{"id":66249,"date":"2017-01-18T12:21:13","date_gmt":"2017-01-18T10:21:13","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=66249"},"modified":"2017-01-18T12:21:13","modified_gmt":"2017-01-18T10:21:13","slug":"i-r-40-14-ausschluss-frueherer-beamter-vom-richteramt-aufhebung-und-zurueckverweisung-bei-verstoss-des-fg-gegen-par-51-abs-1-fgo-ivm-par-41-nr-4-zpo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-40-14-ausschluss-frueherer-beamter-vom-richteramt-aufhebung-und-zurueckverweisung-bei-verstoss-des-fg-gegen-par-51-abs-1-fgo-ivm-par-41-nr-4-zpo\/","title":{"rendered":"I&nbsp;R&nbsp;40\/14 &#8211; Ausschluss fr&uuml;herer Beamter vom Richteramt &#8211; Aufhebung und Zur&uuml;ckverweisung bei Versto&szlig; des FG gegen &sect; 51 Abs. 1 FGO i.V.m. &sect; 41 Nr. 4 ZPO"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 20.7.2016, I R 40\/14<br \/>ECLI:DE:BFH:2016:U.200716.IR40.14.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Ausschluss fr&uuml;herer Beamter vom Richteramt &#8211; Aufhebung und Zur&uuml;ckverweisung bei Versto&szlig; des FG gegen &sect; 51 Abs. 1 FGO i.V.m. &sect; 41 Nr. 4 ZPO<\/p>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Kl&auml;gers wird das Urteil des Finanzgerichts Baden-W&uuml;rttemberg, Au&szlig;ensenate Freiburg, vom 19. Dezember 2013&nbsp;&nbsp;3 K 1189\/13 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht Baden-W&uuml;rttemberg, Au&szlig;ensenate Freiburg, zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Revisionsverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der im Inland wohnende und hier auch im Sinne des Abkommensrechts ans&auml;ssige Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) arbeitete seit 1998 in der Schweiz bei einem dortigen Unternehmen als Vizedirektor. Seine im Streitjahr (2010) erzielten Arbeitseink&uuml;nfte wurden vom Beklagten und Revisionsbeklagten (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) der Besteuerung unterworfen, weil der Bundesrepublik Deutschland das Besteuerungsrecht daran nach der Grenzg&auml;ngerregelung des Art.&nbsp;15a des Abkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Schweizerischen Eidgenossenschaft zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Verm&ouml;gen vom 11.&nbsp;August 1971 (BGBl II 1972, 1022, BStBl I 1972, 519) i.d.F. des Protokolls vom 21.&nbsp;Dezember 1992 (BGBl II 1993, 1888, BStBl I 1993, 928) zustehe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dagegen wendete sich der Kl&auml;ger mit seinem im August 2012 erhobenen Einspruch; der Einspruch wurde mit Einspruchsentscheidung des FA vom 27.&nbsp;Februar 2013 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen. Die anschlie&szlig;end (am 4.&nbsp;April 2013) erhobene Klage blieb erfolglos. Das Finanzgericht (FG) Baden-W&uuml;rttemberg, Au&szlig;ensenate Freiburg, hat sie mit Urteil vom 19.&nbsp;Dezember 2013&nbsp; 3&nbsp;K&nbsp;1189\/13 unter Mitwirkung von Richterin am Finanzgericht R als unbegr&uuml;ndet abgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gegen das FG-Urteil richtet sich die Revision des Kl&auml;gers.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt, das FG-Urteil und den angefochtenen Bescheid aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr&uuml;ndet und f&uuml;hrt gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung. Das angefochtene Urteil kann keinen Bestand haben, weil R f&uuml;r den Streitfall von der Aus&uuml;bung des Richteramts ausgeschlossen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach der gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;51 Abs.&nbsp;1 FGO im Finanzgerichtsprozess sinngem&auml;&szlig; anwendbaren Bestimmung des &sect;&nbsp;41 Nr.&nbsp;4 der Zivilprozessordnung (ZPO) ist ein Richter von der Aus&uuml;bung des Richteramts kraft Gesetzes ausgeschlossen, wenn er in der Sache als Prozessbevollm&auml;chtigter oder Beistand einer Partei bestellt oder als gesetzlicher Vertreter einer Partei aufzutreten berechtigt ist oder gewesen ist. Durch den Ausschluss soll die Mitwirkung einer Gerichtsperson verhindert werden, f&uuml;r die auch nur die abstrakte M&ouml;glichkeit bestand, den Streitpunkt bereits aus der Sicht eines Beteiligtenvertreters zu sehen (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 4.&nbsp;Juli 1990 II&nbsp;R&nbsp;65\/89, BFHE&nbsp;161, 8, BStBl II 1990, 787). Da f&uuml;r den Tatbestand des &sect;&nbsp;41 Nr.&nbsp;4 ZPO ein tats&auml;chliches Auftreten als Vertreter nicht erforderlich ist (Brandis in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;51 FGO Rz&nbsp;9), ist ein (Finanz-)Beamter, der kraft Gesetzes oder aufgrund erteilten generellen oder einzelnen Auftrags Vertreter einer Beh&ouml;rde war und nunmehr Richter wird, von der Mitwirkung an allen Sachen, in denen diese Beh&ouml;rde Beteiligte ist, ausgeschlossen, die bereits vor seiner &Uuml;bernahme in das Richterverh&auml;ltnis anh&auml;ngig waren und somit von ihm h&auml;tten vertreten werden k&ouml;nnen (Senatsbeschluss vom 7.&nbsp;Juni 2016 I&nbsp;B&nbsp;159\/15, juris; Leipold in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;51 FGO Rz&nbsp;24; Schoenfeld in Beermann\/Gosch, FGO &sect;&nbsp;51 Rz&nbsp;27; Gr&auml;ber\/Stapperfend, Finanzgerichtsordnung, 8.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;51 Rz&nbsp;11; s. auch BFH-Urteil in BFHE&nbsp;161, 8, BStBl II 1990, 787 zur Ausschlie&szlig;ung eines Richters, der zum Zeitpunkt des Erlasses der Einspruchsentscheidung Finanzamtsvorsteher war).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. In Bezug auf R liegt eine solche Konstellation hier vor. Ausweislich der Angaben des FA, die f&uuml;r das Jahr 2012 durch Vorlage des betreffenden Gesch&auml;ftsverteilungsplans belegt sind, war R vom 1.&nbsp;Oktober 2010 bis 30.&nbsp;September 2013 Sachgebietsleiterin und zugleich Stellvertreterin desjenigen Sachgebietsleiters, der die Rechtsbehelfsstelle des FA geleitet hat, in welcher im Februar 2013 auch &uuml;ber den Einspruch des hiesigen Kl&auml;gers entschieden worden ist. R war au&szlig;erdem aufgrund einer Generalvollmacht des Vorstehers des FA vom 22.&nbsp;August 2012 erm&auml;chtigt worden, das FA in allen stattfindenden Terminen beim FG zu vertreten und alle Erkl&auml;rungen f&uuml;r und gegen das FA abzugeben. Die Generalvollmacht bestand noch, als die Klage bereits beim FG anh&auml;ngig war. Unerheblich ist in diesem Zusammenhang, ob R seinerzeit tats&auml;chlich mit der Streitsache befasst gewesen ist (Senatsbeschluss vom 7.&nbsp;Juni 2016 I&nbsp;B&nbsp;159\/15, juris).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Da die Ausschlie&szlig;ung unverzichtbar und in jeder Lage des Verfahrens von Amts wegen zu beachten ist, steht der Aufhebung und Zur&uuml;ckverweisung nicht entgegen, dass die Beteiligten die Besetzung des FG weder vor dem FG noch im Rahmen des Revisionsverfahrens ger&uuml;gt haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die &Uuml;bertragung der Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 20.7.2016, I R 40\/14ECLI:DE:BFH:2016:U.200716.IR40.14.0 Ausschluss fr&uuml;herer Beamter vom Richteramt &#8211; Aufhebung und Zur&uuml;ckverweisung bei Versto&szlig; des FG gegen &sect; 51 Abs. 1 FGO i.V.m. &sect; 41 Nr. 4 ZPO Tenor Auf die Revision des Kl&auml;gers wird das Urteil des Finanzgerichts Baden-W&uuml;rttemberg, Au&szlig;ensenate Freiburg, vom 19. Dezember 2013&nbsp;&nbsp;3 K 1189\/13 aufgehoben. 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