{"id":65388,"date":"2015-12-02T09:51:53","date_gmt":"2015-12-02T07:51:53","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65388"},"modified":"2015-12-02T09:51:53","modified_gmt":"2015-12-02T07:51:53","slug":"v-b-135-14-untaetigkeitsklage-aussetzung-des-verfahrens-ermessensentscheidung-kindergeld-anspruchsberechtigung-nach-par-62-abs-1-nr-2-buchst-b-estg-ivm-par-1-abs-3-estg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-135-14-untaetigkeitsklage-aussetzung-des-verfahrens-ermessensentscheidung-kindergeld-anspruchsberechtigung-nach-par-62-abs-1-nr-2-buchst-b-estg-ivm-par-1-abs-3-estg\/","title":{"rendered":"V&nbsp;B&nbsp;135\/14 &#8211; Unt&auml;tigkeitsklage, Aussetzung des Verfahrens, Ermessensentscheidung, Kindergeld: Anspruchsberechtigung nach &sect; 62 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b EStG i.V.m. &sect; 1 Abs. 3 EStG"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 30.9.2015, V B 135\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Unt&auml;tigkeitsklage, Aussetzung des Verfahrens, Ermessensentscheidung, Kindergeld: Anspruchsberechtigung nach &sect; 62 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b EStG i.V.m. &sect; 1 Abs. 3 EStG<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des S&auml;chsischen Finanzgerichts vom 29. September 2014&nbsp;&nbsp;6 K 346\/14 (Kg) aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das S&auml;chsische Finanzgericht zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Beschwerdeverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) ist polnische Staatsangeh&ouml;rige, die im Streitzeitraum (April bis August 2012) &#8211;ohne einen Wohnsitz oder gew&ouml;hnlichen Aufenthalt im Inland zu haben&#8211; eine Arbeitnehmert&auml;tigkeit im Inland aus&uuml;bte. F&uuml;r diesen Zeitraum beantragte sie die Festsetzung von Kindergeld f&uuml;r ihre vier in Polen lebenden Kinder.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beklagte und Beschwerdegegnerin (Familienkasse) lehnte diesen Antrag durch Bescheid vom 16.&nbsp;November 2012 ab. Ein Anspruch auf Kindergeld nach &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;b des Einkommensteuergesetzes (EStG) bestehe nicht, weil weder eine Antragstellung noch eine Behandlung als fiktiv unbeschr&auml;nkt einkommensteuerpflichtig nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 EStG feststellbar seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem die Familienkasse &uuml;ber den dagegen gerichteten Einspruch vom 6.&nbsp;Dezember 2012 nicht entschieden hat, erhob die Kl&auml;gerin am 10.&nbsp;M&auml;rz 2014 Klage mit dem Ziel, die Familienkasse zur Festsetzung des beantragten Kindergelds f&uuml;r den Streitzeitraum zu verpflichten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Urteil vom 29.&nbsp;September 2014 wies das Finanzgericht (FG) die Klage als unzul&auml;ssig ab, weil die Voraussetzungen einer Unt&auml;tigkeitsklage nicht vorl&auml;gen. Die Familienkasse habe &uuml;ber den Anspruch auf Kindergeld wegen weiterer Sachaufkl&auml;rung sachlich noch nicht entscheiden k&ouml;nnen. Aus dem &#8211;erst im Klageverfahren an das FG und die Familienkasse &uuml;bergebenen&#8211; Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2012 vom 9.&nbsp;April 2013 sei nicht erkennbar, ob die Kl&auml;gerin beim zust&auml;ndigen Finanzamt (FA) einen Antrag nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 EStG gestellt und es diesem entsprochen habe. Diesem Bescheid k&ouml;nnte auch eine Veranlagung &#8211;m&ouml;glicherweise abweichend von einem eventuellen Antrag&#8211; als unbeschr&auml;nkt einkommensteuerpflichtig nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 EStG zu Grunde liegen. Nachdem die Kl&auml;gerin hierzu keine weiteren Angaben gemacht habe, sei eine weitere Sachaufkl&auml;rung durch die Familienkasse notwendig. Dar&uuml;ber hinaus handle es sich um einen &#8211;besondere Schwierigkeiten aufweisenden&#8211; Sachverhalt mit Auslandsbezug, der &quot;eine gewisse Einarbeitungszeit&quot; rechtfertige.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision, mit der sie einen Verfahrensmangel r&uuml;gt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur&uuml;ckverweisung des Rechtsstreits an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Indem das FG die M&ouml;glichkeit der Aussetzung des Verfahrens ermessensfehlerhaft verneint hat, hat es die Grundordnung des Verfahrens verletzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Ermessenserw&auml;gungen des FG gen&uuml;gen nicht, um &#8211;anstelle das Klageverfahren auszusetzen&#8211; &uuml;ber die vermeintlich verfr&uuml;ht erhobene (Unt&auml;tigkeits-)Klage durch Prozessurteil zu entscheiden. Hierin liegt ein Verfahrensmangel i.S. des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO (Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 7.&nbsp;M&auml;rz 2006 VI&nbsp;B&nbsp;78\/04, BFHE 211, 433, BStBl II 2006, 430, Rz&nbsp;16).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO ist eine (Verpflichtungs-)Klage &#8211;abweichend von &sect;&nbsp;44 FGO&#8211; ohne vorherigen Abschluss des Vorverfahrens zul&auml;ssig, wenn &uuml;ber einen au&szlig;ergerichtlichen Rechtsbehelf ohne Mitteilung eines zureichenden Grundes in angemessener Frist sachlich nicht entschieden worden ist (Unt&auml;tigkeitsklage). Die Klage kann grunds&auml;tzlich nicht vor Ablauf von sechs Monaten seit Einlegung des au&szlig;ergerichtlichen Rechtsbehelfs erhoben werden (&sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 FGO). Nach &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 FGO kann das Verfahren bis zum Ablauf einer vom Gericht bestimmten Frist, die verl&auml;ngert werden kann, ausgesetzt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Aussetzung des Verfahrens nach &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 FGO kommt nicht nur bei einer zul&auml;ssigen Unt&auml;tigkeitsklage, die die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;1 S&auml;tze&nbsp;1 und 2 FGO erf&uuml;llt, sondern auch bei einer unzul&auml;ssigen (z.B. verfr&uuml;ht erhobenen) Unt&auml;tigkeitsklage in Betracht. Denn auch diese kann &#8211;w&auml;hrend der Aussetzung des Verfahrens&#8211; in die Zul&auml;ssigkeit hineinwachsen (BFH-Beschluss in BFHE 211, 433, BStBl II 2006, 430, unter 3. und 4., m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Indes besteht keine Aussetzungspflicht. Vielmehr hat das FG im Rahmen pflichtgem&auml;&szlig;en Ermessens zu entscheiden, ob es das Verfahren mit (ggf. wiederholt verl&auml;ngerbarer) Fristsetzung aussetzt oder eine &#8211;verfr&uuml;ht erhobene&#8211; Unt&auml;tigkeitsklage abweist (BFH-Beschluss in BFHE 211, 433, BStBl II 2006, 430, unter 3. und 4., m.w.N.). Bei seinen Ermessens&uuml;berlegungen hat das FG aber zu beachten, dass ein Kl&auml;ger grunds&auml;tzlich nicht mit hinreichender Sicherheit beurteilen kann, ob die erhobene Unt&auml;tigkeitsklage (m&ouml;glicherweise) verfr&uuml;ht erhoben worden ist und zu welchem Zeitpunkt sie gegebenenfalls in die Zul&auml;ssigkeit hineinw&auml;chst. Eine zul&auml;ssige Klageerhebung wird insoweit durch die tatbestandliche Verwendung unbestimmter Rechtsbegriffe (u.a. &quot;in angemessener Frist&quot;, &quot;zureichender Grund&quot;) beeintr&auml;chtigt. Unter Beachtung verfassungsrechtlicher Vorgaben (Art.&nbsp;19 Abs.&nbsp;4 des Grundgesetzes) wird deshalb eine Aussetzung des Klageverfahrens als Korrektiv hierzu regelm&auml;&szlig;ig geboten sein. Abgesehen von prozess&ouml;konomischen Gr&uuml;nden wird dem Grundrecht auf wirkungsvollen, insbesondere zeitnahen Rechtsschutz &uuml;berdies eher entsprochen, wenn eine Klage nicht als unzul&auml;ssig abgewiesen und der Kl&auml;ger auf eine erneute Klageerhebung verwiesen wird (BFH-Beschluss in BFHE 211, 433, BStBl II 2006, 430, unter 4., m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben rechtfertigen die dargelegten Ermessenserw&auml;gungen des FG keine Entscheidung durch Prozessurteil gegen&uuml;ber der Aussetzung des Verfahrens.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Leitende Erw&auml;gung des FG das Verfahren nicht auszusetzen, sondern die Klage &#8211;kostenpflichtig&#8211; durch Prozessurteil abzuweisen, sei der Verursachungsbeitrag der Kl&auml;gerin f&uuml;r die Verz&ouml;gerung des Verfahrens. Insbesondere sei sie ihren Mitwirkungspflichten &#8211;im Zusammenhang mit der Behauptung einer Antragstellung nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 EStG und mit einer m&ouml;glichen Konkurrenzsituation mit polnischen Familienleistungen&#8211; nicht nachgekommen. Insofern sei es sachgerecht, der Familienkasse &#8211;au&szlig;erhalb eines Klageverfahrens&#8211; Gelegenheit zu geben, die erforderlichen Ermittlungen (Anfrage beim FA zur Antragstellung nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 EStG und bei der zust&auml;ndigen polnischen Beh&ouml;rde wegen etwaiger kinderbezogener Leistungen) durchzuf&uuml;hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Diese durch das FG dargelegten Ermessenserw&auml;gungen sind im Streitfall nicht verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig. Dies gilt ungeachtet dessen, dass das FG die Sache im Er&ouml;rterungstermin vom 22.&nbsp;September 2014 in tats&auml;chlicher und rechtlicher Hinsicht er&ouml;rtert hat und der Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;gerin erkl&auml;rte, zu keiner weiteren Mitwirkung verpflichtet zu sein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG h&auml;tte bei seiner Ermessens&uuml;berlegung n&auml;mlich den Umstand ber&uuml;cksichtigen m&uuml;ssen, dass die Familienkasse die Kl&auml;gerin erstmals &#8211;w&auml;hrend des Klageverfahrens&#8211; mit Schreiben vom 8.&nbsp;Mai 2014 auf ihre &#8211;m&ouml;glicherweise bestehenden&#8211; Mitwirkungspflichten wegen des Antrags nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 EStG und der m&ouml;glichen Konkurrenzsituation zu polnischen Familienleistungen konkret hingewiesen hatte. Nachdem die Familienkasse &#8211;mit Kenntnis des FG w&auml;hrend des Klageverfahrens&#8211; mit diesbez&uuml;glichen Ermittlungen bei den zust&auml;ndigen Beh&ouml;rden begonnen hat, ist eine Entscheidung durch Prozessurteil &#8211;anstelle der Verfahrensaussetzung&#8211; nicht (mehr) erforderlich. Zwar k&ouml;nnte eine (vermeintlich) fehlende Mitwirkung der Kl&auml;gerin die &#8211;wie vom FG angenommen&#8211; Verz&ouml;gerung der Bearbeitung verursacht haben; nachdem die Familienkasse die Tatsachen &#8211;bei deren Aufkl&auml;rung die Kl&auml;gerin nicht mitgewirkt haben soll&#8211; durch eigene Ermittlungen &uuml;berlagert, ist aber nicht mehr nachvollziehbar, warum eine kostenpflichtige Entscheidung gegen&uuml;ber der Aussetzung des Verfahrens sachgerechter sein soll. Es ist insoweit nicht ersichtlich, dass eine gleichgerichtete Mitwirkung der Kl&auml;gerin zu einem fr&uuml;heren Abschluss des (Einspruchs- oder Klage-)Verfahrens f&uuml;hren k&ouml;nnte, insbesondere sind solche Mitwirkungen nicht geeignet, das Verfahren zu beschleunigen. Soweit die fehlende Mitwirkung zu einer Verz&ouml;gerung des Verfahrens beigetragen haben sollte, hatte diese aber im Zeitpunkt der finanzgerichtlichen Entscheidung keine Auswirkungen mehr, da die Familienkasse mit entsprechenden Ermittlungen bereits begonnen hatte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zudem st&uuml;tzt das FG seine Ermessenserw&auml;gung fehlerhaft auf die Behauptung, die Kl&auml;gerin habe das Verfahren verz&ouml;gert, ohne zu ber&uuml;cksichtigen, dass die Familienkasse erstmals im Klageverfahren &#8211;mit Schreiben vom 8.&nbsp;Mai 2014&#8211; die Mitwirkung der Kl&auml;gerin konkretisiert hat. Auch legt das FG nicht dar, warum es sachgerecht sein soll, etwaige Erkenntnisse aus den Anfragen bei den Beh&ouml;rden, unabh&auml;ngig von einem bereits laufenden Klageverfahren zu pr&uuml;fen. Die &Uuml;berpr&uuml;fungsm&ouml;glichkeit durch die Familienkasse wird ebenso erreicht, wenn das Verfahren ausgesetzt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Senat h&auml;lt es f&uuml;r sachgerecht, gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO das angefochtene Urteil wegen des Verfahrensfehlers aufzuheben und den Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckzuverweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Senat braucht indes nicht dar&uuml;ber zu entscheiden, ob ein Verfahrensmangel m&ouml;glicherweise auch deshalb vorliegt, weil das FG &uuml;ber die Klage nicht zur Sache, sondern durch Prozessurteil entschieden hat (vgl. BFH-Beschluss vom 9.&nbsp;September 2014 VIII&nbsp;B&nbsp;133\/13, BFH\/NV 2015, 45, Rz&nbsp;7, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Auch hat der Senat nicht dar&uuml;ber entschieden, ob die Klage verfr&uuml;ht erhoben worden ist und die vom FG vorgenommene G&uuml;terabw&auml;gung eine Verl&auml;ngerung der sechsmonatigen Regelbearbeitungsfrist rechtfertigen k&ouml;nnte (vgl. zur G&uuml;terabw&auml;gung, z.B. BFH-Urteile vom 27.&nbsp;April 2006 IV&nbsp;R&nbsp;18\/04, BFH\/NV 2006, 2017, unter II.1.a und b, m.w.N.; vom 7.&nbsp;Oktober 2010 V&nbsp;R&nbsp;43\/08, BFH\/NV 2011, 989, Rz&nbsp;20, und vom 6.&nbsp;Oktober 2005 V&nbsp;B&nbsp;140\/05, BFH\/NV 2006, 473, unter II.1.a, Rz&nbsp;23). Klarstellend weist der Senat darauf hin, dass die &#8211;erstmalige&#8211; Aufforderung der Familienkasse vom 8.&nbsp;Mai 2014, eine Bescheinigung des FA einzureichen, &quot;die die Entscheidung zur steuerlichen Behandlung <em>[der Kl&auml;gerin]<\/em> nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 oder 3 EStG enth&auml;lt und die eine Aussage zur Grundlage f&uuml;r diese Entscheidung beinhaltet&quot; im Rahmen des &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO unbeachtlich ist. Die Mitteilung zureichender Gr&uuml;nde, warum in angemessener Frist sachlich nicht &uuml;ber den Einspruch entschieden werden kann, muss vor Klageerhebung erfolgen (BFH-Urteil in BFH\/NV 2006, 2017, II.1.b&nbsp;bb).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Zus&auml;tzlich weist der Senat &#8211;ohne Bindungswirkung&#8211; darauf hin, dass das FG zu Recht davon ausgeht, dass eine Anspruchsberechtigung nach &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;b EStG i.V.m. &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 EStG &#8211;anders als die Anspruchsberechtigung nach &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 EStG&#8211; von der bindenden einkommensteuerrechtlichen Behandlung abh&auml;ngig ist (BFH-Urteil vom 24.&nbsp;Mai 2012 III&nbsp;R&nbsp;14\/10, BFHE 237, 239, BStBl II 2012, 897, Leitsatz, Rz&nbsp;13). L&auml;sst sich dem Einkommensteuerbescheid indes nicht entnehmen, ob die Behandlung als unbeschr&auml;nkt einkommensteuerpflichtig aufgrund eines Wohnsitzes bzw. gew&ouml;hnlichen Aufenthalts (&sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 EStG) oder aufgrund eines Antrags (&sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 EStG) erfolgt, ist dessen Inhalt durch Auslegung zu ermitteln, wobei au&szlig;erhalb des Bescheids liegende Umst&auml;nde zu ber&uuml;cksichtigen sind. Bei Auslegungszweifeln ist R&uuml;ckgriff auf die &#8211;der Einkommensteuerveranlagung&#8211; begleitenden Unterlagen zu nehmen, ggf. sind die Einkommensteuerakten beizuziehen (BFH-Urteil vom 18.&nbsp;Juli 2013 III&nbsp;R&nbsp;59\/11, BFHE 242, 228, BStBl II 2014, 843, Rz&nbsp;48&nbsp;f.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Von einer weiteren Darstellung des Sachverhaltes sowie einer weiteren Begr&uuml;ndung sieht der Senat gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 30.9.2015, V B 135\/14 Unt&auml;tigkeitsklage, Aussetzung des Verfahrens, Ermessensentscheidung, Kindergeld: Anspruchsberechtigung nach &sect; 62 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b EStG i.V.m. &sect; 1 Abs. 3 EStG Tenor Auf die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des S&auml;chsischen Finanzgerichts vom 29. September 2014&nbsp;&nbsp;6 K 346\/14 (Kg) aufgehoben. Die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-b-135-14-untaetigkeitsklage-aussetzung-des-verfahrens-ermessensentscheidung-kindergeld-anspruchsberechtigung-nach-par-62-abs-1-nr-2-buchst-b-estg-ivm-par-1-abs-3-estg\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;B&nbsp;135\/14 &#8211; Unt&auml;tigkeitsklage, Aussetzung des Verfahrens, Ermessensentscheidung, Kindergeld: Anspruchsberechtigung nach &sect; 62 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b EStG i.V.m. &sect; 1 Abs. 3 EStG<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-65388","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65388","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65388"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65388\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65388"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65388"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65388"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}