{"id":65940,"date":"2016-03-09T11:28:27","date_gmt":"2016-03-09T09:28:27","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65940"},"modified":"2016-03-09T11:28:27","modified_gmt":"2016-03-09T09:28:27","slug":"v-r-37-14-ueberlassung-von-inventar-eines-pflegeheims-als-nebenleistung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-37-14-ueberlassung-von-inventar-eines-pflegeheims-als-nebenleistung\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;37\/14 &#8211; &Uuml;berlassung von Inventar eines Pflegeheims als Nebenleistung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.11.2015, V R 37\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">&Uuml;berlassung von Inventar eines Pflegeheims als Nebenleistung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Die Steuerfreiheit nach &sect; 4 Nr. 12 Buchst. a UStG umfasst die Vermietung m&ouml;blierter R&auml;ume oder Geb&auml;ude, wenn es sich um eine auf Dauer angelegte und nicht um eine kurzfristige &Uuml;berlassung handelt (entgegen Abschn. 4.12.1. Abs. 6 UStAE).<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Leistungen, die f&uuml;r die Nutzung einer gemieteten Immobilie n&uuml;tzlich oder sogar notwendig sind, k&ouml;nnen im Einzelfall entweder Nebenleistungen darstellen oder mit der Vermietung untrennbar verbunden sein und mit dieser eine einheitliche Leistung bilden.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. Die Feststellung, ob im konkreten Fall eine einheitliche Leistung vorliegt, obliegt den nationalen Gerichten. Sie ist in der Regel eine Tatsachenw&uuml;rdigung durch das FG, die den BFH grunds&auml;tzlich gem&auml;&szlig; &sect; 118 Abs. 2 FGO bindet.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 13. Februar 2014&nbsp;&nbsp;5 K 282\/12 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) ist Eigent&uuml;merin des Seniorenwohnparks X. Der Seniorenwohnpark enth&auml;lt 50&nbsp;Apartments und 10&nbsp;Pflegezimmer auf einer Pflegestation mit insgesamt 63&nbsp;Betten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Vertrag vom 1.&nbsp;August 2003 verpachtete die Kl&auml;gerin diesen Seniorenwohnpark an A. Die Verpachtung umfasste das gesamte Grundst&uuml;ck, das Seniorenwohnheim und &quot;&#8230;&nbsp;die Einrichtung der Wohnanlage, soweit diese vom Verp&auml;chter angeschafft worden ist&quot;. Ausweislich des Pachtvertrages betrug der Pachtzins f&uuml;r das Grundst&uuml;ck und die Geb&auml;ude des Seniorenwohnparks 50.000&nbsp;EUR monatlich und f&uuml;r das bewegliche Inventar 6.000&nbsp;EUR monatlich. Der Betrag von 6.000&nbsp;EUR beinhaltete die &quot;gesetzliche Mehrwertsteuer&quot;. Bei dem Inventar handelte es sich zu ca. 80&nbsp;% um Pflegebetten und speziell abgestimmte, zum Betrieb eines Seniorenheims zwingend erforderliche Ausstattungselemente. Hinsichtlich der (mit-)verpachteten Einrichtungsgegenst&auml;nde verpflichtete sich die P&auml;chterin, f&uuml;r zerst&ouml;rte, sonst unbrauchbare oder bei Pachtende fehlende Gegenst&auml;nde Ersatz oder Verg&uuml;tung zu leisten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihren Umsatzsteuererkl&auml;rungen f&uuml;r die Streitjahre (2006 bis 2010) erkl&auml;rte die Kl&auml;gerin u.a. die Verpachtung der Einrichtungsgegenst&auml;nde als steuerpflichtigen Umsatz.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Vereinbarung vom 1.&nbsp;Januar 2011 beendeten die Kl&auml;gerin und die P&auml;chterin die Verpachtung der Einrichtungsgegenst&auml;nde zum 31.&nbsp;Dezember 2010. Die Verpachtung des Seniorenwohnparks blieb davon unber&uuml;hrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 14.&nbsp;Mai 2010 beantragte die Kl&auml;gerin unter Hinweis auf das Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 20.&nbsp;August 2009 V&nbsp;R&nbsp;21\/08 (BFH\/NV&nbsp;2010, 473), die Verpachtung der Einrichtungsgegenst&auml;nde als Nebenleistung zur Verpachtung des Grundst&uuml;cks als umsatzsteuerfrei zu behandeln und die Umsatzsteuerfestsetzungen entsprechend zu berichtigen. Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) lehnte diesen Antrag ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der Klage nach erfolglosem Einspruchsverfahren statt. Es ging davon aus, das mitverpachtete Inventar habe f&uuml;r die P&auml;chterin keinen eigenen selbst&auml;ndigen Zweck gehabt, sondern sei nur das Mittel gewesen, um die Hauptleistung, n&auml;mlich die Miete des Geb&auml;udes unter optimalen Bedingungen in Anspruch zu nehmen. Bei der Verpachtung habe es sich somit um eine Nebenleistung gehandelt, die umsatzsteuerrechtlich ebenso zu behandeln sei wie die nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;12 Buchst.&nbsp;a des Umsatzsteuergesetzes (UStG) steuerfreie Hauptleistung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich das FA mit der Revision und r&uuml;gt Verletzung materiellen Rechts (&sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;12 Buchst.&nbsp;a UStG). Die Verpachtung des Inventars habe gegen&uuml;ber der &Uuml;berlassung des Geb&auml;udes einen eigenst&auml;ndigen wirtschaftlichen Wert und sei deshalb umsatzsteuerrechtlich gesondert zu beurteilen. Das Inventar sei f&uuml;r den Betrieb des Seniorenwohnheimes ben&ouml;tigt worden und habe von der P&auml;chterin anderweitig beschafft werden m&uuml;ssen, wenn die Kl&auml;gerin es nicht mitverpachtet h&auml;tte. Die eigenst&auml;ndige wirtschaftliche Bedeutung der Inventarverpachtung dokumentiere sich dar&uuml;ber hinaus insbesondere in der gesonderten Entgeltvereinbarung und in der Anschubfinanzierung f&uuml;r den Betrieb der P&auml;chterin. Zudem sei das Inventar nicht zum Verbrauch &uuml;berlassen worden, denn die P&auml;chterin habe Ersatz oder Verg&uuml;tung f&uuml;r zerst&ouml;rte oder bei Pachtende fehlende Gegenst&auml;nde geschuldet. Das rechtfertige eine andere umsatzsteuerrechtliche Beurteilung als im Sachverhalt des BFH-Urteils in BFH\/NV&nbsp;2010, 473. Die eigenst&auml;ndige wirtschaftliche Bedeutung beider Leistungen zeige sich auch daran, dass die Verpachtung der Einrichtungsgegenst&auml;nde zum 31.&nbsp;Dezember 2010 geendet habe, wohingegen das Seniorenwohnheim &uuml;ber den 31.&nbsp;Dezember 2010 hinaus der P&auml;chterin &uuml;berlassen worden sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>das Urteil des FG aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei der Verpachtung der Seniorenwohnanlage habe es sich um eine einheitliche Leistung im umsatzsteuerrechtlichen Sinne gehandelt. Daran &auml;ndere auch ein etwaiger eigenst&auml;ndiger wirtschaftlicher Gehalt nichts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des FA ist unbegr&uuml;ndet und deshalb zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die W&uuml;rdigung des FG, dass es sich bei der &Uuml;berlassung des Inventars um eine Nebenleistung zur gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;12 Buchst.&nbsp;a UStG steuerfreien Verpachtung des Seniorenwohnparks gehandelt hat, die aus diesem Grund ebenfalls von der Steuerbefreiung umfasst wird, ist revisionsrechtlich nicht zu beanstanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Steuerfrei ist nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;12 Buchst.&nbsp;a UStG u.a. die Vermietung und die Verpachtung von Grundst&uuml;cken. Die Steuerbefreiung beruhte unionsrechtlich im Streitjahr 2006 auf Art.&nbsp;13 Teil&nbsp;B Buchst.&nbsp;b der Sechsten Richtlinie des Rates vom 17.&nbsp;Mai 1977 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten &uuml;ber die Umsatzsteuern 77\/388\/EWG (Richtlinie 77\/388\/EWG) und beruht seit 2007 auf Art.&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;l der Richtlinie 2006\/112\/EG des Rates &uuml;ber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem vom 28.&nbsp;November 2006 (MwStSystRL). Danach ist die &quot;Vermietung und Verpachtung von Grundst&uuml;cken&quot; steuerfrei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union (EuGH), der sich der BFH angeschlossen hat, gelten f&uuml;r die Frage, ob mehrere T&auml;tigkeiten steuerrechtlich zu nur einem Umsatz oder mehreren eigenst&auml;ndigen Ums&auml;tzen f&uuml;hren, die Grunds&auml;tze, die der Senat u.a. bereits in seinem Urteil in BFH\/NV 2010, 473 dargelegt hat. Hierauf und auf die neuere Rechtsprechung des EuGH (z.B. Urteile vom 16.&nbsp;April 2015 C-42\/14, Wojskowa Agencja Mieszkaniowa w Warszawie, EU:C:2015:229, Rz&nbsp;30&nbsp;ff.; vom 27.&nbsp;September 2012 C-392\/11, Field Fisher Waterhouse, EU:C:2012:597, Rz&nbsp;14&nbsp;ff.) und des BFH (z.B. Beschluss vom 28.&nbsp;Oktober 2010 V&nbsp;R&nbsp;9\/10, BFHE 231, 360, BStBl II 2011, 360, Rz&nbsp;42&nbsp;ff.; Urteil vom 10.&nbsp;Januar 2013 V&nbsp;R&nbsp;31\/10, BFHE&nbsp;240, 380,&nbsp;BStBl II&nbsp;2013, 352, Rz&nbsp;18&nbsp;ff.) wird Bezug genommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Der Senat hat in seinem Urteil in BFH\/NV 2010, 473 dar&uuml;ber hinaus auf seine st&auml;ndige Rechtsprechung verwiesen, wonach die Steuerfreiheit nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;12 Buchst.&nbsp;a UStG auch die Vermietung m&ouml;blierter R&auml;ume oder Geb&auml;ude umfasst, wenn es sich um eine auf Dauer angelegte und nicht um eine kurzfristige &Uuml;berlassung handelt. Diese Rechtsprechung hat der Senat fortgef&uuml;hrt (z.B. BFH-Urteile vom 8.&nbsp;August 2013 V&nbsp;R&nbsp;7\/13, BFH\/NV 2013, 1952, Rz&nbsp;16; vom 22.&nbsp;August 2013 V&nbsp;R&nbsp;18\/12, BFHE 243, 32, BStBl II 2013, 1058, Rz&nbsp;12). Der XI.&nbsp;Senat hat sich dem angeschlossen (z.B. BFH-Urteile vom 17.&nbsp;Dezember 2014 XI&nbsp;R&nbsp;16\/11, BFH\/NV&nbsp;2015, 636, Rz&nbsp;21; vom 19.&nbsp;Februar 2014 XI&nbsp;R&nbsp;1\/12, BFH\/NV&nbsp;2014, 1398, Rz&nbsp;23). Diese Rechtsprechung wird, worauf der Senat im Urteil in BFH\/NV 2010, 473 ebenfalls hingewiesen hat, durch das EuGH-Urteil vom 12.&nbsp;Februar 1998 C-346\/95 (Elisabeth Blasi, EU:C:1998:51, Rz&nbsp;17&nbsp;ff.) best&auml;tigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit die Finanzverwaltung in Abschn.&nbsp;4.12.1 Abs.&nbsp;6 des Umsatzsteuer-Anwendungserlasses (UStAE) noch in der Fassung vom 31.&nbsp;Oktober 2013 unter Hinweis auf zwei Entscheidungen des Reichsfinanzhofs aus den Jahren 1939 und 1940 (Urteile vom 5.&nbsp;Mai 1939 V&nbsp;498\/38, RStBl 1939, 806, und vom 23.&nbsp;Februar 1940 V&nbsp;303\/38, RStBl 1940, 448) von anderen Grunds&auml;tzen ausging und nunmehr in Abschn.&nbsp;4.12.1 Abs.&nbsp;6 UStAE i.d.F. vom 22.&nbsp;Juli 2014 &quot;in der Regel&quot; von anderen Grunds&auml;tzen ausgeht, folgt der Senat dem nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Leistungen, die f&uuml;r die Nutzung einer gemieteten Immobilie n&uuml;tzlich oder sogar notwendig sind, k&ouml;nnen im Einzelfall entweder unabh&auml;ngig von der Vermietung der Immobilie bestehen, Nebenleistungen darstellen oder von der Vermietung untrennbar sein und mit dieser eine einheitliche Leistung bilden (EuGH-Urteil Wojskowa Agencja Mieszkaniowa w Warszawie, EU:C:2015:229, Rz&nbsp;36).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Zwar weist das FA zutreffend darauf hin, dass die gesonderte Entgeltvereinbarung bei Leistungen, die auch von Dritten erbracht werden k&ouml;nnen, ein Indiz f&uuml;r das Vorliegen selbst&auml;ndiger Leistungen ist (EuGH-Urteil vom 11.&nbsp;Juni 2009 C-572\/07, Tellmer Property, EU:C:2009:365, Rz&nbsp;22, 24). Eine entscheidende Bedeutung kommt der gesonderten Rechnungsstellung und eigenst&auml;ndigen Bildung des Leistungspreises f&uuml;r das Vorliegen selbst&auml;ndiger Leistungen hingegen nicht zu (EuGH-Urteil vom 17.&nbsp;Januar 2013 C-224\/11, BG&#379; Leasing, EU:C:2013:15, Rz&nbsp;44). Auch dass f&uuml;r die P&auml;chterin ggf. die M&ouml;glichkeit bestand, Inventar von Dritten zu pachten oder zu mieten, spricht nicht entscheidend gegen eine einheitliche Leistung (vgl. EuGH-Urteile Wojskowa Agencja Mieszkaniowa w Warszawie, EU:C:2015:229 Rz&nbsp;41; Field Fisher Waterhouse, EU:C:2012:597, Rz&nbsp;26). Bildet hingegen ein zur Miete angebotenes Geb&auml;ude mit begleitenden Leistungen in wirtschaftlicher Hinsicht objektiv eine Gesamtheit, kann davon ausgegangen werden, dass diese Leistungen mit der Vermietung eine einheitliche Leistung bilden (EuGH-Urteil Wojskowa Agencja Mieszkaniowa w Warszawie, EU:C:2015:229, Rz&nbsp;42).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Ausgehend von diesen Grunds&auml;tzen obliegt die Feststellung, ob im konkreten Fall eine einheitliche Leistung vorliegt, den nationalen Gerichten, die dabei die notwendigen Bewertungen unter Ber&uuml;cksichtigung der Gesamtumst&auml;nde, unter denen die Vermietung und die sie begleitenden Leistungen abgewickelt werden, vorzunehmen haben (EuGH-Urteile Wojskowa Agencja Mieszkaniowa w Warszawie, EU:C:2015:229, Rz&nbsp;46; vom 10.&nbsp;M&auml;rz 2011 C-497\/09, C-499\/09, C-501\/09 und C-502\/09, Bog u.a., EU:C:2011:135, Rz&nbsp;55; Field Fisher Waterhouse, EU:C:2012:597, Rz&nbsp;20; vom 17.&nbsp;Januar 2013 C-224\/11, BG&#379; Leasing, EU:C:2013:15, Rz&nbsp;33). Diese Gesamtbetrachtung ist im Wesentlichen das Ergebnis einer tats&auml;chlichen W&uuml;rdigung durch das FG, die den BFH grunds&auml;tzlich gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO bindet (z.B. BFH-Urteile vom 13.&nbsp;November 2013 XI&nbsp;R&nbsp;24\/11, BFHE&nbsp;243, 471, Rz&nbsp;42; in BFHE&nbsp;240, 380,&nbsp;BStBl II&nbsp;2013, 352, Rz&nbsp;29; vom 13.&nbsp;Januar 2011 V&nbsp;R&nbsp;63\/09, BFHE 233, 64, BStBl II 2011, 461, Rz&nbsp;23).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Ausgehend hiervon ist die W&uuml;rdigung des FG auch vor dem Hintergrund des EuGH-Urteils Wojskowa Agencja Mieszkaniowa w Warszawie, EU:C:2015:229 nicht zu beanstanden. Denn Leistungen, die f&uuml;r die Nutzung einer gemieteten Immobilie n&uuml;tzlich oder notwendig sind, k&ouml;nnen entweder unabh&auml;ngig von der Vermietung der Immobilie bestehen, Nebenleistungen darstellen oder mit der Vermietung eine einheitliche Leistung bilden (EuGH-Urteil Wojskowa Agencja Mieszkaniowa w Warszawie, EU:C:2015:229, Rz&nbsp;36). Allerdings sind insbesondere Mietnebenkosten zugrunde liegende Leistungen wie die Zurverf&uuml;gungstellung von Wasser, Elektrizit&auml;t oder W&auml;rme, &uuml;ber deren Verbrauch der Mieter entscheiden kann und die durch die Anbringung von individuellen Z&auml;hlern kontrolliert und in Abh&auml;ngigkeit des Verbrauchs abgerechnet werden, grunds&auml;tzlich als von der Vermietung getrennt anzusehen (EuGH-Urteil Wojskowa Agencja Mieszkaniowa w Warszawie, EU:C:2015:229, Rz&nbsp;39). Hiermit ist der vorliegende Fall aber nicht vergleichbar, denn die Kl&auml;gerin hat der P&auml;chterin ein betriebs- und benutzungsf&auml;higes Seniorenpflegeheim zur Verf&uuml;gung gestellt, weil es sich bei dem mitverpachteten Inventar ganz &uuml;berwiegend um speziell abgestimmte, zum Betrieb eines Seniorenheims zwingend erforderliche Ausstattungselemente gehandelt hat. Die W&uuml;rdigung, dass unter den konkreten Umst&auml;nden des Einzelfalles die &Uuml;berlassung des Mobiliars nur dazu gedient habe, die vertragsm&auml;&szlig;ige Nutzung des als Seniorenpflegeheim vermieteten Geb&auml;udes unter optimalen Bedingungen in Anspruch zu nehmen, ist m&ouml;glich, verfahrensrechtlich einwandfrei zustande gekommen und verst&ouml;&szlig;t weder gegen allgemeine Erfahrungss&auml;tze noch gegen Denkgesetze. Das wird im &Uuml;brigen durch den Vortrag des FA, wonach das Inventar f&uuml;r den Betrieb des Seniorenwohnheims ben&ouml;tigt worden sei und die P&auml;chterin sich das Inventar, wenn es nicht mitverpachtet worden w&auml;re, auf andere Weise habe beschaffen m&uuml;ssen, ausdr&uuml;cklich best&auml;tigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 11.11.2015, V R 37\/14 &Uuml;berlassung von Inventar eines Pflegeheims als Nebenleistung Leits&auml;tze 1. Die Steuerfreiheit nach &sect; 4 Nr. 12 Buchst. a UStG umfasst die Vermietung m&ouml;blierter R&auml;ume oder Geb&auml;ude, wenn es sich um eine auf Dauer angelegte und nicht um eine kurzfristige &Uuml;berlassung handelt (entgegen Abschn. 4.12.1. Abs. 6 UStAE). 2. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-37-14-ueberlassung-von-inventar-eines-pflegeheims-als-nebenleistung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;37\/14 &#8211; &Uuml;berlassung von Inventar eines Pflegeheims als Nebenleistung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-65940","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65940","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65940"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65940\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65940"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65940"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65940"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}