{"id":66365,"date":"2017-01-18T12:56:02","date_gmt":"2017-01-18T10:56:02","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=66365"},"modified":"2017-01-18T12:56:02","modified_gmt":"2017-01-18T10:56:02","slug":"v-r-18-16-steuerfreie-uebernahme-von-verbindlichkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-18-16-steuerfreie-uebernahme-von-verbindlichkeiten\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;18\/16 &#8211; Steuerfreie &Uuml;bernahme von Verbindlichkeiten"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 30.11.2016, V R 18\/16<br \/>ECLI:DE:BFH:2016:U.301116.VR18.16.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Steuerfreie &Uuml;bernahme von Verbindlichkeiten<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Verpflichtet sich der Unternehmer gegen Entgelt, ein Mietverh&auml;ltnis einzugehen, ist die Leistung nach &sect; 4 Nr. 8 Buchst. g UStG steuerfrei. <\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision der Kl&auml;gerin wird das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 4. November 2015&nbsp;&nbsp;7 K 7351\/13 aufgehoben und der Umsatzsteuerbescheid 2007 vom 14. August 2012 in Gestalt des &Auml;nderungsbescheides vom 15. Mai 2013 und der Einspruchsentscheidung vom 9. September 2013 dahingehend ge&auml;ndert, dass die Umsatzsteuer um 143.697,57 EUR gemindert auf &#8230; festgesetzt wird. <\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Beklagte zu tragen. <\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>I. Die A-KG (KG) war Eigent&uuml;mer eines mit einem Gewerbegeb&auml;ude bebauten Grundst&uuml;cks (Grundst&uuml;ck), das zum Teil vermietet war und im &Uuml;brigen leer stand. Die KG beabsichtigte, das Grundst&uuml;ck zu ver&auml;u&szlig;ern. Der Kaufinteressent wollte das Objekt nur unter der Bedingung erwerben, dass ein bestimmter Anteil der Leerstandsfl&auml;che zus&auml;tzlich f&uuml;r einen Zeitraum von f&uuml;nf Jahren vermietet wurde. Die KG und die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin), eine Immobilienverwaltungsgesellschaft mbH, vereinbarten daher am 19.&nbsp;Februar 2007, dass die Kl&auml;gerin &quot;unmittelbar gegen&uuml;ber dem K&auml;ufer des Grundst&uuml;cks&quot; Mieterverpflichtungen gem&auml;&szlig; dem Entwurf eines Mietvertrages &uuml;bernehmen sollte. F&uuml;r die &Uuml;bernahme dieser Mieterverpflichtung sollte die Kl&auml;gerin von der KG eine einmalige Verg&uuml;tung in H&ouml;he von 900.000&nbsp;EUR erhalten. Der Betrag war nach Eingang des Grundst&uuml;ckskaufpreises bei der KG zu zahlen. Die KG und Kl&auml;gerin schlossen noch am selben Tag den Mietvertrag ab. Das Mietverh&auml;ltnis sollte am 1.&nbsp;April 2007 beginnen und f&uuml;nf Jahre dauern. Die Monatsmiete betrug 15.000&nbsp;EUR zuz&uuml;glich Umsatzsteuer. Unter Ber&uuml;cksichtigung von Betriebs- und Nebenkostenvorauszahlungen belief sich der monatliche Gesamtmietzins auf 23.737,53&nbsp;EUR (darin enthalten Umsatzsteuer in H&ouml;he von 3.790,03&nbsp;EUR).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die KG ver&auml;u&szlig;erte das Grundst&uuml;ck mit notariellem Vertrag vom 19.&nbsp;Februar 2007 an den Erwerber. Der Erwerber trat in das zwischen der Kl&auml;gerin und der KG begr&uuml;ndete Mietverh&auml;ltnis ein. Die Kl&auml;gerin erhielt im Streitjahr 2007 von der KG die vereinbarte Verg&uuml;tung von 900.000&nbsp;EUR und legte den Betrag als Festgeld bei einer Bank an, die die vertraglich vorgesehene B&uuml;rgschaft zugunsten des Vermieters ausreichte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Anschluss an eine Au&szlig;enpr&uuml;fung ging der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;), davon aus, dass die Kl&auml;gerin aufgrund der Vereinbarung vom 19.&nbsp;Februar 2007 eine steuerbare und steuerpflichtige Leistung erbracht habe. Das FA erh&ouml;hte die zum Regelsteuersatz steuerpflichtigen Ums&auml;tze um das sich aus der Gegenleistung von 900.000&nbsp;EUR errechnete Entgelt von 756.303&nbsp;EUR und die Umsatzsteuer um 143.697,57&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Einspruch und Klage zum Finanzgericht (FG) hatten keinen Erfolg. Nach dem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2016, 1112 ver&ouml;ffentlichten Urteil des FG erbrachte die Kl&auml;gerin eine steuerbare Leistung. Die KG habe durch die Bereitschaft der Kl&auml;gerin, den Mietvertrag gem&auml;&szlig; den Vorgaben der KG abzuschlie&szlig;en, einen Vorteil mit wirtschaftlichem Gehalt erlangt, da der Erwerber des Grundst&uuml;cks ein Interesse an einer m&ouml;glichst hohen Vermietungsquote ge&auml;u&szlig;ert hatte. Der Mietvertrag mit der Kl&auml;gerin sollte die geforderte Vermietungsquote herstellen, ohne dass ein Interesse an der Vermietung bestimmter Geb&auml;udeteile bestanden habe. Unter Ber&uuml;cksichtigung der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ&auml;ischen Union (EuGH) zur Sechsten Richtlinie 77\/388\/EWG des Rates vom 17.&nbsp;Mai 1977 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten &uuml;ber die Umsatzsteuern (Richtlinie 77\/388\/EWG) habe die KG nicht daf&uuml;r gezahlt, dass die Kl&auml;gerin mit ihr f&uuml;r die Laufzeit des Mietvertrages ein Mietverh&auml;ltnis unterhielt, sondern daf&uuml;r, dass die Kl&auml;gerin sich bereit erkl&auml;rte, ein solches Mietverh&auml;ltnis &uuml;ber die vereinbarte Laufzeit unter Stellung einer Mietsicherheit mit dem Erwerber durchzuf&uuml;hren, obwohl die Kl&auml;gerin an der Anmietung von Fl&auml;che nicht interessiert gewesen sei. Dadurch sei der KG ein verbrauchbarer Vorteil zugeflossen, da sie nunmehr den Kaufvertrag mit dem Erwerber abschlie&szlig;en konnte. Die Leistung der Kl&auml;gerin sei auch nicht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;8 Buchst.&nbsp;g des Umsatzsteuergesetzes (UStG) steuerfrei. Die dort vorgesehene Steuerfreiheit f&uuml;r die &Uuml;bernahme von Verbindlichkeiten, von B&uuml;rgschaften und anderen Sicherheiten sowie die Vermittlung dieser Ums&auml;tze erfasse nicht die Eingehung gegenseitiger Vertr&auml;ge. Die Leistung habe auch nicht den Charakter eines Finanzgesch&auml;fts, da das Eingehen eines Mietvertrags kein banktypisches Gesch&auml;ft sei und sich nicht im Hin- und Herbewegen von Kapital ersch&ouml;pfe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich die Kl&auml;gerin mit ihrer Revision, die sie auf Verletzung materiellen Rechts st&uuml;tzt. Sie habe bereits keine Leistung ausgef&uuml;hrt, die &uuml;ber die Zahlung des Mietzinses hinausgehe. Sie habe insbesondere keine Werbeleistung als Prestigemieter erbracht. Ein Vorteil habe sich im Streitfall nur aus der Zahlung der Miete ergeben. Selbst wenn eine Leistung vorl&auml;ge, sei diese zumindest steuerfrei. Dem stehe die Rechtsprechung zur &Uuml;bernahme bestehender Vertr&auml;ge nicht entgegen. Mit der Mietzahlung habe sie eine Geldverbindlichkeit &uuml;bernommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das Urteil des FG aufzuheben und den Umsatzsteuerbescheid 2007 vom 14.&nbsp;August 2012 in Gestalt des &Auml;nderungsbescheides vom 15.&nbsp;Mai 2013 und der Einspruchsentscheidung vom 9.&nbsp;September 2013 dahingehend zu &auml;ndern, dass die Umsatzsteuer um 143.697,57&nbsp;EUR gemindert auf &#8230; festgesetzt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Leistung der Kl&auml;gerin sei steuerbar und nicht steuerfrei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>II. Die Revision der Kl&auml;gerin ist begr&uuml;ndet. Das Urteil des FG ist aufzuheben und der Klage stattzugeben (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Der Senat hat bereits Zweifel, ob die durch die Kl&auml;gerin erbrachte Leistung &uuml;berhaupt steuerbar ist. Sie ist jedenfalls nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;8 Buchst.&nbsp;g UStG steuerfrei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die &Uuml;bernahme von Verbindlichkeiten, von B&uuml;rgschaften und anderen Sicherheiten sowie die Vermittlung dieser Ums&auml;tze ist steuerfrei (&sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;8 Buchst.&nbsp;g UStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a)&nbsp;&sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;8 Buchst.&nbsp;g UStG erfasst nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) z.B. die entgeltliche &Uuml;bernahme einer Ausbietungsgarantie (Urteil vom 22.&nbsp;Oktober 1992 V&nbsp;R&nbsp;53\/89, BFHE 169, 551, BStBl II 1993, 318, Leitsatz). Steuerfrei ist auch der steuerbare Verzicht auf eine Mietgarantie, wenn die Einr&auml;umung der Mietgarantie nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;8 Buchst.&nbsp;g UStG steuerfrei ist oder &#8211;bei Entgeltlichkeit&#8211; steuerfrei w&auml;re (BFH-Urteil vom 15.&nbsp;April 2015 V&nbsp;R&nbsp;46\/13, BFHE 250, 253, BStBl II 2015, 947, Leitsatz&nbsp;2).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Unionsrechtlich beruht die Steuerfreiheit auf Art.&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;c der Richtlinie 2006\/112\/EG des Rates vom 28.&nbsp;November 2006 &uuml;ber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem (MwStSystRL) (zuvor: Art.&nbsp;13 Teil&nbsp;B Buchst.&nbsp;d Nr.&nbsp;2 der Richtlinie 77\/388\/EWG). Steuerfrei ist danach die Vermittlung und &Uuml;bernahme von Verbindlichkeiten, B&uuml;rgschaften und anderen Sicherheiten und Garantien sowie die Verwaltung von Kreditsicherheiten durch die Kreditgeber. Diese Steuerfreiheit bezieht sich auf Finanzdienstleistungen (EuGH-Urteil Velvet &#038; Steel Immobilien vom 19.&nbsp;April 2007 C-455\/05, EU:C:2007:232, Rz&nbsp;21 zu Art.&nbsp;13 Teil&nbsp;B Buchst.&nbsp;d Nr.&nbsp;2 der Richtlinie 77\/388\/EWG). Hierzu geh&ouml;rt nicht die &Uuml;bernahme der Verpflichtung, eine Immobilie zu renovieren, da es sich der Art nach nicht um ein Finanzgesch&auml;ft handelt (EuGH-Urteil Velvet &#038; Steel Immobilien, EU:C:2007:232, Rz&nbsp;23). Der EuGH hat dies insbesondere damit begr&uuml;ndet, dass die Befreiung von Finanzgesch&auml;ften bezwecke, Schwierigkeiten zu beseitigen, die mit der Bestimmung der Bemessungsgrundlage verbunden sind (EuGH-Urteil Velvet &#038; Steel Immobilien, EU:C:2007:232, Rz&nbsp;24). Der Begriff der &quot;&Uuml;bernahme von Verbindlichkeiten&quot; i.S. von Art.&nbsp;13 Teil&nbsp;B Buchst.&nbsp;d Nr.&nbsp;2 der Richtlinie 77\/388\/EWG schlie&szlig;t somit andere als Geldverbindlichkeiten, wie die Verpflichtung, eine Immobilie zu renovieren, von der Steuerfreiheit aus (EuGH-Urteil Velvet &#038; Steel Immobilien, EU:C:2007:232, Rz&nbsp;26).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zudem ist Art.&nbsp;13 Teil&nbsp;B Buchst.&nbsp;d Nr. 2 der Richtlinie 77\/388\/EWG eng auszulegen und definiert die danach steuerfreien Ums&auml;tze durch die Art der erbrachten Dienstleistungen und nicht durch den Erbringer oder Empf&auml;nger der Leistung (EuGH-Urteil Swiss Re vom 22.&nbsp;Oktober 2009 C-242\/08, EU:C:2009:647, Rz&nbsp;44). Dabei ist die entgeltliche &Uuml;bertragung eines Bestands von Lebensr&uuml;ckversicherungsvertr&auml;gen eine einheitliche Leistung, die nicht k&uuml;nstlich in zwei Leistungen, die &Uuml;bernahme von Verbindlichkeiten i.S. von Art.&nbsp;13 Teil&nbsp;B Buchst.&nbsp;d Nr.&nbsp;2 der Richtlinie 77\/388\/EWG und einen Umsatz im Gesch&auml;ft mit Forderungen i.S. von Art.&nbsp;13 Teil&nbsp;B Buchst.&nbsp;d Nr.&nbsp;3 der Richtlinie 77\/388\/EWG, aufgespalten werden kann (EuGH-Urteil Swiss Re, EU:C:2009:647, Rz&nbsp;52).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Im Streitfall hat die Kl&auml;gerin eine steuerfreie Leistung erbracht. Verpflichtet sich der Unternehmer gegen Entgelt, als Mieter ein Mietverh&auml;ltnis einzugehen, ist die Leistung nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;8 Buchst.&nbsp;g UStG steuerfrei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Gegenstand der von der Kl&auml;gerin aufgrund des Vertrages vom 19.&nbsp;Februar 2007 erbrachten Leistung ist es, ein Mietverh&auml;ltnis als Mieter einzugehen. Die Kl&auml;gerin wurde hierdurch gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;535 Abs.&nbsp;2 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs als Mieter verpflichtet, dem Vermieter die vereinbarte Miete zu entrichten. Mit ihrer Leistung gegen Entgelt, einen Mietvertrag als Mieter abzuschlie&szlig;en, hat die Kl&auml;gerin somit i.S. von &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;8 Buchst.&nbsp;g UStG eine Verbindlichkeit begr&uuml;ndet und entsprechend der EuGH-Rechtsprechung (Urteil Velvet &#038; Steel Immobilien, EU:C:2007:232, Rz&nbsp;26) eine Geldverbindlichkeit &uuml;bernommen. Sie unterscheidet sich von den durch ihre Erf&uuml;llung begr&uuml;ndeten Verbindlichkeiten aus dem Mietvertrag.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Da sich die Steuerfreiheit bei richtlinienkonformer Auslegung nach Art der erbrachten Dienstleistungen und nicht durch den Erbringer oder Empf&auml;nger der Leistung definiert (EuGH-Urteil Swiss Re, EU:C:2009:647, Rz&nbsp;44), kommt es nicht darauf an, ob der Leistende eine bereits bestehende Verbindlichkeit &uuml;bernimmt oder erstmals eine Verbindlichkeit begr&uuml;ndet. Eine Einschr&auml;nkung dergestalt, dass es sich um die Leistung an eine Person handeln muss, zu deren Lasten bereits eine Verpflichtung besteht, ist auch bei enger Auslegung des Befreiungstatbestands nicht erforderlich und w&uuml;rde zu einem Versto&szlig; gegen das Neutralit&auml;tsprinzip f&uuml;hren. Danach m&uuml;ssen die Wirtschaftsteilnehmer in der Lage sein, das Organisationsmodell zu w&auml;hlen, das ihnen am besten zusagt, ohne Gefahr zu laufen, dass ihre Ums&auml;tze von der Steuerbefreiung nach der Richtlinie ausgeschlossen werden (EuGH-Urteile GfBk vom 7.&nbsp;M&auml;rz 2013 C-275\/11, EU:C:2013:141, Leitsatz&nbsp;3, sowie Rz&nbsp;30 und 31, sowie Abbey National vom 22.&nbsp;Februar 2001 C-408\/98, EU:C:2001:110, sowie Ludwig vom 21.&nbsp;Juni 2007 C-453\/05, EU:C:2007:369, Rz&nbsp;35; vgl. auch BFH-Urteil vom 22.&nbsp;Juni 2016 V&nbsp;R&nbsp;46\/15, BFHE 254, 272, unter&nbsp;II.2.b&nbsp;bb&nbsp;(4)). Somit ist nicht danach zu differenzieren, ob die Kl&auml;gerin die Verpflichtungen aus einem bereits zuvor abgeschlossenen Mietvertrag von einem Mieter &uuml;bernimmt oder sich selbst unmittelbar zum Eingehen eines Mietverh&auml;ltnisses verpflichtet. Die Leistung der Kl&auml;gerin ist daher ebenso steuerfrei, wie wenn der Grundst&uuml;ckseigent&uuml;mer den Mietvertrag zun&auml;chst mit einem Dritten geschlossen h&auml;tte und sich die Kl&auml;gerin zur Vertrags&uuml;bernahme gegen Entgelt verpflichtet h&auml;tte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Zudem sprechen auch die Schwierigkeiten bei der Bestimmung der Bemessungsgrundlage (vgl. EuGH-Urteil Velvet &#038; Steel Immobilien, EU:C:2007:232, Rz&nbsp;24) f&uuml;r eine Steuerfreiheit. Denn im Streitfall hat die Kl&auml;gerin f&uuml;r die Verpflichtung zur Eingehung eines Mietverh&auml;ltnisses eine Zahlung in H&ouml;he der von ihr aus dem Mietverh&auml;ltnis insgesamt geschuldeten Nettomieten erhalten. Bei wirtschaftlicher Betrachtung liegt ihr Vorteil mithin darin, dass sie Mieten &uuml;ber eine Laufzeit von f&uuml;nf Jahren zu zahlen hat, w&auml;hrend sie die Gesamtsumme dieser Nettomieten bereits beim Vertragsschluss erhalten hat. Damit erlangt sie nur einen Zinsvorteil aus ihrer Leistung. Es w&uuml;rde daher nicht zu einer zutreffenden Besteuerung f&uuml;hren, die von ihr im Streitjahr vereinnahmte Zahlung entsprechend &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 UStG in voller H&ouml;he als Gegenleistung bestehend aus Entgelt und Umsatzsteuer zu behandeln.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Danach ist das Urteil des FG aufzuheben und der Klage stattzugeben. Das FG hat bei seiner Entscheidung nicht hinreichend ber&uuml;cksichtigt, dass das von ihm angenommene &quot;Hin- und Herbewegen von Kapital&quot; durchaus den Charakter eines &quot;Finanzgesch&auml;fts&quot; (EuGH-Urteil Velvet &#038; Steel Immobilien, EU:C:2007:232, Rz&nbsp;24) hatte. Zudem hat das FG nicht erkannt, dass Gegenstand der von der Kl&auml;gerin erbrachten Leistung nicht das blo&szlig;e &quot;Eingehen eines Mietvertrages&quot; durch Abschluss eines Mietvertrages war, sondern die hiervon gesondert eingegangene Verpflichtung, sich als Mieter zu Geldzahlungen zu verpflichten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 30.11.2016, V R 18\/16ECLI:DE:BFH:2016:U.301116.VR18.16.0 Steuerfreie &Uuml;bernahme von Verbindlichkeiten Leits&auml;tze Verpflichtet sich der Unternehmer gegen Entgelt, ein Mietverh&auml;ltnis einzugehen, ist die Leistung nach &sect; 4 Nr. 8 Buchst. g UStG steuerfrei. Tenor Auf die Revision der Kl&auml;gerin wird das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 4. 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