{"id":6556,"date":"2012-11-30T16:08:02","date_gmt":"2012-11-30T14:08:02","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=6556"},"modified":"2012-11-30T16:08:02","modified_gmt":"2012-11-30T14:08:02","slug":"i-b-103-11-berufskraftfahrer-bei-einer-luxemburgischen-firma","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-103-11-berufskraftfahrer-bei-einer-luxemburgischen-firma\/","title":{"rendered":"I&nbsp;B&nbsp;103\/11 &#8211; Berufskraftfahrer bei einer luxemburgischen Firma"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 25.1.2012, I B 103\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Berufskraftfahrer bei einer luxemburgischen Firma<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) sind Ehegatten mit Wohnsitz im Inland und wurden in den Streitjahren (2004 bis 2006) zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Der Kl&auml;ger war in den Streitjahren als Berufskraftfahrer bei einer luxemburgischen Firma besch&auml;ftigt. In Aus&uuml;bung dieser T&auml;tigkeit hielt er sich in den Streitjahren in Luxemburg und in weiteren europ&auml;ischen Staaten auf. Die Aufenthalte blieben jedoch in den einzelnen Staaten jeweils unter der Grenze von 183 Tagen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Arbeitslohn des Kl&auml;gers wurde, soweit er auf Fahrten in Luxemburg entfiel, in Luxemburg besteuert. Der Arbeitslohn, der nicht auf Fahrten in Luxemburg entfiel, wurde vom Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) im Rahmen der Veranlagung der Kl&auml;ger f&uuml;r die Streitjahre als Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit der Besteuerung unterworfen. Den auf Fahrten in Luxemburg entfallenden Arbeitslohn ber&uuml;cksichtigte das FA im Rahmen des Progressionsvorbehalts nach &sect; 32b des Einkommensteuergesetzes.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger waren dagegen der Auffassung, dass das Besteuerungsrecht f&uuml;r die Eink&uuml;nfte des Kl&auml;gers aus der T&auml;tigkeit f&uuml;r den luxemburgischen Arbeitgeber ausschlie&szlig;lich Luxemburg zustehe und ein Versto&szlig; gegen das Gemeinschaftsrecht vorliege, soweit das Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Gro&szlig;herzogtum Luxemburg zur Vermeidung der Doppelbesteuerungen und &uuml;ber gegenseitige Amts- und Rechtshilfe auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Verm&ouml;gen sowie der Gewerbesteuern und der Grundsteuern (DBA-Luxemburg) vom 23. August 1958 (BGBl II 1959, 1270) das Besteuerungsrecht dem Wohnsitzstaat Deutschland zuweise. Die Klage blieb erfolglos (Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 16. Mai 2011&nbsp;&nbsp;7 K 53\/09).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger machen mit ihrer Beschwerde geltend, dass die Revision gegen das angefochtene Urteil wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung der Rechtssache nach &sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zuzulassen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unzul&auml;ssig. Der von den Kl&auml;gern geltend gemachte Zulassungsgrund der grunds&auml;tzlichen Bedeutung der Rechtssache (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO) ist nicht in einer den Anforderungen des &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO gen&uuml;genden Weise dargelegt worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Um die grunds&auml;tzliche Bedeutung der Rechtssache entsprechend den Anforderungen des &sect; 116 Abs. 3 Satz 3 FGO darzulegen, muss in der Beschwerdebegr&uuml;ndung schl&uuml;ssig und substantiiert unter Auseinandersetzung mit den zur aufgeworfenen Rechtsfrage in Rechtsprechung und Schrifttum vertretenen Auffassungen dargetan werden, weshalb die f&uuml;r bedeutsam gehaltene Rechtsfrage im Allgemeininteresse kl&auml;rungsbed&uuml;rftig und im Streitfall auch kl&auml;rbar ist. Dazu muss dargelegt werden, in welchem Umfang, von welcher Seite und aus welchen Gr&uuml;nden die Beantwortung der Frage zweifelhaft und streitig ist (Beschl&uuml;sse des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 12. Juni 2008 VII B 61\/08, BFH\/NV 2008, 1708; vom 5. Dezember 2007 X B 4\/07, BFH\/NV 2008, 587; Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., &sect; 116 Rz 32, m.w.N.). Wird ein Versto&szlig; gegen das Unionsrecht ger&uuml;gt, ist eine substantiierte, an den Vorgaben des Unionsrechts und der dazu ergangenen Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Gemeinschaften, jetzt Gerichtshof der Europ&auml;ischen Union (EuGH), und des BFH orientierte Auseinandersetzung mit der Problematik erforderlich (BFH-Beschl&uuml;sse vom 9. November 2007 IV B 169\/06, BFH\/NV 2008, 390; vom 26. M&auml;rz 2008 II B 86\/07, BFH\/NV 2008, 1127). Diesen Anforderungen gen&uuml;gt die Beschwerdebegr&uuml;ndung nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Kl&auml;ger tragen zur grunds&auml;tzlichen Bedeutung der Rechtssache lediglich sinngem&auml;&szlig; vor, dass der Kl&auml;ger durch die Besteuerung seiner aus dem luxemburgischen Arbeitsverh&auml;ltnis erzielten Eink&uuml;nfte im Inland gegen&uuml;ber den in Luxemburg wohnhaften Angestellten seines luxemburgischen Arbeitgebers diskriminiert werde und dies zu einem Versto&szlig; gegen das Unionsrecht f&uuml;hre. Aus dem Vortrag der Kl&auml;ger ergibt sich indessen nicht, dass die aufgeworfene Rechtsfrage inhaltlich kl&auml;rungsbed&uuml;rftig ist (BFH-Beschluss vom 1. M&auml;rz 2007 VI B 92\/06, BFH\/NV 2007, 1172, unter I. der Gr&uuml;nde; Gr&auml;ber\/Ruban, a.a.O., &sect; 116 Rz 34, m.w.N.). Denn die Kl&auml;ger haben in ihrer Beschwerdebegr&uuml;ndung nicht hinreichend dargelegt, dass die aufgeworfene Rechtsfrage zweifelhaft und streitig ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Soweit sich die Beschwerde mit der Rechtsprechung des EuGH zum Vorliegen einer Diskriminierung bei unterschiedlicher Besteuerung gebietsans&auml;ssiger und gebietsfremder nat&uuml;rlicher Personen auseinandersetzt, trifft dies die rechtliche Problematik des Streitfalles nicht. Grundlage der Rechtsprechung des EuGH zu den Grundfreiheiten ist deren Verst&auml;ndnis als prim&auml;r gleichheitsrechtliche Diskriminierungsverbote nach der Staatsangeh&ouml;rigkeit bzw. nach der Ans&auml;ssigkeit. Notwendig ist also die gleichheitswidrige Schlechterbehandlung eines im Inland t&auml;tigen Ausl&auml;nders (oder Gebietsfremden) gegen&uuml;ber einem ebenfalls im Inland t&auml;tigen Inl&auml;nder (oder Gebietsans&auml;ssigen), mithin um eine sog. Inbound-Situation. Diese Situation liegt im Streitfall jedoch nicht vor. Die Ausf&uuml;hrungen in der Beschwerdebegr&uuml;ndung gehen daher insoweit fehl.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Der EuGH versteht allerdings das in den Grundfreiheiten niedergelegte Beschr&auml;nkungsverbot nicht nur im Sinne eines Behinderungsverbots durch den Aufnahmemitgliedstaat, sondern zugleich als Gebot an den Herkunftsstaat, das T&auml;tigwerden seiner Staatsangeh&ouml;rigen in einem anderen Mitgliedstaat nicht zu behindern. Derartige Beschr&auml;nkungen durch den Herkunftsstaat k&ouml;nnen nicht &uuml;ber eine mit dem Grundsatz der Inl&auml;ndergleichbehandlung kollidierende Diskriminierung erfasst werden, weil die Tr&auml;ger der Grundfreiheit im Regelfall &uuml;ber eine identische Staatsangeh&ouml;rigkeit verf&uuml;gen. Der EuGH weicht daher f&uuml;r derartige Marktaustrittskonstellationen auf ein Beschr&auml;nkungsverbot aus (vgl. Randelzhofer\/Forsthoff, in: Grabitz\/Hilf, Das Recht der Europ&auml;ischen Union, Art. 43 EGV Rz 104). Er stellt dabei ausdr&uuml;cklich auf eine Ungleichbehandlung des vom marktaustrittsinteressierten Inl&auml;nder beabsichtigten oder verwirklichten ausl&auml;ndischen Sachverhalts gegen&uuml;ber dem vergleichbaren inl&auml;ndischen Sachverhalt ab (vgl. zuletzt zur Niederlassungsfreiheit EuGH-Urteil vom 29. November 2011 Rs. C-371\/10 &quot;National Grid Indus&quot;, Deutsches Steuerrecht 2011, 2334, dort Rz 37). Letztlich handelt es sich um die Umkehrung der Fallgruppe der Diskriminierung Gebietsfremder gegen&uuml;ber Gebietsans&auml;ssigen. Hierzu sind der Beschwerdeschrift jedoch keine Ausf&uuml;hrungen zu entnehmen. Vielmehr ist festzustellen, dass die Kl&auml;ger, soweit sie eine Ungleichbehandlung des im Inland ans&auml;ssigen Kl&auml;gers, der seine Eink&uuml;nfte aus einem luxemburgischen Arbeitsverh&auml;ltnis erzielt, gegen&uuml;ber den in Luxemburg wohnhaften Angestellten desselben luxemburgischen Arbeitgebers anmahnen, von einem gleichheitsrechtlichen Verst&auml;ndnis der Grundfreiheiten ausgehen, das dem im Gemeinschaftsrecht angelegten systematischen Verst&auml;ndnis der Grundfreiheiten nicht entspricht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Auch der von den Kl&auml;gern aufgeworfenen Rechtsfrage, Art. 10 Abs. 3 DBA-Luxemburg auf die hier in Rede stehende Situation analog anzuwenden, kommt keine grunds&auml;tzliche Bedeutung zu. F&uuml;r eine solche Analogie besteht angesichts der klaren abkommensrechtlichen Begrenzung der Vorschrift auf Schifffahrts- und Luftverkehrsunternehmen keine Rechtsgrundlage. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Vertragsstaaten bewusst davon abgesehen haben, Verkehrsunternehmen anderer Art in die Sonderregelung einzubeziehen. Dies zeigt nicht zuletzt auch Art. 15 Abs. 3 des Abkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik T&uuml;rkei zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom Verm&ouml;gen vom 16. April 1985 (BGBl II 1989, 867), das &#8211;im Gegensatz zum DBA-Luxemburg&#8211; eine ausdr&uuml;ckliche Regelung zu Verg&uuml;tungen f&uuml;r unselbst&auml;ndige Arbeit, die an Bord eines Stra&szlig;enfahrzeuges im internationalen Verkehr ausge&uuml;bt wird, enth&auml;lt. Die Hinweise der Kl&auml;ger auf die zunehmende Globalisierung im G&uuml;terstra&szlig;enverkehr verm&ouml;gen daran nichts zu &auml;ndern. Der Wortlaut des Art. 10 Abs. 3 DBA-Luxemburg ist einer erweiternden Auslegung nicht zug&auml;nglich (vgl. BFH-Beschluss vom 16. Mai 2002 I B 80\/01, BFH\/NV 2002, 1423).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 25.1.2012, I B 103\/11 Berufskraftfahrer bei einer luxemburgischen Firma Tatbestand 1&nbsp; I. 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