{"id":6597,"date":"2012-11-30T16:11:08","date_gmt":"2012-11-30T14:11:08","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=6597"},"modified":"2012-11-30T16:11:08","modified_gmt":"2012-11-30T14:11:08","slug":"iii-b-187-10-kindergeld-fuer-ein-kind-das-alg-ii-bezieht-und-ein-kleinkind-allein-erzieht-zeitlicher-massstab-bei-der-pruefung-des-vorliegens-von-revisionszulassungsgruenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-187-10-kindergeld-fuer-ein-kind-das-alg-ii-bezieht-und-ein-kleinkind-allein-erzieht-zeitlicher-massstab-bei-der-pruefung-des-vorliegens-von-revisionszulassungsgruenden\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;187\/10 &#8211; Kindergeld f&uuml;r ein Kind, das ALG II bezieht und ein Kleinkind allein erzieht &#8211; Zeitlicher Ma&szlig;stab bei der Pr&uuml;fung des Vorliegens von Revisionszulassungsgr&uuml;nden"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.12.2011, III B 187\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Kindergeld f&uuml;r ein Kind, das ALG II bezieht und ein Kleinkind allein erzieht &#8211; Zeitlicher Ma&szlig;stab bei der Pr&uuml;fung des Vorliegens von Revisionszulassungsgr&uuml;nden<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die im April 1990 geborene Tochter des Kl&auml;gers und Beschwerdef&uuml;hrers (Kl&auml;ger) unterbrach Mitte Oktober 2008 ihre Ausbildung wegen Schwangerschaft und Erziehungsurlaub. Nachdem der Mutterschutz am 26. Mai 2009 geendet hatte, entschied sie sich, ihre Ausbildung zum Schuljahr 2009\/10 nicht fortzusetzen, sondern die Erziehungszeit zu verl&auml;ngern. Sie erhielt ab dem 9. M&auml;rz 2009 Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In einem Beratungsgespr&auml;ch bei der Arbeitsvermittlung der Agentur f&uuml;r Arbeit am 10. M&auml;rz 2009 teilte sie mit, dass sie ihre Ausbildung nicht beenden k&ouml;nne, da diese nur ein Jahr unterbrochen werden d&uuml;rfe. Sie wolle ein Jahr in Erziehungszeit bleiben. Daraufhin wurde sie an die zust&auml;ndige ARGE verwiesen, wo sie am 12. M&auml;rz 2009 in einem Beratungsgespr&auml;ch bei der dortigen Arbeitsvermittlung ebenfalls ank&uuml;ndigte, ein Jahr zu Hause bleiben zu wollen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Bescheid vom 26. M&auml;rz 2009 hob die Beklagte und Beschwerdegegnerin (Familienkasse) das f&uuml;r die Tochter festgesetzte Kindergeld ab Juni 2009 auf und wies den dagegen gerichteten Einspruch als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Klageverfahren legte der Kl&auml;ger eine Best&auml;tigung der zust&auml;ndigen ARGE vom 30. M&auml;rz 2010 vor, wonach die Tochter &quot;seit dem 16.10.2008 mit zwischenzeitlicher Erziehungszeit arbeitssuchend gemeldet ist&quot;. Auf R&uuml;ckfrage teilte die ARGE mit, f&uuml;r den Zeitraum ab Juni 2009 keine Arbeitsuchendmeldung der Tochter best&auml;tigen zu k&ouml;nnen, da diese &quot;unter &sect; 10 SGB II\/weitere Sondertatbest&auml;nde (Allein-)Erziehende mit Kind unter drei Jahren&quot; gef&uuml;hrt werde. Die Tochter habe zwar im Dezember 2009, im Januar 2010 und im M&auml;rz 2010 Beratungstermine wahrgenommen. Eine Vermittlung sei aber wegen fehlender Kinderbetreuung (durch einen Dritten) nicht m&ouml;glich gewesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Klage hatte keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Begr&uuml;ndung der Nichtzulassungsbeschwerde tr&auml;gt der Kl&auml;ger vor, die Rechtssache habe grunds&auml;tzliche Bedeutung und erfordere eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) sowohl zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung als auch zur Fortbildung des Rechts. Seien Kinder i.S. von &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) als Arbeitsuchende gemeldet, dann br&auml;uchten die weiteren Merkmale einer Arbeitslosigkeit wie Eigenbem&uuml;hungen und Verf&uuml;gbarkeit nicht vorzuliegen; das Vorliegen der Voraussetzungen der &sect;&sect; 118 ff. des Dritten Buches Sozialgesetzbuch (SGB III) werde typisierend unterstellt. Davon sei das Urteil des Finanzgerichts (FG) abgewichen, da es die Tochter nicht als arbeitsuchend angesehen habe, weil sie der Vermittlung nicht zur Verf&uuml;gung gestanden habe. Das FG habe auch nicht beachtet, dass die Agentur f&uuml;r Arbeit die Vermittlung bei fehlender Mitwirkung des Kindes nicht einstellen d&uuml;rfe, wenn Leistungen zum Ersatz von Arbeitsentgelt bezogen w&uuml;rden (&sect; 38 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 SGB III).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet und durch Beschluss zur&uuml;ck-zuweisen (&sect; 116 Abs. 5 Satz 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Sache hat weder grunds&auml;tzliche Bedeutung (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO) noch erfordert sie eine Entscheidung des BFH zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung oder zur Fortbildung des Rechts (&sect; 115 Abs. 2 Nr. 2 FGO), da die ma&szlig;geblichen Rechtsfragen durch das Senatsurteil vom 22. September 2011 III R 78\/08 (juris) bereits gekl&auml;rt sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Bezug von Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem SGB II f&uuml;hrt danach nicht dazu, dass das Kind als arbeitsuchend gemeldet anzusehen ist. Erwerbsf&auml;hige Hilfeempf&auml;nger trifft zwar eine Obliegenheit zur Arbeitsuche (&sect; 2 SGB II), diese beschr&auml;nkt sich indes auf die zumutbare Arbeit. Da die Tochter des Kl&auml;gers erst im Januar 2009 selbst Mutter geworden war, war ihr die Aus&uuml;bung einer Arbeit im Streitzeitraum nicht ohne weiteres zumutbar (&sect; 10 Abs. 1 Nr. 3 SGB II). Die f&uuml;r die Grundsicherung f&uuml;r Arbeit zust&auml;ndige Stelle &#8211;im Streitfall die ARGE&#8211; erbringt trotz Zahlung von ALG II keine Vermittlung als Leistung zur Eingliederung, wenn dem Hilfeempf&auml;nger eine Arbeitsaufnahme aufgrund seiner famili&auml;ren Situation nicht zumutbar ist und dieser eine Vermittlung auch nicht von sich aus beansprucht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dieses Ergebnis steht im Einklang mit der Rechtsprechung, nach der ein Kind nicht nach &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td>oder c EStG zu ber&uuml;cksichtigen ist, wenn es die Berufsausbildung zum Zwecke der Betreuung des eigenen Kindes unterbricht oder aus diesem Grunde ernsthafte Bem&uuml;hungen um einen Ausbildungsplatz unterbleiben (BFH-Urteile vom 15. Juli 2003 VIII R 47\/02, BFHE 203, 106, BStBl II 2003, 848; vom 24. September 2009 III R 83\/08, BFH\/NV 2010, 619). Entscheidet das Kind, sich zugunsten der Betreuung des eigenen Kindes vorerst nicht dem Arbeitsmarkt zur Verf&uuml;gung zu stellen, ist es auch bei ungek&uuml;rztem Bezug von ALG II nicht nach &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 EStG zu ber&uuml;cksichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Ma&szlig;geblich f&uuml;r das Vorliegen der Revisionszulassungsgr&uuml;nde sind grunds&auml;tzlich die Verh&auml;ltnisse im Zeitpunkt der Entscheidung &uuml;ber die Nichtzulassungsbeschwerde (Gr&auml;ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., &sect; 116 Rz 61, m.w.N.). Daher ist unerheblich, ob die Beschwerde vor dem 22. September 2011, d.h. vor der Entscheidung des Senats in der Sache III R 78\/08, begr&uuml;ndet gewesen w&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.12.2011, III B 187\/10 Kindergeld f&uuml;r ein Kind, das ALG II bezieht und ein Kleinkind allein erzieht &#8211; Zeitlicher Ma&szlig;stab bei der Pr&uuml;fung des Vorliegens von Revisionszulassungsgr&uuml;nden Tatbestand 1&nbsp; I. Die im April 1990 geborene Tochter des Kl&auml;gers und Beschwerdef&uuml;hrers (Kl&auml;ger) unterbrach Mitte Oktober 2008 ihre Ausbildung wegen Schwangerschaft und Erziehungsurlaub. Nachdem &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-187-10-kindergeld-fuer-ein-kind-das-alg-ii-bezieht-und-ein-kleinkind-allein-erzieht-zeitlicher-massstab-bei-der-pruefung-des-vorliegens-von-revisionszulassungsgruenden\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">III&nbsp;B&nbsp;187\/10 &#8211; Kindergeld f&uuml;r ein Kind, das ALG II bezieht und ein Kleinkind allein erzieht &#8211; Zeitlicher Ma&szlig;stab bei der Pr&uuml;fung des Vorliegens von Revisionszulassungsgr&uuml;nden<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-6597","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6597","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6597"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6597\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6597"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6597"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6597"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}