{"id":65967,"date":"2016-03-09T11:29:41","date_gmt":"2016-03-09T09:29:41","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=65967"},"modified":"2016-03-09T11:29:41","modified_gmt":"2016-03-09T09:29:41","slug":"ii-r-49-14-grunderwerbsteuerbefreiung-fuer-erwerb-von-miteigentumsanteilen-von-geschwistern-aufgrund-interpolierender-betrachtung-von-par-3-nr-6-und-par-3-nr-2-satz-1-grestg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-49-14-grunderwerbsteuerbefreiung-fuer-erwerb-von-miteigentumsanteilen-von-geschwistern-aufgrund-interpolierender-betrachtung-von-par-3-nr-6-und-par-3-nr-2-satz-1-grestg\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;49\/14 &#8211; Grunderwerbsteuerbefreiung f&uuml;r Erwerb von Miteigentumsanteilen von Geschwistern aufgrund interpolierender Betrachtung von &sect; 3 Nr. 6 und &sect; 3 Nr. 2 Satz 1 GrEStG"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.12.2015, II R 49\/14<\/p>\n<p class=\"titel\">Grunderwerbsteuerbefreiung f&uuml;r Erwerb von Miteigentumsanteilen von Geschwistern aufgrund interpolierender Betrachtung von &sect; 3 Nr. 6 und &sect; 3 Nr. 2 Satz 1 GrEStG<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. &Uuml;bertr&auml;gt ein Elternteil Miteigentumsanteile an einem Grundst&uuml;ck schwenkweise auf Kinder und verpflichten sich diese dazu, anteilige Miteigentumsanteile auf sp&auml;ter geborene Geschwister zu &uuml;bertragen, kann der Erwerb dieser Geschwister aufgrund interpolierender Betrachtung nach &sect; 3 Nr. 6 i.V.m. &sect; 3 Nr. 2 Satz 1 GrEStG steuerbefreit sein.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Die interpolierende Betrachtung ist nicht durch &sect; 42 AO ausgeschlossen, wenn die &Uuml;bertragung von Miteigentumsanteilen auf sp&auml;ter geborene Geschwister auf der Intention des schenkenden Elternteils beruht, den Kindern und k&uuml;nftigen Kindern im Rahmen der vorweggenommenen Erbfolge ein Grundst&uuml;ck zu gleichen Teilen zu &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts D&uuml;sseldorf vom 16. Juli 2014&nbsp;&nbsp;7 K 1201\/14 GE wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Mit notariell beurkundetem Vertrag vom 21.&nbsp;M&auml;rz 1988 &uuml;bertrug der Vater (V) des im Oktober 1988 geborenen Kl&auml;gers und Revisionsbeklagten (Kl&auml;ger) dessen zwei Schwestern im Wege der vorweggenommenen Erbfolge Miteigentumsanteile an einem Grundst&uuml;ck zu gleichen Teilen. Die Schwestern verpflichteten sich in dem Vertrag, f&uuml;r den Fall der Geburt weiterer, ehelicher Kinder des V ihre (k&uuml;nftigen) Geschwister so zu stellen, als ob diese zu denselben Bedingungen einen Miteigentumsanteil erworben h&auml;tten. V behielt sich ein Nie&szlig;brauchsrecht an dem &uuml;bertragenen Grundst&uuml;ck vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit notariell beurkundetem Vertrag vom 27.&nbsp;Dezember 2012 &uuml;bertrugen die beiden Schwestern unter Bezugnahme auf ihre Verpflichtung aus dem Vertrag vom 21.&nbsp;M&auml;rz 1988 dem Kl&auml;ger gegen teilweise &Uuml;bernahme der Nie&szlig;brauchsverpflichtung jeweils ein Sechstel des Grundst&uuml;cks, so dass alle Geschwister Miteigent&uuml;mer zu je einem Drittel wurden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) setzte gegen den Kl&auml;ger f&uuml;r den Erwerb der Miteigentumsanteile an dem Grundst&uuml;ck durch Bescheid vom 31.&nbsp;Januar 2013 Grunderwerbsteuer in H&ouml;he von 5.958&nbsp;EUR fest. Bemessungsgrundlage war der anteilige Wert der vom Kl&auml;ger &uuml;bernommenen Nie&szlig;brauchsverpflichtung in H&ouml;he von 119.165&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhobenen Klage gab das Finanzgericht (FG) mit dem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2014, 2075 ver&ouml;ffentlichten Urteil statt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt das FA die Verletzung von &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;6 i.V.m. &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 des Grunderwerbsteuergesetzes (GrEStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet. Sie war daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Recht entschieden, dass der Erwerb der Miteigentumsanteile von den Schwestern durch den Kl&auml;ger aufgrund interpolierender Betrachtung von &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;6 i.V.m. &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 GrEStG von der Grunderwerbsteuer befreit ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Aus der Zusammenschau (Interpolation) zweier Befreiungsvorschriften kann sich eine Steuerbefreiung ergeben, die im Wortlaut der Einzelvorschriften, je f&uuml;r sich allein betrachtet, nicht zum Ausdruck kommt (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 20.&nbsp;Dezember 2011 II&nbsp;R&nbsp;42\/10, BFH\/NV 2012, 1177). Eine Steuerbefreiung aufgrund interpolierender Betrachtung kann sich insbesondere ergeben, wenn sich der tats&auml;chlich verwirklichte Grundst&uuml;ckserwerb als abgek&uuml;rzter Weg darstellt und die unterbliebenen Zwischenerwerbe, wenn sie durchgef&uuml;hrt worden w&auml;ren, ebenfalls steuerfrei w&auml;ren (BFH-Beschluss vom 11.&nbsp;August 2014 II&nbsp;B&nbsp;131\/13, BFH\/NV 2015, 5, Rz&nbsp;16, m.w.N.). Der Interpolation als Auslegungsmethode sind jedoch Schranken gesetzt. So darf diese immer nur an einen real verwirklichten, nicht aber an einen fiktiven Sachverhalt ankn&uuml;pfen. Des Weiteren darf kein Gestaltungsmissbrauch i.S. des &sect;&nbsp;42 der Abgabenordnung (AO) vorliegen (Me&szlig;bacher-H&ouml;nsch in Boruttau, Grunderwerbsteuergesetz, 17.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;3 Rz&nbsp;35&nbsp;f.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Eine Befreiung des Erwerbs der Miteigentumsanteile von den Schwestern nach &sect;&nbsp;3&nbsp;Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 GrEStG scheidet aus. Nach dieser Vorschrift sind u.a. Grundst&uuml;cksschenkungen unter Lebenden i.S. des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes (ErbStG) von der Grunderwerbsteuer befreit. Dadurch soll verhindert werden, dass ein Vorgang sowohl der Schenkungsteuer als auch der Grunderwerbsteuer unterliegt (Me&szlig;bacher-H&ouml;nsch in Boruttau, a.a.O., &sect;&nbsp;3 Rz&nbsp;98). &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 GrEStG setzt voraus, dass zivilrechtlich und schenkungsteuerrechtlich Gegenstand der Schenkung ein Grundst&uuml;ck ist und sich der Grundst&uuml;ckserwerb zwischen Schenker und Bedachtem vollzieht (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2015, 5, Rz&nbsp;12).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall sind diese Voraussetzungen f&uuml;r den Erwerb des Kl&auml;gers nicht erf&uuml;llt. Eine Schenkung der Schwestern an den Kl&auml;ger liegt nicht vor. Die &Uuml;bertragung der Miteigentumsanteile durch die Schwestern erfolgte nicht freigebig, sondern zur Erf&uuml;llung der Auflage aus dem notariellen Vertrag vom 21.&nbsp;M&auml;rz 1988. Schenkungsteuerrechtlich ist V als Zuwendender i.S. des &sect;&nbsp;7 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 ErbStG anzusehen, weil die Schwestern ihm gegen&uuml;ber zur &Uuml;bertragung der Miteigentumsanteile auf den Kl&auml;ger verpflichtet waren (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2015, 5, Rz&nbsp;13, m.w.N.). V hatte die Zuwendungen der h&auml;lftigen Miteigentumsanteile an die Schwestern im Vertrag vom 21.&nbsp;M&auml;rz 1988 mit der aufschiebend bedingten Verpflichtung verbunden, anteilige Miteigentumsanteile auf k&uuml;nftige Geschwister zu &uuml;bertragen. Schenker ist nicht der mit der Auflage Beschwerte, sondern derjenige, der dem mit der Auflage Beschwerten die Zuwendung macht (vgl. BFH-Urteil vom 17.&nbsp;Februar 1993 II&nbsp;R&nbsp;72\/90, BFHE 171, 316, BStBl II 1993, 523).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Befreiung des Erwerbs des Kl&auml;gers nach &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 GrEStG kommt trotz der schenkungsteuerrechtlich vorliegenden Zuwendung des V an den Kl&auml;ger nicht in Betracht. V hat nicht selbst die Miteigentumsanteile &uuml;bertragen und war damit nicht an dem der Grunderwerbsteuer unterliegenden Rechtsvorgang beteiligt. Der Grundst&uuml;ckserwerb vollzog sich deshalb nicht zwischen dem Schenker und dem Bedachten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Eine Befreiung des Erwerbs der Miteigentumsanteile nach &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 GrEStG scheidet ebenfalls aus. Der Kl&auml;ger und seine Schwestern sind nicht Verwandte in gerader Linie, sondern als Geschwister in der Seitenlinie verwandt (&sect;&nbsp;1589 Satz&nbsp;2 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs &#8211;BGB&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die Steuerbefreiung des Erwerbs ergibt sich aufgrund interpolierender Betrachtung nach &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;6 und &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 GrEStG. Die &Uuml;bertragung der von V zugewendeten Miteigentumsanteile der Schwestern auf den Kl&auml;ger stellt sich als abgek&uuml;rzter Weg einer freigebigen Zuwendung des V an den Kl&auml;ger dar. Eine &Uuml;bertragung der Miteigentumsanteile von jeweils einem Sechstel von den Schwestern auf V w&auml;re nach &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 GrEStG &#8211;und gegebenenfalls auch nach &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 GrEStG&#8211; steuerfrei gewesen. Die anschlie&szlig;ende &Uuml;bertragung dieser Miteigentumsanteile von V auf den Kl&auml;ger w&auml;re nach &sect;&nbsp;3&nbsp;Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 GrEStG von der Grunderwerbsteuer befreit gewesen. Diese interpolierende Betrachtung kn&uuml;pft an den real verwirklichten Sachverhalt der &Uuml;bertragung der Miteigentumsanteile von den Schwestern auf den Kl&auml;ger an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Die Anwendung der Steuerbefreiungen aufgrund interpolierender Betrachtung ist nicht durch &sect;&nbsp;42 AO ausgeschlossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Ein Gestaltungsmissbrauch i.S. des &sect;&nbsp;42 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 und Abs.&nbsp;2 AO kann vorliegen, wenn bei einer beabsichtigten Grundst&uuml;cks&uuml;bertragung zwischen Geschwistern die Grundst&uuml;cke zun&auml;chst auf die Eltern &uuml;bertragen werden, um eine Steuerbefreiung nach &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;6 GrEStG zu erreichen (vgl. BFH-Urteil vom 30.&nbsp;November 1960 II&nbsp;154\/59&nbsp;U, BFHE 72, 54, BStBl III 1961, 21), und hierf&uuml;r kein au&szlig;erhalb der Steuerersparnis liegender beachtlicher Grund vorhanden ist (vgl. BFH-Urteil vom 18.&nbsp;Dezember 1963 II&nbsp;198\/61, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung 1964, 246; Pahlke, GrEStG, 5.&nbsp;Aufl., Vorb &sect;&sect;&nbsp;3 bis 7 Rz&nbsp;11).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Ein solcher Gestaltungsmissbrauch liegt im Streitfall jedoch nicht vor. Ein au&szlig;erhalb der Steuerersparnis liegender beachtlicher Grund f&uuml;r die gew&auml;hlte Gestaltung ergibt sich vorliegend daraus, dass der Kl&auml;ger im Zeitpunkt des notariellen Vertragsabschlusses am 21.&nbsp;M&auml;rz 1988 &#8211;anders als die Schwestern&#8211; mangels Rechtsf&auml;higkeit nicht im Rahmen einer Schenkung ber&uuml;cksichtigt werden konnte. Nach &sect;&nbsp;1923 Abs.&nbsp;2 BGB gilt derjenige, der zur Zeit des Erbfalls noch nicht lebte, aber bereits gezeugt war, als vor dem Erbfall geboren (Erbf&auml;higkeit des nasciturus, vgl. Palandt\/Weidlich, BGB, 75.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;1923 Rz&nbsp;6). Eine dem &sect;&nbsp;1923 Abs.&nbsp;2 BGB entsprechende Regelung f&uuml;r Schenkungen gibt es jedoch nicht. Daher konnte der Kl&auml;ger nur dadurch in die vertraglichen Regelungen einbezogen werden, dass V den Schwestern das Grundst&uuml;ck mit der Auflage schenkte, dem Kl&auml;ger nach dessen Geburt einen entsprechenden Miteigentumsanteil zu &uuml;bertragen. Nach dem Vertrag vom 21.&nbsp;M&auml;rz 1988 war von Anfang an eine Grundst&uuml;cks&uuml;bertragung von V auf dessen Kinder und k&uuml;nftige Kinder zu gleichen Teilen geplant. Der gew&auml;hlten Gestaltung lag damit die au&szlig;ersteuerliche Intention zugrunde, alle Kinder im Rahmen der vorweggenommenen Erbfolge gleichm&auml;&szlig;ig zu ber&uuml;cksichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Zudem ist von der Rechtsprechung anerkannt, dass sich im Rahmen der Gestaltung einer vorweggenommenen Erbfolge ein beachtlicher Grund f&uuml;r die gew&auml;hlte Gestaltung aus dem Interesse eines Elternteils ergeben kann, gegen&uuml;ber einem beg&uuml;nstigten Kind selbst als Schenker aufzutreten (BFH-Urteil in BFHE 72, 54, BStBl III 1961, 21; BFH-Beschluss in BFH\/NV 2015, 5, Rz&nbsp;18). So ist es hier, da es sich bei dem Vertrag vom 21.&nbsp;M&auml;rz 1988 um eine Regelung zur Vorwegnahme der Erbfolge handelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.12.2015, II R 49\/14 Grunderwerbsteuerbefreiung f&uuml;r Erwerb von Miteigentumsanteilen von Geschwistern aufgrund interpolierender Betrachtung von &sect; 3 Nr. 6 und &sect; 3 Nr. 2 Satz 1 GrEStG Leits&auml;tze 1. &Uuml;bertr&auml;gt ein Elternteil Miteigentumsanteile an einem Grundst&uuml;ck schwenkweise auf Kinder und verpflichten sich diese dazu, anteilige Miteigentumsanteile auf sp&auml;ter geborene Geschwister zu &uuml;bertragen, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-49-14-grunderwerbsteuerbefreiung-fuer-erwerb-von-miteigentumsanteilen-von-geschwistern-aufgrund-interpolierender-betrachtung-von-par-3-nr-6-und-par-3-nr-2-satz-1-grestg\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">II&nbsp;R&nbsp;49\/14 &#8211; Grunderwerbsteuerbefreiung f&uuml;r Erwerb von Miteigentumsanteilen von Geschwistern aufgrund interpolierender Betrachtung von &sect; 3 Nr. 6 und &sect; 3 Nr. 2 Satz 1 GrEStG<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-65967","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65967","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65967"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65967\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65967"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65967"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65967"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}