{"id":6620,"date":"2012-11-30T21:53:11","date_gmt":"2012-11-30T19:53:11","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=6620"},"modified":"2012-11-30T21:53:11","modified_gmt":"2012-11-30T19:53:11","slug":"iii-b-179-10-verfristung-der-klage-bei-fehlendem-absendevermerk-auf-der-einspruchsentscheidung-umdeutung-eines-einspruchs-gegen-eine-einspruchsentscheidung-in-eine-klage-verfahrensmangel-bei-prozessur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-b-179-10-verfristung-der-klage-bei-fehlendem-absendevermerk-auf-der-einspruchsentscheidung-umdeutung-eines-einspruchs-gegen-eine-einspruchsentscheidung-in-eine-klage-verfahrensmangel-bei-prozessur\/","title":{"rendered":"III&nbsp;B&nbsp;179\/10 &#8211; Verfristung der Klage bei fehlendem Absendevermerk auf der Einspruchsentscheidung &#8211; Umdeutung eines Einspruchs gegen eine Einspruchsentscheidung in eine Klage &#8211; Verfahrensmangel bei Prozessurteil statt Sachurteil"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 25.11.2011, III B 179\/10<\/p>\n<p class=\"titel\">Verfristung der Klage bei fehlendem Absendevermerk auf der Einspruchsentscheidung &#8211; Umdeutung eines Einspruchs gegen eine Einspruchsentscheidung in eine Klage &#8211; Verfahrensmangel bei Prozessurteil statt Sachurteil<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Beschwerdef&uuml;hrerin (Kl&auml;gerin) bezog Kindergeld f&uuml;r ihre im Februar 1986 geborene Tochter, die Ende M&auml;rz 2005 eine im November 2004 begonnene Einstiegsqualifizierungsma&szlig;nahme abgebrochen hatte. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beklagte und Beschwerdegegnerin (Familienkasse) hob die Kindergeldfestsetzung mit Bescheid vom 31.&nbsp;Mai 2006 ab April 2005 auf und forderte das f&uuml;r die Monate April bis Oktober 2005 gezahlte Kindergeld zur&uuml;ck. Den dagegen eingelegten Einspruch wies die Familienkasse mit Einspruchsentscheidung vom 6.&nbsp;Dezember 2006 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen die Einspruchsentscheidung legte die Kl&auml;gerin am 5.&nbsp;Januar 2007 erneut Einspruch ein und erhob am 7.&nbsp;Februar 2007 Klage, nachdem die Familienkasse zuvor mitgeteilt hatte, ein erneuter Einspruch gegen die Einspruchsentscheidung sei unzul&auml;ssig. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage als unzul&auml;ssig ab. Es f&uuml;hrte aus, die Klagefrist habe am 9.&nbsp;Januar 2007 geendet. Wiedereinsetzung in den vorigen Stand sei nicht zu gew&auml;hren. Die Kl&auml;gerin sei nach ihren Angaben durch eine fehlerhafte telefonische Auskunft der Familienkasse davon abgehalten worden, fristgerecht Klage zu erheben. Dieses Hindernis sei jedoch durch das Schreiben der Familienkasse vom 9.&nbsp;Januar 2007 entfallen. Die zweiw&ouml;chige Wiedereinsetzungsfrist (&sect;&nbsp;56 Abs.&nbsp;2 Satz 3 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) habe sie jedoch nicht gewahrt. Soweit die Kl&auml;gerin erstmals in der m&uuml;ndlichen Verhandlung vorgetragen habe, das Hinweisschreiben der Familienkasse erst sp&auml;ter erhalten zu haben, sei dem nicht zu folgen; es bleibe insoweit bei der Zugangsvermutung des &sect;&nbsp;122 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 der Abgabenordnung. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Begr&uuml;ndung ihrer Nichtzulassungsbeschwerde tr&auml;gt die Kl&auml;gerin sinngem&auml;&szlig; vor, das FG-Urteil beruhe auf einem Verfahrensfehler (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO). Der Einspruchsentscheidung sei nicht zu entnehmen, wann diese in die Post gegangen sei; der 6.&nbsp;Dezember 2006 sei das Bescheid- und nicht das Postausgangsdatum. Das Schreiben vom 9.&nbsp;Januar 2007, mit dem ihr &#8211;der Kl&auml;gerin&#8211; mitgeteilt worden sei, dass gegen die Einspruchsentscheidung nur Klage erhoben werden k&ouml;nne, sei erst mehrere Wochen nach dem 9.&nbsp;Januar 2007 zur Post gegeben worden. Die Wiedereinsetzungsfrist habe sie daher gewahrt. Ihr erneuter Widerspruch vom 5.&nbsp;Januar 2007 sei zudem in eine Klage umzudeuten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet und durch Beschluss zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 FGO). Die geltend gemachten Zulassungsgr&uuml;nde liegen, soweit ihre Darlegung &uuml;berhaupt den Anforderungen des &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO gen&uuml;gt, nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FG-Urteil beruht nicht auf einem Verfahrensfehler.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Wird &uuml;ber eine Klage objektiv fehlerhaft nicht zur Sache, sondern durch Prozessurteil entschieden, so liegt darin ein Verfahrensmangel (Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 5.&nbsp;November 2007 IV&nbsp;B&nbsp;166\/06, BFH\/NV 2008, 248). Dies gilt insbesondere dann, wenn das Gericht zu Unrecht davon ausgeht, dass die Klagefrist vers&auml;umt wurde (BFH-Beschluss vom 26.&nbsp;Mai 2010 VIII&nbsp;B&nbsp;228\/09, BFH\/NV 2010, 2080).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat aber in revisionsrechtlich nicht zu beanstandender Weise entschieden, dass die Klage verfristet war: Die Einspruchsentscheidung und das Hinweisschreiben tragen zwar keine gesonderten Absendevermerke. In beiden F&auml;llen sind die Reinschriften jedoch vom Sachbearbeiter an den im Briefkopf angegebenen Tagen gezeichnet worden. Die Annahme der Kl&auml;gerin, bis zur Aufgabe zur Post h&auml;tten mehrere Wochen vergehen k&ouml;nnen, k&ouml;nnte daher nur bei au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Abl&auml;ufen zutreffen, z.B. einem zwischenzeitlichen Verlegen der Schreiben. Daf&uuml;r ist indessen nichts ersichtlich. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Selbst wenn die Schriftst&uuml;cke erst einen oder zwei Tage sp&auml;ter die Beh&ouml;rde verlassen haben sollten, w&auml;ren Klage- und Wiedereinsetzungsfrist deutlich &uuml;berschritten. Schlie&szlig;lich lassen sich weder dem zweiten Einspruchsschreiben noch der Klageschrift Hinweise auf einen versp&auml;teten Zugang der Schriftst&uuml;cke entnehmen. Die Klageschrift f&uuml;hrt im Gegenteil aus, dass die Kl&auml;gerin am 9.&nbsp;Januar 2007 die Nachricht bekommen habe, dass das von ihr gew&auml;hlte Rechtsmittel nicht mehr zul&auml;ssig sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die R&uuml;ge der Kl&auml;gerin, das FG habe durch den Verzicht auf eine Zeugenvernehmung der Cousine der Kl&auml;gerin seine Sachaufkl&auml;rungspflicht (&sect;&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO) verletzt, gen&uuml;gt den Anforderungen des &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO nicht. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine Verletzung der Sachaufkl&auml;rungspflicht liegt zudem nicht vor. Die Kl&auml;gerin hatte zwar schrifts&auml;tzlich am 27.&nbsp;Januar 2010 behauptet, ihre Cousine &quot;am Tage des Posteinwurfs &#8230; von dem Eingang dieses Briefes in Kenntnis gesetzt&quot; zu haben. Diesem Vortrag konnte das FG aber nicht entnehmen, dass die Cousine im Falle ihrer Vernehmung Wahrnehmungen bekunden w&uuml;rde, die zu einer anderen Beurteilung der Einhaltung der zweiw&ouml;chigen Wiedereinsetzungsfrist h&auml;tten f&uuml;hren k&ouml;nnen. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Mit dem Vortrag, der erneute Widerspruch der Kl&auml;gerin h&auml;tte in eine Klage umgedeutet werden m&uuml;ssen, wird kein Revisionszulassungsgrund i.S. von &sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 FGO bezeichnet. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine derartige Umdeutung kam zudem nicht in Betracht, denn das Schreiben der Kl&auml;gerin vom 5.&nbsp;Januar 2007 l&auml;sst nicht erkennen, dass sie um gerichtlichen Rechtsschutz nachsucht. Dagegen spricht im &Uuml;brigen auch, dass sie nach der telefonisch erteilten Auskunft der Ansicht war, ein erneuter Einspruch sei ausreichend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 25.11.2011, III B 179\/10 Verfristung der Klage bei fehlendem Absendevermerk auf der Einspruchsentscheidung &#8211; Umdeutung eines Einspruchs gegen eine Einspruchsentscheidung in eine Klage &#8211; Verfahrensmangel bei Prozessurteil statt Sachurteil Tatbestand 1&nbsp; I. 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