{"id":65395,"date":"2015-12-02T09:52:07","date_gmt":"2015-12-02T07:52:07","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65395"},"modified":"2015-12-02T09:52:07","modified_gmt":"2015-12-02T07:52:07","slug":"viii-b-143-14-anrechnung-und-erstattung-von-kapitalertragsteuer-im-nachlassinsolvenzverfahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-b-143-14-anrechnung-und-erstattung-von-kapitalertragsteuer-im-nachlassinsolvenzverfahren\/","title":{"rendered":"VIII&nbsp;B&nbsp;143\/14 &#8211; Anrechnung und Erstattung von Kapitalertragsteuer im Nachlassinsolvenzverfahren"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 12.10.2015, VIII B 143\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Anrechnung und Erstattung von Kapitalertragsteuer im Nachlassinsolvenzverfahren<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde des Kl&auml;gers wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts Baden-W&uuml;rttemberg vom 16. Oktober 2014&nbsp;&nbsp;6 K 1508\/11 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) begehrt als Nachlassinsolvenzverwalter im Wege einer Verpflichtungsklage vom Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) Einkommensteuerveranlagungen gegen&uuml;ber dem verstorbenen Schuldner durchzuf&uuml;hren, um die Anrechnung und Erstattung von Kapitalertragsteuer zu erreichen, die f&uuml;r Kapitalertr&auml;ge des Nachlasses im Rahmen des Insolvenzverfahrens einbehalten worden ist. Das Finanzgericht (FG) hat die Klage mit der Begr&uuml;ndung abgewiesen, eine solche Veranlagung f&uuml;r den Verstorbenen als Inhaltsadressat und Steuerschuldner scheide f&uuml;r die streitigen Veranlagungszeitr&auml;ume 2003 bis 2008 aus, da der Verstorbene kein Steuersubjekt mehr gewesen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger h&auml;lt sinngem&auml;&szlig; die Frage f&uuml;r grunds&auml;tzlich bedeutsam i.S. des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO), ob er berechtigt sei, die Anrechnung der Kapitalertragsteuer gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;36 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes in der in den Streitjahren 2003 bis 2008 jeweils geltenden Fassung (EStG) im Wege der begehrten Einkommensteuerveranlagung des Verstorbenen zu beantragen, da eine anderweitige Erstattungsm&ouml;glichkeit der einbehaltenen Kapitalertragsteuer &#8211;auch aufgrund der bislang nicht bekannten Erben&#8211; nicht ersichtlich sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Diese Frage ist im Streitfall nicht kl&auml;rungsbed&uuml;rftig. Die Voraussetzungen einer Zulassung der Revision wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO sind nicht erf&uuml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) An der erforderlichen Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit einer Rechtsfrage fehlt es, wenn sich die Beantwortung der Rechtsfrage ohne weiteres aus dem klaren Wortlaut und Sinngehalt des Gesetzes ergibt oder die Rechtsfrage offensichtlich so zu beantworten ist, wie es das FG in seiner Entscheidung getan hat, wenn die Rechtslage also eindeutig ist. Dar&uuml;ber hinaus ist eine Rechtsfrage auch dann nicht kl&auml;rungsbed&uuml;rftig, wenn sie durch die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) hinreichend gekl&auml;rt ist und keine neuen Gesichtspunkte erkennbar oder vorgetragen sind, die eine erneute Pr&uuml;fung und Entscheidung dieser Frage durch den BFH geboten erscheinen lassen (st&auml;ndige Rechtsprechung, s. z.B. BFH-Beschluss vom 30.&nbsp;M&auml;rz 2015 VII&nbsp;B&nbsp;30\/14, BFH\/NV 2015, 1010). Die vom Kl&auml;ger aufgeworfene Rechtsfrage l&auml;sst sich anhand der gesetzlichen Grundlagen und der bisherigen Rechtsprechung des BFH und des Bundesgerichtshofs (BGH) ohne weiteres beantworten und ist daher nicht kl&auml;rungsbed&uuml;rftig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Tod des Schuldners nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens &#8211;wie im Streitfall&#8211; bewirkt ohne weiteres eine &Uuml;berleitung des bisherigen Insolvenzverfahrens in das Nachlassinsolvenzverfahren, wobei dies sowohl f&uuml;r ein Regelinsolvenzverfahren als auch f&uuml;r ein Verbraucherinsolvenzverfahren gilt. Das bisherige Insolvenzverfahren nimmt daher ohne Unterbrechung seinen Fortgang mit dem Erben als neuem Schuldner (vgl. BGH-Entscheidungen vom 22.&nbsp;Januar 2004 IX&nbsp;ZR&nbsp;39\/03, BGHZ 157, 350; vom 21.&nbsp;Februar 2008 IX&nbsp;ZB&nbsp;62\/05, BGHZ 175, 307; vom 13.&nbsp;Januar 2011 IX&nbsp;ZR&nbsp;53\/09, Zeitschrift f&uuml;r das gesamte Insolvenzrecht 2011, 389; vom 26.&nbsp;September 2013 IX&nbsp;ZR&nbsp;3\/13; Neue Juristische Wochenschrift 2014, 389, unter Rz&nbsp;12).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Eine nach der Insolvenzer&ouml;ffnung entstehende Steuerschuld f&uuml;r Eink&uuml;nfte, die w&auml;hrend der Nachlassverwaltung &#8211;wie im Streitfall&#8211; aufgrund der Anlage von Mitteln des Nachlasses erzielt werden, ist eine Masseverbindlichkeit i.S. des &sect;&nbsp;55 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;324 Abs.&nbsp;1 der Insolvenzordnung (InsO), da sie durch Handlungen des Insolvenzverwalters oder in anderer Weise durch die Verwaltung, Verwertung und Verteilung der Insolvenzmasse begr&uuml;ndet wird, ohne zu den Kosten des Insolvenzverfahrens zu geh&ouml;ren und der einzelne (unselbst&auml;ndige) Besteuerungstatbestand &#8211;insbesondere die Eink&uuml;nfteerzielung nach &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 EStG&#8211; erst nach der Insolvenzer&ouml;ffnung verwirklicht wird (BFH-Entscheidungen vom 16.&nbsp;Mai 2013 IV&nbsp;R&nbsp;23\/11, BFHE 241, 233, BStBl II 2013, 759, Rz&nbsp;18, 19; vom 18.&nbsp;Dezember 2014 X&nbsp;B&nbsp;89\/14, BFH\/NV 2015, 470; vom 24.&nbsp;Februar 2015 VII&nbsp;R&nbsp;27\/14, BFHE 248, 518, unter Rz&nbsp;13; Siegmann in M&uuml;nchener Kommentar zur Insolvenzordnung, Band&nbsp;3, InsO &sect;&nbsp;325 Rz&nbsp;7).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) In der Rechtsprechung des BFH ist zudem gekl&auml;rt, dass nach Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens aus der Insolvenzmasse (hier: den Mitteln des Nachlasses) an das FA entrichtete Steuerabzugsbetr&auml;ge gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;36 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG nur auf Steuerschulden angerechnet werden k&ouml;nnen, die zu den Masseverbindlichkeiten i.S. des &sect;&nbsp;55 Abs.&nbsp;1 InsO (hier: i.V.m. &sect;&nbsp;324 Abs.&nbsp;1 InsO) geh&ouml;ren. Nur in H&ouml;he eines nach Anrechnung der Zahlungen auf nachinsolvenzlich begr&uuml;ndete Steuerschulden (hier: die jeweilige Jahressteuerschuld der Streitjahre) verbliebenen &Uuml;berschusses kann ein Erstattungsanspruch zugunsten der Masse entstehen (BFH-Urteil in BFHE 248, 518).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Auf dieser Grundlage ist im Streitfall nicht kl&auml;rungsbed&uuml;rftig, ob die Anrechnung der Kapitalertragsteuer, die nach den bindenden Feststellungen des FG (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO) aus Ertr&auml;gen der Nachlassinsolvenzmasse einbehalten und abgef&uuml;hrt wurde, im Rahmen einer einkommensteuerlichen &quot;Veranlagung des Verstorbenen&quot; erreicht werden kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Denn nach der unter 2.b und c dargelegten Rechtsprechung kommt die begehrte Erstattung der Steuerabzugsbetr&auml;ge an die Masse nur auf der Grundlage einer Veranlagung des Erben und jetzigen Schuldners des Nachlassinsolvenzverfahrens in Betracht, in der die einbehaltenen Steuerabzugsbetr&auml;ge gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;36 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG anzurechnen sind. Da es sich bei der Jahressteuerschuld und einem sich hieraus eventuell ergebenden Erstattungsanspruch um Masseforderungen und -verbindlichkeiten handelt, sind die entsprechenden Steuerbescheide f&uuml;r die Streitjahre an den Kl&auml;ger als Nachlassinsolvenzverwalter zu richten (s. BFH-Urteil vom 24.&nbsp;August 2011 V&nbsp;R&nbsp;53\/09, BFHE 235, 5, BStBl II 2012, 256; Klein\/Werth, AO, 12.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;251 Rz&nbsp;21).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Best&uuml;nden auch Streitigkeiten &uuml;ber die Anrechenbarkeit der Steuerabzugsbetr&auml;ge dem Grunde und der H&ouml;he nach, w&auml;ren diese verfahrensrechtlich nicht im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung zur Festsetzung einer Masseverbindlichkeit oder -forderung, sondern auf der Grundlage eines Abrechnungsbescheids gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;218 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung zu kl&auml;ren, weil der Abrechnungsbescheid gegen&uuml;ber einer Anrechnungsverf&uuml;gung vorrangig ist (s. BFH-Urteile vom 28.&nbsp;April 1993 I&nbsp;R&nbsp;100\/92, BFHE 171, 397, BStBl II 1993, 836; I&nbsp;R&nbsp;123\/91, BFHE 170, 573, BStBl II 1994, 147; vom 15.&nbsp;Januar 2015 I&nbsp;R&nbsp;69\/12, BFHE 249, 99, BFH\/NV 2015, 1037).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 12.10.2015, VIII B 143\/14 Anrechnung und Erstattung von Kapitalertragsteuer im Nachlassinsolvenzverfahren Tenor Die Beschwerde des Kl&auml;gers wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts Baden-W&uuml;rttemberg vom 16. Oktober 2014&nbsp;&nbsp;6 K 1508\/11 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen. 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