{"id":65784,"date":"2016-02-03T17:49:00","date_gmt":"2016-02-03T15:49:00","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65784"},"modified":"2016-02-03T17:49:00","modified_gmt":"2016-02-03T15:49:00","slug":"ii-r-64-08-anwendbarkeit-von-par-16-abs-2-nr-1-grestg-auf-erwerbsvorgaenge-nach-par-1-abs-3-grestg-rueckabwicklung-des-kaufvertrages-ueber-eine-anteilsuebertragung-nichtanzeige-eines-erwerbsvorgangs-a","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-64-08-anwendbarkeit-von-par-16-abs-2-nr-1-grestg-auf-erwerbsvorgaenge-nach-par-1-abs-3-grestg-rueckabwicklung-des-kaufvertrages-ueber-eine-anteilsuebertragung-nichtanzeige-eines-erwerbsvorgangs-a\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;64\/08 &#8211; Anwendbarkeit von &sect; 16 Abs. 2 Nr. 1 GrEStG auf Erwerbsvorg&auml;nge nach &sect; 1 Abs. 3 GrEStG &#8211; R&uuml;ckabwicklung des Kaufvertrages &uuml;ber eine Anteils&uuml;bertragung &#8211; Nichtanzeige eines Erwerbsvorgangs aus Unkenntnis"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 25.11.2015, II R 64\/08<\/p>\n<p class=\"titel\">Anwendbarkeit von &sect; 16 Abs. 2 Nr. 1 GrEStG auf Erwerbsvorg&auml;nge nach &sect; 1 Abs. 3 GrEStG &#8211; R&uuml;ckabwicklung des Kaufvertrages &uuml;ber eine Anteils&uuml;bertragung &#8211; Nichtanzeige eines Erwerbsvorgangs aus Unkenntnis<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision der Kl&auml;gerin gegen das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 17. September 2008&nbsp;&nbsp;8 K 4809\/06 GrE wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin), eine GmbH, kaufte mit privatschriftlichem Vertrag vom 18.&nbsp;Dezember 2002 von ihrer Alleingesellschafterin, einer AG, den einzigen Gesch&auml;ftsanteil an einer weiteren GmbH (GmbH&nbsp;2), die Eigent&uuml;merin eines unbebauten und eines bebauten Grundst&uuml;cks war. Die Abtretung des Gesch&auml;ftsanteils wurde am 19.&nbsp;Dezember 2002 durch einen Schweizer Notar &ouml;ffentlich beurkundet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der seinerzeitige Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Kl&auml;gerin zeigte den Erwerb des Gesch&auml;ftsanteils bei einer pers&ouml;nlichen Vorsprache am 5.&nbsp;M&auml;rz 2003 beim Sachbearbeiter der Grunderwerbsteuerstelle des Beklagten und Revisionsbeklagten (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) und ferner mit Schreiben vom 6.&nbsp;M&auml;rz 2003 an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und die AG hoben durch privatschriftlichen Vertrag vom 5.&nbsp;M&auml;rz 2003 den Kaufvertrag vom 18.&nbsp;Dezember 2002 auf. Die R&uuml;ck&uuml;bertragung des erworbenen GmbH-Anteils auf die AG wurde am 6.&nbsp;M&auml;rz 2003 durch den Schweizer Notar &ouml;ffentlich beurkundet und dem FA kurz darauf angezeigt. Den Kaufpreis hatte die Kl&auml;gerin noch nicht entrichtet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA setzte die Grunderwerbsteuer f&uuml;r den Kauf des GmbH-Anteils nach Durchf&uuml;hrung einer Au&szlig;enpr&uuml;fung durch Bescheid vom 8.&nbsp;Mai 2006 fest, und zwar auf der Grundlage der Grundst&uuml;ckswerte, die es gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 des Grunderwerbsteuergesetzes in der f&uuml;r den Streitfall geltenden Fassung (GrEStG) i.V.m. &sect;&nbsp;138 Abs.&nbsp;3 des Bewertungsgesetzes in der im Jahr 2002 ma&szlig;gebenden Fassung (BewG) gesondert festgestellt hatte. F&uuml;r das bebaute Grundst&uuml;ck hatte das FA den Grundbesitzwert nach &sect;&nbsp;147 BewG auf 3.154.500&nbsp;EUR und f&uuml;r das unbebaute Grundst&uuml;ck gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;145 BewG auf 84.000&nbsp;EUR festgestellt. Der Einspruch blieb erfolglos.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage ab und f&uuml;hrte zur Begr&uuml;ndung seines in Entscheidungen der Finanzgerichte 2008, 1996 ver&ouml;ffentlichten Urteils aus, der Erwerb des Anteils an der GmbH&nbsp;2 durch die Kl&auml;gerin aufgrund des Kaufvertrags vom 18.&nbsp;Dezember 2002 unterliege gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 GrEStG der Grunderwerbsteuer. Die Aufhebung des Kaufvertrags und die R&uuml;ck&uuml;bertragung des Gesch&auml;ftsanteils an der GmbH&nbsp;2 st&uuml;nden der Steuerfestsetzung nicht entgegen. &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;2 GrEStG sei zwar auf die R&uuml;ck&uuml;bertragung von Gesellschaftsanteilen entsprechend anwendbar. Eine Abstandnahme von der Steuerfestsetzung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;2 GrEStG scheide aber nach &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;5 GrEStG aus, weil die Kl&auml;gerin den Erwerbsvorgang erst nach Ablauf der in &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;3 GrEStG bestimmten Frist von zwei Wochen und somit nicht ordnungsgem&auml;&szlig; angezeigt habe. Der Notar habe keine Anzeige erstattet. Unerheblich sei, dass die Kl&auml;gerin nach ihren Angaben erst Anfang M&auml;rz 2003 Kenntnis von der Steuerpflicht des Erwerbsvorgangs erlangt habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf Vertrauensschutz k&ouml;nne sich die Kl&auml;gerin nicht berufen. Der Steuerfestsetzung st&uuml;nden die Grunds&auml;tze von Treu und Glauben auch dann nicht entgegen, wenn man von dem von der Kl&auml;gerin behaupteten Inhalt des Gespr&auml;chs vom 5.&nbsp;M&auml;rz 2003 zwischen ihrem seinerzeitigen Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer und dem Sachbearbeiter der Grunderwerbsteuerstelle des FA ausgehe. Selbst wenn der Sachbearbeiter dabei die Ansicht vertreten h&auml;tte, bei einer R&uuml;ckabwicklung des Erwerbsvorgangs entfalle die Festsetzung von Grunderwerbsteuer, sei dies f&uuml;r das FA nicht verbindlich, weil nicht der Sachbearbeiter, sondern nur der Sachgebietsleiter als abschlie&szlig;end Zeichnungsberechtigter oder der Vorsteher des FA zu einer entsprechenden Zusicherung mit Bindungswirkung in der Lage gewesen w&auml;ren. Unerheblich sei auch, dass das FA die Grunderwerbsteuer nicht alsbald nach der Erstattung der Anzeige, sondern erst nach der Au&szlig;enpr&uuml;fung festgesetzt habe. Das FA habe die gesetzliche Festsetzungsfrist ausnutzen d&uuml;rfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt die Kl&auml;gerin zum einen Verletzung des &sect;&nbsp;16 GrEStG. Aufgrund der R&uuml;ckg&auml;ngigmachung des Erwerbsvorgangs habe die Grunderwerbsteuer nicht festgesetzt werden d&uuml;rfen. Dabei sei unerheblich, dass die Anzeige des Erwerbsvorgangs nicht innerhalb der Zweiwochenfrist erfolgt sei. Insoweit f&uuml;hre die Vers&auml;umung der Anzeigefrist aufgrund der vom Bundesfinanzhof (BFH) in seinen Beschl&uuml;ssen vom 20.&nbsp;Januar 2005 II&nbsp;B&nbsp;52\/04 (BFHE 208, 456, BStBl II 2005, 492) und vom 17.&nbsp;M&auml;rz 2006 II&nbsp;B&nbsp;157\/05 (BFH\/NV 2006, 1341) entwickelten Rechtsgrunds&auml;tze aus Vertrauensschutzgr&uuml;nden zur Nichtanwendung des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;5 GrEStG. Des Weiteren f&uuml;hre die Bemessung der Grunderwerbsteuer nach dem Wert der Gegenleistung (&sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 GrEStG) bzw. nach den Grundbesitzwerten (&sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;2 GrEStG) zu einer verfassungswidrigen Belastungsungleichheit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Vorentscheidung, die Einspruchsentscheidung vom 11.&nbsp;Oktober 2006 und den Grunderwerbsteuerbescheid vom 8.&nbsp;Mai 2006 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der BFH hat durch Beschluss vom 2.&nbsp;M&auml;rz 2011 II&nbsp;R&nbsp;64\/08 (BFH\/NV 2011, 1009) das Verfahren ausgesetzt und die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) dar&uuml;ber eingeholt, ob &sect;&nbsp;11 GrEStG in der im Jahre 2002 geltenden Fassung mit Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes (GG) insofern unvereinbar ist, als er die Beteiligten an Erwerbsvorg&auml;ngen i.S. des &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;2 GrEStG, f&uuml;r die die (Ersatz-)Steuerbemessungsgrundlage nach &sect;&nbsp;138 Abs.&nbsp;3 BewG in der im Jahre 2002 geltenden Fassung zu ermitteln ist, mit einheitlichen Steuers&auml;tzen belastet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das BVerfG hat durch Beschluss vom 23.&nbsp;Juni 2015&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvL&nbsp;13\/11 und 14\/11 (BStBl II 2015, 871) &uuml;ber die Vorlage dahingehend entschieden, dass &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;2 GrEStG i.d.F. des Jahressteuergesetzes 1997 vom 20.&nbsp;Dezember 1996 (BGBl I 1996, 2049) sowie in allen seitherigen Fassungen mit Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG unvereinbar ist. Das bisherige Recht ist bis zum 31.&nbsp;Dezember 2008 weiter anwendbar. Der Gesetzgeber ist verpflichtet, sp&auml;testens bis zum 30.&nbsp;Juni 2016 r&uuml;ckwirkend zum 1.&nbsp;Januar 2009 eine Neuregelung zu treffen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und war daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Erwerbsvorgang unterliegt nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 GrEStG der Grunderwerbsteuer.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Geh&ouml;rt zum Verm&ouml;gen einer Gesellschaft ein inl&auml;ndisches Grundst&uuml;ck, so unterliegt gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 GrEStG ein Rechtsgesch&auml;ft, das den Anspruch auf &Uuml;bertragung unmittelbar oder mittelbar von mindestens 95&nbsp;% der Anteile der Gesellschaft begr&uuml;ndet, der Grunderwerbsteuer. Das Gesetz fingiert dabei &#8211;zivilrechtlich nicht vorhandene&#8211; grundst&uuml;cksbezogene Erwerbsvorg&auml;nge und tr&auml;gt damit dem Umstand Rechnung, dass demjenigen, der mindestens 95&nbsp;% der Anteile an einer grundbesitzenden Gesellschaft erwirbt, eine dem zivilrechtlichen Eigentum an einem Grundst&uuml;ck vergleichbare Rechtszust&auml;ndigkeit an dem Gesellschaftsgrundst&uuml;ck zuw&auml;chst. Es geht dabei nicht um die Besteuerung gesellschaftsrechtlicher Vorg&auml;nge (BFH-Urteil vom 19.&nbsp;Dezember 2007 II&nbsp;R&nbsp;65\/06, BFHE 220, 542, BStBl II 2008, 489).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Kaufvertrag vom 18.&nbsp;Dezember 2002 unterliegt demgem&auml;&szlig; der Grunderwerbsteuer nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 GrEStG, da der Kl&auml;gerin aufgrund des Vertrags ein Anspruch auf &Uuml;bertragung des einzigen Gesch&auml;ftsanteils an der grundbesitzenden GmbH&nbsp;2 zustand. Unerheblich ist, dass die AG beim Abschluss des Kaufvertrags Alleingesellschafterin der Kl&auml;gerin war. Die zivilrechtliche Selbst&auml;ndigkeit der an dem Erwerbsvorgang beteiligten Kapitalgesellschaften wurde dadurch nicht ber&uuml;hrt. Rechtsvorg&auml;nge i.S. von &sect;&nbsp;1 GrEStG zwischen selbst&auml;ndigen Personen sind notwendigerweise mit einem Rechtstr&auml;gerwechsel verbunden und erf&uuml;llen damit die Voraussetzungen der Steuerbarkeit nach dieser Vorschrift. Dies gilt auch f&uuml;r die &Uuml;bertragung aller Anteile an einer Gesellschaft mit Grundbesitz. Die Besteuerung nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 GrEStG ist daher nicht ausgeschlossen, wenn der alle Anteile an einer Gesellschaft &Uuml;bertragende zugleich Alleingesellschafter der die Anteile erwerbenden Gesellschaft ist (BFH-Urteile vom 31.&nbsp;M&auml;rz 2004 II&nbsp;R&nbsp;54\/01, BFHE 205, 314, BStBl II 2004, 658; vom 1.&nbsp;Dezember 2004 II&nbsp;R&nbsp;10\/02, BFH\/NV 2005, 1365, und vom 29.&nbsp;Februar 2012 II&nbsp;R&nbsp;57\/09, BFHE 237, 244, BStBl II 2012, 917).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Bemessungsgrundlage der Grunderwerbsteuer ist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 GrEStG in den F&auml;llen des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 GrEStG der Wert i.S. des &sect;&nbsp;138 Abs.&nbsp;2 oder 3 BewG. Diese Vorschriften sind nach dem Beschluss des BVerfG in BStBl II 2015, 871 auf Besteuerungssachverhalte, f&uuml;r die die Grunderwerbsteuer &#8211;wie im Streitfall&#8211; bis zum 31.&nbsp;Dezember 2008 entstanden ist, weiter anwendbar. Rechtliche Bedenken gegen die H&ouml;he der festgesetzten Grunderwerbsteuer bestehen nicht und werden auch von der Kl&auml;gerin nicht geltend gemacht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Steuerfestsetzung hatte nicht deshalb zu unterbleiben, weil die Kl&auml;gerin und die AG den Kaufvertrag vom 18.&nbsp;Dezember 2002 wieder aufgehoben und die R&uuml;ck&uuml;bertragung des Gesch&auml;ftsanteils an der GmbH&nbsp;2 vorgenommen haben. Aufgrund der vollst&auml;ndigen Aufhebung und R&uuml;ckabwicklung des urspr&uuml;nglichen Erwerbsvorgangs sind zwar die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 GrEStG erf&uuml;llt. Dies steht aber gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;5 GrEStG der Steuerfestsetzung nicht entgegen, weil es an einer ordnungsgem&auml;&szlig;en Anzeige des Erwerbsvorgangs fehlt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Erwirbt der Ver&auml;u&szlig;erer das Eigentum an dem ver&auml;u&szlig;erten Grundst&uuml;ck zur&uuml;ck, so wird nach &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 GrEStG auf Antrag sowohl f&uuml;r den R&uuml;ckerwerb als auch f&uuml;r den vorausgegangenen Erwerbsvorgang die Steuer nicht festgesetzt oder die Steuerfestsetzung aufgehoben, wenn der R&uuml;ckerwerb innerhalb von zwei Jahren seit der Entstehung der Steuer f&uuml;r den vorausgegangenen Erwerbsvorgang stattfindet. Diese Vorschrift betrifft &uuml;ber ihren Wortlaut hinaus nicht nur den R&uuml;ckerwerb des Eigentums an einem ver&auml;u&szlig;erten Grundst&uuml;ck, sondern auch Erwerbsvorg&auml;nge nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 GrEStG. Dies folgt aus &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;5 GrEStG, wonach &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;1 bis 4 GrEStG nicht gilt, wenn einer der in &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2, 2a und 3 GrEStG bezeichneten Erwerbsvorg&auml;nge r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht wird, der nicht ordnungsgem&auml;&szlig; angezeigt worden war. Diese Regelung setzt die grunds&auml;tzliche Anwendbarkeit der Beg&uuml;nstigungsvorschrift des &sect;&nbsp;16 GrEStG auch auf &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 GrEStG voraus (BFH-Urteile vom 11.&nbsp;Juni 2013 II&nbsp;R&nbsp;52\/12, BFHE 241, 419, BStBl II 2013, 752; vom 20.&nbsp;Januar 2015 II&nbsp;R&nbsp;8\/13, BFHE 248, 252, BStBl II 2015, 553).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Anwendung des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 GrEStG steht aber &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;5 GrEStG entgegen, da weder der Notar noch die Kl&auml;gerin oder die AG den Erwerbsvorgang vom 18.&nbsp;Dezember 2002 ordnungsgem&auml;&szlig; angezeigt haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Nach &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;5 GrEStG gelten die Vorschriften der Abs.&nbsp;1 bis 4 des &sect;&nbsp;16 GrEStG nicht, wenn einer der in &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2, 2a und 3 GrEStG bezeichneten Erwerbsvorg&auml;nge r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht wird, der nicht ordnungsgem&auml;&szlig; angezeigt war (&sect;&sect;&nbsp;18, 19 GrEStG). &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;5 GrEStG dient der Sicherung der Anzeigepflichten aus &sect;&sect;&nbsp;18 und 19 GrEStG und wirkt dem Anreiz entgegen, durch Nichtanzeige einer Besteuerung der in dieser Vorschrift genannten Erwerbsvorg&auml;nge zu entgehen (BFH-Beschluss in BFHE 208, 456, BStBl II 2005, 492, und BFH-Urteil vom 3.&nbsp;M&auml;rz 2015 II&nbsp;R&nbsp;30\/13, BFHE 249, 212, BStBl II 2015, 777). Insbesondere soll die Vorschrift den Beteiligten die M&ouml;glichkeit nehmen, einen dieser Erwerbsvorg&auml;nge ohne weitere steuerliche Folgen wieder aufheben zu k&ouml;nnen, sobald den Finanzbeh&ouml;rden ein solches Gesch&auml;ft bekannt wird (BFH-Beschluss vom 11.&nbsp;M&auml;rz 2011 II&nbsp;B&nbsp;152\/10, BFH\/NV 2011, 1008; BFH-Urteil in BFHE 249, 212, BStBl II 2015, 777). Soweit eine Anzeigepflicht sowohl nach &sect;&nbsp;18 GrEStG als auch nach &sect;&nbsp;19 GrEStG besteht, ist den Zwecken des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;5 GrEStG schon dann gen&uuml;gt, wenn nur einer der Anzeigeverpflichteten seiner Anzeigepflicht ordnungsgem&auml;&szlig; nachkommt (BFH-Urteile vom 18.&nbsp;April 2012 II&nbsp;R&nbsp;51\/11, BFHE 236, 569, BStBl II 2013, 830, und in BFHE 249, 212, BStBl II 2015, 777).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Unter Ber&uuml;cksichtigung dieses Normzwecks ist eine Anzeige i.S. des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;5 GrEStG ordnungsgem&auml;&szlig;, wenn der Vorgang innerhalb der in &sect;&nbsp;18 Abs.&nbsp;3 und &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;3 GrEStG vorgesehenen Anzeigefristen dem Finanzamt in einer Weise bekannt wird, dass es die Verwirklichung eines Tatbestands nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;2, 2a und 3 GrEStG pr&uuml;fen kann. Dazu muss die Anzeige die einwandfreie Identifizierung von Ver&auml;u&szlig;erer, Erwerber und Urkundsperson (&sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 und Nr.&nbsp;6 GrEStG) sowie der grundbesitzenden Gesellschaft (&sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 GrEStG) erm&ouml;glichen; ferner m&uuml;ssen der Anzeige in der Regel die in &sect;&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 bzw. &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 GrEStG genannten Abschriften beigef&uuml;gt werden (BFH-Beschluss in BFHE 208, 456, BStBl II 2005, 492; BFH-Urteil in BFHE 249, 212, BStBl II 2015, 777 Rz&nbsp;24). Die innerhalb der Anzeigefrist zu erstattende Anzeige muss danach nicht in jeder Hinsicht den Anforderungen der &sect;&sect;&nbsp;18 und 19 i.V.m. &sect;&nbsp;20 GrEStG gen&uuml;gen. Vielmehr k&ouml;nnen in der Anzeige noch fehlende Angaben innerhalb einer vom Finanzamt zu setzenden angemessenen Frist nachgereicht werden. Dazu bedarf es eines innerhalb der Anzeigefrist zu stellenden Fristverl&auml;ngerungsantrags.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Die Anzeigepflicht der Beteiligten ist nicht davon abh&auml;ngig, ob und inwieweit sie die durch einen Rechtsvorgang ausgel&ouml;ste Grunderwerbsteuerpflicht erkannt haben bzw. wussten, dass insoweit eine Anzeigepflicht bestand (BFH-Urteil vom 12.&nbsp;Juni 1996 II&nbsp;R&nbsp;3\/93, BFHE 180, 474, BStBl II 1996, 485; BFH-Beschluss in BFHE 208, 456, BStBl II 2005, 492).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>dd) Nach Ablauf der Anzeigefrist kommt eine r&uuml;ckwirkende Fristverl&auml;ngerung (&sect;&nbsp;109 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211;) zur erstmaligen Erstattung der Anzeige nicht in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>ee) Die Kl&auml;gerin hat danach ihre Anzeigepflichten nicht ordnungsgem&auml;&szlig; erf&uuml;llt, so dass die Anwendung des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 GrEStG im Streitfall ausgeschlossen ist. Die Kl&auml;gerin hat den Erwerbsvorgang aufgrund des Vertrags vom 18.&nbsp;Dezember 2002 der Grunderwerbsteuerstelle des FA entgegen ihrer Pflicht aus &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 oder 7 i.V.m. &sect;&nbsp;13 Nr.&nbsp;1 GrEStG nicht angezeigt. Die Anzeige der Kl&auml;gerin wurde auch nicht durch eine den gesetzlichen Anforderungen entsprechende Anzeige des Notars (&sect;&nbsp;18 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 GrEStG) ersetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r die Anwendung des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;5 GrEStG ist es unerheblich, dass die Kl&auml;gerin die Steuerpflicht des Erwerbsvorgangs und die Anzeigepflicht &#8211;wie von ihr vorgetragen&#8211; nicht gekannt hat. Eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand (&sect;&nbsp;110 AO) wegen der Fristvers&auml;umnis schiede auch dann aus, wenn bei Vers&auml;umung der Frist zur Anzeige nach &sect;&nbsp;19 Abs.&nbsp;3 GrEStG &uuml;berhaupt eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand in Betracht k&auml;me (vgl. dazu BFH-Beschluss in BFHE 208, 456, BStBl II 2005, 492). Der Kl&auml;gerin w&auml;re n&auml;mlich anzulasten, sich keine Kenntnis &uuml;ber die Steuer- und Anzeigepflicht verschafft zu haben (vgl. BFH-Beschluss in BFHE 208, 456, BStBl II 2005, 492).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Im Streitfall kann auch nicht ausnahmsweise aus Vertrauensschutzgr&uuml;nden von der Anwendung des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;5 GrEStG abgesehen werden. Zwar hat es der Senat in dem Fall des BFH-Beschlusses in BFHE 208, 456, BStBl II 2005, 492, in dem von dem Anteilserwerb eine Vielzahl von Grundst&uuml;cken in zwei Bundesl&auml;ndern betroffen war, im einstweiligen Rechtsschutzverfahren bei summarischer Pr&uuml;fung f&uuml;r rechtlich m&ouml;glich gehalten, &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;5 GrEStG auf vor der Ver&ouml;ffentlichung dieses Beschlusses verwirklichte Erwerbsvorg&auml;nge nicht anzuwenden. Vorliegend ist eine solche Fallgestaltung jedoch nicht gegeben, weil von dem Erwerbsvorgang lediglich zwei in demselben Finanzamtsbezirk gelegene Grundst&uuml;cke betroffen waren und es der Kl&auml;gerin ohne weiteres m&ouml;glich gewesen w&auml;re, eine den gesetzlichen Anforderungen entsprechende Anzeige fristgerecht zu erstatten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Eine Nichtanwendung des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;5 GrEStG aus Vertrauensschutzgr&uuml;nden rechtfertigt sich auch nicht aus dem Vorbringen der Kl&auml;gerin, sie habe &#8211;entsprechend der im BFH-Beschluss in BFH\/NV 2006, 1341 getroffenen Aussage&#8211; die Anzeige jedenfalls bis zum Ergehen des angefochtenen Grunderwerbsteuerbescheids und vor dem Abschluss des Aufhebungsvertrags nachgeholt. Angesichts des klaren Wortlauts des &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;5 GrEStG rechtfertigt eine solche Anzeige f&uuml;r sich allein noch nicht die Gew&auml;hrung von Vertrauensschutz. Eine Ausdehnung des im BFH-Beschluss in BFHE 208, 456, BStBl II 2005, 492 gew&auml;hrten und auf die Besonderheiten der dort zugrunde liegenden Sachverhaltsgestaltung abgestellten Vertrauensschutzes auf s&auml;mtliche F&auml;lle, in denen die Nichtanzeige eines Erwerbsvorgangs i.S. des &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 GrEStG allein auf Unkenntnis eines Beteiligten &uuml;ber die Anzeigepflicht beruht und der ordnungsgem&auml;&szlig;en Anzeigeerstattung keine sonstigen tats&auml;chlichen Hindernisse entgegenstanden, &uuml;berschreitet die aus Art.&nbsp;20 Abs.&nbsp;3 GG herzuleitenden Grenzen der richterlichen Auslegungsbefugnis f&uuml;r &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;5 GrEStG. Solches ist der Fall, wenn die Rechtsprechung sich an die Stelle des Gesetzgebers setzt, indem die Auslegung zu einem Ergebnis f&uuml;hrt, das in Widerspruch steht zu dem auslegungsf&auml;higen und auslegungsbed&uuml;rftigen Wortlaut der gesetzlichen Vorschrift, ihrer Systematik und ihrem erkennbaren Sinn (vgl. BVerfG-Beschl&uuml;sse vom 27.&nbsp;Dezember 1991&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvR&nbsp;72\/90, BStBl II 1992, 212, und vom 22.&nbsp;Dezember 1992&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;1333\/89, Deutsches Steuerrecht 1993, 603).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Ein Anspruch auf Nichtfestsetzung der Steuer kann auch nicht aus dem Gespr&auml;ch vom 5.&nbsp;M&auml;rz 2003 zwischen dem damaligen Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Kl&auml;gerin und dem Sachbearbeiter bei der Grunderwerbsteuerstelle des FA hergeleitet werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es war zwar bereits vor der Einf&uuml;hrung des &sect;&nbsp;89 Abs.&nbsp;2 AO durch Art.&nbsp;18 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;b des F&ouml;deralismusreform-Begleitgesetzes vom 5.&nbsp;September 2006 (BGBl I 2006, 2098) anerkannt, dass die Finanzbeh&ouml;rden neben der gesetzlich geregelten Auskunft im Anschluss an eine Au&szlig;enpr&uuml;fung (&sect;&sect;&nbsp;204 bis 207 AO) auch in anderen F&auml;llen Ausk&uuml;nfte mit bindender Wirkung (Zusagen) erteilen konnten. Bindungswirkung entfalteten solche Zusicherungen aber nur, wenn sie der f&uuml;r die sp&auml;tere Entscheidung im Verwaltungsverfahren zust&auml;ndige Beamte oder der Vorsteher der Finanzbeh&ouml;rde abgegeben hatte. Dabei war als zust&auml;ndiger Beamter nicht der Sachbearbeiter, sondern der abschlie&szlig;end Zeichnungsberechtigte, also in der Regel der Sachgebietsleiter, anzusehen (BFH-Urteile vom 13.&nbsp;Dezember 1989 X&nbsp;R&nbsp;208\/87, BFHE 159, 114, BStBl II 1990, 274, und vom 26.&nbsp;November 1997 III&nbsp;R&nbsp;109\/93, BFH\/NV 1998, 808; BFH-Beschl&uuml;sse vom 9.&nbsp;Dezember 2004 VII&nbsp;B&nbsp;129\/04, BFH\/NV 2005, 663, und vom 19.&nbsp;Januar 2007 IV&nbsp;B&nbsp;51\/05, BFH\/NV 2007, 1089).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da der Sachbearbeiter, mit dem der damalige Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Kl&auml;gerin gesprochen hat, nach den Feststellungen des FG (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO) nicht zeichnungsberechtigt war, konnten etwaige von ihm gegebene Ausk&uuml;nfte keine Bindungswirkung entfalten, und zwar auch dann nicht, wenn der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer den Sachbearbeiter f&uuml;r den zust&auml;ndigen Auskunftsbeamten halten konnte (BFH-Urteil in BFHE 159, 114, BStBl II 1990, 274; BFH-Beschluss in BFH\/NV 2007, 1089).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Der Steueranspruch ist weder verj&auml;hrt noch verwirkt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die nach &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO vier Jahre betragende Festsetzungsfrist begann gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;170 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO mit Ablauf des Jahres 2003, in dem die Kl&auml;gerin die Anzeige erstattete, und war somit bei Erlass des Bescheids vom 8.&nbsp;Mai 2006 noch nicht abgelaufen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>33<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es lag auch kein Verhalten des FA vor, das bei objektiver Auslegung den eindeutigen Schluss zulie&szlig;, es werde die Grunderwerbsteuer nicht festsetzen. Dem Vorbringen der Kl&auml;gerin l&auml;sst sich zudem nicht entnehmen, dass sie sich im Vertrauen auf die Nichtfestsetzung der Grunderwerbsteuer entsprechend eingerichtet &#8211;nicht nur gedanklich eingestellt&#8211; habe, so dass ihr wegen der von ihr getroffenen oder unterlassenen Ma&szlig;nahmen oder Vorkehrungen die Zahlung der festgesetzten Grunderwerbsteuer nicht mehr zugemutet werden k&ouml;nnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>34<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 25.11.2015, II R 64\/08 Anwendbarkeit von &sect; 16 Abs. 2 Nr. 1 GrEStG auf Erwerbsvorg&auml;nge nach &sect; 1 Abs. 3 GrEStG &#8211; R&uuml;ckabwicklung des Kaufvertrages &uuml;ber eine Anteils&uuml;bertragung &#8211; Nichtanzeige eines Erwerbsvorgangs aus Unkenntnis Tenor Die Revision der Kl&auml;gerin gegen das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 17. 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