{"id":6579,"date":"2012-11-30T21:47:58","date_gmt":"2012-11-30T19:47:58","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=6579"},"modified":"2012-11-30T21:48:05","modified_gmt":"2012-11-30T19:48:05","slug":"ix-r-39-10-verlustabzugsverbot-sachlich-unbillig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-39-10-verlustabzugsverbot-sachlich-unbillig\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;39\/10 &#8211; Verlustabzugsverbot sachlich unbillig"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 21.8.2012, IX R 39\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Verlustabzugsverbot sachlich unbillig<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) sind Eheleute, die vom Beklagten und Revisionsbeklagten (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) zusammen zur Einkommensteuer f&uuml;r das Streitjahr (2001) veranlagt wurden. Der Kl&auml;ger beteiligte sich bei der Gr&uuml;ndung der GmbH im April 1996 mit 74&nbsp;% am Stammkapital von 100.000&nbsp;DM und erwarb am 3.&nbsp;Februar 1999 den anderen gr&uuml;ndungsgeborenen Anteil (Nennwert 26.000&nbsp;DM) von der Mitgr&uuml;ndungsgesellschafterin zum Preis von 1&nbsp;DM.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Februar 1998 und Februar 1999 wurden Beschl&uuml;sse gefasst, wonach das Stammkapital der GmbH ohne Anteils&uuml;bernahme durch den Kl&auml;ger zun&auml;chst um 200.000&nbsp;DM und sodann um weitere 900.000&nbsp;DM &#8211;verbleibender Anteil des Kl&auml;gers 8,33&nbsp;%&#8211; erh&ouml;ht wurde. Die neuen Stammeinlagen wurden jeweils von der F&nbsp;KG &uuml;bernommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Urkunde vom Februar 1999 zur zweiten Kapitalerh&ouml;hung regelte u.a. die &quot;Sanierung durch Forderungsverzicht und Kapitalerh&ouml;hung&quot; mit Verzichten s&auml;mtlicher Gesellschafter auf Darlehen. Der vom Kl&auml;ger erkl&auml;rte Verzicht bezog sich &#8211;jeweils einschlie&szlig;lich der Zinsanspr&uuml;che&#8211; auf ein der GmbH gew&auml;hrtes Darlehen, das sich nach dem Stand vom 31.&nbsp;Dezember 1997 auf 323.760,31&nbsp;DM belief sowie auf einen Anspruch gem&auml;&szlig; dem &quot;Gesellschafterkonto&quot; per 31.&nbsp;Dezember 1997 in H&ouml;he von 85.799,26&nbsp;DM mit seitherigen Ver&auml;nderungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Oktober des Streitjahres ver&auml;u&szlig;erte der Kl&auml;ger seine beiden Anteile zum Preis von 1&nbsp;DM und machte f&uuml;r das Streitjahr einen Ver&auml;u&szlig;erungsverlust gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;17 des Einkommensteuergesetzes (EStG) in H&ouml;he von insgesamt 471.389&nbsp;DM geltend (Ver&auml;u&szlig;erungspreis 1&nbsp;DM .\/. urspr&uuml;ngliche Anschaffungskosten insgesamt 74.001&nbsp;DM .\/. nachtr&auml;gliche Anschaffungskosten insgesamt &lt;Gesellschafterkonto 82.139,16&nbsp;DM + Darlehen 315.250,31&nbsp;DM =&gt; 397.389,47&nbsp;DM). Das FA lehnte dies ab. Einspruch und Klage hatten keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Februar 2006 beantragten die Kl&auml;ger gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;163 der Abgabenordnung (AO), aus sachlichen Billigkeitsgr&uuml;nden den Ver&auml;u&szlig;erungsverlust bei der Einkommensteuerfestsetzung 2001 zu ber&uuml;cksichtigen sowie den danach noch verbleibenden Verlustabzug zur Einkommensteuer zum 31.&nbsp;Dezember 2001 festzustellen. Das FA lehnte einen Gesetzes&uuml;berhang und damit den Antrag ab. Der Einspruch war wiederum erfolglos, ebenso die Klage. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) entschied, das FA habe die von den Kl&auml;gern begehrte Ber&uuml;cksichtigung des Ver&auml;u&szlig;erungsverlustes ermessensfehlerfrei abgelehnt. Die bis zum 31.&nbsp;Dezember 1998 g&uuml;nstigere Rechtslage beruhe auf der Privilegierung gr&uuml;ndungsgeborener Anteile durch &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;4 Buchst.&nbsp;a EStG i.d.F. des Jahressteuergesetzes (JStG) 1996. Die ab dem 1.&nbsp;Januar 2002 g&uuml;nstigere Rechtslage beruhe zum einen auf der Herabsetzung der sog. &quot;Wesentlichkeitsgrenze&quot; auf 1&nbsp;%, zum anderen auf der redaktionellen Anpassung der Verlustbeschr&auml;nkungsregelung in &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;4 Buchst.&nbsp;b Satz&nbsp;1 EStG (Unternehmenssteuerfortentwicklungsgesetz &#8211;UntStFG&#8211; vom 20.&nbsp;Dezember 2001, BGBl I 2001, 3858, BStBl I 2002, 35). Soweit die Neufassung des &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;4 Buchst.&nbsp;b EStG i.d.F. des Steuerentlastungsgesetzes 1999\/2000\/2002 (StEntlG 1999\/2000\/2002) vom 24.&nbsp;M&auml;rz 1999 (BGBl I 1999, 402, BStBl I 1999, 304) damit begr&uuml;ndet werde, dass sie das Abzugsverbot auf die &quot;eigentlichen Missbrauchsf&auml;lle&quot; einschr&auml;nke (BTDrucks 14\/23, 179), beziehe sich diese &Auml;u&szlig;erung ersichtlich auf die Neufassung von &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;4 Buchst.&nbsp;b Satz&nbsp;2 EStG, d.h. auf die beiden dort geregelten zwei Ausnahmen. Dabei sei die die Kl&auml;ger beschwerende Regelung des &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;4 Buchst.&nbsp;b Satz&nbsp;1 EStG i.d.F. des StEntlG 1999\/2000\/2002 durch die Besonderheit gekennzeichnet, dass sie auf einer zul&auml;ssigen Typisierung beruhe und &#8211;ebenso wie &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;4 Buchst.&nbsp;b EStG i.d.F. des JStG 1996 und &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;4 Buchst.&nbsp;b Satz&nbsp;1 EStG i.d.F. des UntStFG (trotz der Ma&szlig;geblichkeit der abgesenkten Relevanzschwelle von 1&nbsp;% f&uuml;r den gesamten F&uuml;nf-Jahreszeitraum)&#8211; eine Vielzahl von Sachverhalten erfasse, in denen keine Anhaltspunkte f&uuml;r einen Missbrauch bzw. eine Missbrauchsabsicht vorl&auml;gen. Die Annahme der sachlichen Unbilligkeit bei solchen Sachverhalten w&uuml;rde letztlich dazu f&uuml;hren, die generelle Geltungsanordnung des Steuergesetzes zu unterlaufen, habe der Bundesfinanzhof (BFH) doch die Neuregelung des &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;4 EStG durch das StEntlG 1999\/2000\/2002 auch insoweit mit dem Grundgesetz f&uuml;r vereinbar erkl&auml;rt, als die Vorschrift auch weiterhin Sachverhalte erfasse, in denen keine Anhaltspunkte f&uuml;r eine Missbrauchsabsicht vorl&auml;gen (BFH-Urteil vom 14.&nbsp;Juni 2005 VIII&nbsp;R&nbsp;20\/04, BFH\/NV 2005, 2202).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die Revision der Kl&auml;ger, mit der diese die Verletzung materiellen Rechts r&uuml;gen (&sect;&nbsp;17 EStG, &sect;&nbsp;163 AO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen,<br \/><\/br>das FA unter Aufhebung des Urteils des FG und der Einspruchsentscheidung sowie des ablehnenden Bescheids zu verpflichten, erneut &uuml;ber den Antrag auf Ber&uuml;cksichtigung eines Ver&auml;u&szlig;erungsverlustes in H&ouml;he von 471.389&nbsp;DM sowohl bei der abweichenden Festsetzung der Einkommensteuer 2001 als auch bei der abweichenden Feststellung des verbleibenden Verlustabzugs zum 31.&nbsp;Dezember 2001 unter Ber&uuml;cksichtigung der Rechtsauffassung zu entscheiden, dass der Ver&auml;u&szlig;erungsverlust zu erfassen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/><\/br>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des finanzgerichtlichen Urteils und zur Stattgabe der Klage (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Zu Unrecht ist das FG von einer rechtm&auml;&szlig;igen Ermessensentscheidung des FA &uuml;ber die sachliche Unbilligkeit der streitbefangenen Steuerfestsetzung und Verlustfeststellung ausgegangen, indem es dessen Ermessensreduzierung auf Null unber&uuml;cksichtigt gelassen hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;163 Satz&nbsp;1 AO k&ouml;nnen Steuern niedriger festgesetzt und einzelne Besteuerungsgrundlagen, die die Steuern erh&ouml;hen, bei der Festsetzung unber&uuml;cksichtigt bleiben, wenn die Erhebung der Steuer nach Lage des einzelnen Falls unbillig w&auml;re. Die Vorschrift bezweckt, sachlichen und pers&ouml;nlichen Besonderheiten des Einzelfalls, die der Gesetzgeber in der Besteuerungsnorm nicht ber&uuml;cksichtigt hat, durch eine nicht den Steuerbescheid selbst &auml;ndernde Korrektur des Steuerbetrages insoweit Rechnung zu tragen, als sie die steuerliche Belastung als unbillig erscheinen lassen (BFH-Urteil vom 16.&nbsp;M&auml;rz 2000 IV&nbsp;R&nbsp;3\/99, BFHE 191, 226, BStBl II 2000, 372).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Entscheidung &uuml;ber eine abweichende Steuerfestsetzung aus Billigkeitsgr&uuml;nden ist eine Ermessensentscheidung, die von den Gerichten nur in den von &sect;&nbsp;102 FGO gezogenen Grenzen &uuml;berpr&uuml;ft werden kann (Beschluss des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtsh&ouml;fe des Bundes vom 19.&nbsp;Oktober 1971 GmS-OGB 3\/70, BFHE 105, 101, BStBl II 1972, 603 &#8211;zur Vorg&auml;ngerregelung des &sect;&nbsp;131 der Reichsabgabenordnung&#8211;; BFH-Urteil vom 10.&nbsp;Oktober 2001 XI&nbsp;R&nbsp;52\/00, BFHE 196, 572, BStBl II 2002, 201). Die gerichtliche Pr&uuml;fung ist darauf beschr&auml;nkt, ob die Beh&ouml;rde bei ihrer Entscheidung die gesetzlichen Grenzen des Ermessens &uuml;berschritten oder von dem ihr einger&auml;umten Ermessen in einer dem Zweck der Erm&auml;chtigung nicht entsprechenden Weise Gebrauch gemacht hat. Nur ausnahmsweise kann das Gericht eine Verpflichtung zum Erlass des begehrten Verwaltungsakts aussprechen (&sect;&nbsp;101 Satz&nbsp;1 FGO), wenn der Ermessensspielraum derart eingeschr&auml;nkt ist, dass nur eine einzige Entscheidung als ermessensgerecht in Betracht kommt (Ermessensreduzierung auf Null; st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Urteil vom 14.&nbsp;Juli 2010 X&nbsp;R&nbsp;34\/08, BFHE 229, 502, BStBl II 2010, 916, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Unbilligkeit i.S. von &sect;&nbsp;163 AO kann in der Sache liegen oder ihren Grund in der wirtschaftlichen Lage des Steuerpflichtigen haben (BFH-Urteil vom 21.&nbsp;Oktober 2009 I&nbsp;R&nbsp;112\/08, BFH\/NV 2010, 606). Die Kriterien hierf&uuml;r sind im Regelungsbereich des &sect;&nbsp;163 AO die gleichen wie im Rahmen des &sect;&nbsp;227 AO, weil sich diese beiden Billigkeitsvorschriften im Wesentlichen nur in der Rechtsfolgeanordnung, nicht aber in den tatbestandsm&auml;&szlig;igen Voraussetzungen unterscheiden (BFH-Urteil vom 26.&nbsp;Oktober 1994 X&nbsp;R&nbsp;104\/92, BFHE 176, 3, BStBl II 1995, 297).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der wirtschaftlichen Situation der Kl&auml;ger liegende (pers&ouml;nliche) Billigkeitsgr&uuml;nde sind im Streitfall nicht geltend gemacht und auch nicht erkennbar, so dass allein sachliche Unbilligkeit in Betracht kommt. Sachlich unbillig ist die Erhebung einer Steuer vor allem dann, wenn sie im Einzelfall nach dem Zweck des zugrundeliegenden Gesetzes nicht (mehr) zu rechtfertigen ist &#8211;insbesondere wenn nach dem erkl&auml;rten oder mutma&szlig;lichen Willen des Gesetzgebers angenommen werden kann, dass er die im Billigkeitswege zu entscheidende Frage (h&auml;tte er sie geregelt) im Sinne der beabsichtigten Billigkeitsma&szlig;nahme entschieden h&auml;tte&#8211; oder wenn die Festsetzung der Steuer den Wertungen des Gesetzes zuwiderl&auml;uft (vgl. BFH-Urteile in BFHE 176, 3, BStBl II 1995, 297; vom 26.&nbsp;Mai 1994 IV&nbsp;R&nbsp;51\/93, BFHE 174, 482, BStBl II 1994, 833; Loose in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;227 AO Rz&nbsp;40&nbsp;ff., jeweils m.w.N.). Dies wiederum kann seinen Grund entweder in Gerechtigkeitsgesichtspunkten oder in einem Widerspruch zu dem der gesetzlichen Regelung zugrundeliegenden Zweck haben (vgl. zu Gerechtigkeitspostulaten Loose in Tipke\/Kruse, a.a.O., &sect;&nbsp;227 AO Rz&nbsp;41; St&ouml;cker in Beermann\/Gosch, AO &sect;&nbsp;227 Rz&nbsp;76, jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Billigkeitsentscheidung darf nicht dazu f&uuml;hren, die generelle Geltungsanordnung des den Steueranspruch begr&uuml;ndenden Gesetzes zu unterlaufen. Sie darf nicht die Wertung des Gesetzes durchbrechen oder korrigieren, sondern nur einem ungewollten &Uuml;berhang des gesetzlichen Steuertatbestandes abhelfen (BFH-Urteile vom 21.&nbsp;Oktober 1987 X&nbsp;R&nbsp;29\/81, BFH\/NV 1988, 546, und in BFHE 176, 3, BStBl II 1995, 297, jeweils m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Im vorliegenden Fall hat das FG den Verlust des Kl&auml;gers aus der Anteilsver&auml;u&szlig;erung vom Oktober des Streitjahres rechtskr&auml;ftig nicht ber&uuml;cksichtigt (dazu s. a). Jedoch ist dies im streitigen Einzelfall sachlich unbillig (dazu s.&nbsp;b).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;4 Buchst.&nbsp;b Satz&nbsp;1 EStG in der im Streitjahr anzuwendenden Fassung des StEntlG 1999\/2000\/2002 ist ein Verlust aus der Ver&auml;u&szlig;erung eines Anteils an einer Kapitalgesellschaft nicht zu ber&uuml;cksichtigen, soweit er auf Anteile entf&auml;llt, die entgeltlich erworben worden sind und nicht innerhalb der gesamten letzten f&uuml;nf Jahre zu einer wesentlichen Beteiligung des Steuerpflichtigen geh&ouml;rt haben. Gem&auml;&szlig; Satz&nbsp;2 der Vorschrift gilt dies nicht f&uuml;r innerhalb der letzten f&uuml;nf Jahre erworbene Anteile, deren Erwerb zur Begr&uuml;ndung einer wesentlichen Beteiligung des Steuerpflichtigen gef&uuml;hrt hat oder die nach Begr&uuml;ndung der wesentlichen Beteiligung erworben worden sind. Dabei ist das Tatbestandsmerkmal der wesentlichen Beteiligung i.S. von &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;4 Buchst.&nbsp;b EStG veranlagungszeitraumbezogen auszulegen, d.h. die Wesentlichkeit der Beteiligung ist f&uuml;r jedes Kalenderjahr ihres Bestehens nach der jeweils ma&szlig;gebenden Fassung von &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 EStG festzustellen (BFH-Urteil vom 29.&nbsp;Mai 2008 IX&nbsp;R&nbsp;62\/05, BFHE 221, 227, BStBl II 2008, 856).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall war der Kl&auml;ger von 1999 bis zur Ver&auml;u&szlig;erung im Oktober 2001 nicht mehr wesentlich beteiligt. Die Atypik des vorliegenden Einzelfalls besteht dabei darin, dass der Kl&auml;ger die sowohl zur Absenkung seiner Beteiligung als auch zum streitigen Verlust f&uuml;hrenden unternehmerischen Gestaltungen in einer wirtschaftlichen Notlage des Unternehmens zu treffen hatte, die es ihm zum einen nicht gestattete, hierf&uuml;r das steuerlich g&uuml;nstigere Vor- oder Folgejahr zu w&auml;hlen. Zum anderen kommt eine Missbrauchsabwehr angesichts der Notsituation des Unternehmens, die den Kl&auml;ger zu den genannten Gestaltungen zwang, von vornherein nicht in Betracht. Inwieweit das FG hieran die sachlich zutreffenden Rechtsfolgen gekn&uuml;pft hat, ist vorliegend nicht zu entscheiden. Ma&szlig;geblich ist, dass der Gesetzeszweck den streitigen Einzelfall angesichts seiner Atypik verfehlt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;4 Buchst.&nbsp;b EStG i.d.F. des StEntlG 1999\/ 2000\/2002 sollte durch die Einschr&auml;nkung des Verlustabzugs aber Gestaltungen verhindern oder erschweren, die es einem bisher nicht wesentlich beteiligten Gesellschafter erm&ouml;glichten, durch kurzfristigen Zukauf von Anteilen eine im Privatverm&ouml;gen entstandene Wertminderung in den steuerlichen Verlustausgleich einzubeziehen (vgl. BTDrucks 13\/901, S.&nbsp;133 zu Nr.&nbsp;17). Der Gesetzgeber hat solche Sachverhalte als missbr&auml;uchlich angesehen (vgl. BTDrucks 14\/6877, S.&nbsp;28 zu Buchst.&nbsp;c &lt;Abs.&nbsp;34a&gt;) und deshalb den Verlustabzug nur im Umfang derjenigen Anteile zulassen wollen, die der Gesellschafter erworben hat, um seine Beteiligung zu einer wesentlichen aufzustocken (vgl. BTDrucks 14\/265, S.&nbsp;180 zu Buchst.&nbsp;b &lt;Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;4&gt;). Damit stellt &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;4 Buchst.&nbsp;b EStG &#8211;wie der Senat im Urteil in BFHE 221, 227, BStBl II 2008, 856 erkannt hat&#8211; einen sachlichen Zusammenhang zwischen der Steuerverhaftung einer Beteiligung und der Verlustber&uuml;cksichtigung her (vgl. BTDrucks 14\/23, 179). Dass der Gesetzgeber diesen Gleichklang f&uuml;r beim Erwerb wesentlicher Beteiligungen, die innerhalb des F&uuml;nf-Jahreszeitraums zu unwesentlichen wurden, zu Lasten gerade eines Steuerpflichtigen h&auml;tte verschieben wollen, der auf eine akute Notlage der Gesellschaft reagieren muss, ist nicht ersichtlich. Die Einschr&auml;nkung der Verlustber&uuml;cksichtigung in &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;4 Buchst.&nbsp;b EStG in der im Streitjahr geltenden Fassung soll in typisierender Weise Missbrauchsf&auml;lle erfassen, so dass eine Missbrauchspr&uuml;fung im Einzelfall nicht erfolgen muss. Wird jedoch jenseits dieses Zwecks ein atypischer Einzelfall einer urspr&uuml;nglich wesentlichen Beteiligung erfasst, die nur zur Verhinderung einer wirtschaftlichen Notlage der Gesellschaft innerhalb des F&uuml;nf-Jahreszeitraums unter die Wesentlichkeitsschwelle gesunken ist, so dass der Gesetzeszweck von vorneherein nicht greift, so stellt dies einen im Billigkeitswege zu korrigierenden Gesetzes&uuml;berhang dar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 21.8.2012, IX R 39\/10 Verlustabzugsverbot sachlich unbillig Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) sind Eheleute, die vom Beklagten und Revisionsbeklagten (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) zusammen zur Einkommensteuer f&uuml;r das Streitjahr (2001) veranlagt wurden. Der Kl&auml;ger beteiligte sich bei der Gr&uuml;ndung der GmbH im April 1996 mit 74&nbsp;% am Stammkapital von 100.000&nbsp;DM und &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-39-10-verlustabzugsverbot-sachlich-unbillig\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;39\/10 &#8211; Verlustabzugsverbot sachlich unbillig<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-6579","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6579","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6579"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6579\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6579"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6579"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6579"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}