{"id":6548,"date":"2012-11-30T16:08:08","date_gmt":"2012-11-30T14:08:08","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=6548"},"modified":"2012-11-30T16:08:08","modified_gmt":"2012-11-30T14:08:08","slug":"ix-r-20-11-keine-gesonderte-feststellung-eines-verlustvortrags-nach-ablauf-der-festsetzungsfrist-fuer-die-vortragjahre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-20-11-keine-gesonderte-feststellung-eines-verlustvortrags-nach-ablauf-der-festsetzungsfrist-fuer-die-vortragjahre\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;20\/11 &#8211; Keine gesonderte Feststellung eines Verlustvortrags nach Ablauf der Festsetzungsfrist f&uuml;r die Vortragjahre"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.1.2012, IX R 20\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Keine gesonderte Feststellung eines Verlustvortrags nach Ablauf der Festsetzungsfrist f&uuml;r die Vortragjahre<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Dem Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) entstanden in den Streitjahren (1995, 1996) im Zusammenhang mit seiner Ausbildung zum Piloten Aufwendungen in H&ouml;he von 20.725 DM (1995) und 86.738 DM (1996). Diese Aufwendungen erkl&auml;rte er erstmals mit den am 5. Mai 2004 eingereichten Erkl&auml;rungen zur Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs jeweils zum 31. Dezember der Streitjahre. F&uuml;r das Jahr 1997 hatte der Kl&auml;ger fristgerecht eine Einkommensteuererkl&auml;rung abgegeben. In dem daraufhin ergangenen Einkommensteuerbescheid wurden die positiven Eink&uuml;nfte, die der Kl&auml;ger aus der nach der Ausbildung aufgenommenen T&auml;tigkeit als Pilot erzielte (4.433 DM) mit den als Werbungskosten qualifizierten weiteren Ausbildungsaufwendungen (44.078 DM) verrechnet. Der verbleibende Verlustabzug zum 31. Dezember 1997 wurde gesondert festgestellt und mit den positiven Eink&uuml;nften des Folgejahres 1998 von 61.774 DM verrechnet. Die Eink&uuml;nfte des Jahres 1999 betrugen 98.253,85 DM; es war zu keiner Einkommensteuerveranlagung gekommen, da eine Einkommensteuererkl&auml;rung zur Durchf&uuml;hrung der Antragsveranlagung nicht eingereicht wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) lehnte es ab, Verlustfeststellungen f&uuml;r die Streitjahre zu erlassen. Das Finanzgericht (FG) wies die Klage ab. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte es in seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2011, 1696 ver&ouml;ffentlichten Urteil aus: Die Feststellungsfristen f&uuml;r die Streitjahre seien ohne Hemmung abgelaufen gewesen. &sect; 181 Abs. 5 der Abgabenordnung (AO) i.d.F. der Streitjahre rechtfertige keine gesonderte Feststellung; denn es sei wegen des Prinzips des &quot;Soll-Verlustabzugs&quot; f&uuml;r die Jahre 1997 bis 1999 kein vortragsf&auml;higer Verlust mehr verblieben; denn die geltend gemachten Werbungskosten&uuml;bersch&uuml;sse seien mit positiven Eink&uuml;nften bis einschlie&szlig;lich 1999 der H&ouml;he nach vollst&auml;ndig verrechenbar gewesen. Eine Ablaufhemmung nach &sect; 171 Abs. 3 AO komme nicht in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die auf Verletzung materiellen Rechts gest&uuml;tzte Revision des Kl&auml;gers. Der Ablauf der Feststellungsfristen sei gehemmt gewesen. Der festzustellende verbleibende Verlustabzug habe bis zum vollst&auml;ndigen Verbrauch des Verlusts Bedeutung f&uuml;r die Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs k&uuml;nftiger Veranlagungszeitr&auml;ume. Die Voraussetzungen des &sect; 181 Abs. 5 AO l&auml;gen deshalb vor. Dessen Wortlaut ergebe ausdr&uuml;cklich, dass Verluste festzustellen seien, soweit sie noch eine (mittelbare) Bedeutung h&auml;tten. Gegen&uuml;ber der Steuerfestsetzung sei das Verfahren der gesonderten Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs verselbst&auml;ndigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>das angefochtene Urteil aufzuheben und das FA unter Aufhebung der Ablehnungsbescheide vom 12. Juli 2004 und der Einspruchsentscheidung von 15. Dezember 2009 zu verpflichten, den verbleibenden Verlustabzug zur Einkommensteuer auf den 31. Dezember 1995 in H&ouml;he von 20.725 DM und auf den 31. Dezember 1996 in H&ouml;he von 86.738 DM unter Erteilung des Hinweises nach &sect; 181 Abs. 5 Satz 2 AO festzustellen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und nach &sect; 126 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur&uuml;ckzuweisen. Zutreffend hat es das FG abgelehnt, verbleibende Verlustabz&uuml;ge jeweils zum 31. Dezember der Streitjahre wegen Ablaufs der Feststellungsfrist gesondert festzustellen. Der Ablehnungsbescheid des FA vom 12. Juli 2004 ist rechtm&auml;&szlig;ig und verletzt den Kl&auml;ger nicht in seinen Rechten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Da der Kl&auml;ger f&uuml;r die Streitjahre zun&auml;chst keine Steuererkl&auml;rungen abgegeben hatte, endeten die Feststellungsfristen nach &sect; 169 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2, &sect; 170 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1, &sect; 181 Abs. 1 AO f&uuml;r das Streitjahr 1995 mit Ablauf des 31. Dezember 2002 und f&uuml;r das Streitjahr 1996 mit Ablauf des 31. Dezember 2003. Eine Ablaufhemmung f&uuml;r die gesonderte Feststellung nach &sect; 10d Abs. 3 des Einkommensteuergesetzes i.d.F. der Streitjahre &#8211;EStG&#8211; (entspricht &sect; 10d Abs. 4 EStG i.d.F. ab 1999) kommt nicht in Betracht. Die Voraussetzungen der &sect; 171 Abs. 3 und &sect; 181 Abs. 1 AO liegen nicht vor, schon deshalb nicht, weil der Kl&auml;ger den Antrag auf Verlustfeststellung am 5. Mai 2004 nicht vor Ablauf der Feststellungsfristen gestellt hat. Au&szlig;erdem ist die Abgabe einer gesetzlich vorgeschriebenen Feststellungserkl&auml;rung kein Antrag i.S. von &sect; 171 Abs. 3, &sect; 181 Abs. 1 AO (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 29. Juni 2011 IX R 38\/10, BFHE 233, 326, BStBl II 2011, 963, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die jeweils am Schluss der Streitjahre verbleibenden Verlustabz&uuml;ge sind auch nicht nach Ablauf der f&uuml;r sie geltenden Feststellungsfristen nach &sect; 181 Abs. 5 AO gesondert festzustellen. Die Voraussetzungen dieser Norm sind im Streitfall nicht erf&uuml;llt. Wie der BFH in seinem Grundsatzurteil in BFHE 233, 326, BStBl II 2011, 963 entschieden hat, kann ein verbleibender Verlustabzug nach Ablauf der Feststellungsfrist nicht mehr gesondert festgestellt werden, wenn der Steuerpflichtige in den bereits festsetzungsverj&auml;hrten Veranlagungszeitr&auml;umen, in die der Verlust nach &sect; 10d Abs. 2 EStG h&auml;tte vorgetragen werden m&uuml;ssen, &uuml;ber zur Verlustkompensation ausreichende Gesamtbetr&auml;ge der Eink&uuml;nfte verf&uuml;gt hat. Zur weiteren Begr&uuml;ndung verweist der BFH &#8211;um Wiederholungen zu vermeiden&#8211; auf sein Urteil in BFHE 233, 326, BStBl II 2011, 963.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben ist die Revision zur&uuml;ckzuweisen. Eine gesonderte Feststellung des Verlustabzugs durfte nach &sect; 181 Abs. 5 Satz 1 AO nicht mehr erfolgen. Der Verlust konnte nach &sect; 10d Abs. 2 Satz 2 EStG nur in die Jahre bis einschlie&szlig;lich 1999 vorgetragen werden. In diesen Jahren stand nach den das Revisionsgericht gem&auml;&szlig; &sect; 118 Abs. 2 FGO bindenden Feststellungen des FG ein ausreichender Gesamtbetrag der Eink&uuml;nfte zur Verf&uuml;gung, um den Verlust insgesamt zu kompensieren. Deshalb sind die Veranlagungszeitr&auml;ume bis einschlie&szlig;lich 1999 diejenigen, f&uuml;r die &#8211;allein&#8211; eine gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs von Bedeutung ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r die Festsetzungen dieser Jahre &#8211;also der Veranlagungszeitr&auml;ume 1997 bis 1999&#8211; war aber jeweils bereits die Festsetzungsfrist abgelaufen, als das FA den Ablehnungsbescheid erlie&szlig;. Deshalb ist dieser Ablehnungsbescheid rechtm&auml;&szlig;ig. Denn es kommt nach &sect; 181 Abs. 5 Satz 1 AO darauf an, ob die Festsetzungsfrist im Zeitpunkt der gesonderten Feststellung noch nicht abgelaufen war. &sect; 171 Abs. 10 AO ist unanwendbar. Da &sect; 169 Abs. 1 Satz 3 AO sinngem&auml;&szlig; gilt, ist die Frist nur gewahrt, wenn vor Ablauf der Festsetzungsfrist der Feststellungsbescheid den Bereich des FA verlassen hat. Das ist hier auch in Bezug auf das Jahr 1999 nicht geschehen, da die Festsetzungsverj&auml;hrung f&uuml;r das Jahr 1999 bereits zum 31. Dezember 2003 eingetreten war (&sect; 169 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 AO). Eine Anlaufhemmung gem&auml;&szlig; &sect; 170 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AO kommt hier nicht in Betracht (vgl. BFH-Urteil vom 14. April 2011 VI R 53\/10, BFHE 233, 311, BStBl II 2011, 746).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.1.2012, IX R 20\/11 Keine gesonderte Feststellung eines Verlustvortrags nach Ablauf der Festsetzungsfrist f&uuml;r die Vortragjahre Tatbestand 1&nbsp; I. 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