{"id":6542,"date":"2012-11-30T21:51:37","date_gmt":"2012-11-30T19:51:37","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=6542"},"modified":"2012-11-30T21:51:37","modified_gmt":"2012-11-30T19:51:37","slug":"iii-b-20-10-zur-unterlassenen-beiladung-nach-par-174-abs-5-satz-2-ivm-abs-4-satz-1-ao-als-verfahrensmangel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-20-10-zur-unterlassenen-beiladung-nach-par-174-abs-5-satz-2-ivm-abs-4-satz-1-ao-als-verfahrensmangel\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;20\/10 &#8211; Zur unterlassenen Beiladung nach &sect; 174 Abs. 5 Satz 2 i.V.m. Abs. 4 Satz 1 AO als Verfahrensmangel"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 30.1.2012, III B 20\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Zur unterlassenen Beiladung nach &sect; 174 Abs. 5 Satz 2 i.V.m. Abs. 4 Satz 1 AO als Verfahrensmangel<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) bezog zun&auml;chst Kindergeld f&uuml;r ihre im August 1996 geborene Tochter J.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beklagte und Beschwerdegegnerin (Familienkasse) hob die Kindergeldfestsetzung f&uuml;r J mit Bescheid vom 12.&nbsp;Oktober 2007 gegen&uuml;ber der Kl&auml;gerin auf, weil J in den Haushalt ihrer Pflegemutter in S aufgenommen sei. Zugleich forderte sie das Kindergeld f&uuml;r den Zeitraum von September 2005 bis Juli 2007 in H&ouml;he von 3.542&nbsp;EUR zur&uuml;ck. Der Einspruch blieb erfolglos.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im anschlie&szlig;enden Klageverfahren beantragten sowohl die Kl&auml;gerin als auch die Familienkasse die Beiladung der Pflegemutter von J. In der m&uuml;ndlichen Verhandlung vom 10.&nbsp;Dezember 2009 stellte die Familienkasse den Antrag, die Klage abzuweisen, &quot;hilfsweise&quot; die Pflegemutter von J gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;174 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) beizuladen (vgl. Sitzungsprotokoll vom 10.&nbsp;Dezember 2009).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage ab. Zu der Beiladung nahm das FG weder in einem eigenen Beschluss noch in dem angefochtenen Urteil Stellung. Zur Begr&uuml;ndung der Klageabweisung f&uuml;hrte das FG im Wesentlichen aus, die Pflegemutter sei gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;64 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes in der f&uuml;r den Streitzeitraum ma&szlig;geblichen Fassung (EStG) vorrangig kindergeldberechtigt. Es bestehe ein die Kindergeldberechtigung der Kl&auml;gerin (&sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG) ausschlie&szlig;endes Pflegekindschaftsverh&auml;ltnis (&sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG). Insbesondere liege ein familien&auml;hnliches Band zu den Pflegeeltern vor, zudem habe kein Obhuts- und Pflegeverh&auml;ltnis der Kl&auml;gerin zu J mehr bestanden. Ein Fall einer Kindesentziehung liege nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision r&uuml;gt die Kl&auml;gerin die Verletzung formellen Rechts (vgl. &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;), weil das FG &#8211;auch wenn kein Fall einer notwendigen Beiladung (&sect;&nbsp;60 Abs.&nbsp;3 FGO) vorliege&#8211; es unterlassen habe, die Pflegemutter der J am Verfahren zu beteiligen. Hierdurch sei die Kl&auml;gerin beschwert, weil bei Vornahme der gebotenen Beiladung eine weitere Aufkl&auml;rung des Sachverhalts h&auml;tte erwartet werden k&ouml;nnen. Daneben versto&szlig;e das Urteil gegen materielles Recht. Das FG habe aufgrund einer unzutreffenden W&uuml;rdigung der nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) ma&szlig;geblichen Kriterien zu Unrecht angenommen, dass das Obhuts- und Pflegeverh&auml;ltnis zwischen der Kl&auml;gerin und J nicht mehr bestehe. Aber selbst wenn dieses Verh&auml;ltnis beendet gewesen sein sollte, l&auml;gen ausreichende Kontakte zwischen der Kl&auml;gerin und J vor, die ein solches Verh&auml;ltnis neu begr&uuml;ndet h&auml;tten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist jedenfalls unbegr&uuml;ndet und durch Beschluss zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Revision ist nicht wegen des von der Kl&auml;gerin ger&uuml;gten Verfahrensmangels, wonach es das FG trotz Antrags der Familienkasse unterlassen habe, die Pflegemutter der J zu dem Verfahren beizuladen, zuzulassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO ist die Revision nur zuzulassen, wenn bei einem geltend gemachten Verfahrensmangel die angefochtene Entscheidung auf dem Verfahrensmangel beruhen kann. Liegen diese Voraussetzungen vor, kann der BFH bereits in dem Beschluss das angefochtene Urteil aufheben und den Rechtsstreit zur&uuml;ckverweisen (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Ein solcher Verfahrensmangel l&auml;ge zwar vor, wenn das FG eine notwendige Beiladung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;60 Abs.&nbsp;3 FGO unterlassen und damit gegen die Grundordnung des Verfahrens versto&szlig;en h&auml;tte (z.B. BFH-Beschluss vom 17.&nbsp;Juli 2003 X&nbsp;B&nbsp;28\/03, BFH\/NV 2003, 1539). Ein Versto&szlig; gegen &sect;&nbsp;60 Abs.&nbsp;3 FGO ist aber nicht gegeben, weil die Entscheidung des FG &uuml;ber die Kindergeldberechtigung der Kl&auml;gerin nicht unmittelbar die Rechte der Pflegemutter ber&uuml;hrt (s. dazu BFH-Beschluss vom 25.&nbsp;September 2001 VI&nbsp;B&nbsp;153\/01, BFH\/NV 2002, 160).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Aber auch dann, wenn im Streitfall ein Verfahrensmangel vorl&auml;ge, weil das FG eine nach &sect;&nbsp;174 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 i.V.m. Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 AO vorgeschriebene Beiladung vers&auml;umt h&auml;tte (s. dazu BFH-Beschl&uuml;sse vom 2.&nbsp;Oktober 1998 V&nbsp;B&nbsp;79\/98, BFH\/NV 1999, 442, und in BFH\/NV 2002, 160), k&ouml;nnte die Kl&auml;gerin hiermit nicht die Zulassung der Revision erreichen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ein Verfahrensmangel ist nur dann erheblich, wenn die angefochtene Entscheidung auf ihm &quot;beruhen kann&quot;. Auch wenn hierf&uuml;r lediglich die M&ouml;glichkeit einer anderen Entscheidung bestehen muss (z.B. BFH-Urteil vom 16.&nbsp;November 1993 VIII&nbsp;R&nbsp;7\/93, BFH\/NV 1994, 891), ist im Streitfall nicht erkennbar, dass bei einer erfolgten Beiladung der Pflegemutter nach &sect;&nbsp;174 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 i.V.m. Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 AO eine f&uuml;r die Kl&auml;gerin andere Entscheidung h&auml;tte ergehen k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Sache nach geht es bei dem selbst&auml;ndigen Beiladungsgrund nach &sect;&nbsp;174 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 AO um die Anwendbarkeit einer Korrekturvorschrift und um den Rechtsschutz des Dritten. So liegt nach dem Gesamtzusammenhang der in &sect;&nbsp;174 Abs.&nbsp;4 und 5 AO getroffenen Regelung die Entscheidung, den Dritten zu dem Verfahren hinzuzuziehen oder beizuladen, allein im Ermessen der Finanzbeh&ouml;rde. Nur diese hat zu pr&uuml;fen und zu entscheiden, ob wegen eines m&ouml;glichen Verfahrenserfolges des Steuerpflichtigen oder Kindergeldberechtigten (hier der Kl&auml;gerin) rechtliche Folgen gegen&uuml;ber einem Dritten (hier der Pflegemutter) m&ouml;glich sind, dessen Beiladung deshalb veranlasst oder beantragt werden m&uuml;sste (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2002, 160). Wird die erforderliche Beteiligung des Dritten zu Unrecht unterlassen, hat dies nach &sect;&nbsp;174 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 AO lediglich zur Folge, dass gegen&uuml;ber dem Dritten keine Folgerungen aus einer Aufhebung oder &Auml;nderung des angefochtenen Kindergeldbescheides gezogen werden k&ouml;nnen. Will die Finanzbeh&ouml;rde diese Konsequenz verhindern, muss sie die unterlassene Beiladung als Verfahrensfehler r&uuml;gen (Senatsurteil vom 13.&nbsp;M&auml;rz 1997 III&nbsp;R&nbsp;300\/94, BFH\/NV 1997, 659). Danach kann zwar die angefochtene Entscheidung, soweit die Rechtsstellung der Finanzbeh&ouml;rde betroffen ist, auf einem solchen Verfahrensmangel beruhen. Die M&ouml;glichkeiten der Kl&auml;gerin, auf das Verfahrensergebnis einzuwirken, werden aber durch die unterlassene Beiladung nicht beeintr&auml;chtigt. Im &Uuml;brigen bezweckt &sect;&nbsp;174 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 i.V.m. Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 AO nicht, die Verfahrensposition der Kl&auml;gerin zu verbessern und in deren Interesse die M&ouml;glichkeiten der Sachaufkl&auml;rung zu erweitern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Soweit die Kl&auml;gerin r&uuml;gt, das FG habe gegen materielles Recht versto&szlig;en, indem es den Einzelfall unzutreffend gew&uuml;rdigt habe, wird schon kein Zulassungsgrund i.S. des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 FGO behauptet. Mit der R&uuml;ge einer vermeintlich fehlerhaften Rechtsanwendung durch das FG l&auml;sst sich die Zulassung der Revision grunds&auml;tzlich nicht erreichen (Senatsbeschluss vom 8.&nbsp;M&auml;rz 2010 III&nbsp;B&nbsp;123\/09, BFH\/NV 2010, 1288, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 30.1.2012, III B 20\/10 Zur unterlassenen Beiladung nach &sect; 174 Abs. 5 Satz 2 i.V.m. Abs. 4 Satz 1 AO als Verfahrensmangel Tatbestand 1&nbsp; I. 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