{"id":65768,"date":"2016-02-03T17:47:46","date_gmt":"2016-02-03T15:47:46","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65768"},"modified":"2016-02-03T17:47:46","modified_gmt":"2016-02-03T15:47:46","slug":"ix-r-41-14-verlust-aus-der-veraeusserung-von-kapitalgesellschaftsanteilen-realisationszeitpunkt-bei-eroeffnung-des-insolvenzverfahrens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-41-14-verlust-aus-der-veraeusserung-von-kapitalgesellschaftsanteilen-realisationszeitpunkt-bei-eroeffnung-des-insolvenzverfahrens\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;41\/14 &#8211; Verlust aus der Ver&auml;u&szlig;erung von Kapitalgesellschaftsanteilen &#8211; Realisationszeitpunkt bei Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 13.10.2015, IX R 41\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Verlust aus der Ver&auml;u&szlig;erung von Kapitalgesellschaftsanteilen &#8211; Realisationszeitpunkt bei Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision der Kl&auml;ger wird das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nchen vom 5. Mai 2014&nbsp;&nbsp;7 K 1340\/12 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht M&uuml;nchen zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) werden als Eheleute im Streitjahr getrennt veranlagt. Der Kl&auml;ger zu&nbsp;1. (Kl&auml;ger) war zuletzt mit 204.500&nbsp;EUR von 4,5&nbsp;Mio.&nbsp;Aktien (4,54&nbsp;%) und die Kl&auml;gerin zu&nbsp;2. (Kl&auml;gerin) mit 154.500&nbsp;EUR von 4,5&nbsp;Mio. Aktien (3,42&nbsp;%) an einer AG beteiligt. Der Kl&auml;ger war einer von drei Vorst&auml;nden der Gesellschaft. Die AG betrieb die Entwicklung einer &#8230;. Das Produkt gelangte nicht zur Marktreife.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im&nbsp;August 2001 ordnete das zust&auml;ndige Amtsgericht die vorl&auml;ufige Insolvenzverwaltung &uuml;ber das Verm&ouml;gen der AG an und beauftragte den vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalter mit der Erstellung eines Gutachtens. Der Gutachter empfahl die Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens bei einem Massebestand von 50.003&nbsp;DM und voraussichtlichen Kosten f&uuml;r das Insolvenzverfahren von 48.000&nbsp;DM. Das Gutachten schlie&szlig;t mit der Einsch&auml;tzung, die Er&ouml;ffnung des Verfahrens sei geboten, da sich eine Vielzahl von Fragestellungen nur im er&ouml;ffneten Verfahren im Detail pr&uuml;fen lasse. Sollten die immateriellen Verm&ouml;genswerte nicht verwertet werden k&ouml;nnen, werde er voraussichtlich die Unzul&auml;nglichkeit der Masse anzeigen. Das Insolvenzverfahren wurde im Jahr 2001 er&ouml;ffnet und im Jahr 2008 mangels einer die Kosten des Verfahrens deckenden Masse eingestellt. Die Gesellschaft ist seit &#8230; 2011 wegen Verm&ouml;genslosigkeit im Handelsregister gel&ouml;scht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In seiner Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r 2008 (Streitjahr) erkl&auml;rte der Kl&auml;ger einen Verlust aus der Aufl&ouml;sung der AG in H&ouml;he von 204.500&nbsp;EUR; die Kl&auml;gerin erkl&auml;rte in ihrer Einkommensteuererkl&auml;rung einen entsprechenden Verlust in H&ouml;he von 154.500&nbsp;EUR. Erg&auml;nzend teilten die Kl&auml;ger auf Anfrage mit, sie h&auml;tten aus der Beteiligung zu keinem Zeitpunkt Einnahmen erzielt und die Gesellschaft habe auch kein Verm&ouml;gen ausgekehrt. Die Anschaffungskosten seien deshalb ohne Ber&uuml;cksichtigung von &sect;&nbsp;3c des Einkommensteuergesetzes (EStG) in voller H&ouml;he anzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ber&uuml;cksichtigte die geltend gemachten Verluste in den Einkommensteuerbescheiden f&uuml;r 2008 nicht, da sie bereits 2001 entstanden seien. Im Einspruchsverfahren beantragten die Kl&auml;ger die gesonderte Feststellung des nicht verrechneten Verlusts und dessen Vortrag in das Jahr 2009. Das FA lehnte die Antr&auml;ge ab und wies s&auml;mtliche Einspr&uuml;che der Kl&auml;ger zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) hat die dagegen gerichteten Klagen zur gemeinsamen Verhandlung und Entscheidung verbunden und abgewiesen (Entscheidungen der Finanzgerichte 2015, 390). Mit der Revision r&uuml;gen die Kl&auml;ger die Verletzung formellen (&sect;&nbsp;76 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) und materiellen Rechts (&sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 und Abs.&nbsp;4 EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das angefochtene Urteil aufzuheben, den <span style=\"text-decoration:underline\">Einkommensteuerbescheid vom 19.&nbsp;September 2011 in<\/span> Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 27.&nbsp;M&auml;rz 2012 dahingehend zu &auml;ndern, dass die Einkommensteuer auf 0&nbsp;EUR festgesetzt wird sowie unter Aufhebung des Ablehnungsbescheids vom 27.&nbsp;Januar 2012 und der Einspruchsentscheidung vom 27.&nbsp;M&auml;rz 2012 den Beklagten zu verpflichten, den verbleibenden Verlustvortrag zur Einkommensteuer in H&ouml;he von 160.668&nbsp;EUR gesondert festzustellen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das angefochtene Urteil aufzuheben, den Einkommensteuerbescheid vom 19.&nbsp;September 2011 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 27.&nbsp;M&auml;rz 2012 dahingehend zu &auml;ndern, dass die Einkommensteuer auf 0&nbsp;EUR festgesetzt wird sowie unter Aufhebung des Ablehnungsbescheids vom 27.&nbsp;Januar 2012 und der Einspruchsentscheidung vom 27.&nbsp;M&auml;rz 2012 den Beklagten zu verpflichten, den verbleibenden Verlustvortrag zur Einkommensteuer in H&ouml;he von 135.532&nbsp;EUR gesondert festzustellen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 FGO). Zu Unrecht hat das FG den von den Kl&auml;gern geltend gemachten Verlust aus der Aufl&ouml;sung der AG im Streitjahr unber&uuml;cksichtigt gelassen. Es hat jedoch keine Feststellungen dazu getroffen, in welcher H&ouml;he die Verluste entstanden und steuerlich zu ber&uuml;cksichtigen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FG hat zur Begr&uuml;ndung seiner Entscheidung im Wesentlichen ausgef&uuml;hrt, die H&ouml;he des Aufl&ouml;sungsverlusts habe f&uuml;r die Kl&auml;ger bereits bei Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens im Jahr 2001, sp&auml;testens aber im Jahr 2002 festgestanden. Die Kl&auml;ger h&auml;tten danach mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mehr mit Zuteilungen oder R&uuml;ckzahlungen aus dem Gesellschaftsverm&ouml;gen rechnen k&ouml;nnen, da die vorrangig zu bedienenden Verbindlichkeiten der AG deren Aktivverm&ouml;gen zu Liquidationswerten um ein Vielfaches &uuml;berstiegen. Dies sei durch das Gutachten und den Bericht des vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalters nachgewiesen. Der vorl&auml;ufige Insolvenzverwalter habe die Fortf&uuml;hrungsaussichten als illusorisch beurteilt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Diese Ausf&uuml;hrungen halten revisionsrechtlicher Nachpr&uuml;fung nicht stand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Zu den Eink&uuml;nften aus Gewerbebetrieb geh&ouml;rt auch der Gewinn oder Verlust aus der Aufl&ouml;sung einer Kapitalgesellschaft, wenn der Gesellschafter innerhalb der letzten f&uuml;nf Jahre am Kapital der Gesellschaft zu mindestens 1&nbsp;% beteiligt war (&sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 EStG). Im Streitfall steht fest, dass beide Kl&auml;ger zu mehr als 1&nbsp;% an der AG beteiligt waren. Die AG war mit der Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens &uuml;ber ihr Verm&ouml;gen aufgel&ouml;st (&sect;&nbsp;262 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 des Aktiengesetzes).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Ermittlung des Gewinns oder Verlusts aus der Aufl&ouml;sung einer Kapitalgesellschaft erfordert eine Stichtagsbewertung, die auf den Zeitpunkt der Entstehung des Gewinns oder Verlusts vorzunehmen ist (vgl. z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 21.&nbsp;September 1982 VIII&nbsp;R&nbsp;140\/79, BFHE 137, 407, BStBl II 1983, 289). Ma&szlig;gebend ist der Zeitpunkt, zu dem bei einer Gewinnermittlung durch Betriebsverm&ouml;gensvergleich gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;4 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;5 EStG nach den handelsrechtlichen Grunds&auml;tzen ordnungsm&auml;&szlig;iger Buchf&uuml;hrung der Gewinn oder Verlust realisiert w&auml;re (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 30.&nbsp;Juni 1983 IV&nbsp;R&nbsp;113\/81, BFHE 138, 569, BStBl II 1983, 640; vom 2.&nbsp;Oktober 1984 VIII&nbsp;R&nbsp;20\/84, BFHE 143, 304, BStBl II 1985, 428). Dazu hat der VIII.&nbsp;Senat in seinem Urteil in BFHE 143, 304, BStBl II 1985, 428; ebenso bereits BFH-Urteil vom 19.&nbsp;Oktober 1978 VIII&nbsp;R&nbsp;182\/77 (nicht ver&ouml;ffentlicht) ausgef&uuml;hrt, dass ein Gewinn erst in dem Jahr zu erfassen ist, in dem das auf die Beteiligung entfallende Verm&ouml;gen der Gesellschaft verteilt wurde, und dass ein Verlust bereits in dem Jahr erfasst werden kann, in dem mit einer wesentlichen &Auml;nderung des bereits feststehenden Verlusts nicht mehr zu rechnen ist (vgl. auch BFH-Urteil vom 1.&nbsp;Juli 2014 IX&nbsp;R&nbsp;47\/13, BFHE 246, 188, BStBl II 2014, 786, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Ein Aufl&ouml;sungsverlust steht fest, wenn der gemeine Wert des dem Steuerpflichtigen zugeteilten oder zur&uuml;ckgezahlten Verm&ouml;gens einerseits (&sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 EStG) und die Liquidations- und Anschaffungskosten des Gesellschafters andererseits (&sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG) feststehen. Gleiches gilt, wenn sicher ist, dass eine Zuteilung oder Zur&uuml;ckzahlung von Gesellschaftsverm&ouml;gen an die Gesellschafter ausscheidet und wenn die durch die Beteiligung veranlassten Aufwendungen feststehen (vgl. BFH-Urteil in BFHE 246, 188, BStBl II 2014, 786). Die Frage ist aus der Sicht ex ante zu beurteilen; nachtr&auml;gliche Ereignisse wie der tats&auml;chliche Ausgang eines Insolvenzverfahrens sind nicht zu ber&uuml;cksichtigen (vgl. BFH-Urteil vom 2.&nbsp;Dezember 2014 IX&nbsp;R&nbsp;9\/14, BFH\/NV 2015, 666).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Im Fall der Liquidation der Gesellschaft schlie&szlig;t der BFH eine Zuteilung oder Zur&uuml;ckzahlung von Gesellschaftsverm&ouml;gen an die Gesellschafter regelm&auml;&szlig;ig erst dann aus, wenn die Liquidation abgeschlossen ist (st&auml;ndige Rechtsprechung BFH-Urteil vom 12.&nbsp;Dezember 2000 VIII&nbsp;R&nbsp;52\/93, BFHE 194, 120, BStBl II 2001, 286; Senatsbeschl&uuml;sse vom 20.&nbsp;Januar 2009 IX&nbsp;B&nbsp;179\/08, BFH\/NV 2009, 756; vom 10.&nbsp;Februar 2009 IX&nbsp;B&nbsp;196\/08, BFH\/NV 2009, 761; vom 3.&nbsp;Dezember 2014 IX&nbsp;B&nbsp;90\/14, BFH\/NV 2015, 493).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Nur ausnahmsweise kann daf&uuml;r auf einen fr&uuml;heren Zeitpunkt abgestellt werden (grundlegend BFH-Urteil vom 27.&nbsp;November 2001 VIII&nbsp;R&nbsp;36\/00, BFHE 197, 394, BStBl II 2002, 731), etwa wenn die Er&ouml;ffnung des Konkurs- oder Insolvenzverfahrens mangels Masse abgelehnt worden ist (BFH-Urteil vom 12.&nbsp;Dezember 2000 VIII&nbsp;R&nbsp;22\/92, BFHE 194, 108, BStBl II 2001, 385; BFH-Beschl&uuml;sse vom 27.&nbsp;November 1995 VIII&nbsp;B&nbsp;16\/95, BFH\/NV 1996, 406; vom 4.&nbsp;Oktober 2007 VIII&nbsp;S&nbsp;3\/07&nbsp;(PKH), BFH\/NV 2008, 209) oder wenn aus anderen Gr&uuml;nden feststeht, dass die Gesellschaft bereits im Zeitpunkt des Aufl&ouml;sungsbeschlusses verm&ouml;genslos war (BFH-Urteil vom 4.&nbsp;November 1997 VIII&nbsp;R&nbsp;18\/94, BFHE 184, 374, BStBl II 1999, 344). In diesen F&auml;llen kann die M&ouml;glichkeit einer Zuteilung oder Zur&uuml;ckzahlung von Restverm&ouml;gen an die Gesellschafter ausgeschlossen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Bei einer Aufl&ouml;sung der Gesellschaft infolge Er&ouml;ffnung des Konkurs- oder Insolvenzverfahrens l&auml;sst sich diese Feststellung regelm&auml;&szlig;ig noch nicht treffen (BFH-Urteil vom 12.&nbsp;Dezember 2000 VIII&nbsp;R&nbsp;36\/97, BFH\/NV 2001, 761). Etwas anderes hat der BFH in diesen F&auml;llen ausnahmsweise nur dann f&uuml;r m&ouml;glich gehalten, wenn aufgrund des Inventars und der Konkurser&ouml;ffnungsbilanz des Konkursverwalters (&sect;&sect;&nbsp;123, 124 der Konkursordnung &#8211;KO&#8211;) oder einer Zwischenrechnungslegung (&sect;&nbsp;132 Abs.&nbsp;2 KO) ohne weitere Ermittlungen und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit damit zu rechnen ist, dass das Verm&ouml;gen der Gesellschaft zu Liquidationswerten die Schulden nicht mehr decken wird und ein Zwangsvergleich ausgeschlossen erscheint (BFH-Urteile vom 12.&nbsp;Dezember 2000 VIII&nbsp;R&nbsp;34\/94, BFH\/NV 2001, 757; in BFH\/NV 2001, 761).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Nach diesen Grunds&auml;tzen sind die von den Kl&auml;gern geltend gemachten Verluste aus der Aufl&ouml;sung der AG im Streitjahr zu ber&uuml;cksichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das im Jahr 2001 er&ouml;ffnete Insolvenzverfahren &uuml;ber das Verm&ouml;gen der AG ist erst im Jahr 2008 eingestellt worden. Erst zu diesem Zeitpunkt steht mit der erforderlichen Sicherheit fest, dass die Kl&auml;ger mit einer Zuteilung oder R&uuml;ckzahlung aus dem Verm&ouml;gen der Gesellschaft nicht mehr rechnen konnten. 2008 ist auch der Aufl&ouml;sungsverlust realisiert, da die Kl&auml;ger nachtr&auml;gliche Anschaffungskosten nicht geltend gemacht haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Etwas anderes ergibt sich nicht aus dem Bericht des vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalters. Zu Unrecht hat das FG daraus geschlossen, dass mit einer Zuteilung oder R&uuml;ckzahlung aus dem Gesellschaftsverm&ouml;gen bereits bei Er&ouml;ffnung des Verfahrens nicht mehr zu rechnen gewesen sei. Das w&auml;re nur dann der Fall, wenn die dort vom vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalter vorgenommenen Bewertungen ohne weitere Ermittlungen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zutrafen. Aus dem Bericht selbst ergibt sich indes das Gegenteil. Der vorl&auml;ufige Insolvenzverwalter hat darin unmissverst&auml;ndlich zum Ausdruck gebracht, dass er eine Vielzahl von Fragen, darunter die Verwertbarkeit der immateriellen Wirtschaftsg&uuml;ter, erst im er&ouml;ffneten Verfahren pr&uuml;fen k&ouml;nne. Der vorl&auml;ufige Insolvenzverwalter hielt demnach selbst weitere Ermittlungen f&uuml;r erforderlich, um die Verm&ouml;genssituation der Gesellschaft abschlie&szlig;end und sicher beurteilen zu k&ouml;nnen. Dem ist das Amtsgericht im Er&ouml;ffnungsbeschluss gefolgt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch aus dem weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens ergibt sich nicht, dass der Aufl&ouml;sungsverlust sp&auml;testens im Jahr 2002 realisiert worden ist. Es fehlt jedenfalls an einer eindeutigen Zwischenrechnungslegung des Insolvenzverwalters, aus der sich die endg&uuml;ltige Bewertung des Schuldnerverm&ouml;gens mit der erforderlichen Sicherheit ergeben k&ouml;nnte. Zwar hat der Kl&auml;ger mitgeteilt, dass er selbst nach 2002 nicht mehr an Gespr&auml;chen mit &Uuml;bernahmeinteressenten beteiligt war. Darauf kommt es jedoch nicht an, zumal das FG nicht festgestellt hat, dass solche Gespr&auml;che, dann ohne Beteiligung des Kl&auml;gers, nach 2002 nicht mehr stattgefunden haben. Aus dem Umstand, dass der Insolvenzverwalter erst 2008 die Unzul&auml;nglichkeit der Masse angezeigt hat, kann ohne weiteres nur geschlossen werden, dass ihm die endg&uuml;ltige Bewertung des Schuldnerverm&ouml;gens erst 2008 m&ouml;glich war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Da die Schlussfolgerungen des FG in seinen tats&auml;chlichen Feststellungen keine St&uuml;tze finden, ist sein Urteil aufzuheben. Auf die geltend gemachten Verfahrensr&uuml;gen kommt es danach nicht mehr an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Sache ist nicht spruchreif. Von seinem Standpunkt aus zu Recht hat das FG keine Feststellungen dazu getroffen, ob die Kl&auml;ger ihre Einlagen geleistet haben und ob die geltend gemachten Verluste in voller H&ouml;he anzusetzen sind, weil sie aus der Beteiligung keinerlei Einnahmen erzielt haben (hierzu zuletzt Senatsurteil vom 1.&nbsp;Oktober 2014 IX&nbsp;R&nbsp;13\/13, BFH\/NV 2015, 198).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 13.10.2015, IX R 41\/14 Verlust aus der Ver&auml;u&szlig;erung von Kapitalgesellschaftsanteilen &#8211; Realisationszeitpunkt bei Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens Tenor Auf die Revision der Kl&auml;ger wird das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nchen vom 5. Mai 2014&nbsp;&nbsp;7 K 1340\/12 aufgehoben. Die Sache wird an das Finanzgericht M&uuml;nchen zur&uuml;ckverwiesen. Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-41-14-verlust-aus-der-veraeusserung-von-kapitalgesellschaftsanteilen-realisationszeitpunkt-bei-eroeffnung-des-insolvenzverfahrens\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;41\/14 &#8211; Verlust aus der Ver&auml;u&szlig;erung von Kapitalgesellschaftsanteilen &#8211; Realisationszeitpunkt bei Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-65768","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65768","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65768"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65768\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65768"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65768"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65768"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}