{"id":65758,"date":"2016-02-03T17:47:39","date_gmt":"2016-02-03T15:47:39","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65758"},"modified":"2016-02-03T17:47:39","modified_gmt":"2016-02-03T15:47:39","slug":"i-b-62-14-billigkeitserlass-von-zinsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-62-14-billigkeitserlass-von-zinsen\/","title":{"rendered":"I&nbsp;B&nbsp;62\/14 &#8211; Billigkeitserlass von Zinsen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 30.9.2015, I B 62\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Billigkeitserlass von Zinsen<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 5. Juni 2014&nbsp;&nbsp;10 K 10237\/13 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Im Zuge einer Au&szlig;enpr&uuml;fung erlie&szlig; der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) u.a. Bescheide &uuml;ber den Gewerbesteuermessbetrag, die Gewerbesteuer und Zinsen zur Gewerbesteuer f&uuml;r die Streitjahre 2004 bis 2006. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin), eine GmbH, legte Einspruch ein und beantragte au&szlig;erdem den Erlass der Zinsen zur Gewerbesteuer gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;227 der Abgabenordnung. Auch gegen die Ablehnung ihres Erlassantrags ging die Kl&auml;gerin vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA wies die Einspr&uuml;che hinsichtlich der Zinsfestsetzung und der Erlassablehnung ab. Die Kl&auml;gerin erhob in der Erlasssache Klage, mit der sie die Verfassungswidrigkeit der gesetzlichen Zinsh&ouml;he von 6&nbsp;% per annum geltend machte und auf die von ihr nicht verschuldete lange Verfahrensdauer abstellte. Das Finanzgericht Berlin-Brandenburg wies die Klage ab. In seinem Urteil vom 5.&nbsp;Juni 2014&nbsp;&nbsp;10&nbsp;K&nbsp;10237\/13 lie&szlig; es die Revision nicht zu. Dagegen wendet sich die Kl&auml;gerin mit ihrer Beschwerde. Ihres Erachtens hat die Sache rechtsgrunds&auml;tzliche Bedeutung i.S. des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist &#8211;bei erheblichen Bedenken hinsichtlich ihrer Zul&auml;ssigkeit&#8211; jedenfalls unbegr&uuml;ndet und daher durch Beschluss zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die von der Kl&auml;gerin aufgeworfenen Rechtsfragen haben keine rechtsgrunds&auml;tzliche Bedeutung. Sie sind entweder gekl&auml;rt (fehlende Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit) oder in einem k&uuml;nftigen Revisionsverfahren nicht kl&auml;rbar (fehlende Kl&auml;rungsf&auml;higkeit, zu diesen beiden Anforderungen vgl. Gr&auml;ber\/Ratschow, Finanzgerichtsordnung, 8.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;115 Rz&nbsp;28 und 30, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Fragen,<br \/>&quot;ob die H&ouml;he der Verzinsung nach &sect;&nbsp;238 AO einer Korrektur, die im Rahmen eines Erlasses &#8230; gem. &sect;&nbsp;227 AO zu erfolgen hat&quot;,<br \/>&quot;ob die Zinsh&ouml;he von 0,5&nbsp;% f&uuml;r jeden Monat bei dem niedrigen Zinsniveau verfassungsgem&auml;&szlig; ist&quot; und &#8211;sinngem&auml;&szlig;&#8211;<br \/>ob das verfassungsrechtliche &Uuml;berma&szlig;verbot eine Obergrenze f&uuml;r die Zinsfestsetzung gebietet, wenn mit der typisierten Verzinsung ein wirtschaftlicher Erfolg in Gestalt eines erzielbaren Zinsvorteils fingiert wird, den es angesichts der Niedrigzinsphase nicht gibt,<br \/>sind in einem k&uuml;nftigen Revisionsverfahren nicht kl&auml;rbar. Die Fragen betreffen die Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit der einfach-rechtlichen Grundlagen und damit die Rechtm&auml;&szlig;igkeit der Zinsfestsetzung. Sie sind damit vorrangig im Rechtsbehelfsverfahren gegen die Zinsfestsetzung und nicht im Erlassverfahren geltend zu machen (vgl. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 19.&nbsp;Mai 2011 X&nbsp;B&nbsp;184\/10, BFH\/NV 2011, 1659). Ausweislich der Gr&uuml;nde des angegriffenen Urteils ist die Zinsfestsetzung im Streitfall allerdings in Bestandskraft erwachsen. Eine rechtlich unzutreffende, aber bestandskr&auml;ftige Festsetzung von Steuern oder steuerlichen Nebenleistungen kann nach st&auml;ndiger BFH-Rechtsprechung grunds&auml;tzlich nicht durch einen Billigkeitserweis aus sachlichen Gr&uuml;nden nachtr&auml;glich korrigiert werden (z.B. BFH-Urteile vom 11.&nbsp;August 1987 VII&nbsp;R&nbsp;121\/84, BFHE 150, 502, BStBl II 1988, 512; vom 13.&nbsp;Januar 2005 V&nbsp;R&nbsp;35\/03, BFHE 208, 398, BStBl II 2005, 450; Klein\/R&uuml;sken, AO, 12.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;163 Rz&nbsp;40). Dass im Streitfall der Ausnahmefall einer offensichtlich und eindeutig unrichtigen Steuer- bzw. Zinsfestsetzung vorliegt und Rechtsbehelfe nicht oder nicht in zumutbarer Weise eingelegt werden konnten (dazu BFH-Urteile in BFHE 150, 502, BStBl II 1988, 512, und in BFHE 208, 398, BStBl II 2005, 460), ist weder vorgetragen noch sonst ersichtlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Frage, ob &quot;im Fall einer &uuml;berlangen Dauer einer steuerlichen Au&szlig;enpr&uuml;fung eine Korrektur der Zinsfestsetzung nach &sect;&nbsp;233a (AO) im Wege des Erlasses zu erfolgen&quot; hat, ist in der Rechtsprechung des BFH hinreichend in dem Sinne rechtsgrunds&auml;tzlich gekl&auml;rt, dass der Hinweis auf eine verz&ouml;gerte Bearbeitung des Steuerfalls grunds&auml;tzlich nicht geeignet ist, eine abweichende Zinsfestsetzung aus Billigkeitsgr&uuml;nden zu begr&uuml;nden (vgl. BFH-Beschluss vom 26.&nbsp;Juli 2006 VI&nbsp;B&nbsp;134\/05, BFH\/NV 2006, 2029; Senatsurteil vom 21.&nbsp;Oktober 2009 I&nbsp;R&nbsp;112\/08, BFH\/NV 2010, 606, m.w.N.). Ob in einem bestimmten Einzelfall davon Ausnahmen zu machen sind, h&auml;ngt von den konkreten Lebensumst&auml;nden dieses Falles ab (vgl. BFH-Beschluss vom 11.&nbsp;M&auml;rz 2014 X&nbsp;B&nbsp;45\/13, BFH\/NV 2014, 826). Allgemeine Aussagen von grunds&auml;tzlicher Bedeutung k&ouml;nnen dann aber regelm&auml;&szlig;ig nicht getroffen werden und eine Revisionszulassung scheidet aus (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2014, 826). Im &Uuml;brigen sind die allgemeinen Rechtsgrunds&auml;tze, nach denen ein Billigkeitserlass von Zinsen in Betracht kommt, durch eine Vielzahl von Entscheidungen des BFH hinreichend gekl&auml;rt (vgl. Klein\/R&uuml;sken, a.a.O., &sect;&nbsp;233a Rz&nbsp;50&nbsp;ff., mit zahlreichen Nachweisen aus der Rechtsprechung). Ein neuerlicher Kl&auml;rungsbedarf wird von der Kl&auml;gerin nicht aufgezeigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Soweit die Kl&auml;gerin schlie&szlig;lich die Frage stellt, &quot;ob ein Steuerpflichtiger (den) Erlass einer Festsetzung beanspruchen (kann), auch wenn er zuvor die Festsetzung hat wirksam werden lassen&quot;, spricht sie offensichtlich das Verh&auml;ltnis von Billigkeitsma&szlig;nahmen zu den Rechtsbehelfsm&ouml;glichkeiten gegen&uuml;ber Steuer- und Zinsfestsetzungen an. Diese Problematik ist durch die oben unter II.1.a der Gr&uuml;nde dieses Beschlusses zitierte BFH-Rechtsprechung gekl&auml;rt. Der Hinweis der Kl&auml;gerin auf Art.&nbsp;19 Abs.&nbsp;4 des Grundgesetzes geht fehl. Die Rechtsschutzm&ouml;glichkeiten werden nicht dadurch verk&uuml;rzt, dass ein Kl&auml;ger mit seinen Einwendungen in das richtige Verfahren, innerhalb dessen er umf&auml;nglichen Rechtsschutz zu erlangen vermag, verwiesen wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 30.9.2015, I B 62\/14 Billigkeitserlass von Zinsen Tenor Die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 5. Juni 2014&nbsp;&nbsp;10 K 10237\/13 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen. Tatbestand 1&nbsp; I. Im Zuge einer Au&szlig;enpr&uuml;fung erlie&szlig; der Beklagte und &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-62-14-billigkeitserlass-von-zinsen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">I&nbsp;B&nbsp;62\/14 &#8211; Billigkeitserlass von Zinsen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-65758","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65758","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65758"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65758\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65758"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65758"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65758"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}