{"id":6552,"date":"2012-11-30T16:09:42","date_gmt":"2012-11-30T14:09:42","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=6552"},"modified":"2012-11-30T16:09:42","modified_gmt":"2012-11-30T14:09:42","slug":"i-r-66-09-verfassungswidrigkeit-eines-sog-treaty-override-par-50d-abs-8-estg-2002-2004-anwendung-von-doppelbesteuerungsabkommen-in-deutschland-in-der-form-eines-zustimmungsgesetzes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-66-09-verfassungswidrigkeit-eines-sog-treaty-override-par-50d-abs-8-estg-2002-2004-anwendung-von-doppelbesteuerungsabkommen-in-deutschland-in-der-form-eines-zustimmungsgesetzes\/","title":{"rendered":"I&nbsp;R&nbsp;66\/09 &#8211; Verfassungswidrigkeit eines sog. Treaty override (&sect; 50d Abs. 8 EStG 2002\/2004)? &#8211; Anwendung von Doppelbesteuerungsabkommen in Deutschland in der Form eines Zustimmungsgesetzes"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Entscheidung vom 10.1.2012, I R 66\/09<\/p>\n<p class=\"titel\">Verfassungswidrigkeit eines sog. Treaty override (&sect; 50d Abs. 8 EStG 2002\/2004)? &#8211; Anwendung von Doppelbesteuerungsabkommen in Deutschland in der Form eines Zustimmungsgesetzes<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Es wird eine Entscheidung des BVerfG dar&uuml;ber eingeholt, ob &sect; 50d Abs. 8 Satz 1 EStG 2002 i.d.F. des Steuer&auml;nderungsgesetzes 2003 insoweit gegen Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 20 Abs. 3 und Art. 25 sowie Art. 3 Abs. 1 GG verst&ouml;&szlig;t, als hierdurch f&uuml;r die Eink&uuml;nfte eines unbeschr&auml;nkt Steuerpflichtigen aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit die v&ouml;lkerrechtlich in einem Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung vereinbarte Freistellung der Eink&uuml;nfte (hier: nach Art. 23 Abs. 1 Buchst. a Satz 1 i.V.m. Art. 15 Abs. 1 DBA-T&uuml;rkei 1985 i.V.m. dem dazu ergangenen Zustimmungsgesetz vom 27. November 1989) bei der Veranlagung ungeachtet des Abkommens nur gew&auml;hrt wird, soweit der Steuerpflichtige nachweist, dass der Staat, dem nach dem Abkommen das Besteuerungsrecht zusteht, auf dieses Besteuerungsrecht verzichtet hat oder dass die in diesem Staat auf die Eink&uuml;nfte festgesetzten Steuern entrichtet wurden.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>A. Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) sind im Streitjahr 2004 zusammen zur Einkommensteuer veranlagte Eheleute. Der Kl&auml;ger erzielte im Streitjahr als Techniker &#8211;und wohl auch als Gesellschafter-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer&#8211; Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger T&auml;tigkeit bei einer im Inland ans&auml;ssigen GmbH. Sein Bruttoarbeitslohn betrug insgesamt 133.276 EUR. Laut Arbeitgeberbescheinigung sind darin Eink&uuml;nfte f&uuml;r in der Republik T&uuml;rkei (T&uuml;rkei) erbrachte T&auml;tigkeiten in H&ouml;he von 93.441 EUR enthalten. In ihrer Einkommensteuererkl&auml;rung beantragten die Kl&auml;ger, den f&uuml;r die Zeit vom 8. M&auml;rz bis 31. Dezember des Streitjahres auf die T&uuml;rkei entfallenden Anteil des Arbeitslohns nach Art. 23 Abs. 1 Buchst. a Satz 1 i.V.m. Art. 15 Abs. 1 des Abkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik T&uuml;rkei zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom Verm&ouml;gen vom 16. April 1985 (BGBl II 1989, 867) &#8211;DBA-T&uuml;rkei 1985&#8211; (i.V.m. dem dazu ergangenen Zustimmungsgesetz vom 27. November 1989, BGBl II 1989, 866) steuerfrei zu belassen und nur den Differenzbetrag der Einkommensteuer zu unterwerfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da der Kl&auml;ger keinen Nachweis &uuml;ber die Steuerfreiheit oder Steuerentrichtung f&uuml;r den auf die T&auml;tigkeit in der T&uuml;rkei entfallenden Arbeitslohn erbrachte, behandelte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) den gesamten im Streitjahr erzielten Bruttoarbeitslohn unter Hinweis auf &sect; 50d Abs. 8 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes 2002 (EStG 2002) i.d.F. des Zweiten Gesetzes zur &Auml;nderung steuerlicher Vorschriften (Steuer&auml;nderungsgesetz 2003) vom 15. Dezember 2003 (BGBl I 2003, 2645) &#8211;EStG 2002 n.F.&#8211; als steuerpflichtig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die dagegen gerichtete Klage blieb erfolglos; das Finanzgericht (FG) Rheinland-Pfalz wies sie mit Urteil vom 30. Juni 2009&nbsp;&nbsp;6 K 1415\/09 (Entscheidungen der Finanzgerichte 2009, 1649) als unbegr&uuml;ndet ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ihre Revision st&uuml;tzen die Kl&auml;ger auf Verletzung materiellen Rechts. Sie beantragen, das FG-Urteil aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid 2004 dahingehend zu &auml;ndern, dass der auf die T&auml;tigkeit in der T&uuml;rkei entfallende Arbeitslohn des Kl&auml;gers in H&ouml;he von 93.441 EUR steuerfrei belassen wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>B. Die Vorlage an das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) ist gem&auml;&szlig; Art. 100 Abs. 1 Satz 1 des Grundgesetzes (GG) i.V.m. &sect; 80 Abs. 2 Satz 1 des Gesetzes &uuml;ber das Bundesverfassungsgericht geboten, weil zur &Uuml;berzeugung des Senats die Regelung des &sect; 50d Abs. 8 Satz 1 EStG 2002 n.F. gegen bindendes V&ouml;lkervertragsrecht als materielle Gestaltungsschranke verst&ouml;&szlig;t und damit der in Art. 25 GG niedergelegten Wertentscheidung des Grundgesetzes zum Vorrang der allgemeinen Regeln des V&ouml;lkerrechts zuwiderl&auml;uft, ohne dass daf&uuml;r ein tragf&auml;higer Rechtfertigungsgrund vorliegt. Dadurch werden die Kl&auml;ger in ihrem durch Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 20 Abs. 3 GG gew&auml;hrleisteten subjektiven Grundrecht auf Einhaltung der verfassungsm&auml;&szlig;igen Ordnung und damit auch des sog. Gesetzesvorbehalts verletzt. Des Weiteren erkennt der Senat aus zweierlei Gr&uuml;nden einen Versto&szlig; gegen das Gleichheitsgebot des Art. 3 Abs. 1 GG: Zum einen deswegen, weil unbeschr&auml;nkt Steuerpflichtige mit Eink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit im Ausland (hier in der T&uuml;rkei) unterschiedlich behandelt werden, je nachdem, ob sie die in &sect; 50d Abs. 8 Satz 1 EStG 2002 n.F. geforderten Nachweise erbringen; f&uuml;r eine derart unterschiedliche Behandlung besteht infolge des zwischen der Bundesrepublik Deutschland (Deutschland) und der T&uuml;rkei geschlossenen Abkommens zur Vermeidung der Doppelbesteuerung kein rechtfertigender Grund. Und zum anderen deswegen, weil Steuerpflichtige mit Eink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit gegen&uuml;ber Steuerpflichtigen mit anderen Eink&uuml;nften &#8211;ebenfalls ohne rechtfertigenden Grund&#8211; steuerlich benachteiligt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Anwendung von &sect; 50d Abs. 8 Satz 1 EStG 2002 n.F. im Streitfall<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Kl&auml;ger hatten im Streitjahr einen Wohnsitz im Inland. Sie waren hier infolgedessen mit ihrem Welteinkommen unbeschr&auml;nkt steuerpflichtig (&sect; 1 Abs. 1 EStG 2002).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das deutsche Besteuerungsrecht wurde jedoch im Hinblick auf die Eink&uuml;nfte, welche der Kl&auml;ger aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit (&sect; 19 EStG 2002) erzielt hat, insoweit ausgeschlossen, als die Arbeit in der T&uuml;rkei ausge&uuml;bt worden ist. Denn nach Art. 15 Abs. 1 DBA-T&uuml;rkei 1985 k&ouml;nnen Geh&auml;lter, L&ouml;hne und &auml;hnliche Verg&uuml;tungen, die eine in einem Vertragsstaat ans&auml;ssige Person aus unselbst&auml;ndiger Arbeit bezieht, nur in diesem Staat besteuert werden, es sei denn, dass die Arbeit im anderen Vertragsstaat ausge&uuml;bt wird. Wird die Arbeit dort ausge&uuml;bt, so k&ouml;nnen die daf&uuml;r bezogenen Verg&uuml;tungen im anderen Staat besteuert werden. Es handelt sich hierbei um Eink&uuml;nfte aus Quellen innerhalb der T&uuml;rkei, welche nach Art. 23 Abs. 1 Buchst. a Satz 1 DBA-T&uuml;rkei 1985 bei in Deutschland ans&auml;ssigen Personen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung von der Bemessungsgrundlage der deutschen Steuer ausgenommen werden; Deutschland kann solche Eink&uuml;nfte lediglich bei der Festsetzung des Steuersatzes f&uuml;r die im Inland steuerpflichtigen Eink&uuml;nfte ber&uuml;cksichtigen (vgl. &sect; 32b Abs. 1 Nr. 3 EStG 2002).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der im Streitfall in Rede stehende Arbeitslohn wurde f&uuml;r entsprechende nichtselbst&auml;ndige Arbeit geleistet, die der Kl&auml;ger in der T&uuml;rkei ausge&uuml;bt hat. Das Besteuerungsrecht an dem Lohn geb&uuml;hrt deswegen der T&uuml;rkei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Allerdings bestimmt &sect; 50d Abs. 8 Satz 1 EStG 2002 n.F., dass die Freistellung f&uuml;r Eink&uuml;nfte der genannten Art, die nach einem Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung von der Bemessungsgrundlage der deutschen Steuer auszunehmen sind, ungeachtet des Abkommens nur gew&auml;hrt wird, soweit der Steuerpflichtige nachweist, dass der Staat, dem nach dem Abkommen das Besteuerungsrecht zusteht, auf dieses Besteuerungsrecht verzichtet hat oder dass die in diesem Staat auf die Eink&uuml;nfte festgesetzten Steuern entrichtet wurden. Derartige Nachweise haben die Kl&auml;ger nach den tatrichterlichen Feststellungen, die den Senat binden (&sect; 118 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung), nicht erbracht. Es ist nicht vorgebracht worden, dass es dem Kl&auml;ger unm&ouml;glich oder f&uuml;r ihn unzumutbar gewesen w&auml;re, dem Nachweiserfordernis nachzukommen. Daf&uuml;r ist auch sonst nichts ersichtlich, zumal in Art. 25 Abs. 5 DBA-T&uuml;rkei 1985 (i.V.m. Nrn. 1 bis 3 des dazu ergangenen Notenwechsels) f&uuml;r Staatsangeh&ouml;rige eines der beiden Vertragsstaaten, die im anderen Vertragsstaat eine unselbst&auml;ndige Arbeit aus&uuml;ben, in besonderer Weise eine wechselseitige Hilfestellung bei der Regelung ihrer Steuerangelegenheiten vorgesehen ist. Das Besteuerungsrecht f&uuml;r den Arbeitslohn f&auml;llt infolgedessen nach Ma&szlig;gabe von &sect; 50d Abs. 8 Satz 1 EStG 2002 n.F. an Deutschland zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Verfassungsrechtliche Beurteilung<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf der Grundlage der vorstehenden Regelungslage m&uuml;sste der erkennende Senat, die Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit des &sect; 50d Abs. 8 Satz 1 EStG 2002 n.F. unterstellt, die Revision zur&uuml;ckweisen. Der Senat ist jedoch der &Uuml;berzeugung, dass die Vorschrift gegen V&ouml;lkervertragsrecht verst&ouml;&szlig;t, dass f&uuml;r diesen Versto&szlig; keine tragf&auml;higen Gr&uuml;nde bestehen und dass die Kl&auml;ger infolgedessen in ihrem subjektiven Grundrecht auf die Einhaltung der verfassungsm&auml;&szlig;igen Ordnung verletzt sind. Er ist &uuml;berdies davon &uuml;berzeugt, dass die Vorschrift dem Gleichheitsgebot des Art. 3 Abs. 1 GG widerspricht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die in &sect; 50d Abs. 8 EStG 2002 n.F. getroffene Regelung weicht von Art. 15 Abs. 1 DBA-T&uuml;rkei 1985 und der darin v&ouml;lkerrechtlich zwischen beiden Staaten vereinbarten Verteilung und Zuordnung des Besteuerungsrechts ab. Sie bricht damit diese Vereinbarung und verst&ouml;&szlig;t gegen den Grundsatz des pacta sunt servanda, der gewohnheitsrechtlich zu den allgemeinen Regeln des V&ouml;lkerrechts geh&ouml;rt und der insoweit in Art. 26 und Art. 27 des Wiener &Uuml;bereinkommens vom 23. Mai 1969 &uuml;ber das Recht der Vertr&auml;ge (BGBl II 1985, 927) kodifiziert ist. Allerdings verwandelt der Grundsatz &quot;pacta sunt servanda&quot; die einzelnen Normen v&ouml;lkerrechtlicher Vertr&auml;ge nicht ihrerseits ebenfalls in allgemeine Regeln des V&ouml;lkerrechts mit Vorrang vor innerstaatlichem Recht (vgl. BVerfG-Entscheidung vom 9. Juni 1971&nbsp;&nbsp;2 BvR 225\/69, BVerfGE 31, 145 &quot;Milchpulver&quot;, unter Hinweis auf BVerfG-Urteil vom 26. M&auml;rz 1957&nbsp;&nbsp;2 BvG 1\/55, BVerfGE 6, 309 (363) &quot;Reichskonkordat&quot;). Vielmehr werden Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung und damit hier auch das DBA-T&uuml;rkei 1985 in Deutschland nicht unmittelbar, sondern nach Ma&szlig;gabe von Art. 59 Abs. 2 GG nur mittelbar in der Form des Zustimmungsgesetzes vom 27. November 1989 (BGBl II 1989, 866) angewendet. Das (f&ouml;rmliche) Zustimmungsgesetz &#8211;sei es als sog. Transformationsakt, sei es als sog. Vollzugsbefehl (&quot;Rechtsanwendungsbefehl&quot;, so BVerfG, z.B. Beschluss vom 14. Oktober 2004&nbsp;&nbsp;2 BvR 1481\/04, BVerfGE 111, 307 &quot;G&ouml;rg&uuml;l&uuml;&quot;; Urteile vom 3. Juli 2007&nbsp;&nbsp;2 BvE 2\/07, BVerfGE 118, 244 &quot;ISAF-Mandat&quot;; vom 4. Mai 2011&nbsp;&nbsp;2 BvR 2333\/08, 2 BvR 2365\/09, 2 BvR 571\/10, 2 BvR 740\/10, 2 BvR 1152\/10, BVerfGE 128, 326 &quot;Sicherungsverwahrung I und II&quot;; vgl. umfassend und zum Diskussionsstand Rauschning in Bonner Kommentar zum Grundgesetz, Stand Dezember 2009, Art. 59 Rz 137 ff., 144 f., m.w.N.)&#8211; ist ein einseitiger Akt des deutschen Gesetzgebers. Das Abkommen erh&auml;lt dadurch innerstaatlich den Rang eines einfachen Bundesgesetzes, das infolge der normhierarchischen Gleichrangigkeit mit Vorbehalten versehen, aufgehoben oder ge&auml;ndert werden kann. Ob durch einen Vorbehalt bzw. durch die Aufhebung oder &Auml;nderung V&ouml;lkerrecht verletzt w&uuml;rde, ist eine andere Frage, die die formale Wirksamkeit des Vorbehaltes bzw. der Aufhebung oder &Auml;nderung nicht ber&uuml;hrt. Aus &sect; 2 (nunmehr &sect; 2 Abs. 1) der Abgabenordnung ergibt sich nichts anderes, weil die Vorschrift nicht den Fall betrifft, dass der Gesetzgeber &#8211;wie in &sect; 50d Abs. 8 EStG 2002 n.F. geschehen&#8211; ausdr&uuml;cklich eine vom Zustimmungsgesetz abweichende Regelung trifft; es gilt dann vielmehr der Grundsatz des lex posterior derogat legi priori. Art. 25 GG ist insoweit nicht angesprochen, weil Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung nicht zu den allgemeinen Regeln des V&ouml;lkerrechts geh&ouml;ren und auch nicht unter Art. 79 Abs. 1 GG fallen, weshalb die Einf&uuml;gung des &sect; 50d Abs. 8 EStG 2002 n.F. kein den Art. 25 GG im Einzelfall mit der qualifizierten Mehrheit des Art. 79 Abs. 2 GG &auml;nderndes Gesetz voraussetzt. Schlie&szlig;lich gilt im Bereich des Art. 59 Abs. 2 GG kein &quot;Alles-oder-nichts-Prinzip&quot;. Der innerstaatliche Gesetzgeber ist im Prinzip frei darin, im Zustimmungsgesetz Vorbehalte gegen&uuml;ber der Anwendung bestimmter Abkommensvorschriften zu verankern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Wegen dieser Ausgangslage entspricht es herk&ouml;mmlicherweise bis heute der wohl &uuml;berwiegenden Rechtsauffassung im Schrifttum, dass der unilaterale &quot;Bruch&quot; des v&ouml;lkervertragsrechtlich Vereinbarten &#8211;das sog. Treaty overriding&#8211; zwar aus rechtspolitischer Sicht unerfreulich, dass darin aber kein verfassungsrelevanter Vorgang zu sehen ist (so z.B. Bron, Internationales Steuerrecht &#8211;IStR&#8211; 2007, 431; Musil, Recht der Internationalen Wirtschaft &#8211;RIW&#8211; 2006, 287; derselbe, Finanz-Rundschau &#8211;FR&#8211; 2012, 149, 151; Stein, IStR 2006, 505; Hahn, IStR 2011, 863; Frotscher, Steuerberater-Jahrbuch &#8211;StJB&#8211; 2009\/2010, S. 151; derselbe in Spindler\/Tipke\/R&ouml;dder [Hrsg.], Steuerzentrierte Rechtsberatung, Festschrift f&uuml;r Harald Schaumburg, 2009, S. 687; derselbe, IStR 2009, 866; Jansen\/Weidmann, IStR 2010, 596; Brombach-Kr&uuml;ger, Die Unternehmensbesteuerung &#8211;Ubg&#8211; 2008, 324; Lehner\/Waldhoff in Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect; 1 Rz A 516a; Heger, Steuer und Wirtschaft International &#8211;SWI&#8211; 2011, 95; Karla, Steueranwaltsmagazin &#8211;SAM&#8211; 2011, 181; Mitschke, Deutsches Steuerrecht &#8211;DStR&#8211; 2011, 2221; Wichmann, FR 2011, 1082). Dem hat sich der erkennende Senat in seiner bisherigen Spruchpraxis angeschlossen (vgl. z.B. Urteil vom 13. Juli 1994 I R 120\/93, BFHE 175, 351, BStBl II 1995, 129, dort m.w.N. zur &auml;lteren Literatur; Beschluss vom 17. Mai 1995 I B 183\/94, BFHE 178, 59, BStBl II 1995, 781).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Der Senat m&ouml;chte an dieser Spruchpraxis nicht festhalten. Er ist zu der &Uuml;berzeugung gelangt, dass die bislang vertretene Einsch&auml;tzung den verfassungsrechtlichen Vorgaben und Anforderungen nicht gerecht wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Grund daf&uuml;r gibt ihm die urspr&uuml;nglich vor allem von Vogel angefachte (z.B. in Cagianut\/Vallender [Hrsg.], Steuerrecht, Ausgew&auml;hlte Probleme am Ende des 20. Jahrhunderts, Festschrift f&uuml;r Ernst H&ouml;hn, 1995, S. 461 ff.; in Juristen-Zeitung 1997, 161; in Blankenagel\/Pernice\/Schulze-Fielitz [Hrsg.], Verfassung im Diskurs der Welt, Festschrift f&uuml;r Peter H&auml;berle, 2004, S. 481 ff.; in IStR 2005, 29, und in Vogel\/Lehner, DBA, 5. Aufl., Einl. Rz 193 ff., 205) und in den letzten Jahren wieder aufgeflammte intensive Diskussion (z.B. Rust\/Reimer, IStR 2005, 843; Jankowiak, Doppelte Nichtbesteuerung im Internationalen Steuerrecht, 2009, S. 219 ff. und passim; Bron, IStR 2007, 431; Musil, RIW 2006, 287; derselbe, FR 2012, 149, 151; Stein, IStR 2006, 505; Hahn, IStR 2011, 863; Kempf\/Bandl, Der Betrieb &#8211;DB&#8211; 2007, 1377; Rust, Die Hinzurechnungsbesteuerung, 2007, S. 108 ff.; Gosch, IStR 2008, 413; derselbe in Kirchhof, EStG, 11. Aufl., &sect; 50d Rz 25; Frotscher, StJB 2009\/2010, S. 151; derselbe in Festschrift Schaumburg, a.a.O., S. 687; derselbe, IStR 2009, 593 sowie 866; Schaumburg, Internationales Steuerrecht, 3. Aufl., Rz 3.24 ff.; Jansen\/ Weidmann, IStR 2010, 596; Brombach-Kr&uuml;ger, Ubg 2008, 324; Heger, SWI 2011, 95; Karla, SAM 2011, 181; Mitschke, DStR 2011, 2221; Wichmann, FR 2011, 1082; Lehner, FR 2011, 1087; derselbe, IStR 2011, 733; Dr&uuml;en in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect; 2 AO Rz 5a; Wassermeyer\/ Sch&ouml;nfeld in Flick\/Wassermeyer\/Baumhoff\/Sch&ouml;nfeld, Au&szlig;ensteuerrecht, &sect; 20 AStG Rz 41 ff.; L&uuml;dicke [Hrsg.], &Uuml;berlegungen zur deutschen DBA-Politik, 2008, S. 34 ff., 87 ff. und passim; M. Lang in Lehner [Hrsg.], Reden zum Andenken an Klaus Vogel, 2010, S. 59; Rauschning in Bonner Kommentar zum Grundgesetz, a.a.O., Art. 59 Rz 137 ff., 143), welche ihrerseits an die zwischenzeitliche Entwicklung der Rechtsprechung des BVerfG ankn&uuml;pft. Diese Rechtsprechung wird markiert durch die Beschl&uuml;sse in BVerfGE 111, 307 (319) &#8211;den sog. G&ouml;rg&uuml;l&uuml;-Beschluss&#8211; sowie vom 26. Oktober 2004 2 BvR 955\/00, 2 BvR 1038\/01 (BVerfGE 112, 1) &#8211;den sog. Alteigent&uuml;mer-Beschluss&#8211; sowie &#8211;nachfolgend darauf aufbauend&#8211; das Urteil in BVerfGE 128, 326 in Sachen &quot;Sicherungsverwahrung I und II&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das BVerfG best&auml;tigt in diesen Entscheidungen die aus dem Rechtsstaatsprinzip abzuleitende Verpflichtung aller staatlichen Organe zur Beachtung der Europ&auml;ischen Menschenrechts-Konvention, die kraft Zustimmung gem&auml;&szlig; Art. 59 Abs. 2 GG &#8211;nicht anders als ein Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung (hier das DBA-T&uuml;rkei 1985)&#8211; in den Rang eines innerstaatlichen Bundesgesetzes &uuml;berf&uuml;hrt worden ist (vgl. z.B. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 111, 307, 316 f.; Urteil in BVerfGE 128, 326). Es &auml;u&szlig;ert sich dahin, &quot;dass der Gesetzgeber von Verfassungs wegen gehalten ist, V&ouml;lkervertragsrecht zu beachten, wenn nicht ausnahmsweise die Voraussetzungen vorliegen, von denen das BVerfG die Zul&auml;ssigkeit der Abweichung vom V&ouml;lkervertragsrecht abh&auml;ngig macht&quot;. Darauf aufbauend ergibt sich aus Sicht des BVerfG in dem sog. Alteigent&uuml;mer-Beschluss die Verpflichtung aller Staatsorgane, &quot;die die Bundesrepublik Deutschland bindenden V&ouml;lkerrechtsnormen zu befolgen und Verletzungen nach M&ouml;glichkeit zu unterlassen&quot;. Aus diesen Erkenntnissen ist &#8211;aus Sicht des erkennenden Senats zu Recht&#8211; der Umkehrschluss gezogen worden: Der Gesetzgeber wird von Verfassungs wegen (und damit basierend auf dem Rechtsstaatsgebot des Art. 20 Abs. 3 GG) in die Pflicht genommen, V&ouml;lkervertragsrecht zu beachten. Die prinzipielle V&ouml;lkerrechtsfreundlichkeit des Grundgesetzes ist vorrangig. Sie nimmt dem Gesetzgeber &#8211;in Abkehr von der bisherigen (und fr&uuml;her auch vom BVerfG vertretenen, s. sub B.II.1.) Sichtweise&#8211; &quot;die Verf&uuml;gungsmacht &uuml;ber den Rechtsbestand&quot; (so &#8211;mit allerdings noch anderem Ergebnis&#8211; BVerfG-Urteil in BVerfGE 6, 309 (363)) und wirkt f&uuml;r den Gesetzgeber unbeschadet dessen demokratisch-legitimierten Rechtssetzungsbefugnissen als unmittelbar bindendes Gebot wie als materiell-rechtliche &quot;Sperre&quot;. Ausnahmen bed&uuml;rfen einer besonderen Rechtfertigung. Die Voraussetzungen daf&uuml;r sind eng; im sog. Alteigent&uuml;mer-Beschluss wird dies pr&auml;zisiert: Rechtfertigungsgr&uuml;nde sind die Beachtung der Menschenw&uuml;rde, die Beachtung der Grundrechte. Das BVerfG verschiebt damit nicht die Rangfolge zwischen Zustimmungs- und speziellem Steuergesetz; es formt und bestimmt jedoch die inhaltlichen, die materiellen Ma&szlig;st&auml;be f&uuml;r das, was an Spezielle(re)m zul&auml;ssig ist und weist methodisch den Weg zu einer Erforderlichkeitspr&uuml;fung. Als &quot;in diesem Sinne rechtsstaatlich kann Art. 59 Abs. 2 GG daher nur dergestalt gedeutet werden, dass der Gesetzgeber&quot; mit der Umsetzung &quot;&uuml;ber seine Gesetzgebungskompetenzen verf&uuml;gt und dadurch seine ungebundene Normsetzungsautorit&auml;t in dem Ma&szlig;e, das der v&ouml;lkerrechtliche Vertrag vorgibt, einb&uuml;&szlig;t&quot;. Ein Bruch des V&ouml;lkervertragsrechts ist ausnahmsweise innerstaatlich bindend, &quot;sofern nur auf diese Weise ein Versto&szlig; gegen tragende Grunds&auml;tze der Verfassung abzuwenden ist&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Damit weist das BVerfG den methodischen Weg zur Anwendung des Erforderlichkeitsgrundsatzes auch f&uuml;r ein Treaty override: Es kommt f&uuml;r den Ausgleich der widerstreitenden Verfassungsprinzipien von Rechtsstaat und Demokratie darauf an, ob dem Gesetzgeber gegen&uuml;ber dem Vertragsbruch ein gleich sicheres, aber milderes Mittel zu Gebote steht (so Rust, a.a.O., S. 108 ff.; im Ergebnis ebenso z.B. Rust\/Reimer, IStR 2005, 843; Jankowiak, a.a.O., S. 219 ff. und passim; Gosch, IStR 2008, 413; derselbe in Kirchhof, a.a.O., &sect; 50d Rz 25; Schaumburg, a.a.O., Rz 3.24 ff.; Kempf\/Bandl, DB 2007, 1377; Wassermeyer\/Sch&ouml;nfeld in Flick\/Wassermeyer\/Baumhoff\/ Sch&ouml;nfeld, a.a.O., &sect; 20 AStG Rz 41 ff.; Rauschning in Bonner Kommentar zum Grundgesetz, a.a.O., Art. 59 Rz 137 ff., 143).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Senat macht sich diese &Uuml;berlegungen zu eigen. Er erkennt in &sect; 50d Abs. 8 EStG 2002 n.F. einen V&ouml;lkerrechtsversto&szlig;, der sich nicht nur im Sinne einer m&ouml;glichen v&ouml;lkerrechtsfreundlichen Normauslegung auswirkt, sondern der in dem prinzipiellen Vorrang des Abkommens begr&uuml;ndet ist und der aus verfassungsrechtlicher Sicht die Nichtigkeit der &quot;abkommens&uuml;berschreibenden&quot; unilateralen Vorschrift nach sich zieht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Bei &sect; 50d Abs. 8 EStG 2002 n.F. handelt es sich um ein Treaty override: V&ouml;lkerrechtlich haben Deutschland und die T&uuml;rkei sich f&uuml;r Arbeitseink&uuml;nfte auf das Quellenprinzip und auf die Freistellungsmethode verst&auml;ndigt, und Arbeitseink&uuml;nfte k&ouml;nnen unter den im Streitfall festgestellten Gegebenheiten im T&auml;tigkeitsstaat besteuert werden. Das ist hier die T&uuml;rkei. Die beschriebene Freistellung ist vorbehaltlos und unbedingt vereinbart und ebenso vorbehaltlos und unbedingt kraft Zustimmung in nationales Recht &uuml;berf&uuml;hrt worden. Es fehlt sowohl an einer abkommenseigenen R&uuml;ckfallklausel &#8211;einer sog. subject to tax-Klausel&#8211; zugunsten des Ans&auml;ssigkeitsstaats als auch an einem Nachweisvorbehalt &uuml;ber die Besteuerung im anderen Vertragsstaat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Deutschland hat sich damit aufgrund eines v&ouml;lkerrechtlichen Vertrages seines Besteuerungsrechts begeben, und es nimmt als Ans&auml;ssigkeitsstaat insofern auch in Kauf, dass &quot;seine&quot; B&uuml;rger, wenn sie als Arbeitnehmer in dem anderen Vertragsstaat t&auml;tig sind, anders, ggf. auch g&uuml;nstiger, besteuert werden als ein Steuerpflichtiger, der einer vergleichbaren Arbeit im Inland nachgeht. Die Gleichbehandlung mit Jenem wird suspendiert. Die Steuerfreistellung sichert die Vermeidung der doppelten Besteuerung auf Basis der &quot;Virtualit&auml;t&quot;, nicht der konkreten Besteuerungslage. Die Abwehr der &quot;virtuellen&quot; Doppelbesteuerung repr&auml;sentiert gerade das tragende Prinzip der Freistellung. Dementsprechend erfordert die in Art. 23 Abs. 1 Buchst. a Satz 1 i.V.m. Art. 15 Abs. 1 DBA-T&uuml;rkei 1985 zwischenstaatlich verabredete Freistellung von Arbeitslohn f&uuml;r eine T&auml;tigkeit, die eine in Deutschland ans&auml;ssige Person in der T&uuml;rkei leistet, keine Ausnahme f&uuml;r den Fall, dass die T&uuml;rkei auf das ihr zustehende Besteuerungsrecht nicht nachweislich verzichtet hat, oder f&uuml;r den Fall, dass die Ertragsteuer, die auf den Arbeitslohn entf&auml;llt, in der T&uuml;rkei nicht nachweislich entrichtet worden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Prinzip der nur virtuellen Doppelbesteuerung baut dem Gedanken nach allerdings darauf auf, dass der andere Vertragsstaat sein ihm zustehendes Besteuerungsrecht &uuml;berhaupt kennt und von der M&ouml;glichkeit der konkreten Besteuerung wei&szlig;. Um das zu erreichen oder immerhin dazu beizutragen, sieht Art. 26 DBA-T&uuml;rkei 1985 den Informationsaustausch zwischen den Vertragsstaaten vor: Die zust&auml;ndigen Beh&ouml;rden der Vertragsstaaten tauschen die Informationen aus, die zur Durchf&uuml;hrung dieses Abkommens und des innerstaatlichen Rechts der Vertragsstaaten betreffend die unter das Abkommen fallenden Steuern erforderlich sind. Indem es die Freistellung von Nachweisen &uuml;ber die Besteuerung in der T&uuml;rkei abh&auml;ngig macht und solche dem Steuerpflichtigen auferlegt, setzt Deutschland sich &uuml;ber dieses &quot;stimmige&quot; Konzept in Gestalt des &sect; 50d Abs. 8 EStG 2002 n.F. einseitig hinweg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Eine Rechtfertigung f&uuml;r den V&ouml;lkerrechtsversto&szlig; erkennt der vorlegende Senat nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aaa) Zwar liegt es auf der Hand, dass die abkommensrechtlich vereinbarte &quot;virtuelle&quot; Freistellung der Auslandseink&uuml;nfte steuerliche Vorteile mit sich bringen kann, wenn diese Eink&uuml;nfte im Ausland &#8211;aus welchen Gr&uuml;nden auch immer&#8211; unbesteuert bleiben. Das Treaty override bewirkt, dass dem Steuerpflichtigen dieser Vorteil wieder genommen wird. Zugleich wird er damit im Ergebnis mit anderen Steuerpflichtigen gleichbehandelt, welche entsprechende Arbeitseink&uuml;nfte im Inland beziehen, mit diesen Eink&uuml;nften im Rahmen ihres sog. Welteinkommens aber besteuert werden. &sect; 50d Abs. 8 EStG 2002 n.F. orientiert sich so gesehen an dem in Art. 3 Abs. 1 GG wurzelnden Leistungsf&auml;higkeitsprinzip, verhindert eine sog. Keinmalbesteuerung und stellt eine gleichheitsgerechte Besteuerung (wieder) her (s. denn auch Frotscher in Festschrift Schaumburg, a.a.O., S. 687 ff., 707). Im Ergebnis &auml;hnlich argumentiert auch der Gerichtshof der Europ&auml;ischen Gemeinschaften (jetzt Gerichtshof der Europ&auml;ischen Union) &#8211;EuGH&#8211;, wenn er (in seinem Urteil vom 6. Dezember 2007 C-298\/05, Slg. 2007, I-10451 &quot;Columbus Container Services&quot;) die durch ein Treaty override (dort: &sect; 20 Abs. 2 des Gesetzes &uuml;ber die Besteuerung bei Auslandsbeziehungen &#8211;Au&szlig;ensteuergesetz&#8211;) herbeigef&uuml;hrte Gleichbehandlung von sog. Inbound- und Outbound-Engagements unbeschr&auml;nkt Steuerpflichtiger hervorhebt und das Treaty override gerade deswegen gemessen an den unionsrechtlichen Grundfreiheiten als nicht diskriminierend ansieht (Tz. 38 ff. des Urteils). Diese Einsch&auml;tzung beruht allerdings nicht auf der verfassungs-, sondern auf der unionsrechtlichen Sicht, welche einem nur eingeschr&auml;nkten Pr&uuml;fungsma&szlig;stab unterliegt; der EuGH darf n&auml;mlich das Verh&auml;ltnis zwischen einer nationalen Ma&szlig;nahme und einem Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung nicht pr&uuml;fen, da diese Frage nicht zur Auslegung des Gemeinschaftsrechts geh&ouml;rt, vielmehr allein dem innerstaatlichen Recht &uuml;berantwortet ist (Tz. 46 f. des Urteils). Die abkommensrechtliche Freistellung wird sonach ausgeblendet und nicht in die Vergleichsbetrachtung einbezogen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Aus Verfassungssicht verh&auml;lt es sich jedoch anders. Hier darf nicht au&szlig;er Acht gelassen werden, dass ausschlie&szlig;lich im Inland t&auml;tige Steuerpflichtige in einem anderen Regelungszusammenhang agieren. Gleiches gilt f&uuml;r Steuerpflichtige, welche zwar im Ausland agieren, jedoch in einem Staat, mit dem Deutschland sich abkommensrechtlich auf die sog. Anrechnungsmethode verst&auml;ndigt hat. Solchen Steuerpflichtigen steht keine Steuerfreistellung zu. Richtigerweise muss deswegen auch die ma&szlig;gebende Vergleichsgruppe eine andere sein: Derjenige Steuerpflichtige, der unter den Voraussetzungen der abkommensrechtlich vereinbarten Freistellungsmethode auf Basis der sog. virtuellen Doppelbesteuerung im Ausland (hier in der T&uuml;rkei) arbeitet, muss &#8211;und das nur&#8211; mit ebensolchen Personen verglichen werden. Mit Steuerpflichtigen, die ausschlie&szlig;lich &uuml;ber entsprechende Inlandsbeziehungen verf&uuml;gen oder die mit ihren Auslandseink&uuml;nften unter Anrechnung einer ausl&auml;ndischen Steuer im Inland besteuert werden, sind Steuerpflichtige mit einschl&auml;gigen, freigestellten Auslandseink&uuml;nften so gesehen bereits im Ausgangspunkt ebenso wenig vergleichbar, wie dies beschr&auml;nkt und unbeschr&auml;nkt Steuerpflichtige sind (vgl. BVerfG, Beschluss vom 12. Oktober 1976&nbsp;&nbsp;1 BvR 2328\/73, BVerfGE 43, 1, BStBl II 1977, 190; s. auch Beschl&uuml;sse vom 24. Februar 1989&nbsp;&nbsp;1 BvR 519\/87, Die Information &uuml;ber Steuer und Wirtschaft 1990, 359; vom 9. Februar 2010&nbsp;&nbsp;2 BvR 1178\/07, IStR 2010, 327). Es ist hier wie dort allein sachgerecht, die inl&auml;ndische (Gesamt-)Leistungsf&auml;higkeit von der ausl&auml;ndischen (Teil-)Leistungsf&auml;higkeit zu trennen und beide Leistungsf&auml;higkeiten im jeweiligen Kontext einerseits mit dem Welteinkommensprinzip, andererseits mit dem Territorialit&auml;tsprinzip und als deren Konkretisierung und Ausformung zu erkennen (zutreffend Jankowiak, a.a.O., S. 100 ff., m.w.N.). Dass vor diesem Hintergrund dann der eine der solcherart identifizierten Steuerpflichtigen mit Auslandseink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit den von &sect; 50d Abs. 8 EStG 2002 n.F. eingeforderten Nachweis erbringt, der andere aber nicht, kann daran nichts &auml;ndern. Insbesondere erzwingt dieser Umstand der Nachweiserbringung vor dem Hintergrund des vertraglich Vereinbarten nicht eine Ungleichbehandlung jener Personen. Sichtbar wird das nicht zuletzt, wenn der Steuerpflichtige den Nachweis &uuml;ber den Besteuerungsverzicht des anderen Staates erbringt oder wenn ihm der Besteuerungsnachweis gelingt, er in dem anderen Vertragsstaat jedoch mit seinen dortigen Eink&uuml;nften einer niedrigen Steuerlast (&quot;Dumpingsteuer&quot;) von 5 v.H. oder auch nur 1 v.H. unterworfen wird. Auch dann scheidet er insoweit aus der deutschen Besteuerung aus; das Gesetz verlangt keineswegs einen Besteuerungszwang des anderen Staates oder einen einheitlichen Steuersatz auf Basis des deutschen Steuertarifs. Die drohende &quot;Keinmalsteuer&quot; in Gestalt eines Besteuerungsvoll- oder -teilverzichts wird also nicht nur aus Sicht des Abkommensrechts und des bilateralen Abkommens, sondern auch aus Sicht des unilateralen Treaty override durchaus hingenommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bbb) Allerdings geht es dem Gesetzgeber ausweislich der parlamentarischen Bekundungen auch nicht &#8211;jedenfalls nicht in erster Linie&#8211; darum, die &quot;Keinmalsteuer&quot; zu verhindern. Vielmehr scheint im Vordergrund die (ggf. mangelnde) Steuerehrlichkeit des betreffenden Steuerpflichtigen zu stehen. So hei&szlig;t es in der einschl&auml;gigen Passage der Bundestags-Drucksache zum Steuer&auml;nderungsgesetz 2003 (BTDrucks 15\/1562, S. 39 f.; ebenso BRDrucks 630\/03, S. 66) zu &sect; 50d EStG 2002 n.F.: &quot;Damit soll verhindert werden, dass die Eink&uuml;nfte nicht besteuert werden, weil der Steuerpflichtige die Eink&uuml;nfte im T&auml;tigkeitsstaat pflichtwidrig nicht erkl&auml;rt und dieser Staat deshalb h&auml;ufig seinen Steueranspruch nicht mehr durchsetzen kann, wenn er von dem Sachverhalt erf&auml;hrt, z.B. weil dann keine Vollstreckungsm&ouml;glichkeiten gegen den Steuerpflichtigen mehr bestehen&quot; und: &quot;Dadurch wird sichergestellt, dass das Besteuerungsrecht des T&auml;tigkeitsstaats gesch&uuml;tzt ist und die Gefahr einer sonst eintretenden Doppelbesteuerung [sic!] vermieden wird.&quot; Letzten Endes macht Deutschland sich eine gewisse &quot;F&uuml;rsorge&quot; um das Besteuerungsaufkommen des anderen Vertragsstaates zur Aufgabe. Diese altruistisch anmutende Regelungsintention wird dann jedoch nicht stringent und folgerichtig umgesetzt. Denn wenn Deutschland sich zum &quot;Steuervollstrecker&quot; des anderen Staates machen wollte, dann w&auml;re das nur glaubhaft, wenn die Steuer dann auch tats&auml;chlich &#8211;sei es konkret, sei es im Rahmen eines zwischenstaatlichen Fiskalausgleichs&#8211; an diesen Staat weitergereicht w&uuml;rde. Das ist indessen nicht der Fall. Stattdessen profitiert Deutschland als Ans&auml;ssigkeitsstaat von dem (unterstellten) Fehlverhalten des Steuerpflichtigen im Quellenstaat, was annehmen l&auml;sst, dass der deutsche Gesetzgeber bei Schaffung des &sect; 50d Abs. 8 EStG 2002 n.F. eher von fiskalischen &Uuml;berlegungen geleitet gewesen sein d&uuml;rfte (Jankowiak, a.a.O., S. 93 ff., 97 f., 100 ff., 105 f., 226; s. auch Senatsurteil vom 31. Juli 1974 I R 27\/73, BFHE 113, 437, BStBl II 1975, 61). Ohnehin ist in der qua Besteuerungsr&uuml;ckfall zu ahndenden &quot;Steuerunehrlichkeit&quot; des betreffenden Steuerpflichtigen auch kein rechtfertigender Grund f&uuml;r die Durchbrechung der Freistellungsmethode erkennbar; Art. 26 DBA-T&uuml;rkei 1985 sichert in hinreichendem Ma&szlig;e, dass der andere Vertragsstaat die notwendigen Informationen erh&auml;lt, um seinen Besteuerungsanspruch auch durchsetzen zu k&ouml;nnen. Und schlie&szlig;lich sind solche &Uuml;berlegungen von vornherein samt und sonders nicht einschl&auml;gig, wenn der andere Vertragsstaat, also der Quellenstaat, im Sinne der zweiten tatbestandlichen Nachweisalternative des &sect; 50d Abs. 8 Satz 1 EStG 2002 n.F. auf die Wahrnehmung des ihm abkommensrechtlich zugewiesenen Besteuerungsrechts verzichtet; es ist ebenso wenig wie bei steuerlichem Fehlverhalten des Steuerpflichtigen nachzuvollziehen, weshalb Deutschland unbeschadet der vereinbarten Steuerfreistellung von einer derartigen &quot;Steuerwohltat&quot; des anderen Staates &#8211;aus welchen Gr&uuml;nden auch immer diese erfolgt&#8211; irgendeinen fiskalischen Vorteil ziehen sollte. Die verabredete Freistellung zur Vermeidung einer &quot;virtuellen&quot; Doppelbesteuerung ist unabh&auml;ngig davon, ob der Besteuerungsverzicht im anderen Vertragsstaat &quot;freiwillig&quot; auf Basis einer bewussten Entscheidung oder aber &quot;unfreiwillig&quot; wegen mangelnder Informationen beim Steuervollzug erfolgt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>ccc) Unabh&auml;ngig davon teilt der Senat nicht die gelegentlich vertretene Rechtsauffassung, die andernfalls drohende sog. Keinmalbesteuerung rechtfertige per se die Durchbrechung des abkommensrechtlich Vereinbarten (so aber z.B. Mitschke, DStR 2011, 2221). Die Vermeidung der Keinmalsteuer ist nicht das prim&auml;re Ziel von Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung, sie kann immer nur ein damit verbundener, allenfalls erw&uuml;nschter Nebenzweck sein (s. jetzt auch die von der EU-Kommission eingeleitete &ouml;ffentliche Konsultation zur doppelten Nichtbesteuerung von grenz&uuml;berschreitend t&auml;tigen Unternehmen, abrufbar unter: www.ec.europa.eu\/taxation_customs\/common\/ consultations\/tax\/index_de.htm). Verst&auml;ndigen sich zwei Vertragsstaaten auf die sog. Freistellungsmethode, dann geschieht das stets und vorbehaltlich besonderer, im Abkommen vereinbarter sog. R&uuml;ckfallklauseln vor dem Hintergrund einer &quot;Kann-Besteuerung&quot; in dem anderen Vertragsstaat. Ma&szlig;stab des Vereinbarten ist bei der Freistellungsmethode immer die Gefahr der virtuellen, nicht indessen der tats&auml;chlichen Doppelbesteuerung. Gerade darin liegen im Ergebnis die Vorteile dieser Methode: Die Vertragsstaaten sollen nicht auf die Regelungslage und Besteuerungspraxis des anderen Staates oder deren Kenntnis angewiesen sein (vgl. z.B. Jankowiak, a.a.O., S. 74 ff.; L&uuml;dicke, a.a.O., S. 87 ff., 93 f.; Wassermeyer\/Sch&ouml;nfeld in Flick\/Wassermeyer\/Baumhoff\/Sch&ouml;nfeld, a.a.O., &sect; 20 AStG Rz 41 ff.; Lehner, IStR 2011, 733, 735 f., jeweils m.w.N.; s. auch Senatsurteil vom 24. August 2011 I R 46\/10, BFHE 234, 339, unter II.3. der Entscheidungsgr&uuml;nde). Ist die m&ouml;gliche &quot;Keinmalbesteuerung&quot; damit aber f&uuml;r die Freistellungsmethode in gewisser Weise kennzeichnend, w&auml;re es systemfremd, aus ihr &#8211;von einer hier nicht in Rede stehenden Vermeidung von Missbr&auml;uchen einmal abgesehen&#8211; einen Rechtfertigungsgrund f&uuml;r den unilateral angeordneten Besteuerungsr&uuml;ckfall abzuleiten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>ddd) Schlie&szlig;lich ist auch nicht erkennbar, dass Deutschland gezwungen gewesen w&auml;re, mittels der in &sect; 50d Abs. 8 EStG 2002 n.F. getroffenen Neuregelung in beschleunigter Weise auf einen besonderen Missstand oder einen in besonderer Weise kurzfristig zutage tretenden Steuerausfall bei Eink&uuml;nften aus im Ausland geleisteter nichtselbst&auml;ndiger Arbeit zu reagieren. Selbst wenn es sich aber 2003 &#8211;bei Neuschaffung der Regelung&#8211; so verhalten h&auml;tte, h&auml;tte dem Gesetzgeber jedenfalls f&uuml;r das hier in Rede stehende DBA-T&uuml;rkei 1985 &#8211;wie in &Uuml;bereinstimmung mit Art. 31 des Musterabkommens der Organisation for Economic Cooperation and Development auch nach den meisten anderen deutscherseits geschlossenen Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung&#8211; zweifelsfrei ein anderweitiges, milderes Mittel der Reaktion zur Verf&uuml;gung gestanden: Es war nach dessen Art. 30 Abs. 2 im Jahre 2004 w&auml;hrend der ersten sechs Monate des Kalenderjahres einseitig k&uuml;ndbar; das Abkommen war danach nicht mehr anwendbar auf die Steuern f&uuml;r die Steuerjahre, die am 1. Januar des Jahres beginnen, das auf das Jahr folgt, in dem die K&uuml;ndigung ausgesprochen wird (Art. 30 Abs. 2 Satz 2 Buchst. b DBA-T&uuml;rkei 1985). Der Gesetzgeber war also sehr wohl in der Lage, schnell handeln zu k&ouml;nnen, und im Ergebnis &uuml;berwiegt demnach das rechtsstaatliche Interesse an der Einhaltung der v&ouml;lkerrechtlichen Verpflichtungen (s. auch Rust, a.a.O., S. 108 ff.). Beredter Beleg daf&uuml;r, dass dieser Weg &uuml;ber die Vertragsk&uuml;ndigung gangbar ist, ist nicht zuletzt das DBA-T&uuml;rkei 1985 selbst. Denn in ebendieser Weise hat Deutschland in der Folgezeit von seinem K&uuml;ndigungsrecht gegen&uuml;ber der T&uuml;rkei auch tats&auml;chlich Gebrauch gemacht; das DBA-T&uuml;rkei 1985 wurde am 21. Juli 2009 von deutscher Seite &#8211;soweit ersichtlich ohne formale &Auml;nderung oder Aufhebung des seinerzeitigen Zustimmungsgesetzes vom 27. November 1989 (BGBl II 1989, 866)&#8211; mit Wirkung vom 1. Januar 2011 gek&uuml;ndigt. In dem daraufhin neuverhandelten Abkommen vom 19. September 2011 sind sodann &#8211;bei prinzipieller Beibehaltung der Freistellungsmethode (Art. 22 Abs. 2 Buchst. a)&#8211; in Art. 22 Abs. 2 Buchst. b, c und e auch entsprechende R&uuml;ckfallklauseln vereinbart worden; die streitgegenst&auml;ndliche Situation wird dadurch indessen nach wie vor nicht erfasst.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Nach der Rechtsauffassung des Senats steht &sect; 50d Abs. 8 EStG 2002 n.F. nach allem nicht mit der verfassungsm&auml;&szlig;igen Ordnung in Einklang. Die zitierte, vom BVerfG (im Beschluss in BVerfGE 111, 307, 319) dem Gesetzgeber zugestandene Ausnahme, &quot;V&ouml;lkervertragsrecht (&#8230;) nicht (zu beachten), sofern nur auf diese Weise ein Versto&szlig; gegen tragende Grunds&auml;tze der Verfassung abzuwenden ist&quot;, liegt bei der Abgrenzung der Tatbest&auml;nde im Steuerrecht im Allgemeinen (s. auch z.B. BVerfG, Beschluss vom 14. Mai 1986&nbsp;&nbsp;2 BvL 2\/83, BVerGE 72, 200, 272: &quot;keinen zwingenden Grund des gemeinen Wohls&quot;) und bei der hier in Rede stehenden Vorschrift des &sect; 50d Abs. 8 Satz 1 EStG 2002 n.F. im Besonderen nicht vor. Der Senat erkennt in Anbetracht dessen keine andere M&ouml;glichkeit, dem kl&auml;gerischen Begehren abzuhelfen. Insbesondere erscheint ihm als nicht gangbar, die ihrem Wortlaut nach zugleich klare wie weitgefasste Regelung des &sect; 50d Abs. 8 Satz 1 EStG 2002 n.F. vermittels eines v&ouml;lkerrechtsfreundlichen und damit zugleich verfassungskonformen Normenverst&auml;ndnisses im Sinne dieses Begehrens auszulegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Der Senat ist gleicherma&szlig;en der &Uuml;berzeugung, dass &sect; 50d Abs. 8 EStG 2002 n.F. nicht dem Gleichheitsgebot des Art. 3 Abs. 1 GG standh&auml;lt. Das ist zum einen darin begr&uuml;ndet, dass der Steuerpflichtige mit nichtselbst&auml;ndigen Eink&uuml;nften, der den von &sect; 50d Abs. 8 Satz 1 EStG 2002 n.F. geforderten Nachweis erbringt, anders behandelt wird, als derjenige Steuerpflichtige mit entsprechenden Eink&uuml;nften, dem dieser Nachweis nicht gelingt. Daf&uuml;r besteht vor dem Hintergrund der v&ouml;lkervertraglich vereinbarten Freistellung auf Basis der virtuellen doppelten Besteuerung aus den (sub B.II.3.b bb aaa) beschriebenen Erw&auml;gungen kein sachlicher Grund. Zum anderen wurzelt der Versto&szlig; gegen das Gleichheitsgebot darin, dass das angeordnete Nachweiserfordernis, um in den Vorteil der abkommensrechtlichen Freistellung zu gelangen, hiernach allein Steuerpflichtige mit Eink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit i.S. von &sect; 19 EStG 2002 trifft, Steuerpflichtige mit anderen Eink&uuml;nften hingegen nicht, obschon das DBA-T&uuml;rkei 1985 auch f&uuml;r solche Eink&uuml;nfte die Freistellungsmethode vorsieht, so f&uuml;r Betriebsst&auml;tteneink&uuml;nfte (Art. 7 Abs. 1 Satz 2 DBA-T&uuml;rkei 1985), f&uuml;r Eink&uuml;nfte aus unbeweglichem Verm&ouml;gen (Art. 6 Abs. 1 DBA-T&uuml;rkei 1985) oder aus selbst&auml;ndiger T&auml;tigkeit (Art. 14 Abs. 1 Satz 2 DBA-T&uuml;rkei 1985). Solche Eink&uuml;nfte sind aber nicht minder geeignet, sog. wei&szlig;e Eink&uuml;nfte, also eine &quot;Keinmalbesteuerung&quot;, nach sich zu ziehen, falls ein in Deutschland ans&auml;ssiger Steuerpflichtiger seine Eink&uuml;nfte im anderen Vertragsstaat nicht pflichtgem&auml;&szlig; erkl&auml;rt oder darauf entfallende Steuer nicht an die Finanzbeh&ouml;rden abf&uuml;hrt. Dass der andere Vertragsstaat in der Lage w&auml;re, derartige Eink&uuml;nfte innerhalb seines Staatsgebiets leichter aufzusp&uuml;ren, ist weder belegt noch ersichtlich. Auch f&uuml;r die Besteuerungszuordnung bei selbst&auml;ndiger Arbeit gen&uuml;gt nach Art. 14 Abs. 1 DBA-T&uuml;rkei 1985 die blo&szlig;e T&auml;tigkeit im anderen Vertragsstaat, auch f&uuml;r die unternehmerische T&auml;tigkeit mittels einer Betriebsst&auml;tte im anderen Vertragsstaat ist angesichts der &quot;Fl&uuml;chtigkeit&quot; und der oftmals nur unzul&auml;nglichen &quot;Verwurzelung&quot; einer solchen Betriebsst&auml;tte ein Besteuerungszugriff keineswegs verl&auml;sslich gesichert. In beiden Situationen erm&ouml;glicht Art. 26 DBA-T&uuml;rkei 1985 gleicherma&szlig;en den zwischenstaatlichen Informationsaustausch. Und daf&uuml;r, dass Steuerpflichtige mit Eink&uuml;nften aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit generell steuerunredlicher w&auml;ren oder dass hier in besonderem Ma&szlig;e die Gefahr einer doppelten Nichtbesteuerung best&uuml;nde, ist nichts dargetan oder erkennbar. Die Ungleichbehandlung ist deswegen nicht durch einen sachlichen Unterscheidungsgrund gerechtfertigt (ebenso Hofmann\/Otto, FR 2004, 826; Holthaus, IStR 2004, 16; Jankowiak, a.a.O., S. 226 f.; Gosch in Kirchhof, a.a.O., &sect; 50d Rz 35 ff.; Schaumburg, a.a.O., Rz 16.85 f.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Verst&ouml;&szlig;t &sect; 50d Abs. 8 EStG 2002 n.F. damit aber in gleichheitswidriger Weise gegen vorrangiges V&ouml;lkervertragsrecht, so l&ouml;st dies zugleich einen Versto&szlig; gegen die verfassungsm&auml;&szlig;ige Ordnung aus, die in Art. 20 Abs. 3 GG Handlungsma&szlig;stab und Bindung f&uuml;r die Gesetzgebung ist und woraus dem betroffenen Steuerpflichtigen, hier den Kl&auml;gern, wiederum aus der allgemeinen Handlungsfreiheit des Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 3 Abs. 1 GG ein subjektives Recht auf Beachtung jener Ordnung erw&auml;chst.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>33<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die gegenl&auml;ufige Argumentation, wie diese vor allem von Frotscher (Festschrift Schaumburg, a.a.O., S. 687 ff., 698 ff., 705 ff., sowie IStR 2009, 593, 598) vertreten wird, &uuml;berzeugt nicht. Frotscher ist der Auffassung, der vom Senat angenommene Verfassungsversto&szlig; lasse sich im Rahmen einer Normenkontrolle nicht &uuml;berpr&uuml;fen, es mangele an dem daraus erwachsenden subjektiven Recht des betroffenen Steuerpflichtigen. Namentlich f&uuml;r &sect; 50d Abs. 8 EStG 2002 n.F. r&auml;ume die Verfassung dem Steuerpflichtigen &quot;unter keinem denkbaren Gesichtspunkt ein subjektiv &ouml;ffentliches Recht (ein) entgegen den bestehenden gesetzlichen Regeln im Quellenstaat oder den Zuteilungsnormen des DBA nicht besteuert zu werden&quot;, er habe folglich &quot;wiederum unter keinem denkbaren Gesichtspunkt ein aus den Grundrechten flie&szlig;endes subjektives &ouml;ffentliches Recht darauf, dass die Doppelbesteuerung gerade durch Freistellung, und nicht durch Anrechnung beseitigt wird&quot;. Das ist aus mancherlei Gr&uuml;nden unzutreffend: Zum einen schon deswegen, weil der Tatbestand des &sect; 50d Abs. 8 EStG 2002 n.F. eben nicht nur &quot;eine vom Quellenstaat nicht gewollte Nichtbesteuerung&quot; erfasst, sondern ebenfalls eine &quot;gewollte&quot; Nichtbesteuerung. Zum andern deswegen, weil Deutschland sich, wie beschrieben, mit der T&uuml;rkei als Vertragsstaat auf die Freistellungsmethode zur Vermeidung einer doppelten Besteuerung vertraglich eingelassen hat; dass dies gleicherma&szlig;en und ohne Verfassungsversto&szlig; auch mittels Anrechnung h&auml;tte geschehen k&ouml;nnen, ist angesichts dessen ohne Belang. Zum weiteren ist die Annahme, dass &sect; 50d Abs. 8 EStG 2002 n.F. kein subjektiv &ouml;ffentliches Abwehrrecht er&ouml;ffne, infolge des konstatierten, gleich mehrfachen Gleichheitsversto&szlig;es in casu nicht richtig. Und schlie&szlig;lich folgt der Senat auch der von Frotscher eingenommenen Grundannahme nicht. Auch wenn das Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung als transformiertes oder vollzogenes &quot;einfaches&quot; Gesetz nicht zu den allgemeinen Regel des V&ouml;lkerrechts geh&ouml;rt und deswegen nicht unmittelbar oder &uuml;ber Art. 2 Abs. 1 GG als verfassungsrechtlicher Pr&uuml;fungsma&szlig;stab wirken kann, so verh&auml;lt es sich doch anders bei dem zugrundeliegenden v&ouml;lkervertraglichen Grundsatz des pacta sunt servanda. Der Versto&szlig; dagegen und gegen den allgemeinen Vorrang des V&ouml;lkervertragsrechts als materielle Begrenzungen grundrechtlicher Gew&auml;hrleistung stellt aber einen Versto&szlig; gegen die verfassungsm&auml;&szlig;ige Ordnung dar, welcher f&uuml;r die inhaltliche Reichweite des Grundrechtsschutzes aus Art. 2 Abs. 1 GG ma&szlig;gebend ist. &Uuml;ber einen derartigen Versto&szlig; ist deswegen im Rahmen der Normenkontrolle vom BVerfG zu befinden (z.B. Di Fabio in Maunz\/D&uuml;rig\/Herzog, Grundgesetz, Art. 2 Abs. 1 Rz 43; D. Lorenz in Bonner Kommentar, a.a.O., Art. 2 Abs. 1 Rz 124 f., jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>34<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>III. Entscheidung des Senats<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>35<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Infolge der hiernach vom Senat angenommenen Verfassungswidrigkeit von &sect; 50d Abs. 8 Satz 1 EStG 2002 n.F. war das Revisionsverfahren gem&auml;&szlig; Art. 100 Abs. 1 GG auszusetzen und ist die Entscheidung des BVerfG &uuml;ber die im Tenor formulierte Frage zur Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit des &sect; 50d Abs. 8 Satz 1 EStG 2002 n.F. einzuholen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Entscheidung vom 10.1.2012, I R 66\/09 Verfassungswidrigkeit eines sog. Treaty override (&sect; 50d Abs. 8 EStG 2002\/2004)? &#8211; Anwendung von Doppelbesteuerungsabkommen in Deutschland in der Form eines Zustimmungsgesetzes Leits&auml;tze Es wird eine Entscheidung des BVerfG dar&uuml;ber eingeholt, ob &sect; 50d Abs. 8 Satz 1 EStG 2002 i.d.F. des Steuer&auml;nderungsgesetzes 2003 insoweit gegen Art. 2 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-66-09-verfassungswidrigkeit-eines-sog-treaty-override-par-50d-abs-8-estg-2002-2004-anwendung-von-doppelbesteuerungsabkommen-in-deutschland-in-der-form-eines-zustimmungsgesetzes\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">I&nbsp;R&nbsp;66\/09 &#8211; Verfassungswidrigkeit eines sog. 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