{"id":65760,"date":"2016-02-03T17:47:42","date_gmt":"2016-02-03T15:47:42","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65760"},"modified":"2016-02-03T17:47:42","modified_gmt":"2016-02-03T15:47:42","slug":"i-b-85-14-anscheinsbeweis-fuer-privatnutzung-eines-dienstwagens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-85-14-anscheinsbeweis-fuer-privatnutzung-eines-dienstwagens\/","title":{"rendered":"I&nbsp;B&nbsp;85\/14 &#8211; Anscheinsbeweis f&uuml;r Privatnutzung eines Dienstwagens"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 30.9.2015, I B 85\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Anscheinsbeweis f&uuml;r Privatnutzung eines Dienstwagens<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts N&uuml;rnberg vom 27. M&auml;rz 2014&nbsp;&nbsp;1 K 662\/12 wird als unzul&auml;ssig verworfen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) ist eine GmbH, die telefonische Rechtsberatungen durchf&uuml;hrt. In den Streitjahren war A zun&auml;chst alleiniger Gesellschafter und Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Gesellschaft. Nach der Ver&auml;u&szlig;erung eines Gesch&auml;ftsanteils in H&ouml;he von 500&nbsp;EUR (=&nbsp;1,96&nbsp;%) an Frau B war diese ebenfalls beteiligt. B wurde zudem zur weiteren Gesch&auml;ftsf&uuml;hrerin bestellt. Zum Betriebsverm&ouml;gen der Kl&auml;gerin geh&ouml;rte ein PKW der Marke Maserati, der von A zumindest f&uuml;r dienstliche Fahrten genutzt wurde. Der Anstellungsvertrag zwischen der Kl&auml;gerin und A enthielt keinerlei Regelungen &uuml;ber die Benutzung von Fahrzeugen der Gesellschaft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt) ging davon aus, dass A den Maserati auch f&uuml;r private Fahrten genutzt hatte und setzte in den K&ouml;rperschaftsteuer- und Gewerbesteuermessbetragsbescheiden verdeckte Gewinnaussch&uuml;ttungen (vGA) an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) N&uuml;rnberg folgte dieser Betrachtungsweise dem Grunde nach. In seinem klageabweisenden Urteil vom 27.&nbsp;M&auml;rz 2014&nbsp;&nbsp;1&nbsp;K&nbsp;662\/12 lie&szlig; es die Revision nicht zu. Dagegen wendet sich die Kl&auml;gerin mit ihrer Beschwerde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unzul&auml;ssig und durch Beschluss zu verwerfen (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die Kl&auml;gerin hat die geltend gemachten Revisionszulassungsgr&uuml;nde nicht in einer den gesetzlichen Anforderungen (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO) gen&uuml;genden Form dargelegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Soweit die Kl&auml;gerin die rechtsgrunds&auml;tzliche Bedeutung der Sache i.S. des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO geltend macht, wird die Rechtsfrage aufgeworfen, &quot;ob die Voraussetzungen f&uuml;r den Beweis des ersten Anscheins einer privaten Nutzung betrieblicher PKW durch einen beherrschenden Gesellschafter-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer anders als bei einem Arbeitnehmer zu bewerten sind&quot;. Die Kl&auml;rungsbed&uuml;rftigkeit dieser Frage wird in der im Stile einer Revisionsbegr&uuml;ndung verfassten Beschwerdeschrift allerdings nicht substantiiert herausgearbeitet. So fehlt die gebotene Auseinandersetzung mit den in Rechtsprechung und Literatur zu dieser Frage vertretenen Auffassungen (zu dieser Anforderung vgl. Gr&auml;ber\/Ratschow, Finanzgerichtsordnung, 8.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;116 Rz&nbsp;32). Die Senatsrechtsprechung zum Vorliegen einer vGA bei einer Dienstwagennutzung durch einen Gesellschafter-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer (z.B. Senatsurteile vom 23.&nbsp;Januar 2008 I&nbsp;R&nbsp;8\/06, BFHE 220, 276, BStBl II 2012, 260, m.w.N.; vom 17.&nbsp;Juli 2008 I&nbsp;R&nbsp;83\/07, BFH\/NV 2009, 417) wird von der Kl&auml;gerin nicht reflektiert. Insbesondere wird aber auch nicht auf das Urteil des FG Berlin-Brandenburg vom 3.&nbsp;September 2013&nbsp;&nbsp;6&nbsp;K&nbsp;6154\/10 (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2013, 1955), das sich explizit mit der &Uuml;bertragung der vom VI.&nbsp;Senat des Bundesfinanzhofs (BFH) entwickelten Rechtsgrunds&auml;tze (BFH-Urteile vom 21.&nbsp;April 2010 VI&nbsp;R&nbsp;46\/08, BFHE 229, 228, BStBl II 2010, 848; vom 6.&nbsp;Oktober 2011 VI&nbsp;R&nbsp;56\/10, BFHE 235, 383, BStBl II 2012, 362) auf beherrschende bzw. Alleingesellschafter-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer befasst, oder die Beitr&auml;ge von Nagel (in Gosch\/Schwedhelm\/ Spiegelberger, GmbH-Beratung, &quot;Dienstwagen&quot;) und Kuhfus (EFG 2013, 1957) eingegangen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ferner ist die Kl&auml;rungsf&auml;higkeit der Rechtsfrage nicht dargelegt worden (dazu Gr&auml;ber\/Ratschow, a.a.O., &sect;&nbsp;115 Rz&nbsp;30 und &sect;&nbsp;116 Rz&nbsp;35, m.w.N.). Auf die Frage der Anwendbarkeit der Anscheinsbeweisgrunds&auml;tze k&auml;me es in einem k&uuml;nftigen Revisionsverfahren n&auml;mlich nur dann an, wenn das FG seine &Uuml;berzeugung vom Vorliegen einer Privatnutzung allein auf diese Grunds&auml;tze gest&uuml;tzt h&auml;tte. Dem angegriffenen Urteil l&auml;sst sich aber mit hinreichender Deutlichkeit entnehmen, dass das FG nicht allein auf allgemeine Erfahrungss&auml;tze &#8211;als Grundlage des Anscheinsbeweises (vgl. dazu ausf&uuml;hrlich BFH-Urteil vom 14.&nbsp;M&auml;rz 1989 VII&nbsp;R&nbsp;75\/85, BFHE 156, 66, BStBl II 1989, 534)&#8211;, sondern auch auf konkrete Indizien (fehlende Regelung im Anstellungsvertrag, Saisonkennzeichen, Fahrzeug zun&auml;chst im Betriebsverm&ouml;gen des Einzelunternehmens des A) abgestellt hat (Indizienbeweis). Sollte das Beschwerdevorbringen auch dahin zu verstehen sein, dass diese Beweisw&uuml;rdigung fehlerhaft sei, so muss dem nicht weiter nachgegangen werden. Denn Fehler in der Beweisw&uuml;rdigung stellen materielle Rechtsanwendungsfehler dar, die die Revisionszulassung grunds&auml;tzlich nicht rechtfertigen k&ouml;nnen (z.B. Senatsbeschluss vom 12.&nbsp;M&auml;rz 2014 I&nbsp;B&nbsp;94\/13, BFH\/NV 2014, 890, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. F&uuml;r die von der Kl&auml;gerin begehrte Zulassung der Revision wegen Divergenz (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 FGO) ist kein Raum. Hierzu w&auml;re es insbesondere erforderlich gewesen, einen abstrakten tragenden Rechtssatz des angefochtenen FG-Urteils sowie einen tragenden abstrakten Rechtssatz einer genau bezeichneten divergierenden Entscheidung herauszuarbeiten und so gegen&uuml;berzustellen, dass die behauptete Abweichung erkennbar wird. Auch dass die Entscheidungen zu gleichen oder vergleichbaren Sachverhalten ergangen sind, ist darzulegen (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. Senatsbeschluss vom 25.&nbsp;September 2012 I&nbsp;B&nbsp;189\/11, BFH\/NV 2013, 92, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei der R&uuml;ge, das FG habe die Rechtsprechung des VI.&nbsp;Senats des BFH offensichtlich nicht angewendet, fehlt eine solche Gegen&uuml;berstellung abstrakter Rechtss&auml;tze. Auch wird die Vergleichbarkeit der Sachverhalte nicht schl&uuml;ssig aufgezeigt. Im Streitfall besteht die Besonderheit, dass A alleiniger bzw. sp&auml;ter beherrschender Gesellschafter-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer war. Wegen des fehlenden Interessengegensatzes zwischen der &quot;Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite&quot; &#8211;beide &quot;repr&auml;sentiert&quot; durch A&#8211; liegt es nahe, diese Unterschiede im Sachverhalt aufzugreifen und rechtlich andere, und zwar strengere Ma&szlig;st&auml;be anzulegen (in diese Richtung zielend z.B. Gosch, KStG, 3.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;8 Rz&nbsp;716, a.E.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es fehlt schlie&szlig;lich an der Entscheidungserheblichkeit der geltend gemachten Abweichung (Gr&auml;ber\/Ratschow, a.a.O., &sect;&nbsp;116 Rz&nbsp;43, m.w.N.). &Uuml;berzeugt sich das FG aufgrund der von ihm festgestellten Indizien von der Privatnutzung des Dienstwagens (s. oben unter 1. der Gr&uuml;nde dieses Beschlusses), dann m&uuml;ssen die Grunds&auml;tze des Anscheinsbeweises, die das FG nach dem Vorbringen der Kl&auml;gerin divergierend zur Rechtsprechung des VI.&nbsp;Senats angewandt haben soll, nicht mehr bem&uuml;ht werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 30.9.2015, I B 85\/14 Anscheinsbeweis f&uuml;r Privatnutzung eines Dienstwagens Tenor Die Beschwerde der Kl&auml;gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts N&uuml;rnberg vom 27. M&auml;rz 2014&nbsp;&nbsp;1 K 662\/12 wird als unzul&auml;ssig verworfen. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen. Tatbestand 1&nbsp; I. 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