegung im Sinne einer indirekten Stellvertretung durch den Kl&auml;ger f&uuml;r m&ouml;glich hielte, st&uuml;nde die Person des Vertretenen nicht fest. Der Verfahrenscode 4200 gelte nicht nur f&uuml;r in einem Drittland ans&auml;ssige Importeure, so dass auf einen solchen als Versender nicht aufgrund der Anmeldung geschlossen werden k&ouml;nne. Auch die auf den Rechnungen enthaltenen Angaben zur Fiskalvertretung, bei denen es sich um einen Aufdruck handele, der nicht ohne weiteres dem Versender zugerechnet werden k&ouml;nne, erm&ouml;glichten eine zweifelsfreie Bestimmung des Vertretenen nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG ist ferner der Ansicht, &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 UStG k&ouml;nne auf F&auml;lle wie den vorliegenden, in denen ein Beauftragter des Lieferers Schuldner der Einfuhrumsatzsteuer sei, nicht analog angewandt werden. Denn die auf Art.&nbsp;21 Abs.&nbsp;4 der Richtlinie 77\/388\/EWG zur&uuml;ckgehende Vorschrift setze Identit&auml;t des Importeurs und des Steuerschuldners voraus. Die eindeutige Formulierung des &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 UStG lasse keinen Spielraum f&uuml;r eine Analogie in dem Fall, dass nur ein Beauftragter des Lieferers Schuldner der Einfuhrumsatzsteuer werde. Es fehle bereits eine planwidrige Gesetzesl&uuml;cke. Bei &sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;8 UStG, in dem die Identit&auml;t von Lieferer und Schuldner nicht vorausgesetzt werde, sei die Interessenlage des Gesetzgebers eine andere. Selbst wenn aber &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 UStG in F&auml;llen wie dem vorliegenden grunds&auml;tzlich angewandt werden k&ouml;nnte, fehle es im Streitfall zumindest an der erforderlichen Angabe der USt-IdNr. des Lieferers. Diese sei materielle Voraussetzung f&uuml;r eine Befreiung von der Umsatzsteuer. Die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) zu &sect;&nbsp;6a UStG, die insoweit von blo&szlig;en Nachweispflichten ausgehe, k&ouml;nne in diesem Zusammenhang nicht &uuml;bertragen werden. Der Kl&auml;ger habe den Nachweis einer innergemeinschaftlichen Lieferung nicht erbracht. Die vorgelegten Rechnungen bekundeten nur eine diesbez&uuml;gliche Absicht. Eine Empfangsbest&auml;tigung liege f&uuml;r die Ware nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Weiter urteilte das FG, Art.&nbsp;220 Abs.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;b Unterabs.&nbsp;1 des Zollkodex (ZK) stehe der Nacherhebung nicht entgegen. Der Senat halte es zwar aufgrund der von ihm durchgef&uuml;hrten Beweiserhebung f&uuml;r naheliegend, dass ein f&uuml;r die Anwendung dieser Vorschrift relevanter Irrtum der Zollbeh&ouml;rde vorgelegen habe. Dieser sei f&uuml;r den Kl&auml;ger jedoch erkennbar gewesen. Er sei ein erfahrener und professioneller Zollagent und selbst f&uuml;r einen unerfahrenen Zollbeteiligten sei aus &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 UStG ersichtlich, dass steuerbefreit nur die Einfuhr von Gegenst&auml;nden sei, die von einem Schuldner der Einfuhrumsatzsteuer zur Ausf&uuml;hrung von innergemeinschaftlichen Lieferungen verwendet werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen dieses Urteil richtet sich die Revision des Kl&auml;gers. Nach seiner Auffassung m&uuml;ssten die Anwendungsbereiche des &sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;8 UStG und des &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 UStG deckungsgleich sein. Andernfalls entstehe eine planwidrige Gesetzesl&uuml;cke, die durch Analogie geschlossen werden m&uuml;sse. Die Interessenlagen bei beiden Vorschriften seien entgegen der Ansicht des FG vergleichbar. &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 UStG habe einen Vereinfachungseffekt; die Freistellung von der Einfuhrumsatzsteuer solle mit der Freistellung von der Umsatzsteuer synchron laufen und die Besteuerung erst im Bestimmungsmitgliedstaat erfolgen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die analoge Anwendung scheitere auch nicht daran, dass der Kl&auml;ger im Zeitpunkt der Einfuhr keine g&uuml;ltige USt-IdNr. besessen habe. Denn dies werde weder im Umsatzsteuergesetz noch in der Durchf&uuml;hrungsverordnung verlangt. Die anders lautende Dienstanweisung sei ohne Rechtsgrundlage.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im &Uuml;brigen liege jedenfalls ein f&uuml;r den Kl&auml;ger nicht erkennbarer Irrtum der Zollbeh&ouml;rde vor. Die Rechtslage sei verwickelt, da &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 UStG Tatbestandsmerkmale aufweise, die mittels des Zollrechts auszuf&uuml;llen seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt sinngem&auml;&szlig;, die Vorentscheidung und die Verwaltungsentscheidungen aufzuheben, soweit Einfuhrumsatzsteuer festgesetzt worden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das HZA beantragt, die Revision des Kl&auml;gers als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es bestehe keine Gesetzesl&uuml;cke. Die Rechtsgrundlage f&uuml;r die im Merkblatt zum Einheitspapier verlangte Angabe der USt-IdNr. finde sich in Art.&nbsp;212 Abs.&nbsp;3 der Zollkodex-Durchf&uuml;hrungsverordnung i.V.m &sect;&nbsp;21 Abs.&nbsp;2 UStG. Die Mitgliedstaaten seien berechtigt, das EU-einheitliche Merkblatt f&uuml;r nationale Zwecke zu erg&auml;nzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das HZA macht ferner geltend, der Kl&auml;ger habe den Irrtum der Zollbeh&ouml;rde erkennen k&ouml;nnen. Er k&ouml;nne sich nicht auf Nichtkenntnis des im Amtsblatt ver&ouml;ffentlichten Gemeinschaftsrechts berufen. Dass er sich &uuml;berhaupt &uuml;ber die in Betracht kommenden Rechtsvorschriften informiert habe, sei schon im Hinblick auf die fehlende USt-IdNr. auszuschlie&szlig;en.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das Urteil des FG entspricht im Ergebnis Bundesrecht (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach Art.&nbsp;220 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 ZK, der nach &sect;&nbsp;21 Abs.&nbsp;2 UStG im Hinblick auf die Einfuhrumsatzsteuer entsprechend anzuwenden ist, ist Einfuhrumsatzsteuer nachzuerheben, wenn sie urspr&uuml;nglich bei der Annahme der Zollanmeldung f&uuml;r die betreffende Ware nicht oder nicht in richtiger H&ouml;he berechnet und festgesetzt worden ist. Da im Streitfall die Waren aufgrund der Anmeldung des Kl&auml;gers in den freien Verkehr &uuml;bergef&uuml;hrt worden sind, ist gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;201 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a ZK i.V.m. &sect;&nbsp;13 Abs.&nbsp;2 und &sect;&nbsp;21 Abs.&nbsp;2 UStG Einfuhrumsatzsteuer entstanden, sofern &#8211;was im Streitfall allenfalls in Betracht kommt&#8211; die Einfuhr nicht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 UStG steuerfrei ist, weil die Waren von dem Schuldner der Einfuhrumsatzsteuer im Anschluss an die Einfuhr unmittelbar zur Ausf&uuml;hrung innergemeinschaftlicher Lieferungen verwendet werden. Das ist, wie das FG zutreffend erkannt hat, auch unter Ber&uuml;cksichtigung einer entsprechenden Anwendung vorgenannter Vorschrift auf von ihrem Wortlaut nicht erfasste Sachverhalte nicht der Fall.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Schuldner der Einfuhrumsatzsteuer ist der Kl&auml;ger, weil er die Waren im eigenen Namen zur Abfertigung angemeldet und weder in direkter oder indirekter Stellvertretung f&uuml;r einen anderen gehandelt hat. An die dieser rechtlichen W&uuml;rdigung zugrunde liegenden tats&auml;chlichen Feststellungen des FG ist der erkennende Senat gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO gebunden. Das FG hat den Inhalt der vom Kl&auml;ger abgegebenen Erkl&auml;rungen bzw. der in seinem Namen handelnden Spedition sowie der dabei vorgelegten erg&auml;nzenden Dokumente unter Ber&uuml;cksichtigung der Gesamtumst&auml;nde des Einfuhrvorgangs nachvollziehbar und ohne inneren Widerspruch ausgelegt. Es hat ferner f&uuml;r den Senat bindend festgestellt, dass der Kl&auml;ger die eingef&uuml;hrten Waren nicht zur Ausf&uuml;hrung innergemeinschaftlicher Lieferungen (d.h. Lieferungen in einen anderen Mitgliedstaat der Europ&auml;ischen Union) verwendet hat und auch nicht verwenden konnte oder wollte. Er hatte keine Verf&uuml;gungsmacht &uuml;ber die Waren, die unbeschadet dessen, dass er die Waren zur Einfuhr in die Union anmelden sollte und auch angemeldet hat, bei dem amerikanischen Lieferer verblieben war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Damit sind, wie das FG zutreffend ausgef&uuml;hrt hat, die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 UStG nach dem Wortlaut dieser Vorschrift nicht gegeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Vorschrift kann im Streitfall auch nicht entsprechend angewandt werden, wie das FG ebenfalls im Ergebnis zutreffend erkannt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dabei kann unentschieden bleiben, ob bei entsprechender Anwendung dieser Vorschrift Steuerfreiheit auch dann zu gew&auml;hren ist, wenn nicht der Zollanmelder und Schuldner der Einfuhrumsatzsteuer, sondern ein Dritter die Ware f&uuml;r die Ausf&uuml;hrung einer innergemeinschaftlichen Lieferung verwendet, dieser von Anfang an und insbesondere schon im Zeitpunkt der Einfuhr Verf&uuml;gungsgewalt &uuml;ber die Ware und den Zollanmelder lediglich mit der Einfuhr derselben beauftragt hatte. Der erkennende Senat kann auch uner&ouml;rtert lassen, ob er den Erw&auml;gungen des FG folgen k&ouml;nnte, wenn bei der Zollanmeldung der Beh&ouml;rde die USt-IdNr. des Lieferers &#8211;also dessen, der angeblich anschlie&szlig;end die innergemeinschaftlichen Lieferungen ausf&uuml;hren wollte&#8211; nicht angegeben worden ist und damit eine einfache und sichere Kontrolle der Voraussetzungen nicht m&ouml;glich war, von denen die Steuerbefreiung nach &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 UStG unzweifelhaft abh&auml;ngig sein soll. Offenbleiben kann ferner, was sich insofern aus der Rechtsprechung des BFH zu &sect;&nbsp;6a UStG und der dieser zugrunde liegenden, im FG-Urteil im Einzelnen aufgef&uuml;hrten Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union ergibt. Denn es liegt auf der Hand und wird offenbar auch von der Revision nicht in Zweifel gezogen, dass vorgenannte Steuerbefreiung jedenfalls nur dann in Betracht kommt, wenn die betreffenden Einfuhrwaren zur Ausf&uuml;hrung innergemeinschaftlicher Lieferungen verwendet werden. Das hat das FG im Streitfall indes nicht festgestellt, ohne dass insofern von der Revision zul&auml;ssige und begr&uuml;ndete Verfahrensr&uuml;gen erhoben worden sind. Das FG ist vielmehr ausdr&uuml;cklich davon ausgegangen, ein Nachweis der Verwendung der Waren zu innergemeinschaftlichen Lieferungen sei vom Kl&auml;ger nicht erbracht worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Von der damit grunds&auml;tzlich gebotenen Nacherhebung der Einfuhrumsatzsteuer ist auch nicht nach Art.&nbsp;220 Abs.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;b Unterabs.&nbsp;1 ZK abzusehen, weil die Einfuhrumsatzsteuer aufgrund eines Irrtums der Zollbeh&ouml;rde urspr&uuml;nglich nicht buchm&auml;&szlig;ig erfasst worden ist und dieser Irrtum vom Kl&auml;ger vern&uuml;nftigerweise nicht erkannt werden konnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der erkennende Senat versteht das Urteil des FG dahin, dass es unbeschadet der von ihm durchgef&uuml;hrten Beweiserhebung von einer eingehenden Pr&uuml;fung der Frage, ob die Zollbeh&ouml;rde im Streitfall geirrt hat, absehen und dies offenlassen will. Das FG hat vielmehr und mit Recht seine Entscheidung darauf gest&uuml;tzt, ein etwaiger Irrtum der Zollbeh&ouml;rde &uuml;ber die Voraussetzungen einer steuerbefreiten Einfuhrlieferung h&auml;tte vom Kl&auml;ger erkannt werden m&uuml;ssen. Denn nach dem Wortlaut des &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 UStG ist zweifelsfrei, dass Einfuhren, die nicht der Zollanmelder selbst zur Ausf&uuml;hrung innergemeinschaftlicher Lieferungen verwendet, sondern zu diesem Zwecke Dritten &uuml;berlassen will, nicht steuerbefreit sind. Das FG hat ferner mit Recht darauf hingewiesen, f&uuml;r die Anwendung vorgenannter Vorschrift sei ohne Belang, ob der Kl&auml;ger m&ouml;glicherweise &uuml;ber die Voraussetzungen einer indirekten Stellvertretung oder die Anforderungen an den Nachweis der Ausf&uuml;hrung einer innergemeinschaftlichen Lieferung im Anschluss an die Einfuhr geirrt hat. Denn nach den Feststellungen des FG hat er nicht in indirekter Stellvertretung handeln wollen &#8211;so dass seine Vorstellungen &uuml;ber dieses Rechtsinstitut f&uuml;r den Streitfall ohne Bedeutung sind&#8211; und der Zollbeh&ouml;rde bei der urspr&uuml;nglichen Abfertigung der Waren auch keinerlei Nachweise &uuml;ber die beabsichtigte k&uuml;nftige Weiterlieferung der Waren innerhalb der Union vorgelegt, so dass er irrt&uuml;mlich h&auml;tte davon ausgehen k&ouml;nnen, die Zollbeh&ouml;rde habe diese als f&uuml;r die Anwendung des &sect;&nbsp;5 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 UStG ausreichend anerkannt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ebenso war f&uuml;r den Kl&auml;ger ohne weiteres erkennbar, dass eine Steuerbefreiung nur in Betracht kommt, wenn die Einfuhren f&uuml;r innergemeinschaftliche Lieferungen tats&auml;chlich verwendet werden, was &#8211;wie ausgef&uuml;hrt&#8211; das FG im Streitfall nicht festgestellt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 26.1.2012, VII R 77\/10 Einfuhrumsatzsteuerfreiheit bei innergemeinschaftlicher Weiterlieferung Tatbestand 1&nbsp; I. 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