{"id":6608,"date":"2012-11-30T16:11:14","date_gmt":"2012-11-30T14:11:14","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=6608"},"modified":"2012-11-30T16:11:14","modified_gmt":"2012-11-30T14:11:14","slug":"iii-r-65-10-beruecksichtigungsfaehigkeit-eines-kindes-trotz-ausgeuebter-vollzeiterwerbstaetigkeit-vertrauensschutz-bei-aenderung-von-bescheiden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-65-10-beruecksichtigungsfaehigkeit-eines-kindes-trotz-ausgeuebter-vollzeiterwerbstaetigkeit-vertrauensschutz-bei-aenderung-von-bescheiden\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;65\/10 &#8211; Ber&uuml;cksichtigungsf&auml;higkeit eines Kindes trotz ausge&uuml;bter Vollzeiterwerbst&auml;tigkeit &#8211; Vertrauensschutz bei &Auml;nderung von Bescheiden"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 22.12.2011, III R 65\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Ber&uuml;cksichtigungsf&auml;higkeit eines Kindes trotz ausge&uuml;bter Vollzeiterwerbst&auml;tigkeit &#8211; Vertrauensschutz bei &Auml;nderung von Bescheiden<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) ist die Mutter eines im Mai 1988 geborenen Sohnes (S). Dieser beendete im Februar 2008 seine Ausbildung im Fach Elektroniker\/Energie- und Geb&auml;udetechnik. Unmittelbar anschlie&szlig;end bewarb er sich um eine Schulausbildung an der Fachoberschule Technik und erhielt einen Schulplatz f&uuml;r das Schuljahr 2008\/2009. Ab September 2008 nahm er diese Ausbildung auf. In der Zwischenzeit, d.h. von M&auml;rz 2008 bis August 2008, war er in seinem bisherigen Ausbildungsbetrieb vollzeiterwerbst&auml;tig. Bezogen auf das gesamte Kalenderjahr 2008 &uuml;berschritten seine Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge den Jahresgrenzbetrag von 7.680 EUR, bezogen auf die Monate Januar und Februar 2008 sowie September bis Dezember 2008 unterschritten sie den (anteiligen) Jahresgrenzbetrag.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Hinblick auf das voraussichtliche Ende der Berufsausbildung hatte die Beklagte und Revisionskl&auml;gerin (Familienkasse) im M&auml;rz 2006 Kindergeld zun&auml;chst bis einschlie&szlig;lich Februar 2008 festgesetzt. Im September 2008 hob die Familienkasse die Festsetzung von Kindergeld f&uuml;r die Monate Januar und Februar 2008 auf und lehnte den zwischenzeitlich gestellten Antrag der Kl&auml;gerin auf Festsetzung von Kindergeld ab September 2008 ab, da S im gesamten Kalenderjahr 2008 als Kind zu ber&uuml;cksichtigen sei, seine voraussichtlichen Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge in dieser Zeit aber den Jahresgrenzbetrag &uuml;berschreiten w&uuml;rden. Den hiergegen gerichteten Einspruch der Kl&auml;gerin wies sie im Oktober 2008 zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der Klage, mit der die Kl&auml;gerin Kindergeld f&uuml;r S f&uuml;r die Monate Januar und Februar 2008 sowie f&uuml;r September bis Dezember 2008 begehrte, mit dem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2009, 1403 ver&ouml;ffentlichten Urteil statt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Revision r&uuml;gt die Familienkasse eine unzutreffende Auslegung des &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. c des Einkommensteuergesetzes in der im Streitzeitraum geltenden Fassung (EStG) und nimmt u.a. auf das Senatsurteil vom 17. Juni 2010 III R 34\/09 (BFHE 230, 61, BStBl II 2010, 982) Bezug.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sie beantragt, das Urteil des FG aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>S habe sich noch im Februar 2008 um einen Schulplatz an der Fachoberschule bewerben m&uuml;ssen, um die Bewerbungsfrist einzuhalten. Unmittelbar nach Beendigung der Ausbildung habe er noch nicht gewusst, ob er ein Fachabitur machen sollte, um anschlie&szlig;end zu studieren, oder im Ausbildungsberuf arbeiten sollte, um nach einer angemessenen Gesellenzeit die Meisterschule zu besuchen. Um sich die Option &quot;Studium&quot; offen zu halten, habe er sich bei der Fachoberschule beworben. Die Ber&uuml;cksichtigung des S als Kind auch in den Monaten M&auml;rz bis August 2008 f&uuml;hre zu einem nicht hinnehmbaren Ergebnis im Vergleich zu demjenigen, der sich kurzfristig entscheide, eine Schulausbildung aufzunehmen, sich versp&auml;tet bewerbe und im Nachr&uuml;ckverfahren einen Platz erhalte. Zudem sei das Vertrauen der Kl&auml;gerin schutzw&uuml;rdig. Nach der im Zeitpunkt der Entscheidung der Familienkasse im September 2008 noch geltenden st&auml;ndigen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs sei ein Kind w&auml;hrend der Monate einer Vollzeiterwerbst&auml;tigkeit nicht als Kind zu ber&uuml;cksichtigen gewesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision der Familienkasse ist hinsichtlich der Monate September bis Dezember 2008 begr&uuml;ndet (unten 1.). Insoweit f&uuml;hrt die Revision zur Aufhebung des angegriffenen Urteils und zur Abweisung der Klage, da die Familienkasse den Antrag der Kl&auml;gerin, ihr f&uuml;r diese Monate Kindergeld zu gew&auml;hren, zu Recht abgelehnt hat (&sect; 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Hinsichtlich der Monate Januar und Februar 2008 ist die Revision der Familienkasse als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen (&sect; 126 Abs. 2 FGO). Denn die Familienkasse war zu einer (r&uuml;ckwirkenden) Aufhebung der bestandskr&auml;ftigen Festsetzung f&uuml;r diese Monate nicht berechtigt (unten 2.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. F&uuml;r ein &uuml;ber 18 Jahre altes Kind, das, wie S in 2008, das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, besteht nach &sect; 62 Abs. 1, &sect; 63 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2, &sect; 32 Abs. 4 Satz 2 EStG u.a. dann Anspruch auf Kindergeld, wenn das Kind f&uuml;r einen Beruf ausgebildet wird (&sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG) oder eine Berufsausbildung mangels Ausbildungsplatzes nicht beginnen oder fortsetzen kann (&sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. c EStG) und seine zur Bestreitung des Unterhalts oder der Berufsausbildung bestimmten oder geeigneten Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge 7.680 EUR im Kalenderjahr nicht &uuml;bersteigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) In Berufsausbildung i.S. des &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG befindet sich, wer sein Berufsziel noch nicht erreicht hat, sich aber ernsthaft und nachhaltig darauf vorbereitet (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. Senatsurteil vom 24. Februar 2010 III R 3\/08, BFH\/NV 2010, 1262). Nach &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. c EStG ist ein Kind zu ber&uuml;cksichtigen, wenn es eine Berufsausbildung mangels Ausbildungsplatzes nicht beginnen oder fortsetzen kann. Das ist nicht nur dann der Fall, wenn das Kind noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, sondern auch dann, wenn ihm ein Ausbildungsplatz bereits zugesagt wurde, es diesen aber aus schul-, studien- oder betriebsorganisatorischen Gr&uuml;nden erst zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt antreten kann (z.B. Senatsurteil in BFHE 230, 61, BStBl II 2010, 982).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Danach geht das FG zun&auml;chst zutreffend davon aus, dass S im gesamten Kalenderjahr 2008 die Voraussetzungen eines Ber&uuml;cksichtigungstatbestands nach &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 EStG erf&uuml;llt hat. In den Monaten Januar und Februar 2008 (Ausbildung im Fach Elektroniker\/Energie- und Geb&auml;udetechnik) und in den Monaten September bis Dezember 2008 (Schulausbildung an der Fachoberschule Technik) wurde er i.S. des &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG f&uuml;r einen Beruf ausgebildet. In den Monaten M&auml;rz bis August 2008 war er als Kind nach &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. c EStG zu ber&uuml;cksichtigen, denn er hatte sich nach den bindenden Feststellungen des FG (&sect; 118 Abs. 2 FGO) unmittelbar im Anschluss an den Abschluss seiner (ersten) Berufsausbildung auf einen Schulplatz an der Fachoberschule f&uuml;r Technik beworben und erst zum September 2008 eine Zusage erhalten. Anhaltspunkte daf&uuml;r, dass S gleichwohl in der Zeit von M&auml;rz bis August 2008 nicht ausbildungswillig gewesen ist, hat das FG nicht festgestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Entgegen der Auffassung des FG wird der Tatbestand des &sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. c EStG jedoch nicht dadurch ausgeschlossen, dass S in den danach auch zu ber&uuml;cksichtigenden Monaten M&auml;rz bis August 2008 einer Vollzeiterwerbst&auml;tigkeit nachging. Insoweit verweist der Senat zur weiteren Begr&uuml;ndung auf sein Urteil in BFHE 230, 61, BStBl II 2010, 982. Danach stand die Vollzeiterwerbst&auml;tigkeit des S seiner Ber&uuml;cksichtigung als Kind i.S. des &sect; 32 Abs. 4 EStG nicht entgegen. Bei der Frage, ob der Grenzbetrag &uuml;berschritten ist, sind daher auch die Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge aus den Monaten M&auml;rz bis August 2008 einzubeziehen. Nach den bindenden Feststellungen des FG (&sect; 118 Abs. 2 FGO) &uuml;berschritten die Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge des S im Kalenderjahr 2008 den ma&szlig;geblichen Grenzbetrag des &sect; 32 Abs. 4 Satz 2 EStG, so dass der Kl&auml;gerin auch f&uuml;r die Monate Januar und Februar sowie f&uuml;r September bis Dezember 2008 kein Anspruch auf Kindergeld zustand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ohne Erfolg beruft sich die Kl&auml;gerin darauf, dass sie insoweit schlechter gestellt werde als die Eltern eines Kindes, das sich erst kurzfristig zur Aufnahme einer weiteren Ausbildung entscheide, sich versp&auml;tet bewerbe und erst im Nachr&uuml;ckverfahren einen Ausbildungsplatz erhalte. Die Erf&uuml;llung eines Ber&uuml;cksichtigungstatbestands kann f&uuml;r den einzelnen Kindergeldberechtigten je nach dem konkreten Einzelfall unterschiedliche Auswirkungen haben. So w&auml;re die Kl&auml;gerin in dem von ihr gebildeten Fall beg&uuml;nstigt, wenn die Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge ihres Sohnes bezogen auf den gesamten Ber&uuml;cksichtigungszeitraum den ma&szlig;geblichen Grenzbetrag nicht &uuml;berschreiten w&uuml;rden; denn anders als die Eltern des Kindes, das sich erst kurzfristig um den weiteren Ausbildungsplatz bewirbt, erhielte sie f&uuml;r eine l&auml;ngere Wartezeit Kindergeld.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Die Familienkasse war auch aus Vertrauensschutzgesichtspunkten nicht daran gehindert, im September 2008 den Kindergeldantrag der Kl&auml;gerin f&uuml;r die Monate ab September 2008 abzulehnen. Ein entsprechender Vertrauensschutz ergibt sich insbesondere nicht aus &sect; 176 der Abgabenordnung. Diese Vorschrift sch&uuml;tzt nicht das Vertrauen des Steuerpflichtigen in eine ihm g&uuml;nstige Gesetzgebung, Rechtsprechung oder Verwaltungsanweisung, sondern das Vertrauen in die Bestandskraft von Steuerbescheiden, soweit sie auf einer solchen Gesetzgebung, Rechtsprechung oder Verwaltungsanweisung beruhen (z.B. Senatsurteil vom 28. November 2006 III R 6\/06, BFHE 216, 138, BStBl II 2007, 717). Sie ist deshalb bei Erstbescheiden &#8211;hier: die (abgelehnte) erstmalige Festsetzung von Kindergeld ab September 2008&#8211; von vornherein nicht anwendbar (z.B. Klein\/ R&uuml;sken, AO, 10. Aufl., &sect; 176 Rz 1, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Im Ergebnis zu Recht hat das FG allerdings den Bescheid der Familienkasse vom 24. September 2008 und die hierzu ergangene Einspruchsentscheidung vom 23. Oktober 2008 aufgehoben, soweit die Familienkasse damit die f&uuml;r Januar und Februar 2008 bereits bestandskr&auml;ftige Festsetzung von Kindergeld aufgehoben hat. Denn die verfahrensrechtlichen Voraussetzungen f&uuml;r eine Aufhebung lagen nicht vor (vgl. Senatsurteil vom 21. Oktober 2010 III R 74\/09, BFH\/NV 2011, 250).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Insbesondere kam eine Korrektur der Festsetzung nach &sect; 70 Abs. 4 EStG nicht in Betracht. Denn im Streitfall haben sich nach den Feststellungen des FG hinsichtlich des Betrages der Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge keine tats&auml;chlichen &Auml;nderungen gegen&uuml;ber den Annahmen in der Prognose ergeben. Vielmehr hat sich im Jahr 2008 allein die Rechtsauffassung der Verwaltung zur Ber&uuml;cksichtigungsf&auml;higkeit von Kindern, die w&auml;hrend des Wartens auf einen Ausbildungsplatz (&sect; 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. c EStG) einer Vollzeiterwerbst&auml;tigkeit nachgehen, mit der Folge ge&auml;ndert, dass die Eink&uuml;nfte aus der Vollzeiterwerbst&auml;tigkeit bei der Pr&uuml;fung der Grenzbetrags&uuml;berschreitung einzubeziehen sind. Eine derartige &Auml;nderung der Rechtsauffassung gen&uuml;gt allein aber nicht, um eine Korrektur der Festsetzung gem&auml;&szlig; &sect; 70 Abs. 4 EStG zu rechtfertigen. Auch andere &Auml;nderungsvorschriften greifen nicht ein. Zur weiteren Begr&uuml;ndung wird auf das Urteil in BFH\/NV 2011, 250 Bezug genommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Klarstellend weist der Senat darauf hin, dass der Anwendungsbereich des &sect; 70 Abs. 4 EStG dann wieder er&ouml;ffnet ist, wenn nicht allein die Einbeziehung der Eink&uuml;nfte aus der Vollzeiterwerbst&auml;tigkeit in Folge ge&auml;nderter Rechtsauffassung zur nachtr&auml;glichen Feststellung der Grenzbetrags&uuml;berschreitung f&uuml;hrt, sondern sich zus&auml;tzlich tats&auml;chliche &Auml;nderungen hinsichtlich des Betrages der Eink&uuml;nfte und Bez&uuml;ge ergeben &#8211;z.B. durch eine bei Erlass der Prognoseentscheidung nicht absehbare Nebenerwerbst&auml;tigkeit des Kindes, die parallel zu einer avisierten Ausbildung an einer Schule oder Hochschule aufgenommen wird&#8211; und diese tats&auml;chlichen &Auml;nderungen bereits f&uuml;r sich genommen die nachtr&auml;gliche Feststellung der &Uuml;berschreitung des (anteiligen) Grenzbetrages erm&ouml;glicht h&auml;tten. Das Vorliegen eines solchen Sachverhalts hat das FG indes nicht festgestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 22.12.2011, III R 65\/10 Ber&uuml;cksichtigungsf&auml;higkeit eines Kindes trotz ausge&uuml;bter Vollzeiterwerbst&auml;tigkeit &#8211; Vertrauensschutz bei &Auml;nderung von Bescheiden Tatbestand 1&nbsp; I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) ist die Mutter eines im Mai 1988 geborenen Sohnes (S). Dieser beendete im Februar 2008 seine Ausbildung im Fach Elektroniker\/Energie- und Geb&auml;udetechnik. 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