{"id":6587,"date":"2012-11-30T21:49:24","date_gmt":"2012-11-30T19:49:24","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=6587"},"modified":"2012-11-30T21:49:24","modified_gmt":"2012-11-30T19:49:24","slug":"x-b-138-11-umfang-der-rechtskraftwirkung-ruege-von-verfahrensmaengeln-keine-zurueckweisung-der-nichtzulassungsbeschwerde-gemaess-par-126-abs-4-fgo-analog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-138-11-umfang-der-rechtskraftwirkung-ruege-von-verfahrensmaengeln-keine-zurueckweisung-der-nichtzulassungsbeschwerde-gemaess-par-126-abs-4-fgo-analog\/","title":{"rendered":"X&nbsp;B&nbsp;138\/11 &#8211; Umfang der Rechtskraftwirkung &#8211; R&uuml;ge von Verfahrensm&auml;ngeln &#8211; Keine Zur&uuml;ckweisung der Nichtzulassungsbeschwerde gem&auml;&szlig; &sect; 126 Abs. 4 FGO analog"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 19.9.2012, X B 138\/11<\/p>\n<p class=\"titel\">Umfang der Rechtskraftwirkung &#8211; R&uuml;ge von Verfahrensm&auml;ngeln &#8211; Keine Zur&uuml;ckweisung der Nichtzulassungsbeschwerde gem&auml;&szlig; &sect; 126 Abs. 4 FGO analog<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger), der u.a. Eink&uuml;nfte aus Vermietung und Verpachtung aus mehreren Objekten erzielt, machte in seiner Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr 1999 einen Betrag von 7.035,28&nbsp;DM &quot;f&uuml;r Rechtsstreitigkeiten&quot; als Steuerberatungskosten (Sonderausgaben nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 des Einkommensteuergesetzes 1999 &#8211;EStG&#8211;) geltend, ohne Nachweise vorzulegen. Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ber&uuml;cksichtigte diesen Betrag nicht. In seinem Einspruchsschreiben vom 12.&nbsp;November 2001, das au&szlig;erdem zahlreiche weitere Punkte betraf, erl&auml;uterte der Kl&auml;ger, die Rechtsstreitigkeiten h&auml;tten diverse vermietete Immobilien betroffen; die Aufwendungen seien bei den Eink&uuml;nften aus Vermietung und Verpachtung anzusetzen. Nachweise f&uuml;gte er weiterhin nicht bei. Getrennt hiervon machte er erstmals eine Zahlung von 3.000&nbsp;DM geltend. Hierzu legte er Kopien von zwei Rechnungen der Rechtsanw&auml;lte und Steuerberater&nbsp;X vom 1. bzw. 21.&nbsp;September 1999 &uuml;ber insgesamt 3.000&nbsp;DM sowie die Kopie eines am 15.&nbsp;September 1999 auf X ausgestellten Verrechnungsschecks &uuml;ber 3.000&nbsp;DM vor. Das FA ber&uuml;cksichtigte die Aufwendungen weiterhin nicht und wies den Einspruch zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In einem anschlie&szlig;enden ersten Klageverfahren begehrte der Kl&auml;ger &#8211;neben zahlreichen anderen Punkten&#8211; nach den Feststellungen des Finanzgerichts (FG) zun&auml;chst den Abzug von Rechtsberatungs- und Gerichtskosten in H&ouml;he von insgesamt 10.035&nbsp;DM als &quot;Betriebsausgaben&quot; bei den Eink&uuml;nften aus Vermietung und Verpachtung. In diesem Betrag waren die von X in Rechnung gestellten 3.000&nbsp;DM enthalten. Das FA erwiderte mit Schreiben vom 21.&nbsp;November 2002 u.a. (Schreibfehler im Original enthalten): &quot;Die Rechnung der Steuerberater &lt;X&gt; werden in einem ge&auml;nderten Steuerbescheid als Sonderausgabe gem. &sect;&nbsp;10 (1) Nr.&nbsp;6 EStG ber&uuml;cksichtigt.&quot; Im weiteren Verlauf des Klageverfahrens &auml;nderte das FA den Einkommensteuerbescheid 1999 mehrfach, ohne jedoch die 3.000&nbsp;DM als Sonderausgaben abzuziehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit einem &#8211;kurz vor der m&uuml;ndlichen Verhandlung eingereichten&#8211; Schreiben vom 23.&nbsp;Februar 2006 nahm der Kl&auml;ger erneut zu zahlreichen Einzelpunkten Stellung. Unter der &Uuml;berschrift &quot;4.&nbsp;Gerichts- und Rechtsanwaltskosten&quot; wies er zun&auml;chst auf die &quot;Mitteilung des Beklagten&quot; vom 21.&nbsp;November 2002 hin, wonach die von X in Rechnung gestellten 3.000&nbsp;DM als Sonderausgaben ber&uuml;cksichtigt w&uuml;rden. Zus&auml;tzlich machte er f&uuml;r Steuerberatungskosten, finanzgerichtliche Verfahren und Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit den Mietobjekten zahlreiche Einzelbetr&auml;ge geltend, die sich &#8211;ohne die von X in Rechnung gestellten 3.000&nbsp;DM&#8211; auf insgesamt 14.188,25&nbsp;DM beliefen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Urteil vom 3.&nbsp;M&auml;rz 2006 (im Folgenden als &quot;Ersturteil&quot; bezeichnet) wies das FG die Klage ab. Im Tatbestand hie&szlig; es u.a.:<br \/><\/br>&quot;Gerichts- und Rechtsanwaltskosten<br \/><\/br>Hier werde an dem Vorbringen im Schriftsatz vom 23.02.2006 zu 4. uneingeschr&auml;nkt festgehalten &#8211; also insgesamt ein Betrag in H&ouml;he von 14.188,25&nbsp;DM geltend gemacht.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In den Entscheidungsgr&uuml;nden behandelte das FG diese Aufwendungen als nicht abzugsf&auml;hig. Der Kl&auml;ger habe &quot;nicht einmal ansatzweise angegeben, weshalb diese Aufwendungen betrieblich oder beruflich veranlasst sein sollten&quot;. Die Rechnungen der X hat das FG nicht erw&auml;hnt; eine Pr&uuml;fung unter dem Gesichtspunkt der Sonderausgaben hat es nicht vorgenommen. Diese Entscheidung wurde rechtskr&auml;ftig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 21.&nbsp;Januar 2009 stellte der Kl&auml;ger den im vorliegenden Verfahren streitgegenst&auml;ndlichen Antrag auf &Auml;nderung des zuletzt ergangenen Einkommensteuerbescheids 1999 vom 14.&nbsp;Februar 2005. Er war der Auffassung, das FA sei aufgrund einer im Schreiben vom 21.&nbsp;November 2002 enthaltenen Zusage nach den Grunds&auml;tzen von Treu und Glauben zu einer Ber&uuml;cksichtigung der 3.000&nbsp;DM verpflichtet. Das FA lehnte die &Auml;nderung am 28.&nbsp;Januar 2009 &#8211;ohne Rechtsbehelfsbelehrung&#8211; mit der Begr&uuml;ndung ab, das Verfahren sei rechtskr&auml;ftig abgeschlossen. Am 23.&nbsp;Juni 2009 stellte der Kl&auml;ger einen erneuten &Auml;nderungsantrag, den das FA am 1.&nbsp;Juli 2009 &#8211;wiederum ohne Rechtsbehelfsbelehrung&#8211; ablehnte. Der am 20.&nbsp;Juli 2009 eingelegte Einspruch blieb ohne Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG verwarf die Klage als unzul&auml;ssig. Einer erneuten Befassung mit den geltend gemachten Aufwendungen stehe die Rechtskraft des Ersturteils entgegen. Den Entscheidungsgr&uuml;nden des Ersturteils sei zu entnehmen, dass das FG damals auch &uuml;ber die hinsichtlich der X geltend gemachten Aufwendungen entschieden habe. In dem im Tatbestand des Ersturteils erw&auml;hnten Betrag von 14.188,25&nbsp;DM seien die 3.000&nbsp;DM enthalten. Dies ergebe sich aus dem Schriftsatz des Kl&auml;gers vom 23.&nbsp;Februar 2006. Das Schreiben des FA vom 21.&nbsp;November 2002 sei als &quot;blo&szlig;e Ank&uuml;ndigung einer &Auml;nderung&quot; zu werten, zu deren Umsetzung es dann im weiteren Prozessverlauf nicht gekommen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Beschwerde begehrt der Kl&auml;ger die Zulassung der Revision wegen grunds&auml;tzlicher Bedeutung und zur Rechtsfortbildung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA h&auml;lt die Beschwerde f&uuml;r unzul&auml;ssig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist zul&auml;ssig und begr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Auch wenn die Beschwerdebegr&uuml;ndung den Begriff des &quot;Verfahrensmangels&quot; nicht erw&auml;hnt, sondern ausdr&uuml;cklich nur die materiell-rechtlichen Zulassungsgr&uuml;nde des &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 und 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) bezeichnet, wird mit ihr der Sache nach in schl&uuml;ssiger Weise ein Verfahrensmangel (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO) geltend gemacht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger r&uuml;gt, dem FG sei &quot;nicht aufgefallen&quot;, dass im Ersturteil nur &uuml;ber Gerichts- und Rechtsanwaltskosten in H&ouml;he von 14.188,25&nbsp;DM entschieden worden sei. Da er im Schriftsatz vom 23.&nbsp;Februar 2006 insgesamt 17.188,25&nbsp;DM geltend gemacht habe, sei &uuml;ber den von X in Rechnung gestellten Betrag (3.000&nbsp;DM) seinerzeit nicht entschieden worden. Darin liegt die R&uuml;ge eines Versto&szlig;es gegen den klaren Inhalt der Akten und damit gegen die in &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO angeordnete Pflicht des FG, seine &Uuml;berzeugung aus dem Gesamtergebnis des Verfahrens zu bilden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Zul&auml;ssigkeit einer Verfahrensr&uuml;ge setzt voraus, dass die Tatsachen, die den Mangel ergeben, bezeichnet werden (Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 19.&nbsp;Januar 2000 II&nbsp;B&nbsp;41\/99, BFH\/NV 2000, 1102; vgl. f&uuml;r die Revisionsbegr&uuml;ndung auch &sect;&nbsp;120 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;b FGO). Dies ist hier der Fall. Demgegen&uuml;ber ist es nicht zwingend erforderlich, zus&auml;tzlich auch die angeblich verletzte Vorschrift des Verfahrensrechts ausdr&uuml;cklich zu bezeichnen (vgl. Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;116 Rz&nbsp;48).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der vom Kl&auml;ger der Sache nach geltend gemachte Verfahrensmangel ist tats&auml;chlich gegeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Zum Gesamtergebnis des Verfahrens i.S. des &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO geh&ouml;rt auch die Auswertung des Inhalts der dem Gericht vorliegenden Akten. Ein Versto&szlig; gegen den klaren Inhalt der Akten und damit eine Verletzung des &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO ist gegeben, wenn das FG seiner Entscheidung einen Sachverhalt zugrunde gelegt hat, der dem schriftlichen oder protokollierten Vorbringen der Beteiligten nicht entspricht, oder wenn es eine nach den Akten klar feststehende Tatsache unber&uuml;cksichtigt gelassen hat und die angefochtene Entscheidung darauf beruht (Senatsbeschl&uuml;sse vom 11.&nbsp;November 2010 X&nbsp;B&nbsp;159\/09, BFH\/NV 2011, 610, unter II.2., und vom 19.&nbsp;Januar 2011 X&nbsp;B&nbsp;127\/10, BFH\/NV 2011, 632, unter 3., m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das FG hatte in materiell-rechtlicher Hinsicht &#8211;auf der Grundlage der h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung zutreffend&#8211; die Auffassung vertreten, f&uuml;r die Festlegung der Reichweite der in &sect;&nbsp;110 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO angeordneten Rechtskraftwirkung sei zwischen dem &quot;Streitgegenstand&quot; und dem &quot;Entscheidungsgegenstand&quot; zu unterscheiden. Danach kommt es f&uuml;r die Bindungswirkung auf den vom Gericht seiner Entscheidung tats&auml;chlich zugrunde gelegten Sachverhalt und auf die hierzu angestellten rechtlichen Erw&auml;gungen an (BFH-Urteile vom 21.&nbsp;November 1989 VII&nbsp;R&nbsp;3\/88, BFH\/NV 1990, 650, unter II.1., und vom 19.&nbsp;Dezember 2006 VI&nbsp;R&nbsp;63\/02, BFH\/NV 2007, 924, unter II.2.a, beide m.w.N.). Ma&szlig;gebend ist, wor&uuml;ber das Gericht entschieden hat, nicht dagegen, wor&uuml;ber h&auml;tte entschieden werden sollen (BFH-Urteil vom 8.&nbsp;Juni 2000 IV&nbsp;R&nbsp;65\/99, BFHE 192, 207, BStBl II 2001, 89, unter 2.c; Lange in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;110 FGO Rz&nbsp;48, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Im Rahmen seiner Anwendung dieser Rechtsgrunds&auml;tze auf den Streitfall hat das FG dann ausgef&uuml;hrt: &quot;Ausweislich des Tatbestandes des &lt;Ersturteils&gt; hat das FG &uuml;ber die im Schriftsatz des Kl&auml;gers vom 23.2.2006 unter Punkt&nbsp;4 aufgef&uuml;hrten Rechtsanwalts- und Gerichtskosten in H&ouml;he von insgesamt 14.188,25&nbsp;DM entschieden. Darin sind, wie sich aus dem betreffenden Schriftsatz vom 23.2.2006 entnehmen l&auml;sst, auch die in diesem Verfahren geltend gemachten Aufwendungen an &lt;X&gt; enthalten.&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Jedenfalls Letzteres verst&ouml;&szlig;t gegen den klaren Inhalt der Akten. Denn die auf Blatt&nbsp;4 des Schriftsatzes vom 23.&nbsp;Februar 2006 genannten Einzelbetr&auml;ge, die sich auf insgesamt 14.188,25&nbsp;DM belaufen, beinhalten die &#8211;auf Blatt&nbsp;3 unten des genannten Schriftsatzes zus&auml;tzlich angef&uuml;hrten&#8211; 3.000&nbsp;DM gerade nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>H&auml;tte das FG dies im Zweiturteil erkannt, w&auml;re es zur Frage der eingetretenen Rechtskraft &#8211;da es von den Grunds&auml;tzen der BFH-Rechtsprechung hat ausgehen wollen&#8211; aller Voraussicht nach zu einem anderen Ergebnis gelangt. Damit &quot;kann&quot; &#8211;wie in &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO vorausgesetzt&#8211; das Zweiturteil auf dem Verfahrensmangel &quot;beruhen&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im &Uuml;brigen kann das Ersturteil auch deshalb nicht &uuml;ber die &#8211;allein unter dem Gesichtspunkt der Sonderausgaben geltend gemachten&#8211; 3.000&nbsp;DM aus den Rechnungen der X entschieden haben, weil in den Entscheidungsgr&uuml;nden zu den Gerichts- und Rechtsanwaltskosten ausgef&uuml;hrt wurde, diese Aufwendungen seien wegen fehlender Angaben zu ihrer betrieblichen oder beruflichen Veranlassung nicht abziehbar. Diese Begr&uuml;ndung kann unter &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 EStG fallende Aufwendungen aber von vornherein nicht erfassen, da Sonderausgaben niemals beruflich oder betrieblich veranlasst sind (vgl. den Einleitungssatz des &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Der Senat kann nicht mit der erforderlichen Gewissheit feststellen, dass sich die Entscheidung des FG aus anderen Gr&uuml;nden als richtig darstellt, und daher die Beschwerde nicht in analoger Anwendung des &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;4 FGO zur&uuml;ckweisen (vgl. hierzu BFH-Beschluss vom 29.&nbsp;Oktober 2010 V&nbsp;B&nbsp;123\/09, BFH\/NV 2011, 663, unter II.2.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zwar spricht Vieles daf&uuml;r, dass der &#8211;dem vorliegenden Verfahren zugrunde liegende&#8211; Antrag des Kl&auml;gers vom 21.&nbsp;Januar 2009 auf &Auml;nderung der Einkommensteuerfestsetzung 1999 schon deshalb keinen Erfolg h&auml;tte haben k&ouml;nnen, weil dieses Begehren nicht unter eine der in der Abgabenordnung oder dem EStG f&uuml;r die &Auml;nderung von Steuerbescheiden vorgesehenen Korrekturvorschriften fiel oder weil Festsetzungsverj&auml;hrung eingetreten war. Dem Senat ist eine eigene Beurteilung dieser Fragen indes nicht m&ouml;glich, weil das FG zum Stand des Steuerfestsetzungsverfahrens keine Feststellungen getroffen hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Der Senat h&auml;lt es f&uuml;r angezeigt, nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO zu verfahren, das angefochtene Urteil aufzuheben und den Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckzuverweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG wird dabei in erster Linie pr&uuml;fen m&uuml;ssen, ob f&uuml;r den &Auml;nderungsantrag des Kl&auml;gers eine Korrekturvorschrift zur Verf&uuml;gung steht und ob der Antrag die Festsetzungsfrist gewahrt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nur f&uuml;r den Fall, dass dies zu bejahen sein sollte, weist der Senat &#8211;ohne Bindungswirkung&#8211; darauf hin, dass er keine Bedenken gegen die im angefochtenen Urteil vorgenommene materiell-rechtliche Beurteilung hat, wonach es sich bei der vom FA im Schreiben vom 22.&nbsp;November 2002 gew&auml;hlten Formulierung nicht um eine verbindliche Zusage handelte. Es liegen weder die Voraussetzungen der &sect;&sect;&nbsp;204&nbsp;ff. der Abgabenordnung vor noch ist zwischen den Beteiligten eine tats&auml;chliche Verst&auml;ndigung zustande gekommen. Zwar kann sich eine Bindungswirkung ausnahmsweise auch aus den allgemeinen Grunds&auml;tzen von Treu und Glauben ergeben. Nach derzeitigem Sach- und Streitstand durfte das FG aber in vertretbarer Weise davon ausgehen, dass der Kl&auml;ger die hierf&uuml;r geltenden Voraussetzungen nicht dargelegt hat. Gegen einen Anwendungsfall der Grunds&auml;tze von Treu und Glauben spricht vor allem, dass auch der Kl&auml;ger selbst sich w&auml;hrend des weiterhin anh&auml;ngigen Klageverfahrens trotz Ergehens mehrerer &Auml;nderungsbescheide offenbar erstmals dreieinhalb Jahre nach dem Zugang des Schreibens vom 22.&nbsp;November 2002 auf eine darin angeblich enthaltene Zusage des FA berufen hat, und auch in der anschlie&szlig;enden m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem FG nicht auf dem Ergehen eines &Auml;nderungsbescheids bestanden hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG h&auml;tte daher ohne Bindung an eine Zusage des FA materiell-rechtlich zu pr&uuml;fen, ob es sich bei den geltend gemachten 3.000&nbsp;DM um Steuerberatungskosten i.S. des &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 EStG handelt und ob diese im Streitjahr 1999 i.S. des &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 EStG abgeflossen sind. Dabei w&auml;re es nicht gezwungen, bereits die vorgelegte Kopie eines angeblich im Jahr 1999 der X &uuml;bersandten Verrechnungsschecks als hinreichenden Nachweis eines Abflusses anzusehen. Der Senat weist insoweit insbesondere darauf hin, dass eine der beiden angeblich mit diesem Scheck bezahlten Rechnungen der X erst vom 21.&nbsp;September 1999 datiert, der Scheck aber bereits das Datum vom 15.&nbsp;September 1999 tr&auml;gt. Die volle Feststellungslast f&uuml;r den steuermindernden Abzug von Aufwendungen liegt beim Kl&auml;ger.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 19.9.2012, X B 138\/11 Umfang der Rechtskraftwirkung &#8211; R&uuml;ge von Verfahrensm&auml;ngeln &#8211; Keine Zur&uuml;ckweisung der Nichtzulassungsbeschwerde gem&auml;&szlig; &sect; 126 Abs. 4 FGO analog Tatbestand 1&nbsp; I. Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger), der u.a. Eink&uuml;nfte aus Vermietung und Verpachtung aus mehreren Objekten erzielt, machte in seiner Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr 1999 einen Betrag &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-138-11-umfang-der-rechtskraftwirkung-ruege-von-verfahrensmaengeln-keine-zurueckweisung-der-nichtzulassungsbeschwerde-gemaess-par-126-abs-4-fgo-analog\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">X&nbsp;B&nbsp;138\/11 &#8211; Umfang der Rechtskraftwirkung &#8211; R&uuml;ge von Verfahrensm&auml;ngeln &#8211; Keine Zur&uuml;ckweisung der Nichtzulassungsbeschwerde gem&auml;&szlig; &sect; 126 Abs. 4 FGO analog<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-6587","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6587","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6587"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6587\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6587"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6587"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6587"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}