{"id":65919,"date":"2016-03-09T11:27:39","date_gmt":"2016-03-09T09:27:39","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65919"},"modified":"2016-03-09T11:27:39","modified_gmt":"2016-03-09T09:27:39","slug":"x-r-44-13-zeitliche-grenzen-fuer-die-ausuebung-oder-aenderung-von-antrags-oder-wahlrechten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-44-13-zeitliche-grenzen-fuer-die-ausuebung-oder-aenderung-von-antrags-oder-wahlrechten\/","title":{"rendered":"X&nbsp;R&nbsp;44\/13 &#8211; Zeitliche Grenzen f&uuml;r die Aus&uuml;bung oder &Auml;nderung von Antrags- oder Wahlrechten"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 27.10.2015, X R 44\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Zeitliche Grenzen f&uuml;r die Aus&uuml;bung oder &Auml;nderung von Antrags- oder Wahlrechten<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Einkommensteuerrechtliche Antrags- oder Wahlrechte k&ouml;nnen auch nach Eintritt der Bestandskraft eines vorangehenden Bescheids jedenfalls dann erstmalig ausge&uuml;bt oder ge&auml;ndert werden, wenn das FA einen steuererh&ouml;henden &Auml;nderungsbescheid erlassen hat, mit dem ein weiterer steuererheblicher Sachverhalt erfasst worden ist, aufgrund dessen &uuml;berhaupt erst die wirtschaftliche Notwendigkeit entstanden ist, sich mit der erstmaligen bzw. ge&auml;nderten Aus&uuml;bung eines Antrags- oder Wahlrechts zu befassen (Abweichung vom BFH-Beschluss vom 10. Mai 2010 IX B 220\/09, BFH\/NV 2010, 1415 mit Zustimmung des IX. Senats). Die nachtr&auml;gliche Antrags- oder Wahlrechtsaus&uuml;bung wird in zeitlicher Hinsicht durch die formelle Bestandskraft des &Auml;nderungsbescheids und in betragsm&auml;&szlig;iger Hinsicht durch den &Auml;nderungsrahmen des &sect; 351 Abs. 1 AO begrenzt.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Der Freibetrag f&uuml;r Betriebsver&auml;u&szlig;erungs- oder -aufgabegewinne kann auch bei Ver&auml;u&szlig;erung oder Aufgabe mehrerer Betriebe, Teilbetriebe oder Mitunternehmeranteile innerhalb desselben Veranlagungszeitraums nur f&uuml;r einen einzigen Ver&auml;u&szlig;erungs- oder Aufgabegewinn in Anspruch genommen werden.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 24. April 2013&nbsp;&nbsp;7 K 2342\/11 E und die Einspruchsentscheidung des Beklagten vom 9. Juni 2011 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Einkommensteuer 2007 wird unter Ab&auml;nderung des Bescheids vom 7. September 2010 auf den Betrag festgesetzt, der sich ergibt, wenn statt des bisher ber&uuml;cksichtigten Freibetrags f&uuml;r Betriebsver&auml;u&szlig;erungs- und&nbsp;&nbsp;-aufgabegewinne von 3.705 EUR ein solcher von 22.975 EUR abgezogen wird.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Berechnung der Steuer wird dem Beklagten &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Im &Uuml;brigen wird die Klage abgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens haben der Beklagte zu 84 % und die Kl&auml;gerin zu 16 % zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) erzielte sowohl als Einzelunternehmerin als auch durch eine mitunternehmerische Beteiligung an einer Publikums-GmbH&nbsp;&#038;&nbsp;Co.&nbsp;KG (KG) Eink&uuml;nfte aus Gewerbebetrieb. Zum 1.&nbsp;Januar des Streitjahres 2007 schied sie aus der KG aus. Ferner gab sie zum 31.&nbsp;Dezember 2007 den Betrieb des Einzelunternehmens auf. In ihrer Einkommensteuererkl&auml;rung ermittelte sie einen Gewinn aus der Aufgabe des Einzelunternehmens in H&ouml;he von 3.705&nbsp;EUR und beantragte hierf&uuml;r den &#8211;nur einmal zu gew&auml;hrenden&#8211; Freibetrag nach &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;4 des Einkommensteuergesetzes (EStG), dessen pers&ouml;nliche Voraussetzungen (Vollendung des 55.&nbsp;Lebensjahres) sie erf&uuml;llte. In der Anlage GSE zur Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;hrte sie auch die KG-Beteiligung auf, lie&szlig; das Feld zur Angabe der H&ouml;he der hieraus bezogenen Eink&uuml;nfte jedoch leer.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) veranlagte die Kl&auml;gerin am 20.&nbsp;Juni 2008 erkl&auml;rungsgem&auml;&szlig; unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung und belie&szlig; den Aufgabegewinn aus dem Einzelunternehmen steuerfrei. Im Anschluss an eine Au&szlig;enpr&uuml;fung, die nicht zu &Auml;nderungen der Besteuerungsgrundlagen f&uuml;hrte, hob das FA den Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung mit Bescheid vom 6.&nbsp;August 2009 auf.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 24.&nbsp;August 2010 teilte das f&uuml;r die KG zust&auml;ndige Betriebs-FA dem FA mit, die Kl&auml;gerin habe aufgrund ihres Ausscheidens aus der KG einen Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn in H&ouml;he von 22.975&nbsp;EUR erzielt. Diesen Betrag, der auf der Aufl&ouml;sung eines negativen Kapitalkontos beruhte, erfasste das FA in dem nach &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO) ge&auml;nderten, im vorliegenden Verfahren angefochtenen Einkommensteuerbescheid 2007 vom 7.&nbsp;September 2010. Es gew&auml;hrte hierf&uuml;r zwar die Tariferm&auml;&szlig;igung nach &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 EStG, nicht aber den Freibetrag nach &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;4 EStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Einspruchsverfahren beantragte die Kl&auml;gerin erfolglos, den Freibetrag nach &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;4 EStG auf den &#8211;h&ouml;heren&#8211; Gewinn aus der Ver&auml;u&szlig;erung der Beteiligung anzuwenden. Sie vertrat hierzu die Auffassung, der Bescheid k&ouml;nne nach &sect;&nbsp;173 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO ge&auml;ndert werden. Ihr sei erst nachtr&auml;glich bekannt geworden, dass sie durch das Ausscheiden aus der KG einen Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn erzielt habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der Klage statt (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2014, 287). Zwar seien die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;173 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO nicht erf&uuml;llt, weil der Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn keine neue Tatsache darstelle. Der steuerlich beratenen Kl&auml;gerin sei sowohl ihr Ausscheiden aus der KG als auch der Umstand, dass ihr Kapitalkonto negativ gewesen sei, bekannt gewesen. Allerdings sei eine Rechtsfehlerkompensation nach &sect;&nbsp;177 Abs.&nbsp;1 AO vorzunehmen. Hierf&uuml;r reiche es aus, wenn im Zeitpunkt der &Auml;nderung des Bescheids ein nicht eigenst&auml;ndig korrigierbarer materieller Fehler gegeben sei. Die nachtr&auml;gliche Aus&uuml;bung eines Wahlrechts k&ouml;nne einen solchen Fehler herbeif&uuml;hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Revision verweist das FA auf eine gegenteilige Entscheidung des FG M&uuml;nchen vom 29.&nbsp;Oktober 2009&nbsp;&nbsp;15&nbsp;K&nbsp;298\/07 (Nichtzulassungsbeschwerde zur&uuml;ckgewiesen durch Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 10.&nbsp;Mai 2010 IX&nbsp;B&nbsp;220\/09, BFH\/NV 2010, 1415).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>das angefochtene Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sie h&auml;lt die vom FA angef&uuml;hrte Entscheidung des FG M&uuml;nchen nicht f&uuml;r einschl&auml;gig, da sie zu den &Uuml;berschusseink&uuml;nften und zu einem Wahlrecht mit mehrj&auml;hrigem Beg&uuml;nstigungszeitraum (Sonderabschreibung nach dem F&ouml;rdergebietsgesetz) ergangen sei. Demgegen&uuml;ber habe die Kl&auml;gerin ihre Eink&uuml;nfte durch Betriebsverm&ouml;gensvergleich ermittelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Entscheidung des Senats in der Sache selbst (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die verfahrensrechtlichen &Uuml;berlegungen des FG und der Beteiligten zur Anwendbarkeit einer Korrekturvorschrift oder des &sect;&nbsp;177 AO gehen schon deshalb ins Leere, weil die Kl&auml;gerin Einspruch gegen einen steuererh&ouml;henden &Auml;nderungsbescheid eingelegt hat und im Umfang der vorgenommenen &Auml;nderung eine Herabsetzung der festgesetzten Steuer im Einspruchsverfahren verfahrensrechtlich immer m&ouml;glich ist (dazu unten&nbsp;1.). Zu Recht hat das FG aber die Auffassung vertreten, dass die Kl&auml;gerin ihr Antragsrecht im Einspruchsverfahren gegen den &Auml;nderungsbescheid erneut aus&uuml;ben konnte (unten 2.). Gleichwohl muss das angefochtene Urteil aufgehoben werden, weil das FG die Gegenrechnung des bisher gew&auml;hrten Freibetrags unterlassen hat (unten 3.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Anders als das FG und die Beteiligten meinen, ist im Streitfall weder entscheidungserheblich, ob die Voraussetzungen einer Korrekturvorschrift erf&uuml;llt sind noch ob eine Rechtsfehlerkompensation nach &sect;&nbsp;177 Abs.&nbsp;1 AO m&ouml;glich ist. Die Frage, ob eine verfahrensrechtliche &Auml;nderungsm&ouml;glichkeit f&uuml;r den Fall er&ouml;ffnet w&auml;re, dass der angefochtene Steuerbescheid materiell-rechtlich rechtswidrig sein sollte, ist vielmehr offensichtlich zu bejahen. Denn die Kl&auml;gerin hat einen &Auml;nderungsbescheid, in dem im Vergleich zum vorangehenden Bescheid eine h&ouml;here Steuer festgesetzt worden ist, mit dem Rechtsbehelf des Einspruchs angefochten. Ein solcher &Auml;nderungsbescheid kann im Einspruchsverfahren gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;351 Abs.&nbsp;1 AO insoweit angegriffen &#8211;und gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;367 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 AO durch Erlass eines (Teil-)Abhilfebescheids auch ge&auml;ndert&#8211; werden, als die &Auml;nderung reicht. Da die Kl&auml;gerin im Einspruchsverfahren lediglich begehrt hat, die Einkommensteuer auf einen Betrag herabzusetzen, der zwar niedriger ist als die im &Auml;nderungsbescheid festgesetzte Steuer, aber h&ouml;her ist als der im urspr&uuml;nglichen Bescheid festgesetzte Betrag, w&auml;re &#8211;wenn man allein auf die verfahrensrechtlich er&ouml;ffneten M&ouml;glichkeiten abstellt&#8211; im Einspruchsverfahren eine &Auml;nderungsm&ouml;glichkeit zweifelsfrei gegeben, ohne dass es auf die Voraussetzungen einer der Korrekturvorschriften oder der Rechtsfehlerkompensation ank&auml;me.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kl&auml;gerin konnte ihr durch &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;4 EStG er&ouml;ffnetes Antragsrecht im Einspruchsverfahren gegen den &Auml;nderungsbescheid anderweitig aus&uuml;ben. Damit steht ihr der Freibetrag nunmehr f&uuml;r den Gewinn aus der Ver&auml;u&szlig;erung der KG-Beteiligung (22.975&nbsp;EUR) zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Dem steht im Streitfall die st&auml;ndige h&ouml;chstrichterliche Rechtsprechung nicht entgegen, wonach auch solche Antrags- oder Wahlrechte, f&uuml;r deren Aus&uuml;bung im Gesetzeswortlaut keine ausdr&uuml;ckliche zeitliche Begrenzung vorgesehen ist, grunds&auml;tzlich nur bis zum Eintritt der Bestandskraft des entsprechenden Steuerbescheids erstmals oder in ge&auml;nderter Weise ausge&uuml;bt werden k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Alle diese Entscheidungen sind zu Fallgestaltungen ergangen, in denen die Steuerfestsetzung f&uuml;r denjenigen Veranlagungszeitraum, auf den sich die begehrte erstmalige oder ge&auml;nderte Aus&uuml;bung des Antrags- oder Wahlrechts beziehen sollte, bereits bestandskr&auml;ftig war, und der Steuerpflichtige durch Stellung eines &Auml;nderungsantrags die Durchbrechung der Bestandskraft zu seinen Gunsten erreichen wollte (BFH-Urteile vom 10.&nbsp;Oktober 1969 VI&nbsp;R&nbsp;180\/67, BFHE 97, 186, BStBl II 1970, 63; vom 18.&nbsp;Dezember 1973 VIII&nbsp;R&nbsp;101\/69, BFHE 111, 302, BStBl II 1974, 319; vom 25.&nbsp;Februar 1992 IX&nbsp;R&nbsp;41\/91, BFHE 167, 369, BStBl II 1992, 621; vom 13.&nbsp;Februar 1997 IV&nbsp;R&nbsp;59\/95, BFH\/NV 1997, 635; vom 17.&nbsp;September 2008 IX&nbsp;R&nbsp;72\/06, BFHE 222, 571, BStBl II 2009, 639, und vom 14.&nbsp;Mai 2009 IV&nbsp;R&nbsp;6\/07, BFH\/NV 2009, 1989; BFH-Beschluss vom 11.&nbsp;Juni 2014 IV&nbsp;B&nbsp;46\/13, BFH\/NV 2014, 1369).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wenn die Aus&uuml;bung eines Wahlrechts den Steuerpflichtigen f&uuml;r mehrere Veranlagungszeitr&auml;ume bindet, tritt diese Bindung bereits dann ein, wenn nur der erste Veranlagungszeitraum bestandskr&auml;ftig veranlagt wurde (BFH-Beschluss vom 2.&nbsp;Juli 1992 IX&nbsp;B&nbsp;169\/91, BFHE 168, 298, BStBl II 1992, 909: degressive Geb&auml;ude-AfA; BFH-Urteil vom 27.&nbsp;Oktober 1992 IX&nbsp;R&nbsp;60\/90, BFH\/NV 1993, 467: keine Verteilung gr&ouml;&szlig;erer Erhaltungsaufwendungen nach &sect;&nbsp;82b der Einkommensteuer-Durchf&uuml;hrungsverordnung, wenn die Aufwendungen bereits im Jahr ihres Abflusses bestandskr&auml;ftig als Werbungskosten abgezogen worden sind). Ebenso kann ein Gewinnermittlungswahlrecht, das einem bestandskr&auml;ftig gewordenen Einkommensteuerbescheid zugrunde gelegt wurde, f&uuml;r einen verfahrensrechtlich noch offenen Gewerbesteuermessbescheid nicht anderweitig ausge&uuml;bt werden (BFH-Urteil vom 9.&nbsp;August 1989 X&nbsp;R&nbsp;110\/87, BFHE 158, 520, BStBl II 1990, 195).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dass mit dem &#8211;in den meisten Entscheidungen nicht n&auml;her erl&auml;uterten&#8211; Begriff der &quot;Bestandskraft&quot; nicht die materielle, sondern die formelle Bestandskraft gemeint ist, ergibt sich u.a. aus dem BFH-Urteil vom 30.&nbsp;August 2001 IV&nbsp;R&nbsp;30\/99 (BFHE 196, 507, BStBl II 2002, 49, unter II.2.a), wo es in dem hier interessierenden Zusammenhang hei&szlig;t, unanfechtbar sei eine Steuerfestsetzung, wenn sie nicht mehr mit ordentlichen au&szlig;ergerichtlichen oder gerichtlichen Rechtsbehelfen angefochten werden k&ouml;nne.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Ausnahme von dem Grundsatz, dass der Eintritt der formellen Bestandskraft die zeitliche Grenze f&uuml;r die anderweitige Aus&uuml;bung von Antrags- oder Wahlrechten bildet, macht die Rechtsprechung aber, wenn der urspr&uuml;ngliche Bescheid noch unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung steht (BFH-Urteil vom 3.&nbsp;Februar 1987 IX&nbsp;R&nbsp;255\/84, BFH\/NV 1987, 751, unter II.1.; diese Entscheidung wird auch in dem vom FA im vorliegenden Revisionsverfahren angef&uuml;hrten BFH-Beschluss in BFH\/NV 2010, 1415 zustimmend zitiert; im Ergebnis wohl auch BFH-Urteil vom 25.&nbsp;Oktober 2007 III&nbsp;R&nbsp;39\/04, BFHE 219, 294, BStBl II 2008, 226; anders allerdings f&uuml;r das umsatzsteuerrechtliche Wahlrecht zur Bestimmung des Vorsteuer-Aufteilungsschl&uuml;ssels BFH-Urteil vom 22.&nbsp;November 2007 V&nbsp;R&nbsp;35\/06, BFH\/NV 2008, 628).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Ergebnis besteht damit Einigkeit, dass durch die erstmalige oder ge&auml;nderte Aus&uuml;bung eines Antrags- oder Wahlrechts die &Auml;nderung einer formell bestandskr&auml;ftigen, nicht unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung stehenden Steuerfestsetzung nicht erreicht werden kann, und eine solche Verfahrenshandlung insbesondere nicht die Voraussetzungen einer der gesetzlichen Korrekturvorschriften erf&uuml;llt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Vorliegend begehrt die Kl&auml;gerin indes nicht die &Auml;nderung eines bestandskr&auml;ftigen Bescheids. Vielmehr hat sie einen steuererh&ouml;henden &Auml;nderungsbescheid angegriffen, der als solcher nicht bestandskr&auml;ftig geworden ist. Zu derartigen Fallgestaltungen hat sich in der h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung noch kein einheitliches Bild entwickelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) F&uuml;r Zwecke der Aus&uuml;bung des Ehegatten zustehenden Rechts auf Wahl der Veranlagungsform (&sect;&sect;&nbsp;26&nbsp;ff. EStG) l&auml;sst die st&auml;ndige Rechtsprechung der hierf&uuml;r zust&auml;ndigen bzw. zust&auml;ndig gewesenen Senate des BFH eine &Auml;nderung der bereits ausge&uuml;bten Wahlm&ouml;glichkeit auch dann zu, wenn die anderweitige Veranlagungsform erst nach Ergehen eines &Auml;nderungsbescheids, der an die Stelle eines formell bestandskr&auml;ftig gewordenen Bescheids getreten ist, gew&auml;hlt wird (tragend in den BFH-Urteilen vom 27.&nbsp;Juli 1988 VI&nbsp;R&nbsp;43\/85, BFH\/NV 1989, 156; vom 27.&nbsp;September 1988 VIII&nbsp;R&nbsp;98\/87, BFHE 155, 91, BStBl II 1989, 229, und vom 25.&nbsp;Juni 1993 III&nbsp;R&nbsp;32\/91, BFHE 171, 407, BStBl II 1993, 824; ferner obiter dicta in den BFH-Urteilen vom 28.&nbsp;August 1981 VI&nbsp;R&nbsp;139\/78, BFHE 134, 412, BStBl II 1982, 156; vom 24.&nbsp;Mai 1991 III&nbsp;R&nbsp;105\/89, BFHE 165, 345, BStBl II 1992, 123, unter 2.b; vom 19.&nbsp;Mai 1999 XI&nbsp;R&nbsp;97\/94, BFHE 189, 63, BStBl II 1999, 762; vom 20.&nbsp;Januar 1999 XI&nbsp;R&nbsp;31\/96, BFH\/NV 1999, 1333, und vom 24.&nbsp;Januar 2002 III&nbsp;R&nbsp;49\/00, BFHE 198, 12, BStBl II 2002, 408, unter II.1.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Entscheidungen sind allerdings jedenfalls nicht zwingend auf andere einkommensteuerrechtliche Antrags- oder Wahlrechte &uuml;bertragbar, da es sich bei der anderweitigen Aus&uuml;bung des Ehegattenwahlrechts nach der Rechtsprechung des III.&nbsp;Senats weder um einen Einspruch noch um einen &Auml;nderungsantrag handelt. Eine solche Verfahrenshandlung berechtigt daher nur zu einer &Auml;nderung der Veranlagungsform, nicht aber zur &Auml;nderung der bisher ber&uuml;cksichtigten Besteuerungsgrundlagen (BFH-Urteil vom 3.&nbsp;M&auml;rz 2005 III&nbsp;R&nbsp;60\/03, BFHE 209, 308, BStBl II 2005, 564).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Auch hat es die h&ouml;chstrichterliche Rechtsprechung zugelassen, ein Wahlrecht (erstmals) im Einspruchsverfahren gegen einen &Auml;nderungsbescheid auszu&uuml;ben, wenn erst dieser &Auml;nderungsbescheid &uuml;berhaupt die Grundlage f&uuml;r die Aus&uuml;bung des Wahlrechts gelegt hat. So hat es der IV.&nbsp;Senat gebilligt, dass die Verg&uuml;nstigung des &sect;&nbsp;6c EStG f&uuml;r die &Uuml;bertragung stiller Reserven aus der Ver&auml;u&szlig;erung von landwirtschaftlichem Grund und Boden im Einspruchsverfahren gegen einen &Auml;nderungsbescheid geltend gemacht wurde, wenn erst in diesem &Auml;nderungsbescheid ein Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn aus dem &#8211;vom Steuerpflichtigen als Privatverm&ouml;gen angesehenen&#8211; Grundbesitz angesetzt worden ist (BFH-Urteil in BFHE 196, 507, BStBl II 2002, 49).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Dar&uuml;ber hinaus wird die &Auml;nderung eines bestandskr&auml;ftigen Bescheids nach &sect;&nbsp;173 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO zugelassen, wenn der Sachverhalt, auf dem das Wahlrecht beruht, dem FA nachtr&auml;glich bekannt wird und den Steuerpflichtigen an dem nachtr&auml;glichen Bekanntwerden kein grobes Verschulden trifft. In diesem Fall kann der Steuerpflichtige sein Wahlrecht erstmals aus&uuml;ben, obwohl der Sachverhalt als solcher bereits in der urspr&uuml;nglichen Veranlagung erfasst war und diese bestandskr&auml;ftig geworden ist (BFH-Urteil vom 28.&nbsp;September 1984 VI&nbsp;R&nbsp;48\/82, BFHE 141, 532, BStBl II 1985, 117: wenn dem Steuerpflichtigen erst nach Bestandskraft der Veranlagung bekannt wird, dass darin auch Jubil&auml;umszuwendungen seines Arbeitgebers erfasst worden sind, kann er gleichwohl deren erm&auml;&szlig;igte Besteuerung nach &sect;&nbsp;34 EStG beantragen und das FA zur &Auml;nderung des Bescheids nach &sect;&nbsp;173 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO veranlassen).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Jedenfalls in Fallgestaltungen wie im Streitfall wird die zeitliche Grenze f&uuml;r die M&ouml;glichkeit der erstmaligen oder ge&auml;nderten Aus&uuml;bung eines Antrags- oder Wahlrechts nach Auffassung des erkennenden Senats nicht durch die formelle Bestandskraft des Erstbescheids, sondern erst durch die formelle Bestandskraft des steuererh&ouml;henden &Auml;nderungsbescheids gezogen, sofern die steuerlichen Auswirkungen der Aus&uuml;bung des Antrags- oder Wahlrechts nicht &uuml;ber den durch &sect;&nbsp;351 Abs.&nbsp;1 AO gezogenen Rahmen hinaus gehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Zweck der unter a) zitierten Rechtsprechung liegt darin, zu verhindern, dass ein formell und materiell bestandskr&auml;ftiger Steuerbescheid, f&uuml;r dessen &Auml;nderung keine Korrekturvorschrift zur Verf&uuml;gung steht, allein wegen der erstmaligen oder anderweitigen Aus&uuml;bung eines Antrags- oder Wahlrechts ge&auml;ndert werden muss. Der Steuerpflichtige soll die Finanzverwaltung nicht allein durch die nachtr&auml;gliche (&quot;versp&auml;tete&quot;) erstmalige oder ge&auml;nderte Aus&uuml;bung von Antrags- oder Wahlrechten zwingen k&ouml;nnen, die Veranlagung verfahrensrechtlich wieder zu &quot;&ouml;ffnen&quot;. Vor diesem Hintergrund ist die Aus&uuml;bung von Antrags- oder Wahlrechten in der zitierten Rechtsprechung zutreffend insbesondere weder als neue Tatsache i.S. des &sect;&nbsp;173 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO noch als r&uuml;ckwirkendes Ereignis i.S. des &sect;&nbsp;175 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO angesehen worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine grundlegend andere Situation ist aber gegeben, wenn das FA den formell bestandskr&auml;ftig gewordenen Bescheid ohnehin &#8211;mit steuererh&ouml;hender Wirkung&#8211; &auml;ndern muss, weil die Voraussetzungen einer Korrekturvorschrift erf&uuml;llt sind und insoweit die materielle Bestandskraft des Bescheids durchbrochen wird. Jedenfalls dann, wenn f&uuml;r den Steuerpflichtigen &#8211;wie im vorliegenden Fall&#8211; erst durch die erstmalige Erfassung eines weiteren steuererheblichen Sachverhalts im &Auml;nderungsbescheid &uuml;berhaupt die wirtschaftliche Notwendigkeit entsteht, sich mit der Aus&uuml;bung bzw. ge&auml;nderten Aus&uuml;bung eines einkommensteuerrechtlichen Antrags- oder Wahlrechts f&uuml;r denselben Veranlagungszeitraum zu befassen (vgl. hierzu auch die vorstehend unter b&nbsp;bb angef&uuml;hrte Rechtsprechung), ist es interessengerecht, ihm diese M&ouml;glichkeit bis zur formellen Bestandskraft des &Auml;nderungsbescheids zuzugestehen. Davon unber&uuml;hrt bleibt, dass andere einkommensteuerrechtliche Vorschriften (z.B. das Gewinnermittlungswahlrecht nach &sect;&nbsp;4 Abs.&nbsp;3 EStG oder jedenfalls die Ansparabschreibung nach &sect;&nbsp;7g EStG a.F.) weitere materiell-rechtliche Anforderungen an eine ge&auml;nderte Wahlrechtsaus&uuml;bung stellen und in diesen F&auml;llen allein der noch fehlende Eintritt der formellen Bestandskraft eines &Auml;nderungsbescheids nicht hinreichend f&uuml;r eine ge&auml;nderte Wahlrechtsaus&uuml;bung ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit der IX.&nbsp;Senat des BFH im Beschluss in BFH\/NV 2010, 1415 zu einer mit dem vorliegend zu beurteilenden Sachverhalt im Wesentlichen vergleichbaren Konstellation im Ergebnis &#8211;ohne n&auml;her zwischen der Bestandskraft von Erstbescheiden und der von &Auml;nderungsbescheiden zu differenzieren&#8211; eine andere Auffassung vertreten hat, hat er auf Anfrage des erkennenden Senats erkl&auml;rt, daran nicht mehr festzuhalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Das vorinstanzliche Urteil ist allerdings insoweit rechtsfehlerhaft, als es der Kl&auml;gerin zwar den Freibetrag f&uuml;r den Gewinn aus der Ver&auml;u&szlig;erung der KG-Beteiligung (22.975&nbsp;EUR) zugesprochen, den bisher gew&auml;hrten Freibetrag f&uuml;r die Betriebsver&auml;u&szlig;erung (3.705&nbsp;EUR) aber nicht gegengerechnet hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Freibetrag nach &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;4 EStG kann nach dem Gesetzeswortlaut (&quot;nur einmal zu gew&auml;hren&quot;) auch bei Ver&auml;u&szlig;erung oder Aufgabe mehrerer Betriebe, Teilbetriebe oder Mitunternehmeranteile innerhalb desselben Veranlagungszeitraums nur f&uuml;r einen einzigen Ver&auml;u&szlig;erungs- oder Aufgabegewinn in Anspruch genommen werden (so zutreffend auch Kobor in Herrmann\/Heuer\/Raupach, &sect;&nbsp;16 EStG Rz&nbsp;730).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Vorliegend hat das FG tenoriert, der Einkommensteuer&auml;nderungsbescheid werde &quot;nach Ma&szlig;gabe der Urteilsgr&uuml;nde ge&auml;ndert&quot;. Die Urteilsgr&uuml;nde enthalten allerdings lediglich Rechtsausf&uuml;hrungen, aber keine Hinweise zur Steuerberechnung. Hinreichend klar wird nur, dass das FG den Freibetrag nach &sect;&nbsp;16 Abs.&nbsp;4 EStG f&uuml;r den Gewinn aus der Ver&auml;u&szlig;erung der KG-Beteiligung (22.975&nbsp;EUR) gew&auml;hren wollte. Angesichts des Umstands, dass die Kl&auml;gerin ausweislich des Tatbestands des angefochtenen Urteils die Steuerfreistellung des Betrags von 22.975&nbsp;EUR (ohne Gegenrechnung des bisher gew&auml;hrten Freibetrags von 3.705&nbsp;EUR) beantragt hatte und das FG der Klage in vollem Umfang stattgegeben hat, ohne der Kl&auml;gerin f&uuml;r den zu weit gehenden Klageantrag eine Kostenquote aufzuerlegen, ist davon auszugehen, dass das FG keine Gegenrechnung des bisher gew&auml;hrten Freibetrags vornehmen wollte. In diesem Umfang war das angefochtene Urteil zu &auml;ndern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Ermittlung der festzusetzenden Steuer wird gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;100 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2, &sect;&nbsp;121 Satz&nbsp;1 FGO dem FA &uuml;bertragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>33<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;136 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 27.10.2015, X R 44\/13 Zeitliche Grenzen f&uuml;r die Aus&uuml;bung oder &Auml;nderung von Antrags- oder Wahlrechten Leits&auml;tze 1. Einkommensteuerrechtliche Antrags- oder Wahlrechte k&ouml;nnen auch nach Eintritt der Bestandskraft eines vorangehenden Bescheids jedenfalls dann erstmalig ausge&uuml;bt oder ge&auml;ndert werden, wenn das FA einen steuererh&ouml;henden &Auml;nderungsbescheid erlassen hat, mit dem ein weiterer steuererheblicher Sachverhalt erfasst &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-44-13-zeitliche-grenzen-fuer-die-ausuebung-oder-aenderung-von-antrags-oder-wahlrechten\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">X&nbsp;R&nbsp;44\/13 &#8211; Zeitliche Grenzen f&uuml;r die Aus&uuml;bung oder &Auml;nderung von Antrags- oder Wahlrechten<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-65919","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65919","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65919"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65919\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65919"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65919"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65919"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}