{"id":65961,"date":"2016-03-09T11:29:14","date_gmt":"2016-03-09T09:29:14","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65961"},"modified":"2016-03-09T11:29:14","modified_gmt":"2016-03-09T09:29:14","slug":"v-r-61-14-hochzeits-und-trauerredner-kann-ausuebender-kuenstler-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-61-14-hochzeits-und-trauerredner-kann-ausuebender-kuenstler-sein\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;61\/14 &#8211; Hochzeits- und Trauerredner kann aus&uuml;bender K&uuml;nstler sein"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 3.12.2015, V R 61\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Hochzeits- und Trauerredner kann aus&uuml;bender K&uuml;nstler sein<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Die Steuererm&auml;&szlig;igung f&uuml;r aus&uuml;bende K&uuml;nstler (&sect; 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a UStG) h&auml;ngt nicht davon ab, ob von den Zuschauern oder Zuh&ouml;rern eine &quot;Eintrittsberechtigung&quot; verlangt wird.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Ein Trauer- oder Hochzeitsredner ist &quot;aus&uuml;bender K&uuml;nstler&quot;, wenn seine Leistungen eine sch&ouml;pferische Gestaltungsh&ouml;he erreichen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Kl&auml;gers wird das Urteil des Finanzgerichts N&uuml;rnberg vom 1. April 2014&nbsp;&nbsp;2 K 1042\/12 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht N&uuml;rnberg zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) hat evangelische Theologie studiert und h&auml;lt Hochzeits-, Geburtstags-, Trennungs- und Trauerreden. Im Anschluss daran erhalten die Auftraggeber ein ausformuliertes Redemanuskript. In seinen Umsatzsteuererkl&auml;rungen 2006 bis 2010 erkl&auml;rte er die Vortragsums&auml;tze mit dem erm&auml;&szlig;igten Steuersatz, w&auml;hrend der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) zuletzt mit &Auml;nderungsbescheiden vom 29.&nbsp;August 2011 f&uuml;r die Veranlagungszeitr&auml;ume 2006 bis 2009 und vom 23.&nbsp;M&auml;rz 2012 f&uuml;r 2010 die Ums&auml;tze mit dem Regelsteuersatz erfasste.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Klage vor dem Finanzgericht (FG) blieb erfolglos. Die Ums&auml;tze unterfielen nach dem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2014, 1343 ver&ouml;ffentlichten Urteil nicht der Steuererm&auml;&szlig;igung des &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;c des Umsatzsteuergesetzes (UStG), weil es sich bei der &Uuml;bertragung des Urheberrechts an der schriftlichen Redefassung nur um einen begleitenden, unselbst&auml;ndigen Bestandteil zur Rede als Hauptbestandteil handele. Das Halten der Rede sei auch nicht nach &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;a UStG beg&uuml;nstigt, weil es nicht um die Eintrittsberechtigung f&uuml;r Theater, Konzerte und Museen sowie um Theatervorf&uuml;hrungen und Konzerten vergleichbare Darbietungen aus&uuml;bender K&uuml;nstler gehe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich der Kl&auml;ger mit der Revision und r&uuml;gt die Verletzung von &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;a UStG. Eine k&uuml;nstlerische Leistung liege vor. Er halte individuell zugeschnittene Reden und fungiere gleichzeitig als &quot;Event Pfarrer&quot; und &quot;Zeremonienmeister&quot; in der Darbietung eines Gesamtkunstwerkes. Bei Trauerreden w&uuml;rdige er das Leben des Verstorbenen anhand seines Werdeganges und berichte bei Hochzeitsreden &uuml;ber die Umst&auml;nde des Kennenlernens. Er versuche, die Individualit&auml;t des Verstorbenen darzustellen, nehme bei der Trauerfeier auch Lichteffekte und Musikeinspielungen vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>das Urteil des FG N&uuml;rnberg und die Umsatzsteuerjahresbescheide 2006 bis 2009 vom 29.&nbsp;August 2011 bzw. 23.&nbsp;M&auml;rz 2012 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 11.&nbsp;Juni 2012 aufzuheben und den Umsatzsteuerjahresbescheid 2010 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 11.&nbsp;Juni 2012 aufzuheben und die Umsatzsteuer 2010 auf einen Betrag von 363,33&nbsp;EUR zu mindern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sinn und Zweck der Erm&auml;&szlig;igungsvorschrift des &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;a UStG sei es, die Teilnahme der Allgemeinheit an kulturellen Veranstaltungen zu beg&uuml;nstigen. Die Teilnehmer einer Trauer- oder Hochzeitsfeier entrichteten jedoch entgegen &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;a UStG kein Entgelt f&uuml;r eine Eintrittsberechtigung. Der Kl&auml;ger erbringe auch keine Leistung als aus&uuml;bender K&uuml;nstler, die &quot;Theatervorf&uuml;hrungen und Konzerten vergleichbar&quot; w&auml;re. Es fehle an einer k&uuml;nstlerischen Gestaltungsh&ouml;he. Der Trauerredner ersetze lediglich die &uuml;berkommene T&auml;tigkeit eines Pfarrers bei Verstorbenen, die keiner Glaubensgemeinschaft angeh&ouml;rten, die als Pflege des Brauchtums keiner k&uuml;nstlerischen T&auml;tigkeit eines Musikers oder Schauspielers vergleichbar sei. Der Teilnehmer einer Trauerfeier nehme nicht teil, um einem Kunstgenuss beizuwohnen, sondern um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Das FA sei nicht in der Lage, jede einzelne Hochzeits- oder Trauerrede nach ihrer Gestaltungsh&ouml;he zu bewerten und k&ouml;nne den Trauerredner nur typisierend einordnen. Der inl&auml;ndische Gesetzgeber sei auch befugt gewesen, die Steuerbeg&uuml;nstigung auf kulturelle Veranstaltungen zu beschr&auml;nken, die sich &#8211;anders als bei Trauer- und Hochzeitsfeiern&#8211; nicht an die Allgemeinheit richteten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das FG (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das angefochtene Urteil ist aufzuheben, weil das FG &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;a UStG verletzt. Diese Vorschrift setzt kein Kulturangebot an die &Ouml;ffentlichkeit voraus. Die damit &#8211;entscheidungserhebliche&#8211; Frage, ob der Kl&auml;ger eine k&uuml;nstlerische T&auml;tigkeit ausge&uuml;bt hat oder nicht, hat das FG jedoch offengelassen. Der Senat kann auch mangels weiterer Tatsachenfeststellungen zum Inhalt der Reden nicht selbst entscheiden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der erm&auml;&szlig;igte Steuersatz ergibt sich nicht bereits aus &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;c UStG, da die &Uuml;bertragung des Urheberrechtes bei der &Uuml;berlassung des Redemanuskriptes nicht den Hauptzweck der T&auml;tigkeit des Kl&auml;gers bildet, sondern das Halten der Rede (vgl. dazu schon das Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 21.&nbsp;Oktober 2009 V&nbsp;R&nbsp;8\/08, BFH\/NV 2010, 476, Rz&nbsp;21).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Entgegen der Rechtsansicht des FA scheitert die Anwendung des &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;a UStG auch nicht an einer fehlenden &quot;Eintrittsberechtigung&quot; der Teilnehmer von Hochzeits- oder Trauerfeiern. Nach dieser Vorschrift gilt der erm&auml;&szlig;igte Steuersatz f&uuml;r<br \/>&quot;die Eintrittsberechtigung f&uuml;r Theater, Konzerte und Museen, sowie die den Theatervorf&uuml;hrungen und Konzerten vergleichbaren Darbietungen aus&uuml;bender K&uuml;nstler&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die vorstehend anwendbare Gesetzesfassung vom 9.&nbsp;Dezember 2004 (BGBl I 2004, 3310) l&ouml;ste die fr&uuml;here Fassung ab, nach der beg&uuml;nstigt waren &quot;die Leistungen der Theater, Orchester, Kammermusikensembles, Ch&ouml;re und Museen sowie die Veranstaltung von Theatervorf&uuml;hrungen und Konzerten durch andere Unternehmer&quot;, um &quot;die gesetzgeberischen Konsequenzen aus der Entscheidung des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union (EuGH) Kommission\/ Deutschland vom 23.&nbsp;Oktober 2003 C-109\/02, EU:C:2003:586) zur Steuererm&auml;&szlig;igung bei Solisten&quot; zu ziehen (BTDrucks 15\/3677, S.&nbsp;27). Danach hatte der EuGH einen Versto&szlig; gegen den Neutralit&auml;tsgrundsatz darin gesehen, dass die Bundesrepublik Deutschland die Steuererm&auml;&szlig;igung f&uuml;r Solisten nur bei direkt gegen&uuml;ber dem Publikum erbrachten Konzerten anwendete, nicht aber, wenn die k&uuml;nstlerische Leistung gegen&uuml;ber einem Veranstalter erbracht wurde, denn hierzu sei nicht der Anhang&nbsp;H Nr.&nbsp;7 der Sechsten Richtlinie 77\/388\/EWG des Rates vom 17.&nbsp;Mai 1977 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten &uuml;ber die Umsatzsteuern einschl&auml;gig (&quot;Eintrittsberechtigung f&uuml;r Veranstaltungen f&uuml;r Theater, Zirkus, Jahrm&auml;rkte, Vergn&uuml;gungsparks, Konzerte, Museen, Tierparks, Kinos und Ausstellungen sowie &auml;hnliche kulturelle Ereignisse und Einrichtungen&quot;), sondern die Nr.&nbsp;8 (&quot;Werke bzw. Darbietungen von Schriftstellern, Komponisten und aus&uuml;benden K&uuml;nstlern &#8230;&quot;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch Art.&nbsp;98 Anhang&nbsp;III der Richtlinie 2006\/112\/EG des Rates vom 28.&nbsp;November 2006 &uuml;ber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem (MwStSystRL) unterscheidet unver&auml;ndert zwischen der Erm&auml;&szlig;igung der Umsatzsteuer in Nr.&nbsp;7 f&uuml;r die &quot;Eintrittsberechtigung&quot; f&uuml;r Veranstaltungen, Theater, Zirkus&quot; etc. und in Nr.&nbsp;9 f&uuml;r &quot;Dienstleistungen von Schriftstellern, Komponisten und aus&uuml;benden K&uuml;nstlern &#8230;&quot;, ohne die Steuerbefreiung eines K&uuml;nstlers im Gegensatz zu Nr.&nbsp;7 von einer &quot;Eintrittsberechtigung&quot; abh&auml;ngig zu machen. In richtlinienkonformer Auslegung ist &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 UStG deshalb so zu lesen, dass sich das Tatbestandsmerkmal &quot;Eintrittsberechtigung&quot; nur auf den ersten Halbsatz (&quot;Theater, Konzerte und Museen&quot;), nicht aber auf den zweiten Halbsatz (&quot;Darbietungen aus&uuml;bender K&uuml;nstler&quot;) bezieht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hieraus folgt f&uuml;r den Streitfall, dass die Steuererm&auml;&szlig;igung des Kl&auml;gers, wenn es sich bei seiner T&auml;tigkeit um die eines &quot;aus&uuml;benden K&uuml;nstlers&quot; handelt, nicht an der fehlenden Eintrittsberechtigung bei Hochzeits- und Trauerreden scheitert. Aus der Rechtsprechung des EuGH folgt zudem, dass es f&uuml;r die steuerbeg&uuml;nstigte Leistung eines aus&uuml;benden K&uuml;nstlers nach dem Neutralit&auml;tsgrundsatz gen&uuml;gt, wenn er sein Entgelt nicht von den Zuh&ouml;rern oder Zuschauern, sondern von einem Veranstalter (hier: vom Hochzeitspaar oder den Angeh&ouml;rigen) erh&auml;lt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Das FG hat die Steuererm&auml;&szlig;igung des &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;a UStG zu Unrecht mit der Begr&uuml;ndung abgelehnt, Hochzeits- und Trauerreden richteten sich nicht als Kulturangebot an die Allgemeinheit, sondern an einen geschlossenen Personenkreis. Denn ein Ausschluss von Privatveranstaltungen (z.B. K&uuml;nstler tritt bei einer Betriebs- oder Gedenkfeier im Auftrag des Veranstalters vor abgeschlossenem Personenkreis auf) l&auml;sst sich weder dem Gesetz noch Art.&nbsp;98 Anhang III MwStSystRL (&quot;Dienstleistungen aus&uuml;bender K&uuml;nstler&quot;) entnehmen. Es w&auml;re auch nicht sachgerecht, w&uuml;rde eine k&uuml;nstlerische Leistung bei einer geschlossenen Hochzeitsfeier nicht beg&uuml;nstigt, w&auml;hrend bei einem vergleichbaren Vortrag auf einer Trauerfeier in faktischer &Ouml;ffentlichkeit, bei der der Zutritt von Nachbarn und anderen Bekannten nicht ausgeschlossen ist und z.B. bei der Trauerfeier einer bekannten Pers&ouml;nlichkeit eine Vielzahl von Teilnehmern erreichen kann, nach der Anzahl der nicht geladenen, aber teilnehmenden G&auml;ste unterschieden werden m&uuml;sste. Art.&nbsp;98 Anhang&nbsp;III Nr.&nbsp;9 MwStSystRL beg&uuml;nstigt die T&auml;tigkeit eines &quot;aus&uuml;benden K&uuml;nstlers&quot; vielmehr auch bei einer geschlossenen Veranstaltung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Steuererm&auml;&szlig;igung der T&auml;tigkeit des Kl&auml;gers als Hochzeits- oder Trauerredner h&auml;ngt somit allein davon ab, ob sie als T&auml;tigkeit eines &quot;aus&uuml;benden K&uuml;nstlers&quot; anzusehen ist. Diese Frage hat das FG &#8211;von seinem Standpunkt aus konsequent&#8211; zu Unrecht offengelassen und lediglich Zweifel an einer k&uuml;nstlerischen T&auml;tigkeit ge&auml;u&szlig;ert. Der Senat kann sie nicht selbst entscheiden, weil hierzu eingehende Tatsachenfeststellungen zur Art und Weise der T&auml;tigkeit des Kl&auml;gers fehlen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Bei seiner Entscheidung wird das FG zu ber&uuml;cksichtigen haben, dass es sich bei den Tatbest&auml;nden des &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 UStG um Ausnahmeregelungen handelt zum allgemeinen Grundsatz, dass jede entgeltliche Dienstleistung dem Regelsteuersatz unterliegt und daher eng auszulegen ist. Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (Urteile vom 24.&nbsp;Februar 1971&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;435\/68, BVerfGE 30, 173, 188; vom 17.&nbsp;Juli 1984&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;816\/82, BVerfGE 67, 213) liegt das Wesen einer k&uuml;nstlerischen T&auml;tigkeit in der freien sch&ouml;pferischen Gestaltung, in der Eindr&uuml;cke, Erfahrungen und Erlebnisse des K&uuml;nstlers durch das Medium einer Formensprache zu unmittelbarer Anschauung gebracht werden. Die k&uuml;nstlerische Leistung werde gepr&auml;gt von einer eigensch&ouml;pferischen Leistung des K&uuml;nstlers, in der seine besondere Gestaltungskraft zum Ausdruck komme. Gegen eine k&uuml;nstlerische T&auml;tigkeit w&uuml;rde daher bei einer Redet&auml;tigkeit sprechen, wenn sie sich im Wesentlichen auf eine schablonenartige Wiederholung anhand eines Redeger&uuml;stes beschr&auml;nkt (vgl. BFH-Urteil vom 9.&nbsp;Februar 1982 VIII&nbsp;R&nbsp;48\/80, juris; vom 29.&nbsp;Juli 1981 I&nbsp;R&nbsp;183\/79, BFHE 134, 135, BStBl II 1982, 22, jeweils zur freiberuflichen k&uuml;nstlerischen T&auml;tigkeit i.S. des &sect;&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 3.12.2015, V R 61\/14 Hochzeits- und Trauerredner kann aus&uuml;bender K&uuml;nstler sein Leits&auml;tze 1. Die Steuererm&auml;&szlig;igung f&uuml;r aus&uuml;bende K&uuml;nstler (&sect; 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a UStG) h&auml;ngt nicht davon ab, ob von den Zuschauern oder Zuh&ouml;rern eine &quot;Eintrittsberechtigung&quot; verlangt wird. 2. Ein Trauer- oder Hochzeitsredner ist &quot;aus&uuml;bender K&uuml;nstler&quot;, wenn seine Leistungen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-61-14-hochzeits-und-trauerredner-kann-ausuebender-kuenstler-sein\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;61\/14 &#8211; Hochzeits- und Trauerredner kann aus&uuml;bender K&uuml;nstler sein<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-65961","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65961","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65961"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65961\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65961"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65961"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65961"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}