{"id":66133,"date":"2017-01-18T12:43:34","date_gmt":"2017-01-18T10:43:34","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=66133"},"modified":"2017-01-18T12:44:05","modified_gmt":"2017-01-18T10:44:05","slug":"vi-r-17-13-zivilprozesskosten-durch-vollstreckungsabwehrklage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-17-13-zivilprozesskosten-durch-vollstreckungsabwehrklage\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;17\/13 &#8211; Zivilprozesskosten durch Vollstreckungsabwehrklage"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 18.2.2016, VI R 17\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Zivilprozesskosten durch Vollstreckungsabwehrklage<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 22. November 2012 14 K 237\/12 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Klage wird abgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist, ob Zivilprozesskosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen einkommensteuerrechtlich zu ber&uuml;cksichtigen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) erzielte im Streitjahr (2010) u.a. Eink&uuml;nfte aus der Vermietung und Verpachtung einer Eigentumswohnung in A. Im Rahmen seiner Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr machte der Kl&auml;ger Zivilprozesskosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen geltend. Diese resultierten aus einer im Ergebnis erfolglosen Vollstreckungsabwehrklage gegen die X-Bank nach &sect;&nbsp;767 der Zivilprozessordnung, mit der der Kl&auml;ger sich gegen die beabsichtigte Zwangsvollstreckung der X-Bank wandte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dem Rechtsstreit lag folgender Sachverhalt zugrunde:<\/p>\n<p>Am 12.&nbsp;Oktober 1993 erwarb der Kl&auml;ger durch notariellen Vertrag die Eigentumswohnung in A, nachdem er zun&auml;chst am 26.&nbsp;Mai 1993 an einer Informationsveranstaltung eines Immobilienkaufmanns (K) teilgenommen hatte. Am 13.&nbsp;September 1993 suchte K den Kl&auml;ger in dessen Wohnung auf, schlug den Erwerb einer Wohnung in A vor, der durch ein Darlehen bei der X-Bank ohne Eigenkapital voll finanziert werden sollte, und &uuml;berreichte dem Kl&auml;ger dazu ein Berechnungsbeispiel. Der Kaufpreis sollte mit einem Stellplatz insgesamt 203.750&nbsp;DM betragen; weiter sollten in den Kaufpreis 16.300&nbsp;DM f&uuml;r die Grundsteuer, die Notar- und Gerichtskosten sowie f&uuml;r die Abwicklungsgeb&uuml;hren einbezogen werden. Der Kaufvertrag wurde am 12.&nbsp;Oktober 1993 notariell beurkundet. Als Kaufpreis waren 220.050&nbsp;DM ausgewiesen. Nach Ziffer&nbsp;VIII des Kaufvertrags sollten s&auml;mtliche Kosten des Vertrags und seines Vollzugs sowie die anfallende Grunderwerbsteuer einschlie&szlig;lich der Kosten der Lastenfreistellung vom Verk&auml;ufer getragen werden. Nach Ziffer&nbsp;III des Kaufvertrags unterwarf sich der Kl&auml;ger gegen&uuml;ber dem Verk&auml;ufer wegen der &uuml;bernommenen Zahlungsverpflichtungen der sofortigen Zwangsvollstreckung aus der Urkunde in sein gesamtes Verm&ouml;gen. Am 12.&nbsp;Oktober 1993 wurde auch der auf den 11.&nbsp;Oktober 1993 ausgestellte Darlehensvertrag, den K zu dem Notartermin mitgebracht hatte, vom Kl&auml;ger und seinem Vater unterzeichnet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem der Kl&auml;ger die Zahlungen auf das Darlehen eingestellt hatte, k&uuml;ndigte die X-Bank das Darlehen. Der Kl&auml;ger wandte im Rechtsstreit vor dem Landgericht (LG) ein, dass K dem Kl&auml;ger zugesagt habe, mit dem Erwerb der Eigentumswohnung eine ewige Rente zu erzielen, dass der Kaufpreis bankgepr&uuml;ft sei, dass eine Monatsmiete von 15,95&nbsp;DM\/qm nachhaltig erzielbar sei und dass das Gesch&auml;ft v&ouml;llig risikolos sei. Tats&auml;chlich sei der Kaufpreis der Wohnung sittenwidrig &uuml;berh&ouml;ht gewesen; dies sei der X-Bank bekannt gewesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das LG wies die Klage des Kl&auml;gers nach Beweisaufnahme ab. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte es im Wesentlichen aus, dem Kl&auml;ger stehe kein Anspruch auf R&uuml;ckzahlung erbrachter Leistungen nach &sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 des Gesetzes &uuml;ber den Widerruf von Haust&uuml;rgesch&auml;ften und &auml;hnlichen Gesch&auml;ften zu, den er einer Zwangsvollstreckung aus der notariellen Urkunde entgegensetzen k&ouml;nne. Es k&ouml;nne nicht festgestellt werden, dass die vom Kl&auml;ger behauptete Haust&uuml;rsituation urs&auml;chlich f&uuml;r den Abschluss des Darlehensvertrags mit der X-Bank gewesen sei. Der Kl&auml;ger k&ouml;nne der Inanspruchnahme aus der notariellen Urkunde auch keinen Schadensersatzanspruch aus Verschulden bei Vertragsschluss entgegenhalten. Es fehle an einer evidenten Unrichtigkeit der Angaben des Verk&auml;ufers. Der Kl&auml;ger habe auch die Sittenwidrigkeit des Kaufpreises nicht hinreichend dargelegt. Der Kl&auml;ger legte dagegen zun&auml;chst fristwahrend Berufung ein, die er aber wieder zur&uuml;cknahm.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf Grundlage des Kostenfestsetzungsbeschlusses des LG vom 9.&nbsp;September 2010 zahlte der Kl&auml;ger 2010 die festgesetzten Kosten einschlie&szlig;lich Zinsen in H&ouml;he von insgesamt 4.360,90&nbsp;EUR. Weiter zahlte der Kl&auml;ger Rechtsanwaltskosten f&uuml;r die Terminswahrnehmung in H&ouml;he von 97,81&nbsp;EUR und 260,28&nbsp;EUR, f&uuml;r das vom Kl&auml;ger vor dem LG eingef&uuml;hrte Privatgutachten 1.011,50&nbsp;EUR und Gerichtskosten f&uuml;r die Berufungsinstanz in H&ouml;he von 956&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Kosten machte der Kl&auml;ger unter Hinweis auf das Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 12.&nbsp;Mai 2011 VI&nbsp;R&nbsp;42\/10 (BFHE 234, 30, BStBl II 2011, 1015) im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung f&uuml;r 2010 als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen geltend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erkannte die Aufwendungen nicht als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) hat der Klage auf Grundlage des Senatsurteils in BFHE 234, 30, BStBl II 2011, 1015 &uuml;berwiegend entsprochen. Die vom Kl&auml;ger geltend gemachten Kosten f&uuml;r den Zivilprozess seien in H&ouml;he von 5.668,62&nbsp;EUR als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen zu ber&uuml;cksichtigen; nicht in vollem Umfang zu ber&uuml;cksichtigen seien dagegen die im Kostenfestsetzungsbeschluss festgesetzten und vom Kl&auml;ger gezahlten Zinsen, da sie dem Kl&auml;ger nicht in voller H&ouml;he zwangsl&auml;ufig erwachsen seien. Auch die Kosten des Berufungsverfahrens seien nicht zu ber&uuml;cksichtigen, denn die Berufung habe aus Sicht eines verst&auml;ndigen Dritten keine hinreichenden Erfolgsaussichten geboten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA r&uuml;gt mit der Revision die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es beantragt,<br \/>das Urteil des Nieders&auml;chsischen FG vom 22.&nbsp;November 2012&nbsp;&nbsp;14&nbsp;K&nbsp;237\/12 aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des FA ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Abweisung der Klage (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Unrecht die vom Kl&auml;ger aufgewandten Zivilprozesskosten als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen steuermindernd ber&uuml;cksichtigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Erwachsen einem Steuerpflichtigen zwangsl&auml;ufig gr&ouml;&szlig;ere Aufwendungen als der &uuml;berwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommensverh&auml;ltnisse, gleicher Verm&ouml;gensverh&auml;ltnisse und gleichen Familienstandes (au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung), so wird auf Antrag die Einkommensteuer in bestimmtem Umfang erm&auml;&szlig;igt (&sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes &#8211;EStG&#8211;). Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG erwachsen dem Steuerpflichtigen Aufwendungen zwangsl&auml;ufig, wenn er sich ihnen aus rechtlichen, tats&auml;chlichen oder sittlichen Gr&uuml;nden nicht entziehen kann und soweit die Aufwendungen den Umst&auml;nden nach notwendig sind und einen angemessenen Betrag nicht &uuml;bersteigen. Ziel des &sect;&nbsp;33 EStG ist es, zwangsl&auml;ufige Mehraufwendungen f&uuml;r den existenznotwendigen Grundbedarf zu ber&uuml;cksichtigen, die sich wegen ihrer Au&szlig;ergew&ouml;hnlichkeit einer pauschalen Erfassung in allgemeinen Freibetr&auml;gen entziehen. Aus dem Anwendungsbereich des &sect;&nbsp;33 EStG ausgeschlossen sind dagegen die &uuml;blichen Aufwendungen der Lebensf&uuml;hrung, die in H&ouml;he des Existenzminimums durch den Grundfreibetrag abgegolten sind (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Urteile vom 29.&nbsp;September 1989 III&nbsp;R&nbsp;129\/86, BFHE 158, 380, BStBl II 1990, 418, und vom 26.&nbsp;Juni 2014 VI&nbsp;R&nbsp;51\/13, BFHE 246, 326, BStBl II 2015, 9).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Bei den Kosten eines Zivilprozesses sprach nach der langj&auml;hrigen Rechtsprechung des BFH eine Vermutung gegen die Zwangsl&auml;ufigkeit (Senatsurteil vom 22.&nbsp;August 1958 VI&nbsp;148\/57&nbsp;U, BFHE 67, 379, BStBl III 1958, 419; BFH-Urteile vom 18.&nbsp;Juli 1986 III&nbsp;R&nbsp;178\/80, BFHE 147, 171, BStBl II 1986, 745; vom 9.&nbsp;Mai 1996 III&nbsp;R&nbsp;224\/94, BFHE 181, 12, BStBl II 1996, 596; vom 4.&nbsp;Dezember 2001 III&nbsp;R&nbsp;31\/00, BFHE 198, 94, BStBl II 2002, 382; vom 18.&nbsp;M&auml;rz 2004 III&nbsp;R&nbsp;24\/03, BFHE 206, 16, BStBl II 2004, 726, und vom 27.&nbsp;August 2008 III&nbsp;R&nbsp;50\/06, BFH\/NV 2009, 553). Solche Kosten wurden nur als zwangsl&auml;ufig erachtet, wenn auch das die Zahlungsverpflichtung oder den Zahlungsanspruch ad&auml;quat verursachende Ereignis zwangsl&auml;ufig war (BFH-Urteil in BFHE 181, 12, BStBl II 1996, 596). Daran fehlte es nach der Rechtsprechung des BFH im Allgemeinen bei einem Zivilprozess (BFH-Urteile in BFHE 206, 16, BStBl II 2004, 726, und in BFH\/NV 2009, 553). Als zwangsl&auml;ufige Aufwendungen erkannte die Rechtsprechung Zivilprozesskosten nur an, wenn der Prozess existenziell wichtige Bereiche oder den Kernbereich menschlichen Lebens ber&uuml;hrte. Liefe der Steuerpflichtige ohne den Rechtsstreit Gefahr, seine Existenzgrundlage zu verlieren und seine lebensnotwendigen Bed&uuml;rfnisse in dem &uuml;blichen Rahmen nicht mehr befriedigen zu k&ouml;nnen, k&ouml;nne er trotz unsicherer Erfolgsaussichten gezwungen sein, einen Zivilprozess zu f&uuml;hren (BFH-Urteile in BFHE 181, 12, BStBl II 1996, 596, und in BFH\/NV 2009, 553).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dagegen nahm der Senat in seiner Entscheidung in BFHE 234, 30, BStBl II 2011, 1015 die Unausweichlichkeit von Zivilprozesskosten unter der Voraussetzung an, dass die beabsichtigte Rechtsverfolgung hinreichende Aussicht auf Erfolg biete und nicht mutwillig erscheine. Diese Auffassung hat auch das FG dem angefochtenen Urteil zugrunde gelegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Senat h&auml;lt an seiner in dem Urteil in BFHE 234, 30, BStBl II 2011, 1015 vertretenen Auffassung allerdings nicht mehr fest. Wie er in seinem Urteil vom 18.&nbsp;Juni 2015 VI&nbsp;R&nbsp;17\/14 (BFHE 250, 153, BStBl II 2015, 800) entschieden hat, kehrt er unter Aufgabe seiner in dem Urteil in BFHE 234, 30, BStBl II 2011, 1015 vertretenen Ansicht zu der fr&uuml;heren Rechtsprechung des BFH zur Abziehbarkeit der Kosten eines Zivilprozesses als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastung zur&uuml;ck. Wegen der Einzelheiten wird auf das Senatsurteil in BFHE 250, 153, BStBl II 2015, 800 Bezug genommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben ist auch im Streitfall zu pr&uuml;fen, ob die geltend gemachten Kosten f&uuml;r die zivilprozessuale Auseinandersetzung als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen zu ber&uuml;cksichtigen sind. Zivilprozesskosten sind demnach nur insoweit abziehbar, als der Prozess existenziell wichtige Bereiche oder den Kernbereich menschlichen Lebens ber&uuml;hrt. Liefe der Steuerpflichtige ohne den Rechtsstreit Gefahr, seine Existenzgrundlage zu verlieren und seine lebensnotwendigen Bed&uuml;rfnisse in dem &uuml;blichen Rahmen nicht mehr befriedigen zu k&ouml;nnen, kann der Steuerpflichtige auch bei unsicheren Erfolgsaussichten aus rechtlichen oder tats&auml;chlichen Gr&uuml;nden gezwungen sein, einen Zivilprozess zu f&uuml;hren, so dass die Prozesskosten zwangsl&auml;ufig i.S. von &sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG erwachsen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG ist von anderen Rechtsgrunds&auml;tzen ausgegangen. Seine Entscheidung hat daher keinen Bestand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Senat kann auf Grundlage der vom FG getroffenen tats&auml;chlichen Feststellungen auch in der Sache selbst entscheiden. Die vom Kl&auml;ger getragenen Prozesskosten sind danach nicht als au&szlig;ergew&ouml;hnliche Belastungen steuermindernd zu ber&uuml;cksichtigen. Die vom Kl&auml;ger geltend gemachte Vollstreckungsabwehrklage betraf vermeintliche Abwehranspr&uuml;che aus vom Kl&auml;ger abgeschlossenen Rechtsgesch&auml;ften, dem Grundst&uuml;ckskaufvertrag und dem damit verbundenen Darlehensvertrag. Insoweit ist zu ber&uuml;cksichtigen, dass der freiwillige Abschluss der Vertr&auml;ge durch den Kl&auml;ger urs&auml;chlich f&uuml;r die daraus entstandenen und vom Kl&auml;ger bestrittenen Zahlungsverpflichtungen gewesen war, so dass es grunds&auml;tzlich schon deshalb an der Zwangsl&auml;ufigkeit der entstandenen Aufwendungen fehlt. Nach einem Vertragsabschluss zu einem Rechtsstreit mit ungewissem Ausgang f&uuml;hrende Unklarheiten &uuml;ber das Bestehen und die Reichweite der vertraglichen Anspr&uuml;che kann der Steuerpflichtige im Allgemeinen durch eine entsprechende Gestaltung seiner Rechtsbeziehungen von vornherein ausschlie&szlig;en, indem er seine vertraglichen Rechte und Pflichten ausreichend klar und eindeutig regelt. Hat er das vers&auml;umt und l&auml;sst er sich dennoch auf einen Rechtsstreit ein, kann sich der Steuerpflichtige auf die Zwangsl&auml;ufigkeit der ihm daraus entstehenden Aufwendungen nicht berufen. Denn diese Aufwendungen sind dann letztlich darauf zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, dass er die Vereinbarungen nicht so getroffen hat, dass die dadurch begr&uuml;ndeten Anspr&uuml;che und Verpflichtungen zuverl&auml;ssig zu ermitteln sind (BFH-Urteil in BFHE 181, 12, BStBl II 1996, 596).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im hier gegebenen Streitfall sind schlie&szlig;lich auch keine existenziell wichtigen Bereiche oder der Kernbereich menschlichen Lebens betroffen. Denn zu diesen Bereichen kann zwar unter Umst&auml;nden auch die Absicherung des existenziellen Wohnbedarfs eines Steuerpflichtigen z&auml;hlen; solche liegen hier aber offenkundig nicht vor. Denn der Grundst&uuml;ckskauf diente nach den Feststellungen des FG der Eink&uuml;nfteerzielung und Verm&ouml;gensverwaltung in Form der mietweisen &Uuml;berlassung der Wohnung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 18.2.2016, VI R 17\/13 Zivilprozesskosten durch Vollstreckungsabwehrklage Tenor Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 22. November 2012 14 K 237\/12 aufgehoben. Die Klage wird abgewiesen. 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