{"id":65750,"date":"2016-02-03T17:47:14","date_gmt":"2016-02-03T15:47:14","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65750"},"modified":"2016-02-03T17:47:14","modified_gmt":"2016-02-03T15:47:14","slug":"vii-r-33-14-im-wesentlichen-inhaltsgleich-mit-bfh-urteil-vom-22092015-vii-r-32-14-anspruch-auf-verzinsung-des-erstattungsbetrags-ab-zahlung-einer-unionsrechtswidrig-erhobenen-abgabe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-33-14-im-wesentlichen-inhaltsgleich-mit-bfh-urteil-vom-22092015-vii-r-32-14-anspruch-auf-verzinsung-des-erstattungsbetrags-ab-zahlung-einer-unionsrechtswidrig-erhobenen-abgabe\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;33\/14 &#8211; Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 22.09.2015 VII R 32\/14 &#8211; Anspruch auf Verzinsung des Erstattungsbetrags ab Zahlung einer unionsrechtswidrig erhobenen Abgabe"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 22.9.2015, VII R 33\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 22.09.2015 VII R 32\/14 &#8211; Anspruch auf Verzinsung des Erstattungsbetrags ab Zahlung einer unionsrechtswidrig erhobenen Abgabe<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Soweit die Beteiligten den Rechtsstreit &uuml;ber die Abgabenfestsetzung f&uuml;r das Wirtschaftsjahr 2002\/2003 &uuml;bereinstimmend in der Hauptsache f&uuml;r erledigt erkl&auml;rt haben, wird das Verfahren eingestellt.<\/p>\n<\/p>\n<p>Im &Uuml;brigen wird die Revision des Hauptzollamts gegen das Urteil des Finanzgerichts des Landes Sachsen-Anhalt vom 10. Juli 2013 2 K 477\/13 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens tragen die Kl&auml;gerin und das Hauptzollamt je zur H&auml;lfte.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) ist ein Zucker erzeugendes Unternehmen und war als solches gem&auml;&szlig; der Verordnung (EG) Nr.&nbsp;1260\/2001 (VO&nbsp;Nr.&nbsp;1260\/2001) des Rates vom 19.&nbsp;Juni 2001 &uuml;ber die gemeinsame Marktorganisation f&uuml;r Zucker (sog. Grundverordnung, Amtsblatt der Europ&auml;ischen Gemeinschaften Nr.&nbsp;L&nbsp;178\/1) f&uuml;r das streitgegenst&auml;ndliche Wirtschaftsjahr 2002\/2003 verpflichtet, Produktionsabgaben zu zahlen; diese wurden als Eigenmittel an die Europ&auml;ische Kommission abgef&uuml;hrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Bescheid vom 2.&nbsp;Februar 2010 setzte der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Hauptzollamt &#8211;HZA&#8211;) auf der Grundlage der sich zuletzt aus der Verordnung (EG) Nr.&nbsp;1193\/2009 (VO&nbsp;Nr.&nbsp;1193\/2009) der Kommission vom 3.&nbsp;November 2009 zur Berichtigung der Verordnungen (EG) Nr.&nbsp;1762\/2003, (EG) Nr.&nbsp;1775\/2004, (EG) Nr.&nbsp;1686\/2005 und (EG) Nr.&nbsp;164\/2007 sowie zur Festsetzung der Produktionsabgaben im Zuckersektor f&uuml;r die Wirtschaftsjahre 2002\/2003, 2003\/2004, 2004\/2005 und 2005\/2006 (Amtsblatt der Europ&auml;ischen Union &#8211;ABlEU&#8211; Nr.&nbsp;L 321\/1) ergebenden Abgabens&auml;tze gegen die Kl&auml;gerin eine B-Abgabe f&uuml;r das Wirtschaftsjahr 2002\/2003 in H&ouml;he von &#8230;&nbsp;EUR fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das gegen den Bescheid nach erfolglosem Vorverfahren gerichtete Klageverfahren wurde zun&auml;chst mit Beschluss vom 24.&nbsp;Juni 2010 bis zur Entscheidung &uuml;ber die zu dieser Zeit beim Gerichtshof der Europ&auml;ischen Union (EuGH) anh&auml;ngigen Vorabentscheidungsersuchen C-113\/10, C-147\/10 und C-234\/10 ausgesetzt. Diese hatten Fragen bez&uuml;glich der G&uuml;ltigkeit der VO&nbsp;Nr.&nbsp;1193\/2009 zum Gegenstand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Urteil J&uuml;lich II vom 27.&nbsp;September 2012 in den verbundenen Rechtssachen C-113\/10, C-147\/10 und C-234\/10 (EU:C:2012:591, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung &#8211;HFR&#8211; 2012, 1210) erkl&auml;rte der EuGH die VO Nr.&nbsp;1193\/2009 in ihrer Gesamtheit f&uuml;r nichtig. Der Gerichtshof urteilte, die Europ&auml;ische Kommission habe die gem&auml;&szlig; der VO Nr.&nbsp;1260\/2001 zu entrichtenden Abgaben in den betreffenden Jahren falsch berechnet und die Methode, nach der die Abgaben festgesetzt worden waren, habe zu einer &uuml;berh&ouml;hten Belastung der Zuckererzeuger gef&uuml;hrt. Dar&uuml;ber hinaus entschied der EuGH, dass Rechtssuchende wegen der Ung&uuml;ltigkeit der VO Nr.&nbsp;1193\/2009 einerseits Anspruch auf Erstattung der zu Unrecht erhobenen Produktionsabgaben und andererseits Anspruch auf Zahlung der auf diese Betr&auml;ge anfallenden Zinsen haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) hob daraufhin den Bescheid des HZA insoweit auf, als die festgesetzte B-Abgabe mehr als &#8230;&nbsp;EUR betrug. Dar&uuml;ber hinaus sprach das FG der Kl&auml;gerin Zinsen auf den zu erstattenden Betrag in H&ouml;he von 0,5&nbsp;% pro Monat ab dem Zeitpunkt der &Uuml;berzahlung der geschuldeten Abgaben bis zum Eintritt der Rechtsh&auml;ngigkeit zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG entschied, ein Ruhen des Verfahrens bis zum Inkrafttreten einer unionsweit einheitlichen Regelung der Produktionsabgaben durch die Europ&auml;ische Kommission sei bereits mangels &uuml;bereinstimmender Antr&auml;ge der Beteiligten abzulehnen. Auch seien die Tatbestandsvoraussetzungen des &sect;&nbsp;74 der Finanzgerichtsordnung (FGO) f&uuml;r eine Aussetzung des Verfahrens nicht gegeben. Der EuGH habe der Europ&auml;ischen Kommission in seinem Urteil nicht aufgegeben, die anzuwendenden Zuckerabgabens&auml;tze neu zu regeln, und aus der Verpflichtung gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;266 des Vertrags &uuml;ber die Arbeitsweise der Europ&auml;ischen Union ergebe sich ebenfalls keine Pflicht des erkennenden Gerichts, eine entsprechende Entscheidung der Europ&auml;ischen Kommission abzuwarten. Die Gefahr von Anlastungen f&uuml;r den Bundeshaushalt k&ouml;nne &#8211;auch angesichts der Unsicherheiten &uuml;ber das Ob und gegebenenfalls das Wann der Entscheidung der Europ&auml;ischen Kommission&#8211; nicht zu einer Verz&ouml;gerung der Festsetzung des Erstattungsanspruchs der Kl&auml;gerin f&uuml;hren; nach Abw&auml;gung der beiderseitigen Interessen sei der Kl&auml;gerin ein weiteres Abwarten nicht zuzumuten. Der in dem angefochtenen Bescheid festgesetzten Abgabe fehle die Rechtsgrundlage; einer Herabsetzung des Abgabenbetrags unter Zugrundelegung des Berechnungsvorschlags der Schwedischen Ratspr&auml;sidentschaft aus dem Jahr 2009 stehe daher nichts entgegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Zinsanspruch der Kl&auml;gerin ergebe sich nach dem EuGH-Urteil J&uuml;lich II (EU:C:2012:591, HFR 2012, 1210) unmittelbar aus Unionsrecht; die H&ouml;he des Zinssatzes betrage gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 des Gesetzes zur Durchf&uuml;hrung der gemeinsamen Marktorganisationen und Direktzahlungen (MOG) i.V.m. &sect;&nbsp;238 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO) 0,5&nbsp;% f&uuml;r jeden vollen Monat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit &Auml;nderungsbescheid (&sect;&nbsp;68&nbsp;FGO) vom 26.&nbsp;M&auml;rz 2014 setzte das HZA die B-Abgabe f&uuml;r das Wirtschaftsjahr 2002\/2003 gem&auml;&szlig; der zwischenzeitlich erlassenen Verordnung (EU) Nr.&nbsp;1360\/2013 (VO&nbsp;Nr.&nbsp;1360\/2013) des Rates vom 2.&nbsp;Dezember 2013 zur Festsetzung der Produktionsabgaben im Zuckersektor f&uuml;r die Wirtschaftsjahre 2001\/2002, 2002\/2003, 2003\/2004, 2004\/2005 und 2005\/2006, des Koeffizienten f&uuml;r die Berechnung der Erg&auml;nzungsabgabe f&uuml;r die Wirtschaftsjahre 2001\/2002 und 2004\/2005 und der Betr&auml;ge, die die Zuckerhersteller den Zuckerr&uuml;benverk&auml;ufern f&uuml;r die Differenz zwischen dem H&ouml;chstbetrag der Abgaben und dem Betrag dieser f&uuml;r die Wirtschaftsjahre 2002\/2003, 2003\/2004 und 2005\/2006 zu erhebenden Abgaben zu zahlen haben (ABlEU Nr.&nbsp;L 343\/2) auf &#8230;&nbsp;EUR fest. Im Hinblick auf die urspr&uuml;nglich in Frage stehende Berechnung und H&ouml;he der B-Abgabe f&uuml;r das Wirtschaftsjahr 2002\/2003 wurde das Verfahren daraufhin durch im Ergebnis &uuml;bereinstimmende Erkl&auml;rungen der Beteiligten f&uuml;r erledigt erkl&auml;rt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Revision betreffend den verbliebenen Zinsanspruch macht das HZA geltend, das FG habe gegen &sect;&nbsp;233 AO versto&szlig;en, indem es der Kl&auml;gerin einen erg&auml;nzenden Anspruch auf Zinsen ab &Uuml;berzahlung der Abgaben zugesprochen habe. &sect;&nbsp;236&nbsp;AO, wonach zu erstattende Betr&auml;ge lediglich vom Tag der Rechtsh&auml;ngigkeit an zu verzinsen seien, gen&uuml;ge den Vorgaben des Unionsrechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das HZA beantragt, die Vorentscheidung im Hinblick auf den zugesprochenen Anspruch auf Zinszahlung aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der EuGH habe mit seinem Urteil Irimie vom 18.&nbsp;April 2013 C-565\/11 (EU:C:2013:250, HFR 2013, 659) die Vorgaben des Effektivit&auml;tsprinzips dahin konkretisiert, dass die Verzinsung eines Erstattungsbetrags ab Zahlung einer unionsrechtswidrig erhobenen Abgabe zwingend sei. Diese Rechtsprechung sei nicht auf von den Mitgliedstaaten unionsrechtswidrig erhobene nationale Abgaben begrenzt. Neben dem unmittelbar aus Unionsrecht erwachsenden Erstattungsanspruch greife also ein Zinsanspruch aus &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1&nbsp;MOG i.V.m. einer europarechtskonformen Anwendung des &sect;&nbsp;233a bzw. &sect;&nbsp;236&nbsp;AO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. 1. Soweit der Rechtsstreit in der Hauptsache f&uuml;r erledigt erkl&auml;rt worden ist, ist das Verfahren einzustellen. Das FG-Urteil ist insoweit gegenstandslos.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Revision des HZA im &Uuml;brigen ist unbegr&uuml;ndet und deshalb zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2&nbsp;FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat zu Recht Zinsen f&uuml;r den zu erstattenden Betrag ab dem Zeitpunkt der &Uuml;berzahlung der Abgaben gew&auml;hrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) In seinem Urteil J&uuml;lich II (EU:C:2012:591, HFR 2012, 1210, Rz&nbsp;66) hat der EuGH unter Verweis auf seine insoweit st&auml;ndige Rechtsprechung (vgl. Urteil Metallgesellschaft vom 8.&nbsp;M&auml;rz 2001 C-397\/98 und C-410\/98, EU:C:2001:134, HFR 2001, 628, Rz&nbsp;84&nbsp;ff., und Urteil Littlewoods Retail u.a. vom 19.&nbsp;Juli 2012 C-591\/10, EU:C:2012:478, HFR 2012, 1018, Rz&nbsp;24&nbsp;ff.) bekr&auml;ftigt, dass sich im Fall von Steuerbetr&auml;gen, die unter Versto&szlig; gegen Vorschriften des Unionsrechts erhoben worden sind, ein Anspruch auf Erstattung der erhobenen Betr&auml;ge zuz&uuml;glich Zinsen unmittelbar aus dem Unionsrecht ergibt. Diesem Grundsatz folgend haben Rechtssuchende, die einen Anspruch auf Erstattung von Betr&auml;gen haben, die aufgrund einer ung&uuml;ltigen Verordnung zu Unrecht gezahlt wurden, auch Anspruch auf Zahlung der entsprechenden Zinsen (Urteil J&uuml;lich II, EU:C:2012:591, HFR 2012, 1210, Rz&nbsp;67, 69).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Hinblick auf die Konkretisierung des Begriffs &quot;entsprechende&quot; Zinsen stellt der EuGH in diesem Urteil (EU:C:2012:591, HFR 2012, 1210, Rz&nbsp;60, 61) lediglich fest, dass es Sache der nationalen Stellen und insbesondere der nationalen Gerichte ist, in F&auml;llen der Erstattung von Abgaben, die auf der Grundlage f&uuml;r ung&uuml;ltig erkl&auml;rter Unionsverordnungen zu Unrecht erhoben wurden, alle mit dieser Erstattung zusammenh&auml;ngenden Nebenfragen, wie etwa die der Zahlung von Zinsen, gem&auml;&szlig; ihren innerstaatlichen Vorschriften &uuml;ber den Zinssatz und den Zeitpunkt, von dem an die Zinsen zu berechnen sind, zu regeln. Die Bedingungen f&uuml;r die Zahlung solcher Zinsen m&uuml;ssten dabei den Grunds&auml;tzen der &Auml;quivalenz und der Effektivit&auml;t entsprechen, d.h. sie d&uuml;rften insbesondere nicht so ausgestaltet sein, dass sie die Aus&uuml;bung der Rechte, die die Unionsrechtsordnung einr&auml;umt, praktisch unm&ouml;glich machen. Dies entspricht der st&auml;ndigen Rechtsprechung des EuGH im Hinblick auf die Erstattung zu Unrecht erhobener Steuerbetr&auml;ge und diesbez&uuml;glicher Zinsen (vgl. EuGH-Urteil Roquette fr&egrave;res\/ Kommission vom 21.&nbsp;Mai 1976 Rs.&nbsp;26\/74, EU:C:1976:69, Rz&nbsp;9&nbsp;ff.; EuGH-Urteil Express Dairy Foods vom 12.&nbsp;Juni 1980 Rs.&nbsp;130\/79, EU:C:1980:155, Zeitschrift f&uuml;r Z&ouml;lle und Verbrauchsteuern 1981, 45, Rz&nbsp;11&nbsp;ff., und EuGH-Urteil Littlewoods Retail u.a., EU:C:2012:478, HFR 2012, 1018, Rz&nbsp;27).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Abgabenordnung sieht im Zusammenhang mit Erstattungsanspr&uuml;chen zwar lediglich einen Anspruch auf Prozesszinsen ab Rechtsh&auml;ngigkeit gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;236 AO vor; Ausnahmen hiervon sind in &sect;&nbsp;233a AO abschlie&szlig;end normiert und greifen im Streitfall nicht ein. Mit Blick auf den Grundsatz der Effektivit&auml;t hat der Bundesfinanzhof (BFH) zun&auml;chst entschieden, die Frage, in welcher Weise der jeweilige Mitgliedstaat eine Erstattung oder eine Entsch&auml;digung f&uuml;r die finanzielle Einbu&szlig;e regelt, die der Steuerpflichtige infolge eines Unionsrechtsversto&szlig;es erlitten hat, sei mangels einer Unionsrechtsregelung Sache des innerstaatlichen Rechts. Unter Umst&auml;nden k&ouml;nne der Steuerpflichtige zus&auml;tzlich einen Schadensersatzanspruch geltend machen. Der Gesetzgeber sei aber nicht zu einer l&uuml;ckenlosen Verzinsung jeglicher Erstattungsanspr&uuml;che verpflichtet (BFH-Beschluss vom 18.&nbsp;September 2007 I&nbsp;R&nbsp;15\/05, BFHE 219, 1, 3, BStBl II 2008, 332); eine Verletzung des Grundsatzes der Effektivit&auml;t durch das innerstaatliche Regelungsgef&uuml;ge sei dabei nicht ersichtlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Jedoch erkl&auml;rt der EuGH in seinem Urteil Irimie (EU:C:2013:250, HFR 2013, 659, 660, Rz&nbsp;29) eine nationale Regelung f&uuml;r unionsrechtswidrig, die die bei der Erstattung einer unionsrechtswidrig erhobenen Steuer zu zahlenden Zinsen auf jene Zinsen beschr&auml;nkt, die ab dem auf das Datum des Antrags auf Erstattung der Steuer folgenden Tag angefallen sind. Eine derartige nationale Regelung d&uuml;rfe im Hinblick auf die Erfordernisse des Grundsatzes der Effektivit&auml;t nicht dazu f&uuml;hren, dass dem Steuerpflichtigen eine angemessene Entsch&auml;digung f&uuml;r die Einbu&szlig;en, die er durch die zu Unrecht gezahlte Steuer erlitten habe, vorenthalten werde (EuGH-Urteil Irimie, EU:C:2013:250, HFR 2013, 659, 660, Rz&nbsp;26). Die Einbu&szlig;en hingen u.a. davon ab, wie lange der unter Versto&szlig; gegen das Unionsrecht zu Unrecht gezahlte Betrag nicht zur Verf&uuml;gung gestanden habe und entst&uuml;nden somit grunds&auml;tzlich im Zeitraum vom Tag der zu Unrecht geleisteten Zahlung der fraglichen Steuer bis zum Tag ihrer Erstattung (EuGH-Urteil Irimie, EU:C:2013:250, HFR 2013, 659, 660, Rz&nbsp;28).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In seinem Irimie-Urteil (EU:C:2013:250, HFR 2013, 659), in dem er erstmals &uuml;ber die Unionsrechtskonformit&auml;t einer nationalen Regelung zur Verzinsung von Erstattungsanspr&uuml;chen zu befinden hatte, hat der EuGH eindeutig entschieden, Zinsen auf unionsrechtswidrig erhobene Steuern f&uuml;r den Zeitraum, in dem die Mittel nicht zur Verf&uuml;gung stehen, zuzusprechen, und er hat diese Rechtsprechung zum Zinsbeginn in einem sp&auml;teren Urteil best&auml;tigt (EuGH-Urteil Rafin&#259;ria Steaua Rom&acirc;n&#259; vom 24.&nbsp;Oktober 2013 C-431\/12, EU:C:2013:686, HFR 2013, 1163).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Anspruch auf Zahlung von Zinsen ab dem Tag der zu Unrecht geleisteten Abgabenzahlung ergibt sich unmittelbar aus dem Unionsrecht. Den anderslautenden BFH-Beschluss in BFHE 219, 1, BStBl II 2008, 332 sieht der erkennende Senat als durch die aktuelle EuGH-Rechtsprechung &uuml;berholt an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2, &sect;&nbsp;138 Abs.&nbsp;1&nbsp;FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 22.9.2015, VII R 33\/14 Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 22.09.2015 VII R 32\/14 &#8211; Anspruch auf Verzinsung des Erstattungsbetrags ab Zahlung einer unionsrechtswidrig erhobenen Abgabe Tenor Soweit die Beteiligten den Rechtsstreit &uuml;ber die Abgabenfestsetzung f&uuml;r das Wirtschaftsjahr 2002\/2003 &uuml;bereinstimmend in der Hauptsache f&uuml;r erledigt erkl&auml;rt haben, wird das Verfahren eingestellt. Im &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-33-14-im-wesentlichen-inhaltsgleich-mit-bfh-urteil-vom-22092015-vii-r-32-14-anspruch-auf-verzinsung-des-erstattungsbetrags-ab-zahlung-einer-unionsrechtswidrig-erhobenen-abgabe\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VII&nbsp;R&nbsp;33\/14 &#8211; Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 22.09.2015 VII R 32\/14 &#8211; Anspruch auf Verzinsung des Erstattungsbetrags ab Zahlung einer unionsrechtswidrig erhobenen Abgabe<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-65750","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65750","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65750"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65750\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65750"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65750"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65750"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}