{"id":66117,"date":"2017-01-18T12:43:11","date_gmt":"2017-01-18T10:43:11","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=66117"},"modified":"2017-01-18T12:43:47","modified_gmt":"2017-01-18T10:43:47","slug":"vii-r-3-15-umfang-der-haftung-nach-par-69-ao-ivm-par-34-abs-1-ao-kausalzusammenhang-zwischen-schuldhafter-pflichtverletzung-und-steuerausfall-hypothetischer-kausalverlauf-legitimation-des-haftungsrech","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-3-15-umfang-der-haftung-nach-par-69-ao-ivm-par-34-abs-1-ao-kausalzusammenhang-zwischen-schuldhafter-pflichtverletzung-und-steuerausfall-hypothetischer-kausalverlauf-legitimation-des-haftungsrech\/","title":{"rendered":"VII&nbsp;R&nbsp;3\/15 &#8211; Umfang der Haftung nach &sect; 69 AO i.V.m. &sect; 34 Abs. 1 AO &#8211; Kausalzusammenhang zwischen schuldhafter Pflichtverletzung und Steuerausfall &#8211; Hypothetischer Kausalverlauf &#8211; Legitimation des haftungsrechtlichen Zugriffs auf gesetzliche Vertreter und Verf&uuml;gungsberechtigte"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 26.1.2016, VII R 3\/15<\/p>\n<p class=\"titel\">Umfang der Haftung nach &sect; 69 AO i.V.m. &sect; 34 Abs. 1 AO &#8211; Kausalzusammenhang zwischen schuldhafter Pflichtverletzung und Steuerausfall &#8211; Hypothetischer Kausalverlauf &#8211; Legitimation des haftungsrechtlichen Zugriffs auf gesetzliche Vertreter und Verf&uuml;gungsberechtigte<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Finanzamts wird das Urteil des Finanzgerichts K&ouml;ln vom 6. November 2014&nbsp;&nbsp;13 K 1065\/13 dahingehend ge&auml;ndert, dass die Klage auch hinsichtlich der Voranmeldungs-Zeitr&auml;ume September und Oktober 2011 abgewiesen wird.<\/p>\n<\/p>\n<p>Soweit das Finanzamt die Revision zur&uuml;ckgenommen hat, wird das Revisionsverfahren eingestellt.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens tragen das Finanzamt und die Kl&auml;ger je zur H&auml;lfte.<\/p>\n<\/p>\n<p>Von den Kosten des Revisionsverfahrens bis zum 2. April 2015 tragen das Finanzamt 40 % und die Kl&auml;ger 60 %, ab diesem Zeitpunkt tragen die Kl&auml;ger die Kosten des Revisionsverfahrens.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;ger und Revisionsbeklagten (Kl&auml;ger) waren im Jahr 2011 jeweils Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer einer GmbH, die im selben Jahr Komplement&auml;rin und Gesch&auml;ftsf&uuml;hrerin einer inzwischen nach Insolvenz aufgel&ouml;sten GmbH &#038; Co.&nbsp;KG (KG) war. F&uuml;r den Voranmeldungszeitraum Juli 2011 war die KG aufgrund einer Dauerfristverl&auml;ngerung nach &sect;&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 und 6 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) zur Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung bis zum 10.&nbsp;September 2011 verpflichtet. Mit fristgerecht eingegangener Umsatzsteuervoranmeldung Juli 2011 meldete sie eine Umsatzsteuerzahllast in H&ouml;he von 10.079,09&nbsp;EUR an. Sie beglich diesen Betrag zun&auml;chst durch mehrere Teilzahlungen am 11., 14. und 21.&nbsp;Oktober 2011. Im Rahmen einer im Jahr 2011 bei der KG durchgef&uuml;hrten Umsatzsteuersonderpr&uuml;fung f&uuml;r die Monate November 2010 bis August 2011 wurden Abweichungen zwischen angemeldeten Umsatzsteuerbetr&auml;gen, Vorsteuer sowie Bauleistungen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;13b UStG und der Buchf&uuml;hrung festgestellt, die aus Vereinfachungsgr&uuml;nden im Voranmeldungszeitraum August 2011 erfasst worden sind. Die Feststellungen f&uuml;hrten zu Mehrsteuern in H&ouml;he von 6.490,61&nbsp;EUR. Inzwischen ist unstreitig, dass ein zun&auml;chst dem Voranmeldungszeitraum August 2011 zugeordneter Betrag von 504,26&nbsp;EUR in die Monate Februar bis Mai 2011 f&auml;llt. Insgesamt wird f&uuml;r den Voranmeldungszeitraum August 2011 nunmehr ein Betrag von 16.755,90&nbsp;EUR geschuldet, den die KG zun&auml;chst mit Zahlungen vom 21.&nbsp;Oktober und 17.&nbsp;November 2011 beglichen hat. F&uuml;r die Voranmeldungszeitr&auml;ume September und Oktober 2011 bestehen aufgrund fristgerechter Umsatzsteuervoranmeldungen Steuerschulden in H&ouml;he von 11.335,44&nbsp;EUR bzw. 13.908,38&nbsp;EUR. Mit Beschluss des Amtsgerichts vom 3.&nbsp;Januar 2012 wurde aufgrund des am selben Tag gestellten Insolvenzantrags ein vorl&auml;ufiger Insolvenzverwalter mit Verf&uuml;gungsbefugnis &uuml;ber das Verm&ouml;gen der KG bestellt. Das Insolvenzverfahren wurde am &#8230; Februar 2012 er&ouml;ffnet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der Folgezeit erkl&auml;rte der vom Insolvenzgericht bestellte Insolvenzverwalter die Anfechtung nach den &sect;&sect;&nbsp;129 und 130 der Insolvenzordnung (InsO) f&uuml;r Zahlungen der letzten drei Monate vor dem Antrag auf Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens. Daraufhin zahlte der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) die vereinnahmte Umsatzsteuer der Voranmeldungszeitr&auml;ume Juli und August 2011 nebst Nebenleistungen &#8211;insgesamt 27.418,25&nbsp;EUR&#8211; dem Insolvenzverwalter zur&uuml;ck. Mit der Begr&uuml;ndung, die Kl&auml;ger h&auml;tten ihre Pflicht als Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer verletzt, vom 11.&nbsp;Oktober 2011 bis zum 2.&nbsp;Januar 2012 f&uuml;r die KG f&auml;llige Steuern zu entrichten, erlie&szlig; das FA auf &sect;&nbsp;69 der Abgabenordnung (AO) i.V.m. &sect;&nbsp;34 AO gest&uuml;tzte Haftungsbescheide. Unter Ansatz von Steuerschulden in H&ouml;he von 63.059,14&nbsp;EUR sowie einer unstreitigen Haftungsquote von 40,64&nbsp;% errechnete das FA eine Haftungsschuld von insgesamt 25.627,23&nbsp;EUR, die es im erstinstanzlichen Verfahren auf 25.422&nbsp;EUR herabsetzte. Die nach erfolglosem Einspruch erhobenen Klagen hatten teilweise Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) urteilte, die verbundenen Klagen seien unbegr&uuml;ndet, soweit die Kl&auml;ger hinsichtlich des Voranmeldungszeitraums Juli 2011 jeweils f&uuml;r einen Betrag in H&ouml;he von 4.543&nbsp;EUR in Anspruch genommen worden seien. Beide Kl&auml;ger seien Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer und gesetzliche Vertreter der GmbH gewesen, die wiederum als Komplement&auml;rin die gesetzliche Vertreterin der KG gewesen sei. Ihre Pflichten h&auml;tten sie zumindest grob fahrl&auml;ssig dadurch verletzt, dass sie trotz der schon seinerzeit bestehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten die f&uuml;r den Monat Juli 2011 angemeldete Umsatzsteuer in H&ouml;he der Tilgungsquote nicht entrichtet h&auml;tten. Der Betrag sei erst im Oktober 2011 in mehreren Raten gezahlt worden. Die Pflichtverletzung sei auch urs&auml;chlich f&uuml;r den durch die Anfechtung und R&uuml;ckzahlung der Betr&auml;ge entstandenen Haftungsschaden gewesen, denn dieser beruhe nicht allein auf der sp&auml;teren Anfechtung durch den Insolvenzverwalter. Erst durch die versp&auml;tete Zahlung im Oktober 2011 h&auml;tten die Kl&auml;ger eine Anfechtung nach den insolvenzrechtlichen Bestimmungen erm&ouml;glicht. Ermessensfehler seien nicht erkennbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die haftungsrechtliche Inanspruchnahme der Kl&auml;ger f&uuml;r Umsatzsteuer des Voranmeldungszeitraums August 2011 sei indes rechtswidrig. Zwar h&auml;tten die Kl&auml;ger gegen ihre Pflicht zur Anmeldung und fristgerechten Zahlung der Steuer versto&szlig;en, doch sei diese Pflichtverletzung unter Beachtung der nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) anzuwendenden Ad&auml;quanztheorie f&uuml;r den Haftungsschaden nicht kausal gewesen. Die Betr&auml;ge seien im Oktober und November 2011 zun&auml;chst beglichen worden. Ein endg&uuml;ltiger Steuerschaden sei erst durch die Anfechtung des Insolvenzverwalters eingetreten, die als eigentliche Ursache anzusehen sei. Aufgrund der Dauerfristverl&auml;ngerung w&auml;re jedoch selbst eine fristgerechte Zahlung in den dreimonatigen Anfechtungszeitraum vor Stellung des Insolvenzantrags gefallen, so dass mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit einer Anfechtung zu rechnen gewesen sei. Somit entfalle die Kausalit&auml;t zwischen Pflichtverletzung und Schaden, ohne dass auf einen hypothetischen Kausalverlauf abgestellt werden m&uuml;sste.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dar&uuml;ber hinaus seien die angefochtenen Haftungsbescheide rechtswidrig, soweit sie die Umsatzsteuer f&uuml;r die Voranmeldungszeitr&auml;ume September und Oktober 2011 betr&auml;fen. Zwar h&auml;tten die Kl&auml;ger die ihnen als Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer obliegenden Pflichten schuldhaft verletzt, doch bestehe auch in diesen F&auml;llen keine Kausalit&auml;t zwischen dieser Pflichtverletzung und dem Steuerschaden. Die Anfechtungsm&ouml;glichkeit etwaiger Steuerzahlungen nach &sect;&sect;&nbsp;129&nbsp;ff. InsO k&ouml;nne nicht als Entschuldigungsgrund anerkannt werden. Hypothetische Erw&auml;gungen seien nicht anzustellen. Auch liege hinsichtlich der Haftungsnorm des &sect;&nbsp;64 des Gesetzes betreffend die Gesellschaft mit beschr&auml;nkter Haftung (GmbHG) keine Pflichtenkollision vor. Denn selbst der letzte F&auml;lligkeitstermin am 12.&nbsp;Dezember 2011 liege &uuml;ber drei Wochen vor dem Tage der Stellung des Insolvenzantrags. Der Rechtsprechung des BFH sei ein striktes Verbot jeglicher hypothetischer Betrachtung nicht zu entnehmen. Im Streitfall w&auml;re der Schaden in jedem Fall eingetreten. Durch die Handlung der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer sei kein das Steueraufkommen gef&auml;hrdender Vorteil entstanden. Bei Erlass der Haftungsbescheide habe das FA bereits von der Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens, der Anfechtung durch den Insolvenzverwalter nach &sect;&nbsp;130 InsO im April 2012 und von der Erf&uuml;llung der Voraussetzungen dieser Vorschrift Kenntnis gehabt. Zugleich sei dem FA bewusst gewesen, dass es auch bei fristgerechter Zahlung der Umsatzsteuer f&uuml;r die Voranmeldungszeitr&auml;ume September und Oktober 2011 den hier geltend gemachten Steuerschaden erlitten h&auml;tte, da diese Zahlungen ebenso angefochten worden w&auml;ren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Revision wendet sich das FA gegen die Auffassung des FG, es bestehe hinsichtlich eines Teils der Haftungsschuld keine Kausalit&auml;t zwischen der vom FG angenommenen schuldhaften Pflichtverletzung und dem Eintritt des Steuerschadens. Im Streitfall sei tats&auml;chlich nicht gezahlt worden, weshalb auch der Insolvenzverwalter nicht habe anfechten k&ouml;nnen. Hinsichtlich einer etwaigen insolvenzrechtlichen Anfechtung stelle das FG hypothetische &Uuml;berlegungen an. Damit verkenne es, dass die Kl&auml;ger durch die Nichtentrichtung f&auml;lliger Steuern eine reale Ursache f&uuml;r den Steuerschaden gesetzt h&auml;tten. Durch eine nur gedachte Anfechtung k&ouml;nne diese Ursache nicht entfallen. Nach der BFH-Rechtsprechung gebiete es der Schutzzweck des &sect;&nbsp;69 AO, nur den tats&auml;chlichen Kausalverlauf zu ber&uuml;cksichtigen. Der blo&szlig;e Umstand, dass das FA die Haftungsbescheide in Kenntnis der Anfechtung erlassen habe, rechtfertige es nicht, einen hypothetischen Kausalverlauf haftungsbeschr&auml;nkend zu ber&uuml;cksichtigen. Im Zeitpunkt der Pflichtverletzung k&ouml;nnten noch keine zuverl&auml;ssigen Feststellungen &uuml;ber die tats&auml;chliche Er&ouml;ffnung eines Insolvenzverfahrens und &uuml;ber die Aus&uuml;bung von Anfechtungsrechten getroffen werden. Nach der Ansicht des FG k&ouml;nnte ein Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer innerhalb eines Zeitraums von drei Monaten vor dem Insolvenzantrag seine steuerlichen Pflichten vernachl&auml;ssigen, ohne dass er haftungsrechtliche Folgen bef&uuml;rchten m&uuml;sse. Die Durchsetzung des Haftungsanspruchs w&auml;re somit mit erheblichen Unsicherheiten behaftet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA stellt den Antrag, das angefochtene Urteil zu &auml;ndern und die Klage auch hinsichtlich der Voranmeldungszeitr&auml;ume September und Oktober 2011 als unbegr&uuml;ndet abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger stellen den Antrag, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger schlie&szlig;en sich der Rechtsauffassung des FG an, soweit dieses den angefochtenen Haftungsbescheid zu ihren Gunsten ge&auml;ndert hat. Im Streitfall habe die F&auml;lligkeit der letzten Steuerschuld vor dem Insolvenzantrag gelegen. Auf hypothetische Kausalverl&auml;ufe brauche im Streitfall nicht zur&uuml;ckgegriffen zu werden. Es finde vielmehr die Ad&auml;quanztheorie Anwendung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des FA ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt in Bezug auf die Umsatzsteuer der Voranmeldungszeitr&auml;ume September und Oktober 2011 zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Abweisung der Klage. Entgegen der Auffassung des FG hat das FA die Kl&auml;ger zu Recht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;69 i.V.m. &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 AO als Haftungsschuldner in Anspruch genommen. Durch die zumindest grob fahrl&auml;ssige Pflichtverletzung der Nichtentrichtung f&auml;lliger Umsatzsteuern in H&ouml;he der Haftungsquote haben die Kl&auml;ger eine Ursache f&uuml;r den Eintritt des Steuerschadens gesetzt, der nicht entf&auml;llt, weil die geleisteten Zahlungen tats&auml;chlich angefochten worden sind bzw. weil zumindest hinsichtlich der unterbliebenen Zahlungen die M&ouml;glichkeit einer Anfechtung nach &sect;&sect;&nbsp;129, 130 InsO bestanden h&auml;tte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach den Feststellungen des FG, die mit Verfahrensr&uuml;gen nicht angegriffen worden und daher f&uuml;r den erkennenden Senat nach &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) bindend sind, haben die Kl&auml;ger die ihnen als GmbH-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer obliegenden steuerlichen Pflichten zumindest grob fahrl&auml;ssig verletzt. Denn als Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer und gesetzliche Vertreter der Komplement&auml;r-GmbH nach &sect;&nbsp;35 Abs.&nbsp;1 GmbHG i.V.m. &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 AO hatten sie die steuerlichen Pflichten der KG zu erf&uuml;llen. Die Umsatzsteuerschulden aus den Voranmeldungszeitr&auml;umen September und Oktober 2011 sind jedoch von ihnen nicht entrichtet worden. Zu Recht hat das FG geurteilt, dass sich die Kl&auml;ger im Hinblick auf die Haftung nach &sect;&nbsp;64 GmbHG und eine etwaige Anfechtung nach &sect;&nbsp;130 InsO nicht auf eine entschuldigende Pflichtenkollision berufen k&ouml;nnen (vgl. Senatsentscheidungen vom 27.&nbsp;Februar 2007 VII&nbsp;R&nbsp;67\/05, BFHE 216, 491, BStBl II 2009, 348, und vom 4.&nbsp;Juli 2007 VII&nbsp;B&nbsp;268\/06, BFH\/NV 2007, 2059).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Entgegen der Auffassung des FG besteht zwischen der schuldhaften Pflichtverletzung der Kl&auml;ger und dem Eintritt des durch die Nichtentrichtung der Umsatzsteuern entstandenen Verm&ouml;gensschadens ein ad&auml;quater Kausalzusammenhang, der nicht dadurch entf&auml;llt, dass Zahlungen, wenn sie innerhalb von drei Monaten vor Stellung des Antrags auf Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens geleistet worden w&auml;ren, aufgrund einer nachtr&auml;glichen Betrachtung der Geschehensabl&auml;ufe h&auml;tten angefochten werden k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der nach der BFH-Rechtsprechung zu fordernde Kausalzusammenhang ist nicht mehr gegeben, wenn der Steuerausfall als Verm&ouml;gensschaden des Fiskus mangels ausreichender Zahlungsmittel und vollstreckbaren Verm&ouml;gens des Steuerpflichtigen unabh&auml;ngig davon eingetreten ist, ob Steueranmeldungen fristgerecht eingereicht und die geschuldeten Steuerbetr&auml;ge innerhalb der gesetzlich hierf&uuml;r bestimmten Fristen entrichtet worden sind (Senatsurteil vom 6.&nbsp;M&auml;rz 2001 VII&nbsp;R&nbsp;17\/00, BFH\/NV 2001, 1100, m.w.N.). Diese Rechtsprechung kann jedoch nicht auf die F&auml;lle &uuml;bertragen werden, in denen der Steuerpflichtige &#8211;wie im Streitfall&#8211; noch &uuml;ber ausreichende Mittel verf&uuml;gt, um nach den Grunds&auml;tzen der anteiligen Tilgung zumindest einen Teil der Umsatzsteuerschuld zu begleichen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Verletzt ein gesetzlicher Vertreter nach &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 AO zumindest grob fahrl&auml;ssig seine Pflicht zur fristgem&auml;&szlig;en Entrichtung von Steuern, setzt er mit seinem schuldhaften Verhalten eine Ursache, die bewirkt, dass dem FA die ihm zustehenden Steuerbetr&auml;ge vorenthalten werden. Nach dem Sinn und Zweck des &sect;&nbsp;69 AO kann in diesen F&auml;llen eine Schadenszurechnung nicht deshalb entfallen, weil bei nachtr&auml;glicher Betrachtung des tats&auml;chlichen Geschehensablaufs tats&auml;chlich geleistete Zahlungen oder gedachte Zahlungen infolge einer Anfechtung nach insolvenzrechtlichen Vorschriften durch Erstattung der Betr&auml;ge an die Finanzbeh&ouml;rde wieder h&auml;tten r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht werden m&uuml;ssen. Insoweit kann ein hypothetischer Kausalverlauf keine Ber&uuml;cksichtigung finden (Loose in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;69 AO Rz&nbsp;21; Jatzke in Beermann\/ Gosch, AO, &sect;&nbsp;69 Rz&nbsp;46.1; Intemann in Koenig, Abgabenordnung, 3.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;69 Rz&nbsp;55; a.A. Klein\/R&uuml;sken, AO, 12.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;69 Rz&nbsp;131a, und Boeker in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;69 AO Rz&nbsp;32g).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die steuerliche Haftungsvorschrift des &sect;&nbsp;69 AO geht auf &sect;&nbsp;109 der Reichsabgabenordnung (RAO) zur&uuml;ck, dem zoll- und verbrauchsteuerrechtliche Haftungsvorschriften als Vorbild dienten, und mit dem das zivilrechtliche Vertretungsrecht in der RAO ber&uuml;cksichtigt und den steuerlichen Bed&uuml;rfnissen angepasst werden sollte (Beermann, Haftungsbescheid nach der AO und Entschlie&szlig;ungsermessen, in Festschrift f&uuml;r Franz Klein, S.&nbsp;953, 961). Der haftungsrechtliche Zugriff auf gesetzliche Vertreter und Verf&uuml;gungsberechtigte kann damit legitimiert werden, dass ihnen die Erf&uuml;llung steuerlicher Pflichten obliegt, die der Steuerpflichtige mangels eigener Handlungs- und Gesch&auml;ftsf&auml;higkeit nicht selbst erf&uuml;llen kann. Andererseits kommt in der Haftungsvorschrift auch das Bem&uuml;hen des Gesetzgebers zum Ausdruck, der steuerrechtlichen Stellvertretung Schranken zu setzen und der Gefahr entgegenzuwirken, dass der Steuerpflichtige durch die Stellvertretung das Steueraufkommen gef&auml;hrdende Vorteile erlangt (Tipke in Tipke\/Kruse, Reichsabgabenordnung, 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;109 RAO Rz&nbsp;1, m.w.N.). Durch den in &sect;&nbsp;69 AO normierten Haftungsanspruch soll der Vertreter zur ordnungsgem&auml;&szlig;en Erf&uuml;llung der ihm obliegenden steuerlichen Pflichten angehalten und das Steueraufkommen durch Schaffung einer R&uuml;ckgriffsm&ouml;glichkeit gesichert werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Vom Normzweck erfasst wird nicht nur die Vermeidung eines durch eine versp&auml;tete Zahlung eintretenden Zinsausfalls, sondern auch die Erf&uuml;llung der Steuerschuld nach den rechtlichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten zum Zeitpunkt ihrer F&auml;lligkeit. Die Pflicht zur p&uuml;nktlichen Steuerzahlung dient nicht nur der Vermeidung des Verzugsschadens beim Fiskus, denn dieser Schaden w&auml;re bereits durch Verzugszinsen auszugleichen. Auch zur Vermeidung sonstiger Schadensrisiken, wie z.B. einer verminderten Leistungsf&auml;higkeit, wollte der Gesetzgeber den Steuerpflichtigen zur rechtzeitigen Steuerzahlung anhalten. Gerade in Zeiten der Krise kommt der Pflicht zur p&uuml;nktlichen Zahlung der Steuer eine erh&ouml;hte Bedeutung zu. Sie soll den Fiskus nicht nur davor sch&uuml;tzen, dass der Steuerschuldner zahlungsunf&auml;hig wird, bevor er (versp&auml;tet) bereit ist, seine Steuerschulden zu begleichen, sondern auch vor allen sonstigen Risiken versp&auml;teter Zahlungsbereitschaft (zur Schadenszurechnung bei der Lohnsteuer vgl. BFH-Urteil vom 11.&nbsp;November 2008 VII&nbsp;R&nbsp;19\/08, BFHE 223, 303, BStBl II 2009, 342).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Die Erreichung der dargestellten Zwecke w&uuml;rde gef&auml;hrdet, wenn tats&auml;chliche oder nur gedachte Anfechtungen nach &sect;&nbsp;130 InsO von vornherein zu einem Wegfall der Kausalit&auml;t zwischen einer schuldhaften Pflichtverletzung und dem endg&uuml;ltigen Steuerausfall f&uuml;hrten. Denn ein gesetzlicher Vertreter k&ouml;nnte in Kenntnis einer &Uuml;berschuldung oder einer drohenden oder bereits eingetretenen Zahlungsunf&auml;higkeit innerhalb eines Zeitraums von drei Monaten vor dem Antrag auf Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens die Erf&uuml;llung der ihm als Vertreter nach &sect;&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 AO obliegenden steuerlichen Pflichten mit dem Hinweis vernachl&auml;ssigen, dass, wenn er Steuerzahlungen vorn&auml;hme, diese ohnehin der Anfechtung nach &sect;&nbsp;130 Abs.&nbsp;1 InsO ausgesetzt seien und er infolgedessen auch nicht als Haftungsschuldner in Anspruch genommen werden k&ouml;nne. Sofern ein Schuldner bzw. dessen gesetzlicher Vertreter beabsichtigt, nach &sect;&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 InsO die Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens selbst zu beantragen, k&ouml;nnte er unter Ber&uuml;cksichtigung des voraussichtlichen Termins f&uuml;r die Antragstellung aus haftungsrechtlicher Sicht f&uuml;r einen Zeitraum von drei Monaten vor diesem Datum gefahrlos von der Entrichtung f&auml;lliger Steuern absehen. In solchen F&auml;llen kann zum Zeitpunkt der Nichtentrichtung f&auml;lliger Steuern jedoch noch keine zuverl&auml;ssige Aussage dar&uuml;ber getroffen werden, ob es tats&auml;chlich zur Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens kommen wird und ob im Fall der Er&ouml;ffnung eines solchen Verfahrens eine Anfechtung nach &sect;&nbsp;130 Abs.&nbsp;1 InsO &uuml;berhaupt erfolgen und auch erfolgreich sein w&uuml;rde (vgl. BFH-Urteil vom 5.&nbsp;Juni 2007 VII&nbsp;R&nbsp;65\/05, BFHE 217, 233, 238, BStBl II 2008, 273). Somit h&auml;tte es der gesetzliche Vertreter in der Hand, durch Stellung eines Antrags auf Insolvenzer&ouml;ffnung und ein vorher darauf abgestimmtes Zahlungsverhalten dem Fiskus einen endg&uuml;ltigen Steuerschaden zuzuf&uuml;gen, ohne dass diesem die M&ouml;glichkeit zur Geltendmachung eines steuerlichen Haftungsanspruchs er&ouml;ffnet w&auml;re. Diese Folgen liefen dem Sinn und Zweck der in &sect;&nbsp;69 AO getroffenen Regelungen zuwider.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Im &Uuml;brigen ist es aus steuerrechtlicher Sicht nicht geboten, die f&uuml;r zivilrechtliche Schadensersatznormen, vor allem &sect;&nbsp;823 und &sect;&nbsp;826 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs (BGB), entwickelten Grunds&auml;tze auf &sect;&nbsp;69 AO zu &uuml;bertragen. Wie der BFH entschieden hat, bestehen zwischen den Schadensersatznormen des Zivilrechts und der steuerrechtlichen Haftungsvorschrift verfassungsrechtlich nicht zu beanstandende gewichtige Unterschiede (vgl. BFH-Urteil vom 21.&nbsp;Januar 1972 VI&nbsp;R&nbsp;187\/68, zu &sect;&nbsp;109 RAO, BFHE 104, 294, BStBl II 1972, 364). Wiederholt hat der BFH darauf hingewiesen, dass &sect;&nbsp;69 AO lediglich Schadensersatzcharakter besitzt (Senatsentscheidungen vom 1.&nbsp;August 2000 VII&nbsp;R&nbsp;110\/99, BFHE 192, 249, BStBl II 2001, 271; vom 5.&nbsp;M&auml;rz 1991 VII&nbsp;R&nbsp;93\/88, BFHE 164, 203, BStBl II 1991, 678; vom 26.&nbsp;Juli 1988 VII&nbsp;R&nbsp;83\/87, BFHE 153, 512, BStBl II 1988, 859). Die auf &sect;&nbsp;69 AO gest&uuml;tzte Haftung begr&uuml;ndet eine Sonderverbindlichkeit gegen&uuml;ber dem Fiskus, die den Individualanspr&uuml;chen aus rechtsgesch&auml;ftlicher Haftung, Vertrauenshaftung und unerlaubter Handlung vergleichbar ist, ohne diesen Anspruchsgrundlagen genau zu entsprechen (Senatsbeschluss vom 2.&nbsp;November 2001 VII&nbsp;B&nbsp;155\/01, BFHE 197, 1, BStBl II 2002, 73). Auch ist zu ber&uuml;cksichtigen, dass es sich bei der sog. hypothetischen Kausalit&auml;t nicht um ein Problem der Kausalit&auml;t, sondern um eine Frage der Schadenszurechnung handelt (Schiemann in Staudinger, Kommentar zum BGB mit Einf&uuml;hrungsgesetz und Nebengesetzen, Neubearbeitung 2005, &sect;&nbsp;249 Rz&nbsp;93; Oetker in M&uuml;nchKommBGB, 7.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;249 BGB Rz&nbsp;208; Palandt\/ Heinrichs, B&uuml;rgerliches Gesetzbuch, 63.&nbsp;Aufl., Vorbem. zu &sect;&nbsp;249 BGB Rz&nbsp;96; Urteil des Bundesgerichtshofs &#8211;BGH&#8211; vom 7.&nbsp;Juni 1988 IX&nbsp;ZR&nbsp;144\/87, BGHZ 104, 355). Denn ein nur gedachter Geschehensablauf kann die Kausalit&auml;t einer realen Ursache nicht beseitigen. Nach der BGH-Rechtsprechung ist es daher eine f&uuml;r verschiedene Fallgruppen durchaus unterschiedlich zu beantwortende Wertungsfrage, inwieweit hypothetische Kausalverl&auml;ufe geeignet sind, eine an sich gegebene Haftung zu beeinflussen (BGH-Urteil in BGHZ 104, 355, 360). Auszugehen ist vom Schutzzweck der jeweils verletzten Norm (Schiemann in Staudinger, a.a.O., &sect;&nbsp;249 BGB Rz&nbsp;94).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Unter Ber&uuml;cksichtigung der vorgenannten &Uuml;berlegungen haben die Kl&auml;ger im Streitfall durch die pflichtwidrige Nichtabf&uuml;hrung f&auml;llig gewordener Steuerbetr&auml;ge eine reale Ursache f&uuml;r den Eintritt eines Verm&ouml;gensschadens in Form eines Steuerausfalls gesetzt, so dass die Kausalit&auml;t dieser Ursache f&uuml;r den Schadenseintritt durch eine zu vermutende Anfechtung des Insolvenzverwalters nicht r&uuml;ckwirkend beseitigt werden kann. Es bleibt dabei, dass durch die schuldhafte Pflichtverletzung der Kl&auml;ger dem Fiskus ein diesem geschuldeter Abgabenbetrag vorenthalten worden ist, weshalb die Voraussetzungen f&uuml;r eine Inanspruchnahme nach &sect;&nbsp;69 AO erf&uuml;llt sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;136 Abs.&nbsp;1 und 2 FGO. Mit Schriftsatz vom 2.&nbsp;April 2015 hat das FA die Revision hinsichtlich des Voranmeldungszeitraums August 2011 zur&uuml;ckgenommen, insoweit wird ab diesem Zeitpunkt von einem geminderten Streitwert ausgegangen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 26.1.2016, VII R 3\/15 Umfang der Haftung nach &sect; 69 AO i.V.m. &sect; 34 Abs. 1 AO &#8211; Kausalzusammenhang zwischen schuldhafter Pflichtverletzung und Steuerausfall &#8211; Hypothetischer Kausalverlauf &#8211; Legitimation des haftungsrechtlichen Zugriffs auf gesetzliche Vertreter und Verf&uuml;gungsberechtigte Tenor Auf die Revision des Finanzamts wird das Urteil des Finanzgerichts K&ouml;ln vom 6. November &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vii-r-3-15-umfang-der-haftung-nach-par-69-ao-ivm-par-34-abs-1-ao-kausalzusammenhang-zwischen-schuldhafter-pflichtverletzung-und-steuerausfall-hypothetischer-kausalverlauf-legitimation-des-haftungsrech\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VII&nbsp;R&nbsp;3\/15 &#8211; Umfang der Haftung nach &sect; 69 AO i.V.m. &sect; 34 Abs. 1 AO &#8211; Kausalzusammenhang zwischen schuldhafter Pflichtverletzung und Steuerausfall &#8211; Hypothetischer Kausalverlauf &#8211; Legitimation des haftungsrechtlichen Zugriffs auf gesetzliche Vertreter und Verf&uuml;gungsberechtigte<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-66117","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66117","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66117"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66117\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66117"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66117"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66117"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}