{"id":66123,"date":"2017-01-18T12:50:44","date_gmt":"2017-01-18T10:50:44","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=66123"},"modified":"2017-01-18T12:50:44","modified_gmt":"2017-01-18T10:50:44","slug":"vi-r-40-13-zivilprozesskosten-zur-abwehr-von-wasserschaeden-am-wohnhaus-als-aussergewoehnliche-belastungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-40-13-zivilprozesskosten-zur-abwehr-von-wasserschaeden-am-wohnhaus-als-aussergewoehnliche-belastungen\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;40\/13 &#8211; Zivilprozesskosten zur Abwehr von Wassersch&auml;den am Wohnhaus als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 20.1.2016, VI R 40\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Zivilprozesskosten zur Abwehr von Wassersch&auml;den am Wohnhaus als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 12. November 2012&nbsp;&nbsp;3 K 333\/12 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Nieders&auml;chsische Finanzgericht zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist die Abzugsf&auml;higkeit von Zivilprozesskosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) ist Eigent&uuml;mer eines bebauten Grundst&uuml;cks in A. Es liegt unweit des Flusses B. Der Fluss wird zum Betrieb einer Turbine regelm&auml;&szlig;ig auf eine H&ouml;he von 75,76 m.&uuml;.NN angestaut. Dadurch tritt Wasser in die Kelleranlagen im Geb&auml;ude des Kl&auml;gers ein. Der Turbinenbetreiber beruft sich darauf, dass er aufgrund eines alten Rechts zum Anstauen befugt sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ein Sachverst&auml;ndigengutachten, das im Rahmen eines beim Landgericht C durchgef&uuml;hrten selbst&auml;ndigen Beweisverfahrens eingeholt worden war, kam zu dem Ergebnis, dass das Eindringen des Flusswassers vermieden werden k&ouml;nnte, wenn die Anstauh&ouml;he geringer w&auml;re. Ansonsten sei ein Wassereintritt &quot;nur unter gr&ouml;&szlig;ten Schwierigkeiten&quot; zu verhindern und dies auch nur &quot;mit Kosten, welche mit Sicherheit au&szlig;erhalb jeder Wirtschaftlichkeit st&uuml;nden&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf Grundlage dieses Gutachtens erhob der Kl&auml;ger gegen den Turbinenbetreiber vor dem Landgericht C Klage mit dem Ziel, es zu unterlassen, den Fluss &uuml;ber eine H&ouml;he von 74,71 m.&uuml;.NN aufzustauen. Der Kl&auml;ger bestritt, dass dem Turbinenbetreiber ein entsprechendes Recht zustehe, es fehle insoweit an einer Eintragung im Wasserbuch.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die dem Kl&auml;ger f&uuml;r diesen Rechtsstreit entstandenen Kosten (Verfahrensgeb&uuml;hr, Gutachtenkosten, Rechtsanwaltsgeb&uuml;hren) in H&ouml;he von insgesamt 7.195,42&nbsp;EUR machte er im Rahmen seiner Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr (2010) als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen geltend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) lehnte die steuerliche Ber&uuml;cksichtigung der Kosten ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der Klage mit den in Deutsches Steuerrecht\/Entscheidungsdienst 2014, 1367 ver&ouml;ffentlichten Gr&uuml;nden unter Berufung auf das Senatsurteil vom 12.&nbsp;Mai 2011 VI&nbsp;R&nbsp;42\/10 (BFHE 234, 30, BStBl II 2011, 1015) statt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA r&uuml;gt mit der Revision die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das Urteil des Nieders&auml;chsischen FG vom 12.&nbsp;November 2012&nbsp;&nbsp;3&nbsp;K&nbsp;333\/12 aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des FA ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Der Senat kann auf Grundlage der bisher getroffenen tats&auml;chlichen Feststellungen des FG nicht beurteilen, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang die vom Kl&auml;ger geltend gemachten Zivilprozesskosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung zu ber&uuml;cksichtigen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Erwachsen einem Steuerpflichtigen zwangsl&auml;ufig gr&ouml;&szlig;ere Aufwendungen als der &uuml;berwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommensverh&auml;ltnisse, gleicher Verm&ouml;gensverh&auml;ltnisse und gleichen Familienstandes (au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung), so wird auf Antrag die Einkommensteuer in bestimmtem Umfang erm&auml;&szlig;igt (&sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes &#8211;EStG&#8211;). Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG erwachsen dem Steuerpflichtigen Aufwendungen zwangsl&auml;ufig, wenn er sich ihnen aus rechtlichen, tats&auml;chlichen oder sittlichen Gr&uuml;nden nicht entziehen kann und soweit die Aufwendungen den Umst&auml;nden nach notwendig sind und einen angemessenen Betrag nicht &uuml;bersteigen. Ziel des &sect;&nbsp;33 EStG ist es, zwangsl&auml;ufige Mehraufwendungen f&uuml;r den existenznotwendigen Grundbedarf zu ber&uuml;cksichtigen, die sich wegen ihrer Au&szlig;ergew&ouml;hnlichkeit einer pauschalen Erfassung in allgemeinen Freibetr&auml;gen entziehen. Aus dem Anwendungsbereich des &sect;&nbsp;33 EStG ausgeschlossen sind dagegen die &uuml;blichen Aufwendungen der Lebensf&uuml;hrung, die in H&ouml;he des Existenzminimums durch den Grundfreibetrag abgegolten sind (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 29.&nbsp;September 1989 III&nbsp;R&nbsp;129\/86, BFHE 158, 380, BStBl II 1990, 418, und vom 26.&nbsp;Juni 2014 VI&nbsp;R&nbsp;51\/13, BFHE 246, 326, BStBl II 2015, 9).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Bei den Kosten eines Zivilprozesses sprach nach der langj&auml;hrigen Rechtsprechung des BFH eine Vermutung gegen die Zwangsl&auml;ufigkeit (Senatsurteil vom 22.&nbsp;August 1958 VI&nbsp;148\/57&nbsp;U, BFHE 67, 379, BStBl III 1958, 419; BFH-Urteile vom 18.&nbsp;Juli 1986 III&nbsp;R&nbsp;178\/80, BFHE 147, 171, BStBl II 1986, 745; vom 9.&nbsp;Mai 1996 III&nbsp;R&nbsp;224\/94, BFHE 181, 12, BStBl II 1996, 596; vom 4.&nbsp;Dezember 2001 III&nbsp;R&nbsp;31\/00, BFHE 198, 94, BStBl II 2002, 382; vom 18.&nbsp;M&auml;rz 2004 III&nbsp;R&nbsp;24\/03, BFHE 206, 16, BStBl II 2004, 726, und vom 27.&nbsp;August 2008 III&nbsp;R&nbsp;50\/06, BFH\/NV 2009, 553). Solche Kosten wurden nur als zwangsl&auml;ufig erachtet, wenn auch das die Zahlungsverpflichtung oder den Zahlungsanspruch ad&auml;quat verursachende Ereignis zwangsl&auml;ufig war (BFH-Urteil in BFHE 181, 12, BStBl II 1996, 596). Daran fehlte es nach der Rechtsprechung des BFH im Allgemeinen bei einem Zivilprozess (BFH-Urteile in BFHE 206, 16, BStBl II 2004, 726, und in BFH\/NV 2009, 553). Als zwangsl&auml;ufige Aufwendungen erkannte die Rechtsprechung Zivilprozesskosten nur an, wenn der Prozess existenziell wichtige Bereiche oder den Kernbereich menschlichen Lebens ber&uuml;hrte. Liefe der Steuerpflichtige ohne den Rechtsstreit Gefahr, seine Existenzgrundlage zu verlieren und seine lebensnotwendigen Bed&uuml;rfnisse in dem &uuml;blichen Rahmen nicht mehr befriedigen zu k&ouml;nnen, k&ouml;nne er trotz unsicherer Erfolgsaussichten gezwungen sein, einen Zivilprozess zu f&uuml;hren (BFH-Urteile in BFHE 181, 12, BStBl II 1996, 596, und in BFH\/NV 2009, 553).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dagegen nahm der Senat in seiner Entscheidung in BFHE 234, 30, BStBl II 2011, 1015 die Unausweichlichkeit von Zivilprozesskosten unter der Voraussetzung an, dass die beabsichtigte Rechtsverfolgung hinreichende Aussicht auf Erfolg biete und nicht mutwillig erscheine. Diese Auffassung hat auch das FG dem angefochtenen Urteil zugrunde gelegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Senat h&auml;lt an seiner in dem Urteil in BFHE 234, 30, BStBl II 2011, 1015 vertretenen Auffassung allerdings nicht mehr fest. Wie er in seinem Urteil vom 18.&nbsp;Juni 2015 VI&nbsp;R&nbsp;17\/14 (BFHE 250, 153, BStBl II 2015, 800) entschieden hat, kehrt er unter Aufgabe seiner in dem Urteil in BFHE 234, 30, BStBl II 2011, 1015 vertretenen Ansicht zu der fr&uuml;heren Rechtsprechung des BFH zur Abziehbarkeit der Kosten eines Zivilprozesses als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung zur&uuml;ck. Wegen der Einzelheiten wird auf das Senatsurteil in BFHE 250, 153, BStBl II 2015, 800 Bezug genommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben ist auch im Streitfall zu pr&uuml;fen, ob die geltend gemachten Kosten f&uuml;r die zivilprozessuale Auseinandersetzung als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen zu ber&uuml;cksichtigen sind. Zivilprozesskosten sind demnach nur insoweit abziehbar, als der Prozess existenziell wichtige Bereiche oder den Kernbereich menschlichen Lebens ber&uuml;hrt. Liefe der Steuerpflichtige ohne den Rechtsstreit Gefahr, seine Existenzgrundlage zu verlieren und seine lebensnotwendigen Bed&uuml;rfnisse in dem &uuml;blichen Rahmen nicht mehr befriedigen zu k&ouml;nnen, kann der Steuerpflichtige auch bei unsicheren Erfolgsaussichten aus rechtlichen oder tats&auml;chlichen Gr&uuml;nden gezwungen sein, einen Zivilprozess zu f&uuml;hren, sodass die Prozesskosten zwangsl&auml;ufig i.S. von &sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG erwachsen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG ist von anderen Rechtsgrunds&auml;tzen ausgegangen. Sein Urteil kann daher keinen Bestand haben. Das Urteil ist aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Mangels hinreichender tats&auml;chlicher Feststellungen des FG kann der Senat allerdings nicht in der Sache selbst entscheiden. Denn auf Grundlage der bisherigen Feststellungen kann insbesondere nicht entschieden werden, ob der Kl&auml;ger ohne die mit dem Zivilprozess verfolgte Abwehr weiterer aufstaubedingter Hochwassersch&auml;den an seinem Wohnhaus Gefahr gelaufen w&auml;re, seine Existenzgrundlage zu verlieren oder seine lebensnotwendigen Bed&uuml;rfnisse in dem &uuml;blichen Rahmen nicht mehr befriedigen zu k&ouml;nnen (BFH-Urteile in BFHE 181, 12, BStBl II 1996, 596, und in BFH\/NV 2009, 553). Das w&auml;re insbesondere der Fall, wenn der Kl&auml;ger durch das Aufstauen des Flusses Gefahr liefe, sein Wohnhaus nicht mehr weiter zu Wohnzwecken nutzen zu k&ouml;nnen. Denn das Wohnen betrifft grunds&auml;tzlich einen existenziell wichtigen Bereich, es geh&ouml;rt zum verfassungsrechtlich gesch&uuml;tzten Existenzminimum (BFH-Urteil vom 6.&nbsp;Mai 1994 III&nbsp;R&nbsp;27\/92, BFHE 175, 332, BStBl II 1995, 104, mit Hinweis auf den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 25.&nbsp;September 1992&nbsp;&nbsp;2&nbsp;BvL&nbsp;5\/91 u.a., BStBl II 1993, 413, 418). Dementsprechend haben sowohl die Rechtsprechung des BFH als auch die Finanzverwaltung immer schon bei Verlust von Hausrat und Kleidung aufgrund eines unabwendbaren Ereignisses die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;33 EStG bejaht und insbesondere nicht grunds&auml;tzlich zwischen dem Verlust lebensnotwendiger Bedarfsgegenst&auml;nde einerseits und einer schwerwiegenden Beeintr&auml;chtigung des ebenfalls lebensnotwendigen privaten Wohnens andererseits unterschieden (BFH-Urteil in BFHE 175, 332, BStBl II 1995, 104; R&nbsp;33.2 des Amtlichen Einkommensteuer-Handbuchs 2014). Eine solche schwerwiegende Beeintr&auml;chtigung des lebensnotwendigen privaten Wohnens und eine damit einhergehende existenzielle Betroffenheit ist allerdings nicht schon mit jedem beliebigen Schaden an dem zu eigenen Wohnzwecken genutzten Haus des Steuerpflichtigen gegeben. Eine solche existenzielle Betroffenheit liegt vielmehr nur dann vor, wenn die Nutzung des Wohnhauses zu eigenen Wohnzwecken ernsthaft in Frage gestellt ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat bisher keine Feststellungen zum Umfang der durch das Aufstauen des Flusses bewirkten Beeintr&auml;chtigung der Nutzungsm&ouml;glichkeit des Hauses getroffen. Diese Feststellungen wird das FG nachzuholen haben. Sollte das FG danach zu der W&uuml;rdigung gelangen, dass der Kl&auml;ger in seiner Wohnsituation durch das Aufstauen des Flusses im vorgenannten Sinne gravierend beeintr&auml;chtigt ist, ist ein solcher existenziell wichtiger Bereich ber&uuml;hrt. Dann kann der Steuerpflichtige, so die st&auml;ndige Rechtsprechung, auch bei unsicheren Erfolgsaussichten aus rechtlichen oder tats&auml;chlichen Gr&uuml;nden gezwungen sein, einen Zivilprozess zu f&uuml;hren. In solchen F&auml;llen erwachsen die Prozesskosten zwangsl&auml;ufig i.S. von &sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wie das FG zutreffend ausgef&uuml;hrt hat, sind allerdings nur solche Aufwendungen als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen abziehbar, die den Steuerpflichtigen endg&uuml;ltig belasten (BFH-Urteil vom 30.&nbsp;Juni 1999 III&nbsp;R&nbsp;8\/95, BFHE 189, 371, BStBl II 1999, 766). Sollte der vom Kl&auml;ger gef&uuml;hrte Rechtsstreit zwischenzeitlich zu seinen Gunsten entschieden und ihm die streitigen Aufwendungen ersetzt worden sein, kommt ein Abzug als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung nicht mehr in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die &Uuml;bertragung der Kostenentscheidung auf das FG beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 20.1.2016, VI R 40\/13 Zivilprozesskosten zur Abwehr von Wassersch&auml;den am Wohnhaus als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen Tenor Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 12. November 2012&nbsp;&nbsp;3 K 333\/12 aufgehoben. Die Sache wird an das Nieders&auml;chsische Finanzgericht zur&uuml;ckverwiesen. Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen. 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