{"id":6560,"date":"2012-11-30T16:09:43","date_gmt":"2012-11-30T14:09:43","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=6560"},"modified":"2012-11-30T16:09:43","modified_gmt":"2012-11-30T14:09:43","slug":"i-b-66-11-wiedereinsetzung-bei-uebermittlung-durch-telefax","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-66-11-wiedereinsetzung-bei-uebermittlung-durch-telefax\/","title":{"rendered":"I&nbsp;B&nbsp;66\/11 &#8211; Wiedereinsetzung bei &Uuml;bermittlung durch Telefax"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 9.1.2012, I B 66\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Wiedereinsetzung bei &Uuml;bermittlung durch Telefax<\/p>\n<p class=\"gruende\">Gr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde ist unzul&auml;ssig, da sie nicht innerhalb der (verl&auml;ngerten) Frist des &sect; 116 Abs. 3 S&auml;tze 1 und 4 der Finanzgerichtsordnung (FGO) begr&uuml;ndet worden ist und die Voraussetzungen f&uuml;r eine Wiedereinsetzung in die vers&auml;umte Frist nach &sect; 56 Abs. 1 FGO nicht gegeben sind. Der Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) war nicht ohne Verschulden verhindert, die Frist einzuhalten. Das Verschulden ihres Bevollm&auml;chtigten muss sich die Kl&auml;gerin wie eigenes Verschulden zurechnen lassen (&sect; 155 FGO i.V.m. &sect; 85 Abs. 2 der Zivilprozessordnung &#8211;ZPO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das Urteil des Finanzgerichts ist der Kl&auml;gerin am 12. April 2011 zugestellt worden. Die Frist zur Begr&uuml;ndung der am 3. Mai 2011 fristgerecht erhobenen Nichtzulassungsbeschwerde (&sect; 116 Abs. 3 Satz 1 FGO) lief aufgrund der Pfingstfeiertage am 14. Juni 2011 ab (&sect; 54 Abs. 2 FGO i.V.m. &sect; 222 Abs. 2 ZPO). Sie wurde vom Vorsitzenden des erkennenden Senats bis zum 14. Juli 2011 verl&auml;ngert (&sect; 116 Abs. 3 Satz 4 FGO). Die Begr&uuml;ndung der Nichtzulassungsbeschwerde ist per Telefax erst am 15. Juli 2011 um 00:13 Uhr beim Bundesfinanzhof (BFH) eingegangen. Dies ergibt sich aus dem maschinellen Empfangsbericht des Telefax-Ger&auml;tes beim BFH. Die Frist ist daher vers&auml;umt. Auch wenn sich aus dem Sendebericht des Prozessbevollm&auml;chtigten der Kl&auml;gerin ergibt, dass die &Uuml;bermittlung des Schriftsatzes im Umfang von 34 Seiten am 14. Juli 2011 um 23:55 Uhr begonnen wurde, &auml;ndert dies nichts an der Fristvers&auml;umnis. Die Frist ist nur gewahrt, wenn der fristgebundene Schriftsatz vor Fristablauf vollst&auml;ndig eingegangen ist (BFH-Beschluss vom 20. Dezember 2006 I B 70\/06, BFH\/NV 2007, 929; Gr&auml;ber\/ Stapperfend, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., &sect; 56 Rz 20 &quot;Telefax&quot;, m.w.N.; vgl. auch Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 25. April 2006 IV ZB 20\/05, BGHZ 167, 214). Der Eingangszeitpunkt bestimmt sich dabei nach dem Uhrzeitaufdruck des Telefaxger&auml;tes des Gerichts (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 2. M&auml;rz 2000 VII B 137\/99, BFH\/NV 2000, 1344; vom 25. November 2003 VII R 9\/03, BFH\/NV 2004, 519; vom 24. April 2008 IX B 164\/07, BFH\/NV 2008, 1349). Es gen&uuml;gt daher entgegen der Ansicht der Kl&auml;gerin nicht, wenn die Seite mit der Unterschrift des Prozessbevollm&auml;chtigten der Kl&auml;gerin (vorab) als zweite Seite &uuml;bermittelt wird und damit vor Fristablauf eingegangen ist. Entscheidend ist der vollst&auml;ndige Eingang des fristgebundenen Schriftsatzes von 34 Seiten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die beantragte Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nach &sect; 56 FGO wegen Vers&auml;umung der Beschwerdebegr&uuml;ndungsfrist kann nicht gew&auml;hrt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Eine solche Wiedereinsetzung ist auf Antrag zu gew&auml;hren, wenn jemand ohne Verschulden an der Einhaltung einer gesetzlichen Frist (&sect; 56 Abs. 1 FGO) verhindert war. Vorliegend war der Prozessbevollm&auml;chtigte der Kl&auml;gerin nicht unverschuldet an der Einhaltung der Begr&uuml;ndungsfrist gehindert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zwar d&uuml;rfen die Beteiligten gesetzliche Fristen grunds&auml;tzlich bis zur letzten Minute aussch&ouml;pfen. Sie m&uuml;ssen aber zugleich daf&uuml;r Sorge tragen, dass ein fristgebundener Schriftsatz auf dem gew&auml;hlten &Uuml;bertragungsweg noch rechtzeitig vor Fristablauf bei dem Gericht eingeht. Auf die gew&ouml;hnlichen &Uuml;bertragungszeiten darf vertraut werden. Da es auf den vollst&auml;ndigen Eingang beim Empf&auml;nger ankommt, muss der Absender eines Telefax mit der &Uuml;bermittlung so rechtzeitig beginnen, dass er unter gew&ouml;hnlichen Umst&auml;nden mit dem Abschluss des &Uuml;bermittlungsvorgangs noch vor Fristablauf rechnen kann (vgl. BFH-Beschluss vom 28. Januar 2010 VIII B 88\/09, BFH\/NV 2010, 919). Dabei muss er auch die gew&ouml;hnliche Zeitdauer der &Uuml;bertragung umf&auml;nglicher Schrifts&auml;tze in Betracht ziehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall konnte der Prozessvertreter der Kl&auml;gerin jedenfalls nicht davon ausgehen, dass der Schriftsatz bis 23:59:59 Uhr am 14. Juli 2011 vollst&auml;ndig beim BFH eingehen w&uuml;rde. Denn er konnte nicht darauf vertrauen, dass ein Schriftsatz von 34 Seiten L&auml;nge in der Zeitspanne zwischen 23:55 Uhr und 23:59:59 Uhr per Telefax vollst&auml;ndig &uuml;bertragen werden kann. Damit f&auml;llt ihm ein Verschulden zur Last.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Aus den Schilderungen des Tagesablaufs des 14. Juli 2011 durch den Prozessbevollm&auml;chtigten der Kl&auml;gerin im Schriftsatz vom 12. August 2011 wird nach Auffassung des erkennenden Senats nicht hinreichend ersichtlich, dass die geschilderten Umst&auml;nde (u.a. 15-min&uuml;tiger Anruf einer Mandantin, Gerichtsverhandlung eine Stunde l&auml;nger als geplant, Auswahl eines langsamen Druckers, Spazierengehen mit dem Hund) kausal f&uuml;r den um 13 Minuten versp&auml;teten Eingang des fristgebundenen Schriftsatzes waren. Die geschilderten Umst&auml;nde legen vielmehr eine Arbeits&uuml;berlastung des Prozessbevollm&auml;chtigten der Kl&auml;gerin nahe. Eine solche wird jedoch nach der st&auml;ndigen Rechtsprechung des BFH nicht als Wiedereinsetzungsgrund anerkannt (vgl. z.B. S&ouml;hn in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect; 110 AO Rz 346). Anhaltspunkte daf&uuml;r, dass die Arbeits&uuml;berlastung nicht vorhersehbar war und aufgrund unbeeinflussbarer Umst&auml;nde eingetreten ist, wurden weder vorgetragen noch sind solche ersichtlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 9.1.2012, I B 66\/11 Wiedereinsetzung bei &Uuml;bermittlung durch Telefax Gr&uuml;nde 1&nbsp; Die Beschwerde ist unzul&auml;ssig, da sie nicht innerhalb der (verl&auml;ngerten) Frist des &sect; 116 Abs. 3 S&auml;tze 1 und 4 der Finanzgerichtsordnung (FGO) begr&uuml;ndet worden ist und die Voraussetzungen f&uuml;r eine Wiedereinsetzung in die vers&auml;umte Frist nach &sect; 56 Abs. 1 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-66-11-wiedereinsetzung-bei-uebermittlung-durch-telefax\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">I&nbsp;B&nbsp;66\/11 &#8211; Wiedereinsetzung bei &Uuml;bermittlung durch Telefax<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-6560","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-steuer"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6560","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6560"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6560\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6560"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6560"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6560"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}