{"id":65904,"date":"2016-03-09T11:24:51","date_gmt":"2016-03-09T09:24:51","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65904"},"modified":"2016-03-09T11:24:51","modified_gmt":"2016-03-09T09:24:51","slug":"xi-r-10-13-polnische-zulage-fuer-alleinerziehende-als-anzurechnende-familienleistung-bei-der-gewaehrung-von-differenz-kindergeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/xi-r-10-13-polnische-zulage-fuer-alleinerziehende-als-anzurechnende-familienleistung-bei-der-gewaehrung-von-differenz-kindergeld\/","title":{"rendered":"XI&nbsp;R&nbsp;10\/13 &#8211; Polnische Zulage f&uuml;r Alleinerziehende als anzurechnende Familienleistung bei der Gew&auml;hrung von (Differenz-) Kindergeld"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.9.2015, XI R 10\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Polnische Zulage f&uuml;r Alleinerziehende als anzurechnende Familienleistung bei der Gew&auml;hrung von (Differenz-) Kindergeld<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts K&ouml;ln vom 30. Januar 2013&nbsp;&nbsp;15 K 47\/09 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Klage wird abgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Beteiligten streiten um die Zahlung von Kindergeld f&uuml;r den Zeitraum September 2006 bis August 2007 (Streitzeitraum) f&uuml;r das minderj&auml;hrige Kind A.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die verwitwete Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) ist polnische Staatsangeh&ouml;rige und lebt seit September 2006 in B. Ihre Tochter lebte seit dem 20.&nbsp;November 2006 in ihrem Haushalt. Die Kl&auml;gerin war nach ihren Angaben in der Zeit vom 21.&nbsp;April 2006 bis 20.&nbsp;Juli 2006 bei der polnischen Firma C, in der Bundesrepublik Deutschland (Deutschland) als Altenpflegerin besch&auml;ftigt. Lt. einer Bescheinigung des Referats f&uuml;r Familienleistungen des Amtes der Stadt D (Polen) bezog die Kl&auml;gerin in der Zeit vom 1.&nbsp;Mai 2004 bis 31.&nbsp;August 2007 Familienleistungen in Form von Familienbeihilfe in H&ouml;he von 64&nbsp;Zloty monatlich, Zulage f&uuml;r Alleinerziehende von 170&nbsp;Zloty monatlich und einen einmaligen Zuschuss f&uuml;r den Schulbeginn von 100&nbsp;Zloty.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beklagte und Revisionskl&auml;gerin (Familienkasse) setzte zun&auml;chst mit Bescheid vom 19.&nbsp;Dezember 2007 ab September 2007 Kindergeld in H&ouml;he von monatlich 154&nbsp;EUR fest. F&uuml;r den Streitzeitraum lehnte sie den Antrag der Kl&auml;gerin auf Gew&auml;hrung von Kindergeld mit Bescheid vom 15.&nbsp;Mai 2008 ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen den Ablehnungsbescheid legte die Kl&auml;gerin fristgerecht Einspruch ein. Noch bevor die Familienkasse eine Entscheidung &uuml;ber den Einspruch getroffen hatte, erhob die Kl&auml;gerin eine Klage mit dem Begehren, die Familienkasse zu verpflichten, ihr Kindergeld in H&ouml;he von insgesamt 1.848&nbsp;EUR f&uuml;r den Streitzeitraum zu gew&auml;hren. W&auml;hrend des Klageverfahrens erlie&szlig; die Familienkasse am 13.&nbsp;November 2008 einen als &quot;Abhilfebescheid&quot; bezeichneten &Auml;nderungsbescheid, in dem sie der Kl&auml;gerin f&uuml;r den streitigen Zeitraum Kindergeld in H&ouml;he von 82,20&nbsp;EUR monatlich gew&auml;hrte. Sie rechnete dabei polnische Familienleistungen in H&ouml;he von insgesamt 234&nbsp;Zloty monatlich (Familienbeihilfe 64&nbsp;Zloty zuz&uuml;glich Zulage f&uuml;r Alleinerziehende 170&nbsp;Zloty) an. Im Termin zur m&uuml;ndlichen Verhandlung erkl&auml;rte der Vertreter der Familienkasse, er halte nicht l&auml;nger daran fest, dass die Kl&auml;gerin im Streitzeitraum in Polen selbst&auml;ndig gewesen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der Klage &uuml;berwiegend statt und verpflichtete die Familienkasse, der Kl&auml;gerin f&uuml;r die Monate September 2006 bis einschlie&szlig;lich August 2007 Kindergeld in H&ouml;he von 137,55&nbsp;EUR anstelle von nur 82,20&nbsp;EUR pro Monat zu gew&auml;hren. Zwar sei das deutsche Kindergeld um die in Polen empfangenen Leistungen zu k&uuml;rzen. Zu diesen anrechenbaren Leistungen geh&ouml;re aber nur das in Polen gew&auml;hrte Kindergeld in H&ouml;he von 64&nbsp;Zloty. Die laufenden Unterhaltszusch&uuml;sse und der einmalige Schulzuschuss seien soziale Leistungen, die dem deutschen Kindergeld nicht vergleichbar seien. Das Urteil des FG ist in Entscheidungen der Finanzgerichte 2013, 797 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer hiergegen eingelegten Revision r&uuml;gt die Familienkasse die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Entscheidung des FG beruhe auf einer unzutreffenden Auslegung von Art.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;u Ziff.&nbsp;i, Art.&nbsp;4 und Art.&nbsp;5 der Verordnung (EWG) Nr.&nbsp;1408\/71 des Rates vom 14.&nbsp;Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbst&auml;ndige sowie deren Familienangeh&ouml;rige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern (VO&nbsp;Nr.&nbsp;1408\/71). Nach Art.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;u Ziff.&nbsp;i der VO&nbsp;Nr.&nbsp;1408\/71 seien Familienleistungen alle Sach- und Geldleistungen, die zum Ausgleich von Familienlasten im Rahmen der in Art.&nbsp;4 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;h der VO&nbsp;Nr.&nbsp;1408\/71 genannten Rechtsvorschriften bestimmt seien. Entgegen der Auffassung des FG sei die polnische Zulage f&uuml;r Alleinerziehende ihrem Sinn und Zweck nach als Familienleistung i.S. des Art.&nbsp;4 der VO&nbsp;Nr.&nbsp;1408\/71 anzusehen und daher bei der Gew&auml;hrung des Kindergeldes anzurechnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt, das FG-Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sie h&auml;lt das FG-Urteil f&uuml;r zutreffend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Im Streitfall hat zum 1.&nbsp;Mai 2013 ein gesetzlicher Beteiligtenwechsel stattgefunden. Beklagte und Revisionskl&auml;gerin ist nunmehr die Familienkasse &#8230; (vgl. z.B. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 28.&nbsp;Mai 2013 XI&nbsp;R&nbsp;38\/11, BFH\/NV 2013, 1774, Rz&nbsp;14). Das Rubrum war entsprechend zu &auml;ndern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>III. Die Revision der Familienkasse ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Abweisung der Klage (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz 1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat im Rahmen der Gew&auml;hrung von (Differenz-)Kindergeld zu Unrecht die der Kl&auml;gerin in Polen gew&auml;hrte Zulage f&uuml;r Alleinerziehende nicht angerechnet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FG hat zutreffend erkannt, dass die Kl&auml;gerin dem Grunde nach einen Anspruch auf Kindergeld hat. Denn die Kl&auml;gerin hat gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) ihren Wohnsitz im Inland. Ihre Tochter A ist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 und Satz&nbsp;2 EStG, &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG und &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;3 EStG als Kind zu ber&uuml;cksichtigen. Dies ist im &Uuml;brigen zwischen den Beteiligten unstreitig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Ferner hat das FG zu Recht erkannt, dass &sect;&nbsp;65 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG der Gew&auml;hrung von Kindergeld nicht entgegensteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;65 Abs.&nbsp;1 Satz 1 Nr.&nbsp;2 EStG wird Kindergeld nicht f&uuml;r ein Kind gezahlt, f&uuml;r das im Ausland Leistungen zu zahlen sind oder bei entsprechender Antragstellung zu zahlen w&auml;ren, die dem Kindergeld oder einer der unter &sect;&nbsp;65 Abs.&nbsp;1 Satz 1 Nr.&nbsp;1 EStG genannten Leistungen vergleichbar sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Auslegung dieser Vorschrift hat unter Beachtung der Anforderungen des Prim&auml;rrechts der Union auf dem Gebiet der Freiz&uuml;gigkeit der Arbeitnehmer zu erfolgen (Urteil des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union &#8211;EuGH&#8211; Hudzinski und Wawrzyniak vom 12.&nbsp;Juni 2012 C-611\/10 und C-612\/10, EU:C:2013:339, Deutsches Steuerrecht\/Entscheidungsdienst 2012, 999). Danach darf in einem Fall, in dem in einem anderen Mitgliedstaat dem Kindergeld vergleichbare Leistungen gew&auml;hrt werden, der Anspruch auf Kindergeld nach dem EStG gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;65 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG nur in entsprechender H&ouml;he gek&uuml;rzt, jedoch nicht v&ouml;llig ausgeschlossen werden, wenn anderenfalls das Freiz&uuml;gigkeitsrecht der &quot;Wanderarbeitnehmer&quot; beeintr&auml;chtigt w&auml;re (z.B. BFH-Urteile vom 16.&nbsp;Mai 2013 III&nbsp;R&nbsp;8\/11, BFHE 241, 511, BStBl II 2013, 1040, Rz&nbsp;29; vom 8.&nbsp;August 2013 III&nbsp;R&nbsp;17\/11, BFH\/NV 2014, 306, Rz&nbsp;32; vom 18.&nbsp;Dezember 2013 III&nbsp;R&nbsp;44\/12, BFHE 244, 344, BStBl II 2015, 143, Rz&nbsp;14; vgl. auch Schmidt\/Weber-Grellet, EStG, 34.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;65 Rz&nbsp;6, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Bei Anwendung dieser Rechtsgrunds&auml;tze im Streitfall ergibt sich zun&auml;chst, dass ein Ausschluss der Leistungen nach &sect;&nbsp;65 Abs.&nbsp;1 Satz 1 Nr.&nbsp;2 EStG ausscheidet, weil die Kl&auml;gerin bei der Aufnahme ihrer nichtselbst&auml;ndigen T&auml;tigkeit in Deutschland seinerzeit von ihrem Freiz&uuml;gigkeitsrecht als &quot;Wanderarbeitnehmerin&quot; Gebrauch gemacht hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Das FG hat aber zu Unrecht entschieden, dass lediglich die polnische Familienbeihilfe und nicht auch die monatliche polnische Zulage f&uuml;r Alleinerziehende bei der Gew&auml;hrung des deutschen (Differenz-)Kindergeldes zu ber&uuml;cksichtigen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Kl&auml;gerin hat nach polnischem Recht Familienbeihilfen in H&ouml;he von 64&nbsp;Zloty monatlich, eine Zulage f&uuml;r Alleinerziehende von 170&nbsp;Zloty monatlich und einen einmaligen Schulzuschuss von 100&nbsp;Zloty erhalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach Art.&nbsp;4 Abs. 1 Buchst. h der bei Anwendung des &sect; 65 Abs.&nbsp;1 Satz 1 Nr. 2 EStG zu beachtenden VO Nr. 1408\/71 (vgl. dazu z.B. BFH-Urteil vom 5.&nbsp;Februar 2015 III&nbsp;R&nbsp;40\/09, BFHE 249, 138, BFH\/NV 2015, 893) gilt diese Verordnung in ihrem sachlichen Anwendungsbereich f&uuml;r alle Rechtsvorschriften &uuml;ber Zweige der sozialen Sicherheit, die u.a. &quot;Familienleistungen&quot; betreffen. Dabei umfasst der Begriff &quot;Familienleistungen&quot; nach Art.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;u Ziff.&nbsp;i der VO Nr. 1408\/71 grunds&auml;tzlich alle Sach- oder Geldleistungen, die zum &quot;Ausgleich von Familienlasten&quot; im Rahmen der in Art.&nbsp;4 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;h der VO Nr.&nbsp;1408\/71 genannten Rechtsvorschriften bestimmt sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Zum &quot;Ausgleich von Familienlasten&quot; hat der EuGH in seinem Urteil Offermanns vom 15.&nbsp;M&auml;rz 2001 C-85\/99 (EU:C:2001:166, Zeitschrift f&uuml;r das gesamte Familienrecht &#8211;FamRZ&#8211; 2001, 683) unter Rz&nbsp;38 ausgef&uuml;hrt: &quot;&#8230; Familienleistungen [sollen] dazu dienen &#8230;, Arbeitnehmer mit Familienlasten dadurch sozial zu unterst&uuml;tzen, dass sich die Allgemeinheit an diesen Lasten beteiligt&quot;. Der Ausdruck &quot;Ausgleich von Familienlasten&quot; in Art.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;u Ziff.&nbsp;i der VO Nr.&nbsp;1408\/71 erfasse folglich einen staatlichen Beitrag zum Familienbudget, der die Kosten des Unterhalts von Kindern verringern solle (EuGH-Urteil Offermanns, EU:C:2001:166, FamRZ 2001, 683, Rz&nbsp;41).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der BFH hat diese Rechtsprechung zum Begriff der &quot;Familienleistungen&quot; nach Art.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;u Ziff.&nbsp;i der VO Nr.&nbsp;1408\/71 &uuml;bernommen (vgl. zum niederl&auml;ndischen Unterhaltszuschuss nach dem TOG 200: BFH-Urteil vom 17.&nbsp;April 2008 III&nbsp;R&nbsp;36\/05, BFHE 221, 50, BStBl II 2009, 921, unter II.3.c&nbsp;bb, Rz&nbsp;23; zur Schweizer Familienzulage: BFH-Urteil vom 26.&nbsp;Juli 2012 III&nbsp;R&nbsp;97\/08, BFHE 238, 120, BStBl II 2013, 24, unter II.2.b&nbsp;aa, Rz&nbsp;21).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Im Streitfall gelten hiernach nicht nur die polnische Familienbeihilfe, sondern auch die polnische Zulage f&uuml;r Alleinerziehende gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1, Art.&nbsp;8 Nr.&nbsp;3a und Art.&nbsp;11a des polnischen Gesetzes vom 28.&nbsp;November 2003 &uuml;ber Familienleistungen (&#8211;FamLStgG-PL&#8211;, Gesetzblatt Nr. 228\/2003 Pos.&nbsp;2255) jeweils als staatliche Beitr&auml;ge zum Familienbudget in diesem Sinne.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Nach Art.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FamLStgG-PL geh&ouml;ren das Kindergeld und die Zuschl&auml;ge zum Kindergeld zu den Familienleistungen. Nach Art.&nbsp;8 Nr.&nbsp;3a FamLStgG-PL kann die Zulage f&uuml;r Alleinerziehende als Zuschlag mit dem Kindergeld bewilligt werden. Die Zulage betr&auml;gt nach Art.&nbsp;11a Nr.&nbsp;3 FamLStgG-PL 170&nbsp;Zloty monatlich pro Kind. Somit erf&uuml;llt die in Polen im streitbefangenen Zeitraum gew&auml;hrte Zulage f&uuml;r Alleinerziehende als Zuschlag des Kindergeldes denselben Zweck wie das Kindergeld selbst, n&auml;mlich die teilweise Deckung der Aufwendungen f&uuml;r den Unterhalt des Kindes (Art.&nbsp;4 Nr.&nbsp;1 FamLStgG-PL).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Entgegen der Ansicht des FG geh&ouml;rt diese Zulage f&uuml;r Alleinerziehende auch nach Auffassung der Verwaltung zu den vergleichbaren Leistungen i.S. des &sect;&nbsp;65 Abs.&nbsp;1 Satz 1 Nr.&nbsp;2 EStG (vgl. Schreiben des Bundeszentralamts f&uuml;r Steuern vom 21.&nbsp;M&auml;rz 2014, BStBl I 2014, 768, Anlage).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Das FG ist von anderen Rechtsgrunds&auml;tzen ausgegangen. Seine Entscheidung war daher aufzuheben. Die Sache ist spruchreif. Die Klage war abzuweisen, weil der Kl&auml;gerin nicht mehr als das von der Familienkasse gew&auml;hrte Kindergeld von 82,20&nbsp;EUR zustand. Ihre Einwendung gegen die W&auml;hrungsumrechnung hat die Kl&auml;gerin im Revisionsverfahren nicht weiterverfolgt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.9.2015, XI R 10\/13 Polnische Zulage f&uuml;r Alleinerziehende als anzurechnende Familienleistung bei der Gew&auml;hrung von (Differenz-) Kindergeld Tenor Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts K&ouml;ln vom 30. Januar 2013&nbsp;&nbsp;15 K 47\/09 aufgehoben. Die Klage wird abgewiesen. Die Kosten des gesamten Verfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen. Tatbestand 1&nbsp; &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/xi-r-10-13-polnische-zulage-fuer-alleinerziehende-als-anzurechnende-familienleistung-bei-der-gewaehrung-von-differenz-kindergeld\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">XI&nbsp;R&nbsp;10\/13 &#8211; Polnische Zulage f&uuml;r Alleinerziehende als anzurechnende Familienleistung bei der Gew&auml;hrung von (Differenz-) Kindergeld<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-65904","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65904","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65904"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65904\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65904"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65904"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65904"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}