{"id":6583,"date":"2012-11-30T21:49:21","date_gmt":"2012-11-30T19:49:21","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=6583"},"modified":"2012-11-30T21:49:21","modified_gmt":"2012-11-30T19:49:21","slug":"i-b-69-12-zur-prozessfaehigkeit-einer-gmbh-bei-amtsniederlegung-des-geschaeftsfuehrers-kostenentscheidung-gegenueber-einem-vertreter-ohne-vertretungsmacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-69-12-zur-prozessfaehigkeit-einer-gmbh-bei-amtsniederlegung-des-geschaeftsfuehrers-kostenentscheidung-gegenueber-einem-vertreter-ohne-vertretungsmacht\/","title":{"rendered":"I&nbsp;B&nbsp;69\/12 &#8211; Zur Prozessf&auml;higkeit einer GmbH bei Amtsniederlegung des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers; Kostenentscheidung gegen&uuml;ber einem Vertreter ohne Vertretungsmacht"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 28.8.2012, I B 69\/12<\/p>\n<p class=\"titel\">Zur Prozessf&auml;higkeit einer GmbH bei Amtsniederlegung des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers; Kostenentscheidung gegen&uuml;ber einem Vertreter ohne Vertretungsmacht<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. In der Sache ist zwischen den Beteiligten streitig, ob Bescheide, deren Inhaltsadressatin die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin), eine GmbH, ist, ihrem Gesellschafter mit Wirkung f&uuml;r die Kl&auml;gerin wirksam bekannt gegeben werden konnten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>An der Kl&auml;gerin waren in den Streitjahren 2005 und 2006 X zu 74&nbsp;% und die Y-GmbH zu 26&nbsp;% beteiligt. Einzelvertretungsberechtigter und von den Beschr&auml;nkungen des &sect;&nbsp;181 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs (BGB) befreiter Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Y-GmbH war Z. Dieser war zun&auml;chst auch als Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Kl&auml;gerin im Handelsregister eingetragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Z legte sein Amt als Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer mit Schreiben vom 10.&nbsp;November 2005 nieder und wurde am 28.&nbsp;M&auml;rz 2006 aus dem Handelsregister gel&ouml;scht. Bis heute ist kein neuer Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer bestellt worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) gab die angefochtenen Steuerbescheide, s&auml;mtlich vom 17.&nbsp;Juli 2009, X als Gesellschafter der Kl&auml;gerin bekannt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die hiergegen eingelegten Einspr&uuml;che blieben erfolglos. Das FA gab X auch die Einspruchsentscheidungen bekannt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Urteil vom 15.&nbsp;M&auml;rz 2012 (Aktenzeichen 3&nbsp;K&nbsp;83\/10) wies das Finanzgericht (FG) des Landes Sachsen-Anhalt die daraufhin erhobene Klage ab und erlegte X, der die Klage f&uuml;r die Kl&auml;gerin erhoben hatte, die Kosten des Verfahrens auf.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt mit ihrer Beschwerde, die Revision gegen das finanzgerichtliche Urteil wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung zuzulassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Beschwerde zu verwerfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unzul&auml;ssig und deshalb zu verwerfen. Der Kl&auml;gerin fehlt es an der Prozessf&auml;higkeit, die Zul&auml;ssigkeitsvoraussetzung auch einer Nichtzulassungsbeschwerde ist (Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;116 Rz&nbsp;19; vgl. auch Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 4.&nbsp;September 2008 XI&nbsp;B&nbsp;188\/07, BFH\/NV 2008, 2043).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. F&uuml;r rechtsf&auml;hige und nichtrechtsf&auml;hige Personenvereinigungen, f&uuml;r Personen, die gesch&auml;ftsunf&auml;hig oder in der Gesch&auml;ftsf&auml;higkeit beschr&auml;nkt sind, f&uuml;r alle F&auml;lle der Verm&ouml;gensverwaltung und f&uuml;r andere einer juristischen Person &auml;hnlichen Gebilde, die als solche der Besteuerung unterliegen, sowie bei Wegfall eines Steuerpflichtigen handeln die nach dem b&uuml;rgerlichen Recht dazu befugten Personen (&sect;&nbsp;58 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Juristische Personen des privaten Rechts werden durch ihre Organe vertreten, die wie die gesetzlichen Vertreter nat&uuml;rlicher Personen ihrerseits gesch&auml;ftsf&auml;hig sein m&uuml;ssen, um prozessf&auml;hig zu sein (Dr&uuml;en in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;58 FGO Rz&nbsp;18). Ist die juristische Person eine GmbH, wird diese gerichtlich und au&szlig;ergerichtlich durch ihren Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer vertreten (&sect;&nbsp;35 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 des Gesetzes betreffend die Gesellschaften mit beschr&auml;nkter Haftung &#8211;GmbHG&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Legt der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer sein Amt nieder, verliert die GmbH ihre Prozessf&auml;higkeit. Hieran &auml;ndert der seit dem 1.&nbsp;November 2008 geltende &sect;&nbsp;35 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GmbHG nichts. Nach dieser Vorschrift wird die Gesellschaft bei einer F&uuml;hrungslosigkeit, also beim Fehlen eines Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers, von ihren Gesellschaftern gesetzlich vertreten, wenn ihr gegen&uuml;ber Willenserkl&auml;rungen abzugeben oder Schriftst&uuml;cke zuzustellen sind. Das betrifft etwa die Zustellung einer Klageschrift. Darin ersch&ouml;pft sich die Prozessf&uuml;hrung aber nicht. Einen Prozess kann die GmbH nur f&uuml;hren, wenn ihre Vertreter nicht nur zur Passivvertretung, sondern auch zur Aktivvertretung befugt sind, also auch Willenserkl&auml;rungen mit Wirkung f&uuml;r die Gesellschaft abgeben k&ouml;nnen. Eine solche Rechtsmacht haben die Gesellschafter in den F&auml;llen des &sect;&nbsp;35 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GmbHG nicht (Urteil des Bundesgerichtshofs &#8211;BGH&#8211; vom 25.&nbsp;Oktober 2010 II&nbsp;ZR&nbsp;115\/09, Der Betrieb 2010, 2719; zustimmend Altmeppen in Roth\/ Altmeppen, Gesetz betreffend die Gesellschaften mit beschr&auml;nkter Haftung (GmbHG), 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;35 Rz&nbsp;28; K.&nbsp;Schmidt, GmbH-Rundschau &#8211;GmbHR&#8211; 2011, 113&nbsp;ff.; M&uuml;nchKommGmbH\/Stephan\/ Tieves, &sect;&nbsp;35 Rz&nbsp;247).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&sect;&nbsp;35 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GmbHG kann auch nicht analog auf die Aktivvertretung angewandt werden, denn es fehlt an der Planwidrigkeit der Regelungsl&uuml;cke. Eine planwidrige Regelungsl&uuml;cke besteht nur, wo das Gesetz, gemessen an seinem eigenen Ziel und Zweck, unvollst&auml;ndig, also erg&auml;nzungsbed&uuml;rftig ist und eine Erg&auml;nzung nicht einer dem Gesetz gewollten Beschr&auml;nkung auf bestimmte Tatbest&auml;nde widerspricht (BFH-Urteil vom 21.&nbsp;Oktober 1997 IX&nbsp;R&nbsp;29\/95, BFHE 184, 466, BStBl II 1998, 142; Senatsurteile vom 21.&nbsp;Oktober 1999 I&nbsp;R&nbsp;66\/98, BFHE 190, 390, BStBl II 2000, 288; vom 19.&nbsp;Dezember 2007 I&nbsp;R&nbsp;52\/07, BFHE 220, 180, BStBl II 2008, 431; vom 1.&nbsp;Juli 2009 I&nbsp;R&nbsp;76\/08, BFHE 225, 566, BStBl II 2010, 1061). Diese Voraussetzungen sind im Streitfall nicht erf&uuml;llt. &sect;&nbsp;35 Abs.&nbsp;1 GmbHG ist gemessen an seinem Sinn und Zweck nicht erg&auml;nzungsbed&uuml;rftig, weil &#8211;anders als in den F&auml;llen der Passivvertretung&#8211; kein Bed&uuml;rfnis f&uuml;r eine subsidi&auml;re Selbstorganschaft besteht. Die Beschr&auml;nkung des Gesetzes auf den Fall der Passivvertretung erkl&auml;rt sich durch das gesetzgeberische Ziel, die M&ouml;glichkeit, durch eine Abberufung der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer Zustellungen und den Zugang von Erkl&auml;rungen an die Gesellschaft zu vereiteln, zu unterbinden (BTDrucks 16\/6140, S.&nbsp;42); der Gesetzgeber wollte die F&uuml;hrungslosigkeit der GmbH nicht zur G&auml;nze ausschlie&szlig;en (vgl. K.&nbsp;Schmidt, GmbHR 2008, 449, 451; ders. in Burghard\/Hadding\/M&uuml;lbert\/Nietsch\/ Welter [Hrsg.], Festschrift f&uuml;r Uwe H.&nbsp;Schneider, 2011, 1157, 1169). Diese begrenzte Zielsetzung erfordert eine Einbeziehung der F&auml;lle der Aktivvertretung nicht; der Gesch&auml;ftsverkehr muss insoweit nicht gesch&uuml;tzt werden. Sollen Rechte der Gesellschaft wahrgenommen werden, ist es den Gesellschaftern unbenommen, einen neuen Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer zu bestellen und dadurch die aktive Gesch&auml;fts- und Verfahrensf&auml;higkeit der GmbH wieder herzustellen (zutreffend Beschluss des Landgerichts Bonn vom 26.&nbsp;Mai 2009&nbsp;&nbsp;30&nbsp;T&nbsp;426\/09, Neue Juristische Wochenschrift-Rechtsprechungsreport Zivilrecht 2009, 1342; Stephan\/Tieves, a.a.O., &sect;&nbsp;35 Rz 246).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Ausgehend von diesen Grunds&auml;tzen ist die Kl&auml;gerin nicht prozessf&auml;hig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Z, der zun&auml;chst als Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer im Handelsregister eingetragen war, legte sein Amt durch Schreiben vom 10.&nbsp;November 2005 nieder. Bis heute ist kein neuer Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer bestellt und in das Handelsregister eingetragen worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Amtsniederlegung des Z ist wirksam.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer kann im Grundsatz jederzeit und fristlos seine Organstellung durch einseitige, empfangsbed&uuml;rftige Willenserkl&auml;rung wirksam beenden, ohne dass ein wichtiger Grund objektiv vorliegen oder er einen solchen in seiner Erkl&auml;rung angeben m&uuml;sste (BGH-Urteile vom 8.&nbsp;Februar 1993 II&nbsp;ZR&nbsp;58\/92, BGHZ 121, 257; vom 26.&nbsp;Juni 1995 II&nbsp;ZR&nbsp;109\/94, GmbHR 1995, 653; Kleindiek in Lutter\/Hommelhoff, GmbHG, 17.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;38 Rz&nbsp;41, m.w.N.; Scholz\/Schneider, GmbHG, 11.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;38 Rz&nbsp;87).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Der Streitfall bietet keinen Anlass, zu der h&ouml;chstrichterlich noch nicht entschiedenen Frage Stellung zu nehmen, ob eine Amtsniederlegung ausnahmsweise unwirksam sein kann, weil sie rechtsmissbr&auml;uchlich bzw. zur Unzeit erfolgt ist (f&uuml;r die M&ouml;glichkeit einer Unwirksamkeit der Amtsniederlegung Beschluss des Bayerischen Obersten Landesgerichts &#8211;BayObLG&#8211; vom 15.&nbsp;Juni 1999&nbsp;&nbsp;3&nbsp;Z&nbsp;BR&nbsp;35\/99, BayObLGZ 1999, 171; Beschl&uuml;sse des Oberlandesgerichts &#8211;OLG&#8211; K&ouml;ln vom 1.&nbsp;Februar 2008&nbsp;&nbsp;2&nbsp;Wx&nbsp;3\/08, Zeitschrift f&uuml;r Wirtschaftsrecht und Insolvenzpraxis &#8211;ZIP&#8211; 2008, 646, und des OLG D&uuml;sseldorf vom 17.&nbsp;Dezember 2010 I-25&nbsp;Wx&nbsp;56\/10, juris; Kleindiek, a.a.O., &sect;&nbsp;38 Rz&nbsp;42&nbsp;ff.; Paefgen in Ulmer, GmbHG, &sect;&nbsp;38 Rz&nbsp;133; B.&nbsp;Schmidt in Ensthaler\/ F&uuml;ller\/Schmidt, GmbHG, 2.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;38 Rz&nbsp;24; Scholz\/Schneider, a.a.O., &sect;&nbsp;38 Rz&nbsp;90; Wachter, GmbHR 2001, 1129, 1132&nbsp;f.; a.A. Altmeppen in Roth\/Altmeppen, a.a.O., &sect;&nbsp;38 Rz&nbsp;79; Stephan\/ Tieves, a.a.O., &sect;&nbsp;38 Rz&nbsp;61; Rowedder\/Schmidt-Leithoff\/ Koppensteiner, GmbHG, 4.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;38 Rz&nbsp;35; Terlau in Michalski, GmbHG, 2.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;38 Rz&nbsp;84; Z&ouml;llner\/Noack in Baumbach\/Hueck, GmbHG, 19.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;38 Rz&nbsp;89). Es liegt jedenfalls kein solcher Ausnahmefall vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aaa) Die Amtsniederlegung ist nur dann rechtsmissbr&auml;uchlich, wenn das Interesse des Rechtsverkehrs an der Handlungsf&auml;higkeit der Gesellschaft durch die Amtsniederlegung vollst&auml;ndig beseitigt wird, beispielsweise weil ein Alleingesellschafter, der zugleich Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer ist, sein Amt niederlegt und darauf verzichtet, einen neuen Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer zu bestellen (Beschluss des BayObLG in BayObLGZ 1999, 171, m.w.N.; Beschl&uuml;sse des OLG K&ouml;ln in ZIP 2008, 646, und des OLG D&uuml;sseldorf vom 17.&nbsp;Dezember 2010 I-25&nbsp;Wx&nbsp;56\/10, juris, m.w.N.). Zur Unzeit legt der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer sein Amt nach dem Rechtsgedanken der &sect;&sect;&nbsp;627 Abs.&nbsp;2, 671 Abs.&nbsp;2 BGB nieder, wenn die Gesellschaft hierdurch handlungsunf&auml;hig wird und sich in einer Krise befindet (Wachter, GmbHR 2001, 1129, 1132; &auml;hnlich Kleindiek, a.a.O., &sect;&nbsp;38 Rz&nbsp;44).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bbb) Hiervon ausgehend bestehen keine Gr&uuml;nde f&uuml;r die Annahme, die Amtsniederlegung k&ouml;nne rechtsmissbr&auml;uchlich oder zur Unzeit erfolgt sein. Die Amtsniederlegung ist schon deshalb nicht rechtsmissbr&auml;uchlich, weil Z sein Amt nicht niedergelegt haben kann, um die Handlungsf&auml;higkeit der Kl&auml;gerin vollst&auml;ndig zu beseitigen. X als Mehrheitsgesellschafter war jederzeit in der Lage, einen neuen Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer zu bestellen. Aus dem gleichen Grund kann die Amtsniederlegung &#8211;unabh&auml;ngig von der wirtschaftlichen Situation der Kl&auml;gerin am 10.&nbsp;November 2005&#8211; auch nicht zur Unzeit erfolgt sein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kosten des Verfahrens waren dem Gesellschafter X pers&ouml;nlich aufzuerlegen. Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO fallen die Kosten eines ohne Erfolg eingelegten Rechtsmittels demjenigen zur Last, der das Rechtsmittel eingelegt hat. Hat ein Vertreter ohne Vertretungsmacht das Rechtsmittel eingelegt, ergeht zwar die Entscheidung gegen&uuml;ber dem Verfahrensbeteiligten pers&ouml;nlich (BFH-Beschl&uuml;sse vom 11.&nbsp;Juli 1975 III&nbsp;R&nbsp;124\/74, BFHE 116, 110, BStBl II 1975, 714; vom 2.&nbsp;Juni 1998 VII&nbsp;B&nbsp;28\/98, BFH\/NV 1999, 52); dem Vertreter ohne Vertretungsmacht sind jedoch die Kosten aufzuerlegen, weil er das erfolglose Verfahren veranlasst hat (BFH-Beschl&uuml;sse vom 2.&nbsp;Mai 1969 III&nbsp;R&nbsp;123\/68, BFHE 95, 430, BStBl II 1969, 438; in BFHE 116, 110, BStBl II 1975, 714; vom 11.&nbsp;Januar 1980 VI&nbsp;R&nbsp;11\/79, BFHE 129, 305, BStBl II 1980, 229; vom 20.&nbsp;Februar 2001 III&nbsp;R&nbsp;35\/00, BFH\/NV 2001, 813). &Uuml;bertragen auf den Streitfall f&uuml;hrt dies zur Kostentragungspflicht des X, der als Gesellschafter der Kl&auml;gerin Nichtzulassungsbeschwerde gegen das Urteil des FG eingelegt hat, ohne aber mit Vertretungsmacht f&uuml;r diese handeln zu k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 28.8.2012, I B 69\/12 Zur Prozessf&auml;higkeit einer GmbH bei Amtsniederlegung des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers; Kostenentscheidung gegen&uuml;ber einem Vertreter ohne Vertretungsmacht Tatbestand 1&nbsp; I. In der Sache ist zwischen den Beteiligten streitig, ob Bescheide, deren Inhaltsadressatin die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin), eine GmbH, ist, ihrem Gesellschafter mit Wirkung f&uuml;r die Kl&auml;gerin wirksam bekannt gegeben werden &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-b-69-12-zur-prozessfaehigkeit-einer-gmbh-bei-amtsniederlegung-des-geschaeftsfuehrers-kostenentscheidung-gegenueber-einem-vertreter-ohne-vertretungsmacht\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">I&nbsp;B&nbsp;69\/12 &#8211; Zur Prozessf&auml;higkeit einer GmbH bei Amtsniederlegung des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers; Kostenentscheidung gegen&uuml;ber einem Vertreter ohne Vertretungsmacht<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-6583","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6583","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6583"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6583\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6583"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6583"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6583"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}