{"id":6566,"date":"2012-11-30T16:09:40","date_gmt":"2012-11-30T14:09:40","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=6566"},"modified":"2012-11-30T16:09:40","modified_gmt":"2012-11-30T14:09:40","slug":"i-r-25-10-kapitalertragsteuer-bei-beschraenkt-steuerpflichtiger-kapitalgesellschaft-in-der-rechtsform-der-franzoesischen-societe-par-actions-simplifiee-sas-unionsrechts-und-verfassungsmaessigkeit-frei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-25-10-kapitalertragsteuer-bei-beschraenkt-steuerpflichtiger-kapitalgesellschaft-in-der-rechtsform-der-franzoesischen-societe-par-actions-simplifiee-sas-unionsrechts-und-verfassungsmaessigkeit-frei\/","title":{"rendered":"I&nbsp;R&nbsp;25\/10 &#8211; Kapitalertragsteuer bei beschr&auml;nkt steuerpflichtiger Kapitalgesellschaft in der Rechtsform der franz&ouml;sischen &quot;societe par actions simplifiee&quot; (S.A.S.): Unionsrechts- und Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit &#8211; Freistellungs- und Erstattungsverfahren &#8211; Zust&auml;ndigkeit"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.1.2012, I R 25\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Kapitalertragsteuer bei beschr&auml;nkt steuerpflichtiger Kapitalgesellschaft in der Rechtsform der franz&ouml;sischen &quot;societe par actions simplifiee&quot; (S.A.S.): Unionsrechts- und Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit &#8211; Freistellungs- und Erstattungsverfahren &#8211; Zust&auml;ndigkeit<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Eine franz&ouml;sische Kapitalgesellschaft in der Rechtsform einer &quot;<noindex>societe<\/noindex> par actions <noindex>simplifiee<\/noindex>&quot; (S.A.S.) war bis zum 15. Dezember 2004 nicht als &quot;Gesellschaft eines Mitgliedstaats&quot; i.S. von Art. 2 Buchst. a i.V.m. Buchst. f des Anhangs der Richtlinie 90\/435\/EWG anzusehen. Dividendenzahlungen an eine solche Gesellschaft durch ihre deutsche Tochtergesellschaft erf&uuml;llten damit weder unmittelbar noch analog die Voraussetzungen des &sect; 43b Abs. 2 Satz 1 EStG 2002 i.V.m. Anlage 2 Nr. 1 zu &sect; 43b EStG 2002 (Anschluss an EuGH-Urteil vom 1. Oktober 2009 C-247\/08, Slg. 2009, I-9225).<\/p>\n<p>2. Die K&ouml;rperschaftsteuer f&uuml;r Kapitalertr&auml;ge i.S. von &sect; 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG 2002, die nach &sect; 43 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG 2002 i.V.m. &sect; 31 Abs. 1 Satz 1 KStG 2002 dem Steuerabzug unterliegen, ist bei einer beschr&auml;nkt steuerpflichtigen Kapitalgesellschaft als Bezieherin der Eink&uuml;nfte nach &sect; 32 Abs. 1 Nr. 2 KStG 2002 durch den Steuerabzug abgegolten. Dividenden, die an Gesellschaften mit Sitz in anderen Mitgliedstaaten ausgesch&uuml;ttet werden, werden infolgedessen wirtschaftlich einer h&ouml;heren Besteuerung unterworfen als Dividenden, die an Gesellschaften mit Sitz in Deutschland ausgesch&uuml;ttet werden. Darin liegt ein Versto&szlig; gegen die Kapitalverkehrsfreiheit des Art. 56 Abs. 1 EG (Anschluss an EuGH-Urteil vom 20. Oktober 2011 C-284\/09 &quot;Kommission .\/. Deutschland&quot;, DStR 2011, 2038, sowie an Senatsurteil vom 22. April 2009 I R 53\/07, BFHE 224, 556).<\/p>\n<p>3. Die nachtr&auml;gliche Erstattung einbehaltener und abgef&uuml;hrter Kapitalertragsteuer kann, wenn die Voraussetzungen des &sect; 50d Abs. 1 EStG 2002 nicht erf&uuml;llt sind, die Einbehaltung und Abf&uuml;hrung aber gegen unionsrechtliche Grundfreiheiten verst&ouml;&szlig;t, auf eine analoge Anwendung von &sect; 50d Abs. 1 EStG 2002 gest&uuml;tzt werden. Zust&auml;ndig f&uuml;r die Entscheidung &uuml;ber ein solches Erstattungsbegehren ist das FA, nicht das BZSt (Best&auml;tigung und Fortf&uuml;hrung der st&auml;ndigen Senatsrechtsprechung). Eine vorherige Freistellung von der Pflicht zur Einbehaltung und Abf&uuml;hrung von Kapitalertragsteuer nach &sect; 50d Abs. 2 EStG 2002 ist unter diesen Umst&auml;nden hingegen ausgeschlossen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Es geht im Streitfall um die Konsequenzen im Anschluss an die Urteile des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Gemeinschaften, jetzt des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union, (EuGH) vom 1. Oktober 2009 C-247\/08, &quot;Gaz de France&quot; (Slg. 2009, I-9225) sowie vom 20. Oktober 2011 C-284\/09 &quot;Kommission .\/. Deutschland&quot; (Deutsches Steuerrecht &#8211;DStR&#8211; 2011, 2038).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) ist eine in Frankreich ans&auml;ssige Kapitalgesellschaft in der Rechtsform einer &quot;soci&eacute;t&eacute; par actions simplifi&eacute;e&quot; (S.A.S.). Sie ist alleinige Anteilseignerin einer inl&auml;ndischen GmbH, der F-GmbH.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 13. Juni 2002 stellte die Kl&auml;gerin beim Beklagten und Revisionsbeklagten, dem (fr&uuml;heren) Bundesamt f&uuml;r Finanzen &#8211;BfF&#8211; (seit dem 1. Januar 2006: Bundeszentralamt f&uuml;r Steuern &#8211;BZSt&#8211;), einen Antrag auf Erteilung einer Freistellungsbescheinigung von der deutschen Abzugsteuer auf Kapitalertr&auml;ge nach &sect; 43b Abs. 1 i.V.m. &sect; 50d Abs. 2 des Einkommensteuergesetzes 2002 (EStG 2002). Am 27. Juni 2002 erteilte das BfF daraufhin eine Freistellungsbescheinigung f&uuml;r den Zeitraum vom 13. Juni 2002 bis zum 31. Mai 2005. Darin bescheinigte das BfF, dass die F-GmbH als Schuldnerin der Kapitalertr&auml;ge berechtigt sei, den Steuerabzug f&uuml;r die Kapitalertr&auml;ge der Kl&auml;gerin i.S. des &sect; 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG 2002 nach dem Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Franz&ouml;sischen Republik zur Vermeidung der Doppelbesteuerungen und &uuml;ber gegenseitige Amts- und Rechtshilfe auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Verm&ouml;gen sowie der Gewerbesteuern und der Grundsteuern vom 21. Juli 1959 (BGBl II 1961, 398) in der Fassung des Zusatzabkommens vom 20. Dezember 2001 (BGBl II 2002, 2370) &#8211;DBA-Frankreich&#8211; in erm&auml;&szlig;igter H&ouml;he von 5 v.H. des Bruttoertrags vorzunehmen. Die F-GmbH hatte daraufhin &#8211;am 12. August 2002&#8211; Kapitalertragsteuer in H&ouml;he von 5 v.H. der an die Kl&auml;gerin geleisteten Dividendenzahlungen angemeldet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrem Einspruch gegen die erteilte Freistellungsbescheinigung beanspruchte die Kl&auml;gerin die volle Freistellung von der Abzugsteuer. Zwar sei die &quot;S.A.S.&quot; in der Richtlinie des Rates vom 23. Juli 1990 &uuml;ber das gemeinsame Steuersystem der Mutter- und Tochtergesellschaften verschiedener Mitgliedstaaten (90\/435\/EWG, Amtsblatt der Europ&auml;ischen Gemeinschaften &#8211;ABlEG&#8211; Nr. L 225, 6, berichtigt ABlEG Nr. L 266, 20) &#8211;Mutter-\/Tochter-Richtlinie (MTR)&#8211; und in Einklang damit auch in der Anlage 2 zu &sect; 43b EStG 2002 als beg&uuml;nstigte Rechtsform nicht aufgef&uuml;hrt. Doch sei sie einer Aktiengesellschaft im Sinne der Richtlinie gleichzustellen. Sie berief sich dazu u.a. auf ein (nicht ver&ouml;ffentlichtes, an das Bayerische Staatsministerium der Finanzen gerichtetes) Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 14. Juni 2000 IV B -0 1000- 3\/00, in welchem &#8211;allerdings bezogen auf Einbringungsvorg&auml;nge nach &sect; 23 Abs. 4 des Umwandlungssteuergesetzes&#8211; eine derartige Gleichstellung als gerechtfertigt angesehen wurde. Das BfF lehnte das ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>W&auml;hrend des anschlie&szlig;enden Klageverfahrens bescheinigte das BZSt der Kl&auml;gerin mit ge&auml;ndertem Bescheid vom 8. Januar 2010, dass die F-GmbH als Schuldnerin f&uuml;r Kapitalertr&auml;ge, die in der Zeit vom 16. Dezember 2004 bis 23. Mai 2005 zugeflossen seien, berechtigt sei, den Steuerabzug f&uuml;r die Kapitalertr&auml;ge in H&ouml;he von 0 v.H. der Bruttoertr&auml;ge vorzunehmen. Grund f&uuml;r diese &Auml;nderung war die Einbeziehung auch der S.A.S. in den Katalog der Gesellschaften i.S. der Richtlinie 90\/435\/EWG in Anlage 2 zu &sect; 43b EStG 2002 durch das Gesetz zur Umsetzung von EU-Richtlinien in nationales Steuerrecht und zur &Auml;nderung weiterer Vorschriften (Richtlinien-Umsetzungsgesetz) vom 9. Dezember 2004 (BGBl I 2004, 3310) mit Wirkung vom 16. Dezember 2004 an. Im &Uuml;brigen verblieb es bei der Ablehnung, die beantragte Bescheinigung zu erteilen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die fortgef&uuml;hrte Klage blieb mit ihrem entsprechend angepassten und eingeschr&auml;nkten Antrag erfolglos (Finanzgericht &#8211;FG&#8211; K&ouml;ln, Urteil vom 28. Januar 2010&nbsp;&nbsp;2 K 4220\/03). Begr&uuml;ndet wurde ihre Abweisung mit dem EuGH-Urteil in Slg. 2009, I-9225, das auf Vorabentscheidungsersuchen ebenfalls des FG K&ouml;ln (Beschluss vom 23. Mai 2008&nbsp;&nbsp;2 K 3527\/02, Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2008, 1391) in einem &#8211;zwischenzeitlich ebenfalls durch Klageabweisung rechtskr&auml;ftig abgeschlossenen (FG K&ouml;ln, Urteil vom 28. Januar 2010&nbsp;&nbsp;2 K 3527\/02, EFG 2010, 971)&#8211; Parallelverfahren wie folgt entschieden hatte:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&quot;1. Art. 2 Buchst. a der Richtlinie 90\/435 &uuml;ber das gemeinsame Steuersystem der Mutter- und Tochtergesellschaften verschiedener Mitgliedstaaten ist in Verbindung mit Buchst. f ihres Anhangs dahin auszulegen, dass eine franz&ouml;sische Gesellschaft in der Rechtsform einer &#8217;soci&eacute;t&eacute; par actions simplifi&eacute;e&#8216; nicht als &#8218;Gesellschaft eines Mitgliedstaats&#8216; im Sinne der Richtlinie angesehen werden kann, bevor diese durch die Richtlinie 2003\/123 ge&auml;ndert wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach Art. 2 Buchst. a der Richtlinie 90\/435 ist &#8218;Gesellschaft eines Mitgliedstaats&#8216; jede Gesellschaft, die eine der im Anhang der Richtlinie aufgef&uuml;hrten Formen aufweist. Die Technik, die im Anhang in den meisten F&auml;llen und insbesondere in Buchst. f dieses Anhangs f&uuml;r die Gesellschaften franz&ouml;sischen Rechts verwendet wird und die darin besteht, die Bezeichnungen der von der Richtlinie erfassten Rechtsformen aufzuz&auml;hlen, ohne dass es eine Klausel gibt, die es erm&ouml;glicht, die Richtlinie auf andere nach dem Recht der jeweiligen Mitgliedstaaten gegr&uuml;ndete Gesellschaften anzuwenden, wobei in Bezug auf das franz&ouml;sische Recht eine Ausnahme f&uuml;r staatliche Betriebe und Unternehmen besteht, bedeutet, dass die fraglichen Bezeichnungen abschlie&szlig;end aufgez&auml;hlt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Au&szlig;erdem zielt die Richtlinie 90\/435 nicht darauf ab, ein gemeinsames Steuersystem f&uuml;r alle Gesellschaften der Mitgliedstaaten oder f&uuml;r alle Arten von Beteiligungen einzuf&uuml;hren. Bei nicht unter diese Richtlinie fallenden Beteiligungen ist es Sache der Mitgliedstaaten, festzulegen, ob und in welchem Umfang die wirtschaftliche Doppelbesteuerung der ausgesch&uuml;tteten Gewinne vermieden werden soll, und dazu einseitig oder durch Abkommen mit anderen Mitgliedstaaten Mechanismen zur Vermeidung oder Abschw&auml;chung dieser wirtschaftlichen Doppelbesteuerung einzuf&uuml;hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Es gibt nichts, was die G&uuml;ltigkeit von Art. 2 Buchst. a der Richtlinie 90\/435 &uuml;ber das gemeinsame Steuersystem der Mutter- und Tochtergesellschaften verschiedener Mitgliedstaaten in Verbindung mit Buchst. f ihres Anhangs und mit Art. 5 Abs. 1 dieser Richtlinie im Hinblick auf die Grunds&auml;tze der Niederlassungsfreiheit und des freien Kapitalverkehrs beeintr&auml;chtigen k&ouml;nnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zwar obliegt die in Art. 5 Abs. 1 dieser Richtlinie vorgesehene Verpflichtung zur Befreiung von jedem Steuerabzug an der Quelle den Mitgliedstaaten nur in Bezug auf die Gewinnaussch&uuml;ttungen an Gesellschaften, die als Gesellschaften im Sinne dieser Richtlinie angesehen werden k&ouml;nnen, doch gestattet diese Richtlinie einem Mitgliedstaat nicht, an Gesellschaften aus anderen Mitgliedstaaten, die nicht in ihren Anwendungsbereich fallen, ausgesch&uuml;ttete Gewinne ung&uuml;nstiger zu behandeln als die an vergleichbare inl&auml;ndische Gesellschaften ausgesch&uuml;tteten Gewinne.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Folglich ist eine Begrenzung des Anwendungsbereichs der Richtlinie 90\/435 &#8211;wie sie sich aus ihrem Art. 2 Buchst. a und aus Buchst. f ihres Anhangs ergibt&#8211;, mit der andere Gesellschaften, die nach nationalem Recht gegr&uuml;ndet werden k&ouml;nnen, von vornherein ausgeschlossen werden, nicht geeignet, die Niederlassungsfreiheit oder den freien Kapitalverkehr einzuschr&auml;nken.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Revision r&uuml;gt die Kl&auml;gerin Verletzung materiellen Rechts. Sie beantragt (sinngem&auml;&szlig;), das FG-Urteil aufzuheben und unter Ab&auml;nderung der erteilten Freistellungsbescheinigungen das BZSt zu verpflichten, auch f&uuml;r den Zeitraum vom 13. Juni 2002 bis 15. Dezember 2004 die Freistellung f&uuml;r den Gesamtbetrag der Kapitalertr&auml;ge ohne Steuerabzug zu gew&auml;hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das BZSt beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet. Das FG hat der Kl&auml;gerin im Ergebnis zutreffend einen Freistellungsanspruch gem&auml;&szlig; &sect; 50d Abs. 2 EStG 2002 versagt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die von der F-GmbH im Streitjahr an die Kl&auml;gerin ausgesch&uuml;tteten Gewinne unterlagen als inl&auml;ndische Kapitalertr&auml;ge gem&auml;&szlig; &sect; 43 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 i.V.m. &sect; 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 EStG 2002, &sect; 31 Abs. 1 des K&ouml;rperschaftsteuergesetzes 2002 (KStG 2002) der Kapitalertragsteuer. Als Schuldnerin der Kapitalertr&auml;ge hatte die F-GmbH gem&auml;&szlig; &sect; 44 Abs. 1 Satz 3 EStG 2002 den Steuerabzug f&uuml;r Rechnung der beschr&auml;nkt steuerpflichtigen Kl&auml;gerin (&sect; 2 Nr. 1, &sect; 8 Abs. 1 KStG 2002 i.V.m. &sect; 49 Abs. 1 Nr. 5 Buchst. a EStG 2002) &#8211;und zugleich der Schuldnerin der Kapitalertragsteuer (&sect; 44 Abs. 1 Satz 1 EStG 2002)&#8211; vorzunehmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r Aussch&uuml;ttungen an die Kl&auml;gerin als franz&ouml;sische Muttergesellschaft gelten die Sonderregeln des &sect; 43b EStG 2002, mit dem Art. 5 MTR in nationales Recht umgesetzt worden ist. Danach wird die Kapitalertragsteuer gem&auml;&szlig; &sect; 43b Abs. 1 Satz 1 EStG 2002 auf Antrag f&uuml;r Kapitalertr&auml;ge i.S. des &sect; 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG 2002, die einer Muttergesellschaft, die weder ihren Sitz noch ihre Gesch&auml;ftsleitung im Inland hat, aus Aussch&uuml;ttungen einer unbeschr&auml;nkt steuerpflichtigen Kapitalgesellschaft i.S. des &sect; 1 Abs. 1 Nr. 1 KStG 2002 zuflie&szlig;en, nicht erhoben. F&uuml;r die hiernach m&ouml;gliche Nichterhebung von Kapitalertragsteuer sieht &sect; 50d Abs. 2 Satz 1 EStG 2002 (i.V.m. &sect; 5 Abs. 1 Nr. 2 des Finanzverwaltungsgesetzes) ein Freistellungsverfahren &#8211;urspr&uuml;nglich&#8211; beim BfF und &#8211;nunmehr&#8211; beim BZSt vor, welches die Berechtigung zum Unterlassen des Steuerabzugs auf Antrag zu bescheinigen hat. Fehlt es an einer derartigen Freistellungsbescheinigung und wurde der Steuerabzug vom Kapitalertrag deswegen in Einklang mit der Regelungslage (vgl. &sect; 50d Abs. 1 Satz 1 EStG 2002) ungeachtet des &sect; 43b EStG 2002 vorgenommen, bleibt der Anspruch des Gl&auml;ubigers der Kapitalertr&auml;ge auf Erstattung der einbehaltenen und abgef&uuml;hrten Steuer unber&uuml;hrt; er ist gem&auml;&szlig; &sect; 50d Abs. 1 Satz 2 EStG 2002 durch entsprechenden Antrag geltend zu machen. Zust&auml;ndig f&uuml;r die Entscheidung auch &uuml;ber diesen Antrag war ebenfalls das BfF bzw. ist ebenfalls das BZSt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Vor diesem Regelungshintergrund war das BfF &#8211;und ist jetzt das BZSt&#8211; nicht verpflichtet, der Kl&auml;gerin eine Freistellungsbescheinigung gem&auml;&szlig; &sect; 50d Abs. 2 EStG 2002 zu erteilen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Erteilung einer Freistellungsbescheinigung nach &sect; 50d Abs. 2 EStG 2002 scheidet aus. Denn das setzt nach Satz 1 der Vorschrift (u.a.) voraus, dass die betreffenden Eink&uuml;nfte, die dem Steuerabzug vom Kapitalertrag unterliegen und nach &sect; 43b EStG 2002 oder nach einem Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung nicht oder nur nach einem niedrigeren Steuersatz besteuert werden k&ouml;nnen. Beides ist vorliegend &#8211;&uuml;ber den bereits verbeschiedenen Teil der in Rede stehenden Dividende hinaus&#8211; jedoch nicht der Fall. &sect; 43b EStG 2002 ist insoweit nicht einschl&auml;gig, weil eine Kapitalgesellschaft franz&ouml;sischen Rechts in der Rechtsform der S.A.S. im streitgegenst&auml;ndlichen Bescheinigungszeitraum nicht unter den entsprechenden Katalog beg&uuml;nstigter Kapitalgesellschaften fiel und weil &#8211;wie sich abschlie&szlig;end aus dem EuGH-Urteil in Slg. 2009, I-9225 ergibt&#8211; in diesem Umstand kein Versto&szlig; gegen Unionsrecht zu sehen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Aus letztlich eben diesem Grunde verbietet es sich zugleich, &sect; 43b EStG 2002 und den dazu ergangenen, abschlie&szlig;enden Katalog beg&uuml;nstigter Kapitalgesellschaften aus verfassungs- oder unionsrechtlichen Gr&uuml;nden erweiternd oder aber aufgrund der Annahme einer Regelungsl&uuml;cke analog auf die hier in Rede stehende Gesellschaftsform anzuwenden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Der deutsche Gesetzgeber wollte die Mutter\/Tochter-Richtlinie in nationales Recht umsetzen. Er hat sich dabei auf das Mindestma&szlig; der einzur&auml;umenden Beg&uuml;nstigung beschr&auml;nkt und insbesondere davon abgesehen, den Kreis der beg&uuml;nstigten Gesellschaftsformen &uuml;ber das infolge der Richtlinie Gebotene hinausgehend zu erweitern. Das mag nicht &quot;alternativlos&quot; gewesen sein, zumal der Richtliniengeber &#8211;in Art. 3 der Richtlinie&#8211; den nationalen Gesetzgeber mit der Aufforderung, &quot;wenigstens jede Gesellschaft eines Mitgliedstaates, die die Bedingungen des Art. 2 (der Richtlinie) erf&uuml;llt &#8230;&quot; nur mit jenem Mindestma&szlig; in Pflicht nahm. Das entsprach aber ersichtlich der Umsetzungsabsicht des deutschen Gesetzgebers. So gesehen gibt es aber keinen Grund, diesen &uuml;ber die Annahme einer Regelungsl&uuml;cke und &uuml;ber eine Regelungsanalogie zur Anordnung einer &quot;&Ouml;ffnungsklausel&quot; f&uuml;r andere &#8211;gegenw&auml;rtige oder zuk&uuml;nftige&#8211; Gesellschaftsformen zu zwingen, auch wenn solche &#8211;de lege lata nicht beg&uuml;nstigten&#8211; Gesellschaftsformen der Sache nach vergleichbar mit beg&uuml;nstigten Gesellschaftsformen sein m&ouml;gen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) In Anbetracht dessen erkennt der Senat auch nicht, dass die so verstandene Umsetzung der Richtlinie gegen den Gleichheitssatz des Grundgesetzes &#8211;GG&#8211; (Art. 3 Abs. 1 GG) verstie&szlig;e, was gleicherma&szlig;en eine verfassungskonforme erweiternde Auslegung als auch ein entsprechendes Normenkontrollersuchen nach Art. 100 Abs. 1 GG ausschlie&szlig;t: Die Kl&auml;gerin r&auml;umt selbst ein, dass die Rechtsform der S.A.S. seinerzeit bei Verabschiedung der Richtlinie und bei deren Umsetzung in nationales Recht noch nicht existierte. Der deutsche Gesetzgeber hatte also keine Veranlassung, diese &#8211;oder andere, noch nicht existente&#8211; Rechtsformen in den Kreis der beg&uuml;nstigten Gesellschaften einzubeziehen. Ihn traf ebenso wenig eine Verpflichtung, das ausl&auml;ndische Gesellschaftsrecht zu beobachten und eine dortige Rechtsentwicklung innerstaatlich nachzuvollziehen. Das war vielmehr Aufgabe des Richtliniengebers, wie es dann in der Folgezeit von diesem ja auch zugunsten der S.A.S. nachvollzogen worden ist. Durch die Umsetzung von Gemeinschaftsrecht geschaffene Ungleichbehandlungen innerstaatlicher Sachverhalte k&ouml;nnen jedoch nicht dem nationalen Gesetzgeber zugerechnet werden, da dieser lediglich gemeinschaftsrechtliche Vorgaben in Erf&uuml;llung vertraglicher Verpflichtungen in die nationale Rechtsordnung zu &uuml;bernehmen hat (vgl. auch f&uuml;r den Fall der sog. umgekehrten Inl&auml;nderdiskriminierung z.B. Senatsbeschluss vom 15. Juli 2005 I R 21\/04, BFHE 210, 43, BStBl II 2005, 716; Senatsurteil vom 18. M&auml;rz 2009 I R 13\/08, BFH\/NV 2009, 1613). F&uuml;r den streitgegenst&auml;ndlichen Zeitraum ist deswegen davon auszugehen, dass es umgekehrt gleichheitsgerecht ist, die S.A.S. mit anderen nichtbeg&uuml;nstigten Gesellschaften gleichzubehandeln und ihr nicht eine Beg&uuml;nstigung zu gew&auml;hren, die ihr aufgrund richtlinienkonformer Anwendung nicht zusteht. Dass in Art. 3 MTR davon die Rede ist, als Muttergesellschaft im Sinne der Richtlinie gelte &quot;wenigstens&quot; jede Gesellschaft eines Mitgliedstaats, die die Bedingungen des Art. 2 der Richtlinie erf&uuml;llt, &auml;ndert daran auch insoweit nichts. Gleichwohl trifft den richtlinienumsetzenden Mitgliedstaat keine Pflicht, &uuml;ber den aufgelisteten Katalog einschl&auml;giger Gesellschaftsformen hinauszugehen. Und so gesehen bel&auml;sst das Unionsrecht dem nationalen Gesetzgeber bei der Umsetzung der Richtlinie auch keinen Auslegungsspielraum, der &#8211;aus national-verfassungsrechtlicher Sicht&#8211; eine Ungleichbehandlung nach sich zu ziehen verm&ouml;chte (s. zur insoweit notwendigen Differenzierung auch Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 4. Oktober 2011&nbsp;&nbsp;1 BvL 3\/08, DStR 2011, 2141).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Schlie&szlig;lich besteht keine Veranlassung, den EuGH zur abermaligen Auslegung der Mutter\/Tochter-Richtlinie anzurufen, auch wenn der EuGH sich in seinem Urteil in Slg. 2009, I-9225 nicht ausdr&uuml;cklich dazu ge&auml;u&szlig;ert hat, dass die Richtlinie den nationalen Gesetzgeber nur auf das beschriebene Mindestma&szlig; verpflichtet. Doch hat er in der Nichteinbeziehung der Rechtsform der S.A.S. in die Richtlinie keinen Versto&szlig; gegen unionsrechtliches Prim&auml;r- und Sekund&auml;rrecht erkannt. Diese Antwort auf die ihm gestellte Vorlagefrage bel&auml;sst keine Auslegungszweifel.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die Kl&auml;gerin wendet sich allerdings zu Recht dagegen, dass Dividenden, die an Gesellschaften mit Sitz in anderen Mitgliedstaaten ausgesch&uuml;ttet werden, in Deutschland anders als Dividenden, die an Gesellschaften mit Sitz in Deutschland ausgesch&uuml;ttet werden, wirtschaftlich einer h&ouml;heren Besteuerung unterworfen werden, weil die einbehaltene Kapitalertragsteuer bei ihr weder angerechnet (vgl. &sect; 36 Abs. 2 Nr. 2 EStG 2002) noch verg&uuml;tet (vgl. &sect; 36 Abs. 4 Satz 2 EStG 2002) wird, sondern nach &sect; 32 Abs. 1 Nr. 2 KStG 2002 abgeltenden Charakter hat und sonach bei ihr definitiv wird. Der Senat verweist dazu im Einzelnen und zur Vermeidung von Wiederholungen auf sein Urteil vom 22. April 2009 I R 53\/07 (BFHE 224, 556, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Dieser Vorwurf ist nach Lage der Dinge begr&uuml;ndet; der EuGH hat in seinem Urteil in DStR 2011, 2038 auf einen entsprechenden Unionsrechtsversto&szlig; durch Verletzung der Kapitalverkehrsfreiheit gem&auml;&szlig; Art. 56 des Vertrages zur Gr&uuml;ndung der Europ&auml;ischen Gemeinschaft i.d.F. des Vertrages von Nizza &#8211;ABlEG 2002 C 325, 1&#8211; (jetzt Art. 63 des Vertrages &uuml;ber die Arbeitsweise der Europ&auml;ischen Union i.d.F. des Vertrags von Lissabon, Amtsblatt der Europ&auml;ischen Union 2007 C 306\/01) erkannt. Deutschland darf danach Dividenden, die an Gesellschaften mit Sitz in anderen Mitgliedstaaten ausgesch&uuml;ttet werden, wirtschaftlich keiner h&ouml;heren Belastung unterwerfen als Dividenden, die an Gesellschaften mit Sitz in Deutschland ausgesch&uuml;ttet werden. In Deutschland wurden vergleichbare Dividenden im streitgegenst&auml;ndlichen Zeitraum aber &#8211;unbeschadet des auch hier praktizierten Abzugs von Kapitalertragsteuer&#8211; nach &sect; 8b Abs. 1 KStG 2002 und infolge der beschriebenen Anrechnung bzw. Verg&uuml;tung der Kapitalertragsteuer prinzipiell vollen Umfangs von der K&ouml;rperschaftsteuer befreit. Erst seit dem Veranlagungszeitraum 2004 wird der Steuervorteil wirtschaftlich geschm&auml;lert; seitdem gelten 5 v.H. der Dividenden nach &sect; 8b Abs. 5 Satz 1 KStG 2002 (i.d.F. des Gesetzes zur Umsetzung der Protokollerkl&auml;rung der Bundesregierung zur Vermittlungsempfehlung zum Steuerverg&uuml;nstigungsabbaugesetz vom 22. Dezember 2003, BGBl I 2003, 2840) als nicht abziehbare Betriebsausgaben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Steuerfreistellung ist &#8211;vom Veranlagungszeitraum 2004 an in entsprechendem Umfang gleicherma&szlig;en geschm&auml;lert&#8211; nunmehr auch ausl&auml;ndischen Kapitalgesellschaften als Dividendenempf&auml;ngern einzur&auml;umen. Dass das (bislang) unterblieben ist, ist Deutschland als Quellenstaat anzulasten. Der Unionsrechtsversto&szlig; kann zwar prinzipiell gerechtfertigt werden, indem Deutschland sich mit dem Ans&auml;ssigkeitsstaat des Dividendenempf&auml;ngers bilateral darauf verst&auml;ndigt, dass jener Staat die deutsche Quellensteuer in voller H&ouml;he anrechnet oder erstattet (vgl. EuGH-Urteil in DStR 2011, 2038; s. auch Senatsurteil in BFHE 224, 556, m.w.N.). Das aber ist im Hinblick auf Frankreich nicht geschehen; Art. 20 Abs. 2 Buchst. a Doppelbuchst. bb DBA-Frankreich sieht insofern lediglich eine Steueranrechnung begrenzt auf den Betrag der auf die Dividenden entfallenden franz&ouml;sischen Steuer vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) F&uuml;r die Verfahrenskonstellation des Streitfalls hilft dieser materiell-rechtliche Befund der Kl&auml;gerin indessen nicht weiter. Denn deren Begehren st&uuml;tzt sich insoweit nicht auf &sect; 43b Abs. 1 EStG 2002 und somit auch nicht unmittelbar auf das tatbestandlich vorgegebene Verfahren nach &sect; 50d Abs. 2 EStG 2002. Es st&uuml;tzt sich vielmehr &#8211;davon losgel&ouml;st&#8211; darauf, dass der Steuerabzug als solcher abweichend von einer vergleichbaren Inlandskonstellation bei der ausl&auml;ndischen Muttergesellschaft definitiv wird und deswegen gegen die Kapitalverkehrsfreiheit verst&ouml;&szlig;t. In dieser Situation ist die Einleitung des Freistellungsverfahrens nach &sect; 50d Abs. 2 EStG 2002 ausgeschlossen (vgl. auch &sect; 43b Abs. 2 Satz 3 letzter Halbsatz EStG 2002). Nicht anders als Steuerinl&auml;nder ist die Kl&auml;gerin vielmehr gehalten, den Steuerabzug zun&auml;chst hinzunehmen (vgl. &sect; 43 Abs. 1 Satz 3 EStG 2002) und ihr Begehren sodann im Rahmen eines (nachtr&auml;glichen) Erstattungsverfahrens auf anderer Rechtsgrundlage &#8211;in entsprechender Anwendung von &sect; 50d Abs. 1 Satz 1 EStG 2002 und gerichtet auf Erlass eines entsprechenden Freistellungsbescheides gem&auml;&szlig; &sect; 155 Abs. 1 Satz 3 der Abgabenordnung (AO)&#8211; durchzusetzen (vgl. zur Abgrenzung auch Senatsurteil vom 11. Oktober 2000 I R 34\/99, BFHE 193, 336, BStBl II 2001, 291).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Entscheidungszust&auml;ndigkeit dar&uuml;ber obliegt dem &ouml;rtlich und sachlich zust&auml;ndigen Finanzamt (vgl. &sect; 20 Abs. 3 und 4 AO), nicht aber dem BZSt, dessen Sachzust&auml;ndigkeit im Finanzverwaltungsgesetz abschlie&szlig;end bestimmt wird. Letzteres entspricht st&auml;ndiger Spruchpraxis des Senats (vgl. z.B. &#8211;ebenfalls bezogen auf das Erstattungsverfahren analog &sect; 50d Abs. 1 Satz 2 EStG 2002 und zu einer mit dem Streitfall vergleichbaren Ausgangslage&#8211; Urteil in BFHE 224, 556, m.w.N.; s. zur Abgrenzung demgegen&uuml;ber Senatsurteil vom 20. Dezember 2006 I R 13\/06, BFHE 216, 259, BStBl II 2007, 616, dort unter II.4.b bb, speziell unter bbb der Entscheidungsgr&uuml;nde) und tr&auml;gt dem Umstand Rechnung, dass sich die Zust&auml;ndigkeit des BZSt im Sinne einer funktionalen Aufgabenteilung auf die positiv-rechtlich angeordneten Anwendungsf&auml;lle beschr&auml;nkt. Freistellungen und Erstattungen von Kapitalertragsteuer, welche dar&uuml;ber hinausgehen und welche sich auf eine andere Rechtsgrundlage st&uuml;tzen, sind institutionell hingegen allein vom zust&auml;ndigen Finanzamt zu verantworten. Sie lassen sich weder kraft einer Art &quot;Annexkompetenz&quot; noch einer zust&auml;ndigkeitsbegr&uuml;ndenden Analogie auf das BZSt &uuml;bertragen. Das gebietet der auch und insbesondere bei Zust&auml;ndigkeitsregelungen ma&szlig;gebliche allgemeine Vorbehalt des Gesetzes nach Art. 20 Abs. 3 GG (vgl. z.B. Kluth in Wolff\/ Bachof\/Stober, Verwaltungsrecht Band 3, 5. Aufl., &sect; 84 Rz 11 ff.), und das gilt auch dann, wenn eine anderweitige Zust&auml;ndigkeitsregelung im Einzelfall, namentlich bei Fonds- und Streubesitzbeteiligungen &#8211;und damit nicht im Streitfall&#8211;, durchaus sachdienlich sein mag.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Ihrerseits unionsrechtliche Einw&auml;nde gegen diese Zweiteilung des Verfahrens &#8211;vorheriger Steuerabzug und anschlie&szlig;ende Erstattung&#8211; w&auml;ren ebenso unbegr&uuml;ndet wie gegen die verlagerte Verfahrenszust&auml;ndigkeit: Die hintereinander geschaltete Verfahrenszweiteilung hat der EuGH prinzipiell ausdr&uuml;cklich akzeptiert (vgl. EuGH-Urteil vom 3. Oktober 2006 Rs. C-290\/04 &quot;Scorpio&quot;, BFH\/NV 2007, Beilage 1, 36); das gilt insbesondere dann, wenn &#8211;wie beim Abzug der Kapitalertragsteuer&#8211; In- wie Ausl&auml;nder gleichbehandelt werden (vgl. Senatsurteil in BFHE 216, 259, BStBl II 2007, 616, dort unter II.4.b cc der Entscheidungsgr&uuml;nde). Und die verfahrensrechtliche Umsetzung unionsrechtlicher Anforderungen an das nationale Steuerrecht obliegt mangels einer einschl&auml;gigen Unionsregelung ohnehin autonom den einzelnen Mitgliedstaaten (vgl. zuletzt EuGH, Urteil vom 30. Juni 2011 C-262\/09, Meilicke u.a., BFH\/NV 2011, 1467, dort Rz 55, m.w.N.). Es darf dem Steuerpflichtigen nur nicht unm&ouml;glich gemacht werden, seinen unionsrechtlich begr&uuml;ndeten Anspruch durchzusetzen. Das aber ist jedenfalls infolge der voneinander abweichenden Zust&auml;ndigkeitsregelungen nicht der Fall.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.1.2012, I R 25\/10 Kapitalertragsteuer bei beschr&auml;nkt steuerpflichtiger Kapitalgesellschaft in der Rechtsform der franz&ouml;sischen &quot;societe par actions simplifiee&quot; (S.A.S.): Unionsrechts- und Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit &#8211; Freistellungs- und Erstattungsverfahren &#8211; Zust&auml;ndigkeit Leits&auml;tze 1. Eine franz&ouml;sische Kapitalgesellschaft in der Rechtsform einer &quot;societe par actions simplifiee&quot; (S.A.S.) war bis zum 15. 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