{"id":65920,"date":"2016-03-09T11:27:48","date_gmt":"2016-03-09T09:27:48","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65920"},"modified":"2016-03-09T11:27:48","modified_gmt":"2016-03-09T09:27:48","slug":"ii-r-46-13-beruecksichtigung-von-einkommensteuerschulden-als-nachlassverbindlichkeiten-im-falle-einer-steuerhinterziehung-durch-den-erblasser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-46-13-beruecksichtigung-von-einkommensteuerschulden-als-nachlassverbindlichkeiten-im-falle-einer-steuerhinterziehung-durch-den-erblasser\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;46\/13 &#8211; Ber&uuml;cksichtigung von Einkommensteuerschulden als Nachlassverbindlichkeiten im Falle einer Steuerhinterziehung durch den Erblasser"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 28.10.2015, II R 46\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Ber&uuml;cksichtigung von Einkommensteuerschulden als Nachlassverbindlichkeiten im Falle einer Steuerhinterziehung durch den Erblasser<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Der Erbe kann eine vom Erblasser hinterzogene Einkommensteuer, die auch nach dem Eintritt des Erbfalls nicht festgesetzt wurde, selbst dann nicht als Nachlassverbindlichkeit abziehen, wenn er das f&uuml;r die Festsetzung der Einkommensteuer zust&auml;ndige FA zeitnah &uuml;ber die Steuerangelegenheit unterrichtet hat.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 20. Februar 2013&nbsp;&nbsp;3 K 365\/12 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Klage wird abgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) ist der Enkel der am 18.&nbsp;April 2004 verstorbenen Erblasserin. Die Erblasserin hatte ein Kapitalverm&ouml;gen in H&ouml;he von ca. 2,8&nbsp;Mio.&nbsp;EUR teilweise auf Konten in Luxemburg angelegt. Kapitalertr&auml;ge daraus hatte die Erblasserin in ihren Einkommensteuererkl&auml;rungen nicht angegeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Erbfolge war zun&auml;chst streitig. Im Anschluss an einen gerichtlichen Vergleich erteilte das Amtsgericht einen Erbschein, der den zwischenzeitlich verstorbenen Bruder (B) der Erblasserin und den Kl&auml;ger zu je 1\/2 als Erben ausweist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ende 2004 erstattete der Kl&auml;ger Strafanzeige gegen B und den Lebensgef&auml;hrten der Erblasserin und offenbarte darin das Verm&ouml;gen der Erblasserin. Im Januar 2006 erkl&auml;rte er gegen&uuml;ber dem f&uuml;r die Einkommensteuer zust&auml;ndigen Finanzamt die nicht versteuerten Zinseink&uuml;nfte f&uuml;r die Jahre 1993 bis 2002 nach. Hinsichtlich der H&ouml;he der Kapitalertr&auml;ge verst&auml;ndigten sich die Beteiligten im Tats&auml;chlichen. Der tats&auml;chlichen Verst&auml;ndigung waren zwei Anlagen beigef&uuml;gt, in der die Betr&auml;ge teilweise in EUR und teilweise ohne W&auml;hrungsangabe angegeben waren. Das f&uuml;r die Einkommensteuer zust&auml;ndige Finanzamt sah die Betr&auml;ge ohne W&auml;hrungsangabe f&auml;lschlicherweise als DM-Betr&auml;ge an und rechnete sie bei der &Auml;nderung der Einkommensteuerbescheide &#8211;zugunsten der Erben&#8211; in EUR-Betr&auml;ge um. Zusammen mit den ebenfalls ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheiden 2003 und 2004 ergaben sich Einkommensteuernachzahlungen in H&ouml;he von 134.482,38&nbsp;EUR sowie Nachzahlungszinsen in H&ouml;he von 16.845&nbsp;EUR. Der Kl&auml;ger hatte den Fehler des Finanzamtes erkannt, das Finanzamt aber nicht darauf hingewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In seiner Erbschaftsteuererkl&auml;rung erkl&auml;rte der Kl&auml;ger Steuerschulden als Nachlassverbindlichkeiten in H&ouml;he von 370.000&nbsp;EUR. Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erlie&szlig; gegen den Kl&auml;ger am 23.&nbsp;Dezember 2011 einen Erbschaftsteuerbescheid und ber&uuml;cksichtigte dabei die sich aus den ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheiden 1995 bis 2002 und den Einkommensteuerbescheiden 2003 und 2004 ergebenden Steuerschulden und Zinsen in H&ouml;he von insgesamt 151.528&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dagegen richtete sich die nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhobene Klage, mit der der Kl&auml;ger &#8211;nach Ablauf der Festsetzungsverj&auml;hrung f&uuml;r die Einkommensteuer&#8211; erstmalig geltend machte, als Nachlassverbindlichkeiten seien die materiell zutreffenden Steuerverbindlichkeiten und nicht die tats&auml;chlich festgesetzte Steuer abzuziehen. Dabei sei unerheblich, ob die Einkommensteuerfestsetzung noch ge&auml;ndert werden k&ouml;nne.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) ber&uuml;cksichtigte die Einkommensteuer und die Nachzahlungszinsen, die sich bei zutreffender Umsetzung der tats&auml;chlichen Verst&auml;ndigung ergeben h&auml;tten, als Nachlassverbindlichkeiten. Beim Eintritt des Erbfalls sei wegen fehlender Kenntnis des f&uuml;r die Einkommensteuer zust&auml;ndigen Finanzamtes von den nicht erkl&auml;rten Kapitaleink&uuml;nften eine Steuerfestsetzung zwar zun&auml;chst nicht ernstlich zu erwarten gewesen. Aufgrund der Strafanzeige habe der Kl&auml;ger aber damit rechnen k&ouml;nnen und m&uuml;ssen, dass das zust&auml;ndige Finanzamt die Steuer zutreffend festsetzen werde. Dies rechtfertige die R&uuml;ckbeziehung auf den Zeitpunkt des Eintritts des Erbfalls und den Abzug der sich aus der tats&auml;chlichen Verst&auml;ndigung ergebenden Betr&auml;ge als Nachlassverbindlichkeiten. Dass die Steuern tats&auml;chlich niedriger festgesetzt worden seien, m&uuml;sse unber&uuml;cksichtigt bleiben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA vertritt mit der Revision die Ansicht, lediglich die tats&auml;chlich festgesetzten Betr&auml;ge k&ouml;nnten als Nachlassverbindlichkeiten abgezogen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Abweisung der Klage (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Unrecht angenommen, dass die materiell-rechtlich zutreffenden Steuernachforderungen nach Ma&szlig;gabe der tats&auml;chlichen Verst&auml;ndigung als Nachlassverbindlichkeiten abziehbar seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 Nr.&nbsp;1 des Erbschaft- und Schenkungsteuergesetzes (ErbStG) sind vom Erwerb des Erben die vom Erblasser herr&uuml;hrenden pers&ouml;nlichen Steuerschulden, die gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;1922 Abs.&nbsp;1 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs i.V.m. &sect;&nbsp;45 Abs.&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO) auf den Erben &uuml;bergegangen sind, als Nachlassverbindlichkeiten abzuziehen. Dabei ist unerheblich, ob die Steuern beim Erbfall bereits festgesetzt waren oder nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Abzug als Nachlassverbindlichkeit setzt nicht nur voraus, dass die Steuerschulden im Zeitpunkt des Todes des Erblassers bereits entstanden waren oder &#8211;f&uuml;r die Einkommensteuer des Todesjahres&#8211; der Erblasser den Tatbestand, an den das Gesetz die Steuerpflicht kn&uuml;pft, bereits verwirklicht hatte (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 4.&nbsp;Juli 2012 II&nbsp;R&nbsp;15\/11, BFHE 238, 233, BStBl II 2012, 790). Die Steuerschulden m&uuml;ssen vielmehr dar&uuml;ber hinaus nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des BFH (Urteile vom 24.&nbsp;M&auml;rz 1999 II&nbsp;R&nbsp;34\/97, BFH\/NV 1999, 1339; vom 2.&nbsp;M&auml;rz 2011 II&nbsp;R&nbsp;5\/09, BFH\/NV 2011, 1147, Rz&nbsp;82&nbsp;ff., und in BFHE 238, 233, BStBl II 2012, 790, Rz&nbsp;17) im Todeszeitpunkt eine wirtschaftliche Belastung dargestellt haben. &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 Nr.&nbsp;1 ErbStG verlangt seinem Wortlaut nach zwar nicht ausdr&uuml;cklich eine wirtschaftliche Belastung durch die am Stichtag bestehenden oder vom Erblasser herr&uuml;hrenden Schulden. Die Vorschrift tr&auml;gt aber dem Bereicherungsprinzip, das der Besteuerung des Erwerbs zugrunde liegt (z.B. BFH-Urteil vom 1.&nbsp;Juli 2008 II&nbsp;R&nbsp;38\/07, BFHE 220, 531, BStBl II 2008, 876; vgl. Meincke, Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz, Kommentar, 16.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;10 Rz&nbsp;5&nbsp;ff., Rz&nbsp;31), Rechnung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>An dem Erfordernis einer wirtschaftlichen Belastung im Falle der Steuerhinterziehung durch den Erblasser h&auml;lt der Senat fest. Entgegen der in der Literatur ge&auml;u&szlig;erten gegenteiligen Auffassung (vgl. Geck in Kapp\/Ebeling, ErbStG, &sect;&nbsp;10 Rz&nbsp;69) folgt aus j&uuml;ngeren Entscheidungen des Senats nichts anderes. Im Urteil in BFHE 238, 233, BStBl II 2012, 790, Rz&nbsp;17 hat der Senat ausgef&uuml;hrt, dass der Abzug einer Steuerschuld als Nachlassverbindlichkeit nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 Nr.&nbsp;1 ErbStG &#8211;abweichend vom Zivilrecht&#8211; zus&auml;tzlich voraussetzt, dass die Steuerschuld eine wirtschaftliche Belastung darstellt. Soweit der BFH im Urteil in BFH\/NV 2011, 1147, Rz&nbsp;88 eine wirtschaftliche Belastung nicht f&uuml;r erforderlich gehalten hat, betrifft dies den Sonderfall der Verpflichtung aus einem gegenseitigen Vertrag, bei dem die vom Erblasser noch nicht erbrachte Gegenleistung im Zeitpunkt des Todes noch nicht f&auml;llig war. Im &Uuml;brigen hat er jedoch an dem Erfordernis der wirtschaftlichen Belastung festgehalten. Auch in dem zur Geltendmachung des Pflichtteils nach dem Tod des Verpflichteten durch dessen Alleinerben ergangenen Senatsurteil vom 19.&nbsp;Februar 2013 II&nbsp;R&nbsp;47\/11 (BFHE 240, 186, BStBl II 2013, 332) ist der Senat von dem Erfordernis der wirtschaftlichen Belastung nicht generell abger&uuml;ckt. Zwar wird der Abzug des geltend gemachten Pflichtteils als Nachlassverbindlichkeit darin auch dann zugelassen, wenn der urspr&uuml;ngliche Verpflichtete nicht damit rechnen musste, den Pflichtteilsanspruch zu Lebzeiten erf&uuml;llen zu m&uuml;ssen, und deshalb durch diesen nicht wirtschaftlich belastet war (BFH-Urteil in BFHE 240, 186, BStBl II 2013, 332, Rz&nbsp;15). Die Besonderheit des Falls lag aber darin begr&uuml;ndet, dass der Abzug des Pflichtteils als Nachlassverbindlichkeit nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 Nr.&nbsp;2 ErbStG dessen Geltendmachung erfordert und die Geltendmachung des Pflichtteils auf den Eintritt des urspr&uuml;nglichen Erbfalls zur&uuml;ckwirkt (BFH-Urteil in BFHE 240, 186, BStBl II 2013, 332, Rz&nbsp;12).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Grunds&auml;tzlich ist davon auszugehen, dass die Finanzbeh&ouml;rden entstandene Steuern in der materiell-rechtlich zutreffenden H&ouml;he festsetzen werden (&sect;&nbsp;85 AO) und somit im Todeszeitpunkt die erforderliche wirtschaftliche Belastung mit der Steuerschuld gegeben war (BFH-Urteil in BFH\/NV 1999, 1339). Trifft dies zu, ist die als Nachlassverbindlichkeit abziehbare Steuerschuld f&uuml;r die Festsetzung der Erbschaftsteuer eigenst&auml;ndig zu ermitteln. Es spielt keine Rolle, ob und ggf. in welcher H&ouml;he die danach abziehbare Steuer tats&auml;chlich festgesetzt wird (BFH-Urteil in BFHE 238, 233, BStBl II 2012, 790, Rz&nbsp;26).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dies folgt aus dem erbschaftsteuerrechtlichen Stichtagsprinzip (&sect;&nbsp;11 i.V.m. &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 ErbStG). Danach ist f&uuml;r die Wertermittlung der Zeitpunkt der Entstehung der Steuer ma&szlig;gebend, soweit in diesem Gesetz nichts anderes bestimmt ist (&sect;&nbsp;11 ErbStG). Der Zeitpunkt der Steuerentstehung, beim Erwerb des Erben von Todes wegen also regelm&auml;&szlig;ig der Zeitpunkt des Todes des Erblassers (&sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 ErbStG), ist der umfassende zeitliche Bezugspunkt f&uuml;r die Erbschaftsteuer. Der Begriff der Wertermittlung ist demgem&auml;&szlig; weit zu verstehen. Er umfasst das ganze Programm der Rechenschritte, die nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 ErbStG zur Ermittlung der Steuerbemessungsgrundlage f&uuml;hren. Zur Wertermittlung geh&ouml;rt also auch die Feststellung, welche Nachlassverbindlichkeiten gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 i.V.m. Abs.&nbsp;3 bis 9 ErbStG abziehbar sind (Gebel\/Gottschalk in Troll\/Gebel\/ J&uuml;licher, ErbStG, &sect;&nbsp;11 Rz&nbsp;1, 3; Schuck in Viskorf\/Knobel\/ Schuck\/W&auml;lzholz, Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz, Bewertungsgesetz, 4.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;11 ErbStG Rz&nbsp;2; Pahlke in Fischer\/J&uuml;ptner\/Pahlke\/Wachter, ErbStG, 5.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;11 Rz&nbsp;1&nbsp;f.; Meincke, a.a.O., &sect;&nbsp;11 Rz&nbsp;1; Schmid, Zeitschrift f&uuml;r Erbrecht und Verm&ouml;gensnachfolge 2015, 387).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) An der wirtschaftlichen Belastung im Todeszeitpunkt fehlt es jedoch, wenn bei objektiver W&uuml;rdigung der Verh&auml;ltnisse in diesem Zeitpunkt angenommen werden konnte, dass der Steuergl&auml;ubiger seine Forderung nicht geltend machen werde. Dies ist insbesondere der Fall, wenn der Erblasser die aus seinem im Ausland angelegten Verm&ouml;gen erzielten Eink&uuml;nfte gegen&uuml;ber dem f&uuml;r die Festsetzung der Einkommensteuer zust&auml;ndigen Finanzamt verschwiegen hatte und diesem deshalb auch die nur theoretische M&ouml;glichkeit genommen war, von den darauf beruhenden Steueranspr&uuml;chen zu erfahren (vgl. BFH-Urteil in BFH\/NV 1999, 1339). Soweit die Steuer auch nicht sp&auml;ter tats&auml;chlich festgesetzt wird, kann sie nach diesem Urteil allenfalls dann als Nachlassverbindlichkeit abgezogen werden, wenn der Erbe oder eine f&uuml;r ihn handelnde Person das zust&auml;ndige Finanzamt so zeitnah &uuml;ber die Steuerangelegenheit unterrichtet hat, dass eine R&uuml;ckbeziehung auf den Zeitpunkt der Entstehung der Steuer (&sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 ErbStG) m&ouml;glich ist. Ob das Finanzamt die tats&auml;chlich festgesetzten Steuerbetr&auml;ge dem Umfang nach zu Recht als Nachlassverbindlichkeiten abgezogen hatte, lie&szlig; der BFH offen (vgl. BFH-Urteil in BFH\/NV 1999, 1339).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Nach dem im Einvernehmen mit den obersten Finanzbeh&ouml;rden der anderen L&auml;nder ergangenen Erlass des Finanzministeriums Nordrhein-Westfalen vom 14.&nbsp;November 2002 S&nbsp;3810&nbsp;&#8211;&nbsp;13&nbsp;&#8211;&nbsp;V&nbsp;A&nbsp;2 (Betriebs-Berater 2003, 36) k&ouml;nnen demgegen&uuml;ber vom Erblasser hinterzogene Steuern als Nachlassverbindlichkeiten nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 Nr.&nbsp;1 ErbStG ber&uuml;cksichtigt werden, wenn sie tats&auml;chlich festgesetzt worden sind oder werden. Das gilt auch dann, wenn die Steuerhinterziehung erst nach dem Tod des Erblassers, z.B. durch den Erben, aufgedeckt wird. Die Finanzverwaltung macht demnach den Abzug der hinterzogenen Steuern lediglich von deren Festsetzung abh&auml;ngig, nicht aber von dem Zeitpunkt, zu dem das zust&auml;ndige Finanzamt von der Steuerangelegenheit unterrichtet wurde. Unabh&auml;ngig von diesem Zeitpunkt k&ouml;nnen hinterzogene Steuern, die nicht festgesetzt werden, nach dem Erlass nicht als Nachlassverbindlichkeiten abgezogen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Nach erneuter Pr&uuml;fung der Rechtslage stimmt der Senat diesem Erlass jedenfalls in dem zuletzt genannten Punkt zu. Unterrichtet der Erbe das zust&auml;ndige Finanzamt nach dem Tod des Erblassers &uuml;ber die Steuerangelegenheit, handelt es sich um ein nach dem Bewertungsstichtag eingetretenes Ereignis, das nach dem Stichtagsprinzip (&sect;&nbsp;11 ErbStG) bei der Festsetzung der Erbschaftsteuer nicht ber&uuml;cksichtigt werden kann. Im ErbStG ist die Ber&uuml;cksichtigung nicht vorgesehen. Das Bereicherungsprinzip des &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 ErbStG (vgl. dazu z.B. BFH-Urteil in BFHE 220, 531, BStBl II 2008, 876, unter II.2.c) erfordert es nicht, dass Steuern des Erblassers, die beim Eintritt des Erbfalls keine wirtschaftliche Belastung dargestellt haben und auch sp&auml;ter nicht festgesetzt werden und somit den\/die Erben endg&uuml;ltig wirtschaftlich nicht belasten, als Nachlassverbindlichkeiten ber&uuml;cksichtigt werden. Das gilt auch dann, wenn der Erbe das zust&auml;ndige Finanzamt zeitnah nach dem Eintritt des Erbfalls &uuml;ber die Steuerangelegenheit unterrichtet hat und er von diesem Zeitpunkt an mit der Steuerfestsetzung rechnen musste. F&uuml;r eine Unterscheidung nach dem Zeitpunkt der Unterrichtung des zust&auml;ndigen Finanzamts gibt es keine Rechtsgrundlage. Ob die Unterrichtung fr&uuml;her oder sp&auml;ter erfolgt, wirkt sich auf die mit dem Tod des Erblassers eingetretene Bereicherung des Erben nicht aus, sondern nur, ob die Steuer auch tats&auml;chlich festgesetzt wird und der Erbe durch die Steuerfestsetzung wirtschaftlich belastet ist. Soweit der BFH im Urteil in BFH\/NV 1999, 1339 etwas anderes erwogen hat, h&auml;lt er daran nicht fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Da das FG eine andere Ansicht vertreten hat, war die Vorentscheidung aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Sache ist spruchreif. Die Klage ist unbegr&uuml;ndet und war daher abzuweisen. Die Steuern auf die Ertr&auml;ge der Erblasserin aus dem ausl&auml;ndischen Verm&ouml;gen stellten beim Eintritt des Erbfalls nach den vom FG getroffenen Feststellungen (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO) keine wirtschaftliche Belastung dar. Soweit sie auch sp&auml;ter nicht festgesetzt wurden, k&ouml;nnen sie nicht als Nachlassverbindlichkeiten ber&uuml;cksichtigt werden. Die vom Kl&auml;ger erstattete Strafanzeige erm&ouml;glicht den Abzug auch dann nicht, wenn man sie als zeitnahe Unterrichtung des f&uuml;r die Festsetzung der Einkommensteuer zust&auml;ndigen Finanzamts &uuml;ber die Steuerangelegenheit ansehen k&ouml;nnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ob die Steuerschulden und Zinsen in dem Umfang, wie sie das FA ber&uuml;cksichtigt hat, zu Recht abgezogen worden sind, bedarf keiner Entscheidung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 28.10.2015, II R 46\/13 Ber&uuml;cksichtigung von Einkommensteuerschulden als Nachlassverbindlichkeiten im Falle einer Steuerhinterziehung durch den Erblasser Leits&auml;tze Der Erbe kann eine vom Erblasser hinterzogene Einkommensteuer, die auch nach dem Eintritt des Erbfalls nicht festgesetzt wurde, selbst dann nicht als Nachlassverbindlichkeit abziehen, wenn er das f&uuml;r die Festsetzung der Einkommensteuer zust&auml;ndige FA zeitnah &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-46-13-beruecksichtigung-von-einkommensteuerschulden-als-nachlassverbindlichkeiten-im-falle-einer-steuerhinterziehung-durch-den-erblasser\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">II&nbsp;R&nbsp;46\/13 &#8211; Ber&uuml;cksichtigung von Einkommensteuerschulden als Nachlassverbindlichkeiten im Falle einer Steuerhinterziehung durch den Erblasser<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-65920","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65920","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65920"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65920\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65920"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65920"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65920"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}