{"id":66212,"date":"2017-01-18T12:35:11","date_gmt":"2017-01-18T10:35:11","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=66212"},"modified":"2017-01-18T12:35:11","modified_gmt":"2017-01-18T10:35:11","slug":"iii-r-14-13-kindergeld-anspruchsberechtigung-bei-grenzueberschreitenden-sachverhalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-14-13-kindergeld-anspruchsberechtigung-bei-grenzueberschreitenden-sachverhalten\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;14\/13 &#8211; Kindergeld: Anspruchsberechtigung bei grenz&uuml;berschreitenden Sachverhalten"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 13.4.2016, III R 14\/13<\/p>\n<p class=\"titel\">Kindergeld: Anspruchsberechtigung bei grenz&uuml;berschreitenden Sachverhalten<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 18. Dezember 2012&nbsp;&nbsp;9 K 1256\/11 Kg aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Klage wird abgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger), ein bulgarischer Staatsangeh&ouml;riger, lebt in der Bundesrepublik Deutschland (Deutschland) und ist nichtselbst&auml;ndig sozialversicherungspflichtig besch&auml;ftigt. Er ist Vater eines im Juli 2006 geborenen Sohnes (S), der in Bulgarien bei der Kindsmutter wohnt. Der Kl&auml;ger und die Kindsmutter sind dauernd getrennt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragte im November 2010 Kindergeld f&uuml;r S. Er legte Bescheinigungen vor, aus denen sich ergibt, dass f&uuml;r S in Bulgarien Familienleistungen f&uuml;r den Zeitraum August 2009 bis August 2011 geleistet wurden, mit Ausnahme des Monats August 2010. Die Beklagte und Revisionskl&auml;gerin (Familienkasse) lehnte den Kindergeldantrag ab, da sie der Ansicht war, der Anspruch stehe vorrangig der Kindsmutter zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der dagegen gerichtete Einspruch hatte zum Teil Erfolg. Die Familienkasse gew&auml;hrte f&uuml;r den Zeitraum Januar 2009 bis April 2010 Kindergeld in H&ouml;he der Differenz zu den bulgarischen Familienleistungen. F&uuml;r die Zeit danach lehnte sie eine Festsetzung durch Einspruchsentscheidung vom 1.&nbsp;M&auml;rz 2011 ab, da ab Mai 2010 die Verordnung (EG) Nr.&nbsp;883\/2004 des Europ&auml;ischen Parlaments und des Rates vom 29.&nbsp;April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (Amtsblatt der Europ&auml;ischen Union &#8211;ABlEU&#8211; 2004 Nr.&nbsp;L&nbsp;166, S.&nbsp;1) &#8211;VO Nr.&nbsp;883\/2004 (Grundverordnung)&#8211; sowie die dazu ergangene Verordnung (EG) Nr.&nbsp;987\/2009 des Europ&auml;ischen Parlaments und des Rates vom 16.&nbsp;September 2009 zur Festlegung der Modalit&auml;ten f&uuml;r die Durchf&uuml;hrung der Verordnung (EG) Nr.&nbsp;883\/2004 &uuml;ber die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (ABlEU 2009 Nr.&nbsp;L&nbsp;284, S.&nbsp;1) &#8211;VO Nr.&nbsp;987\/2009 (Durchf&uuml;hrungsverordnung)&#8211; anzuwenden seien. Aus diesem Grund sei die Kindsmutter, die S in ihren Haushalt aufgenommen habe, vorrangig kindergeldberechtigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der anschlie&szlig;end erhobenen Klage begehrte der Kl&auml;ger die Festsetzung von (Differenz-)Kindergeld ab Mai 2010. Das Finanzgericht (FG) gab der Klage statt und verpflichtete die Familienkasse, Differenzkindergeld von 166,10&nbsp;EUR f&uuml;r die Monate Mai bis Juli 2010 sowie September bis Dezember 2010 festzusetzen und f&uuml;r den Monat August 2010 sowie ab Januar 2011 Kindergeld in gesetzlicher H&ouml;he zu gew&auml;hren. Es war der Ansicht, dem Anspruch des Kl&auml;gers auf Kindergeld stehe &sect;&nbsp;64 Abs.&nbsp;2 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes in der f&uuml;r die Jahre 2010 und 2011 geltenden Fassung (EStG) nicht entgegen. Wegen der nichtselbst&auml;ndigen T&auml;tigkeit des Kl&auml;gers in Deutschland sei dessen Anspruch auf Kindergeld nach Art.&nbsp;68 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a der VO Nr.&nbsp;883\/2004 vorrangig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dagegen richtet sich die Revision der Familienkasse. Zur Begr&uuml;ndung tr&auml;gt sie vor, gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;60 Abs.&nbsp;1 Satz 2 der VO Nr.&nbsp;987\/2009 sei zu unterstellen, dass die Kindsmutter mit S in Deutschland lebe. Da sie S in ihren Haushalt aufgenommen habe, sei sie nach &sect;&nbsp;64 Abs.&nbsp;2 Satz 1 EStG gegen&uuml;ber dem Kl&auml;ger vorrangig kindergeldberechtigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt,<br \/>das angefochtene Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Beschluss vom 12.&nbsp;Januar 2015 hat der Senat das Ruhen des Verfahrens im Hinblick auf das an den Gerichtshof der Europ&auml;ischen Union (EuGH) gerichtete Vorabentscheidungsersuchen des Senats vom 8.&nbsp;Mai 2014 III&nbsp;R&nbsp;17\/13 (BFHE 245, 522, BStBl II 2015, 329) angeordnet. Der EuGH hat mit Urteil vom 22.&nbsp;Oktober 2015 C-378\/14 (EU:C:2015:720, Deutsches Steuerrecht\/Entscheidungsdienst &#8211;DStRE&#8211; 2015, 1501) in der Rechtssache Trapkowski &uuml;ber die Vorlagefragen entschieden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Abweisung der Klage (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz 1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Unrecht entschieden, dass der Kl&auml;ger einen Anspruch auf Kindergeld f&uuml;r die Zeit ab Mai 2010 hat. Denn der Kl&auml;ger ist zwar nach nationalem Recht anspruchsberechtigt (&sect;&sect;&nbsp;62&nbsp;ff. EStG). Allerdings f&uuml;hrt die Anwendung von Unionsrecht dazu, dass der Anspruch auf Kindergeld gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;64 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG vorrangig der Kindsmutter zusteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Kl&auml;ger erf&uuml;llt die Anspruchsvoraussetzungen nach &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz 1 Nr.&nbsp;1, &sect;&nbsp;32 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1, Abs.&nbsp;3 EStG. Dies wurde &#8211;f&uuml;r den Senat bindend (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO)&#8211; vom FG festgestellt und ist zwischen den Beteiligten auch nicht streitig. Unerheblich ist, dass S seinen Wohnsitz in Bulgarien hat (&sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Allerdings ist die Kindsmutter nach &sect;&nbsp;64 Abs.&nbsp;2 Satz 1 EStG vorrangig anspruchsberechtigt, weil sie S in ihren Haushalt aufgenommen hat. Gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;67 und 68 der VO Nr.&nbsp;883\/2004 i.V.m. Art.&nbsp;60 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 der VO Nr.&nbsp;987\/2009 ist zu unterstellen, dass sie mit S in Deutschland wohnt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;64 Abs.&nbsp;1 EStG wird das Kindergeld nur einem Berechtigten gezahlt. Bei mehreren Berechtigten wird es demjenigen gezahlt, der das Kind in seinen Haushalt aufgenommen hat (&sect;&nbsp;64 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall ergibt sich die Anspruchsberechtigung der Kindsmutter aus &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG. Zwar liegt der nach dieser Vorschrift erforderliche Inlandswohnsitz tats&auml;chlich nicht vor. Es finden jedoch die Vorschriften der VO Nr.&nbsp;883\/2004 und der VO Nr.&nbsp;987\/2009 Anwendung. Dadurch wird gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;67 der VO Nr.&nbsp;883\/2004 i.V.m. der VO Nr.&nbsp;987\/2009 ein Inlandswohnsitz der Kindsmutter, die auch die &uuml;brigen Voraussetzungen f&uuml;r eine Anspruchsberechtigung erf&uuml;llt, fingiert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Der Anwendungsbereich der VO Nr.&nbsp;883\/2004 ist im Streitfall er&ouml;ffnet und Deutschland ist der zust&auml;ndige Mitgliedstaat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Kl&auml;ger ist bulgarischer Staatsangeh&ouml;riger und f&auml;llt damit nach Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 der VO Nr.&nbsp;883\/2004 in deren pers&ouml;nlichen Anwendungsbereich. Das Kindergeld ist eine Familienleistung i.S. des Art.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;z der VO Nr.&nbsp;883\/2004, weshalb auch der sachliche Anwendungsbereich er&ouml;ffnet ist (Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;j der VO Nr.&nbsp;883\/2004).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach Art.&nbsp;11 Abs.&nbsp;1 der VO Nr.&nbsp;883\/2004 unterliegen die von der Verordnung erfassten Personen den Rechtsvorschriften nur eines Mitgliedstaats. Da der Kl&auml;ger in Deutschland nichtselbst&auml;ndig besch&auml;ftigt war, unterlag er den deutschen Rechtsvorschriften (Art.&nbsp;11 Abs.&nbsp;3 Buchst.&nbsp;a der VO Nr.&nbsp;883\/2004).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Aus Art.&nbsp;67 und 68 Abs.&nbsp;1 der VO Nr.&nbsp;883\/2004 i.V.m. Art.&nbsp;60 Abs.&nbsp;1 Satz 2 der VO Nr.&nbsp;987\/2009 folgt, dass die Wohnsituation der Kindsmutter fiktiv in das Inland &uuml;bertragen wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach Art.&nbsp;60 Abs.&nbsp;1 Satz 2 der VO Nr.&nbsp;987\/2009 ist bei Anwendung von Art.&nbsp;67 und 68 der VO Nr.&nbsp;883\/2004, insbesondere was das Recht einer Person zur Erhebung eines Leistungsanspruchs anbelangt, die Situation der gesamten Familie in einer Weise zu ber&uuml;cksichtigen, als w&uuml;rden alle beteiligten Personen unter die Rechtsvorschriften des betreffenden Mitgliedstaats fallen und dort wohnen. Gem&auml;&szlig; Art.&nbsp;67 der VO Nr.&nbsp;883\/2004 hat eine Person auch f&uuml;r Familienangeh&ouml;rige, die in einem anderen Mitgliedstaat wohnen, Anspruch auf Familienleistungen nach den Rechtsvorschriften des zust&auml;ndigen Mitgliedstaats, als w&uuml;rden die Familienangeh&ouml;rigen in diesem Mitgliedstaat wohnen. Danach schafft Art.&nbsp;60 Abs.&nbsp;1 Satz 2 der VO Nr.&nbsp;987\/2009 eine Fiktion dahingehend, dass bei Anwendung der Koordinierungsregelungen der Grundverordnung die Situation der gesamten Familie in einer Weise zu ber&uuml;cksichtigen ist, als w&uuml;rden alle beteiligten Personen unter die Rechtsvorschriften des f&uuml;r die Gew&auml;hrung der Familienleistungen zust&auml;ndigen Mitgliedstaats fallen und dort wohnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Art.&nbsp;67 der VO Nr.&nbsp;883\/2004 ist ungeachtet dessen anwendbar, dass es bereits nach nationalem Recht (&sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1, Satz&nbsp;3 EStG) nicht darauf ankommt, ob das Kind seinen Wohnsitz im Inland oder in einem Mitgliedstaat der Europ&auml;ischen Union hat (EuGH-Urteil in DStRE 2015, 1501). Dar&uuml;ber hinaus ist im Streitfall wegen des Anspruchs auf Familienleistungen nach bulgarischem Recht zus&auml;tzlich eine von Art.&nbsp;68 der VO Nr.&nbsp;883\/2004 erfasste Konkurrenzsituation gegeben. Entgegen der Rechtsauffassung des Kl&auml;gers f&uuml;hrt die Anwendbarkeit des Art.&nbsp;68 der VO Nr.&nbsp;883\/2004 nicht dazu, dass die Grunds&auml;tze des EuGH-Urteils in DStRE 2015, 1501 im Streitfall nicht einschl&auml;gig sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Zu den &quot;beteiligten Personen&quot; i.S. des Art.&nbsp;60 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 der VO Nr.&nbsp;987\/2009 geh&ouml;ren die Familienangeh&ouml;rigen i.S. des Art.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;i Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;i der VO Nr.&nbsp;883\/2004. Da das Kindergeldrecht nach dem EStG den Begriff des Familienangeh&ouml;rigen weder verwendet noch definiert, sind hierunter neben den Elternteilen und dem Kind alle Personen zu verstehen, die nach nationalem Recht berechtigt sind, Anspruch auf diese Leistungen zu erheben (EuGH-Urteil in DStRE 2015, 1501). Daher werden von diesem Begriff auch getrennt lebende Eltern umfasst.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Begriff der &quot;beteiligten Personen&quot; i.S. des Art.&nbsp;60 Abs.&nbsp;1 Satz 2 der VO Nr.&nbsp;987\/2009 ist auch nicht unter R&uuml;ckgriff auf Art.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;i Nr.&nbsp;2 der VO Nr.&nbsp;883\/2004 zu bestimmen. Danach werden als &quot;Familienangeh&ouml;rige&quot; nur der Ehegatte, die minderj&auml;hrigen Kinder und die unterhaltsberechtigten vollj&auml;hrigen Kinder angesehen, wenn die anzuwendenden Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats die Familienangeh&ouml;rigen nicht von anderen Personen unterscheiden, auf die diese Rechtsvorschriften anwendbar sind. Die Nichtanwendbarkeit dieser Bestimmung ergibt sich zum einen daraus, dass im deutschen Kindergeldrecht die Anspruchsberechtigung von einer familienrechtlichen Beziehung abh&auml;ngig gemacht wird (vgl. &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 EStG). Zum anderen hat auch der EuGH in seinem Urteil in DStRE 2015, 1501 zur Bestimmung der &quot;beteiligten Person&quot; auf die nach dem nationalen Recht Anspruchsberechtigten abgestellt und damit auch die nicht verheiratete Kindsmutter als beteiligte Person qualifiziert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die Kindsmutter erf&uuml;llt neben dem Wohnsitzerfordernis nach &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG auch die &uuml;brigen Voraussetzungen f&uuml;r einen vorrangigen Kindergeldanspruch.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Anhaltspunkte daf&uuml;r, dass sie eine nicht freiz&uuml;gigkeitsberechtigte Ausl&auml;nderin i.S. des &sect;&nbsp;62 Abs.&nbsp;2 EStG sein k&ouml;nnte, ergeben sich aus den Feststellungen des FG nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Ein vorrangiger Anspruch des Kl&auml;gers ergibt sich nicht aus &sect;&nbsp;64 Abs.&nbsp;2 Satz 2 EStG. Denn die Anwendung dieser Bestimmung w&uuml;rde einen gemeinsamen Haushalt der Eltern voraussetzen. Es bestand jedoch kein gemeinsamer Haushalt, der zur vorrangigen Anspruchsberechtigung des Kl&auml;gers h&auml;tte f&uuml;hren k&ouml;nnen. Ein gemeinsamer Haushalt folgt auch nicht aus der Fiktionswirkung des Art.&nbsp;60 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 der VO Nr.&nbsp;987\/2009. Nach den Feststellungen des FG lebten der Kl&auml;ger und die Kindsmutter dauernd getrennt und unterhielten in Bulgarien keinen gemeinsamen Haushalt. Am Fehlen eines gemeinsamen Haushalts &auml;ndert sich somit auch dann nichts, wenn man fingiert, dass sich der Haushalt der Kindsmutter in Deutschland befand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Schlie&szlig;lich kommt es nicht darauf an, ob die Kindsmutter selbst einen Antrag auf Kindergeld nach deutschem Recht gestellt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nimmt eine Person, die berechtigt ist, Anspruch auf Leistungen zu erheben, dieses Recht nicht wahr, ber&uuml;cksichtigt nach Art.&nbsp;60 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 der VO Nr.&nbsp;987\/2009 der zust&auml;ndige Tr&auml;ger des Mitgliedstaats, dessen Rechtsvorschriften anzuwenden sind (hier: Deutschland), einen Antrag auf Familienleistungen, der von dem anderen Elternteil gestellt wird. Der Anspruch auf Kindergeld musste dem Kl&auml;ger daher nicht wegen des fehlenden Antrags der Kindsmutter zuerkannt werden. Vielmehr reicht es aus, dass der Kl&auml;ger einen Kindergeldantrag gestellt hat. Diesen hat die deutsche Familienkasse auch zugunsten der Kindsmutter zu ber&uuml;cksichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>7. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 13.4.2016, III R 14\/13 Kindergeld: Anspruchsberechtigung bei grenz&uuml;berschreitenden Sachverhalten Tenor Auf die Revision der Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 18. Dezember 2012&nbsp;&nbsp;9 K 1256\/11 Kg aufgehoben. Die Klage wird abgewiesen. Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen. Tatbestand &nbsp; 1&nbsp; I. Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger), &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-14-13-kindergeld-anspruchsberechtigung-bei-grenzueberschreitenden-sachverhalten\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">III&nbsp;R&nbsp;14\/13 &#8211; Kindergeld: Anspruchsberechtigung bei grenz&uuml;berschreitenden Sachverhalten<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-66212","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66212","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66212"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66212\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66212"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66212"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66212"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}