{"id":65759,"date":"2016-02-03T17:47:36","date_gmt":"2016-02-03T15:47:36","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65759"},"modified":"2016-02-03T17:47:36","modified_gmt":"2016-02-03T15:47:36","slug":"i-b-37-14-ausschlussfrist-zur-bezeichnung-des-klagebegehrens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-37-14-ausschlussfrist-zur-bezeichnung-des-klagebegehrens\/","title":{"rendered":"I&nbsp;B&nbsp;37\/14 &#8211; Ausschlussfrist zur Bezeichnung des Klagebegehrens"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 29.9.2015, I B 37\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Ausschlussfrist zur Bezeichnung des Klagebegehrens<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Finanzgerichts des Saarlandes vom 5. M&auml;rz 2014&nbsp;&nbsp;1 K 1174\/13 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht des Saarlandes zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Beschwerdeverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) ist eine Kapitalgesellschaft niederl&auml;ndischen Rechts. Zwischen ihr und dem Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erhob sich insbesondere dar&uuml;ber Streit, ob sich der Mittelpunkt der gesch&auml;ftlichen Oberleitung im Inland befand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA schloss das au&szlig;ergerichtliche Rechtsbehelfsverfahren betreffend K&ouml;rperschaftsteuerbescheide, Gewerbesteuermessbescheide und diverse Feststellungsbescheide f&uuml;r die Streitjahre 2003 bis 2009 mit Einspruchsentscheidung vom 23.&nbsp;Mai 2013 ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen diese Bescheide in Gestalt der genannten Einspruchsentscheidung wandte sich die Kl&auml;gerin mit ihrer fristgerecht erhobenen Klage. Sie k&uuml;ndigte im Klageschriftsatz an, in der m&uuml;ndlichen Verhandlung die Aufhebung der Bescheide beantragen zu wollen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf Seiten des Finanzgerichts (FG) des Saarlandes wurde die Klage, (nur) soweit sie sich gegen die K&ouml;rperschaftsteuerbescheide richtete, unter dem eigenst&auml;ndigen Aktenzeichen 1&nbsp;K&nbsp;1174\/13 erfasst. Im Zusammenhang mit der Zustellung der Klage wurde das FA unter Fristsetzung zur Vorlage der Einspruchsentscheidung aufgefordert. Der Kl&auml;gerin wiederum wurde gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;65 der Finanzgerichtsordnung (FGO) unter Setzung einer Ausschlussfrist bis 15.&nbsp;August 2013 aufgegeben, den Gegenstand des Klagebegehrens zu bezeichnen. Mit am 9.&nbsp;August 2013 beim FG eingegangenen Schriftsatz legte das FA eine Kopie der Einspruchsentscheidung vor. Nachdem unter dem Aktenzeichen 1&nbsp;K&nbsp;1174\/13 keine weiteren Schrifts&auml;tze der Kl&auml;gerin eingegangen waren, wies das FG mit Gerichtsbescheid die Klage als unzul&auml;ssig ab und begr&uuml;ndete dies mit der unterbliebenen Bezeichnung des Klagebegehrens binnen der gesetzten Ausschlussfrist. Nach der antragsgem&auml;&szlig; durchgef&uuml;hrten m&uuml;ndlichen Verhandlung vertrat es diese Auffassung im Wesentlichen auch in dem angegriffenen Urteil. Das FG lie&szlig; die Revision nicht zu. Dagegen wendet sich die Kl&auml;gerin mit ihrer Beschwerde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet; sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung des Rechtsstreits an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO). Das FG hat die Klage zu Unrecht durch Prozessurteil abgewiesen, denn der Gegenstand des Klagebegehrens war hinreichend bestimmt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. a) Nach st&auml;ndiger Rechtsprechung stellt es einen Verfahrensmangel i.S. des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO dar, wenn &uuml;ber eine zul&auml;ssige Klage nicht zur Sache, sondern durch Prozessurteil entschieden wird (vgl. z.B. Senatsbeschluss vom 15.&nbsp;Januar 2015 I&nbsp;B&nbsp;45\/14, BFH\/NV 2015, 696, m.w.N.). Wird dem Kl&auml;ger zur Bezeichnung des Gegenstands des Klagebegehrens zu Unrecht oder nicht wirksam eine Ausschlussfrist nach &sect;&nbsp;65 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 FGO gesetzt oder bezeichnet er im Falle rechtm&auml;&szlig;iger Ausschlussfristsetzung das Klagebegehren durch weitere, fristgerecht erfolgte Darlegungen, dann f&uuml;hrt die unterbliebene Ber&uuml;cksichtigung des weiteren Klagevorbringens und die Abweisung der Klage als unzul&auml;ssig zu einer Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh&ouml;r (vgl. Beschl&uuml;sse des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 26.&nbsp;M&auml;rz 2014 III&nbsp;B&nbsp;133\/13, BFH\/NV 2014, 894; vom 17.&nbsp;November 2003 XI&nbsp;B&nbsp;213\/01, BFH\/NV 2004, 514).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach &sect;&nbsp;65 Abs.&nbsp;1 Satz 1 FGO muss die Klage den Kl&auml;ger, den Beklagten, den Gegenstand des Klagebegehrens, bei Anfechtungsklagen auch den Verwaltungsakt und die Entscheidung &uuml;ber den au&szlig;ergerichtlichen Rechtsbehelf bezeichnen. Entspricht die Klage diesen Anforderungen nicht, hat der Vorsitzende oder der Berichterstatter den Kl&auml;ger zu der erforderlichen Erg&auml;nzung innerhalb einer bestimmten Frist aufzufordern (&sect;&nbsp;65 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 FGO). Er kann dem Kl&auml;ger f&uuml;r die Erg&auml;nzung eine Frist mit ausschlie&szlig;ender Wirkung setzen, wenn es an einem der in &sect;&nbsp;65 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO genannten Erfordernisse fehlt (&sect;&nbsp;65 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Wieweit das Klagebegehren im Einzelnen zu substantiieren ist, h&auml;ngt von den Umst&auml;nden des Falles ab, insbesondere von dem Inhalt des angefochtenen Verwaltungsakts, der Steuerart und der Klageart. Entscheidend ist, ob das Gericht durch die Angaben des Kl&auml;gers in die Lage versetzt wird zu erkennen, worin die den Kl&auml;ger betreffende Rechtsverletzung nach dessen Ansicht liegt. Als prozessuale Willenserkl&auml;rung ist die Klageschrift in gleicher Weise wie Willenserkl&auml;rungen i.S. des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs (BGB) analog &sect;&nbsp;133 BGB auszulegen. Dabei sind zur Bestimmung des Gegenstandes des Klagebegehrens alle dem FG und dem FA bekannten und vern&uuml;nftigerweise erkennbaren Umst&auml;nde tats&auml;chlicher und rechtlicher Art zu ber&uuml;cksichtigen. Insoweit hat das FG hinsichtlich des Mussinhalts einer Klage insbesondere auf den Inhalt der Klageschrift und die hierin bezeichneten Bescheide und Einspruchsentscheidungen zur&uuml;ckzugreifen. Hierbei kommt es unter Ber&uuml;cksichtigung des Grundsatzes der rechtsschutzgew&auml;hrenden Auslegung von Verfahrensvorschriften (Art.&nbsp;19 Abs.&nbsp;4 des Grundgesetzes) nicht darauf an, ob der Kl&auml;ger die angegriffenen Bescheide und die Einspruchsentscheidung der Klage bereits beigef&uuml;gt hat oder ob diese Verwaltungsakte dem FG bei Setzung der Ausschlussfrist anderweitig vorgelegen haben (zum Vorstehenden BFH-Beschluss in BFH\/NV 2014, 894, mit zahlreichen weiteren Nachweisen).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Bei Anwendung dieser Grunds&auml;tze hat das FG im Streitfall zu Unrecht ein Prozessurteil erlassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrem Klageschriftsatz vom 21.&nbsp;Juni 2013 hat die Kl&auml;gerin die angegriffenen Bescheide und die angegriffene Einspruchsentscheidung genau bezeichnet. Der Gegenstand des Klagebegehrens konnte unter Heranziehung der Einspruchsentscheidung, die dem FG am 9.&nbsp;August 2013 und damit vor Ablauf der Ausschlussfrist vorlag, unschwer durch Auslegung ermittelt werden. Der Hauptstreitpunkt des Einspruchsverfahrens war die Frage nach dem Mittelpunkt der gesch&auml;ftlichen Oberleitung. Die Kl&auml;gerin betrachtete sich als &quot;holl&auml;ndisches&quot; und nicht als &quot;rein deutsches&quot; Unternehmen. Dazu passt der im Klageschriftsatz angek&uuml;ndigte Aufhebungsantrag, mit dem sie offenkundig ihrer Auffassung Ausdruck verleihen wollte, dass eine inl&auml;ndische K&ouml;rperschaftsteuerpflicht dem Grunde nach nicht besteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 29.9.2015, I B 37\/14 Ausschlussfrist zur Bezeichnung des Klagebegehrens Tenor Auf die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Finanzgerichts des Saarlandes vom 5. M&auml;rz 2014&nbsp;&nbsp;1 K 1174\/13 aufgehoben. Die Sache wird an das Finanzgericht des Saarlandes zur&uuml;ckverwiesen. 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