{"id":65612,"date":"2015-12-30T17:13:42","date_gmt":"2015-12-30T15:13:42","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65612"},"modified":"2015-12-30T17:13:42","modified_gmt":"2015-12-30T15:13:42","slug":"i-r-63-14-ablaufhemmung-der-festsetzungsfrist-durch-antrag-des-steuerpflichtigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-63-14-ablaufhemmung-der-festsetzungsfrist-durch-antrag-des-steuerpflichtigen\/","title":{"rendered":"I&nbsp;R&nbsp;63\/14 &#8211; Ablaufhemmung der Festsetzungsfrist durch Antrag des Steuerpflichtigen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 12.8.2015, I R 63\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Ablaufhemmung der Festsetzungsfrist durch Antrag des Steuerpflichtigen<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts Hamburg vom 13. Mai 2014&nbsp;&nbsp;6 K 54\/13 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Klage wird abgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens haben die Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>A. Streitig ist, ob eine Einkommensteuerveranlagung f&uuml;r das Streitjahr 2003 durchzuf&uuml;hren ist, die zu einer Erstattung einbehaltener Lohnsteuer f&uuml;hren kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die verheirateten Kl&auml;ger und Revisionsbeklagten (Kl&auml;ger) haben die &ouml;sterreichische Staatsangeh&ouml;rigkeit und ihren Wohnsitz in &Ouml;sterreich. Sie erzielten als Arbeitnehmer (Pilot und Flugbegleiterin) eines deutschen Arbeitgebers u.a. Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;1 Satz 1 Nr.&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes (EStG 2002).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger stellten beim Beklagten und Revisionskl&auml;ger (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) einen Antrag dahin, als unbeschr&auml;nkt einkommensteuerpflichtig gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 EStG 2002 behandelt zu werden. Daraufhin erteilte das FA als Betriebsst&auml;ttenfinanzamt f&uuml;r die jeweiligen Arbeitgeber der Kl&auml;ger am 5.&nbsp;Mai 2003 eine Bescheinigung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;39c Abs.&nbsp;4 EStG 2002. Die Arbeitgeber behielten auf dieser Grundlage Lohnsteuer ein; dabei unterwarfen sie den gesamten Arbeitslohn der Kl&auml;ger dem Lohnsteuerabzug, obgleich die sog. Inlandsanteile der Arbeitseink&uuml;nfte des Kl&auml;gers nur 13,1&nbsp;% und die der Kl&auml;gerin nur 12,06&nbsp;% betrugen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 2.&nbsp;Mai 2009 beantragten die Kl&auml;ger die Erstattung zu viel einbehaltener Lohnsteuer gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO). Diesen Antrag lehnte das FA mit Bescheid vom 19.&nbsp;Mai 2009 mit der Begr&uuml;ndung ab, es sei Festsetzungsverj&auml;hrung eingetreten. Die dagegen eingelegten Einspr&uuml;che wies das FA zur&uuml;ck (Einspruchsentscheidungen jeweils vom 21.&nbsp;Oktober 2009).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Kurz zuvor hatte das FA auf die M&ouml;glichkeit einer eventuell noch durchzuf&uuml;hrenden Einkommensteuerveranlagung hingewiesen (Schreiben vom 21.&nbsp;Juli 2009): Die den Kl&auml;gern erteilte Bescheinigung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;39c Abs.&nbsp;4 EStG 2002 k&ouml;nne zu Unrecht ausgestellt worden sein, da die Kl&auml;ger offensichtlich nicht zum Personenkreis des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 oder des &sect;&nbsp;1a EStG 2002 geh&ouml;ren w&uuml;rden. Allerdings komme eine Veranlagung nach &sect;&nbsp;50 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG 2002 nur unter den Voraussetzungen des &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;8 EStG 2002 in Betracht. Dabei m&uuml;sse wegen der gesetzlichen 2-Jahres-Frist ein Antrag f&uuml;r 2003 zwar formell abgelehnt werden (Einreichungsfrist: 31.&nbsp;Dezember 2005). Eine entsprechende Antragstellung werde dennoch anheimgestellt, da die Fristberechnung bei einer Antragsveranlagung derzeit noch einer h&ouml;chstrichterlichen Pr&uuml;fung unterzogen werde (Hinweis auf beim Bundesfinanzhof &#8211;BFH&#8211; anh&auml;ngige Revisionsverfahren VI&nbsp;R&nbsp;1\/09 und VI&nbsp;R&nbsp;2\/09). Das FA werde einen gegen eine Ablehnung der Veranlagung eingelegten Einspruch gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;363 Abs.&nbsp;2 AO zum Ruhen bringen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 2.&nbsp;Oktober 2009 legten die Kl&auml;ger Einspruch gegen die Lohnsteueranmeldungen Januar bis Dezember 2003 ein; hilfsweise beantragten sie die Durchf&uuml;hrung der Veranlagung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;50 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 EStG 2002, ohne eine Einkommensteuererkl&auml;rung beizuf&uuml;gen. Die Einspr&uuml;che verwarf das FA als unzul&auml;ssig (&quot;verfristet&quot;). Mit Schreiben vom 21.&nbsp;Oktober 2009 forderte man die Kl&auml;ger auf, die entsprechende Steuererkl&auml;rung zur Wahrung der nach den beim BFH anh&auml;ngigen Revisionsverfahren gegebenenfalls verl&auml;ngerten Abgabefrist m&ouml;glichst umgehend beim FA einzureichen. Eine von den Kl&auml;gern unterzeichnete Einkommensteuererkl&auml;rung in Kopie &#8211;verbunden mit einem Anschreiben ihres Bevollm&auml;chtigten&#8211; ging beim FA am 29.&nbsp;Dezember 2010 ein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA lehnte mit Bescheid vom 31.&nbsp;August 2011 ab, eine Einkommensteuerveranlagung durchzuf&uuml;hren, da der Antrag sp&auml;testens am 31.&nbsp;Dezember 2007 h&auml;tte gestellt werden m&uuml;ssen (&sect;&nbsp;169 AO i.V.m. &sect;&nbsp;170 Abs.&nbsp;1 AO). Wiedereinsetzungsgr&uuml;nde seien nicht erkennbar. Mit Urteil vom 14.&nbsp;April 2011 habe der BFH im Verfahren VI&nbsp;R&nbsp;86\/10 auch entschieden, dass die Anlaufhemmung nach &sect;&nbsp;170 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO in den F&auml;llen der Antragsveranlagung nicht eingreife.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im daraufhin eingeleiteten Einspruchsverfahren verwiesen die Kl&auml;ger darauf, dass es nicht um eine Antrags-, sondern um eine Pflichtveranlagung (&sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;b EStG 2002) gehe. Das FA entgegnete zun&auml;chst, dass allenfalls eine Pflichtveranlagung nach &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 EStG 2002 in Frage komme. Sp&auml;ter &auml;nderte es seine Auffassung: Da &sect;&nbsp;46 EStG 2002 unmittelbar nur f&uuml;r unbeschr&auml;nkt Steuerpflichtige gelte, komme bei beschr&auml;nkt Steuerpflichtigen nur eine Veranlagung nach &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;8 EStG 2002 in Frage. Wegen fehlender Anlaufhemmung (&sect;&nbsp;170 Abs.&nbsp;2 Satz 1 Nr.&nbsp;1 AO) sei der durch Erkl&auml;rungsabgabe am 29.&nbsp;Dezember 2010 gestellte Antrag auf Veranlagung zur Einkommensteuer verfristet; dem Einspruch k&ouml;nne nicht abgeholfen werden. Im &Uuml;brigen teilte man mit, dass die Kl&auml;ger auch nicht durch die Bescheinigung nach &sect;&nbsp;39c EStG 2002 unbeschr&auml;nkt steuerpflichtig geworden seien. Die Bescheinigung habe lediglich Auswirkung auf den vom Arbeitgeber vorzunehmenden Lohnsteuerabzug, stelle aber selbst keinen Grundlagenbescheid dar. Die Kl&auml;ger seien gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;25 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 EStG 2002 verpflichtet gewesen, eine Steuererkl&auml;rung als beschr&auml;nkt Steuerpflichtige abzugeben. Die Festsetzungsfrist betrage gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 AO vier Jahre (Beginn: mit Ablauf des Jahres 2006; Ende: mit Ablauf des Jahres 2010). Gleichwohl sei mit Ablauf des 31.&nbsp;Dezember 2010 Festsetzungsverj&auml;hrung eingetreten, da bis zum 31.&nbsp;Dezember 2010 keine Steuerfestsetzung erfolgt sei und auch kein den Ablauf der Festsetzungsfrist hemmender Grund nach &sect;&nbsp;171 AO (insbesondere nicht &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO) vorliege. Insoweit h&auml;tte der Steuerbescheid bis sp&auml;testens 31.&nbsp;Dezember 2010 erstellt und abgesandt worden sein m&uuml;ssen. Dies sei nicht erfolgt und sei, weil dem FA nach der Abgabe lediglich zwei Tage Zeit geblieben w&auml;ren, bereits aus technischen Gr&uuml;nden nicht m&ouml;glich. Den daraus resultierenden Eintritt der Festsetzungsverj&auml;hrung h&auml;tten sich die Steuerpflichtigen zuzurechnen, da sie mit Abgabe der Erkl&auml;rung bis kurz vor Eintritt der Festsetzungsverj&auml;hrung gewartet h&auml;tten. Wiedereinsetzung sei nicht m&ouml;glich, da der Ablauf der Festsetzungsfrist nicht unter die in &sect;&nbsp;110 AO geregelten Fristen falle.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Klage war erfolgreich (Finanzgericht &#8211;FG&#8211; Hamburg, Urteil vom 13.&nbsp;Mai 2014&nbsp;&nbsp;6&nbsp;K&nbsp;54\/13, abgedruckt in Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2014, 1744); das FG verpflichtete das FA, die Kl&auml;ger zur Einkommensteuer 2003 zu veranlagen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA r&uuml;gt die Verletzung materiellen Rechts und beantragt, das angefochtene Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen sinngem&auml;&szlig;, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>B. Die Revision ist begr&uuml;ndet; das angefochtene Urteil wird aufgehoben und die Klage abgewiesen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat rechtsfehlerhaft die Voraussetzungen einer Ablaufhemmung (&sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO) als erf&uuml;llt angesehen. Da Verj&auml;hrung eingetreten war, konnte das FA nicht zur Veranlagung der Kl&auml;ger verpflichtet werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Grundvoraussetzungen f&uuml;r eine Ausnahme von der Abgeltungswirkung des Steuerabzugs (&sect;&nbsp;50 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 EStG 2002) waren im Streitjahr erf&uuml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Kl&auml;ger, die im Streitjahr ihren Wohnsitz in &Ouml;sterreich innehatten, sind auf dieser Grundlage gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;4 EStG 2002 im Inland beschr&auml;nkt einkommensteuerpflichtig. Denn sie erzielten an Bord von im internationalen Luftverkehr eingesetzten Luftfahrzeugen inl&auml;ndischer Luftfahrtgesellschaften mit den sog. Inlandsanteilen ihrer Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit i.S. des &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG 2002 inl&auml;ndische Eink&uuml;nfte gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;49 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 Buchst.&nbsp;a EStG 2002. Die H&ouml;he dieser sog. Inlandsanteile von 13,1&nbsp;% f&uuml;r den Kl&auml;ger und von 12,06&nbsp;% f&uuml;r die Kl&auml;gerin schlossen eine antragsgem&auml;&szlig;e Qualifizierung als unbeschr&auml;nkt Einkommensteuerpflichtige gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 EStG 2002 aus, da ihre Eink&uuml;nfte im Streitjahr nicht mindestens zu 90&nbsp;% der deutschen Einkommensteuer unterlagen und die nicht der deutschen Einkommensteuer unterliegenden Eink&uuml;nfte mehr als jeweils 6.136&nbsp;EUR im Streitjahr betrugen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Einkommensteuer f&uuml;r Eink&uuml;nfte, die dem Steuerabzug vom Arbeitslohn unterliegen, gilt nach &sect;&nbsp;50 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 EStG 2002 bei beschr&auml;nkt Steuerpflichtigen durch den Steuerabzug als abgegolten. Dies gilt jedoch dann nicht, wenn nachtr&auml;glich festgestellt wird, dass die Voraussetzungen der unbeschr&auml;nkten Einkommensteuerpflicht i.S. des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 EStG 2002 (u.a.) nicht vorgelegen haben (&sect;&nbsp;50 Abs.&nbsp;5 Satz 2 Nr.&nbsp;1 EStG 2002) oder ein beschr&auml;nkt steuerpflichtiger Arbeitnehmer mit Eink&uuml;nften aus &sect;&nbsp;49 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 EStG 2002, der Staatsangeh&ouml;riger eines Mitgliedstaats der Europ&auml;ischen Union (u.a.) ist, eine Veranlagung beantragt (&sect;&nbsp;50 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 EStG 2002). Im Streitfall sind beide Ausnahmetatbest&auml;nde erf&uuml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Lohnsteuerabzug bei den Arbeitgebern auf der Grundlage der Bescheinigung i.S. des &sect;&nbsp;39c Abs.&nbsp;4 EStG 2002 war fehlerhaft, da die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 EStG 2002 im Hinblick auf das &Uuml;berschreiten der dortigen Einkommensgrenzen nicht erf&uuml;llt waren, vielmehr im Streitjahr tats&auml;chlich beschr&auml;nkte Steuerpflicht vorlag. Dieser Umstand hebt die Abgeltungswirkung des Lohnsteuereinbehalts (&sect;&nbsp;50 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 EStG 2002) auf. Insoweit wird mit &sect;&nbsp;50 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 EStG 2002 der Zweck verfolgt, zum Nachteil des Steuerpflichtigen die Nacherhebung von Einkommensteuer (Lohnsteuer) sicherzustellen, wenn (z.B.) beim Lohnsteuerabzug unter Ber&uuml;cksichtigung der Bescheinigung nach Ma&szlig;gabe unbeschr&auml;nkter Steuerpflicht das Splitting-Verfahren angewendet wurde und sich sp&auml;ter herausstellt, dass die Voraussetzungen f&uuml;r eine fiktive unbeschr&auml;nkte Einkommensteuerpflicht nicht vorgelegen haben (BTDrucks 10\/1636, S.&nbsp;64). Es muss lediglich &quot;nachtr&auml;glich&quot;, d.h. nach Erteilung der Bescheinigung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;39c Abs.&nbsp;4 EStG 2002 an den Arbeitnehmer (Senatsurteil vom 23.&nbsp;September 2008 I&nbsp;R&nbsp;65\/07, BFHE 223, 68, BStBl II 2009, 666), tats&auml;chlich festgestellt werden, dass die Voraussetzungen der unbeschr&auml;nkten Steuerpflicht nicht erf&uuml;llt sind. Dass das FA schon im Verfahren um den Bescheinigungsantrag h&auml;tte feststellen k&ouml;nnen, dass die Voraussetzungen der unbeschr&auml;nkten Einkommensteuerpflicht nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 EStG 2002 voraussichtlich nicht erf&uuml;llt sein werden, ber&uuml;hrt den Tatbestand nicht (Senatsurteil in BFHE 223, 68, BStBl II 2009, 666). Dies folgt auch daraus, dass h&auml;ufig erst nach Ablauf des Veranlagungszeitraums feststeht, ob die Voraussetzungen der unbeschr&auml;nkten Einkommensteuerpflicht tats&auml;chlich vorliegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Kl&auml;ger als beschr&auml;nkt steuerpflichtige Arbeitnehmer mit Eink&uuml;nften aus &sect;&nbsp;49 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 EStG 2002 waren als &ouml;sterreichische Staatsangeh&ouml;rige befugt, eine Veranlagung zur Einkommensteuer (nach Ma&szlig;gabe des &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;8 EStG 2002) zu beantragen (&sect;&nbsp;50 Abs.&nbsp;5 Satz 2 Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;1, 2 EStG 2002).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Eine Veranlagung zur Einkommensteuer mit einer Steuerfestsetzung, die eine Anrechnung einbehaltener Lohnsteuer erm&ouml;glicht, ist nicht mehr zul&auml;ssig, wenn die Festsetzungsfrist abgelaufen ist (&sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO). Zur Fristwahrung muss der Steuerbescheid den Bereich der f&uuml;r die Steuerfestsetzung zust&auml;ndigen Finanzbeh&ouml;rde verlassen haben (&sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 AO). Die Festsetzungsfrist ist im Streitfall nicht gewahrt; eine Ablaufhemmung i.S. des &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO ist nicht eingetreten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Ob dem FG darin beizupflichten ist, dass die besondere Antragsveranlagung des &sect;&nbsp;50 Abs.&nbsp;5 Satz 2 Nr.&nbsp;2 EStG 2002 zur&uuml;cktritt, wenn &#8211;wie im Streitfall&#8211; bisher eine solche Veranlagung nicht stattgefunden hat und zugleich die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;50 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 EStG 2002 erf&uuml;llt sind, kann offenbleiben. Denn die Kl&auml;ger haben ihren ausdr&uuml;cklich auf &sect;&nbsp;50 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 i.V.m. &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;8 EStG 2002 zielenden Veranlagungsantrag (allerdings ohne die Steuererkl&auml;rung beizuf&uuml;gen) zu einem Zeitpunkt gestellt (2.&nbsp;Oktober 2009), als die Festsetzungsfrist f&uuml;r eine Antragsveranlagung schon abgelaufen war. Insoweit hatte das FA ohne Rechtsfehler unter Hinweis auf &sect;&nbsp;170 Abs.&nbsp;1 AO und unter Ber&uuml;cksichtigung der r&uuml;ckwirkend aufgehobenen Zeitgrenze des &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;8 EStG 2002 (s. dazu &sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;55j EStG 2002 i.d.F. des Jahressteuergesetzes 2008 vom 20.&nbsp;Dezember 2007, BGBl I 2007, 3150, BStBl I 2008, 218, und zur Anwendung auf Veranlagungszeitr&auml;ume vor 2005 das BFH-Urteil vom 12.&nbsp;November 2009 VI&nbsp;R&nbsp;1\/09, BFHE 227, 97, BStBl II 2010, 406) f&uuml;r das Streitjahr 2003 ein Fristende mit dem Ablauf des 31.&nbsp;Dezember 2007 zugrunde gelegt (s. zur Nichtanwendung von &sect;&nbsp;170 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO in der Situation der Antragsveranlagung BFH-Urteile vom 14.&nbsp;April 2011 VI&nbsp;R&nbsp;53\/10, BFHE 233, 311, BStBl II 2011, 746; vom 14.&nbsp;April 2011 VI&nbsp;R&nbsp;86\/10, BFH\/NV 2011, 1515). Schon deshalb war im Streitfall eine Antragsveranlagung ausgeschlossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Festsetzungsfrist ist ebenfalls nicht gewahrt, wenn die Kl&auml;ger verpflichtet gewesen sein sollten, eine Steuererkl&auml;rung abzugeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG hat die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;50 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 EStG 2002 als erf&uuml;llt und daran anschlie&szlig;end die Kl&auml;ger als verpflichtet angesehen, eine Steuererkl&auml;rung nach Ma&szlig;gabe beschr&auml;nkter Steuerpflicht abzugeben. Auf dieser Grundlage hat es zun&auml;chst angenommen, dass die Voraussetzungen der Anlaufhemmung des &sect;&nbsp;170 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO vorlagen (Beginn der Festsetzungsfrist mit Ablauf des dritten Kalenderjahres, das auf das Kalenderjahr folgt, in dem die Steuer entstanden ist, d.h. mit Ablauf des 31.&nbsp;Dezember 2006), &uuml;berdies die Voraussetzungen einer Ablaufhemmung i.S. des &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO &uuml;ber den 31.&nbsp;Dezember 2010 hinaus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) F&uuml;r den Senat bestand bisher kein Anlass, dar&uuml;ber zu entscheiden, ob f&uuml;r die Ausnahme von der Abgeltungswirkung des Steuerabzugs gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;50 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 EStG 2002 eine Veranlagung nach Ma&szlig;gabe beschr&auml;nkter Steuerpflicht durchzuf&uuml;hren ist. &sect;&nbsp;50 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 EStG 2002 zielt jedenfalls zun&auml;chst, was der zweite Halbsatz der Regelung durch den Verweis auf &sect;&nbsp;39 Abs.&nbsp;5a EStG 2002 erhellt, auf eine Nachforderung der Lohnsteuer (s. Loose in Littmann\/Bitz\/Pust, Das Einkommensteuerrecht, Kommentar, &sect;&nbsp;50 Rz&nbsp;35). Allerdings wird durch die gesetzlich einger&auml;umte M&ouml;glichkeit einer Nachforderung der Lohnsteuer nicht ausgeschlossen, dass die unzutreffend niedrig erhobene Steuer im Veranlagungswege nachgefordert werden kann (so ausdr&uuml;cklich FG K&ouml;ln, Urteil vom 22.&nbsp;Januar 2014&nbsp;&nbsp;4&nbsp;K&nbsp;2001\/13, EFG 2014, 766), was zugleich die separate Nachforderung er&uuml;brigt (zu einer solchen &quot;Alternativit&auml;t&quot; insbesondere bei schon vorliegenden Antragsveranlagungen z.B. Schmidt\/Loschelder, EStG, 34.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;50 Rz&nbsp;32; Gosch in Kirchhof, EStG, 14.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;50 Rz&nbsp;20; Bl&uuml;mich\/Wied, &sect;&nbsp;50 EStG Rz&nbsp;71; Herkenroth\/Striegel in Herrmann\/Heuer\/Raupach, &sect;&nbsp;50 EStG Rz&nbsp;252). In der Literatur wird allerdings teilweise auch vertreten, ein unzutreffender Steuerabzug wegen f&auml;lschlicher Annahme unbeschr&auml;nkter Steuerpflicht habe eine sog. Pflichtveranlagung zur Folge (Kube in Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;50 Rz&nbsp;E&nbsp;61 u. E&nbsp;191 [Nr.&nbsp;6]), was mit &sect;&nbsp;25 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 EStG 2002 (so das FA) zu begr&uuml;nden w&auml;re (die Kl&auml;ger haben demgegen&uuml;ber auf &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;b EStG 2002 verwiesen).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Der Streitfall erfordert keine Entscheidung dieser Frage. Denn auch wenn man dem FG darin folgen w&uuml;rde, dass eine Pflichtveranlagung vorliegt, was f&uuml;r die Berechnung der Verj&auml;hrungsfrist die im Streitfall dreij&auml;hrige Anlaufhemmung des &sect;&nbsp;170 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO ausl&ouml;st, hat das FG rechtsfehlerhaft die Voraussetzungen einer Ablaufhemmung i.S. des &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO &uuml;ber den 31.&nbsp;Dezember 2010 hinaus bejaht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Allerdings hat das FG zutreffend darauf verwiesen, dass als Antrag i.S. des &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO nur solche Willensbekundungen zu verstehen sind, die ein T&auml;tigwerden der Finanzbeh&ouml;rden au&szlig;erhalb des in Folge der Amtsmaxime ohnehin gebotenen Verwaltungshandelns ausl&ouml;sen sollen. Die Abgabe von gesetzlich vorgeschriebenen Steuererkl&auml;rungen ist Gegenstand der allgemeinen Mitwirkungspflicht des Steuerpflichtigen und geh&ouml;rt (auch wenn sie zu einer Steuererstattung f&uuml;hren soll) nicht dazu (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Urteil vom 28.&nbsp;August 2014 V&nbsp;R&nbsp;8\/14, BFHE 247, 21, BStBl II 2015, 3, m.w.N.). Dies gilt auch, wenn die Erkl&auml;rung zusammen mit einem Begleitschreiben eingereicht wird (BFH-Urteil vom 15.&nbsp;Mai 2013 IX&nbsp;R&nbsp;5\/11, BFHE 241, 310, BStBl II 2014, 143). Insoweit sind die Auswirkungen des Einreichungszeitpunktes von Steuererkl&auml;rungen auf die Festsetzungsfrist abschlie&szlig;end in &sect;&nbsp;170 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO (Anlaufhemmung) geregelt. Wer mit der Abgabe der Steuererkl&auml;rung bis zum Ablauf der Festsetzungsfrist wartet, muss deshalb grunds&auml;tzlich den Nachteil tragen, wenn ein Steuerbescheid nicht mehr in der gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 AO notwendigen Weise erlassen wird. Hier war bei einer Erkl&auml;rungsabgabe am 29.&nbsp;Dezember 2010 (Mittwoch) mit dem Erlass eines das Verwaltungsverfahren abschlie&szlig;enden Steuerbescheids auch unter Ber&uuml;cksichtigung eines verz&ouml;gerungsfreien Bearbeitungsablaufs bis zum 31.&nbsp;Dezember 2010 nicht zu rechnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Entgegen der Ansicht der Vorinstanz kommt es nicht in Betracht, &quot;im Schreiben vom 02.10.2009, sp&auml;testens aber in dem zeitgleich mit der Einkommensteuererkl&auml;rung am 29.12.2010 beim Beklagten vor Ablauf der Festsetzungsfrist eingegangenen Schreiben des Bevollm&auml;chtigten der Kl&auml;ger ein(en) Antrag i.S.d. &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO zu sehen&quot;. Auch wenn die Frage, ob und mit welcher Reichweite ein Antrag i.S. von &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO vorliegt, grunds&auml;tzlich dem FG im Wege der Auslegung (&sect;&nbsp;133 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs) als Tatsacheninstanz obliegt (z.B. Senatsurteil vom 10.&nbsp;M&auml;rz 1993 I&nbsp;R&nbsp;93\/92, BFHE 175, 481, BStBl II 1995, 165), entspricht eine solche Auslegung nicht den allgemeinen Auslegungsgrunds&auml;tzen und bindet den BFH in der Revisionsinstanz nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aaa) Nach &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO l&auml;uft eine Festsetzungsfrist, soweit vor ihrem Ablauf ein Antrag auf Steuerfestsetzung oder auf Aufhebung oder &Auml;nderung einer Steuerfestsetzung gestellt wird, nicht vor der unanfechtbaren Entscheidung &uuml;ber diesen Antrag ab. Die Regelung dient dazu, den Rechtsschutz des B&uuml;rgers zu verbessern: Sie stellt sicher, dass der Erfolg eines einmal gestellten Antrags nicht von der Arbeitsweise und -geschwindigkeit der Beh&ouml;rde abh&auml;ngt; eine antragsgem&auml;&szlig;e Entscheidung soll nach dem Willen des Gesetzgebers nicht allein daran scheitern, dass die Beh&ouml;rde die Pr&uuml;fung des Antrags nicht innerhalb der nach anderen Vorschriften zu bestimmenden Festsetzungsfrist abschlie&szlig;t (z.B. Senatsurteil vom 24.&nbsp;Mai 2006 I&nbsp;R&nbsp;93\/05, BFHE 214, 7, BStBl II 2007, 76, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bbb) Das als Begleitschreiben mit der Abgabe der Steuererkl&auml;rung beim FA eingegangene Schreiben vom 29.&nbsp;Dezember 2010 stellt keinen Antrag i.S. des &sect;&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO dar; eine mit dem Hinweis auf die beiliegende Steuererkl&auml;rung verbundene &quot;Bitte um weitere Veranlassung&quot; hat nur rein formalen Charakter und daneben keinen (&uuml;ber den mit der Abgabe der Steuererkl&auml;rung verbundenen) eigenst&auml;ndigen Aussagewert (s. z.B. BFH-Urteil in BFHE 241, 310, BStBl II 2014, 143).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>ccc) Der Veranlagungsantrag vom 2.&nbsp;Oktober 2009 betrifft ein eigenst&auml;ndiges Verwaltungsverfahren (&sect;&nbsp;50 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 i.V.m. &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;8 EStG 2002) und l&auml;sst sich daher in eine Gesamtbewertung von Eingaben (hier: f&uuml;r das Verfahren der Pflichtveranlagung) nicht einbeziehen. Der Antrag war dar&uuml;ber hinaus weder formal noch &quot;materiell&quot; erfolgversprechend. Denn dem Antrag war die Steuererkl&auml;rung nicht beigef&uuml;gt, so dass schon kein rechtswirksamer Antrag vorlag (z.B. Tillmann in Herrmann\/Heuer\/Raupach, &sect;&nbsp;46 EStG Rz&nbsp;62); dar&uuml;ber hinaus war im Zeitpunkt des Antragseingangs beim FA die Festsetzungsfrist (Antragsveranlagung) abgelaufen, so dass der Veranlagung die Regelung des &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO entgegenstand. Diese Defizite lassen sich nicht unter Hinweis auf die im Zusammenhang mit &sect;&nbsp;50 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 EStG 2002 nachgereichte Steuererkl&auml;rung ausgleichen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>ddd) Soweit das FG darauf verweist, &quot;die Zahlen&quot; (wohl im Sinne der Angaben aus einer Lohnsteuerbescheinigung und der H&ouml;he des sog. Inlandsanteils der Eink&uuml;nfte) seien dem FA &quot;bereits bekannt&quot; gewesen, kann dem als Auslegungskriterium keine Bedeutung zukommen, da auf der Grundlage dieser (unvollst&auml;ndigen) Angaben ein ordnungsgem&auml;&szlig;es Erstattungsverfahren nicht h&auml;tte vollzogen werden k&ouml;nnen. Auch der weitere Hinweis, ein Zuwarten bei der Abgabe der Steuererkl&auml;rungen sei durch die beim BFH schwebenden Revisionsverfahren (VI&nbsp;R&nbsp;1\/09 und VI&nbsp;R&nbsp;2\/09) zur Antragsfrist bei einer Antragsveranlagung veranlasst, l&auml;sst sich &#8211;unabh&auml;ngig von dem zutreffenden Hinweis des FA auf eine Ver&ouml;ffentlichung der entsprechenden Entscheidungen Anfang 2010&#8211; allenfalls als Erkl&auml;rung f&uuml;r eine Versp&auml;tung der Abgabe werten, l&auml;sst aber eine Relevanz f&uuml;r die Auslegungsfrage nicht erkennen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>III. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 12.8.2015, I R 63\/14 Ablaufhemmung der Festsetzungsfrist durch Antrag des Steuerpflichtigen Tenor Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts Hamburg vom 13. Mai 2014&nbsp;&nbsp;6 K 54\/13 aufgehoben. Die Klage wird abgewiesen. Die Kosten des gesamten Verfahrens haben die Kl&auml;ger zu tragen. Tatbestand 1&nbsp; A. 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