{"id":65932,"date":"2016-03-09T11:28:20","date_gmt":"2016-03-09T09:28:20","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65932"},"modified":"2016-03-09T11:28:20","modified_gmt":"2016-03-09T09:28:20","slug":"ix-r-3-15-private-veraeusserungsgeschaefte-mit-in-und-auslaendischen-investmentanteilen-anwendbarkeit-des-estg-veraeusserungsbegriff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-3-15-private-veraeusserungsgeschaefte-mit-in-und-auslaendischen-investmentanteilen-anwendbarkeit-des-estg-veraeusserungsbegriff\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;3\/15 &#8211; Private Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;fte mit in- und ausl&auml;ndischen Investmentanteilen &#8211;Anwendbarkeit des EStG&#8211; Ver&auml;u&szlig;erungsbegriff"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.11.2015, IX R 3\/15<\/p>\n<p class=\"titel\">Private Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;fte mit in- und ausl&auml;ndischen Investmentanteilen &#8211;Anwendbarkeit des EStG&#8211; Ver&auml;u&szlig;erungsbegriff<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Private Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;fte mit Anteilen an in- und ausl&auml;ndischen Investmentanteilen unterliegen im Streitjahr 1999 der Besteuerung nach &sect; 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Eine Ver&auml;u&szlig;erung liegt nicht vor, wenn der Anleger den Anteilsschein gem&auml;&szlig; &sect; 11 Abs. 2 KAGG an die Kapitalanlagegesellschaft zur&uuml;ckgibt.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision der Kl&auml;gerin wird das Urteil des Finanzgerichts Baden-W&uuml;rttemberg vom 18. Dezember 2014&nbsp;&nbsp;1 K 3180\/12 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht Baden-W&uuml;rttemberg zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) kaufte und verkaufte im Streitjahr u.a. zahlreiche Anteile an in- und ausl&auml;ndischen Investmentfonds. Die Haltedauer betrug jeweils weniger als ein Jahr. Daraus erzielte sie Einnahmen&uuml;bersch&uuml;sse, die sie in ihrer Einkommensteuererkl&auml;rung als private Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;fte deklarierte. Die Steuererkl&auml;rung enth&auml;lt detaillierte Angaben zu jedem einzelnen Gesch&auml;ft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) veranlagte die Kl&auml;gerin erkl&auml;rungsgem&auml;&szlig;. Mit ihrem dagegen gerichteten Einspruch machte die Kl&auml;gerin u.a. geltend, die Gewinne aus dem Handel mit in- und ausl&auml;ndischen Investmentfondsanteilen d&uuml;rften nicht nach &sect;&nbsp;23 des Einkommensteuergesetzes (EStG) besteuert werden. Das EStG werde vollst&auml;ndig durch die spezielleren Vorschriften des Gesetzes &uuml;ber Kapitalanlagegesellschaften (KAGG) und des Auslandinvestmentgesetzes (AuslInvestmG) verdr&auml;ngt. Das FA wies den Einspruch als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) hat die dagegen gerichtete Klage abgewiesen (ver&ouml;ffentlicht in Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2015, 720). Mit der Revision verfolgt die Kl&auml;gerin ihr Begehren weiter. Sie r&uuml;gt die Verletzung materiellen Rechts (&sect;&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz 1 Nr.&nbsp;2 EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>die Vorentscheidung aufzuheben, den Einkommensteuerbescheid in Gestalt der Einspruchsentscheidung mit der Ma&szlig;gabe zu &auml;ndern, dass private Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;fte nur noch in H&ouml;he von 125.104,12&nbsp;EUR ber&uuml;cksichtigt werden und die Einkommensteuer entsprechend niedriger festzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz 1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Zwar schlie&szlig;en das KAGG und das AuslInvestmG im Streitjahr die Besteuerung nach &sect;&nbsp;23 EStG nicht aus. Die R&uuml;ckgabe von Fondsanteilen erf&uuml;llt aber nicht den Begriff der Ver&auml;u&szlig;erung. Das FG muss deshalb im zweiten Rechtsgang pr&uuml;fen, ob die Kl&auml;gerin die Fondsanteile ver&auml;u&szlig;ert oder zur&uuml;ckgegeben hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Ohne Erfolg macht die Revision geltend, dass im Streitjahr die Vorschriften des EStG durch das KAGG und das AuslInvestmG vollst&auml;ndig verdr&auml;ngt werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Senat schlie&szlig;t sich insofern nicht der vom Bundesfinanzhof (BFH) in zwei Urteilen ge&auml;u&szlig;erten Ansicht an (vgl. Urteile vom 11.&nbsp;Oktober 2000 I&nbsp;R&nbsp;99\/96, BFHE 193, 330, BStBl II 2001, 22, und vom 27.&nbsp;M&auml;rz 2001 I&nbsp;R&nbsp;120\/98, BFH\/NV 2001, 1539). Der Revision ist zuzugeben, dass den Urteilen entsprechende Aussagen entnommen werden k&ouml;nnen (ebenso Meinhardt, Deutsches Steuerrecht &#8211;DStR&#8211; 2003, 1234; verneinend Schultze, DStR 2003, 1475). Sie waren jedoch f&uuml;r die Entscheidungen nicht tragend, so dass der Senat daran nicht gebunden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die vom I. Senat ge&auml;u&szlig;erte Ansicht beruhte im Wesentlichen auf der Erw&auml;gung, dass es nur sachgerecht und konsequent sei, eine Schlussbesteuerung beim Anteilseigner zu unterlassen, weil die vom Fonds erzielten Ver&auml;u&szlig;erungsgewinne i.S. von &sect;&nbsp;23 EStG nach damaliger Rechtslage sowohl im Fall der Aussch&uuml;ttung als auch im Fall der Thesaurierung steuerfrei blieben (vgl. Buciek, Deutsche Steuer-Zeitung &#8211;DStZ&#8211; 2001, 52 Anm. zu BFH-Urteil in BFHE 193, 330, BStBl II 2001, 22). Letzteres trifft zwar zu, rechtfertigt den Schluss auf die Nichtanwendbarkeit von &sect;&nbsp;23 EStG jedoch nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Weder das KAGG noch das AuslInvestmG regelten im Streitjahr die Besteuerung der Beteiligung an Investmentfonds abschlie&szlig;end. Beide Gesetze enthielten u.a. keine Vorschriften &uuml;ber die Besteuerung des Anteilseigners bei Ver&auml;u&szlig;erung oder R&uuml;ckgabe von Fondsanteilen. Die in anderen Steuergesetzen enthaltenen Besteuerungstatbest&auml;nde wurden insofern durch das KAGG und das AuslInvestmG nicht verdr&auml;ngt. Erstmals im Steuersenkungsgesetz vom 23.&nbsp;Oktober 2000 (BGBl I 2000, 1433) ist mit den neu eingef&uuml;gten &sect;&nbsp;40a KAGG und &sect;&nbsp;18 Abs.&nbsp;4 AuslInvestmG (jeweils mit Wirkung zum 1.&nbsp;Januar 2001) die Besteuerung des Anteilseigners bei Ver&auml;u&szlig;erung oder R&uuml;ckgabe von Fondsanteilen im KAGG und AuslInvestmG geregelt worden. Es bedarf keiner Entscheidung, ob diese Regelungen (schon) abschlie&szlig;end waren (a.A. L&uuml;bbeh&uuml;sen in Brinkhaus\/Scherer, KAGG &sect;&nbsp;40a Rz&nbsp;1), da sie jedenfalls nicht auf das Streitjahr zur&uuml;ckwirken.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Die Anwendbarkeit von &sect;&nbsp;23 EStG neben dem KAGG und dem AuslInvestmG ergibt sich auch aus &sect;&nbsp;23 Abs.&nbsp;2 Satz 3 EStG in der bis 1998 geltenden Fassung. Die Vorschrift stellte klar, dass der im Ver&auml;u&szlig;erungspreis enthaltene Zwischengewinn vorrangig den Eink&uuml;nften aus Kapitalverm&ouml;gen zuzurechnen war. Daraus ergab sich zugleich, dass zur Vermeidung einer Doppelbesteuerung des Ver&auml;u&szlig;erungserl&ouml;ses bei den Kapitaleink&uuml;nften und den Spekulationseink&uuml;nften bei der Ermittlung des Spekulationsgewinns nur der um den Zwischengewinn reduzierte Ver&auml;u&szlig;erungspreis anzusetzen war. F&uuml;r eine solche Klarstellung in &sect;&nbsp;23 EStG h&auml;tte kein Anlass bestanden, wenn &sect;&nbsp;23 EStG bei der Ver&auml;u&szlig;erung von Investmentanteilen generell nicht anwendbar gewesen w&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Aus der Aufhebung von &sect;&nbsp;23 Abs.&nbsp;2 Satz 3 EStG mit Wirkung zum 1.&nbsp;Januar 1999 ergibt sich nichts anderes, denn eine &Auml;nderung der Rechtslage war damit nicht verbunden. Die Subsidiarit&auml;t der privaten Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;fte ergab sich in der ab dem 1.&nbsp;Januar 1999 anwendbaren Fassung des Gesetzes aus &sect;&nbsp;23 Abs.&nbsp;2 Satz 1 EStG (vgl. BTDrucks 14\/443, 29).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>e) Aus dem Vorstehenden ergibt sich zugleich, dass es der wiederholt ge&auml;u&szlig;erten Absicht des Gesetzgebers entsprach, Gewinne aus der Anschaffung und Ver&auml;u&szlig;erung von in- und ausl&auml;ndischen Investmentanteilen innerhalb der Haltefrist gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz 1 Nr.&nbsp;2 EStG zu besteuern (vgl. BTDrucks 12\/6078, 2: volle Erfassung des Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns; BTDrucks 14\/3366, 126 bei Einf&uuml;hrung von &sect;&nbsp;40a KAGG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>f) Dies entsprach bis zu den eingangs erw&auml;hnten Entscheidungen des BFH auch der h.M. im Schrifttum (L&uuml;bbeh&uuml;sen in Brinkhaus\/ Scherer, KAGG Vor &sect;&sect;&nbsp;37n ff. Rz&nbsp;19; Baur, Investmentgesetze, 2.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;39 KAGG Rz&nbsp;63; Meinhardt, DStR 2003, 1234; Thorn\/ Otto\/Geese, Handbuch f&uuml;r die Besteuerung von Fondsverm&ouml;gen, 2002, 57).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>g) Bei dieser Sachlage h&auml;lt es der Senat (entgegen Buciek in DStZ 2001, 52) nicht f&uuml;r geboten, den Anwendungsbereich des &sect;&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG teleologisch zu reduzieren. Der Revision ist zwar zuzugeben, dass sich aus dem Nebeneinander von privilegierter Besteuerung der Beteiligungsertr&auml;ge von Sonderverm&ouml;gen nach dem KAGG und dem AuslInvestmG einerseits und voller Schlussbesteuerung beim Anteilsinhaber Wertungswiderspr&uuml;che ergeben k&ouml;nnen. Diese werden jedoch dadurch abgemildert, dass der Steuerpflichtige den Zeitpunkt f&uuml;r die Ver&auml;u&szlig;erung von Investmentanteilen in aller Regel selbst bestimmen und insofern der Besteuerung privater Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;fte ausweichen konnte. Vor diesem Hintergrund teilt der Senat nicht die von der Kl&auml;gerin ge&auml;u&szlig;erten verfassungs- und europarechtlichen Bedenken gegen die im Jahr 1999 bestehende Rechtslage.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 Satz 1 Nr.&nbsp;7 i.V.m. &sect;&nbsp;22 Nr.&nbsp;2, &sect;&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG unterliegen private Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;fte insbesondere bei Wertpapieren, als sonstige Eink&uuml;nfte der Einkommensteuer, wenn der Zeitraum zwischen Anschaffung und Ver&auml;u&szlig;erung nicht mehr als ein Jahr betr&auml;gt. Die durch das Steuerentlastungsgesetz (StEntlG) 1999\/2000\/2002 vom 24.&nbsp;M&auml;rz 1999 (BGBl I 1999, 402) auf ein Jahr verl&auml;ngerte Frist ist erstmals anzuwenden auf Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;fte, bei denen die Ver&auml;u&szlig;erung auf einem nach dem 31.&nbsp;Dezember 1998 rechtswirksam abgeschlossenen obligatorischen Vertrag oder gleichstehenden Rechtsakt beruht (&sect;&nbsp;52 Abs.&nbsp;39 Satz&nbsp;1 i.d.F. durch das StEntlG 1999\/2000\/2002).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Anteilsscheine i.S. von &sect;&nbsp;18 KAGG sind Wertpapiere. Sie verbriefen die Anspr&uuml;che des Anteilsinhabers gegen&uuml;ber der Kapitalanlagegesellschaft (&sect;&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 Satz 1 KAGG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Eine Ver&auml;u&szlig;erung liegt jedoch nicht vor, wenn der Anleger den Anteilsschein gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 KAGG an die Kapitalanlagegesellschaft zur&uuml;ckgibt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Anschaffung ist der entgeltliche Erwerb eines bereits vorhandenen Wirtschaftsguts von einem Dritten, Ver&auml;u&szlig;erung die entgeltliche &Uuml;bertragung desselben Wirtschaftsguts auf einen Dritten (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Urteile vom 21.&nbsp;Januar 2014 IX&nbsp;R&nbsp;11\/13, BFHE 244, 44, BStBl II 2014, 385; vom 12.&nbsp;Mai 2015 IX&nbsp;R&nbsp;57\/13, BFH\/NV 2015, 1364).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Schon begrifflich stellt eine R&uuml;ckgabe keine Ver&auml;u&szlig;erung dar. Die Begriffe Ver&auml;u&szlig;erung und R&uuml;ckgabe werden deshalb im KAGG und im AuslInvestmG stets parallel, aber nicht synonym verwendet (z.B. &sect;&nbsp;39 Abs.&nbsp;1a Satz 2 Nr.&nbsp;5, Satz 3 KAGG, sowie entsprechend &sect;&nbsp;17 AuslInvestmG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Die R&uuml;ckgabe eines Anteilsscheins gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 KAGG ist auch nicht dessen Ver&auml;u&szlig;erung gleichzustellen. Bei der R&uuml;ckgabe gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 KAGG (vgl. auch &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 Buchst.&nbsp;b AuslInvestmG) wird nicht das erworbene Wirtschaftsgut auf einen Dritten &uuml;bertragen. Mit der &Uuml;bereignung des Anteilsscheins an die Kapitalanlagegesellschaft erl&ouml;schen die darin verbrieften Rechte und verliert das Papier (zumindest vor&uuml;bergehend) seine Verbriefungsfunktion. Das vom fr&uuml;heren Inhaber eingezahlte Kapital ist nach dessen Auszahlung im Sonderverm&ouml;gen nicht mehr vorhanden. Die Kapitalanlagegesellschaft kann schon aus Rechtsgr&uuml;nden keine schuldrechtlichen Anspr&uuml;che gegen sich selbst haben (Pleyer, Wertpapier-Mitteilungen &#8211;WM&#8211; 1979, 850; Baur, Investmentgesetze, 2.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;11 KAGG Rz&nbsp;11; Dahm\/Hamacher, WM Sonderbeilage Nr.&nbsp;3, 1994, 20, 21; Oho\/Remmel, Betriebs-Berater 2002, 1449, 1456). Aus der Sicht des &Uuml;bertragenden unterscheidet sich die R&uuml;ckgabe von der Ver&auml;u&szlig;erung vor allem im Hinblick auf die Gegenleistung. W&auml;hrend er bei der R&uuml;ckgabe allenfalls den R&uuml;ckkaufswert erh&auml;lt, den der Emittent ermittelt, kann er bei der Ver&auml;u&szlig;erung an einen Dritten den Kurswert realisieren, der vom Wert des Anteils abweichen kann. Unerheblich ist, ob sich ein K&auml;ufer f&uuml;r die Investmentanteile h&auml;tte finden lassen, denn die Unterschiede zwischen R&uuml;ckgabe und Ver&auml;u&szlig;erung werden dadurch nicht beseitigt. &sect;&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG in der im Streitjahr geltenden Fassung sah die Einbeziehung ver&auml;u&szlig;erungs&auml;hnlicher Vorg&auml;nge (Einl&ouml;sung, R&uuml;ckzahlung etc.) nicht vor (so aber z.B. &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG in der ab dem 1.&nbsp;Januar 2009 geltenden Fassung). Eine den Besteuerungstatbestand erweiternde Auslegung hat der BFH wiederholt abgelehnt (vgl. BFH-Urteile vom 25.&nbsp;August 1987 IX&nbsp;R&nbsp;65\/86, BFHE 151, 132, BStBl II 1988, 248 zu Devisentermingesch&auml;ften; vom 3.&nbsp;August 2004 X&nbsp;R&nbsp;55\/01, BFH\/NV 2005, 517; f&uuml;r eine erweiternde Auslegung Schmidt\/Heinicke, EStG, 18.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;23 Rz&nbsp;11).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Das FG ist teilweise von anderen Rechtsgrunds&auml;tzen ausgegangen. Sein Urteil kann deshalb keinen Bestand haben. Es hat zwar zu Recht die Anwendbarkeit von &sect;&nbsp;23 EStG bejaht, ist jedoch nicht darauf eingegangen, ob die Kl&auml;gerin den Tatbestand der Ver&auml;u&szlig;erung erf&uuml;llt hat. Nach den erg&auml;nzenden Darlegungen der Kl&auml;gerin im Er&ouml;rterungstermin am 10.&nbsp;Juli 2014 vor dem FG spricht indes einiges daf&uuml;r, dass die Kl&auml;gerin die von ihr gekauften und verkauften Anteilsscheine entgegen der Darstellung im Tatbestand des Urteils nicht (an Dritte) &quot;ver&auml;u&szlig;ert&quot;, sondern jeweils an den Emittenten zur&uuml;ckgegeben hat. Da dieser Vorgang im Streitjahr nicht vom Tatbestand des &sect;&nbsp;23 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG erfasst war, unterlagen die Einnahmen aus der R&uuml;ckgabe der Anteilsscheine der Besteuerung (nach &sect;&nbsp;20 EStG) nur insoweit, als darin ein Zwischengewinn enthalten war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Sache ist nicht spruchreif. Das FG hat keine Feststellungen dazu getroffen, bei welchen Gesch&auml;ften die Kl&auml;gerin im Streitjahr die Anteilsscheine gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 KAGG zur&uuml;ckgegeben und nicht ver&auml;u&szlig;ert hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.11.2015, IX R 3\/15 Private Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;fte mit in- und ausl&auml;ndischen Investmentanteilen &#8211;Anwendbarkeit des EStG&#8211; Ver&auml;u&szlig;erungsbegriff Leits&auml;tze 1. Private Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;fte mit Anteilen an in- und ausl&auml;ndischen Investmentanteilen unterliegen im Streitjahr 1999 der Besteuerung nach &sect; 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG. 2. Eine Ver&auml;u&szlig;erung liegt nicht vor, wenn der Anleger den &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-3-15-private-veraeusserungsgeschaefte-mit-in-und-auslaendischen-investmentanteilen-anwendbarkeit-des-estg-veraeusserungsbegriff\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;3\/15 &#8211; Private Ver&auml;u&szlig;erungsgesch&auml;fte mit in- und ausl&auml;ndischen Investmentanteilen &#8211;Anwendbarkeit des EStG&#8211; Ver&auml;u&szlig;erungsbegriff<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-65932","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65932","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65932"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65932\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65932"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65932"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65932"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}