{"id":66286,"date":"2017-01-18T12:35:43","date_gmt":"2017-01-18T10:35:43","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=66286"},"modified":"2017-01-18T12:35:43","modified_gmt":"2017-01-18T10:35:43","slug":"v-r-36-15-organschaft-in-der-insolvenz-keine-organschaft-zwischen-schwestergesellschaften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-36-15-organschaft-in-der-insolvenz-keine-organschaft-zwischen-schwestergesellschaften\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;36\/15 &#8211; Organschaft in der Insolvenz &#8211; Keine Organschaft zwischen Schwestergesellschaften"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.8.2016, V R 36\/15<br \/>ECLI:DE:BFH:2016:U.240816.VR36.15.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Organschaft in der Insolvenz &#8211; Keine Organschaft zwischen Schwestergesellschaften<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Zwischen Schwestergesellschaften besteht auch unter Ber&uuml;cksichtigung des Unionsrechts keine Organschaft nach &sect; 2 Abs. 2 Nr. 2 UStG.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Die Organschaft entf&auml;llt sp&auml;testens mit der Bestellung eines vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalters mit allgemeinem Zustimmungsvorbehalt f&uuml;r die Organgesellschaft.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. Der Grundsatz von Treu und Glauben wie auch der Grundsatz des Vertrauensschutzes stehen einer Forderungsanmeldung von Umsatzsteuer im Insolvenzverfahren einer GmbH nicht entgegen, wenn die GmbH bei einer zun&auml;chst unzutreffend bejahten Organschaft, bei der sie rechtsfehlerhaft als Organgesellschaft angesehen wurde, die tats&auml;chlich von ihr als Steuerschuldner geschuldete Umsatzsteuer von dem vermeintlichen Organtr&auml;ger vereinnahmt hat.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revisionen des Kl&auml;gers und der Beigeladenen gegen das Urteil des Nieders&auml;chsischen Finanzgerichts vom 30. Oktober 2014&nbsp;&nbsp;16 K 5\/14 werden als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens haben der Kl&auml;ger und die Beigeladene zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>    <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) ist Insolvenzverwalter einer GmbH, &uuml;ber deren Verm&ouml;gen am 29.&nbsp;Juni 2009 das Insolvenzverfahren er&ouml;ffnet wurde. Bereits am 8.&nbsp;April 2009 war der Kl&auml;ger zum vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalter mit allgemeinem Zustimmungsvorbehalt nach &sect;&nbsp;21 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;2 der Insolvenzordnung (InsO) bestellt worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Gesellschafter der GmbH waren neun nat&uuml;rliche Personen und eine GbR, die zugleich auch alleinige Gesellschafter einer KG waren. Die KG hatte Verm&ouml;gensgegenst&auml;nde an die GmbH f&uuml;r deren unternehmerische T&auml;tigkeit verpachtet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bis zum Jahresende 2008 gingen die GmbH, die KG und der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) davon aus, dass die KG gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) Organtr&auml;ger ihrer Schwestergesellschaft, der GmbH, als Organgesellschaft war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Zusammenhang mit der Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung M&auml;rz 2009 im Mai 2009 machte die KG geltend, dass es f&uuml;r eine Organschaft an der organisatorischen Eingliederung fehle.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA meldete f&uuml;r 2009 Umsatzsteuerforderungen zur Insolvenztabelle an. Der Kl&auml;ger erhob hiergegen Widerspruch. In seinem Feststellungsbescheid vom 28.&nbsp;Oktober 2013 hielt das FA an der Forderungsanmeldung fest. Einspruch und Klage zum Finanzgericht (FG) hatten im Wesentlichen keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im finanzgerichtlichen Verfahren hat das FG eine an der GmbH und zugleich auch an der KG beteiligte Gesellschafterin auf Antrag nach &sect;&nbsp;60 Abs.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) beigeladen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach dem Urteil des FG ist die GmbH Steuerschuldner f&uuml;r die von ihr ausgef&uuml;hrten Ums&auml;tze, da es an einer finanziellen Eingliederung zwischen den beiden Schwestergesellschaften fehle. Das FA sei an der Geltendmachung des Steueranspruchs weder nach Treu und Glauben aufgrund einer Selbstbindung noch nach &sect;&nbsp;176 der Abgabenordnung (AO) gehindert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wenden sich der Kl&auml;ger und die Beigeladene mit ihren Revisionen. Der Kl&auml;ger macht geltend, dass auch zwischen Schwestergesellschaften eine Organschaft bestehen k&ouml;nne, da das Erfordernis eines &Uuml;ber- und Unterordnungsverh&auml;ltnisses unter Ber&uuml;cksichtigung der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union (EuGH) mit Art.&nbsp;11 der Richtlinie des Rates vom 28.&nbsp;November 2006 &uuml;ber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem 2006\/112\/EG nicht vereinbar sei. Zumindest sei Vertrauensschutz im Festsetzungsverfahren zu gew&auml;hren. Der Bundesfinanzhof (BFH) habe erst aufgrund einer Rechtsprechungs&auml;nderung und unter Ablehnung der bis dahin geltenden Verwaltungsauffassung durch Urteil vom 22.&nbsp;April 2010 V&nbsp;R&nbsp;9\/09 (BFHE 229, 433, BStBl II 2011, 597) die Organschaft zwischen Schwestergesellschaften verneint. Es liege ein Vertrauenstatbestand vor, da das FA &uuml;ber Jahrzehnte den Bestand der Organschaft anerkannt habe. Dass die KG Anfang 2009 davon ausgegangen sei, dass keine Organschaft vorliege, sei der GmbH nicht zuzurechnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beigeladene macht geltend, dass dem Kl&auml;ger kein ausreichendes rechtliches Geh&ouml;r gew&auml;hrt worden sei. Der GmbH habe als vermeintliche Organgesellschaft im Besteuerungsverfahren der KG rechtliches Geh&ouml;r gew&auml;hrt werden m&uuml;ssen. Das FG habe gegen &sect;&nbsp;176 AO versto&szlig;en. Allerdings habe das FG zutreffend entschieden, dass zwischen der GmbH und der KG keine Organschaft vorgelegen habe. Es habe an der finanziellen wie auch an der organisatorischen Eingliederung gefehlt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und die Beigeladene beantragen &uuml;bereinstimmend,<br \/>das Urteil des FG und den Feststellungsbescheid vom 28.&nbsp;Oktober 2013 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 18.&nbsp;Dezember 2013 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revisionen zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mangels finanzieller und organisatorischer Eingliederung liege keine Organschaft vor. Ein Anspruch auf Vertrauensschutz bestehe weder nach Treu und Glauben noch entsprechend &sect;&nbsp;176 AO. Es bestehe auch kein guter Glaube an die Voraussetzungen einer Organschaft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revisionen des Kl&auml;gers und der Beigeladenen sind unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Senat hat bereits entschieden, dass zwischen Schwestergesellschaften keine Organschaft nach &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 UStG besteht (BFH-Urteil in BFHE 229, 433, BStBl II 2011, 597, unter II.3.). Der Senat h&auml;lt an dieser Rechtsprechung auch unter Ber&uuml;cksichtigung aller Vorgaben des Unionsrechts und der hierzu ergangenen EuGH-Rechtsprechung fest (BFH-Urteil vom 2.&nbsp;Dezember 2015 V&nbsp;R&nbsp;15\/14, BFHE 252, 158, Leitsatz&nbsp;1 und unter II.1.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Unabh&auml;ngig von der Frage einer finanziellen Eingliederung und dem Streit, ob zwischen der GmbH und KG &uuml;berhaupt in der Vergangenheit eine organisatorische Eingliederung bestanden hat, ist die Organschaft, selbst wenn sie entgegen der BFH-Rechtsprechung zu einem fr&uuml;heren Zeitpunkt bestanden h&auml;tte, sp&auml;testens mit der Bestellung des Kl&auml;gers zum vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalter mit allgemeinem Zustimmungsvorbehalt f&uuml;r die GmbH als (angebliche) Organgesellschaft entfallen (vgl. BFH-Urteil vom 8.&nbsp;August 2013 V&nbsp;R&nbsp;18\/13, BFHE 242, 433, Leitsatz&nbsp;1). Der erkennende Senat h&auml;lt auch an dieser Rechtsprechung unter Beachtung der unionsrechtlichen Vorgaben fest (BFH-Urteil in BFHE 252, 158, unter II.1.a&nbsp;dd&nbsp;(2)).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Der Grundsatz von Treu und Glauben wie auch der Grundsatz des Vertrauensschutzes stehen einer Forderungsanmeldung von Umsatzsteuer im Insolvenzverfahren einer GmbH nicht entgegen, wenn die GmbH bei einer zun&auml;chst unzutreffend bejahten Organschaft, bei der sie rechtsfehlerhaft als Organgesellschaft angesehen wurde, die tats&auml;chlich von ihr als Steuerschuldner geschuldete Umsatzsteuer von dem vermeintlichen Organtr&auml;ger vereinnahmt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Rechtsgrunds&auml;tze von Treu und Glauben sowie von Vertrauensschutz sind nur unter Ber&uuml;cksichtigung der &quot;Ma&szlig;nahmen, Handlung[en] oder Dispositionen des Steuerpflichtigen&quot; von Bedeutung (vgl. nur BFH-Urteil vom 30.&nbsp;Oktober 2014 IV&nbsp;R&nbsp;61\/11, BFHE 247, 332, BStBl II 2015, 478, unter II.3.d). <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Insoweit ist im Streitfall zu ber&uuml;cksichtigen, dass das FA die Umsatzsteuer, die f&uuml;r Rechnung der KG als vermeintliche Organtr&auml;gerin an das FA gezahlt worden war, an die KG erstattet hat, und dass der Kl&auml;ger auf der Grundlage der zwischen der GmbH und der KG bestehenden Vertr&auml;ge von der KG erfolgreich die Auszahlung der vom FA an die KG erstatteten Umsatzsteuer in die Insolvenzmasse erreicht hat, wie sich aus dem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 15.&nbsp;Oktober 2014 XII&nbsp;ZR&nbsp;111\/12, GmbH-Rundschau 2015, 200 ergibt. Der erkennende Senat kann den zwischen dem Kl&auml;ger und der KG bestehenden Rechtsstreit aufgrund der Bezugnahme des FG auf die Einspruchsentscheidung und das abschlie&szlig;ende Urteil in diesem Rechtsstreit durch den BGH als gerichtsbekannt ber&uuml;cksichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hat mithin das FA Umsatzsteuer an die KG als vermeintlichen Organtr&auml;ger der GmbH erstattet und die GmbH von der KG die Auszahlung dieser Umsatzsteuer erlangt, so ist das FA durch Treu und Glauben nicht gehindert, diese Umsatzsteuer gegen die GmbH als Steuerschuldner im Insolvenzverfahren der GmbH geltend zu machen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch Vertrauensschutzgesichtspunkte k&ouml;nnen bei dieser Sachlage im Hinblick auf die rechtsfehlerhafte Bejahung einer Organschaft gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 UStG durch die an der Organschaft Beteiligten nicht geltend gemacht werden und stehen daher einer Korrektur dieser Fehlbeurteilung f&uuml;r die Vergangenheit nicht entgegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Ohne dass der Senat &uuml;ber die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;176 AO abschlie&szlig;end zu entscheiden h&auml;tte, kommt eine direkte oder analoge Anwendung dieser Vorschrift nicht in Betracht, da nicht nur das FA, sondern auch die Parteien des beim BGH gef&uuml;hrten Rechtsstreits von einem Fehlen der organisatorischen Eingliederung ausgegangen sind. Die Rechtsprechungs&auml;nderung des BFH zur finanziellen Eingliederung kann daher keine kausale Grundlage f&uuml;r den geltend gemachten Vertrauensschutz sein, so dass es auf die Frage einer Schutzbed&uuml;rftigkeit, die ohnehin zu verneinen ist (s. oben II.3.), nicht ankommt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Dass in einem Verwaltungsverfahren, wie die Beigeladene geltend macht, nicht hinreichend rechtliches Geh&ouml;r gew&auml;hrt wurde, begr&uuml;ndet f&uuml;r das finanzgerichtliche Verfahren keinen Verfahrensfehler, der in einem Revisionsverfahren beachtlich sein k&ouml;nnte. Nicht zu entscheiden ist daher, ob die Beigeladene &uuml;berhaupt geltend machen kann, dass einer anderen Person, dem Kl&auml;ger, kein rechtliches Geh&ouml;r gew&auml;hrt wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 24.8.2016, V R 36\/15ECLI:DE:BFH:2016:U.240816.VR36.15.0 Organschaft in der Insolvenz &#8211; Keine Organschaft zwischen Schwestergesellschaften Leits&auml;tze 1. Zwischen Schwestergesellschaften besteht auch unter Ber&uuml;cksichtigung des Unionsrechts keine Organschaft nach &sect; 2 Abs. 2 Nr. 2 UStG. 2. Die Organschaft entf&auml;llt sp&auml;testens mit der Bestellung eines vorl&auml;ufigen Insolvenzverwalters mit allgemeinem Zustimmungsvorbehalt f&uuml;r die Organgesellschaft. 3. Der &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-36-15-organschaft-in-der-insolvenz-keine-organschaft-zwischen-schwestergesellschaften\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;36\/15 &#8211; Organschaft in der Insolvenz &#8211; Keine Organschaft zwischen Schwestergesellschaften<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-66286","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66286","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66286"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66286\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66286"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66286"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66286"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}