{"id":66257,"date":"2017-01-18T12:22:40","date_gmt":"2017-01-18T10:22:40","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=66257"},"modified":"2017-01-18T12:22:40","modified_gmt":"2017-01-18T10:22:40","slug":"x-r-43-13-sonderausgabenabzug-fuer-vom-erben-nachgezahlte-kirchensteuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-43-13-sonderausgabenabzug-fuer-vom-erben-nachgezahlte-kirchensteuer\/","title":{"rendered":"X&nbsp;R&nbsp;43\/13 &#8211; Sonderausgabenabzug f&uuml;r vom Erben nachgezahlte Kirchensteuer"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 21.7.2016, X R 43\/13<br \/>ECLI:DE:BFH:2016:U.210716.XR43.13.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Sonderausgabenabzug f&uuml;r vom Erben nachgezahlte Kirchensteuer<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Zahlungen auf offene Kirchensteuern des Erblassers durch den Erben sind bei diesem im Jahr der Zahlung als Sonderausgabe abziehbar.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Hessischen Finanzgerichts vom 26. September 2013 8 K 649\/13 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) wird im Streitjahr 2011 einzeln zur Einkommensteuer veranlagt. Sie ist zusammen mit ihren beiden Geschwistern Miterbin nach ihrem verstorbenen Vater (V).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dieser hatte sein Steuerberatungsb&uuml;ro im Dezember 2007 ver&auml;u&szlig;ert und sollte als Gegenleistung ab Januar 2008 monatlich 4.000&nbsp;EUR f&uuml;r die Dauer von zehn Jahren erhalten. Falls V vor Ablauf der Vertragsdauer versterben sollte, war ein Kaufpreis in H&ouml;he von 480.000&nbsp;EUR vereinbart. Seine Erben sollten den Kaufpreis abz&uuml;glich der bereits geleisteten monatlichen Verg&uuml;tungen in drei gleichen Jahresraten erhalten. Eine andere Zahlungsweise konnte vereinbart werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>V verstarb im Februar 2009. Die Erwerberin des Steuerberatungsb&uuml;ros einigte sich im Laufe des Jahres 2009 mit den Erben darauf, den verbleibenden Restkaufpreis in H&ouml;he von 424.000&nbsp;EUR abz&uuml;glich eines Nachlasses in H&ouml;he von 7.500&nbsp;EUR in einer Summe zu zahlen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitjahr 2011 f&uuml;hrte der erst von den Erben f&uuml;r 2007 erkl&auml;rte Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn zu &Auml;nderungen der Einkommensteuerfestsetzungen des V. Folge waren eine Kirchensteuernachforderung f&uuml;r 2007 in H&ouml;he von 9.207,27&nbsp;EUR sowie Erstattungen in H&ouml;he von 1.093,50&nbsp;EUR und 166,00 EUR f&uuml;r 2008 bzw. 2009. Der Differenzbetrag in H&ouml;he von 7.947,77&nbsp;EUR wurde von den Erben des V im Streitjahr bezahlt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Einkommensteuerbescheid der Kl&auml;gerin f&uuml;r 2011 hatte der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erkl&auml;rungsgem&auml;&szlig; die von der Kl&auml;gerin auf ihre Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger T&auml;tigkeit bezahlte Kirchensteuer ber&uuml;cksichtigt. Im Einspruchsverfahren begehrte sie unter Hinweis auf den Beschluss des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 10.&nbsp;April 2003 XI&nbsp;R&nbsp;54\/99 (BFHE 202, 284, BStBl II 2004, 400) den zus&auml;tzlichen Ansatz weiterer Sonderausgaben in H&ouml;he von einem Drittel der f&uuml;r das Jahr 2007 geleisteten Kirchensteuernachzahlung in H&ouml;he von 9.207,27&nbsp;EUR, mithin 3.069,09&nbsp;EUR. Der Einspruch hatte keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Klageverfahren hat die Kl&auml;gerin nach einem Hinweis des Finanzgerichts (FG) auf die Kirchensteuererstattungen f&uuml;r die Jahre 2008 und 2009, die mit der Nachforderung f&uuml;r 2007 verrechnet worden waren, ihr Begehren auf die zus&auml;tzliche Anerkennung von Sonderausgaben in H&ouml;he von 2.649&nbsp;EUR (= gerundet ein Drittel von 7.947,77&nbsp;EUR) beschr&auml;nkt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat der Klage stattgegeben. Da eine Ber&uuml;cksichtigung der Kirchensteuer als Betriebsausgabe oder Werbungskosten ausscheide, sei der Betrag schon nach dem Gesetzeswortlaut als Sonderausgabe abziehbar, weil er von der Kl&auml;gerin tats&auml;chlich gezahlt worden sei. Dies sei nach dem BFH-Urteil vom 14.&nbsp;Oktober 2009 X&nbsp;R&nbsp;29\/08 (BFH\/NV 2010, 848, Rz&nbsp;17) auch deshalb gerechtfertigt, weil das Verm&ouml;gen des V im Zeitpunkt seines Todes Verm&ouml;gen der Erben geworden und deshalb die Kirchensteuer letztlich aus dem Verm&ouml;gen der Erben gezahlt worden sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zudem sei unabh&auml;ngig von einer etwaigen Einordnung der streitigen Kirchensteuer als Nachlassverbindlichkeit i.S. von &sect;&nbsp;1967 Abs.&nbsp;2 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs (BGB) diese nicht bereits mit dem Erbfall entstanden. Vielmehr beruhe sie auf der im Streitfall von den Erben getroffenen Vereinbarung mit der Erwerberin des Steuerberatungsb&uuml;ros und somit auf einer eigenen Entscheidung der Erben. Erst durch die &Auml;nderung der urspr&uuml;nglichen Verkaufsvereinbarung sei die M&ouml;glichkeit einer abweichenden Aus&uuml;bung des sog. Ver&auml;u&szlig;ererwahlrechts mit der Folge der Versteuerung des Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns im Jahr 2007 entstanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt das FA eine Verletzung materiellen Rechts. Das FG habe &uuml;bersehen, dass die von der h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung entwickelten Grunds&auml;tze zur Abziehbarkeit der Kirchen- und Verm&ouml;gensteuer beim Erben ihren Ursprung in der Rechtsprechung zur Vererblichkeit des Verlustabzugs h&auml;tten. Durch den Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 17.&nbsp;Dezember 2007 GrS&nbsp;2\/04 (BFHE 220, 129, BStBl II 2008, 608) sei der Ber&uuml;cksichtigung der Kirchensteuer beim Erben die Grundlage entzogen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG habe das Prinzip der Individualbesteuerung verkannt. Kirchensteuer sei als Sonderausgabe nur dann abziehbar, wenn der Steuerpflichtige sie aufgrund seiner individuellen Zugeh&ouml;rigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft selbst schulde. Die Ankn&uuml;pfung der Abziehbarkeit von Kirchensteuer nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 des Einkommensteuergesetzes (EStG) an den reinen Zahlungsvorgang w&uuml;rde zudem die Ber&uuml;cksichtigung von Drittaufwand erm&ouml;glichen. Dem habe das FG D&uuml;sseldorf im Urteil vom 28.&nbsp;Februar 2007&nbsp;&nbsp;7&nbsp;K&nbsp;6571\/04&nbsp;E (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2007, 1503, Rz&nbsp;30) eine Absage erteilt. Auch im Streitfall habe die Kl&auml;gerin nicht eine eigene Kirchensteuerschuld, sondern die Schuld des Erblassers beglichen. Dieser habe den Tatbestand verwirklicht, an den das Gesetz die Heranziehung zur Kirchensteuer kn&uuml;pfe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die &Auml;nderung des Ver&auml;u&szlig;ererwahlrechts sei ein r&uuml;ckwirkendes Ereignis und habe den Entstehungszeitpunkt der Kirchensteuer mit Ablauf des Kalenderjahres 2007 nicht ver&auml;ndert. Durch die ge&auml;nderte Wahlrechtsaus&uuml;bung sei lediglich die H&ouml;he der Kirchensteuerschuld neu definiert worden. Damit sei die Kirchensteuer eine Nachlassverbindlichkeit i.S. von &sect;&nbsp;1967 Abs.&nbsp;2 BGB. Der vom FG herangezogene Vergleich mit der BFH-Entscheidung in BFH\/NV 2010, 848 trage nicht. In dem dieser Entscheidung zugrunde liegenden Streitfall (Steuerberatungskosten des Erben f&uuml;r die Erstellung der Erbschaftsteuererkl&auml;rung) sei das Rechtsverh&auml;ltnis, das die Zahlungspflicht des Erben ausgel&ouml;st habe, erst nach Eintritt des Erbfalls begr&uuml;ndet worden. Nach dem Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH in BFHE 220, 129, BStBl II 2008, 608, (Rz&nbsp;71) seien noch in der Person des Erblassers begr&uuml;ndete Verbindlichkeiten Nachlassverbindlichkeiten, die beim &Uuml;bergang des Verm&ouml;gens auf den Erben dessen erbschaftsteuerrechtliche Bereicherung schm&auml;lerten. Einkommensteuerrechtlich sei die Kirchensteuer als Nachlassverbindlichkeit ohne Bedeutung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>das FG-Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin hat keinen Antrag gestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und nach &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur&uuml;ckzuweisen. Zu Recht hat das FG erkannt, dass der Kl&auml;gerin nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 EStG ein weiterer Sonderausgabenabzug in H&ouml;he von 2.649&nbsp;EUR zusteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG sind bestimmte im Einzelnen aufgef&uuml;hrte &quot;Aufwendungen&quot; als Sonderausgaben abziehbar, wenn sie weder Betriebsausgaben noch Werbungskosten sind oder wie Betriebsausgaben oder Werbungskosten behandelt werden. Aus der Verwendung des Begriffs &quot;Aufwendungen&quot; und aus dem Zweck des &sect;&nbsp;10 EStG, bestimmte die wirtschaftliche Leistungsf&auml;higkeit des Steuerpflichtigen mindernde Privatausgaben vom Abzugsverbot des &sect;&nbsp;12 Nr.&nbsp;1 EStG auszunehmen, folgt nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des BFH, dass nur solche Ausgaben als Sonderausgaben ber&uuml;cksichtigt werden d&uuml;rfen, durch die der Steuerpflichtige tats&auml;chlich und endg&uuml;ltig wirtschaftlich belastet ist (vgl. z.B. Senatsurteil vom 28.&nbsp;Mai 1998 X&nbsp;R&nbsp;7\/96, BFHE 186, 521, BStBl II 1999, 95, unter 3.a, m.w.N.; s. dazu auch Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 18.&nbsp;Februar 1988&nbsp;&nbsp;1&nbsp;BvR&nbsp;930\/86, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung 1989, 271, unter 1.b).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Da im Streitfall die Ber&uuml;cksichtigung der von der Kl&auml;gerin &#8211;zwischen den Beteiligten unstreitig&#8211; gezahlten Kirchensteuer als Betriebsausgabe bzw. Werbungskosten nicht in Betracht kommt, ist sie nach dem eindeutigen Gesetzeswortlaut des &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 EStG als Sonderausgabe abziehbar (so auch St&ouml;cker in Bordewin\/Brandt, &sect;&nbsp;10 EStG Rz&nbsp;674; Bl&uuml;mich\/ Hutter, &sect;&nbsp;10 EStG Rz&nbsp;42; Kulosa in Herrmann\/Heuer\/Raupach, &sect;&nbsp;10 EStG Rz&nbsp;38; Lindermann in Littmann\/Bitz\/Pust, Das Einkommensteuerrecht, Kommentar, &sect;&nbsp;10 Rz&nbsp;14&nbsp;f.; Meier, Finanz-Rundschau 1987, 31; Schmidt\/Heinicke, EStG, 35.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;10 Rz&nbsp;26; a.A. Lindberg in Frotscher, EStG, Freiburg 2011, &sect;&nbsp;10 Rz&nbsp;15c; S&ouml;hn, in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;10 Rz&nbsp;B&nbsp;183 und G&nbsp;41; Ring, Deutsche Steuer-Zeitung 1981, 24; Ruppe, Deutsche Steuerjuristische Gesellschaft 10 [1987], 45, 93).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Eine teleologische Reduktion des Gesetzeswortlauts ist angesichts der wirtschaftlichen Belastung der Kl&auml;gerin durch die Kirchensteuerzahlung nicht angemessen und kommt deshalb nicht in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach &sect;&nbsp;1922 Abs.&nbsp;1 BGB ging mit dem Tod des V dessen Verm&ouml;gen als Ganzes auf dessen Erben, die Kl&auml;gerin und ihre Geschwister, &uuml;ber. &sect;&nbsp;1967 Abs.&nbsp;1 BGB bestimmt, dass die Erben, somit also auch die Kl&auml;gerin, f&uuml;r die Nachlassverbindlichkeiten haften. Als Erbin ist die Kl&auml;gerin damit mit dem Erbfall in die steuerschuldrechtliche Position des Erblassers eingetreten (&sect;&nbsp;45 Abs.&nbsp;1 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211;) und sie wurde selbst Steuerschuldnerin hinsichtlich der von V hinterlassenen Steuerr&uuml;ckst&auml;nde. Da im Streitfall weder Nachlassverwaltung angeordnet noch das Nachlassinsolvenzverfahren er&ouml;ffnet worden ist, der Kl&auml;gerin weder die D&uuml;rftigkeitseinrede (&sect;&nbsp;1990 BGB) noch die Einrede der &Uuml;berbeschwerung (&sect;&nbsp;1992 BGB) zusteht, hatte sie f&uuml;r die Kirchensteuer als Nachlassverbindlichkeit unbeschr&auml;nkt, also nicht nur mit dem Nachlass, sondern auch mit ihrem Eigenverm&ouml;gen einzustehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Der BFH hat bereits im Urteil vom 5.&nbsp;Februar 1960 VI&nbsp;204\/59&nbsp;U (BFHE 70, 374, BStBl III 1960, 140) erkannt, dass die Kirchensteuer, die ein Steuerpflichtiger in seiner Eigenschaft als Erbe entrichtet, als Sonderausgabe abziehbar ist, und damit das BFH-Urteil vom 1.&nbsp;M&auml;rz 1957 VI&nbsp;57\/55&nbsp;U (BFHE 64, 358, BStBl III 1957, 135) die Verm&ouml;gensteuer betreffend best&auml;tigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Urteil vom 16.&nbsp;Mai 2001 I&nbsp;R&nbsp;76\/99 (BFHE 195, 328, BStBl II 2002, 487) hat der I. Senat des BFH die Rechtsprechung in BFHE 70, 374, BStBl III 1960, 140 und in BFHE 64, 358, BStBl III 1957, 135 zum Sonderausgabenabzug des Erben f&uuml;r den Erblasser treffende Verm&ouml;gen- und Kirchensteuer best&auml;tigt und ausgef&uuml;hrt, Besteuerungsmerkmale, die (nur) in der Person des Erblassers begr&uuml;ndet seien, w&uuml;rden auch ohne ausdr&uuml;ckliche gesetzliche Anweisung bei der Besteuerung des Erben ber&uuml;cksichtigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch der Gro&szlig;e Senat des BFH hat im Beschluss in BFHE 220, 129, BStBl II 2008, 608, Rz&nbsp;77 nach der &Auml;nderung der Rechtsprechung zum Eintritt des Erben in den Verlustabzug nach &sect;&nbsp;10d EStG ausdr&uuml;cklich an der Rechtsprechung in BFHE 70, 374, BStBl III 1960, 140 festgehalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Aus den Einwendungen des FA gegen das Urteil des FG ergibt sich nichts anderes:<\/p>\n<p>a) Zutreffend weist das FA zwar darauf hin, das vom FG angef&uuml;hrte Senatsurteil in BFH\/NV 2010, 848 k&ouml;nne kein Beleg daf&uuml;r sein, dass die Kl&auml;gerin im Streitfall die den Erblasser betreffende Kirchensteuerlast als Sonderausgabe abziehen k&ouml;nne, weil die Verpflichtung zur Zahlung der Steuerberatungskosten auf einer eigenen Entscheidung des Erben und auf einem von ihm selbst begr&uuml;ndeten Vertragsverh&auml;ltnis beruhe. Der Erbfall sei nur der Anlass, nicht aber der Grund der Verpflichtung. Doch l&auml;sst sich dieser Entscheidung inhaltlich nichts f&uuml;r oder gegen den Sonderausgabenabzug im Streitfall entnehmen.<\/p>\n<p>b) Auch aus dem Urteil des FG D&uuml;sseldorf in EFG 2007, 1503 kann keine Absage an den Sonderausgabenabzug der Kirchensteuerzahlung eines Erben abgeleitet werden. Hier hat der Kl&auml;ger als Haftungsschuldner nach &sect;&nbsp;42d EStG auf eine fremde Steuerschuld geleistet. Im Streitfall war die Kl&auml;gerin als Rechtsnachfolgerin des V (Mit-)Schuldnerin der Kirchensteuer.<\/p>\n<p>c) Die Zuwendungsentscheidung beim Spendenabzug als h&ouml;chstpers&ouml;nlichen Umstand (Senatsurteil vom 21.&nbsp;Oktober 2008 X&nbsp;R&nbsp;44\/05, BFH\/NV 2009, 375) kann &#8211;wie das FG zutreffend erkannt hat&#8211; nicht auf den Kirchensteuerabzug &uuml;bertragen werden. Denn im Gegensatz zur ma&szlig;geblichen tats&auml;chlichen Zahlung bei &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;4 EStG kn&uuml;pft &sect;&nbsp;10b Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG mit den &quot;Zuwendungen&quot; nach der Senatsrechtsprechung &uuml;ber die blo&szlig;e Zahlung hinausgehend an eine besondere Widmung der Leistung zu einem bestimmten Zweck an. Im &Uuml;brigen hat die Kl&auml;gerin als Erbin des V &#8211;anders als im Senatsurteil in BFH\/NV 2009, 375&#8211; die Zahlung der Kirchensteuer selbst geleistet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Im Gegenzug w&auml;ren auch Erstattungen &uuml;berzahlter Kirchensteuer des Erblassers auf eigene Zahlungen des Erben anzurechnen und w&uuml;rden dessen Sonderausgabenabzug schm&auml;lern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>7. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 21.7.2016, X R 43\/13ECLI:DE:BFH:2016:U.210716.XR43.13.0 Sonderausgabenabzug f&uuml;r vom Erben nachgezahlte Kirchensteuer Leits&auml;tze Zahlungen auf offene Kirchensteuern des Erblassers durch den Erben sind bei diesem im Jahr der Zahlung als Sonderausgabe abziehbar. Tenor Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Hessischen Finanzgerichts vom 26. September 2013 8 K 649\/13 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-r-43-13-sonderausgabenabzug-fuer-vom-erben-nachgezahlte-kirchensteuer\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">X&nbsp;R&nbsp;43\/13 &#8211; Sonderausgabenabzug f&uuml;r vom Erben nachgezahlte Kirchensteuer<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-66257","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66257","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66257"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66257\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66257"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66257"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66257"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}