{"id":65966,"date":"2016-03-09T11:29:19","date_gmt":"2016-03-09T09:29:19","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65966"},"modified":"2016-03-09T11:29:19","modified_gmt":"2016-03-09T09:29:19","slug":"v-r-43-13-steuersatz-bei-ueberlassung-digitaler-oder-elektronischer-sprachwerke-im-sinne-des-urhg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-43-13-steuersatz-bei-ueberlassung-digitaler-oder-elektronischer-sprachwerke-im-sinne-des-urhg\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;43\/13 &#8211; Steuersatz bei &Uuml;berlassung digitaler oder elektronischer Sprachwerke im Sinne des UrhG"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 3.12.2015, V R 43\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Steuersatz bei &Uuml;berlassung digitaler oder elektronischer Sprachwerke im Sinne des UrhG<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Digitale oder elektronische Sprachwerke (E-Books) sind keine B&uuml;cher i.S. von &sect; 12 Abs. 2 Nr. 2 UStG i.V.m. Anlage 2 Nr. 49 Buchst. a zum UStG.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Die Einr&auml;umung, &Uuml;bertragung und Wahrnehmung von Rechten, die sich aus dem UrhG ergeben (&sect; 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. c UStG), erfassen nicht &quot;elektronisch erbrachte Dienstleistungen&quot;.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision der Kl&auml;gerin gegen das Urteil des Finanzgerichts Baden-W&uuml;rttemberg vom 5. September 2013&nbsp;&nbsp;12 K 1800\/12 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin), eine GmbH, erbrachte im Streitjahr (2011) Leistungen im Zusammenhang mit der Entwicklung und dem Vertrieb von Bibliotheken in digitalisierter Form (virtuelle Bibliotheken). Ihr Ziel war es, Bibliotheksnutzern Medien einer Bibliothek (z.B. B&uuml;cher) in digitalisierter Form r&auml;umlich und zeitlich unabh&auml;ngig &uuml;ber das Internet zur Verf&uuml;gung zu stellen. Dazu lie&szlig; sich die Kl&auml;gerin Nutzungsrechte an geistig gesch&uuml;tzten Werken einr&auml;umen. Diese berechtigten sie, die Werke zu digitalisieren, sie auf ihrer technischen Plattform (Servern) in handels&uuml;blichen Formaten zu speichern und &uuml;ber das Internet zu verbreiten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zum Kundenkreis der Kl&auml;gerin geh&ouml;rten im Streitjahr u.a. inl&auml;ndische Bibliotheken, die ihr traditionelles Angebot um digitalisierte Inhalte erweitern wollten. Zu diesem Zweck stellte die Kl&auml;gerin den Bibliotheken die technische Einrichtung einer virtuellen Bibliothek auf den von ihr betriebenen Servern entgeltlich zur Verf&uuml;gung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Umfang der den Bibliotheken bereitgestellten urheberrechtlich gesch&uuml;tzten digitalisierten (Sprach-)Werke richtete sich nach der konkreten &#8211;entgeltlichen&#8211; Bestellung durch die jeweilige Bibliothek. Die Kl&auml;gerin schaltete die bestellten digitalisierten Inhalte im vereinbarten Umfang f&uuml;r die jeweilige Bibliothek frei (Erwerb einer Lizenz). Der Lizenzerwerb berechtigte diese, die von ihr konkret bestellten digitalisierten Werke ihren Nutzern zur digitalen (Online-)&quot;Ausleihe&quot; &uuml;ber das Internet anzubieten. Auf der Grundlage allgemeiner Benutzungsbedingungen stellten die Bibliotheken ihren Nutzern sodann die digitalisierten Inhalte &uuml;ber die virtuelle Bibliothek zur Verf&uuml;gung. Die Bedingungen wiesen darauf hin, dass die virtuelle Bibliothek ein Service der jeweiligen Bibliothek gegen&uuml;ber ihren Mitgliedern sei, die &quot;digitale Ausleihe&quot; technisch und administrativ jedoch durch die Kl&auml;gerin abgewickelt werde. Die Bibliotheken erhoben f&uuml;r diesen Service gegen&uuml;ber ihren Nutzern keine &#8211;&uuml;ber etwaige allgemeine Nutzungsbeitr&auml;ge hinausgehende&#8211; Entgelte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die digitalisierten Werke befanden sich physisch auf den von der Kl&auml;gerin betriebenen Servern. &Uuml;ber diese wurde den Bibliotheksnutzern der Zugriff auf die f&uuml;r ihre Bibliothek lizenzierten digitalisierten Inhalte u.a. &uuml;ber das Internet erm&ouml;glicht. Die Kl&auml;gerin stellte die &quot;ausgeliehenen&quot; digitalisierten Werke technisch unmittelbar dem jeweiligen Nutzer zur Verf&uuml;gung (Download der digitalisierten Inhalte auf ein entsprechend geeignetes Endger&auml;t &#8211;z.B. E-Book-Reader, Computer&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In den monatlichen Umsatzsteuervoranmeldungen f&uuml;r 2011 unterwarf die Kl&auml;gerin die Ums&auml;tze aus der Bereitstellung der digitalisierten Inhalte aufgrund der Bestellungen durch die Bibliotheken dem erm&auml;&szlig;igten Steuersatz (7&nbsp;%).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Anschluss an eine Umsatzsteuer-Sonderpr&uuml;fung f&uuml;r den Pr&uuml;fungszeitraum Januar bis Juli 2011 ging der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) davon aus, dass diese Ums&auml;tze dem Regelsteuersatz unterl&auml;gen und erlie&szlig; entsprechend ge&auml;nderte Vorauszahlungsbescheide. Der gegen den ge&auml;nderten Vorauszahlungsbescheid f&uuml;r Juli 2011 eingelegte Einspruch hatte keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach Klageerhebung und Abgabe der Umsatzsteuer-Jahreserkl&auml;rung 2011 erging am 21.&nbsp;Dezember 2012 der &#8211;die Pr&uuml;fungsfeststellungen ber&uuml;cksichtigende&#8211; Umsatzsteuer-Jahresbescheid f&uuml;r 2011, der gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;68 der Finanzgerichtsordnung (FGO) Gegenstand des Klageverfahrens wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Klage blieb erfolglos. In seinem in Deutsches Steuerrecht\/ Entscheidungsdienst 2014, 1188 ver&ouml;ffentlichten Urteil vertrat das Finanzgericht (FG) die Auffassung, die Voraussetzungen f&uuml;r die Anwendung des erm&auml;&szlig;igten Steuersatzes nach &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;c des Umsatzsteuergesetzes (UStG) l&auml;gen nicht vor. Den Bibliotheksnutzern werde letztlich nur das Recht der bestimmungsgem&auml;&szlig;en Benutzung der digitalisierten Inhalte gestattet und kein Nutzungsrecht einger&auml;umt. Eine solche Leistung unterl&auml;ge dem Regelsteuersatz. Die Rolle der Bibliotheken beschr&auml;nke sich auf die Zurverf&uuml;gungstellung einer Ausleihplattform (Benutzeroberfl&auml;che) im Rahmen ihres Bibliotheksauftritts, die letztlich nur den Kontakt ihrer Nutzer an die Kl&auml;gerin vermittle.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt die Kl&auml;gerin Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Entgegen der Auffassung des FG habe die Kl&auml;gerin den Bibliotheken entgeltliche Nutzungsrechte i.S. des Urheberrechtsgesetzes (UrhG) an bestimmten Sprachwerken einger&auml;umt. Das unterliege dem erm&auml;&szlig;igten Steuersatz nach &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;c UStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das Urteil des FG Baden-W&uuml;rttemberg vom 5.&nbsp;September 2013&nbsp;&nbsp;12&nbsp;K&nbsp;1800\/12 sowie die Einspruchsentscheidung vom 23.&nbsp;April 2012 aufzuheben und die Umsatzsteuerfestsetzung f&uuml;r 2011 dahingehend zu &auml;ndern, dass die Ums&auml;tze aus der Bereitstellung der digitalisierten Inhalte aufgrund der Bestellungen durch die Bibliotheken mit dem erm&auml;&szlig;igten Steuersatz besteuert werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Beschluss vom 22.&nbsp;Januar 2015 hat der erkennende Senat das Ruhen des Verfahrens bis zu den Entscheidungen des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union (EuGH) in den Rechtssachen C-479\/13 und C-502\/13 angeordnet. Dieser hat mit Urteilen vom 5.&nbsp;M&auml;rz 2015 &uuml;ber die Sachen entschieden (s. EuGH-Urteile Europ&auml;ische Kommission gegen die Franz&ouml;sische Republik vom 5.&nbsp;M&auml;rz 2015 C-479\/13, EU:C:2015:141, und Europ&auml;ische Kommission gegen das Gro&szlig;herzogtum Luxemburg C-502\/13, EU:C:2015:143).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 und Abs.&nbsp;4 FGO). Das FG hat im Ergebnis zu Recht entschieden, dass die Leistungen der Kl&auml;gerin nicht dem erm&auml;&szlig;igten Steuersatz unterliegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Leistungen der Kl&auml;gerin unterliegen nicht dem erm&auml;&szlig;igten Steuersatz nach &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 UStG i.V.m. Anlage&nbsp;2 Nr.&nbsp;49 Buchst.&nbsp;a UStG. Danach erm&auml;&szlig;igt sich die Steuer auf 7&nbsp;% f&uuml;r die Vermietung der in der Anlage&nbsp;2 bezeichneten Gegenst&auml;nde. Nach Nr.&nbsp;49 dieser Anlage geh&ouml;ren hierzu auch &quot;B&uuml;cher&quot;. Digitale (elektronische) Sprachwerke (E-Books) sind aber keine B&uuml;cher.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Steuererm&auml;&szlig;igung f&uuml;r die Vermietung von B&uuml;chern beruht unionsrechtlich auf Art.&nbsp;98 der Richtlinie des Rates vom 28.&nbsp;November 2006 &uuml;ber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem 2006\/112\/EG (MwStSystRL). Danach k&ouml;nnen die Mitgliedstaaten einen oder zwei erm&auml;&szlig;igte Steuers&auml;tze anwenden (Abs.&nbsp;1), allerdings nur auf die Lieferungen von Gegenst&auml;nden und die Dienstleistungen der in Anhang&nbsp;III genannten Kategorien (Abs.&nbsp;2). Nach Anhang&nbsp;III Nr.&nbsp;6 MwStSystRL k&ouml;nnen die erm&auml;&szlig;igten Steuers&auml;tze i.S. des Art.&nbsp;98 MwStSystRL auf die Lieferung von B&uuml;chern auf jeglichen physischen Tr&auml;gern, einschlie&szlig;lich des Verleihs durch B&uuml;chereien, angewandt werden. Die erm&auml;&szlig;igten Steuers&auml;tze sind nicht anwendbar auf elektronisch erbrachte Dienstleistungen (Abs.&nbsp;2). Das &Uuml;berlassen elektronischer B&uuml;cher ist eine elektronisch erbrachte Dienstleistung i.S. des Art.&nbsp;98 Abs.&nbsp;2 Unterabs.&nbsp;2 MwStSystRL. Zudem fehlt es an dem von Anhang&nbsp;III Nr.&nbsp;6 MwStSystRL vorausgesetzten physischen Tr&auml;ger. Die Mitgliedstaaten sind deshalb nicht erm&auml;chtigt, einen erm&auml;&szlig;igten Steuersatz auf die Lieferung von digitalen oder elektronischen B&uuml;chern anzuwenden (EuGH-Urteile Europ&auml;ische Kommission gegen die Franz&ouml;sische Republik, EU:C:2015:141, 1.&nbsp;Leitsatz, Rz&nbsp;27&nbsp;ff., 33, 34, und Europ&auml;ische Kommission gegen das Gro&szlig;herzogtum Luxemburg, EU:C:2015:143, 1.&nbsp;Leitsatz, Rz&nbsp;35&nbsp;ff., 40, 41).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Dementsprechend ist &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 UStG i.V.m. Anlage&nbsp;2 Nr.&nbsp;49 Buchst.&nbsp;a UStG richtlinienkonform einschr&auml;nkend auszulegen. Das Tatbestandsmerkmal &quot;B&uuml;cher&quot; setzt einen physischen Tr&auml;ger voraus, auf dem das Buch materialisiert ist; digitale oder elektronische Sprachwerke fallen nicht unter die Steuererm&auml;&szlig;igung. Die Einschr&auml;nkung des Begriffes &quot;B&uuml;cher&quot; auf Schriftwerke, die auf einem physischen Tr&auml;ger materialisiert sind, ist mit dem Wortlaut der Norm vereinbar (vgl. zu den Grenzen der richtlinienkonformen Auslegung EuGH-Urteil Association de m&eacute;diation sociale vom 15.&nbsp;Januar 2014 C-176\/12, EU:C:2014:2, Rz&nbsp;39, m.w.N.; Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 8.&nbsp;M&auml;rz 2012 V&nbsp;R&nbsp;14\/11, BFHE 237, 279, BStBl II 2012, 630, Rz&nbsp;20). Bei der Einf&uuml;hrung der Steuererm&auml;&szlig;igung f&uuml;r &quot;B&uuml;cher&quot; waren nur B&uuml;cher in Papierform, also solche auf einem physischen Tr&auml;ger, im Handel. Der Wortlaut der Norm zwingt deshalb nicht dazu, aufgrund einer technischen Entwicklung neue Erscheinungsformen von Schriftwerken unter diesen Begriff zu fassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Leistungen der Kl&auml;gerin unterliegen als elektronische Dienstleistungen auch nicht der Steuererm&auml;&szlig;igung nach &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;c UStG. Wenn sich danach die Steuer auf 7&nbsp;% erm&auml;&szlig;igt f&uuml;r die Einr&auml;umung, &Uuml;bertragung und Wahrnehmung von Rechten, die sich aus dem UrhG ergeben, so gilt dies nicht f&uuml;r elektronisch erbrachte Dienstleistungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Unionsrechtlich beruht diese Vorschrift auf Art.&nbsp;98 Abs.&nbsp;2 i.V.m. Anhang&nbsp;III Nr.&nbsp;9 MwStSystRL. Danach k&ouml;nnen die Mitgliedstaaten eine Steuersatzerm&auml;&szlig;igung auf Dienstleistungen von Schriftstellern, Komponisten und aus&uuml;benden K&uuml;nstlern sowie diesen geschuldete urheberrechtliche Verg&uuml;tungen anwenden. Nach Art.&nbsp;98 Abs.&nbsp;2 Unterabs.&nbsp;2 MwStSysRL sind die erm&auml;&szlig;igten Steuers&auml;tze wiederum nicht auf elektronisch erbrachte Dienstleistungen anwendbar, wie sie von der Kl&auml;gerin erbracht wurden (vgl. EuGH-Urteile Europ&auml;ische Kommission gegen die Franz&ouml;sische Republik, EU:C:2015:141, Rz&nbsp;33, und Europ&auml;ische Kommission gegen das Gro&szlig;herzogtum Luxemburg, EU:C:2015:143, 1.&nbsp;Leitsatz, Rz&nbsp;40, 61&nbsp;f.). Dementsprechend ist &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;c UStG einschr&auml;nkend auszulegen. F&uuml;r den erkennenden Senat bestehen keine Zweifel an der zutreffenden Auslegung des Art.&nbsp;98 Abs.&nbsp;2 Unterabs.&nbsp;1 i.V.m. Anhang&nbsp;III Nr.&nbsp;9 und Art.&nbsp;98 Abs.&nbsp;2 Unterabs.&nbsp;2 MwStSystRL. Daher bedarf es nicht der Entscheidung des EuGH, ob Anhang&nbsp;III Nr.&nbsp;9 MwStSystRL dahingehend auszulegen ist, dass diese Bestimmung Nutzungsrechtseinr&auml;umungen in urheberrechtlichen Lizenzketten umfasst oder ob sie der nationalen Steuererm&auml;&szlig;igung nach &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;c UStG f&uuml;r eine urheberrechtliche Lizenzkette entgegensteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Eine in diesem Sinn einschr&auml;nkende Auslegung ist im Rahmen des Wortlauts des &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;c UStG m&ouml;glich (zu den Grenzen richtlinienkonformer Auslegung vgl. die Ausf&uuml;hrungen zu II.1.b). Im Gegensatz zu &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;8 Buchst.&nbsp;a UStG, der auf im Einzelnen genannte Vorschriften der Abgabenordnung verweist und die Rechtsfolge der Steuersatzerm&auml;&szlig;igung mit deren Voraussetzungen verkn&uuml;pft (vgl. hierzu BFH-Urteil in BFHE 237, 279,&nbsp;BStBl II&nbsp;2012, 630, Rz&nbsp;20), nimmt &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;c UStG allgemein Bezug auf Rechte, die sich aus dem UrhG ergeben. Diese Norm l&auml;sst die Auslegung zu, dass sie nur solche Rechte des UrhG umfasst, die im Rahmen des harmonisierten Unionsrechts umsatzsteuerrechtlich &uuml;berhaupt unter eine Erm&auml;&szlig;igungsvorschrift fallen k&ouml;nnen. Das ist aus den dargelegten Gr&uuml;nden bei den hier vorliegenden elektronisch erbrachten Dienstleistungen nicht der Fall.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Der Senat weicht nicht von seiner bisherigen Rechtsprechung ab, in der er offengelassen hat, ob &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;7 Buchst.&nbsp;c UStG unionsrechtskonform auszulegen ist (vgl. hierzu BFH-Urteile vom 16.&nbsp;August 2001 V&nbsp;R&nbsp;42\/99, BFHE 196, 335, unter II.1.b&nbsp;ee; vom 27.&nbsp;September 2001 V&nbsp;R&nbsp;14\/01, BFHE 196, 357, BStBl II 2002, 114, unter II.2.c; vom 17.&nbsp;Januar 2002 V&nbsp;R&nbsp;13\/01, BFH\/NV 2002, 821, unter II.2.c; vom 25.&nbsp;November 2004 V&nbsp;R&nbsp;25, 26\/04, BFHE 208, 479, BStBl II 2005, 419, unter II.5.c; vom 25.&nbsp;November 2004 V&nbsp;R&nbsp;33\/04, BFH\/NV 2005, 1152, unter II.6.; vom 25.&nbsp;November 2004 V&nbsp;R&nbsp;4\/04, BFHE 208, 470, BStBl II 2005, 415, unter II.A.4., und vom 18.&nbsp;August 2005 V&nbsp;R&nbsp;42\/03, BFHE 211, 537, BStBl II 2006, 44, unter II.4.). Diese Urteile bezogen sich auf die Rechtslage vor Inkrafttreten von Art.&nbsp;98 Abs.&nbsp;2 Unterabs.&nbsp;2 MwStSystRL und der Vorg&auml;ngervorschrift in Art.&nbsp;12 Abs.&nbsp;3 der Richtlinie 2002\/38\/EG des Rates vom 7.&nbsp;Mai 2002 zur &Auml;nderung der Sechsten Richtlinie 77\/388\/EWG des Rates vom 17.&nbsp;Mai 1977 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten &uuml;ber die Umsatzsteuern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Auch f&uuml;r die von der Kl&auml;gerin angeregte Einholung eines Vorabentscheidungsersuchens nach Art.&nbsp;267 des Vertrags &uuml;ber die Arbeitsweise der Europ&auml;ischen Union besteht keine Veranlassung (vgl. zu den Voraussetzungen EuGH-Urteile Cilfit u.a. vom 6.&nbsp;Oktober 1982&nbsp;&nbsp;283\/81, EU:C:1982:335, Rz&nbsp;21; Gaston Schul vom 6.&nbsp;Dezember 2005 C-461\/03, EU:C:2005:742, Rz&nbsp;16, und Intermodal Transports vom 15.&nbsp;September 2005 C-495\/03, EU:C:2005:552, Rz&nbsp;33). F&uuml;r den Senat bestehen keine Zweifel daran, dass die Kl&auml;gerin durch die Einr&auml;umung von Nutzungsrechten elektronische Dienstleistungen erbracht hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 3.12.2015, V R 43\/13 Steuersatz bei &Uuml;berlassung digitaler oder elektronischer Sprachwerke im Sinne des UrhG Leits&auml;tze 1. Digitale oder elektronische Sprachwerke (E-Books) sind keine B&uuml;cher i.S. von &sect; 12 Abs. 2 Nr. 2 UStG i.V.m. Anlage 2 Nr. 49 Buchst. a zum UStG. 2. Die Einr&auml;umung, &Uuml;bertragung und Wahrnehmung von Rechten, die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-43-13-steuersatz-bei-ueberlassung-digitaler-oder-elektronischer-sprachwerke-im-sinne-des-urhg\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;43\/13 &#8211; Steuersatz bei &Uuml;berlassung digitaler oder elektronischer Sprachwerke im Sinne des UrhG<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-65966","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65966","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65966"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65966\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65966"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65966"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65966"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}